Juan of the Dead (2011)

Wenn ein Film bei imdb nicht einmal sein Poster aufgeführt hat, dann kann es sich wohl nicht um einen großen Hollywood-Streifen handeln. Und wahrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist eine kleine spanisch-kubanische 3-Millionen-$-Produktion. Mit Zombies. Auf Kuba. Als Komödie. Wer sich allerdings an ‚Shaun of the Dead‚ erinnert, weiß, dass selbst mit geringen Mitteln ein lustiger und vor allen Dingen ziemlich guter Zombie-Film zustande kommen kann. Schließlich hat das britische Vorbild nur sage und schreibe 4 Millionen Pfund gekostet. Geradezu lachhaft im Vergleich zum letzten Resident Evil-Teil, der allerdings mit 65 Millionen $ an Kosten kaum an den großen Comic-Verwurstungen aus Hollywood der letzten Jahre kratzt. Doch genug mit den Zahlen. Auf nach Kuba!

Juan (Alexis Díaz de Villegas) führt zusammen mit seinem Freund Lazaro (Jorge Molina) ein beschauliches und geruhsames Leben auf der kommunistischen Karibik-Insel. Im Grunde saufen die beiden tagein tagaus oder beobachten die Nachbarsfrauen von ihrem Dach aus. Doch plötzlich tauchen vermehrt „Dissidenten“ auf, die scheinbar von den USA unterstützt werden und für Unruhe sorgen. Schon bald merkt das Grüppchen um Juan, dem auch seine Tochter angehört, dass die vermeintlichen Feinde keine politischen Ziele verfolgen, sondern vielmehr vom Hunger nach Fleisch angetrieben werden. Es sind also Zombies. Doch warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Und so beginnt Juan, mit den lebenden Untoten Geld zu verdienen. Mit der Firma ‚Juan of the Dead‘ wird er zu einer Art Anführer eines Säuberungstrupps. Natürlich laufen irgendwann die Dinge zunehmend aus dem Ruder und der Kampf ums Überleben beginnt.

‚Juan of the Dead‘ ist tatsächlich im Geiste ein ‚Shaun of the Dead‘ auf Kuba. Das geht sogar so weit, dass die Protagonisten auch hier erst eine Weile brauchen, um zu raffen, dass sie Zombies gegenüberstehen. Problematisch ist nur, dass der südamerikanische Humor anders ist als das, woran man als Westeuropäer gewöhnt ist. Und um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, viele Witze sind ganz und gar plump. Wenn beispielsweise Lazaro, Juans bester Freund, sich neben ihn stellt, um sich auf eine Frau im gegenüberliegenden Gebäude einen herunterzuholen. Dabei ist dieser Kerl eine ziemliche Kopie der Figur, die Nick Frost in ‚Shaun of the Dead‘ spielt. Außerdem werden durch Lazaro im gesamten Film drei normale Menschen umgebracht, ohne dass auch nur irgendwer sich großartig darum kümmert. Natürlich ist dies eine schwarze Komödie, aber das große Lachen überkommt mich nicht, wenn ein Opa im Rollstuhl umgebracht wird, um sein Fortbewegungsmittel zu klauen, um damit den Rum leichter zu transportieren.

Schwarzer Humor ist natürlich so eine Sache. Man kann recht leicht den Bogen überspannen und an die Grenzen des guten Geschmacks stoßen, gerade in einem blutigen Horror-Film. Und so habe ich bei ‚Juan of the Dead‘ recht oft den Eindruck, dass viele Witze auch aufgrund kultureller Unterschiede einfach nicht gut rüberkommen. So schließen sich beispielsweise ein Transvestit und ein riesiger Muskelprotz der Gruppe an. Ersterer ist so über alle Maßen weiblich, dass es stellenweise unpassend wirkt. Letzterer kann kein Blut sehen und so kämpft er sich durch die  Zombiemassen mit Augenbinde. Das mag womöglich einmal lustig sein, nervt später aber, weil es mehrmals zur Sprache kommt. Besonders krass, weil in unseren Sphären kaum vorstellbar, ist eine Szene, in der die Gruppe fliehen will. Es stellt sich jedoch heraus, dass keiner das Autofahren beherrscht. Das muss man dann hinnehmen, aber es bleibt trotzdem der Eindruck, dass man ein Fremder ist.

Schließlich kommt man zur Erkenntnis, dass eigentlich keiner der Charaktere sonderlich sympathisch ist. Juan selbst ist als semi-obdachloser Lebemensch mehr oder weniger geeignet, die Gruppe zu leiten und das Geldverdienen mit dem Leid anderer erzeugt wenig Verständnis. Der Rest ist in erster Linie ziemlich dämlich. Die gestörte Beziehung zwischen Juan und seier Tochter wird zwar beleuchtet, kann aber über die Oberflächlichkeit in dem Ganzen nicht hinwegtäuschen.

Nichtsdestotrotz sehen die Zombies ganz nett aus und mit Blut wird hier und da nicht gespart. Dafür sind die Effekte, wenn beispielsweise ein Helikopter in das Kapitol von Havanna kracht, geradezu lächerlich. Aber was erwartet man auch von so einem kleinen Filmchen.

Ganz ehrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist kein wirklich schlechter Film. Er funktioniert einfach nur teilweise nicht. Das liegt, wie bereits erwähnt, an kulturellen Unterschieden. Doch auch so ist der Plot reichlich blöd und die Witze teilweise arg niveaulos. Wer aber gerne Zombie-Filme schaut, wird die Erfahrung mit kubanischen Untoten nicht bereuen. Zumal es beinahe so etwas wie Systemkritik gibt und wo sonst hat man die Monster schon unter Palmen an paradiesischen Stränden gesehen? Zombie-Verschmäher sollten aber lieber nicht die Segel Richtung Kuba setzen.

 

Regie: Alejandro Brugués (Fabula, Personal Belongings)

Schauspieler: Alexis Díaz de Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro

Bewertung: 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.