The Purge (2013)

Die Prämisse von The Purge ist reichlich obskur. Wir schreiben das Jahr 2022. An einem Tag im Jahr darf jeder Amerikaner massiv die Sau rauslassen und morden, vergewaltigen und rumballern wie er oder sie gerade will. Ohne Bestrafung. Das senkt die Verbrechensrate und gibt den Leuten die Chance, das Tier in ihnen rauszulassen. Im Grunde also wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und mit mehr Mord und Totschlag als bei den üblichen Familientreffen. Man merkt bereits an der Idee, dass es sich hier um einen Indie-Film handeln muss. Das ist natürlich nicht verwerflich. Es ist jedoch auch nicht so, dass einen dieses Konzept von den Socken reißt.

The Purge

Am Abend der Purge-Nacht kommt Familienvater James Sandin (Ethan Hawke) nach Hause. Er hat ein Vermögen mit eigens für dieses Ereignis konstruierten Sicherheitsanlagen verdient. Seine Frau Mary (Lena Headey), die vermutlich dem einen oder anderen Gläschen Wein tagsüber nicht abgeneigt ist, der nerdige Psychopathen-Sohn Charlie sowie die frühreife Teenie-Tochter Zoey sind also wohlbehalten und in Sicherheit. Man will sich einfach für die Säuberungsnacht daheim einschließen und gemütlich den Terror aussitzen. Natürlich, wer hätte damit rechnen können, läuft nicht alles so wie geplant. Einerseits schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, bevor die Schotten dicht gemacht werden. Andererseits lässt der Sohnemann während des Purges einen Mann ins Haus, der von einer Gruppe Psychopathen verfolgt wird.

Und dann geht ein Psychospiel los. Die Leute draußen wollen den Kerl haben. Der versteckt sich im Haus und man kann ihn nicht finden. Nebenbei fällt der Strom aus und alles spielt sich in der Dunkelheit ab. Es stellt sich außerdem heraus, dass die Sicherheitsanlagen gar nicht mal so sicher sind. Das ist sicherlich ärgerlich.

Mit 85 Minuten Laufzeit ist The Purge erfreulich kurz. Das ist auch ganz gut so, weil man merkt, wie dem Film nach kurzer Zeit die Puste ausgeht. Das geht damit los, dass kein einziges Familienmitgleid sympathisch ist. Die Tochter ist die typische spätpubertäre Göre, der Sohn bringt auf dümmliche Art und Weise seine ganze Familie in Gefahr und Ethan Hawke ist irgendwie total merkwürdig. Im einen Moment will er seinen „Besucher“ noch foltern, im nächsten ist er plötzlich Humanist geworden. Was ihn aber nicht daran hindert, diverse Männer und eine Frau mit einer Schrotflinte in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Hier ist der Film sich dann offensichtlich nicht sicher, wie er seine Message rüberbringen soll. Denn auf der einen Seite soll man lernen, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Doch auf der anderen Seite scheint es den Protagonisten wenig auszumachen, Leute umzubringen. Tatsächlich ist es die Mutter, die sich hier am Ende als der stärkste Charakter etabliert, aber davor vergehen erst noch 80 Minunten. Dann ist der Film auch schon wieder vorbei. Es ist eben schiere Gleichgültigkeit, mit der man den einzelnen Protagonisten gegenübersteht. Keiner interessiert einen, niemand sagt irgendetwas Schlaues. Dialoge sind spärlich und das Gezeigte eben nicht ausdrucksstark genug, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen.

Furchtbar uninspiriert kommen die letzten fünf Minuten daher, in denen zwei unheimlich vorhersehbare Twists passieren. Dabei hat diese dystopische Zukunftsvision durchaus etwas Erschreckendes. Der Film vergibt aber überall sein Potential. Auch weil diverse Szenen wenig Sinn ergeben. Es wirkt zum Beispiel so, als ob das zweistöckige Haus 200 Zimmer besäße. Weil 10 Leute darin rumlaufen und sich nicht ständig auf die Füße treten. Die Bösen sind, außer dem Anführer, dermaßen gesichtslos, dass einem sogar klar wird, warum die alle Masken aufhaben. Vermutlich steht bei denen in ihrem Xing-Account lediglich das Hobby „Töte gerne Menschen“. Das soll einen als Zuseher schockieren oder anekeln, aber es ruft keine Emotion hervor. Auch weil diese Antagonisten nicht viel mehr als Gegner in einem Ballerspiel sind. Der Oberschurke, gespielt von Rhys Wakefield, soll dann ein Hybrid aus eloquentem Gentleman und mordlüsterndem Psychopathen sein. Seine Figur ist neben der der Mutter die einzige, die heraussticht. In der ganzen Geschichte wirkt sein Tun und Handeln aber aufgesetzt und bemüht cool. Der Joker aus The Dark Knight lässt grüßen.

The Purge spielt mit der Idee, dass eine entmenschlichte Gesellschaft zum Verlust von moralischen Werten führt. Und wie in Einzelnen, exemplarisch Ethan Hawke, dann doch der Sinn für die gerechte Sache geweckt wird. Leben sind nichts mehr wert, wobei die Reichen eine tolle Lösung gefunden haben, damit sich die Unterschicht selbst auffrisst. Das ist schön und gut. Es wäre aber vermessen, dem Film viel Tiefgang zu unterstellen. Zumal die Message am Ende nicht subtil, sondern viel mehr mit der Brechstange in den Zuschauer reingeprügelt wird. Tatsächlich hätten vielleicht ein paar Minuten mehr den Charakteren ganz gut getan. So hat James DeMonaco als Regisseur und Drehbuchautor einen kurzweiligen, aber auch genauso emotionsarmen Film gemacht. Dabei gibt es vor allem mit Funny Games, aber auch mit Equilibirum, V wie Vendetta, Children of Men, Gattaca, 1984 und Blade Runner thematisch ähnliche Werke, die sehr viel besser funktionieren. Verdammt, sogar Panic Room war spannender. Der Herr Pönack kann The Purge sehr viel mehr abgewinnen, wie hier nachzulesen ist. Mir geht es aber so, dass eine interessante Idee allein noch keinen guten Film macht. Vielleicht macht es das Sequel ja besser.

 

Regie: James DeMonaco (Staten Island, Drehbuchautor für Verhandlungssache)

Schauspieler: Ethan Hawke, Lena Headey, Rhys Wakefield

Bewertung: 

World War Z (2013)

Es gab einmal Zeiten, da waren Zombies noch eine Randerscheinung im Filmgschäft. John Romero hat das Genre dabei in den 60ern und 70ern massiv geprägt, wobei die Thematik noch viele Jahre eher Nische blieb. Dann war es einige Zeit lang ein wenig stiller um die lebenden Toten, bis in den letzten paar Jahren mit The Walking Dead, den 28-Filmen und leider Gottes auch der Resident Evil-Reihe zunehmend mehr Zombies ihren Weg ins Kino oder Fernsehen fanden. Und dann ist da World War Z. Der unumstößliche Beweis, dass Zombies endlich angekommen sind. Im Mainstream.

Gerry Lane (Brad Pitt) hat früher für die UN in Krisengebieten gearbeitet. Doch nun kümmert er sich lieber um seine Familie. Eines schönen Morgens bricht die Zombie-Apokalypse über die Welt herein und die Lanes rennen um ihr Leben. Dank seiner vorzüglichen Kontakte kommt die Sippe auf einem Flugzeugträger unter und Gerry macht sich auf den Weg, die Ursprünge der Seuche ausfindig zu machen. Dabei reist der Globetrotter unter anderem nach Südkorea und Israel.World War Z

Dabei bleibt die Handlung stets linear und simpel, was dem Film sehr gut tut. Es wird eben nicht unnötig komplex. Daher wirkt World War Z mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit sehr straff. Für Längen bleibt keine Zeit. Auch die Schauplatzwechsel tragen dazu bei, dass sich keine Langeweile einstellt. Über den Realismusgehalt eines Zombie-Streifens kann man sich natürlich immer streiten, aber die Story ist alles in allem konsistent und alles funktioniert wie es soll. Es macht halt Sinn, warum Brad von A nach B muss und sich dadurch schrittweise der Rekonstruktion der Geschehnisse nähert. Lediglich ein gezeigter Flugzeugabsturz in der zweiten Hälfte ist irgendwie zu viel des Guten, stört aber nicht nachhaltig.

