Frank Buschmann: Am Ende kackt die Ente (2014)

Hin und wieder verlangt der Geist nach Fast Food. Daran lässt sich nun mal nicht immer was ändern und ist vermutlich auch eine relativ schwache Rechtfertigung. Aber was solls. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir müssen mit der Situation zurechtkommen. Und nach George R.R. Martins endlosen Ausführungen über Drachen, Inzest und anderem Fantasy-Kram stand mir der Geist nach etwas leicht Verdaulichem. Soviel zumindest zur Begründung, warum ich mir die Autobiographie von einem der populärsten Fußballkommentatoren hierzulande zu Gemüte geführt habe. Dass dabei keine tiefen Einsichten in Philosophie oder Ethik zu erwarten sind, sollte eigentlich, zumindest wenn man den Mann schon mal gehört hat, von vornherein klar sein. Aber ist „Am Ende kackt die Ente“ am Ende so viel Wert wie das, was beim Kacken einer Ente am Ende herauskommt? Werde ich weitere schlechte Wortspiele hier unterbringen? Oder steckt da vielleicht noch mehr drin? Das gilt es alles herauszufinden.918f304a56c04111a3084a4b5eaa6254

Frank Buschmann beginnt seine Karriere als Basketballer. Mit der BG Hagen spielt er in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga und macht nebenbei so ein wenig Radio. Und wie das Leben so spielt, gelangt er über Umwege und Zufall, und vermutlich dank seiner großen Klappe, irgendwann zum damaligen Deutschen Sport Fernsehen und somit auch ins TV, wo er u.a. heute noch als Kommentator für so Sendungen wie „Schlag den Raab“ zu hören ist. Und gelinde gesagt ist das eigentlich alles, was man über den Mann wissen muss. Gespickt wird dabei seine Karriere durch allerhand Anekdoten, seien es Begegnungen mit Dirk Nowitzki und Dennis Rodman. Oder sogar Gerhard Schröder und Michael Gorbatschow. Dabei geht Buschi sehr linear durch die Jahre und reiht relativ zusammenhanglos Sportereignis an Treffen an Anekdote.

Was über die ersten 50 Seiten noch locker lesbar ist, wird leider mit den folgenden 200 Seiten zunehmend eintöniger. Das liegt nicht zuletzt an Buschmanns Schreibstil. Der ist, gelinde gesagt, sehr einfach. Einfache Sätze, einfache Gedanken. Und an keiner Stelle Tiefgang. Klar, der war hier eigentlich nie zu erwarten gewesen, aber nichtsdestotrotz wird es nach einer Weile monoton. Das liegt auch in der eher etwas schnellen und wenig spannenden Schilderung der vielen Begegnungen mit Größen des Basketballsports. Wo es definitiv Potential für eine spannende Erzählung gibt, verflachen die Geschichten schon alleine aufgrund seiner Art zu schreiben. Dabei ist es ja durchaus sympathisch, dass der gute Mann alle Zeilen selbst verfasst zu haben scheint. Doch trotzdem ist Buschmann einfach kein erfahrener Autor und damit gerät das Buch schnell zu einer monotonen Aneinanderreihung von locker erzählten Berichten. Interessante Stellen sind genauso kurz wie uninteressante und somit bleibt am Ende nicht sehr viel in Erinnerung. Besonders, wenn der erwachsenene Mann eher ungeschickt von einem Saufabend berichtet, fragt man sich doch, ob er denn nie mit sich selbst ins Gericht geht. Selbstreflexion ist nun mal augenscheinlich nicht seine Stärke. Hier wird definitiv Potential verschenkt. Aber Frank Buschmann ist ja auch weder Philosoph noch Poet.

Und so, wie er auf Facebook seine Posts verfasst, so ungefähr hört sich an vielen Stellen das Buch auch an. Dabei gibt es aber zum Beispiel auch eine Passage, in der im Wortlaut ein Livekommentar zu einem Basketballspiel wiedergegeben ist und der durchaus gut unterhält und viel mehr über die Person Frank Buschmann zu erzählen vermag als der Rest des Buchs. Mehr davon hätte sicher nicht geschadet. Und für jemanden, der gerne Bundesliga-Konferenzen schaut, gibt es auch eine Passage über die technischen Hintergründe so einer Schaltung. Sehr viel mehr bleibt allerdings nicht hängen.

Gibt es trotzdem Gründe, „Am Ende kackt die Ente“ eine Chance zu geben? Eines muss man dem Buch dann nämlich doch lassen: Es wirkt authentisch. Die Art und Weise des Schreibens erinnert schon stark an die unsachliche Art von Buschmann, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Er ist emotional und bei der Sache. Und er bemüht sich auch um „Randsportarten“. Wer den Mann mag und ihm ohnehin mit großer Freude auf sozialen Netzwerken folgt, wird dem Buch ein wenig etwas abgewinnen können. Alle anderen dürfen auf die Lektüre getrost verzichten, denn zu viel Fast Food ist nicht gesund.

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