Godzilla (1998)

2014 steht, 16 Jahre nach Roland Emmerichs Verwurstung, der nächste Reboot des Franchises an. Dabei hat die arme, missverstandene Echse seit ihrer Geburt 1954, damals noch in Schwarz-Weiß, eine ganze Menge durchgemacht. Dass Godzilla selbst im Originalfilm schon starb, scheint aber niemanden großartig gestört zu haben. Dutzende Monsterstreifen folgten. Unter anderem gegen Mothra und sogar King Kong zog das Produkt des atomaren Schreckens zu Felde. Damals übrigens mit dem besseren Ende für King Kong (Skandal!). In den 90ern war jedes Wochende auf Kabel 1 Monsterfilm-Zeit! Doch wer hätte ahnen können, dass erst Roland Emmerich kommen musste, um Godzilla im westlichen Raum den Todesstoß zu versetzen. Aber hey, in Hollywood ist niemand wirklich tot (Ellen Ripley, Spock, Michelle Rodriguez sogar doppelt in Resident Evil und Fast & Furious) und so werden wir bald den nächsten Anlauf sehen.godzilla

Die Geschichte ist so einfach wie banal. Ein durch eine Atombombe in die Größe geschossener Kaltblüter fällt über eine Großstadt, in diesem Falle New York, her. Dabei ist die einzige Hoffnung Dr. Niko Tatopoulos (Matthew Broderick) und seine Ex Audrey (Maria Pitillo). Mit an Bord zudem Kameramann Victor (Hank Azaria) und der französische Agent Philippe (Jean Reno). Dabei entpuppt sich nicht Godzilla als das einzige Problem, sondern auch der schuppige Nachwuchs.

In Zeiten vor 9-11, als man noch ruhigen Gewissens New York in Filmen zerstören durfte, regt vielleicht das Redesign am meisten auf. Wer Godzilla aus den japanischen Filmen kennt, wird das Monster hier kaum wiedererkennen. Dafür sieht es einfach zu sehr nach Dinosaurier-Verschnitt aus. Aber nun gut, im alten Format konnte Godzilla noch nicht sehr schnell rennnen und es wohl kaum mit der ausgeklügelten amerikanischen Militärtechnologie aufnehmen. Vielmehr das größere Problem sind die völlig belanglosen menschlichen Protagonisten, die außer Jean Reno alle völlig kanten- wie belanglos sind. Matthew Broderick ist so eine Art Loser, der sich zum großen Rächer aufschwingt. Er ist zwar schlau, hat aber auch nie wirklich Zeit, sich als der große Held zu profilieren. Viel zu hektisch geht es von einer Verfolgung zur nächsten, viel zu wenig Zeit bleibt für gescheiten Dialog. Seine Ex ist irgendwo zwischen dümmlich und nervig und ihr Kollege einfach nur blöd. Dabei sind in Roland Emmerichs 140-minütigem Spektakel die Franzosen die wahren Helden und Retter New Yorks, weil das amerikanische Militär reichlich dämlich handelt.

So wie sich die Menschheit durch ihre Atomtests das Problem selbst eingebrockt hat, fiebert man niemals wirklich mit den ganzen Leuten mit. Die Spitze der Antipathie stellt der New Yorker Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) dar, der mit jedem Satz das Arschloch heraushängen lässt. Schade ist dann, dass der eigentliche Held Godzilla sehr wenig Screentime bekommt. Dabei geht der Film mit dem Echsen-Nachwuchs einen erstmal interessanten Weg, der sich jedoch als inspirationsarmer Jurassic Park-Abklatsch entpuppt.

So plätschert der Film über zwei Stunden vor sich hin. Am Ende hat man sogar ein wenig Mitleid mit dem Untier, das hier als einzigstes so etwas wie Emotionen transportiert. Trotz seines Alters sehen die Effekte tatsächlich noch gut aus und der Soundtrack ist großartig (Green Day, Rage Against The Machine, Jamiroquai, Foo Fighters, Puff Daddy). Das wars dann aber auch. Alteingesessene Godzilla-Fans werden enttäuscht sein und alle anderen finden auch nicht viel Gutes. Natürlich erwartet man von Roland Emmerich nicht viel mehr als ein unterhaltsames Action-Filmchen, aber ‚Cloverfield‘ hat beispielsweise gezeigt, wie man einen guten Monster-Streifen hinbekommt, der einen fesselt und einem nicht wie ein belangloser Hollywood-Blockbuster erscheint. Ob das Reboot 2014 einen besseren Weg einschlägt, muss sich zeigen. Die älteren japanischen Puppen-Godzillas sind aber immer noch unerreicht.

Regie: Roland Emmerich (Independence, Stargate, 2012, The Day After Tomorrow)

Schauspieler: Matthew Broderick, Jean Reno, Hank Azaria

Bewertung: 

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