Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010)

Wenn ein Film mit einem pseudophilosophischen Spruch vor einer malerischen Landschaft anfängt, dann ist bereits Vorsicht geboten. Und wenn es sich außerdem um eine Computerspieleverfilmung von Disney handelt, wird der eine oder andere bereits ausschalten. Einfach weil es keine guten Filme basierend auf Spielen gibt (außer Silent Hill), siehe Battleship, Doom, Resident Evil, Far Cry, Street Fighter, Tekken, Super Mario Bros., Max Payne, Lara Croft, Postal, Alone in the Dark, Wing Commander usw. Wer auch nur die Hälfte der erwähnten Schinken konsumiert hat, dem wird gerade ein kalter Schauer den Rücken runterlaufen. Allerdings sprechen 200 Millionen Dollar Budget doch für großes Vertrauen in die Produktion rumd um den persischen Prinzen.

Gleich nach der Instagram-esken Anfangssequenz wird uns der junge Dastan präsentiert, der vom persischen König (Alfred Molina) so mir nichts dir nichts auf dem Basar adoptiert und zum Teil der Königsfamilie wird. Wir springen ein paar Jahre in die Zukunft und Dastan (Jake Gyllenhal) ist ein stattlicher Mann geworden, der zusammen mit seinen Brüdern und Onkel Nizam (Ben Kingsley) in den Kampf um die Stadt Alamut zieht. Die Herrscherin des Örtchens Tamina (Gemma Arterton) ist natürlich nicht von der Eroberung und dem Blutbad begeistert. Als die Perser gerade die große Orgie bzw. Party starten wollen, kippt der König auf einmal tot um und Dastan wird zum Verräter und Vatermörder erklärt. Mit Tamina und zufälligerweise auch einem ziemlich heiligen und mächtigen Dolch flieht er in die Wüste. Dann tingelt das Pärchen durch die ewigen Weiten, natürlich streitend und mit total lustigen Dialogen. Coolerweise enthält das Brotmesser den Sand der Zeit, der dem Träger die Fähigkeit verleiht, kurze Zeitsprünge in die Vergangenheit zu tätigen und so etwaige Fehler zu vermeiden. Es folgt eine Odyssee durch sandige Orte und ohne klaren Plan. Zumindest wirkt die gesamte Geschichte arg unkreativ.

Wir treffen auf einen total lustigen Banditen. Der ist übrigens total lustig. Auch Dastan ist lustig, weil er eine große Klappe hat. Nur seine weibliche Begleitung schafft es, nicht nur dem Prinzen, sondern auch dem Zuschauer erheblich auf den Zeiger zu gehen. Da hilft auch das hübsche Gesicht von Gemma Arterton nicht. Aber wie sollte es auch anders sein: Wenn man eine Woche zusammen verbringt, bricht das Eis und die mehr als durchschaubare Beziehung zwischen Prinz und Prinzessin bahnt sich ihren Weg. Dabei schafft es der Film, von Anfang bis Ende unendlich oberflächlich zu sein. Praktisch jede Person ist charakterlos. Dastan ist der Junge von der Straße, der seine Familie retten will und der aber auch total edle Beweckgründe hat. Tamina ist nerviger als ein Furunkel und einfach eine Bitch, die zum Ende hin aber netter wird und Gefühle zeigt. Ben Kingsley als Onkel ist ein zu stark geschminkter Glatzkopf, der so durchschaubar ist wie ein Fenster bei Tag. Und hier und da gibt es dann die mehr oder weniger überflüssigen Sidekicks, die für einen Witz herhalten und danach ziemlich schnell in Vergessenheit geraten.

Disney versucht mit Dastan, eine Art Jack Sparrow der Wüste zu kreieren und dabei zeitgleich nicht zu nah an den Captain heranzukommen. So ist der Prinz aber nie wirklich sympathisch. Einfach weil Johnny Depp ein ganz anderes Kaliber ist und auch weil die Dialoge nicht viel Raum zum Kennenlernen lassen. Dass die Handlung dabei total unmotiviert und teilweise auch nicht glücklich geschnitten wirkt, hilft dem Film leider nicht weiter. Und gerade als am Ende die Story in ein eher unspannendes Finale hinausläuft, schafft es Prince of Persia, mit einem sehr netten Twist die Geschichte zu retten. Das Aushängeschild der Spielereihe, nämlich die rätselartigen Sprungpassagen, kommen nicht häufig vor. Das ist auch verständlich, denn was im Spiel Spaß macht, würde hier defninitv nicht funktionieren. Das hätte man womöglich mit Parcours-Elementen kompensieren können, aber auch das bleibt die Ausnahme. Die Erstürmung von Alamut mit dem kletternden und hüpfenden Dastan ist dabei das Highlight und besitzt auch eine angenehme Dynamik und einen Bewegungsfluss, der später nie wieder erreicht wird.

Die Bösewichte, die ich mal lieber nicht spoile, sind außerdem irgendwo zwischen dämlich und auf Droge. Oder beides. Denn der verfolgte fiese Plan grenzt an Debilität. Dadurch existiert wahrlich nicht eine prägnante Figur im Film. Selbst Oscar-Preisträger Ben Kingsley kann da nicht viel ausrichten. Und so ist Prince of Persia nicht viel mehr als ein 08/15-Hollywood-Film. Glattpoliert und professionell gemacht, aber ohne Seele, ohne Witz und vor allem ohne Erinnerungswertes. Eine weitere seelenlose Big-Buget-Produktion, die sich nicht traut, irgendetwas Markanter oder Innovatives zu versuchen. Wer Bock auf die Wüste hat, guckt sich lieber ‚Die Mumie‘ an. Die Effekte sind zwar nicht wirklich zeitgemäß, aber der Humor macht das allemal wett. ‚Aladdin‘ und ‚Asterix und Kleopatra‘ bieten neben Sand auch einen hohen Unterhaltungswert.

Und die Moral von der Geschichte? Effekte ersetzen weder Handlung noch Charaktere. Genausowenig macht Instagram aus uns allen total tolle Fotografen. Da hilft auch der pseudophilosphische Spruch nicht, der nochmal am Ende erscheint.

Regie: Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch, Donnie Brasco, Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Die Liebe in Zeiten der Cholera)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Ben Kingsley, Gemma Arterton

Bewertung: 

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