Nitro Circus 3D – Der Film (2012)

Warum nicht einfach mal mit einem Dreirad vom Dach eines hundert Meter hohen Gebäudes in Panama springen? Auf das Dach des Nachbarhauses, schön in einen Haufen von Pappkartons und mit dem beklemmenden Gefühl, dass eine Unachtsamkeit oder ein falsches Zucken zu einem vorzeitigen Ableben führen könnten. Wer sowas für Unfug oder gar Zeitverschwendung hält, der braucht sich ‚Nitro Circus 3D‘ nicht anschauen, denn sehr viel sinnvoller werden die Stunts nicht. Dafür lässt die Crew um Travis Pastrana die Jackass-Bande wie einen Haufen dämlicher Amateure aussehen. Auch wenn das nicht unbedingt schwer ist, schließlich basierte das Jackass-Format auf der Blödheit des Gezeigten.

Nitro Circus kennt man womöglich durch MTV. Dort lief die Serie in zwei Staffeln sehr erfolgreich, zumal dort ziemlich coole Sachen gezeigt wurden. Gerade weil die Protagonisten allesamt Profis auf ihren Gebieten sind. So ist Travis Pastrana der leibhaftige Motocross-Gott und der Rest nicht (sehr viel) minder begabt. Natürlich gibt es mit  Streetbike Tommy einen ziemlich dicken Anhang, der nicht viel mehr macht, als böse auf die Fresse fallen. Hier gibt es dann spürbare Überschneidungen mit Jackass, doch die meiste Zeit bleibt man auf einem höheren Niveau. Interessant ist dennoch, dass Johnny Knoxville für Nitro Circus als Produzent agiert. Wenn dann jedoch irgendwo die Titelmelodie des Nitro-Zirkus ertönt, dann weiß man, dass man als Fan der Jungs und des Mädels richtig ist.

Man braucht nicht lange drüber rumrätseln. Wer Nitro Circus mag, wird den Film sicherlich auch gut finden. Er ist eben wie eine ausgedehnte Episode im TV und sogar eine Art Handlungsstrang wird aufgebaut. Denn vor der Truppe steht der finale Auftritt in Las Vegas, was als die ultimative Challange dargestellt wird. Und hier kommt auch schon mein erster Kritikpunkt zum Tragen: Die Art und Weise, mit der die Aktionen hochstilisiert werden, ist so dermaßen unpassend und amerikanisch und passt eigentlich so gar nicht zum eher debilen Charakter der Fernsehsendung. Da sitzen dann erwachsene Männer und reden über ihren Drang, Freiheit zu spüren und sich zu beweisen. Doch jeder 5-jährige wird wissen, dass die Aktionen zwar cool sind, doch nichts wirklich Tiefgründiges bieten. Hier nervt der Film ein wenig. Noch viel schlimmer empfinde ich aber die Interviews mit Leuten wie eben Johnny Knoxville oder Channing Tatum, die immer wieder eingestreut über das Nitro Circus-Team orgasmieren. So gibt es zwar Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Stunts, dafür verkommt der Film dann aber stellenweise zu einem Werbefilm. Und das nervt. Es gibt ohnehin schon genug Werbung für Zuckerwasserhersteller auf allerhand Caps und wir sehen doch als Zuschauer, dass die Typen krasse Aktionen machen. Da braucht niemand noch irgendeinen Kerl, der einem erzählt, dass das krasse Aktionen sind.

Tatsächlich wird sogar gezeigt, wie sich Jim DeChamp bei einem Stunt fasst das Rückgrat bricht, doch eine Reflexion oder gar kritische und hinterfragende Gedanken gibt es nicht. Und das zeigt, dass es bei all der Coolness und Abgedrehtheit doch an ein wenig Grips mangelt, um hier villeicht ein wenig mehr Tiefgang zu erreichen. Das ist aber dann auch wieder nichts, was einen eingefleischten Fan stören dürfte. Sehr viel nerviger ist dafür jedoch die deutsche Synchronisation, die auf allen Ebenen furchtbar geworden ist. Selbst wenn man kaum Englisch spricht, empfehle ich die originale englische Fassung. Sehr viel an Dialog verpasst man ohnehin nicht.

Und das wars. Wer Nitro Circus mag, wird hier unterhalten werden. Das ist keine Straftat und auch ich habe mich die meiste Zeit amüsiert. Die Serie finde ich trotzdem besser, einfach weil da die Stunts mehr im Vordergrund stehen. Man sollte auf jeden Fall jedoch einen großen Bogen um Travis Pastrana und co. machen, wenn einem die Aktionen so rein gar keinen Spaß bereiten. Denn dann gerät Nitro Circus 3D schnell in eine 90-minütie Tortur. Mit Werbung. Für sich selbst.

Regie: Gregg Godfrey, Jeremy Rawle (die Regisseure der Serie)

Schauspieler: Travis Pastrana, Jolene Van Vugt, Tommy Passemente, Jim DeChamp, Erik Roner, Greg Powell

Bewertung: 

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