Die Geschichte ist also in Ordnung. Was jedoch eher Bauchschmerzen bereitet, sind die Charaktere. Brads Famillie zum Beispiel ist leider völlig belanglos und stellenweise störend. So ruft ihn seine Frau im natürlich denkbar schlechtesten Augenblick an und beschwert sich vor dessen Abreise noch, dass er nicht wieder seinen alten Job aufnehmen soll. Da steht die Menschheit vor ihrer Vernichtung, aber die Frau stellt ihre Befindlichkeiten über das Wohl der Spezies. Interessanterweise schafft es World War Z allerdings, die Szenen mit Brads Familie sehr gering zu halten. Stellenweise weiß man nicht mal, was mit ihnen los ist. Dadurch fällt dieser Kritikpunkt zum Ende hin nicht mehr sehr ins Gewicht.

Größter negativer Aspekt ist tatsächlich Brad Pitts Rolle, denn er ist einfach nur übermenschlich. Gerry Lane behält in jeder Situation seine Coolness und löst jedes Problem auf smarte Art und Weise. So wie MacGyver. Und als ob das noch nicht ausreicht, sieht er mit seiner blonden Mähne und seinen fürsorglichen Augen auch noch unverschämt gut aus. Relativ weit am Anfang hat er noch eine Auseinandersetzung mit einem Zombie, der ihm in den Mund hustet. Selbstlos stellt sich Brad auf den Rand des Häuserdachs, um sich im Falle einer Ansteckung vom Dach schmeißen und seine Familie vor sich selbst retten zu können. Solche wohlüberlegten Handlungen sind zu Beginn noch sehr nett, entmenschlichen den Charakter aber zusehends. Man sieht eben, wie selbst in den chaotischsten Situationen Brad die Übersicht und Ruhe behält. Angst kennt er nicht.

Und warum sollte er sich auch fürchten? Selbst in der schlimmsten Situation fällt ihm noch etwas ein. So verliert World War Z ein wenig an Spannung. Übrigens ist das eher kein Actionfilm. Ja, die aus dem Trailer bekannten Massenzombie-Szenen tauchen auf, sind aber sonst sehr rar gesät. Das ist nicht schlimm, doch die Werbung versprach etwas anderes. Dafür ist das Finale überraschend anders und zaubert einem schon so ein verschmitztes Lächseln aufs Gesicht. Kann man, oder eher darf man einem so tollen Mann wie Brad Pitt ein paar Unzulänglichkeiten nicht verzeihen?

Bleibt die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht ist. Tja, vermutlich für alle außer Zombie-Film-Liebhaber. World War Z ist so poliert und frei von Kanten, dass tatsächlich der Großteil der Menschheit auf seine Kosten kommen könnte. Sogar Kinder, denn jedes Anzeichen von Gewalt oder Blut wird halbwegs geschickt kaschiert. Und wer Action mag, bekommt sie. Wer gerne einem schönen Mann zwei Stunden lang zuschauen möchte, kriegt auch das. Und hier ist das Problem: Der Streifen hat überhaupt keine Seele. Dem Gesehenen steht man die meiste Zeit emotionslos gegenüber. Vor allem, weil man sich auch offensichtlich nicht entscheiden konnte, eine Richtung einzuschlagen. Ein bisschen Horror, hier und da Aciton, vereinzelte Thriller- und Krimielemente. Die ganze Suppe made in Hollywood funktioniert tatsächlich auch. Aber bleibt auch irgendeine Szene in Erinnerung? Nein.

Warum auch? Der Film ist ganz klar und offensichtlich nicht die Visualisierung einer künstlerischen Idee. Keine Botschaft oder Message steckt hier drin, keine neue Geschichte wird erzählt. Es wurden allerhand populäre Elemente aus anderen Zombiefilmen genommen, um ein Produkt herzustellen. Und Geld zu verdienen. Das ist World War Z: ein Produkt, beworben von Brad Pitt. Man wird unterhalten und es gibt keine eklatanten Fehler im Film. Ein professionelles Produkt eben. Doch eben auch nicht mehr. Willkommen im Mainstream.

 

Regie: Marc Forster (Ein Quantum Trost, Schräger als Fiktion, Monster’s Ball)

Schauspieler: Brad Pitt, Moritz Bleibtreu!

Bewertung: 

Fast & Furious 6 (2013)

Ich weiß noch nicht, was mich mehr verblüfft. Der Fakt, dass es bereits sechs Teile dieser Reihe gibt oder die zunehmend positiveren Ratings von Zuschauern und Kritikern. Und habe ich schon erwähnt, dass dieser eine Film hier knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat bisher? Weltweit hat das Franchise weit über 2 Milliarden an den Kinokassen eingenommen. Der Erfolg liegt an mehreren Dingen, auf die ich später eingehen werde. Zuallererst möchte ich jedoch alles Negative aufzählen, dass dem Nicht-Fan der Reihe sofort ins Gesicht springt.Fast & Furious 6

Die Handlung ist total dämlich: Verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew soll andere verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew aufhalten, denn die Polizei ist zu dämlich. Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot. Irgendein Scheiß soll gestohlen werden und unsere Helden sollen das verhindern. Dabei ist jeder einzelne Charakter dämlich. Vin Diesel hat nicht einen schlauen Satz zu sagen und bildet trotzdem den Kopf der Bande. Ständig brabbelt er von familiären Werten, doch eine emotionale Auseinandersetzung gibt es ohnehin nicht. Und wirklich sympathisch ist er auch nicht. Der Rest der Bande ist genauso flach wie man es aus den Vorgängern kennt.

Die Krone der schauspielerischen Leistung zeigt Michelle Rodriguez, die ihre typsiche Rolle „spielt“. Mit finsterem Blick und einer Mimik, als ob sie permanent an Scheiße riechen müsste, bildet sie sogar mit den Dreh- und Angelpunkt der nicht vorhandenen Handlung. Geschenkt. Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris sind auch nicht viel besser. Der Bösewicht Shaw wird verkörpert von Luke Evans. Sein Plan, ein von der Nato beherbergtes IRGENDETWAS zu stehlen ist, naja, sagen wir mal nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber hey.

Die Logik geht dem Film beim Finale völlig abhanden, wenn ein Flieger auf einer mindestens 50 Meilen langen Landebahn unterwegs sein muss. Ach ja, man kann übrigens mit Autos durch Flugzeuge krachen. Dabei habe ich noch gar nicht die vorherige minutenlange Sequenz mit einem Panzer auf einer Autobahnbrücke erwähnt, in der Vin Diesel einen Stunt vollführt, der, selbst wenn er funktionieren dürfte, seinen Körper doch mindestens in einen anderen Aggregatzustand befördern müsste. Der Übergang von der Panzer- zur Flugzeugszene wartet in Sachen Nachvollziehbarkeit mit neuen Genrestandards auf, wenn der böse Bube erst laufen gelassen wird, um ihn dann kurz darauf doch zu verfolgen und natürlich noch einer der guten Mitstreiter sich in einem furiosen Twist als Maulwurf entpuppt hat. Die Action ist so dermaßen übertrieben und unrealistisch, dass selbst Die Hard wie ein ruhiger Krimi wirkt. Nebenbei rotieren alle berühmten toten Physiker im Grab, denn die Gesetze der Natur werden nicht nur einmal gebrochen.

Fans der Reihe freuen sich aber über das ganze Zeug. Zumal der Film an alle vorherigen Teile anknüpft und Verbindungen aufspannt. Und deswegen feiern die Leute diesen Streifen so. Da wird die Szene aus Teil 3 nochmal gezeigt und ergänzt, genauso mit Teil 4. Das soll eine komplexe Welt vermitteln, ist jedoch eigentlich Augenwischerei, denn die Fast & Furious-Dimension ist weit davon entfernt, Tiefe zu besitzen. An allen Ecken und Enden werden Vin Diesels Prinzipien erwähnt und was für ein ehrbarer Mann er ist. Trotzdem scheint der Verlust eines Crew-Mitglieds am Ende niemanden wirklich zu kümmern. Ich könnte mich über die Unlogik stundenlang aufregen. Aber das wäre ohnehin vergeudete Zeit. Wer die Reihe mag, wird auch hier Spaß haben. Dass die Serie schon lange nichts mehr mit Autorennen zu tun hat und bald mehr Folgen als Police Academy vorzuweisen hat, ist genauso erstaunlich wie die Menge an Material und Autos, die bei der Produktion vernichtet wurden. Ständig fliegt was in die Luft und überall laufen muskulöse Männer und schöne Frauen rum. Eine polierte und oberflächliche Welt ohne viel Raum oder Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut so, dass Fast & Furious 6 einem keine Zeit zum Grübeln lässt. Denn sonst bröckelt die Fassade.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr mögt die Filme? Guckt euch Teil 6 an und habt Spaß damit, freut euch auf Teil 7 mit einem neuen coolen Schurken, der hier kurz am Ende vorgestellt wird. Ich werde kein Fan der Reihe mehr. Klar, hirnlose Action ohne Tiefe kann Spaß machen. Aber muss man daraus gleich 7 Filme machen?

