Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

‚Eine unerwartete Reise‘ kann man im Grunde in zwei Teile gliedern. In der ersten Hälfte erleben wir das erste Aufeinandertreffen und Losziehen der Protagonisten, was eine ganze geschlagene Stunde in Anspruch nimmt. Hier führt uns der Film auf verdammt langsame Art in die Welt ein. Gerade Neulinge in der Welt von Tolkien werden schnell gelangweilt sein. Dafür entschädigen die letzten zwei Stunden, die dynamischer und streckenweise sehr actionreich ablaufen. Eine lange Verfolgungsszene unter Tage mit nicht enden wollenden Kämpfen gegen Orks ist meiner Meinung einzigartig und imposant. Da schöpft der Film auch endlich die technischen Möglichkeiten aus, doch dazu später mehr. Der finale Showdown ist dann widerum nicht allzu beeindruckend, bietet jedoch dem Zwergenanführer Thorin die Möglichkeit, mit wehendem Haar und vor brennendem Hintergrund als Badass-Motherfucker zur Tat zu schreiten, was verflucht cool aussieht. Und natürlich ist der Soundtrack über alles erhaben und macht die Sequenz noch epischer.

Was dem Film dann jedoch abhanden kommt ist ein gescheiter Antagonist. Zwar ist Azog körperlich einschüchternd und die Orksprache lässt ihn noch aggressiver wirken, allzu oft sehen wir ihn dann jedoch nicht. Der Drache Smaug wird an zwei oder drei Stellen nur schemenhaft gezeigt und so werden wir vermutlich erst im zweiten Teil mehr von ihm zu sehen bekommen. Schließlich ist dieser ja eigentlich der Oberschurke und die Hauptmotivation von Buch und Film. Der Nekromant wird ganz kurz gezeigt und dann eher in eine Art Nebenhandlung verfrachtet, die unsere Gruppe eher wenig tangiert. Ebenso ist der Orkkönig zwar ein Gegenspieler, der jedoch nicht viel zu sagen bekommt und eher für ein, zwei lustige Momente sorgen soll. Und so bleibt tatsächlich nur noch ein einziger Charakter, der als böse Gestalt durchgeht und der absolut erinnerungswürdig ist. Und das ist Gollum. Wieder spielt Andy Serkis die graue Kreatur, die in einem Wettstreit auf Leben und Tod gegen Bilbo antritt. Dieses Rätselduell der beiden, das fernab der Action stattfindet und damit in hektischen Momenten einen angenehmen Kontrast erzeugt, bildet einen der Magic Moments im Film. Gollums gespaltene Persönlichkeit, seine Augen und seine gesamte Gestik sind dermaßen überzeugend, dass man vor Andy Serkis niederknien muss. Der Mann könnte sich mit der Performance einfach mal einen Oscar verdient haben. Dazu wird es höchstwahrscheinlich leider nicht kommen, aber mir gefiel dieser Gollum sogar noch ein Stück besser als in Herr der Ringe.

Insgesamt sind die letzten zwei Drittel des Films hin und wieder recht zerfahren und chaotisch und damit ein deutlicher Kontrast zum Anfang. Das kann einem gefallen, jedoch könnte man, gerade wenn man noch nie von Mittelerde gehört hat, ziemlich überfordert werden. Auch weil es einfach unmöglich ist, sich alle Zwerge mitsamt zugehörigem Namen einzuprägen. Zudem kann man sagen, dass sich Peter Jackson, gerade weil die Vorlage eher kurz ist, deutlich mehr künstlerische Freiheiten erlaubt. Das soll nicht heißen, dass er nicht werkgetreu gedreht hat. Die eine oder andere Szene wird eben ausgeschmückt und zusätzlich wird weiterer Stoff von Tolkien eingearbeitet. So bekommt man als Zuschauer etwas von den Hintergründen der fünf Zauberer mit und kann Radagast dem Braunen beim Schlittenfahren zusehen. Glücklicherweise schafft man es tatsächlich, den Film um einiges erwachsener als die Buchvorlage wirken zu lassen, ohne dabei auf die eine oder andere lustige Szene zu verzichten. Gerade die Zwerge sind eine unterhaltsame Gesellschaft, die Witze reißen und sich nicht so ernst nehmen wie die Gefährten, die später einmal den Ring zerstören sollen, oder die ewig tiefgründigen Elben. Unter den Bewohnern Mittelerdes sind die Zwerge sowas wie die coole Rockerbande. Nur ohne Moterräder. Und mit bärtigen Frauen. Trotzdem mangelt es nicht an ernsten und düsteren Momenten, allen voran bei der Konfrontation mit Azog oder bei den beeindruckenden Rückblenden, die zeigen, wie Smaug das Zwergenreich Erebor eingenommen hat oder wie die Zwerge in den Krieg gegen die Orks zogen. Gerade die letztgenannte Schlacht hat eine opulenten und dreckigen Look, besonders in HFR, die unheimlich Lust auf mehr macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.