Iron Sky (2012)

Während Günter Grass wohl nie wieder nach Isreal reisen darf und sich die Aufregung um sein Gedicht auch irgendwie wieder total gelegt hat, scheint es keinen zu jucken, dass da gerade ein Film über Nazis auf dem Mond in den Kinos läuft. Diese bösen Nationalsozialisten, die immer noch hasspredigen und im Jahre 2018 wieder die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Oder soll es etwas möglich sein, dass man nicht alles ernst und persönlich nimmt und den Menschen die allgemeine Meinungs- und Pressefreiheit lässt? Oder ist Iron Sky etwa die Darstellung von Space-Nazis erlaubt, weil es eine internationnale Produktion (Finnland, Deutschland, Australien) ist? Und hat der englische Begriff ‚irony‘ irgendetwas mit dem englischen Wort für Eisen (‚iron‘) zu tun? Fragen über Fragen!

Um es einfach mal vorweg zu nehmen: irony und iron stehen nach meinen Recherchen in keiner Verbindung zueinander. Währen nämlich die Ironie auf den griechischen Komödien-Charakter Eiron zurückgeht, entstammt das Eisen dem etruskischen Begriff ‚aiser‘ für ‚die Götter‘, weil das erste gewonnene Metall den göttlichen, weil vom Himmel stammenden, Meteoriten entstammte. Warum erzähle ich das alles? Weil Iron Sky ein sehr ironischer Film ist, indem unglaublich viel Eisen im Weltraum und auf dem Mond in die Luft gejagt wird.

Wir erfahren, dass die Nazis während des zweiten Weltkriegs eine geheime Basis auf der dunklen Seite des Mondes errichtet haben und sich dort versteckt halten, um sich auf die Rückeroberung der Erde vorzubereiten. Das erinnert den einen oder anderen womöglich an Transformers 3, nur halt eben mit Space-Faschisten anstelle von Space-Robotern. Im Jahr 2018 schickt die amerikanische Präsidentin, die Sarah Palin sehr ähnlich sieht, aus PR-Gründen ein paar Astronauten auf den Mond, darunter das schwarze Model James Washington (Christopher Kirby). Diese stoßen auf die Nazi-Basis mit ihrem Neu-Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier). Washington wird anschließend albinisiert (bzw. stark gepudert) und zusammen mit dem SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) und der naiven Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) auf die Erde geschickt, um Mobilgeräte für die Fertigstellung des Nazi-Eroberungs-Raumschiffs, der Götterdämmerung, zu besorgen.

Man merkt, allzuviel Sinn ergibt das alles nicht. Aber darum geht es auch nicht. Wir verfolgen also, wie die Mond-Nazis in unsere Gesellschaft kommen und dabei überraschend gut akzeptiert werden. Das liegt vor allem an der unglaublich skrupellosen PR-Frau Vivian Wagner, die Klaus und Renate für eine Werbekampagnge der Präsidentin einspannt. So wird der heutige Wahlkampf auf eine Stufe mit der Propaganda im Dritten Reich gestellt. Das ist einer der starken Momente des Films, denn hier erhält das ganze Spektakel einen bitterbösen Beigeschmack und karikiert auf eine humoristische Art aktuelle Missstände. Herauszuheben ist des Ende von Iron Sky, welches überraschenderweise einen ernsteren Ton anschlägt, den Film meiner Meinung nach aufwertet und ihm eine durchaus clevere Message mitgibt.

Problematisch ist der gut einstündige Mittelteil des 90-Minüters, welcher auf der Erde spielt und irgendwo zwischen Langeweile und seichtem Klamauk schwebt. Denn allzuviel wird mit den Nazis auf unserem Heimatplaneten nicht gemacht und so wird es relativ seicht, zumal man hier optisch nicht auftrumpfen kann. Denn trotz seines geringen Budgets sieht Iron Sky, vor allem in den Mond- und Weltraumszenen, fantastisch aus. Das gräulich angehauchte Flair der Nazis ist passend und macht besonders am Anfang Spaß. Die Weltraumschlachten am Ende sehen auch gut aus und fühlen sich nicht wie Low-Budget an. Gerade zum Schluss nimmt der Film dann noch einmal Fahrt auf und wird wieder interessanter. Eine offensichtliche Hommage an Star Trek finde ich äußerst gelungen und bei Weitem cooler als alle Witze bei Bullys Traumschiff Surprise.

So ist Iron Skys größtes Problem die Handlung. Natürlich steht diese bei so einem Film nicht im Vordergrund, aber so viele Witze gibt es in der Mitte nicht, die einen unterhalten und so entsteht ein gewisser Leerlauf. Außerdem wirken die Protagonisten eher orientierungslos und man weiß selbst nicht, wo das Ganze hin will. Nichtsdestotrotz überraschte mich der Film und unterhielt über die meiste Zeit ganz gut. Götz Otto spielt den jungen aufstrebenden SS-General authentisch und mit einer erschreckenden Souveränität, während Julia Dietze mit ihrer naiven und irgendwie profillosen Rolle ziemlich abfällt und eher den Eindruck eines Dummchens hinterlässt. Washington ist nicht viel mehr als ein Klischee, sodass die Guten weniger interessant sind als die Bösen.

Am Ende bleibt ein netter Film mit coolen Effekten aber ohne erinnerungswürdige Charaktere und mit Längen. Die Botschaft am Ende ist klar und deutlich und macht Iron Sky eindeutig besser als ein Traumschiff Surprise. Womöglich hätte ein Hans Landa, verkörpert vom Oscar-prämierten Christoph Waltz in Inglorious Basterds, Wunder bewirkt und hieraus einen B-Movie-Klassiker gemacht. Wer überhaupt auch nur ein wenig mit Science-Fiction anfangen kann, sollte jedoch gut unterhalten werden.

Regie: Timo Vuorensola (Star Wreck: In the Pirkinning, Norjalainen huora)

Schauspieler: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby

Bewertung: 

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