 

Regie: Justin Lin (Fast & Furious III, IV, V)

Schauspieler: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Ludacris, Luke Evans, Jordana Brewster, Gal Gadot

Bewertung: 

 

 

Christopher Nolan

Nolan wurde am 30.07.1970 in London geboren. Seine Filme zeichnen sich durch einen düsteren Stil und oft verschachtelte Erzählstrukturen aus. Der erste große Streifen ‚Memento‘ steht symbolisch für die komplette Dekonstruktion einer linearen Storyline und ist in dieser Form einzigartig.

Das Rotkäppchen aus Nolans Sicht:

Es war einmal ein Mädchen mit roter Kappe, dessen Jugend durch die Beziehung zur Großmutter geprägt war. Denn Jahre zuvor wurden ihre Eltern umgebracht und so entschloss sie sich, die Farbe Rot als Symbol ihrer Angst vor Blut und Gewalt zu tragen. Das, was ihr einst Angst gemacht hatte, sollte nun ein Schild sein.

Rückblende: In einer Traumsequenz erlebt Rotkäppchen die bestialische Ermordung ihrer Eltern durch den Wolf. Schweißgebadet wacht sie auf, wirft sich die rote Kappe um und schreitet los in die Nacht, um ihrer Großmutter einen Besuch abzustatten. Sie steigt auf ein futuristisches Motorrad und ihr Mantel weht im Wind, während die Dunkelheit des Waldes sich um sie legt.

Perspektivwechsel: Der Wolf, der seit über einer Woche keine Minute mehr schlafen konnte und aufgrund seines Asthmas eine Atemmaske tragen muss, durchquert den Wald und stößt auf das Haus der Großmutter. Mit einem komplexen Plan, der den Einsatz eines Rosinenbombers, 10 Tonnen Dynamit und eines Dreidels  erfordert, verschafft er sich Zugang zum Haus und sprengt die angrenzenden Brücken in die Luft, um eine etwaige Evakuierung der Oma zu verhindern und um so Anarchie und Chaos zu stiften. In der allgemeinen Verwirrung entpuppt sich die Großmutter als noch viel gestörter als der Wolf und dringt in die Träume des Tieres ein, um diesen zum Vegetarier umzupolen. Dazu ertönt dröhnende Musik von Hans Zimmer.

Schnitt: Wir sehen, wie die Oma und der Wolf einst gemeinsam Verbrechen bekämpften, doch der Wolf wurde korrupt und hinterging seine Kollegin. 

Die Großmutter muss sich im Traum des Wolfs in der Schwerelosigkeit gegen bis an die Zähne bewaffnete Clownsmaskenträger zur Wehr setzen, die gerade eine Bank ausrauben. Sie setzt sich durch und schafft es, aus dem Wolf tatsächlich einen Vegetarier zu machen. 

Rückblende: Wir sehen, wie Rotkäppchen einst in einem Kloster hoch in den Bergen die Kunst des Kämpfens erlernt hat. Ihr Lehrmeister stellt sich als ein Wolf im Schafspelz heraus und ihr geht ein Licht auf. 

Schnitt: Rotkäppchen kommt am Haus der Großmutter an. Es stellt sich heraus, dass es die ganze Zeit über zwei Wölfe gegeben hat und der eine hinterm Haus auf die Ankunft des Mädchens wartete. In der finalen Szene erwacht Rotkäppchen aus dem Schlaf und weiß nicht, ob sie das alles nur geträumt hat oder ob sie immer noch träumt. Sie wirft sich die rote Kappe um und schreitet los in die Nacht, um ihrer Großmutter einen Besuch abzustatten…

Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Chan-wook Park ist nicht unbedingt der Regisseur, der Feel-good-movies macht. Sein vielleicht berühmtester Film Oldboy von 2003 ist besonders zum Schluss so dermaßen ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, dass man erstmal gar nicht so richtig weiß, was da gerade passiert ist. Zudem gibt es darin eine der coolsten Kampfszenen der jüngeren Vergangenheit. Dabei schuf Park eine Rache-Trilogie, die inhaltlich nicht mehr verbindet als das Thema. ‚Sympathy for Mr. Vengeance‘ bildet dabei Teil 1. Und dass das auch kein Film für mal so Zwischendurch ist, sollte klar sein. Besonders wenn das Töten losgeht.Sympathy for Mr. Vengeance

Ryu (Shin Ha-kyun) ist taubstumm. Seine schwerkranke Schwester benötitgt dringend eine Niere. Trotz harter Arbeit wird er entlassen und steht mittellos da. Weder er noch seine militante Freundin Yeong-mi eignen sich als Spender und so wendet er sich an die Mafia. So wendet er sich in seiner Verzweiflung an eine Organhändlerin, die ihn nicht nur um sein Geld, sondern auch um eine seiner Nieren erleichtert. Als letzten Ausweg schlägt ihm Yeong-mi vor, die Tochter seines ehemaligen Chefs zu entführen und die Transplantation mit Hilfe von Lösegeld zu finanzieren. Kurzfristig wird jedoch ein anderes Mädchen gekdinappt, undzwar das Kind des Geschäftsmanns Park Dong-jin (Song Kang-ho).

Von vornherein soll das Kidnapping human verlaufen. Ryu, seine Schwester und Yeong-mi spielen mit der Entführten, sodass diese sich nicht langweilt oder fürchtet. Dass die blauäugige Aktion nicht glatt laufen kann, sollte spätestens klar sein, wenn man weiß, wer da auf dem Regiestuhl sitzt. So besteht der Film aus zwei Teilen. Im ersten verfolgen wir hauptsächlich Ryu, während im zweiten Park Dong-jin als Vater der Entführten im Vordergrund steht. Dabei sind alle Charaktere weder besonders gut noch allzu schlecht. Man versteht, warum Ryu tut, was er tut. Genauso gut kann man aber auch mit der Gegenseite in Form des verzweifelten Herrn Papa mitfühlen. So erleben wir die Geschichte aus zwei Perspektiven und die Grenzen zwischen Pro- und Antagonisten verschwinden. Lediglich die Organhändler sind einseitig bösartige Charaktere, stören dabei aber nicht. Viel verstörender ist allerdings, dass man als Zuschauer kaum eine Seite beziehen kann.

Irgendwann nach der Hälfte der zwei Stunden Laufzeit bricht der Film dann auf und entlädt sich in Gewalt und sehr subtiler Spannung. Wer dann jedoch erwartet, dass in einem coolen asiatsichen Showdown die Bösen auf blutige Weise gelyncht werden, hat offensichtlich noch nie einen Park-Film gesehen. Außerdem gibt es, wie gesagt, keine eindeutig auszumachende schlechte Seite. Das ist auch gerade das, was Sympathy for Mr. Vengeance so besonders macht. Weil man nämlich Sympathie empfindet für die Charaktere, die irgendwie auch nur versuchen, über die Runden zu kommen. Dabei bleibt bis zum Ende hin die Erzählweise eher langsam und subtil. Und zum Schluss sitzt man auch wieder da, weil man einen Schlag in die Magengrube bekommen hat und sich teilweise Dinge selber zusammenreimen muss.

Sympathy for for Mr. Vengeance ist ein schwerer Film. Nicht weil er langatmig ist, sondern weil er einen emotional ziemlich mitnimmt und man keine Antwort auf einem Silbertablett serviert bekommt. Vor allem blebit es einem selbst überlassen, wer eher im Recht ist. Exemplarisch wird einem vor Augen geführt, wie Rache aus Menschen Monster macht. Man muss außerdem aufpassen und den Film in seiner Stille wirken lassen, zumal Ryu als taubstummer Protagonist in einer lautfreien Welt wohnt. Parks Oldboy ist zwar konstruierter, hat aber einen etwas höheren Unterhaltungswert. Nichtsdestotrotz ist Sympathy for Mr. Vengeance ein psychologisches und vertraktes Drama, das ich jedem ans Herz legen kann.

