Resident Evil 5 (2012)

Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Man glaubt, sich gerade vom letzten Resident Evil-Film erholt und die Ladung an Story-Dünnpfiff endlich verdaut zu haben, da schneit auch schon Teil 5 herein. Im Originial heißt der Streifen ‚Retribution‘, aber scheinbar hat man in Deutschland die wahrlich unglaublich beliebigen Beinamen satt. Genauso satt hat Regisseur und Drehbuchautor Paul W. S. Anderson, seines Zeichens Ehegatte von Milla Jovovich, jegliche Standards an nachvollziehbarer Handlung. Und als ob das noch nicht reicht, wird dreist aus allerlei Spielen und Filmen geklaut.

Nachdem im vierten Teil Alice (Milla Jovovich) auf einem Schiff den Oberschurken der Umbrella Corporation Wesker (Shawn Roberts) gestellt hat, endete Afterlife mit einem Cliffhanger, indem sich die arme Frau einem Bataillon an Kampfhubschraubern gegenübergestellt sah. Daran knüpft Retribution an: Alice wird gefangengenommen und eingesperrt. Wer sich bei der halbnackten Inhaftierten unfreiwillig an das Fünfte Element oder an beinahe jeden Vorgängerfilm der Reihe erinnert, liegt wohl nicht ganz falsch. Dann wird die Gute von Ada Wong (Bingbing Li) befreit und die Frauen fliehen durch den Gebäudekomplex und treffen nebenbei auf alte Bekannte, die sich als Klone entpuppen: Michelle Rodriguez, Oded Fehr, usw. Der Hauptcomputer, der in Form eines kleinen Mädchens dargestellt wird, ist nämlich böse und will alles und jeden töten.

Und jetzt mal eine kleine Aufzählung, was hier an Ideen schamlos kopiert wurde. Relativ zu Anfang gibt es eine Sequenz in einem amerikanischen Vorort, in dem die Zombieapokalypse ausbricht. Das erinnert sehr stark an Zack Snyders ‚Dawn of the Dead‘-Remake. Der Blödsinn mit den Klonen scheint eine Art ‚The 6th Day‘-Hommage zu sein. Aber keine Angst, Anderson schafft es, jegliche Ansätze von Sozialkritik im Keim zu ersticken. Am Ende sieht man unsere Helden auf dem Weißen Haus stehen, umringt vom Feuer des Krieges. Das wäre dann wohl Modern Warfare 2. Und dann kopiert sich Resident Evil stellenweise selbst. Nicht nur die nackte Alice kam schon dutzendfach vor. Auch die großen Gegner aus dem vierten Teil dürfen wieder ran. Das Fürchterliche ist, dass diese eine Axt werfen. Da hat man den gleichen blöden Effekt aus dem Vorgängerfilm nochmal benutzt. Zum Schluss fliegt ein Monstrum in den Zuschauer hinein, das verdammt stark an einen Mutalisken aus Starcraft erinnert. Der böse Obercomputer ist eine abgespeckte Version von Alma aus F.E.A.R.

Das ist dann noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Die gesamte Handlung ist eine Ausgeburt der Lächerlichkeit. Der Film ist stellenweise dermaßen inkonsistent, dass es wirklich wehtut. Besonders Alice als Heldin springt von einer Sequenz zur nächsten, blutet nebenbei aus der Brust, scheint ansonsten aber ganz fit zu sein. Problematisch sind auch die Sprünge der Orte. Da in der Anlage mehrere Großstädte nachgebaut sind, schafft es Retribution, von einem amerikanischen Vorort runter zur Moskauer Metro und von da aus zum Big Apple. Reisegenuss à la Paul W. S. Anderson. Manchmal hat man auch den Eindruck, dass er sich nicht entscheiden konnte, ob die Helden gegen Zombies oder Klone antreten müssen. Ist auch eigentlich egal. Hauptsache Geballer. Das ist aber widerum total lächerlich geschnitten. Während alle aus der Deckung ballern, steht die böse und in lila Latex gekleidete Jill Valentine (Sienna Guillory) einfach in der Mitte des Ganges und ballert mit zwei Pistolen, wobei bei den alternierenden Schüssen entweder die linke oder die rechte Brust nach vorne schnellt. Das sieht dermaßen bescheuert aus, dass man sich kaum noch über ihren Ausschnitt freuen kann.

Neben dem Standard-Cliffhänger-Ende, an das man als Fan der Serie gewöhnt sein sollte, ist eine Stelle besonders bemerkenswert. Einerseits, weil ein Charakter so mir nichts dir nichts stirbt. Andererseits, weil ein großer Kerl (Kevin Durand) erst meint, er würde jetzt sterben, dann allerdings doch noch die Kraft findet, rumzuballern. Natürlich verreckt er kurz darauf mti Zigarre im Mund. Was für ein Held.

Die Effekte sind ebenfalls nicht besonders. Zugegeben, der Anfang, in dem wir die ersten gut 60 Sekunden erst rückwärts sehen, dann eine Zusammenfassung aller Filme bekommen, um dann den Anfang nochmal in normaler Geschwindigkeit und Abfolge zu sehen, ist durchaus sehenswert. Was aber danach an Tricktechnik zu sehen ist, ist wahrlich weder besonders ansprechend noch atemberaubend. Die Kampfsequenzen wirken dabei auf mich auch teilweise hölzern und irgendwie billig.

Eigentlich könnte ich noch stundenlang weiter über den Film motzen. Es stimmt einfach rein gar nichts. Man erwartet natürlich keine ausgefeilte Handlung bei einem Zombie-Videospiel-Streifen. Aber der fünfte Teil der Reihe schlägt dem Fass den Boden aus. Da steckt kein Fünkchen Liebe mehr drin (falls da jemals so etwas dabei war). Es ist nur noch Geldmacherei. 65 Millionen Dollar sind ein kleiner Einsatz, wenn man in kürzester Zeit wieder 200 Millionen drin hat. Und 3D ist nur nochmal ein weiteres Mittel, leicht begeisterten Minderjährigen ein paar Euro mehr aus der Tasche zu ziehen.

Keine Ahnung, wem das hier gefallen soll. Aber was ich davon halte, ist sowieso egal. Es haben genug Leute den Film im Kino gesehen, um Teil 6 zu finanzieren. Das Ende des Blödsinns ist noch lange nicht in Sicht.

 

Regie: Paul W. S. Anderson (Resident Evil  1 + 4, Alien vs. Predator, Death Race, Mortal Kombar)

Schauspieler: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Bingbing Li, Boris Kodjoe

Bewertung: 

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