Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

Optisch ist der Film ein zweischneidiges Schwert. Wie so oft erscheint mir der 3D-Effekt eher nutzlos. Es gibt hier und da netten Einsatz der Technik, aber nie hat man das Gefühl, dass das Gesehene davon großartig profitiert. Außer vielleicht bei Thorins Kampf gegen Azog zum Ende hin, als dieser auf seinen Widersacher losmarschiert. Ganz anders verhält sich da die HFR-Technologie, die uns 48 Bilder anstatt 24 in jeder Sekunde spendiert. Man benötigt tatsächlich gute 20 Minuten, um sich daran zu gewöhnen. Am Anfang fühlt man sich dann auch in einer Telenovela oder einer aufwendigen Dokumentation wieder. Wenn man jedoch nach einer Weile aufhört, sich daran zu stören, werden viele Szenen um einiges beeindruckender. Gerade die Actionsequenzen im Untergrund gegen die Orks wirken mit HFR knackiger und viel plastischer. Schnelle Kameraschwenks in 3D und ohne HFR hingegen machen hier und da einen unsauberen Eindruck. Diese Technologie erscheint mir nun, nach dieser ersten Erfahrung, als deutlich sinnvoller als diese zusätzliche Dimension. Gerade in 2013 stehen uns weitere Filme mit mehr Frames bevor, sodass abzuwarten bleibt, ob das die Zukunft ist oder nur eine Modererscheinung bleibt. Die eine oder andere Animation im Hobbit erschien zudem etwas schlecht. Wenn beispielsweise die Wargs aus der Ferne durch die Steppe rennen, sieht das sehr animiert und unrealitisch aus. Aber das ist natürlich nichts, was einen nachhaltig beeinflußt. Wer sich auf das Gezeigte einläßt, wird von der Optik umgehauen. Bruchtal sieht wunderschön aus und die Orks bei Nacht und Mond sind zum Fürchten. Und wenn man weiß, dass die richtige Action mit den kommenden Teilen erst noch kommt, steigt die Vorfreude.

Es ist resümierend ganz einfach. Wer Herr der Ringe kennt und mag, wird sich gerade mit dem Hobbit pudelwohl fühlen. Peter Jackson hat ein optisch ansprechendes und homogenes Werk geschaffen, das sich nahtlos in die Welt einfügt. Man kommt rein und fühlt sich daheim. Und auch wieder hat man dieses widerliche Gefühl am Ende, dass man tatsächlich ein langes Jahr auf den nächsten Teil warten muss. Doch ich bin überzeugt, dass sich das Warten lohnen wird.

Der Film hat natürlich auch Schwächen. Gerade zum Ende hin ist alles ein wenig hektisch und zerfahren, wo der Anfang noch das ziemliche Gegenteil war. Und Bilbo ist zu Beginn auch nicht unbedingt sympathisch. Das ändert sich im Verlauf, besonders ganz am Schluss, doch die meiste Zeit ist er ein weinerlicher Trottel. Trotzdem ist das hier großartige Unterhaltung, für die man ins Kino gehen muss. Und hier bereut man auch nicht die investierten 12 bis 14 Euro. Es ist nämlich selten, dass ein Prequel diese Konsistenz hat und einem die ursprüngliche Trilogie an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig besser erschließt. ‚Der Hobbit – Eine unerwartete Reise‘ ist 3 Stunden lang abtauchen in eine Fantasywelt, aus der man am Ende eigentlich nicht wieder raus möchte. Er reicht nicht ganz an das erstmalige Gucken der älteren Trilogie heran, aber wen stört das schon? Peter Jackson hat die Erwartungen erfüllt und die Vorfreude auf das, was noch kommt, ist gewaltig!

Regie: Peter Jackson

Schauspieler: Ian McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage, Ken Stott, Elijah Wood, Hugo Weaving, Cate Blanchett, Andy Serkis, Benedict Cumberbatch

Bewertung: 

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