 

Regie: Park Chan-wook (Oldboy, Stoker, Lady Vengeance, Thirst)

Schauspieler: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae

Bewertung: 

 

Man of Steel (2013)

Zwei Männer sitzen an der Bar hoch oben im Empire State Building. Da sagt der eine zum anderen: „Hey, wenn du hier vom Dach springst, dann weht dich der Wind genau in die Bar wieder hinein!“ Verwundert und ungläubig widerspricht ihm der andere, denn das sei einfach nur unmöglich. Zur Demonstration steigt der Mann, um seine Behauptung zu unterlegen, aufs Dach und springt. Und siehe da, der Wind weht ihn zum Fenster hinein und er steht ohne ein gekrümmtes Haar vor seinem erstaunten Kollegen. Begeistert rennt nun dieser aufs Dach, springt hinunter und am Fenster vorbei in seinen Tod. Daraufhin wendet sich der Barkeeper an den noch Lebenden: „Alter, Superman, du bist echt ein ganz schönes Arschloch wenn du getrunken hast.“

Man of Steel

Warum erzähle ich das? Weil selbst der Superman in diesem Geschichtchen mehr Charisma und Tiefe besitzt als der von Henry Cavill verkörperte Mann aus Stahl. Denn trotz Rückblenden, Mobbing und Identifikationsproblemen bleibt Clark Kent nicht sehr viel mehr als ein Pappaufsteller. Zugegeben, ein wirklich muskulöser und vor allem für Frauen nett anzuschauender. Trotzdem besitzt Superman keine prägnanten charakterlichen Eigenschaften. Selbst wenn im Verlauf vermutlich tausende von Menschen ihren Tod finden, bleibt er ungerührt. Hauptsache seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) ist in Sicherheit. Diese Liebesbeziehung ist übrigens genauso aufgesetzt und oberflächlich. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass Lois selbst nicht sehr sympathisch ist. Der Rest der Protagonisten bietet auch keine Berührungspunkte. Kevin Costner und Russell Crowe als Väter von Clark / Kal-El labern allerhand weises Zeug zusammen, dass durch ein wenig Nachdenken schnell arg dümmlich wirkt. Als Beispiel sei hier die Tatsache genannt, dass der junge Clark einen Schulbus samt mobbender Mitschüler rettet, um sich dann Jahre später dagegen zu entscheiden, seinen Vater vor dem sicheren Tod zu bewahren. Und warum? Weil die Menschheit „noch nicht reif für ein Alien ist“. Wirklich menschlich wirkt das aber nicht. Und das ist der Knackpunkt an Man of Steel: die Identifikation. Es gibt sie einfach nicht.

Ob man mit Superman als Figur an sich zurechtkommt, sei dahingestellt. Ja, er ist übermächtig und ziemlich stark. Aber das sind hier auch seine Gegner. Blöd ist nur, wenn in den gesamten 143 Minuten Laufzeit nicht ein gescheiter Dialog stattfindet. Clark wird als bärtiger Fischkutter-Arbeiter gezeigt, aber warum sollte ihn das menschlich machen? Er hat nichts zu sagen. Clark arbeitet in einem Redneck-Schuppen als Kellner und kann sich nicht wenigstens verbal gegen einen dämlichen Gast zur Wehr setzen. Ständig wird gezeigt, wie er einsteckt. Gerade wenn man an Iron Man, Batman, Thor oder sogar den grenzdebilen Hulk denkt. Sie alle sind Figuren, die auf irgendeine Weise menschlich sind. Sei es ein Tony Stark, der der coolste Playboy-Milliardär aller Zeiten ist  und einen entsprechenden Wortwitz hat oder Batman, der als gebrochener Waisenjunge die Stadt beschützt. Und eigentlich auch ein Playboy-Millionär ist. Selbst der Hulk hat einen im Avengers-Film stellenweise zum Lachen und Fürchten gebracht. Demgegenüber steht nun Superman, der außer seinem Aussehen keine Eindruck hinterlassende Eigenschaft vorzuweisen hat.

Dann ist da noch der Antagonist in Gestalt von General Zod, der von Michael Shannon verkörpert wird. Ich mag den Mann, besonders für Take Shelter. Aber ein Joker aus Dark Knight ist er hier eben nicht. Das sind die wenigsten und die Rolle bietet leider auch nicht so viel. Dafür sind seine Pläne reichlich merkwürdig. So versuchte Zod noch kurz vor Kryptons Vernichtung, die Kontrolle über den Planeten an sich zu reißen. Warum? Keine Ahnung, denn explodiert sind dann doch alle kurz darauf. Das rettete Zod und seiner Crew lustigerweise das Leben und lässt einen an der Intelligenz von Supermans Vorfahren und deren Rechtssystem erheblich zweifeln. Man kann sich aber auch zu leicht in der konstruierten Welt verstricken. Für Comicfans ist Man of Steel eine (vermutlich) akkurate Umsetzung der Vorlage, mir war das Verhalten einer so zivilisierten Spezies nicht ganz einleuchtend. Was an Zod und co. viel eher stört, liegt gar nicht mal unbedingt an den Rollen, sondern an der Altersfreigabe. Denn an jeder Ecke merkt man, wie ein wenig Blut nicht geschadet hätte. Aber dann hätte der Film keine Altersfreigabe ab 12 (bzw. PG-13 in den USA) bekommen und man hätte nicht den Minderjährigen das Geld aus der Tasche ziehen können. Die bösen Buben vernichten einfach mal die halbe Innenstadt samt Wolkenkratzern, aber es gibt einfach keine Leichen. Ganz davon zu schweigen, dass die Überlebenden ziemlich sportlich mit der Vernichtung ihrer Heimat umgehen. Die Schurken verprügeln Soldaten, aber nirgends sieht man Leichen oder auch nur einen Tropfen Blut. Ein Schlag ins Gesicht, schon fliegen diese aus dem Bild und gehen sich einen Kaffee holen. So vermisst man einfach mal die Wucht und die Emotionen, die aus Man of Steel einen reiferen und erwachseneren Film gemacht hätten. Das klingt jetzt vermutlich wie der Aufschrei eines gewalttätigen Psychopathen, der nach Blut und Morden verlangt. Aber das Problem, dass mir der Film bereitet, ist, dass die gezeigte Ladung an Kraft und Zerstörung kaum Einfluss auf den Normalsterblichen hat. Weil der einfach nicht vorkommt. Erinnert sei an die finale Szene aus Dark Knight, in der zwei Boote mit stinknormalen Insassen in die Luft fliegen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass Superman selbst für einen Teil der Zerstörung von Metropolis verantwortlich ist.

Abgedreht (2008)

Es gibt diverse Filme, die Trends losgetreten haben. Stirb Langsam hatte großen Einfluss auf das Action-Genre und Blair Witch Project war seiner Zeit die Erfindung des Found Footage-Streifens.  Ach ja, und seit dem Herren der Ringe kommt jedes Buch, jeder Comic oder sonstwas mit einer Trilogie (Matrix, Bourne, Fluch der Karibik, Ocean, X-Men, Spider-Man) oder sogar mit mehr Teilen (Twilight, Harry Potter, usw.) um die Ecke. Und dann ist da Abgedreht. Zwar wurde hier nicht unbedingt etwas total Neues erfunden, aber manchmal reicht es ja auch, der Sache einen Namen zu geben. Und in diesem Falle ist es das ‚Sweding‘.Abgedreht

Mike (Mos Def) arbeitet in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) in Passaic, New Jersey. Der vertreibt in seinem vom Abriss bedrohten Laden nur VHS-Kassetten. In Zeiten von DVD und großen Ketten ist das natürlich alles andere als förderlich und lukrativ. Als Mr. Fletcher für ein paar Tage verreist ist, kommt der magnetisierte Jerry (Jack Black) daher und löscht sämtliche Kassetten im Laden. Kurzerhand beschließen Mike und der Verursacher, die entsprechenden Filme einfach mit einer Kamera nachzudrehen. Ohne Budget oder Effekte entsteht so an einem Nachmittag ihre 20-minütige Version der Ghostbusters in der örtlichen Bibliothek. Was sich wie eine blöde Idee anhört, entpuppt sich als grandioses Geschäftsmodell, das dem Laden in kürzester Zeit zu großer Popularität und sogar zu beachtenswerten Einnahmen verhilft. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht.

