Fire with Fire (2012)

Wenn Filme direkt auf DVD erscheinen, dann ist das in der Regel ein schlechtes Zeichen. Das Vertrauen in den kommerziellen Erfolg scheint nicht gegeben. Und das hat oft auch seine Gründe. Hin und wieder aber entdeckt man jedoch eine Perle. So erschien ‚Lucky Number Slevin‘ mit Bruce Willis, Josh Hartnett, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Lucy Liu und Stanley Tucci hierzulande tatsächlich nur auf der silbernen Scheibe und wurde den Kinogängern vorenthalten (in den USA kam der Streifen ins Kino). Was für ein Fehler! Und was für eine geile Besetzung und was für ein verflucht guter Film!

Der nächste Anlauf mit ‚Fire with Fire‘: Josh Duhamel, Rosario Dawson, Vincent D’Onofrio, 50 Cent, Julian McMahon (aus Nip/Tuck), Vinnie Jones und wieder Bruce Willis. Zugegeben, diese Riege ist nicht ganz so gut wie beim zuvor erwähnten Film, aber hey, wir sind hier im Direct-to-DVD-Markt. Da nehmen wir alles was wir bekommen. Und was soll schon bei einem Film mit Beteiligung eines ehemaligen Rappers schief gehen? (*hust, hust*)

Jeremy Coleman (Josh Duhamel, der coole und patriotische Soldat aus den Transformers-Filmen) ist Feuerwehr- und Lebemann. Sein Job macht ihm Spaß und er führt ein heiteres Leben ohne große Beziehungen. Doch eines Tages passiert das Unerwartete: Er wird Zeuge, wie ein Ladenbesitzer samt Sohn von David Hagan (Vincent D’Onofrio) und Boyd (Vinne Jones), beide ihres Zeichens Anhänger der arischen Bruderschaft, ermordet werden. Unser gutaussehender Recke ist der einzige Zeuge und von nun auf der Flucht. Der Polizist Mike Cella (Bruce Willis) ist jedoch froh, denn mit Jeremy hat er endlich den nötigen Beteiligten, um Hagan ein für alle mal in den Knast zu befördern. Schließlich hat dieser seinen Partner vor nicht allzu langer Zeit auf dem Gewissen. Na, kommen wir nocht mit? Wenn  ja, dann gehts munter weiter. Jeremy kommt in den Zeugenschutz, muss also sein altes Leben aufgeben und sich umbenennen und nach New Orleans ziehen, wo er sich in die Polizisten Talia Durham (Rosario Dawson) verliebt, die ihm das Schießen beibringt. Das ist irgendwie nicht ganz legal, aber total romantisch. Wirklich! Also zumindest ist Rosario Dawson ziemlich hübsch. Sehen tut man trotzdem nicht viel… Dann eröffnet allerdings der Auftragskiller Robert (Julian McMahon) die Jagd auf die beiden und bringt die gute Talia sogar fast um, sodass unser Held sich ohne polizeiliche Hilfe auf den Weg in die Heimat macht, um dem bösen Nazi ein für alle mal den gar auszumachen. Und an wen wendet man sich, wenn man böse Rechte umbringen möchte? Nicht etwa an die ‚Inglorious Basterds‘, nein, sondern an die Crips. Bei denen macht übrigens ‚Rampage‘ Jackson mit und 50 Cent ist ihr Anführer. Die netten Jungs verkaufen Jeremy dann eine Knarre, weil die arische Bruderschaft ihnen ihr Gebiet streitig macht.

‚Fire with Fire‘ ist so ungefähr 97 Minuten lang und wir haben gerade mal etwas weniger als die Hälfte hinter uns. Die Handlung ergibt genauso viel Sinn wie Jeremys Liebe für seinen Feuerwehrmannjob. Er mag es nämlich, wenn beim Leute-aus-brennenden-Häusern-Retten die Opfer sich an ihn klammern und er durch die Glut manövrieren muss. Voll Romantisch. Er hätte auch genausogut Müllmann sein können. Ein durchtrainierter, hübscher und zugleich total philosphischer Müllmann.

