Pacific Rim (2013)

Wenn riesige maschinenartige Ungetüme Städte in Schutt und Asche legen, dann ging oft die erste Assoziation Richtung Transformers. Beachte: „ging“. Denn das dürfte sich mit Pacific Rim hoffentlich bald ändern, weil Guillermo del Toros Film zeigt, dass man eine ähnliche Prämisse in einen funktionierenden Streifen verwandeln kann. Ohne die grenzdebilen Dialoge, das massive Product-Placement oder den nervtötenden amerikanisch-patriotischen Pathos, der Michael Bays Spielzeugfilme stets begleitet.Pacific Rim

Die Handlung ist simpel. Und hört sich zugegebenermaßen recht albern an. Ach verdammt, sie ist auch albern. In naher Zukunft überfallen gigantische Ungeheuer, die Kaiju, aus einer Paralleldimension heraus die Erde. Das Tor, durch das diese schreiten, befindet sich irgendwo im Pazifik. Nur die von Menschen gebauten Jaeger, gigantische Kampfroboter, sind in der Lage, den Monstern Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt steht der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der seinen Bruder an einen Kaiju  verloren hat und der nun von Stacker Pentecost (Idris Elba) erneut rekrutiert wird, um einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen, um die Menschheit vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ihm zur Seite steht Mako Mori (Rinko Kikuchi), denn die großen Kampfmaschinen lassen sich nur zu zweit kontrollieren.

Wir sind also rein geschichtlich nicht am Anfang der Invasion, sondern befinden uns mehr oder weniger am Ende. Denn der Riss spuckt immer häufiger Kaiju aus und die Menschen rund um den Pazifik sind wohl dem Untergang geweiht. So ist Pacific Rim die meiste Zeit relativ düster. Das funktioniert auch ganz gut. Es stellt sich für den Zuschauer jedoch die Frage, ob er mit diesem Sci-Fi-Monster-Setting leben kann. Guillermo del Toro erschafft eine eigenständige und detailierte Welt, die für manchen Realisten arg konstruiert wirken wird. Natürlich ist es nicht sinnvoll, gigantische Roboter zu bauen. Natürlich sind Paralleldimensionen mit großen Seeungeheuern nicht realistisch und ganz klar, der eine oder andere Charakter ist stark überzeichnet. Aber wenn man den Film gewähren lässt und sich auf das Szenario einlässt bzw. einlassen kann, dann erlebt man eine recht coole und stellenweise tatsächlich durchdachte Welt. Vor allem für Leute wie mich, die früher jeden Samstag um 5:00 die Power Rangers im Morgenprogramm geschaut haben, entfaltet Pacific Rim so eine Art Retro-Charme.

Was den Film so viel besser macht als die Transformers, ist der Fakt, dass selbst die gigantischste Action-Sequenz angenehm geschnitten ist. Während bei Michael Bay Schnitt auf Schnitt folgt und man in der Hektik jegliche Übersicht verliert, weiß man in Pacific Rim immer, was gerade passiert. Dabei ist die Handlung simpel und wirkt nich so hingeklatscht wie bei den Transformern, wo man optisch und inhaltlich meist gar nicht mehr weiß, was da los ist. Auch die Kämpfe sind durch die Wesen und die Roboter geradezu menschlich und haben eine sehr natürliche Dynamik. Wenn gerade eine der Maschinen einen riesigen Öltanker als Baseballschläger benutzt, dann ist das auf der Coolness-Skala schon zeimlich weit oben. Und dazu dann noch der motivierende Soundtrack von Ramin Djawadi (seines Zeichens auch für den Soundtrack von Game of Thrones verantwortlich), der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht. Wenn das Lied ertönt, dann weiß man, gleich brennt die Hütte. Die Wiedersacher erinnern rein von der Optik her stark an die Wesen aus den Hellboy-Filmen, bei denen Guillermo del Toro auch auf dem Regiestuhl saß.

Aber! So einiges funktioniert auch nicht. Die meisten Charaktere sind ziemlich oberflächlich und teilweise unsympathisch. Auch wenn ich Idris Elba liebe, seine Rolle schwingt irgendwo zwischen aufgesetzter Wichtigkeit und nervtötender Dominanz. Hauptprotagonist Raleigh ist so gut wie charakterlos, seine Kollegen ebenso. Die Dialoge der Protagonisten sind dahingehend auch alles andere als wirklich sinnvoll. Dazu kommt, dass mit Charlie Day, Burn Gorman und Ron Perlman gleich drei Charaktere in einer Art Nebenhandlung für einen Comic Relief sorgen sollen und dabei öfter mal so gar nicht in die düstere Stimmung hineinpassen. Vermutlich wäre es auch zu ermüdend, zwei Stunden lang nur Monster-Roboter-Kämpfe zu sehen. Aber ich verzeihe dem Film, weil es eben nicht wie in Transformers 2 eine Riesen-Maschine mit Klöten gibt. Oder ständiges Einblenden von Automarken oder Handyherstellern. Oder eine Art Werbeblock für die amerikansiche Armee, wie in Transformers 3. Oder eine Megan Fox, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihren Arsch in die Kamera zu recken.

Und hier liegt vermutlich auch irgendwo der Hund begraben. Die Menschen sind die großen Roboterschlachten mittlerweile leid. Vor allem dank Michael Bay. Nur so lässt sich für mich erklären, warum das Transformers-Franchise so massiv mehr eingenommen hat als Pacific Rim, welches gerade mal seine Produktionskosten wieder drin hat. Hier tut es mir wirklich leid, denn Guillermo del Toros Film ist natürlich kein erzählerisches Meisterwerk, aber es macht das, was es machen soll. Und um so viel besser als die Konkurrenz.

Wer als Kind mit den Power Rangern, den Transformern, Godzilla und co. oder dem Saber Rider aufgewachsen ist, wird auch mit Pacific Rim sicher viel Freude haben. So wie ich. Aber auch als Sci-Fi-Actioner taugt das ganze hier. Wenn man sich jedoch an allerhand Logiklücken aufhängt à la „Warum hat ein Riesenroboter drei Arme?“, dann dürfte Pacific Rim nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Aber hey, viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, warum man ohne Power Rangers aufgewachsen ist.

 

Regie: Guillermo del Toro (Hellboy I + II, Pans Labyrinth)

Schauspieler: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Bewertung: 

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