Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

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