Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

Man nehme irgendein Kinderbuch. Eine kleine und gutherzige Geschichte, die man seinen Kindern abends vorlesen kann. In der kein Blut auftaucht, oder halt eben nur ganz wenig, und in der von lustigen und schönen Abenteuern berichtet wird. Alle halten sich die Hände und singen schöne Lieder, während ein Regenbogen und fliegende Einhörner den Himmel schmücken. Also quasi eine Ecstasy-Fantasie für Minderjährige, die zudem auch noch legal ist. Zugegeben, deutsche Märchen sind eigentlich alles andere als unblutig. Ob Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel, an allen Ecken und Enden werden Menschen und Kinder umgebracht, verspeist oder erhängt. Verbrannt, erdrosselt, vergiftet und vergewaltigt. Also ganz nett sind diese ganzen Geschichten dann wohl doch nicht. Dafür sind russische Märchen der wahrgewordene Zuckerguss, von dem man in kürzester Zeit Diabetes bekommt.

Und jetzt stelle man sich mal vor, jemand nimmt eines dieser Märchen und macht daraus mit 500 000 000 Dollar eine 3 mal 3-Stunden-Film-Trilogie! Und das auch noch in 3D und mit 48 Bildern pro Sekunde. Mit Kanonen auf Spatzen sozusagen. Aber hey, es ist Peter Jackson und der Mann hat aus dem verehrten Herren der Ringe den leibhaftigen Nerdtraum geschaffen. Was kann also schon schiefgehen? Nun ja, wer den Hobbit schon mal gelesen hat, weiß, dass darin eigentlich praktisch nichts oder einfach wenig Epochales drinsteckt. Es ist, Schreck lass nach, ein Kinderbuch. Ein buntes Abenteuer mit Zwergen, einem Zauberer und einem scheinbar zufälligen Hobbit, der rückblickend ziemlich schnell zusagt, auf ein lebensbedrohliches Abenteuer zu gehen. Wir haben also gleich zwei Probleme zu Beginn. Kann man einerseits aus einem dünnen Stoff ein ähnlich epochales Machwerk vom Format vom Herren der Ringe zaubern und sind andererseits die Erwartungen, durch die vorige Trilogie, bereits viel zu hoch? Aber nehmen wir uns erst einmal ein wenig Zeit, so wie der Film.

Im ersten Teil der Hobbit-Trilogie geht es um Bilbo Beutlin (Martin Freeman), einen Hobbit aus dem Auenland. Dieser ist der Onkel von Frodo (Elijah Wood), dem Ringträger aus Herr der Ringe. Der Film findet dabei in einer Art Rückblende statt, die den Cameo-Auftritt von Elijah Wood erst ermöglicht. 60 Jahre vor den Begebenheiten um den einen Ring schaut aus heiterem Himmel der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) an Bilbos Haus vorbei, um ihm mitzuteilen, dass er bald auf ein großes Abenteuer geht. Der biedere Hobbit ist wenig begeistert, doch als wenig später eine 13-Mann-starke Zwergenhorde in seinem Haus aufkreuzt und seine Küche singend leerfrisst und -sauft, hat Bilbo endgültig keine Lust mehr auf Abenteuerurlaub mit den Chaoten. Nichtsdestotrotz ziehen die Zwerge, angeführt von Thorin Eichenschild (Richard Armitage), samt Zauberer und Halbling los, um das gefallene Zwergenreich Erebor zurückzufordern, das vor vielen Jahren vom nun verschwundenen Drachen Smaug überfallen wurde. Doch der Weg ist weit und so begegnet die Gruppe nicht nur gigantischen Steinmenschen und Trollen, sondern zusätzlich den Orks mit ihrem König als auch einem alten Feind, nämlich dem totgeglaubten Ork Azog, der Jagd auf unsere Helden macht. In Nebensträngen erleben wir zudem, wie Bilbo auf Gollum trifft und so den einen Ring erlangt, der später einmal für die Handlung von Herr der Ringe verantwortlich ist. Wir lernen kurz Radagast den Braunen kennen, der wie Gandalf ein Zauberer ist und der den ominösen Nekromanten in einer Ruine gesehen hat, was in den kommenden Teilen von Bedeutung sein wird.

Überhaupt gibt es eine unglaubliche Fülle an Widersehen mit allerhand Charakteren. Saruman, Galadriel, Elrond, die Adler und sogar Sauron (jedoch nicht unter diesem Namen) tauchen auf. Und wer ein wenig mehr weiß, gerade durch das Buch, merkt, dass der Zwerg Gloin der Vater von Gimli ist und sich die beiden unheimlich ähneln. Wir sehen, wie Gandalf und Bilbo an ihre Schwerter gelangen (Glamdring und Stich) und wie Frodo am Tag von Bilbos großem Fest losgeht, um den alten Zauberer zu begrüßen, was seinerseits der Beginn von ‚Die Gefährten‘ ist. So verstrickt sich der Film schon früh in das von Peter Jackson geschaffene Bild von Mittelerde und macht aus der ganzen Geschichte ein sehr befriedigendes Erlebnis. Man fühlt sich gut aufgehoben und freut sich auch, wenn sich die ganzen Hintergründe undGeschehnisse in ein stimmiges Gesamtbild fügen. Selbstverständlich ist dafür die Kenntnis der vorigen Filme von Nöten.

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