Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

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