Jul 162012
 

Donnie Darko ist ein Indiefilm von 2001 mit gerade einmal einem Budget in Höhe von 6 Millionen $. Nichtsdestotrotz ist man durchaus verdutzt über die ganzen Schauspieler, die man alle kennt, u.a. die noch sehr jungen Jake und Maggie Gyllenhaal, Crazy Swayze, Drew Berrymore sowie den einen Typen aus Emergency Room (Noah Wyle). Sogar Seth Rogan erblickt man nach näherem Hinsehen. Ein großer Erfolg war der Film anfangs jedoch nicht, was nicht zuletzt auch an der Nähe zu 9/11 lag. Schließlich spielt ein abstürzendes Flugzeug bzw. ein Teil davon im Film eine Rolle. Das führte dazu, dass sich Regisseur Richard Kelly erst im Nachhinein durch die zunehmenden DVD-Verkäufe die Lizenzen an bestimmten Musiktiteln sichern konnte, was 2004 wiederum zu einem Director’s Cut führte, welcher 133 anstatt 113 Minuten dauert. So ist Donnie Darko, ähnlich wie auch Fight Club, erst nachträglich zu einem kommerziellen Erfolg geworden. Inzwischen ist der Film Kult und genießt eine treue Schar von Anhängern.

Jake Gyllenhal spielt Donnie Darko, einen verstörten und psychisch labilen Jungen, der in einer kleinen Stadt in Virginia lebt. Die Handlung findet im Verlauf des Oktobers 1988 statt. Donnie haluziniert und schlafwandelt und bekommt dabei von dem Hasen Frank die Botschaft mitgeteilt, dass die Welt innerhalb der nächsten 28 Tage untergehen wird. Gleich zu beginn stürzt eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und genau auf Donnies Bett, der zu dem Zeitpunkt auf einem Golfplatz schlafwandelt und deswegen das Unglück unbeschadet übersteht. Von diesem Ereignis aus erleben wir chronologische Geschehnisse aus dem Alltag des Jungen. So schildert er beispielsweise seiner Therapeutin die Begegnungen mit seinem imaginären Freund, der ihn dazu veranlasst, seine Schule unter Wasser zu setzen. Frank ist es auch, der Donnie dazu bringt, über Zeitreisen zu forschen. Nebenher sieht man, dass der Junge eine eher schwierige Beziehung zu seiner Familie unterhält. Trotz seiner psychischen Probleme freundet er sich mit Gretchen Ross (Jena Malone) an, die für den weiteren Verlauf keine unwichtige Rolle spielt.

Es fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, den Film zusammenzufassen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise Interpretationsspielraum lässt und dass unglaublich viele Charaktere daran beteiligt sind. Drew Berrymore spielt zum Beispiel eine eigentlich unwichtige Lehrerin, doch praktisch alle Personen werden zum Schluss zusammengeführt und spielen eben doch irgendwie wieder eine Rolle. Die Geschichte bewegt sich dabei zwischen Science-Fiction und Drama und gerade, wo man denkt, zu wissen, worauf es hinausläuft, entlässt der Film einen mit einem Ende, mit dem so garantiert nicht gerechnet hätte.

Besonders Jake Gyllenhal, der vielen leider nur als Prinz aus Persien oder schwuler Cowboy bekannt sein könnte, ist großartig. Er hat so eine Art, bei der man nicht weiß, ob er gleich etwas ziemlich Cooles sagt oder aus seiner Psychose heraus ein Haus anzündet. Damit ist er ein Antiheld, der undurchschaubar und zugleich nie so wirklich sympathisch ist. Was sich am Ende dann wieder ändert. Doch damit ist dann auch schon wieder womöglich zu viel gesagt.

Im Film gibt es dann den einen oder anderen ungemein miesen Charakter, allen voran der aalglatte Jim Cunningham (Patrick Swayze), der als Guru den Leuten irgendeinen Blödsinn über das Leben andreht. Hier gefällt dann Donnie Darko als Typ, der sich nicht anpassen kann oder will und den Leuten eben ins Gesicht sagt, was er denkt und sie so entblößt. Damit eckt er an und entfremdet sich zunehmend von der Gesellschaft. Es bleibt auch die andauernde Befürchtung, dass Donnie nur ein geisteskranker Spinner ist. Der Film spielt hier ein wenig mit den Erwartungen und Vorstellungen des Zuschauers, der sich darauf verlässt, dass immer alles so ist wie gezeigt. Dadurch lädt das Finale zum Nachdenken, Interpretieren und Diskutieren ein. Man kann sich zudem nicht sicher sein, ob Donnie haluziniert oder nicht, was das Gesehene noch ein wenig mehr verschleiert.

Donnie Darko ist ein düsterer, ruhiger und intelligenter Film. Erst zum Schluss wird ein wenig Fahrt aufgenommen. Es gibt zudem dezent eingesetzte Special Effects (was natürlich auch eine Budgetfrage ist), doch besonders aufgeregt und actionreich ist die Geschichte nie. Das braucht sie auch nicht zu sein, denn hier geht es ganz klar um eine unheimlich innovative und beeindruckende Handlung, die man mit eher wenigen anderen Filmen vergleichen kann. Am ehesten ähnelt der Film womöglich Take Shelter, Moon, K-Pax und Another Earth, da man auch dort mit einem Hauptcharakter alleingelassen wird, der irgendwo zwischen Melancholie und Wahnsinn schwebt. Alle diese Filme leben von der Ungewissheit und bieten ziemlich geile Enden.

Auf Wikipedia ist eine Deutung des Regisseurs zu finden, die man sich tunlichst erst geben sollte, wenn man auch den Film gesehen hat. Mich persönlich hat Donnie Darko jedenfalls dermaßen umgehauen wie es sonst kein bombastisches Hollywood-Spektakel in 3D und mit 300 Millionen $ Budget schafft.

PS: Das Sequel von 2009 hat mit Richard Kelly oder Jake Gyllenhal nichts zu tun, kam direkt auf DVD raus, stinkt und sollte tunlichst vermieden werden.

Regie: Richard Kelly (Southland Tales, The Box)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Maggie Gyllenhal, James Duval, Patrick Swayze, Jena Malone

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