Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)

Dieses kleine und inzwischen doch recht betagte Filmchen gehört leider zu der Sorte, die man hierzulande nur arg geschnitten vorfindet. Wenn Kabel 1 den Streifen ausstrahlt, dann sind ein gutes halbes Dutzend Todesszenen entfernt, was den einen oder anderen Kampf arg bescheuert aussehen lässt. Gerade noch werfen sich die Kontrahenten Todesdrohungen an den Kopf, einen Schnitt weiter liegt einer der beiden röchelnd am Boden. Und die ungeschnittene DVD-Fassung ist leider eine Seltenheit. Aber im Gegensatz zu seinen anderen totgeschnittenen Kollegen (‚Born 2 Die‘ zum Beispiel) hat ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ noch sehr viel mehr zu bieten. Und damit ist nicht die klischeehafte deutsche Synchroniastion gemeint.

Auch die Geschichte ist reichlich einfach und ja, ein wenig blöd: Chien Fu (Jackie Chan) ist der Prügelknabe und Abfalleimer in einer Kung Fu-Schule und kann selber so rein gar nicht kämpfen. Eines Tages taucht ein alter Mann (Siu Tien Yuen) auf, der sich als Großmeister Pai Cheng-Tien herausstellt, welcher widerum Anführer einer Untergrundgruppe ist, deren Mitglieder der Reihe nach von der Obrigkeit eliminiert werden. Besagter Greis bringt unserem Helden die Künste des Schlangen-Kung Fu bei, böse Buben bzw. die Vertreter des Adler-Kung Fu tauchen auf und trachten den beiden nach dem Leben und so weiter. Im Grunde ist die ganze Story keines Gedankens wert, denn noch flacher geht es kaum. Da taucht dann noch ein völlig unnötiger christlicher Missionar auf, der sich zum Schluss als böse herausstellt. Und im finalen unnötigen Twist ist dann noch ein Kerl plötzlich Antagonist. Das ist dann einfach nur Trash.

Nichtsdestotrotz zähle ich die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘  zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Das liegt in erster Linie an den coolen Kampf- und Trainingszenen und zum anderen an einem einzelnen Lied. Oxygène II von Jean Michel Jarre. Ich habe noch nie einen passenderen Track für einen Trainingszusammenschnitt gesehen. Da erreicht der Film einen Charme, dem ich mich einfach nicht mehr entziehen kann. Gleichzeitig trägt einfach noch Jackie Chan mit all seinen Skills sein Übriges dazu. Er lässt selbst die simpelste Dehnübung wie krasses Kung Fu aussehen. Und selbst wenn der Film mit seiner Handlung cheesy ist, die dargebotenen Kämpfe und Bewegungen sind echt. Das zeichnet ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ aus.

Mich hat der Film in meiner Kindheit sehr beeindruckt. Und selbst heute noch kann ich ihn mir ansehen. Verdammt, ich habe ihn vermutlich schon ein dutzend Mal gesehen. Man sollte Jackie Chan eben nicht wegen ‚Rush Hour‚ und dergleichen in erster Linie kennen, sondern durch seine alten Kung Fu-Filme. Zu nennen wäre da auch noch ‚Drunken Master‘, der fürchterlicherweise hierzulande zu ‚Ein Halleluja für 2 Schlitzohren‘ verstümmelt wurde. Ganz im Gegensatz zu dem ganzen seelenlosen Hollywood-Zeug von Brett Ratner haben diese Frühwerke aus China einen großartigen Charme und die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ ist eine Perle der damaligen Zeit. Klar, wer hier auch nur im Entferntesten Handlung oder Dialoge erwartet, steht auf verlorenem Posten. Doch wem die choreografierten Kämpfe Spaß bereiten, den entlässt der Film auch mit dem guten Gefühl, dass man wahren Meistern bei ihrer Kunst beigewohnt hat. Dass Kampfsportler auch heutzutage keine guten Filme im eigentlichen Sinne machen, zeigen Jet Li und Tony Jaa, ja sogar viel zu oft Jackie Chan selbst, zur Genüge.

Regie: Woo-ping Yuen (Drunken Master, Kampfchoreografie für Tiger & Dragon, Matrix, Kill Bill)

Schauspieler: Jackie Chan, Siu Tien Yuen, Jang Lee Hwang, Chi Ling Chiu

Bewertung: 

 

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