Die ungewohnten Versionen altbekannter Filme werden als schwedische Variation verliehen, daher der Name ‚Sweding‘. Und um ganz ehrlich zu sein, diese kleinen Werke sind teilweise ziemlich großartig. Wenn Jack Black und Mos Def beispielsweise Rush Hour 2 auf einem Kinderspielplatz nachspielen und sich genauso wie Jackie Chan und Chris Tucker anbrüllen, dann passt das ganz gut. Und trifft auch irgendwie den Kern des Originals. So werden es immer mehr geschwedete Filme, die zwar mit einfachsten Mitteln, dafür aber sehr liebevoll gemacht sind. Leider ist das Gros der Figuren dafür reichlich dämlich. Mos Def ist nicht unsympathisch, doch so richtig charismatisch ist er widerum auch nicht. Und Jack Black ist einfach nur ein Idiot. Danny Glover hat zu wenig Screentime, um wirklich Akzente zu setzen bzw. ist das Beharren auf VHS einfach nicht nachvollziehbar. Die Frauen spielen auch keine besonders einprägsame Rolle. So plätschert Abgedreht eine ganze Weile vor sich hin. Klar, die Handlung ist halt eben nicht unbedingt besonders clever. Nichtsdestotrotz kriegt Michel Gondry am Ende doch noch die Kurve und macht hieraus ein durchaus bewegendes Drama.

Die finale Szene berührt nämlich dann doch und gibt der manchmal etwas plumpen Komödie ein tiefere Ebene. Es geht hier nämlich gar nicht mal primär um das Drehen lustiger kleiner Filmchen, sondern um das Bestehen einer kleinen Gemeinde in Zeiten von Internet und Globalisierung. Denn gerade einzelne Schicksale kommen in der Flut von Massenwaren und Anonymität abhanden. Das Ende macht tatsächlich viel aus und hinterlässt einen tollen Eindruck. Denn wo andere Komödien im Adam Sandler-Stil das fette Happy End herausholen, in dem die Bösen alle bestraft werden, schlägt Gondry leisere Töne an. Schließlich gibt es auch keinen wirklich greifbaren Antagonisten.

Zugegeben, Abgedreht kommt langsam in Fahrt und hat trotz der kurzen 102 Minuten Laufzeit die eine oder andere Länge. Auch Jack Black ist mir hier so gar nicht sympathisch. Dafür ist seine Rolle einfach zu ‚abgedreht‘ (haha, Wortwitz). Dies ist garantiert nicht der beste Film von Michel Gondry und man muss auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein. Dafür gibt es am Schluss das wohlige Gefühl, eine kreative und liebevolle Komödie genossen zu haben, die frei von Klischees ist und sogar eine Message bietet. Schade, dass das keinen Trend losgetreten hat.

 

Regie: Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Green Hornet, Anleitung zum Träumen)

Schauspieler: Mos Def, Jack Black, Danny Glover

Bewertung: 

 

 

 

 

After Earth (2013)

Gefahr ist real. Angst ist eine Entscheidung. Das ist das Motto dieses illustren Ausflugs auf eine verlassene Erde, die voll ist mit allerhand bösen Tieren. Und weil es an Gefahren noch nicht genug ist, bringen unsere Helden sogar ihren eigenen Antagonisten mit. Dass besagte arme Kreatur nicht sehen oder hören kann, scheint aber niemanden stören. Wo steckt Greenpeace, wenn offensichtlich behinderte Tiere massakriert werden?After Earth

In der Zukunft hat die Menschheit die Erde schon lange verlassen, da diese unbewohnbar geworden ist. Warum genau wird nicht klar, denn die ganzen Tiere chillen dort immer noch. Vielleicht waren es die horrenden Immobilienpreise. Jedenfalls fand man mit Nova Prime einen neuen Heimatplaneten. Dieser stellte sich jedoch als bereits bewohnt heraus. Die bösen Aliens hatten außerdem keinen Bock auf Touristen bzw. eine verflucht rassistische Einwanderungspolitik und hetzten Ursas auf uns. Das sind blinde / taube / dämliche Monster-Ungetüme, die anhand von Angst-Pheromonen Menschen aufspüren und als Baumdekoration aufhängen. Zum Glück jedoch stellte sich ein Mann namens Cypher Raige (Will Smith) als so cool heraus, dass er keine Angst hatte und deswegen unsichtbar für die Ursas war. So gewann die Menschheit den Krieg und konnte sich an die Aufgabe machen, den nächsten Planeten zu vergewaltigen. Leider geht Kampfgeschick nicht mit den Fähigkeiten des Papaseins Hand in Hand und so führen Cypher und Sohnemann Kitai (Jaden Smith) eine typische Beziehung: Autoritäre Vaterfigur und sein Junge, der nicht an die Leistungen seines Stammhalters heranreicht und erwachsen werden muss. Alles schon bekannt. Cypher nimmt Kitai mit auf irgendeine Mission, ein Trainings-Ursa mit an Bord. Dann stürzen sie auf dämliche Art und Weise auf der Erde ab, der Prinz von Bel-Air bricht sich beide Beine und der Sohn muss irgendein Föhn-ähnliches Gerät aus 100km Entfernen besorgen. Leider sind Flora und Fauna alles andere als gut auf die Menschheit anzusprechen und die Reise stellt sich als selbstmörderischer Trip heraus. Bla bla bla. Wer nicht von Beginn an weiß, worauf es im Film hinausläuft, hat vermutlich noch nie von Mister Miyagi, Yoda oder Splinter gehört.

After Earth hat aber auch sehr viele hilfreiche Weisheiten parat, die man unbedingt wissen muss:

  • Selbst auf Raumschiffen im Weltall sollte man sich immer anschnallen.
  • Ein gottverdammter Strohhalm von einem Trinkpäckchen eignet sich hervorragend, um einen Shunt (zur Flüssigkeitsübertragung getrennter Blutgefäße) zu legen.
  • Die Schweizer Taschenmesser der Zukunft passen nicht mehr in die Hosentasche. Dafür hat man zugunsten von 37 verschiedenen Messerarten auf Dosenöffner, Nagelknipser und Pinzette verzichtet.
  • Der Handyempfang auf einem aktiven Vulkan ist fantastisch.
  • Paviane sind immer Arschlöcher. Nicht nur, weil sie so merkwürdige Arschlöcher besitzen.

After Earth ist öde, vorhersehbar und erschreckend uninspiriert. Es gibt keine sympathische Figur. Schlimmerweise gibt es trotz des Settings auch nichts Interessantes zu erzählen. Will Smith ist der beschissenste Vater seit ewigen Zeiten, Jaden Smith ist kein guter Schauspieler und nie, zu keinem Zeitpunkt, auch nur im Entferntesten sympathisch. Mit wem soll man da mitfiebern? So plätschert der Müll vor sich hin. Fürchterlich sind diverse Szenen, in denen After Earth unfreiwillig komisch rüberkommt. Der Film nimmt sich so ernst, dass scheinbar niemandem aufgefallen ist, dass das Erzählte furchtbar dämlich ist. Keine Ahnung, wer M. Night Shyamalan noch 130 Millionen Dollar in die Hand gibt. Aber hoffentlich war das hier das letzte Mal.

Finger weg von diesem Scheiß.

Regie: M. Night Shyamalan (The 6th Sense, Unbreakable, Signs)

Schauspieler: Will Smith, Jaden Smith, Zoe Kravitz

Bewertung: 

Die Legende von Aang (2010)

Die Legende von Aang

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dreht Filme so spät bei Nacht und Wind?

Es ist M. Night Shyamalan mit seinem „Talent“;

Er hat die Kamera wohl in dem Arm,

Er fasst sie sicher, er macht sich warm.

 

Mein Gott, was birgst du so bang dein Gesicht?

Siehst du denn den Erzählfaden nicht?

Die Geschichte um den legendären Avatar!

Mein Gott, die Filmhandlung ist furchtbar.

 

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Deinen Lieblingscartoon zeige ich dir;

Denn das hier ist die Kinofilmadaption,

In der M. Night Shyamalan-Version.“

 

Mein Gott, verdammt, und hörest du nicht,

Wie jeder Kinderschauspieler spricht?

Weißt du denn nicht, mein armes Kind,

Dass Kinderschauspieler meistens scheiße sind?

 

„Willst, feiner Knabe, du coole Kämpfe sehen,

Die sich zudem um die vier Elemente drehen?

