Lock Up – Überleben ist alles (1989)

Es gibt Filme, bei denen ist eigentlich von vornherein klar, was passieren wird. Und dann gibt es ja auch noch Schauspieler, bei denen von vornherein klar sein sollte, auf was für Rollen sie gebucht werden. Und wer hinter ‚Lock Up‘ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle ein gesellschaftskritisches Stück mit facettenreicher Handlung vermutet, hat vermutlich noch nie Rambo gesehen. Oder Over the Top. Oder Rocky. Oder Cliffhanger. Oder The Expendables. Oder jeglichen anderen Film mit Sly in der Hauptrolle. Außer Copland, der war wirklich gut. Aber wir sind hier schließlich bei Lock Up, und dahinter verbirgt sich, wer hätte das gedacht, ein Knast-Action-Streifen. Mit Dramaelementen!Lock Up

Frank Leone (Sylvester Stallone) ist ein eigentlich herzensguter Mensch. Wer hätte das gedacht? Zwar kommt er von der Straße, doch seinen Lebensunterhalt verdingt er sich als Automechaniker. Fair und ehrlich und irgendwie auch sehr amerikansich. Wer hätte das gedacht? Außerdem hat er eine hübsche Freundin. Wer hätte das jetzt nun gedacht? Unschuldig wie er nun mal ist, als guter Amerikaner, muss er jedoch eine gewisse Zeit im Knast absitzen. Kurz vor seiner Entlassung wird Frank verlegt und muss nun unter dem tyrannischen Knastdirektor Warden Drumgoole (Donald Sutherland) leiden, der noch eine offene Rechnung mit ihm hat. Und so beginnt ein harter Kampf ums Überleben.

Natürlich findet der gute Franky-Boy schnell Freunde im Knast. Unter anderem Dallas (Tom Sizemore) und First Base (Larry Romano). Und noch natürlicher findet er diverse Feinde. Nicht nur unter dem Mitinsassen Chink Weber (Sonny Landham), sondern auch, wer hätte das gedacht, unter den Wärtern. Allerdings kann er sich dank der hausinternen KFZ-Meisterwerkstatt im Gefängnis von seinen täglichen Sorgen ablenken. Das hätte wirklich keiner gedacht. Mit Franks näher rückenden Entlassung scheint der beknackte Direktor allerdings auch zunehmend an Verstand zu verlieren, was zur Eskalation führen muss. Involviert sind dabei auch ein elektrischer Stuhl und ein Showdown, der die Grenzen logischen Denkens souverän durchbricht.

Besondere Erwähnung sollten dabei zwei bis drei Szenen unter den Männern in der Werkstatt finden, die ungewollt eine gewisse erotische Anziehungskraft der Häftlinge zueinander vermuten lassen können. Hey, das soll nicht verurteilt werden. Aber vermutlich war das nicht die Inention von Regisseur John Flynn. Ansonsten nimmt sich der Film an vielen Stellen furchtbar ernst und portraitiert unseren Recken als unerschrockenen Mann aus der Unterschicht, der sich nicht von der Obrigkeit verbiegen lässt. Was für ein Schweinehund!

Und tatsächlich, man empfindet hier und da schon etwas Sympathie für Frank oder einen seiner Freunde. Dabei ist das natürlich niemals auch nur annähernd so fesselnd wie Die Verurteilten. Aber für einen Sly-Film doch schon echt in Ordnung. Leider verliert der Streifen gerade zum Ende hin furchtbar stark, weil das Finale, wie man es auch wenden mag, einfach wenig Sinn macht. Aber vermutlich ist das auch egal. Hier ging es nie um eine schlüssige Handlung. Und wer Sylvester Stallone mag und sich mit allen eingangs erwähnten Filmchen gut anfreunden kann, wird auch mit Lock Up angenehme 109 Minuten verbringen. Schließlich ist da, wo Stallone draufsteht, auch immer Stallone drin. Außer vielleicht bei Copland, der war wirklich überraschenderweise ziemlich gut. Wer hätte das gedacht?

 

Regie: John Flynn (Deadly Revenge, Brainscan, Bestseller)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos, Tom Sizemore, Sonny Landham, Frank McRae, Larry Romano

Bewertung: 

 

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