Die 21 größten Kinoflops aller Zeiten

Platz 1: Die Piratenbraut (1995)

Manch einer weiß gar nicht, dass vor Fluch der Karibik 2003 das Piraten-Film-Genre länger als ziemlich tot galt. Das lag ganz klar an der Piratenbraut (bzw. Cutthroat Island im Original), die den Kahn aber sowas von krass versenkt hatte, dass der Streifen sogar im Guinness-Buch der Rekorde steht. Für den größten Film-Flop aller Zeiten. Das kostete nicht nur das Produktionsstudio Carolco Pictures das Leben, sondern auch Geena Davis mehr oder weniger ihre Karriere. Dabei hätte doch alles so schön sein können. So ist Die Piratenbraut gar nicht mal unbedingt schlecht, aber hier kam einfach alles zusammen, was nur irgendwie schief laufen konnte. Im Film selber gibt Geena Davis besagte Banditin Morgan Adams, die sich auf die Suche nach einem Schatz macht und dabei auf die Hilfe von Matthew Modine  als William Shaw angewiesen ist, um gegen den bösen Dawg, gespielt von Frank Langella, bestehen zu können. Außerdem ist Christopher Masterson, der Francis aus Malcolm Mittendrin, in einer kleineren Rolle mit dabei. Hurra!

Regisseur Renny Harlin, dem zuvor mit Die Hard 2 und Cliffhanger beachtliche kommerzielle Kinoerfolge gelungen waren, war zu der Zeit mit Geena Davis zusammen und überredete die Produzenten dazu, ihr die Rolle zu geben. Die gute Frau war sonst nur aus Komödien bekannt und man versuchte, sie so als toughe Actionheldin zu etablieren. Neben ihr sollte ursprünglich Michael Douglas spielen. Der stieg jedoch aus, als er merkte, dass seine Rolle weniger Screentime als die von Davis bekam. Deswegen wollte eigentlich auch die Hauptdarstellerin das Handtuch werfen, allerdigs war sie vertraglich gebunden und musste es nun ausbaden. Ein gutes Omen. Ansonsten war mit Tom Cruise, Keanu Reeves, Liam Neeson, Jeff Bridges, Ralph Fiennes, Charlie Sheen und Michael Keaton ein gutes Boot voll mit prominenten Absagen zusammengekommen, bis endlich Matthew Modine sich opferte und die Rolle des Shaw übernahm. Das Neubesetzen der Rolle kostete Renny Harlin allerdings furchtbar viel Zeit und so wurde in seiner Abwesenheit bereits mit dem Bau des Sets und mit Arbeiten am Drehbuch begonnen, die Harlin jedoch nicht gefielen. Es musste daraufhin viel umgebaut und -geschrieben werden, was selbstverständlich nicht billig war und die Kosten in die Höhe trieb. Während der Film also stetig teurer wurde, mangelte es trotzdem an einem großen Namen.

Das ist natürlich nur die eine Seite der Geschichte. Denn einen erheblichen Teil des Misserfolgs hat auch Carolco Pictues zu verantworten. Diese waren eigentlich mit der Rambo-Reihe, Red Heat, Feld der Träume, Total Recall, Terminator 2 und Basic Instinct recht erfolgreich. Nichtsdestotrotz war die Produktionsfirma schon vor Drehbeginn ziemlich pleite. Weil aber das Geld für die Piratenbraut über andere Investoren und durch den Verkauf diverser Marken (wie Showgirls) schon gesichert war, musste der Film trotzdem gemacht werden. Do or die. Es fehlte aber im Endeffekt das Geld, um den Streifen anständig zu vermarkten. Gerade 1995, in Zeiten vor dem Internet und Social Media, und besonders ohne öffentlich wirksame Namen wie es zum Beispiel ein Michael Douglas gewesen wäre, standen die Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden schlecht. Vertreiber MGM stand zudem damals zum Verkauf und konnte deswegen nichts selbst eine Marketing-Kampagne finanzieren. Der wirkliche Hammer ist aber das Datum, an dem Cutthroat Island in den USA die Segel setzte. Nämlich am 22. Dezember 1995, zwei Tage vor Weihnachten. Ein sommerlicher Film über Piraten in der Karibik. Genau das, was man in der besinnlichen Zeit des Jahres braucht.

