Fuck you, 3D!

dreide3D ist keine neue Erfindung. Bereits im Jahr 1922 lief mit ‚The Power of Love‘ ein Stummfilm mit zusätzlicher Dimension in den Lichtspielhäusern. Und als die Menschen in den 50ern anfingen, sich diese öminösen Fernsehapparate zu besorgen, gab es tatsächlich schon damals einen 3D-Trend in den Kinos. Weil man in Schwarz-Weiß diesen Effekt nicht erzeugen konnte.

Heutzutage leidet das Kino-Business auch. Dieses mal ist es wieder eine private Revolution, undzwar wohl vor allem in Form des Internets. Was liegt also näher, als mit einem Gimmick wie dieser dritten Dimension wieder Anreize zu schaffen, um die Massen anzulocken. Allerdings bleibt die Frage, wer dieses Feature unbedingt braucht. Sind es die Produzenten und Betreiber oder sollte es wirklich eine Nachfrage danach geben?

Ganz ehrlich gesagt: Ich kenne keinen Menschen, der 3D cool findet. Und Christopher Nolan auch nicht. Da ist man dann schon mal in guter Gesellschaft. Es stellt sich die berechtigte Frage, für wen genau diese ganze 3D-Technik denn nun sein soll.

Tja. Nicht für mich jedenfalls. Mal ganz davon abgesehen, dass es manch einem Brillenträger wie mir auf den Sack geht, ein weiteres Sehgerät auf der Nase zu tragen. Doch das wäre ja noch verschmerzbar. Viel ernüchternder ist jedoch die Tatsache, dass 3D absolut nichts bringt. Ein schlechter Film wird aufgrund dessen nicht besser und ein guter nicht sehenswerter. Es ist, als ob man die Wahl hätte, beim Autokauf das Modell mit oder ohne zusätzlichem Getränkehalter zu wählen. Klar, manchmal kommt es vor, dass man hier oder dort noch unbedingt ein weiteres Getränk abstellen will. Aber es geht eigentlich auch ohne. Genauso ist es mit 3D. Es ist und bleibt ein Gimmick, das jedoch durch teilweise dreiste Aufpreise durchgedrückt wird und den meisten nicht mehr als ein Schulterzucken entlockt. Letztens habe ich mir Pacific Rim gegeben. Für stolze 13.50€. Und im Mai 2011 hat Thor in 3D doch aber noch 9.20€ gekostet. Im gleichen Kino! Aber hey, ein Glück muss man nur weitere 10€ für Popcorn samt Getränk investieren.

Manch einer argumentiert, dass 3D so etwas Ähnliches sei wie damals der Übergang von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen. Ein Film könnte auch mit ohne Farben funktionieren. Der Vergleich hinkt aber. Einerseits sind Farben mitunter ein stilistisches Mittel, andererseits ist es nur konsequent, wenn Filme sich unserer optischen Wahrnehmung nähern. Genauso auch der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Aber ist 3D etwas, das uns Filme näher bringt?3D Tickets

Aktuell: nein. 3D ist maximal ein Feature. Eine Art Bonus. Warum sollte man mehr in einen Film emotional involviert sein, wenn irgendwas auf einen zufliegt? Es ist geradezu lächerlich, wie Machwerke a la Resident Evil in jeder Episode Äxte gen Zuschauer schleudern. Und in Star Trek: Into Darkness waren es zwei Speere, die ganz am Anfang auf einen zugeschleudert wurden. Hurra! Das bringt absolut nichts. Es hat keinen Mehrwert für den Zuschauer. Und so ist es in seltenen Fällen ein stilistisches Mittel. Wie es Farben oder Ton allerdings meistens sind. Kein Schauspieler, keine Rolle und keine Handlung gewinnt durch 3D. Ein Daniel Day-Lewis spielt nicht anders, weil er plastischer erscheinen könnte. Und auch der Trend, ältere Filme wieder neu rauszubringen und mit der Technik noch ein paar Euro mehr zu verdienen (siehe Jurassic Park oder Star Wars: Episode 1 oder Titanic) sind keine Rechtfertigung.

Die Einzigen, die etwas davon haben, sind die, die damit Geld verdienen. Denn wo ein normaler Film im Durchschnitt 8€ kostet, sind es für 3D hierzulande meist 2€ Aufpreis plus 1€ für die Brille. Und dann könnte man sich über diese dummen Tonnen aufregen, in die man, wenn man will, seine gottverdammte Drecksbrille entsorgen kann. Kostenfrei! Olé. Hier fühlt man sich vollends verarscht. Da endet auch mein Mitleid mit der Kino-Branche. Sollen sie doch alle den Bach runtergehen, wenn sie die Dreistigkeit besitzen, nichts für das Zurücknehmen der Brille zu geben, um dann noch mal ein paar mehr Brillen wieder verkaufen zu können bzw. mein getragenes Gestell weiterzuverkaufen.

Dabei ist der Gedanke hinter 3D an und für sich nachvollziehbar. In Zeiten, in denen jeder Film online verfügbar und auf der Couch abrufbar ist, sind die Kinos im Zugzwang. Vor allem, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Wer schafft es heutzutage noch, einen dreistündigen Klassiker ohne einen Blick aufs Handy durchzuhalten? Wir haben so viele Ablenkungen und Konsummöglichkeiten, dass der Kinobesuch unbedingt diesen Event-Charakter zu brauchen scheint, den 3D theoretisch bieten könnte. Zumindest bei den großen Blockbustern. Ich unterstelle nicht, dass diese Technik per se etwas Schlechtes ist. Von Avatar hörte man nur begeisterte Kommentare. Und viele Animationsfilme sind diesbezüglich gut. Wim Wenders‘ pina-Tanzfilm soll ziemlich beeindruckend sein, genauso auch Life of Pi. Doch dann wird es schon allmählich dünn. Besonders die Welle an Superhelden-Filmen macht mit 3D den großen Reibach, vor allem weil man diesbezüglich länger suchen muss, um gewisse Blockbuster im Kino in 2D sehen zu können. Man könnte ja fast vermuten, dass der Preis künstlich hochgetrieben wird!

Das, was mich stört, ist, dass die höheren Ticketpreise scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Besucherzahlen zu haben scheinen. Unter den sechs kommerziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten weltweit ist lediglich Titanic nicht in 3D rausgekommen. Bzw. nicht zu dem Zeitpunkt, als das meiste Geld eingespielt wurde (1997). Warum sollten die ganzen findigen Studios also auch auf diese Spielerei verzichten, wenn sie ohne viel Risiko mehr Gewinn verspricht? Die Nachfrage scheint ja vorhanden zu sein. Verflucht, ich tue mir ja selber immer noch 3D an, um mich dann im Nachhinein darüber aufzuregen. Ein Teufelskreis. James Cameron ist schuld.

Was nun? Wird 3D das 2D-Kino und Film-Erlebnis verdrängen? Vermutlich nicht. Hoffentlich. Wer jetzt außerdem denkt, dass die 3D-Fernseher für Daheim dem Kino den endgültigen Todesstoß versetzen werden, der vergisst, dass ein gewisser Peter Jackson gerade mit der ultraneuen, ultracoolen und ultranotwendigen High Frame Rate anrückt. Das kostet dann aber auch noch einmal extra. Danach kommt das 5D-Kino mit wackelnden Sitzen und Gerüchen. Wer wollte nicht schon immer Mal am Fuß von Jar Jar Binks riechen, wenn dieser in einen Haufen Kot tritt? Fantastisch!

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