Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)

Das mit den Prequels ist immer so eine Sache. Im Grunde geht es meistens darum, ein vorhandenes Universum zu erweitern und dadurch den Fans der Vorlage mehr vom Gleichen zu geben. Prequels können dabei gut sein, oder aber auch seelenlose Verwurstungen von etwas einstmal Gutem. Im Grunde ist der Pate II das beste Beispiel für gelungene Vorgeschichten. Auch Planet der Affen: Prevolution oder X-Men: Erste Entscheidung funktionieren gut und sind dabei auch selbstständig als Filme interessant genug, um mit ihren Vorgängern mithalten zu können. Zeitgleich ist jedoch X-Men Origins: Wolverine ziemlich blöd. Ein weiterer Blick auf Wikipedia offenbart, dass Prequels meistens eher Low-Budget-Streifen sind, die dem Original nicht das Wasser reichen können und den Fans einfach nur noch ein wenig Geld aus der Tasche ziehen sollen. Wenn wir jetzt ins Alien-Universum einschwenken, dann wissen wir auch, dass mit den beiden ‚Alien vs. Predator‘-Filmen zwei grenzdebile „Prequels“ bereits Einzug in dieses Franchise gehalten haben.

Nun kehrt Regisseur Ridley Scott zu seinem eigenen Alien-Universum zurück. 33 Jahre nach Alien. Und nachdem sich James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet an dieser Welt ausprobiert haben und dabei doch so grundlegend unterschiedliche Filme gemacht haben, die in Sachen Spannung und Horror nie an das Erstlingswerk herangereicht haben. Denn Alien verwandelte den Weltraum in einen fürchterlichen und unheimlichen Ort. Vorher war praktisch alles abenteuerlich und kindgerecht. Ob Star Wars oder Trek, nie fürchteten sich die Protagonisten in den Weiten des Alls. Bis sich Sigourney Weaver auf einmal alleine mit diesem Monster herumschlagen musste. Wen die Hintergründe der vier Alien-Filme interessieren, dem sei diese Seite hier ans Herz gelegt. Ansonsten sei gesagt, dass ‚Prometheus‘ definitiv ein Prequel ist. Aber vermutlich nicht so, wie man es erwartet hätte.

Der Film beginnt mit einem weißen muskulösen Männchen. Das haarlose Etwas konsumiert irgendetwas und fängt daraufhin an, sich aufzulösen und fällt anschließend in einen Wasserfall hinein. Über ihm schwebt nebenbei ein Raumschiff. Was diese Szene zu bedeuten hat? Wahrscheinlich die Erschaffung des Menschen. Hurra! Nun beginnt der eigentliche Film. Wir sehen, wie im Jahre 2089 die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) auf ein sich wiederholendes Sternen-Muster in alten Höhlenmalereien stoßen. Dieses interpretieren sie als Einladung und so wird das Forschungsraumschiff Promtheus zum Mond LV-223 geschickt, der wohl bewohnbar und Ursprung der Botschaften sein soll. Gesponsert wird die Reise von der Weyland Corp. und die Leitung hat die wenig sympathische Meredith Vickers (Charzlize Theron). Mit an Bord ist der Android David (Michael Fassbender) und Captain Janek (Idris Elba). Das Schiff erreicht 2093 den Zielort und man stößt schnell auf Spuren einer alten Zivilisation, undzwar auf eine komplexe Höhlenanlage.

Was genau der Film dann nun sein soll, ist schwer zu sagen. In den 124 Minuten gibt es Action, ein ganz kleines bisschen Horror und total viele Rätsel. Das ist dann auch vermutlich das größte Problem. ‚Prometheus‘ kann sich nie festlegen, was es sein soll. Es wird ein ziemlich bescheuerter Disput innerhalb der Weyland-Familie angedeutet, es wird ein wenig mit den aus ‚Alien‘ bekannten Elementen gespielt und es wird ein wenig geforscht. Dabei ist die Handlung linear, aber trotzdem unlogisch und die Protagonisten sind allesamt merkwürdig flach und unnahbar. Während Vickers die größte Bitch im Universum ist und der Android David ohnehin künstlich, sind alle anderen Charektere wenig nachvollziehbar. Ein Geologe, der eine Karte der zu untersuchenden Höhlen anlegt, um sich kurz darauf zu verirren. Ein Biologe, der unbedingt mit einer gefährlichen Alien-Schlange schmusen will und dann auch muss. Holloway, der trotz der überwältigenden Funde urplötzlich den Emo macht. Und noch ganz viele andere Kleinigkeiten. Ich habe mir beim Schauen die Mühe gemacht, einzelne Fehler und Ungereimtheiten aufzuschreiben und komme auf ungefähr 20, von denen einige schon zusammengefasst sind und sich durch den ganzen Film ziehen. Warum schickt man die größten Dummbatzen der Welt auf eine Mission, die eine Billion Dollar kostet? Warum lernen die sich nicht schon vorher kennen?

