Jonah Hex (2010)

Josh Brolin. John Malkovich. Michael Fassbender. Michael Shannon. Wes Bentley (der Junge mit der Mülltüte aus American Beauty). Und Megan Fox. Okay, Megan Fox ist keine Schauspielerin, sondern einfach nur ein nett anzuschauendes Püppchen, dass in Jonah Hex passenderweise eine Nutte spielt. Aber die ersten fünf Herren sind gute Schauspieler! Brolin, Malkovich und Fassbender sogar sehr populäre. Daraus könnte man einen epischen Film machen. Vor allem, wenn man 47 Fucking Millionen Dollar zur Verfügung hat. Und dass dieser, naja, nennen wir ihn mal „Film“, weltweit nicht einmal 11 Millionen eingespielt hat, spricht schon Bände. Zumal er auf einer Comicreihe basiert und hier und da bereits Fans besitzt.

Das Beste an Jonah Hex ist, dass der Blödsinn nur knappe 81 Minuten dauert. Zudem sieht man nicht alles, weil es Szenen gibt, die zu dunkel sind. Außerdem sind die Actionszenen so geschnitten, dass man ohnehin kaum etwas mitbekommt. Aber nicht zu schnell! Da gibt es ja noch eine Story zu erzählen:

Jonah Hex (Josh Brolin) ist Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg. Dann hat er aber plötzlich die totale Erleuchtung und weigert sich, Leute zu töten. Das findet sein Befehlshaber Quentin Turnbull (John Malkovich) nicht so schön und in irgendeiner Auseinandersetzung stirbt dann dessen Sohn. Aus Rache tötet er Hex‘ Familie und markiert seine Backe mit einem Brandzeichen. Jonah stirbt dabei fast, wird jedoch von irgendeinem Indianerstamm gerettet. Die Nahtoderfahrung verschafft ihm jedoch die Fähigkeit, sich mit Leichen unterhalten zu können. Dann macht er sich auf die Jagd nach seinem Peiniger, der sich jedoch als tot herausstellt. Was tut ein Mann mit entstelltem Gesicht in so einer Lage? Klar, er wird Kopfgeldjäger. Und kein normaler, nein. Unser Recke hat ein Pferd mit Gatling-Guns an der Seite. Richtig gehört, diese sich drehenden Maschinenpistolen. Und das im Wilden Westen. Keine Ahnung ob es die auch so im Comic gibt, aber sowas findet man höchstens als 12-Jähriger cool. Leider sind das die meisten Menschen eher nicht und so kommt diese Technik reichlich albern rüber. Zumal unser finsterer Held permanent sehr dunkle und tiefgründige Monologe hält. Natürlich ist der Oberschurke Turnbull nicht tot. Er klaut aber die scheinbar erste Massenvernichtungswaffe der Welt und will damit die USA vernichten, weil ihm der Verlauf des Bürgerkriegs nichts ganz passt. An seiner Seite ein völlig verschenkter Michael Fassbender. Daraufhin wendet sich der Präsident von Amerika an Jonah Hex, der die bösen Buben aufhalten soll. Jonah vernascht nebenbei noch Megan Fox, die so eine Art Kampfhure ist, die über sein entstelltes Gesicht hinwegsieht und den Menschen dahinter erkennt: einen leeren wie auch blöden Westernheld.

Vieles erinnert an Wild Wild West. Anders ist nur, dass hier von vorne bis hinten alles superernst sein soll. Und da geht es auch schon los. Während Wild Wild West eben kein wirklich guter Film war, so konnte man die ganze Geschichte immerhin auf lustiger Ebene abfrühstücken. Jonah Hex will aber so unbedingt cool und unlustig sein, dass hier so ziemlich alles von vorne bis hinten lächerlich wirkt. Ob Gatling-Gun-Pferd, Dynamit-Schleuder-Pistole oder Leichen-Gequatsche, nie wird gelacht. Und anstatt den Weg einer Komödie zu gehen, möchte man so sein wie Sin City oder Clint Eastwood. Aber wie soll das gehen mit einem Gatling-Gun-Pferd? Es gibt dann so eine metaphysische Szene, in der Jonah einen Kampf gegen Turnbull in seinem Kopf führt, die so plump und dahingeschludert wirkt, dass es mir einfach in der Seele wehtut. Womöglich freut man sich, wenn man den Comic kennt. Aber hierzulande werden das wohl nicht so viele Leute sein.

Das wirklich Schlimme ist dann, dass Jonah Hex auch rein handwerklich ein ganz mieser Film ist. Das liegt nicht an Kostümen und Drehorten, sondern eben an technischen Aspekten. Mehrere Szenen sind so dunkel, dass man nichts erkennt, viele Schnitte sind völlig nervig und die Dialoge sind völlig blöd. Da fragt man sich, ob die fast 50 Millionen Dollar zu wenig waren, um gescheite Scheinwerfer zu besorgen? Man hätte doch auch eine Kerze anzünden können, oder ein paar Autoscheinwerfer.

Die Handlung ist an Klischees und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten. Die Schauspieler, inklusive Josh Brolin, sind entweder lustlos oder völlig unterfordert. Und das auch zurecht. Denn es gibt nichts, rein gar nichts, was der Film auch nur ansatzweise gut macht. Für mich ist Jonah Hex eine der widerlichsten Comic-Verwurstungen, die ich je gesehen habe und markiert einen Tiefpunkt in meiner Beziehung zu Hollywood. Es wurde versucht, mit Namen wie Brolin und Fox, dem Western-Setting sowie dem Comic-Ursprung entsprechende Zielgruppen zu ködern. Als ob irgendein BWL-Heini vorher mal durchgerechnet hat, wie viel der Film abwerfen wird und wie viel er kosten darf. Leider fehlt es dadurch Jonah Hex vor allem an einem, undzwar einer Seele.

Und selbst wenn man 12 Jahre alt ist und Pferde-Maschinengewehre voll geil findet, dann gibt es mit Wild Wild West, und wer hätte gedacht dass ich das jemals einmal sagen würde, einen deutlich interessanteren, besseren und lustigeren Film. Also Finger weg von diesem Unfug und lieber nochmal True Grit mit einem guten Josh Brolin oder die alten Sergio Leone-Klassiker geben. Schließlich hat man zu den Zeiten noch gute Storys erzählt.

Regie: Jimmy Hayward (Horton hört ein Hu)

Schauspieler: Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender

Bewertung: 

 

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