Das Scrubs-Dilemma

Kommen wir zur 9. Staffel. Macht die alles falsch? Oder alles anders? Oder war vielleicht einfach nur die Zeit gekommen, in der der alte Scrubs-Humor abgegriffen war?

Vorneweg: In der 8. Staffel von Scrubs wurden bereits ein paar angehende Ärzte eingeführt, die den Cast um Frischfleisch ergänzen und mehr Raum für die Handlung ermöglichen sollten. Das klappte bedingt. Viele der Neuen waren einfach zu kurz dabei oder viel zu krass eindimensional, als dass sie hätten große Sympathien wecken können. Eine dieser Personen bleibt uns in Staffel 9 erhalten (Eliza Coupe als Denise Mahoney). Allein das ist schon Beweis genug, dass da kein Vertrauen in die Riege an Neueinsteigern der vorigen Staffel bestand. Und so serviert uns die letzte Season ein komplettes Makeover: Das Sacred Heart Hospital wurde abgerissen, eine Universitätsklinik darauf errichtet und diverse alte Charaktere übernommen. Alle außer Carla (Judy Reyes), die mehr Gehalt im wahren Leben wollte und kurzerhand einfach aus der Serie geschrieben wurde. So schnell kanns gehen.

So wird uns eine völlig neue Bande von Medizin-Studenten vorgesetzt, die jedoch alle sehr unterschiedlich ausfallen und hier wie da teilweise an die originale Crew erinnern. J.D.s Part als schüchterner Held übernimmt jetzt aber Kerry Bishé als Lucy Bennett, die tatsächlich eine weibliche(re) Version von John Dorian ist. Kurz am Anfang leitet uns noch J.D. als Gastprofessor ein, um einen einfachen Einstieg zu ermöglichen. Ansonsten ist Lucy dann zuständig für Tagträume und dergleichen. Das Problem ist nur, dass die Serie nun die junge Frau nicht als Hauptperson etablieren möchte.

Das ist der meiner Meinung nach erste und größte Fehler, den die 9. Staffel begeht: alle sollen zu gleichen Teilen wichtig sein. Eine einzelne Person wird dabei nicht in den Vordergrund gerückt. So versagt die Serien schon mal aus zwei verschiedenen Perspektiven. Während eingefleischte Fans sich weder über große Partizipation ihrer alten Helden freuen, die zu Nebendarstellern degradiert wurden, werden Neueinsteiger in keinster Weise an einen Charakter gebunden. Gerade weil kein einziger Student wirklich sympathisch ist. Cole (Dave Franco) ist ein Arschloch. Lucy ist unglaublich profillos, zumal sie mir nichts dir nichts mit Cole ins Bett hüpft. Michael Mosley als Drew steckt irgendwo zwischen „harter Kerl“ und Vergangenheitsbewältigung fest und ansonsten gibt es auch nicht mehr viel, was einen persönlich an einen einzelnen Protagonisten fesselt.

Lucy tagträumt hier und da zwar noch, aber das wirkt tatsächlich aufgezwungen und nicht mehr so flüssig und kreativ wie zuvor. Vielmehr sind diese Sequenzen nun unsympathisch, was aus der mangelnden Verbindung zu den Charakteren resultiert. Eigentlich schade. Man hätte sich einfach mehr auf eine Einzelperson fokussieren müssen. So verkommt die Serie zu einem Mischmasch aus oberflächlichen Rollen, die keine rechte Bindung zum Zuschauer herstellen können und den Inhalt zur Belanglosigkeit verkommen lassen.

Dass der alte Cast noch auftaucht, ist löblich. Trotzdem bekommt das der Serie teilweise überhaupt nicht. So wird Dr. Cox nur noch auf das Arschloch reduziert, dass er früher zwar auch war, damals jedoch besaß er eben noch eine andere Seite. So schikaniert er seine Schüler allesamt auf eine schon ziemlich sadistische und unsympathische Art und Weise, die zudem auch nicht lustig ist. Eine Schweizerin reduziert er komplett auf ihren Körper und ihren Akzenten. Drew wird von ihm jedoch zum Lieblingsstudenten auserkoren, was J.D. absolut eifersüchtig macht und dabei irgendwie sinnlos ist.

Schon hat Scrubs etwas hinbekommen, was in 8 Staffeln zuvor nicht passiert ist: J.D. ist unsympathisch! Während er zwar stets eine feminine Ader hatte, ist der gestandene Arzt und Vater nun eine kleine weinerliche Bitch ohne eine richtige Persönlichkeit. Das ist etwas, dass man vor allem als eingefleischter Fan nur schwer überwinden kann. Gerade auch weil es zu viele Personen gibt, werden diese auf wenige Kern-Eigenschaften reduziert. Und so werden die altbekannten Gesichter zu eindimensionalen, klischeehaften Abbildern von einst interessanten Charakteren. Na klar, man kennt sie zwar schon länger. Aber was ist mit denen, die Scrubs vorher noch nicht geguckt haben? Denen bleibt dadurch kein Grund, der Serie mehr Zeit zu widmen und so war der Tod, den die Serie und die Staffel nach 13 Folgen ereilt haben, eigentlich nur eine Frage der Zeit. Das schwindende Interesse spiegelt sich auch in den Zuschauerzahlen. Zu Hoch-Zeiten verzeichnete man noch 16 Millionen Leute vor den Empfangsgeräten. Am Ende waren es noch nicht einmal 4 Millionen.

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