Carolco war also Geschichte. Geena Davis sollte in Zukunft vor allem in den Stuart Little-Filmen eine Rolle spielen, nachdem sie 1996 mit Harlin und Tödliche Weihnachten noch einen kleinen Erfolg verbuchen konnte. Die Piratenbraut war übrigens nur für eine Goldene Himbeere in der Kategorie ‚Schlechtester Regisseur‘ nominiert. Gewonnen hat damals jedoch Paul Verhoeven mit den Showgirls. Der Film wurde produziert von, wer hätte das gedacht, Carolco. Ein wirklich bescheidenes Jahr. Den wahren Tiefpunkt erlebte Renny Harlin allerdings erst 2001 mit Driven, der deutlich schlechter als Die Piratenbraut ist, aber halt eben nicht ganz so viel Miese machte. Zwei Jahre später dann, im Jahre 2003, sollte ein gewisser Captain Jack Sparrow auf die Bühne treten und dem Piraten-Film-Genre zu neuem Glanz verhelfen. Was für ein Happy End. Außer vielleicht für Carolco, Harlin und Davis.Die Piratenbraut

Kosten: 115.000.000 $   Verlust: 96.482.678 $   Verlust heute: 145.366.673 $

 

 

 

Ein abschließendes Wort

Nicht alle Filme, die hier aufgeführt sind, sind Mist. Eigentlich ist es ja traurig, dass so ein Scheiß wie Scary Movie 5 massig Gewinn einfährt, während interessantere Filme gleichzeitig so viel Verlust machen. Allerdings ist hier aber auch kein einziger Film dabei, der wirklich richtig gut ist. Das zeigt immerhin, dass Qualität sich womöglich auszahlt. Im Grunde fragt man sich dann aber doch, wie es kommt, dass mit 21 Filmen stolze 2,4 Milliarden Dollar Verlust entstehen können. Und hier ist es offensichtlich, dass viele Streifen einfach viel zu teuer sind. Gerade Sahara oder Speed Racer, die an und für sich nicht unbedingt wirklich alles falsch machen, könnten als kleinere Filme womöglich sogar besser funktionieren. Besonders, wenn man unbedingt in den Weltraum will, wird es offensichtlich teuer. Und hier unterschätzen scheinbar viele Studios, dass schlechte Filme auch schlecht laufen (können). Nicht jeder Scheiß wird konsumiert, und das ist auch verdammt gut so. Nur weil ein Franchise mit Literatur und Spielen bereits eine Fanbase hat, muss der Film nicht auch gleich Gewinn machen. Hier haben womöglich Harry Potter, Herr der Ringe und die Avengers- bzw. Batman-Umsetzungen vielen Machern vermittelt, dass Profit ganz einfach zu machen ist anhand einer guten Vorlage.

Die komplette und etwas längere Liste findet sich hier auf Wikipedia. Dabei wird klar, dass es immer und zu jeder Zeit Flops gab. Trotzdem ist gerade seit 2000 mit höher werdenden Produktionskosten auch eine Tendenz zu großen Budgets zu merken. Ein Risiko gibt es offensichtlich immer. Ansonsten wäre es ja auch langweilig. Viel lustiger ist, dass es nicht nur immer die Action-Kracher trifft. Gerade mit ‚Stadt, Land, Kuss‘, der hier auf Platz 7 zu finden ist, steht eine Rom-Com ganz weit oben. Allerdings wurden auch auf dämlichste Art und Weise die Kosten in die Höhe getrieben.

Ungeachtet dessen, wie fortgeschritten die Filmindustrie ist und egal wie viele Testscreenings gemacht werden und Budget ins Marketing gesteckt wird: Ein Haufen Mist in 3D, mit CGI, Storytwist und einem Antonio Banderas in der Nebenrolle, bleibt immer noch ein Haufen Mist.

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