Und die eine Spannung und Dynamik besitzen,

Wie M. Night Shyamlan beim sitzenden Pissen.“

 

Meine Güte, verflucht, und siehst du nicht dort

Furchtbare Spezialeffekte an jedem Ort?

Meine Fresse, ich seh es genau:

Die CGI-Abteilung war wieder mal blau.

 

„Ich liebe dich, vor allem dein Geld macht mich sehr geil;

Und bist du nicht willig, dreh ich noch den zweiten Teil!“

Scheiße, o Scheiße, so tu doch bitte irgendwer irgendwas!

Denn fast jeder vergeht hier vor M. Night Shyamalan-Hass!

 

Dem Zuschauer grauset’s, man tut es im Internet Kund:

Die Legende von Aang ist furchtbarer Schund,

Eine Vergewaltigung der tollen Orignalserie,

Für die ganze Familie.

 

Regie: M. Night Shyamalan (Sixth Sense, Unbreakable, Signs, The Village)

Schauspieler: Noah Ringer, Dev patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Cliff Curtis

Bewertung: 

Die 21 größten Kinoflops aller Zeiten

flopp2012 kam mit Disneys John Carter ein Film heraus, der nicht nur 250 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang, sondern auch ungefähr 100 Millionen für Werbung verbrauchte. Am Ende der Rechnung stand ein Verlust von fast 70 Millionen und Rich Ross, Chef der Disney-Filmstudios, musste sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Nicht jede Comic-Adaption rentiert sich eben, selbst in Zeiten, in denen Marvel und DC am laufenden Band Comic-Verwurstungen auf den Markt werfen. Wer jetzt jedoch denkt, dass John Carter damit die Liste der größten Filmflops aller Zeiten anführen müsste, liegt weit daneben. Doch seht selbst.

Das Kleingedruckte: Die einzelnen Plakate verweisen auf die entsprechende imdb-Seite des jeweiligen Films. Das Ranking der Liste basiert auf dem Verlust, den ein Film gemacht hat, in Bezug auf das Jahr 2013. Die Inflation ist also eingrechnet. Damit ergeben sich die Platzierungen anhand der in rot aufgeführten Zahl hinter „Verlust heute:„. Kosten und Verlust sind dabei die aus dem entsprechenden Release-Jahr. Dabei sollen die Zahlen gar nichts über die Qualität der Filme aussagen. Es geht hier wirklich um den reinen finanziellen Aspekt. Beispielsweise waren auch Metropolis, Donnie Darko  und Fight Club zu ihren Zeiten Kino-Flops, die erst im Nachhinein zu ihrem Ruhm fanden. Gott sei Dank haben die drei es allerdings nicht hier rein geschafft.

 

 

Platz 21: Red Planet (2000)

Der Mars ist ein schweres Pflaster für Filme. Nicht nur John Carter musste diese Erfahrung machen. Im Jahre 2000 startete zudem Red Planet fast zeitglich mit Mission to Mars in den Kinos. So erzeugten die Mars-Filme fast schon so eine Art Überdruss beim gewillten Zuschauer. Da halfen dann weder Val Kilmer, Carrie-Anne Moss oder die arg plumpe Handlung, die teilweise über Rückblenden erzählt wird. Am Ende retten doch tatsächlich die Russen so ein wenig den Tag. Oder MacGyver. Mit dabei sind Sauerstoff produzierende Käfer und ein böser Hunderoboter. Mit horrenden 100 Millionen Dollar Produktionskosten erzielte man jedoch lächerliche Einspielergebnisse und einen Verlust von 89 Millionen. Ich persönlich finde den Film ganz in Ordnung. Er ist ein hohler Sci-Fi-Action-Streifen, aber das Setting ist im Grunde ganz nett, hier und dort wird es auch mal spannend und irgendwie ist Val Kilmer ja schon ein Sympath.Red Planet

Kosten: 100.000.000 $   Verlust: 66.536.031 $   Verlust heute: 88.701.851 $

 

 

Platz 20: Postman (1997)

Kevin Costner spielt im postapokalyptischen Amerika des Jahres 2013 (!!!) einen Typen, der Leuten ihre Briefe bringt. Weil dadurch die Zivilisation wieder in Gang kommt. Voll mit Pathos und unglaubwürdigem Blödsinn, erleben wir hier drei Stunden Belanglosigkeit. Epic Fail. Auch was die Einnahmen angeht. Unterm Srich stehen 89 Millionen Dollar Verlust. Hauptdarsteller und Regisseur Kevin Costner kann halt irgendwie keine kurzen Filme machen. Aber es kommt wohl nicht auf die Länge an. Zumindest bei Filmen. Zurecht gab es hierfür mehrere Goldene Himbeeren. Postman

Kosten: 80.000.000 $   Verlust: 62.373.766 $   Verlust heute: 89.203.278 $

 

 

Platz 19: Ballistic (2002)

Rotten Tomatoes hat dieses Meisterwerk 2007 in seinem „Worst of the worst„-Ranking mit Platz 1 gehuldigt. Bei 108 Reviews war nämlich nicht eine einzige positive zu finden. Geradezu eine Meisterleistung. Mit dabei sind Antonio Banderas und Lucy Liu, die beide überkrasse Geheimagenten sind, die gegeneinander arbeiten und sich dann doch gegen einen größeren Feind zusammentun. Oder so. Ich muss zugeben, dass Antonio Banderas doch in allerhand miesem Schrott mitspielt (The Big Bang und The Code). Und das obwohl er als Desperado der coolste Gitarrist der 90er war. Verflucht, der Mann ist doch außerdem noch Zorro! Schade.Ballistic

Kosten: 90.000.000 $   Verlust: 70.075.967 $   Verlust heute: 89.887.250 $

 

 

Platz 18: Der Schatzplanet (2002)

Disney macht Die Schatzinsel. Aber im Weltraum. Das ist an sich nicht verwerflich und der Film ist offensichtlich nicht wirklich schlecht, aber scheinbar hat man einfach nicht den Nerv der Zielgruppe getroffen. Interessanterweise war die superteure Animationsgeschichte kein totales finazielles Fiasko, denn über Video- und DVD-Verkäufe konnte man sogar Gewinn einfahren. Allerdings erst Monate nach Veröffentlichung. Trotzdem trudelt der Streifen in die Weiten des Weltalls und damit auch in Vergessenheit. Der Schatzplanet war übrigens sogar für den Oscar als besten Animationsfilm nominiert, verlor aber Gott sei Dank gegen den überwältigenden Chihiros Reise ins Zauberland. So macht man Trickfilme!Der Schatzplanet

Kosten: 180.000.000 $   Verlust: 70.421.885 $   Verlust heute: 89.887.250 $

 

 

Platz 17: Inchon (1982)

Inchon ist ein Kriegsfilm über den Koreakrieg. Regie führte Terence Young, den man von gleich drei James Bond-Filmen kennen könnte (Dr. No, Liebesgrüße aus Moskau, Feuerball). Inchon wurde nach kurzer Zeit nicht mehr im Kino gezeigt, weil er viel zu schlecht lief und tatsächlich nie auf VHS oder anderweitigen Medien herausgebracht. Suchende finden das Teil bei Youtube. Lustigerweise besitzt der Film den Flair einer mäßigen TV-Produktion. Es ist allerdings auch kein Beinbruch, jegliche Informationen über dieses Werk dann gleich wieder aus dem Gehirn zu löschen. Dafür gab es gleich vier Goldene Himbeeren. Immerhin etwas.Inchon

Kosten: 46.000.000 $   Verlust: 40.800.000 $   Verlust heute: 97.061.793 $

 

Platz 16: Jack and the Giants

Der Originaltitel ‚Jack the Giant Slayer‘ wäre wohl zu brutal oder unverständlich für den deutschen Markt gewesen. Anders kann ich mir nicht nicht so ganz erklären, warum man das unbedingt umbenennen musste. Konsequenterweise hätte man auch gleich ‚Das tapfere Schneiderlein‘ wählen können, oder war das nicht mehr hip genug? Wer das entsprechende Grimmsche Märchen kennt, sollte wissen, was hier so ungefähr passiert. Der Held Jack wird gespielt von Nicholas Hoult, den man aus ‚Der Tag der toten Ente‘ kennen könnte. Ansonsten sind noch Ewan McGregor, Stanley Tucci und Bill Nighy/John Kassir vertreten, wobei die letzten beiden gemeinsam einen Riesen mit zwei Köpfen spielen. Klingt doch eigentlich ganz lustig, oder? Natürlich kommt hier superviel 3D-Technologie zum Tragen, denn wer will heute noch einen Film in 2D haben? Pfui! Regisseur Bryan Singer ist auch kein Unbekannter (Die üblichen Verdächtigen, X-Men I + II, Superman Returns, Operation Walküre). Am Ende sollten es dennoch fast 100 Millionen Dollar Minus werden.