Ich entsorge nicht einfach nur halbe abgelaufene Mortadella-Verpackungen und Scheiße. Nein. Ich bin der Messias, der den Leuten erst ermöglicht, sich selbst zu verwirklichen und sich in ihrem eigenen Müll wiederzufinden. Der Kreislauf allen Lebens beginnt und endet mit mir, dem Abfallbeseitiger!

Nur eben mit Feuer und so. Ganz klar, inhaltlich erwartet uns hier also nicht viel. Aber womöglich verbirgt sich ja doch noch ein passabler Action-Film hinter ‚Fire with Fire‘. Vinnie Jones und Bruce Willis müssen doch wissen, wie man Kauleisten poliert. Und nein. Bruce hat eine gute Szene, ansonsten ist er mehr oder weniger damit beschäftigt, die Augen zusammenzukneifen und ein ernster Ermittler zu sein. Vinnie Jones hingegen wird viel eher als der Zuschauer aus diesem Trauerspiel erlöst und darf bereits ab der Hälfte des Films damit anfangen, ‚Fire with Fire‘ zu vergessen. Lustigerweise ist der Streifen ab 18 und das liegt an zwei Szenen: In der einen hackt Jeremy einem bösen Buben die Finger ab und in der einen geht es um eine Axt, die in einem Körper steckt.

Der ganze Unfug mündet in ein mehr als dämliches Finale, dass auf Teufel komm raus mit dem Feuerwehrmann-Beruf verknüpft wurde. Da hilft auch die Axt in einem menschlichen Körper nicht mehr, um das irgendwie noch zu retten. Inklusive der blödesten Todesszenen, die man in einer garantiert nicht billigen Produktion jemals finden wird. Da plumpst ein großer böser Nazi aus einem hohen Haus und bleibt Kartoffel-Sack-artig unten liegen. Und weil das noch nicht reicht, plumpst ein weiterer hinterher.

Ich weiß auch nicht, warum das Filmplakat mit 50 Cent wirbt. Der Kerl ist ungefähr 30 Sekunden zu sehen. Das Plakat selbst ist sowieso ein Witz in sich, weil über Willis‘ Kopf Duhamel, über Dawsons Kopf Willis und über Duhamels Kopf Dawson prangert. Vermutlich wurde das Teil, ähnlich dem Film selbst, in der Mittagspause von einem anderen, besseren Film zusammengeschustert. Da haben sich die Schauspieler, Kameramänner und der Herr Regisseur zufällig im Park getroffen und gedacht: „Hey, lass mal ’nen Film machen!“ Anders ist das nämlich nicht so recht erklärbar. Sowieso könnte man sich so über ziemlich alles hierdrin auslassen. Die Dialoge und sogar die schauspielerischen Leistungen sind wirklich nicht gut. Zugegeben, der Film ist nicht „billig“. Aber du meine Güte, wer um alles in der Welt schreibt denn sowas? Es gibt doch Leute, die verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Filmgeschäft. Da wird doch mal irgendwo jemanden irgendwie aufgefallen sein, dass die ganze Chose weder vorne noch hinten so recht Spaß macht.

Die Moral von der Geschichte ist, dass man besonders im Direct-to-DVD-Segment aufpassen muss. Jeder andere Polizei-/Vergeltungs-Film oder Krimi ist besser. Jeder. Auch ‚Mein Partner mit der kalten Schnauze‘ und selbst ‚Police Academy V‘ machen mir persönlich mehr Spaß als diese unspirierte Versammlung von bekannten Gesichtern.

Regie: David Berrett (TV: Castle, The Mentalist, V – Die Besucher, Cold Case)

Schauspieler: Josh Duhamel, Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson, 50 Cent, Vinnie Jones, Kevin Dunn, Julain McMahon, Rampage Jackson

Bewertung: 

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