Fast & Furious 6 (2013)

Ich weiß noch nicht, was mich mehr verblüfft. Der Fakt, dass es bereits sechs Teile dieser Reihe gibt oder die zunehmend positiveren Ratings von Zuschauern und Kritikern. Und habe ich schon erwähnt, dass dieser eine Film hier knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat bisher? Weltweit hat das Franchise weit über 2 Milliarden an den Kinokassen eingenommen. Der Erfolg liegt an mehreren Dingen, auf die ich später eingehen werde. Zuallererst möchte ich jedoch alles Negative aufzählen, dass dem Nicht-Fan der Reihe sofort ins Gesicht springt.Fast & Furious 6

Die Handlung ist total dämlich: Verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew soll andere verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew aufhalten, denn die Polizei ist zu dämlich. Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot. Irgendein Scheiß soll gestohlen werden und unsere Helden sollen das verhindern. Dabei ist jeder einzelne Charakter dämlich. Vin Diesel hat nicht einen schlauen Satz zu sagen und bildet trotzdem den Kopf der Bande. Ständig brabbelt er von familiären Werten, doch eine emotionale Auseinandersetzung gibt es ohnehin nicht. Und wirklich sympathisch ist er auch nicht. Der Rest der Bande ist genauso flach wie man es aus den Vorgängern kennt.

Die Krone der schauspielerischen Leistung zeigt Michelle Rodriguez, die ihre typsiche Rolle „spielt“. Mit finsterem Blick und einer Mimik, als ob sie permanent an Scheiße riechen müsste, bildet sie sogar mit den Dreh- und Angelpunkt der nicht vorhandenen Handlung. Geschenkt. Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris sind auch nicht viel besser. Der Bösewicht Shaw wird verkörpert von Luke Evans. Sein Plan, ein von der Nato beherbergtes IRGENDETWAS zu stehlen ist, naja, sagen wir mal nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber hey.

Die Logik geht dem Film beim Finale völlig abhanden, wenn ein Flieger auf einer mindestens 50 Meilen langen Landebahn unterwegs sein muss. Ach ja, man kann übrigens mit Autos durch Flugzeuge krachen. Dabei habe ich noch gar nicht die vorherige minutenlange Sequenz mit einem Panzer auf einer Autobahnbrücke erwähnt, in der Vin Diesel einen Stunt vollführt, der, selbst wenn er funktionieren dürfte, seinen Körper doch mindestens in einen anderen Aggregatzustand befördern müsste. Der Übergang von der Panzer- zur Flugzeugszene wartet in Sachen Nachvollziehbarkeit mit neuen Genrestandards auf, wenn der böse Bube erst laufen gelassen wird, um ihn dann kurz darauf doch zu verfolgen und natürlich noch einer der guten Mitstreiter sich in einem furiosen Twist als Maulwurf entpuppt hat. Die Action ist so dermaßen übertrieben und unrealistisch, dass selbst Die Hard wie ein ruhiger Krimi wirkt. Nebenbei rotieren alle berühmten toten Physiker im Grab, denn die Gesetze der Natur werden nicht nur einmal gebrochen.

Fans der Reihe freuen sich aber über das ganze Zeug. Zumal der Film an alle vorherigen Teile anknüpft und Verbindungen aufspannt. Und deswegen feiern die Leute diesen Streifen so. Da wird die Szene aus Teil 3 nochmal gezeigt und ergänzt, genauso mit Teil 4. Das soll eine komplexe Welt vermitteln, ist jedoch eigentlich Augenwischerei, denn die Fast & Furious-Dimension ist weit davon entfernt, Tiefe zu besitzen. An allen Ecken und Enden werden Vin Diesels Prinzipien erwähnt und was für ein ehrbarer Mann er ist. Trotzdem scheint der Verlust eines Crew-Mitglieds am Ende niemanden wirklich zu kümmern. Ich könnte mich über die Unlogik stundenlang aufregen. Aber das wäre ohnehin vergeudete Zeit. Wer die Reihe mag, wird auch hier Spaß haben. Dass die Serie schon lange nichts mehr mit Autorennen zu tun hat und bald mehr Folgen als Police Academy vorzuweisen hat, ist genauso erstaunlich wie die Menge an Material und Autos, die bei der Produktion vernichtet wurden. Ständig fliegt was in die Luft und überall laufen muskulöse Männer und schöne Frauen rum. Eine polierte und oberflächliche Welt ohne viel Raum oder Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut so, dass Fast & Furious 6 einem keine Zeit zum Grübeln lässt. Denn sonst bröckelt die Fassade.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr mögt die Filme? Guckt euch Teil 6 an und habt Spaß damit, freut euch auf Teil 7 mit einem neuen coolen Schurken, der hier kurz am Ende vorgestellt wird. Ich werde kein Fan der Reihe mehr. Klar, hirnlose Action ohne Tiefe kann Spaß machen. Aber muss man daraus gleich 7 Filme machen?

 

Regie: Justin Lin (Fast & Furious III, IV, V)

Schauspieler: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Ludacris, Luke Evans, Jordana Brewster, Gal Gadot

Bewertung: 

 

 

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