Ursprünglich war ein Release für Juni 2012 geplant. Warner hatte jedoch Angst vor The Dark Knight Rises im Juli und versetzte Jack gleich um 9 Monate in den März 2013. Warum auch nicht? Schließlich lief Der Hobbit ja nur kurz davor im Dezember an, und die Leute gucken schließlich immer wieder gerne ähnliche Filme *zwinker, zwinker*. Außerdem wurde im Oktober aus ‚Jack the Giant Killer‘ dann der finale ‚Jack the Giant Slayer‘. Offensichtlich war man sich wohl erst dann bewusst geworden, welche Zielgruppe man ansprechen wolle. Oder auch nicht. Der Film, der 200 Millionen in der Produktion und 95 Millionen im Marketing verschlang, entpuppte sich als überdimensionierter und viel zu künstlicher Flop, der für Jüngere zu brutal und für Erwachsene zu kindisch ist. Wie man Kinderbücher verfilmt, bewies dafür Peter Jackson, der wohl einzige Gewinner von Jack and the Giants.Jack and the Giants

Kosten: 295.000.000 $  Verlust = Verlust heute: 97.460.502 $



hoerdatei Episode 5: Wrap-up

podcast logoHurra! Im Wrap-up soll es nicht um ein spezielles Thema gehen, sondern viel mehr um aktuelle Kinofilme und womöglich aktuelle Geschehnisse, die uns erwähnenswert erscheinen. So widmen wir uns unter anderem Star Trek Into Darkness, Iron Man 3 und der neuen Xbox One. Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf die im Juni anstehenden Kinofilme. Doch hört selbst.

Gespoilert wird nicht viel dieses Mal. Da haben wir uns Mühe gegeben. Außer der fünfte Stirb Langsam-Film, da gehen wir ziemlich direkt auf das Ende ein. Aber wen juckts?

 

 

 

00:01:00 Stirb Langsam 5 Nachruf

00:04:53 Xbox One

00:16:45 Iron Man 3

00:30:40 Star Trek Into Darkness

00:46:00 Vorschau Juni-Kinoprogramm mit Hangover 3, After Earth, Olympus Has Fallen, Seelen, The Place Beyond the Pines, Man of Steel, Monster AG 2, Gambit, World War Z

01:12:37 Ende

 

http://www.dorkly.com/comic/52085/xbox-one-what-they-tell-us-vs-what-well-get

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

Oblivion (2013)

Heute kochen wir! Man nehme:

  • eine kleine Prise Planet der Affen-Setting
  • zwei Teelöffel The Day After Tomorrow oder wahlweise 2012-Endzeit-Szenario
  • ein wenig Feeling aus I am Legend
  • die Optik aus einem Apple-Store

WICHTIG #1: Auf gar keinen Fall greifbare Antagonisten verwenden! Lieber auf die altbewährten Drohnen setzen, die die bedrohliche Aura einer Waschmaschine versprühen und soviel spannender sind als lebendige „Bösewichte“.Oblivion

WICHTIG #2: Sollte die Menschheit jemals untergehen, so werden Schallplatten und entsprechende Spieler als einzige Medien überleben. Deswegen schon vorher Vorrat mit Lieblings-Platten anlegen. Beachte dabei: offensichtlich brauchen diese keinen Strom.

Die Zutaten vorsichtig verrühren, bis ein wichtiger schwarzer Mann auftaucht, der verdächtig an Denzel Washington in The Book of Eli erinnert. Ist er aber nicht. Es ist nämlich Morgan Freeman, der Léon dem Profi die Brille geklaut hat. Ab hier den bereits im Trailer erwähnten Story-Twist vorsichtig drüberstreuen, weil Menschen heutzutage keine Trailer mehr gucken. Weil dieses „Intranetz“ ohnehin Nischen-Technologie ist. Von jetzt an noch größere Vorsicht beim weiteren Kneten, denn die beiden nervigen wie auch belanglosen Frauenfiguren machen die teigige Masse schnell bitter. Noch sehr viel bitterer: Olga Kurylenko hat keine Nacktszene.

WICHTIG #3: Auf gar keinen Fall zu viel Screentime für Morgan Freeman einplanen, denn keiner mag ihn.

Sollte sich der Story-Teig zunehmend sandig und ziellos färben und die an Star Wars-Spiele der 90er erinnernde Flug-Kampf-Szene zu Ende sein, schnell einen weiteren Story-Twist reinbringen, bis das Interesse des Zusehers wieder steigt. Hier eine Sequenz aus Der Englische Patient untermischen, weil dadurch die Spannung ins Unermessliche steigt und die Zuschauer sonst zu sehr an Moon denken.

Jetzt kann die Pampe in den Backofen. Nach 2 Stunden bei 200°C rausholen und zum Schluss mit Independence Day und 2001 – Odyssee im Weltraum glasieren. Abkühlen lassen. Servieren.

Voilà.

 

Der Film zitiert nicht nur, sondern bedient sich fröhlich aus dem Sci-Fi-Fundus der letzten Jahre und Jahrzehnte. Von 2001 bis Planet der Affen, Independence Day, Total Recall und ganz erheblich vor allem von Moon. Da ist keine einzige originelle Idee dabei gewesen. Ästhetisch ist er. Und ja, am Ende habe auch ich gehofft, Aliens oder was auch immer zu sehen. Dann aber ist widerum die ganze Handlung reichlich konstruiert und Morgan Freeman völlig verschwendet. Kurylenko sieht nett aus, aber beide Frauenfiguren sind irgendwo zwischen nervig und belanglos. Tom Cruise ist sympathisch und der eine oder andere Twist unterhalten tatsächlich, aber trotzdem ist Oblivion, besonders das Finale, überraschend unoriginell.

So stirbt der Film in seiner weißen Touchscreen-Apple-Store-Optik den Designer-Tod. Nett und unterhaltend, aber keiner Erinnerung wert.

 

Regie: Jospeh Kosinski (TRON: Legacy)

Schauspieler: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko

Bewertung: 

 

 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

hoerdatei Episode 4: Die Hard

In Episode 4 geht es um die Stirb langsam-Reihe, die fulminant beginnt und mit dem fünften Teil inzwischen massiv und drastisch abgebaut hat. Eine Reihe, mit der wir aufgewachsen sind und die trotz ihres alternden Helden irgendwie nichts dazugelernt hat. Mit an Bord sind Severus Snape, Carl Winslow, ein Düsenjet und natürlich Tschernobyl.podcast logo

Zudem haben wir diesmal mit Skype aufgenommen, was sich positiv auf die Qualität der Aufnahmen ausgewirkt haben dürfte.

Spoilerwarnung! Auch wenn es nicht viel zu spoilern gibt, das Ende vom ersten und zweiten sowie dem fürchterlichen fünften Teil verraten wir. Zudem wird Harry Potter gespoilert, also Vorsicht, wer gerade noch mitten im sechsten Teil steckt!

