Matthew Delaney: Golem (2010)

Die Welt im Jahre 2049: Praktisch jede Krankheit ist besiegbar, alles durch Veränderung der Gene. Die Firma Genico beherrscht den Markt, und so bleibt nur gesund, wer auch Geld hat. Zur gleichen Zeit werden Transkriptoren produziert, eine Art künstlicher Mensch mit Verfallsdatum, der jedoch über keine Rechte verfügt und ein moderner Sklave ist. Mittendrin ist unser Held, Thomas Roosevelt, Sohn des Konzerngründers. Als Herr Papa ihn und nicht seinen Bruder zum Nachfolger erwählt, eskaliert der brüderliche Wettstreit und Thomas ist plötzlich auf der Flucht.

‚Golem‘ ist ein Thriller über ca. 500 Seiten. Das Zukunfts-Szenario ist ganz nett und erfreulicherweise nicht ganz so bis ins kleinste Detail ausgemalt wie ‚Limit‚ von Frank Schätzing. Richtig Science-Fiction sieht man nicht (so wirklich, finde ich), Autos haben einen neuen Antrieb und die Sache mit den Genen halt. Der Rest erinnert einen an heute. Dezente Veränderungen. In ‚Limit‘ gab ja noch so viel neues, dass man seitenlang darüber unterrichtet wurde und bald nicht mehr wusste, was zur Hölle das alles denn soll.

Wir erleben, wie Thomas ein eigentlich sorgenfreies Leben in der Oberschicht führen darf. Sein Bruder hängt ihm jedoch einen Mord an und so wird er als Transkriptor abgestempelt, frei von Rechten, verheizt als Arbeiter und Gladiatoren-Kämpfer. Sonderlich bewegende Wendungen sollte man nicht erwarten, zumindest war mir früh schon klar, worauf alles hinausläuft. Es wird so oft mit dem Finger auf die Transkriptoren gezeigt und geschrien „Sie sind auch Menschen und verdienen Rechte!“, dass die Grundbotschaft natürlich etwas auch mit Thomas Roosevelt zutun haben muss. Doch wird wirklich Sozialkritik betrieben? Meiner Meinung nach nicht, was vor allem zum Ende hin deutlich wird. Eine Lösung wird nicht präsentiert, die Sklaven werden nicht wirklich befreit, die Welt wird zwar erschüttert, aber das interessiert uns da schon nicht mehr so. Das fand ich schade. So geht eigentlich eine Message flöten. Übrig bleibt ein futuristischer Thriller mit eher wenig Tiefgang. Da wäre mehr drin gewesen.

Besonders die erste Hälfte des Buches gefiel mir gut. Dort wurde noch viel von der Welt ‚gemalt‘, jedoch immer in eher kurzen Kapiteln. Das gab dem Ganzen eine Portion Dynamik und Abwechslung. Hälfte Nummer 2 ist dann wieder so eben etwas, das man in jedem anderen Roman dieser Art auch liest. Kampfszenen, Weglaufszenen, Racheszenen. Und zum Schluss dann ein wenig seicht. Langweilig war mir aber nie, zu 100% sympathisch war mir der Held aber auch nicht. Dafür ist er zu perfekt. Keine einzige schlechte Eigenschaft hat er. Die Natur will er schützen, Vegetarier, perfekte Freundin, freundlich, beliebt, sympathisch, Top-Job, Top-Abschluss, Top-Sportler, Top-Auto (für heutige Standards). Da wirkt der drogenabhängige Verräter-Bruder doch gleich ein wenig greifbarer, trotz des Verratens eben. Sympathie-Punkte sammelt der jedoch auch nicht, vor allem weil er ein ziemliches Arschloch ist. Deswegen liest man eher nicht wegen den Personen als viel mehr des Szenarios wegen.

Wie dem auch sei. ‚Golem‘ ist absolut ok. Keine Weltliteratur, nichts was einem lange in Erinnerung bleibt. Im Vergleich zu ‚Limit‘ aber würde ich ‚Golem‘ vermutlich lieber emphelen, ganz einfach weil man sich nicht durch teils unendliche Bauanleitungen und Standortbeschreibungen durcharbeiten muss. Mehr Platz für die Fantasie des Lesers! Allerdings frage ich mich, ob heutzutage alle Romane mit einer Szene beginnen müssen, in der eine Person ellenlang vorgestellt wird, um sie dann übers Messer springen zu lassen. Oder ist das einfach modern? Oder bin ich zu ignorant für wahre Kunst? Keine Ahnung, aber wer noch Lektüre für den Strand braucht, macht hier nichts falsch.

Bewertung: 

 

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