Und warum muss man so einen grundlegend dämlichen Story-Twist rund um die Weyland-Corporation einbauen, der so rein gar nicht hilfreich ist? Dann gibt es noch so einige weitere Dinge, aber es wäre zu müßig, alle aufzuzählen. Zumal ich damit auch den gesamten Film spoilen würde. Interessanterweise sind mir beim ersten Schauen alle diese Sachen nicht so sehr aufgefallen. Doch beim zweiten Gucken ist es schwer, darüber hinwegzusehen. ‚Prometheus‘ hat natürlich auch positive Seiten. Die Naturaufnahmen und die gesamte Optik, die sich am Ende in einer gigantischen Actionsequenz die Kante gibt, sind spitze. Und wer sich im ‚Alien‘-Franchise zurechtfindet, bekommt ein paar Anleihen zu spüren, die sich durchaus sinnvoll in das Universum fügen.

Das Ende und das Finale an sich empfand ich dann auch echt gut, zumal ein mögliches Sequel wünschenswert wäre. Dabei grenzt sich ‚Prometheus‘ auch deutlich von ‚Alien‘ ab und bewahrt sich Selbständigkeit. Weniger befriedigend ist allerdings, dass diverse aufgeworfene Mysterien nicht aufgelöst werden.

Der Film gefällt mir. Die bombastische Bildsprache ist im Sci-Fi-Genre nicht unbedingt oft anzutreffen und das gesamte Franchise gefällt mir. Trotzdem gibt es an so gut wie jeder Stelle auch Macken. Sei es die doch sehr lose Handlung oder die völlig oberflächlichen Protagonisten. Noomi Rapce ist neben Michael Fassbender im Grunde die Einzige, die ihrer Figur wahres Leben einhaucht, nicht zuletzt auch durch den ersten Live-Kaiserschnitt der Filmgeschichte. Guy Pearce ist in seiner Rolle völlig verschwendet und seine Maske zudem wirklich mies. Dann ist doch aber zeitgleich Fassbender in seiner Rolle überwältigend gut. Ich habe noch nie einen glaubwürdigeren künstlichen Menschen gesehen. Bewegungen, Aussprache, Mimik und Gestik sind unglaublich gut.

Es ist nicht leicht, ‚Prometheus‘ in eine Kiste zu stecken. Manches funktioniert, vieles nicht. Prinzipiell finde ich den Film sehenswert. Allerdings weiß ich nicht, ob ‚Alien‘-Fans ihn mögen würden oder nicht. Es ist mehr Hollywood hier drin und ein Klassiker wie das Original ist dies einfach nicht. Leider werden Ridley Scotts Filme im Alter nicht gerade besser. Für mich persönlich funktioniert die Welt jedoch, die hier konsturiert wird. Es ist aber auch nachzuvollziehen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

2014 oder 2015 kommt das Sequel, ebenfalls von Ridley Scott. Dann wird sich zeigen, ob die Geschichte ihr Potential nutzt, das es auf alle Fälle hat, oder ob hieraus letztendlich doch nur Hollywood-Sci-Fi-Standardkost wird. Dann kann sich ‚Prometheus‘ hoffentlich auch komplett von ‚Alien‘ emanzipieren, was der Geschichte nur zuträglich wäre.

Regie: Ridley Scott (Blade Runner, Alien, American Gangster, Gladiator, Black Hawk Down)

Schauspieler: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce

Bewertung: 

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