Kampf der Titanen (2010)

Der ärmliche griechische Fischer Spyros (Pete Postlethwaite, RIP) zieht einen Sarg aus dem Meer. Darin eine tote Mutter mit ihrem noch lebenden Säugling namens Perseus (Sam Worthington, er spielt aber nicht das Baby!). Dieser ist zufällig der Sohn des Zeus (Liam Neeson). Jahre später fangen die Menschen im antiken Lande an, alle Göttersymbole zu schänden und zu beschädigen, weil sie, nun ja, voll überheblich geworden sind. Als Perseus samt Familie gerade neben einer frisch abgerissenen Zeus-Statue entlangsegelt, killt Hades (Ralph Fiennes) die Schänder und nebenbei auch Perseus‘ gesamte Sippe. Dieser wird aus dem Meer gefischt und aus irgendeinem Grund vor den König und die Königin geführt, die gerade voll auf die Gotteslästereien abfeiern. Da kommt jedoch Hades und tötet die meisten Soldaten und stellt das Ultimatum, in 10 Tagen mit dem Riesenkraken die Stadt Argos zu vernichten, wenn nicht des Königs Tochter Andromeda zum Opfer angeboten wird. Ich fasse zusammen: Entweder opfern wir eine einzelne Person oder aber wir schicken ein dutzend Männer und die halbe Stadt in den Tod. Natürlich lässt sich der notgeile Perseus nicht lumpen und bricht mit einem dutzend Männer (darunter Draco gespielt von Mads Mikkelsen) auf in den Tod. Weil es natürlich noch eine Hintertür gibt, um den Kraken zu vernichten. Deswegen soll man erst zu den Schicksals-Hexen und die geben dann einen Tipp, was zu machen ist. Zeitgleich kocht Hades sein eigenes kleines Süppchen, um Zeus zu stürzen und die Titanen freizulassen, die Trotz des Filmtitels nicht im Film in Erscheinung treten. Also quasi ein Alienfilm ohne Aliens oder ein Porno ohne schlechte Dialoge oder eine Filmrezension ohne miese Vergleiche und flache Witze. Irgendwie taucht dann noch so ein ehemaliger König und nun Monster-Riese auf, der ja eigentlich der Stief-Vater von Perseus ist, welcher aber aufgrund der sexuellen Intimität seiner Frau mit Zeus die Mutter samt Kind damals in einem Sarg im Meer versenkt hatte und dabei leider selbst als Blitzableiter gedient hatte. Die komplexen Familienstrukturen bieten also viel Spielraum, um eine tiefgründige Story mit der vollen Bandbreits an Emotionen abzuliefern.

Kampf der Titanen strotzt nur so vor Unlogik. Das liegt vor allem daran, dass es eigentlich keinen einzigen tiefgründigen oder sinnvollen Charakter gibt. Perseus ist ein Junge mit Vaterkomplexen und mit wenig Verstand, und zum ersten mal merkt man, dass Sam Worthington auch kein wirklich guter Schauspieler ist. Zumindest meiner Meinung nach. Natürlich liegt es auch am Skript, welches ihm ungefähr zwei Sekunden Zeit gibt, um über den Verlust seiner Familie hinwegzukommen. So richtig RACHE-BIS-AUFS-BLUT kauft man ihm so nicht ab. Viel mehr als angestrengt flüstern und hier und da sein Schwert schwingen tut er auch nicht. Warum die Halbgöttin Io (Gemma Arterton) ihm hinterherlatscht habe ich nicht verstanden und es war mir auch egal. Dass Mads Mikkelsens Rolle irgendwo zwischen Arschloch und Arschloch einzustufen ist, ist schade, denn gerade da hätte man sich doch einfach mal ein wenig zeit nehmen können.

Die Effekte sind eine wahre Frechheit. Im Jahre 2010 ist es doch wohl möglich, dass eine Medusa und diverse Riesenskorpione nicht aussehen, als ob sie die direkten Nachfahren des noch ein wenig schlechter, aber nicht viel schlechter,  animierten Skorpionkönigs aus ‚Die Mumie kehrt zurück‘ von 2001 sind. So wirken die Kämpfe gegen die Ungetüme irgendwie komisch, was die Schnitte nicht viel besser machen. So wirkt das alles vollkommen lieblos zusammengeschustert. Noch weniger Liebe wird den einzelnen Protagonisten zuteil, die kurz auftauchen, um schnell wieder zu sterben. Unseren Helden schert das eh nicht, weil er noch eine offene Rechnung mit Hades hat und keine Zeit, seine Freunde zu betrauern. Pegasus ist schwarz, ein Schiff versinkt innerhalb von Sekunden (so hätte auf der Titanic niemand überlebt) und die Auflösung des Finals ist vollkommen merkwürdig und schnell. Aber null Problemo, so haben wir wenigstens genügend Stoff für Sequels. Hurra!

So etwas entzieht sich jedem Verständnis. Man hat einen Liam Neeson, einen Ralph Fiennes und einen Mads Mikkelsen. Alles gute Schauspieler, die starke Rollen ausfüllen können. Warum da nicht ein wenig mehr Verstand in eine sinnvolle Handlung investieren? Schon hätte man einen ähnlichen Film à la Herr der Ringe oder Fluch der Karibik, der garantiert erfolgreich wäre, und zudem noch intelligent und gut! Dafür hätte man sich 10 bis 15 Minuten am Anfang nehmen müssen und die Charaktere mal ein wenig interagieren lassen können, bevor „the shit hits the fan“. Doch scheinbar besitzt das keine Relevanz in Hollywood, hauptsache man haut pünktlich zum Sommer einen Blockbuster raus, die Leute fressen das schon. Die Action-Sequenzen sind dann auch schlecht und so hat man einen ziemlich blöden Film ohne Charakter. Oder Titanen….

Regie: Louis Leterrier (Transporter I + II, Unleashed, Der unglaubliche Hulk)

Schauspieler: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Gemma Arterton, Mads Mikkelsen

Bewertung: 

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