Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten (2011)

Jack Sparrow (Johnny Depp) landet als einfacher Matrose auf dem Schiff des gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane) und dessen Tochter und 1. Offizier Angelica (Penélope Cruz). Der Dunkelbärtige will die Quelle der ewigen Jugend ausfindig machen und so seinen baldigen prophezeiten Tod verhindern. Auch die spanische Marine ist auf der Suche danach, genauso ein britisches Schiff unter Kapitän Barbossa (Geoffrey Rush).

Die Geschichte um Will Turner und Elizabeth Swan ist mit den ersten drei Filmen abgeschlossen, so beginnt nun etwas Neues. Wieder einmal jagen diverse Leute etwas hinterher, das ist nicht neu. Wieder kreuzen sich deren Wege. Es gibt dieses Mal keine Kämpfe auf hoher See, nur einmal an der Küste müssen mehrere dutzend Meerjungfrauen filettiert werden. Es gibt wieder mal eine Szene (am Anfang), in der Jack Sparrow auf unnachahmliche Weise dem drohenden Galgen entwischt. Und es gibt hier und da einen Lacher.

Aber irgendwie ist alles auf Sparflamme. Es fehlen bombastische Seeschlachten (die in 3D vielleicht gar nicht so übel gewesen wären) oder interessante Konversationen. Die Charaktere sind auch nicht besonders interessant. Angelicas Charakter zum Beispiel. Sie hat eine Vorgeschichte mit Jack Sparrow und sieht auch ganz lecker aus. Doch warum sie teilweise auf so dümmliche Weise handelt ist nicht erklärt. Es mangelt ihr irgendwie an Motivation. Ja, sie will ihren Vater am Leben erhalten, doch dazu ist die gesamte Beziehung viel zu oberflächlich. Sie wirkt dumm. Blackbeard ist angeglich von allen gefürchtet, doch außer ein wenig Grausamkeit und Egoismus kann man ihm nicht wirklich viel mehr vorwerfen. Er ist in keinster Weise furchterregend. Da sehnt man sich nach Barbossa als Schurken aus Teil 1 oder Davy Jones in den beiden Nachfolgern zurück. Sogar der Fiesling der East India Trading Company hatte mehr Charisma!

Hinzu kommt ein großes Maß an Obeflächlichkeit und lapidarem ‚Nimm es halt hin wie es ist‘. Nicht nur, dass alle Figuren wenig Begeisterung versprühen, sondern auch diese teilweise komplett unausgereifte Darstellung mancher Leute. Die Spanier dringen zum Ende hin ein und machen alles kaputt. Dann, wenn sie ihr Werk vollbracht haben, gehen sie wieder, ohne die ganze andere Meute eines Blickes zu würdigen. Wir bekommen somit fast ständig Jack Sparrow vorgesetzt, der komplett allein einfach nicht den Film tragen kann. Nichts gegen Johnny Depp, aber die Figur macht rein gar nichts neu. Er sagt nie einen charmanten Satz noch zieht er mit keinem eines seiner Verwirr-Spiele ab. Teilweise bleiben ihm wirklich nur One-Liner ohne wahre Konversationsbeteiligung. Eine Szene mit ihm ist vollkommen Hohl. Er klettert auf einen Leuchtturm um diesen zum Explodieren zu bringen. Warum diese Aktion wirklich nötig war, hat sich mir einfach nicht erschlossen. Ist auch nicht wichtig, schnell weitermachen! Und so spielt danach ein größerer Teil im und um den Dschungel. Der einzige für mich einigermaßen ‚coole‘ Charakter ist Barbossa, doch der war in den Teilen zuvor piratiger und hier wirkt er mehr oder weniger stark gealtert und geschwächt.

Die Spitze der Dämlichkeit ist die entflammte Liebe zwischen einem gefangenen Priester und einer Meerjungfrau. Nicht nur dass diese (bzw. ihre Kolleginnen) ihn zuvor umbringen wollte (bzw. wollten), aber scheinbar reichen ein paar Kilometer im Wald, um für den anderen sterben zu können. Und so lässt sich ein Sequel dann noch viel besser vermarkten natürlich!

Machen wir uns nichts vor, die Story ist einfach nicht gut. Die Dialoge hauen einen auch nicht weg. Vielleicht sind dann die dritte Dimension (ja, der Film ist in 3D) und die Effekte einfach nur Bombe? Leider nein. Wieder einmal erschließt sich mir kein (zumindest künstlerischer) Gewinn aus 3D. Es sind nur sehr wenige Szenen, in denen mal ein Schwert sich dem Zuschauer entgegenstreckt. Ansonsten ist es nur Effekthascherei und die Überblendung über einen ansonsten nie optisch tollen Film. Das Dschungel-Panorama oder irgendwelche exklusiven Kamera-Fahrten gibt es nicht. Das hätte nicht schlimm sein müssen, aber wenn man sich als 4. Film einer Reihe dem direkten Vergleich mit seinen Vorgängern stellen muss, dann ist das sehr ernüchternd. Wo die ersten drei Teile trotz teilweiser Überladung noch Spaß gemacht haben, habe ich mich tatsächlich ein wenig gelangweilt. Es gibt einfach keinen Spannungsbogen oder geile Fights, das Rennen um die so tolle Quelle ist nicht wirklich schnell inszeniert. Die Kämpfe sind nie auch nur ansatzweise interessant und das Ende ist so vorhersehbar wie Ebbe und Flut.

Und so kommt man zu dem bitteren Schluss, dass die Luft raus ist aus dem ‚Fluch der Karibik‘. Wieder einmal gibt es nach den Credits eine Sequel-verheißende Szene. Doch was soll da schon kommen? Entweder man bringt ein wirklich gutes Drehbuch oder die ganze, doch eigentlich ehemals ganz sympathische, Sage sinkt unter dem Gewicht der Erwartungen. Sorgen braucht sich Disney keine machen, einspielen wird der zweieinhalbstündige Aufguss vermutlich genug (inzwischen weit mehr als genug). Und das, obwohl vieles so schwach ist. Doch vergrault man so nicht die Fans seines Franchises?

Jack Sparrow: You know that feeling you get when you’re standing in a high place… sudden urge to jump?… I don’t have it.

Ja, so gehts mir auch irgendwie, nur eben mit dem Film.

 

Regie: Rob Marshall (Nine, Chicago, Die Geisha)

Schauspieler: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane

Bewertung: 

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