 

 

00:05:06 Stirb langsam, McClane und Carl Winslow gegen Snape

00:24:39 Stirb langsam 2, McClane gegen Django

00:36:59 Stirb langsam: Jetzt erst recht, McClane und Samuel gegen Snapes Bruder

00:47:00 Stirb langsam 4.0, McClane und der Mac und Silent Bob gegen Hitman

01:05:20 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, McClane gegen RUSSLAND

01:21:10 Persoenliche Rankings

01:31:17 Ende

 

 

weiterführende Links:

[youtube] Alternatives Ende von Stirb langsam 3 spill.com-review zu Stirb langsam 5 How to fix Die Hard 5

[n24] Reise zum Sarkophag

[imdb] Stirb langsam Stirb langsam 2 Stirb langsam: Jetzt erst recht Stirb langsam 4.0 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: 

Scary MoVie (2013)

Auch wenn man sich größte Mühe gegeben hat, die ‚5‘ im Titel zu verstecken. Das inzwischen vierte Sequel zu Scary Movie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man zum, nun ja, fünften Mal das Gleiche macht. Die einzige Neuerung sind die Filme, die persifliert werden. Im Vordergrund stehen ‚Paranormal Activity‘ und ‚Mama‘. Weil das aber nicht genügend Material geliefert hätte, werden zudem noch ‚Black Swan‘, ‚Inception‘ und, praktisch völlig zusammenhanglos, ‚Planet der Affen‘ auf die Schippe genommen. Ein paar weitere Anspielungen gibt es dann noch hier wie dort und eine ganze Reihe von prominenten Gastauftritten, die das Geschehen auf 86 Minuten strecken.scary movie 5

Die Handlung ist einfach: Jody Sanders (Ashley Tisdale) und ihr Mann Dan (Simon Rex) nehmen die beiden Töchter von Dans verstorbebnem Bruder unter ihre Fittiche, welche von irgendeinem Dämon besessen sind. Oder so. Bla bla bla, et cetera und so weiter. Gastauftritte haben Charlie Sheen, Lindsay Lohan, Snoop Dogg, Mike Tyson und Mac Miller. Was die da drin zu suchen haben? Kinder in die Kinos locken, mehr nicht. Die dicke mexikanische Haushälterin präsentiert sich im Bikini und hat eine heimliche Liebesbeziehung mit dem Staubsauger. Die eine kleine Göre steckt sich ihre Zahnbürste in den Hintern. Ein Säugling wird in Brand gesteckt. Und der schwarze Geisteraustreiber entpuppt sich als Dieb und Kreditkartenbetrüger. Was womöglich ein wenig rassistisch ist, aber wen kümmert es.

Mein grundlegendes Problem mit ‚Scary MoVie‘ ist, dass man sich tatäschlich die Dreistigkeit herausnimmt, sich beispielsweise über ‚Inception‘ lustig zu machen, dabei aber selbst meilenweit davon entfernt ist, einen ansprechenden Film abzuliefern. So bedient man sich popkultureller Anspielungen, ohne auch nur irgendeine eigene kreative Leistung dazu beigetragen zu haben. Dem Affen aus ‚Planet der Affen‘ wird permanent auf die Fresse gehauen. Das mag dann einmal lustig sein, aber mehr fiel den Verantwortlichen auch nicht ein. Und tatsächlich ist es ‚Black Swan‘, welches hier mit am meisten verarscht wird. Das reine Ballett als Grundlage für Witze zu nehmen spricht ganz klar für den pubertären Humor und die Ausrichtung auf eine Zielgruppe jugendlicher Menschen, die so einen Scheiß total abfeiern.

Zugegeben, auch die vorigen Filme haben schon nichts anders gemacht. Aber bei denen war ich noch jünger und naiver. Das hier ist wirklich von vorne bis hinten dumm und eine Unverschämtheit. Klar, im Suff und mit Freunden kann man sich diese Idiotie geben. Aber wie man auf clevere Art und Weise zitiert beweisen ‚Hot Fuzz‘ und ‚Shaun of the Dead‚, die von vorne bis hinten liebevoll mit den Vorbildern umgehen und zu jeder Zeit vor allem eines sind: lustig. Weil nur weil es dumm ist, nicht zwangsläufig auch lustig sein muss. Außer man ist noch zwölf Jahre alt. Gleiches gilt übrigens auch in die andere Richtung. Lustiges muss nicht dümlich sein. Und entweder waren die Schreiber und Macher noch auf dem geistigen Level von Vorschülern, oder, und das ist der wahrscheinlichere Fall, Scary Movie Episode 5 ist nicht viel mehr als der Versuch, auf schnelle und einfache Art und Weise Geld zu verdienen. Da gucke ich mir lieber zum tausendsten Mal die Nackte-Kanone-Trilogie an. Prost.

Regie: Malcolm D. Lee (Soul Men, Roll Bounce, Undercover Brother)

Schauspieler: Ashley Tisdale, Simon Rex, Erica Ash, Katt Williams

Bewertung: 

Godzilla (1998)

2014 steht, 16 Jahre nach Roland Emmerichs Verwurstung, der nächste Reboot des Franchises an. Dabei hat die arme, missverstandene Echse seit ihrer Geburt 1954, damals noch in Schwarz-Weiß, eine ganze Menge durchgemacht. Dass Godzilla selbst im Originalfilm schon starb, scheint aber niemanden großartig gestört zu haben. Dutzende Monsterstreifen folgten. Unter anderem gegen Mothra und sogar King Kong zog das Produkt des atomaren Schreckens zu Felde. Damals übrigens mit dem besseren Ende für King Kong (Skandal!). In den 90ern war jedes Wochende auf Kabel 1 Monsterfilm-Zeit! Doch wer hätte ahnen können, dass erst Roland Emmerich kommen musste, um Godzilla im westlichen Raum den Todesstoß zu versetzen. Aber hey, in Hollywood ist niemand wirklich tot (Ellen Ripley, Spock, Michelle Rodriguez sogar doppelt in Resident Evil und Fast & Furious) und so werden wir bald den nächsten Anlauf sehen.godzilla

Die Geschichte ist so einfach wie banal. Ein durch eine Atombombe in die Größe geschossener Kaltblüter fällt über eine Großstadt, in diesem Falle New York, her. Dabei ist die einzige Hoffnung Dr. Niko Tatopoulos (Matthew Broderick) und seine Ex Audrey (Maria Pitillo). Mit an Bord zudem Kameramann Victor (Hank Azaria) und der französische Agent Philippe (Jean Reno). Dabei entpuppt sich nicht Godzilla als das einzige Problem, sondern auch der schuppige Nachwuchs.

In Zeiten vor 9-11, als man noch ruhigen Gewissens New York in Filmen zerstören durfte, regt vielleicht das Redesign am meisten auf. Wer Godzilla aus den japanischen Filmen kennt, wird das Monster hier kaum wiedererkennen. Dafür sieht es einfach zu sehr nach Dinosaurier-Verschnitt aus. Aber nun gut, im alten Format konnte Godzilla noch nicht sehr schnell rennnen und es wohl kaum mit der ausgeklügelten amerikanischen Militärtechnologie aufnehmen. Vielmehr das größere Problem sind die völlig belanglosen menschlichen Protagonisten, die außer Jean Reno alle völlig kanten- wie belanglos sind. Matthew Broderick ist so eine Art Loser, der sich zum großen Rächer aufschwingt. Er ist zwar schlau, hat aber auch nie wirklich Zeit, sich als der große Held zu profilieren. Viel zu hektisch geht es von einer Verfolgung zur nächsten, viel zu wenig Zeit bleibt für gescheiten Dialog. Seine Ex ist irgendwo zwischen dümmlich und nervig und ihr Kollege einfach nur blöd. Dabei sind in Roland Emmerichs 140-minütigem Spektakel die Franzosen die wahren Helden und Retter New Yorks, weil das amerikanische Militär reichlich dämlich handelt.

So wie sich die Menschheit durch ihre Atomtests das Problem selbst eingebrockt hat, fiebert man niemals wirklich mit den ganzen Leuten mit. Die Spitze der Antipathie stellt der New Yorker Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) dar, der mit jedem Satz das Arschloch heraushängen lässt. Schade ist dann, dass der eigentliche Held Godzilla sehr wenig Screentime bekommt. Dabei geht der Film mit dem Echsen-Nachwuchs einen erstmal interessanten Weg, der sich jedoch als inspirationsarmer Jurassic Park-Abklatsch entpuppt.

So plätschert der Film über zwei Stunden vor sich hin. Am Ende hat man sogar ein wenig Mitleid mit dem Untier, das hier als einzigstes so etwas wie Emotionen transportiert. Trotz seines Alters sehen die Effekte tatsächlich noch gut aus und der Soundtrack ist großartig (Green Day, Rage Against The Machine, Jamiroquai, Foo Fighters, Puff Daddy). Das wars dann aber auch. Alteingesessene Godzilla-Fans werden enttäuscht sein und alle anderen finden auch nicht viel Gutes. Natürlich erwartet man von Roland Emmerich nicht viel mehr als ein unterhaltsames Action-Filmchen, aber ‚Cloverfield‘ hat beispielsweise gezeigt, wie man einen guten Monster-Streifen hinbekommt, der einen fesselt und einem nicht wie ein belangloser Hollywood-Blockbuster erscheint. Ob das Reboot 2014 einen besseren Weg einschlägt, muss sich zeigen. Die älteren japanischen Puppen-Godzillas sind aber immer noch unerreicht.

Regie: Roland Emmerich (Independence, Stargate, 2012, The Day After Tomorrow)

Schauspieler: Matthew Broderick, Jean Reno, Hank Azaria

Bewertung: