G.I. Joe – Geheimakte Cobra (2009)

Die Zeiten, in denen man mit Spielzeug nur gespielt hat, sind vorbei. Jetzt kommen die Lieblingsfiguren alle ins Kino, ob Transformers oder Barbie. Zuletzt sogar mit ‚Battleship‘ eine Brettspielverfilmung von ‚Schiffe versenken‘, was nur der Anfang vom Ende ist, schließlich stürmt bald eine Filmadaption von Monopoly die Leinwände. Und weil Hasbro mit den Transformers schon gute Erfahrungen gemacht hat, ist es nur logisch, die erste Puppe für Jungen, G.I. Joe, auch zu verfilmen. Und damit wären wir bei Geheimakte Cobra.

Die Story dieses Films ist so dünn wie auch kompliziert. Duke (Channing Tatum) und sein Kumpel Ripcord (Marlon Wayans, und ja, er heißt wirklich so im Film) sind Soldaten und sollen für die Nato eine neue Art von Sprengkopf bewachen, der irgendwohin transportiert wird. Plötzlich tauchen böse Buben auf und versuchen, den Koffer mit seinem Inhalt an sich zu nehmen. Dabei bemerkt Duke, dass die Fieslinge von seiner Ex-Freundin Ana (Sienna Miller) angeführt werden. Gott sei Dank erscheinen die G.I. Joes, die krasseste Kampftruppe auf dem Planeten. Sie retten den Tag und nehmen die beiden amerikanischen Soldaten mit in ihre Basis in Ägypten. Die Joes werden von General Hawk (Dennis Quaid) angeführt und sind sowieso die Coolsten. Dann erzählt Duke von seiner Vergangenheit mit Ana. Er war nämlich zusammen mit ihrem Bruder Rex (Joseph Gordon-Levitt) vier Jahre zuvor bei einem Einsatz, bei dem dieser ums Leben kam, woraufhin sie mit Duke schluss machte und böse wurde. Oder so. Wenn man so ein wenig über die Handlung siniert, dann kann man sich ein Lachen kaum verkneifen. Zumal ich hier gerade die ersten 15 Minuten abgedeckt habe. Ferner erfahren wir, dass der Entwickler der Sprengköpfe McCullen (Christopher Eccleston) die Dinger selber geklaut hat, weil er sie mit Nato-Geldern eh nur finanzieren wollte. Die Anfangsszene des Films spielt übrigens im Mittelalter, in denen ein Vorfahre des Mannes gefoltert wird und was irgendwie seine Motivation erklären soll. Oder so. Ach ja, in seinen Reihen befindet sich nicht nur Dukes Ex-Freundin Ana, sondern auch der total fiese Storm Shadow (Byung-hun Lee), der mit einem der Joes eine gemeinsame Vergangenheit hat. Außerdem führt Ana eine Scheinehe mit einem reichen Wissenschaftler-Schnösel in Monaco (WTF?) und der böse Zartan (Arnold Vosloo, der Typ, der die Mumie spielte in ‚Die Mumie‘) spielt auch noch eine Rolle, die im Sequel wichtig wird. Und der amerikanische Präsident (Jonathan Pryce) wird involviert und dann wird ganz Paris, inklusive Eiffelturm, in Schutt und Asche zerlegt, Rex ist doch nicht tot, die Bösen chillen irgendwo am Nordpol, Storm Shadow hat den Meister von Snake Eyes umgebracht und jeder normale Mensch sollte inzwischen den Faden verloren haben. Aber wer noch nicht genug hat: Ana ist doch nicht böse, es gibt einen ziemlich merkwürdigen Kurzauftritt von Brendan Fraser, der Präsident der Vereinigten Staaten wird ersetzt, Ripcord macht sich an Cover Girl (Karolina Kurkova) ran und steuert einen Kampfjet und die Motivation von Oberschurke McCullen ist so bescheuert wie auch blöd. Ja, …

Während der wohl aufwändigsten Szene in Paris gibt es eine minutenlange Verfolgungsjagd, die wohl noch bescheuerter ist als die Handlung selbst. Da wird ein Hummer (das Auto, nicht das Krustentier) mit einer Rakete hintenrum zerfetzt, um ein paar Sekunden darauf in unbeschädigtem Glanz zu erstrahlen. Einer der Joes klebt eine Minute lang unter besagtem Automobil drunter, ohne groß in Erscheinung zu treten, und dann, als ob irgendwem am Set noch eingefallen ist, dass der Typ ja noch da ist, springt er auf einmal hervor und weg. Während dieser Sequenz müssen ungefähr ein paar tausend Menschen sterben, aber hey, wir verfilmen hier ja nur ein Spielzeug für Kinder. Man sieht sowieso niemanden sterben, auch wenn der Eiffelturm und halb Paris zerlegt wird. Und das alles könnte man noch verzeihen, wenn es geil aussehen würde. Wenn es wenigstens Michael-Bay-Transformer-mäßig krasse Effekte gebe. Aber die Animationen von Autos und Motorrädern in solchen Szenen sind super schlecht und billig. Man sieht, wie die eine computeranimiert durch den Verkehr rast, schnitt, echte Schauspielerin…. Das ist traurig und schlecht. Ja, cool dass der Eiffelturm umkippt, aber es sieht schrecklich aus. Sogar Modern Warfare hat sowas cooler hinbekommen.

Und wer sich bis hierhin an noch nichts gestört hat, ist spätestens am Ende wütend, wenn Unterwasser-U-Boot-Kämpfe in so eine Art feuchtes Star Wars ausarten und mit noch ein wenig mehr Pathos die amerikanischen Kriegshelden gefeiert werden. Der Film ist zwei Stunden voll mit Quatsch. Sogar Transformers wirkt hiergegen wie ernstes Arthouse-Kino. Stephen Sommers hat zuvor tatsächlich ‚Die Mumie‘, ‚Die Mumie kehrt zurück‘ und ‚Van Helsing‘ gemacht. Doch wenigstens haben sich die Mumienfilme nie richtig ernst genommen. G.I. Joe ist fürchterlich platt und quellt nur so über vor Geschehen, dass aber keine Linie und nur ganz wenig Struktur hat. Sowieso kann ich persönlich Dennis Quaid-Filme nicht leiden, aber es liegt hier definitv nicht an ihm. Das Drehbuch ist totaler Dreck, dabei war daran ein Stuart Beattie beteiligt, der u.a. an Collateral und den ganzen Fluch der Karibik-Filmen mitgewirkt hat.

Was ist G.I. Joe: Geheimakte Cobra? Ganz einfach: ein 175.000.000 $-Werbefilm für ein Spielzeug, dass kleinen Jungen gefallen soll. Danke Hollywood. Ich freu mich schon fast auf den zweiten Teil…

 

Regie: Stephen Sommers (Die Mumie, Die Mumie kehrt zurück, Van Helsing)

Schauspieler: Channing Tatum, Dennis Quaid, Sienna Miller, Marlon Wayans

Bewertung: 

 

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