Das Scrubs-Dilemma

Ich liebe Scrubs.

Von allen Serien, Sitcoms, Cartoons und Animes, Mini-Serien und dergleichen da draußen ist Scrubs mein Serienformat. Das unumstößliche Nonplusultra meiner eigenen persönlichen Unterhaltung. Das führt so weit, dass ich noch täglich hin und wieder einschalte, wenn Pro 7 zum tausendsten Mal ältere Folgen runterspult. Die ganzen DVDs, außer der geschenkten 6. Staffel,  besitze ich nicht und ein Erwerb reizt mich nicht. Warum auch immer. Vielleicht geht dann so ein wenig dieser Zauber des „Einschaltens und sich darüber freuen, was gerade läuft“ verloren. Trotzdem habe ich vermutlich alle Folgen von Staffel 1 bis 8 vermutlich ein Dutzend Mal gesehen. Das sind 169 Folgen, alle irgendwo zwischen 20 und 27 Minuten lang.

Dann ist da die neunte Staffel. Die habe ich genau zwei Mal gesehen. Einmal auf englisch, einmal auf deutsch. Nicht öfter. Und hier schalte ich tatsächlich eher weg, auch wenn ich noch nicht jeden Witz und jeden Dialog auswendig kann. Die 13 Episoden, auf die sich Kraftklub (meiner Meinung nach hauptsächlich) in ‚Songs für Liam‘ bezieht: „Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs“. Die Staffel, die am Ende tatsächlich das Aus bedeutete, weil einfach niemand mehr einschaltete. Und sowieso verwunderlich war das Zustandekommen, so hatte die 8. Staffel doch ein richtiges Ende für die gesamte Serie parat, das wirklich zufriedenstellnd war. Und welches gut zur Serie passte.

Ich will mich hier ein wenig damit beschäftigen, was Scrubs in erster Linie ausgezeichnet hatte und was die Unterschiede zur finalen Staffel sind, was womöglich so ein wenig das Ende erklären könnte. Dabei will ich auch auf die Stärken der Serie eingehen, die mich über ein Jahrzehnt lang begleitet hat. Und ob die 9. Staffel lieber vergessen werden sollte oder doch etwas taugt.

Der Titel ‚Scrubs‘ hat mehrere Bedeutungen. So bezeichnet er einerseits die Krankenhauskleidung sowie auch das Händewaschen vor Operationen. Aber noch viel wichtiger ist, dass das englische Wort scrub umgangssprachlich für Anfänger und Loser gebraucht wird. Und genau das ist der Held der Serie, John Dorian oder auch J.D., ganz am Anfang. Wir verfolgen seinen Lebensweg und seinen Werdegang im Sacred Heart Hospital vom kleinen und profillosen Assistenzarzt zu einem waschechten Doktor, der beruflich wie privat reifen muss und dies auch tut. Darin sehe ich die große Stärke der Serie: wir sehen eine weitreichende Entwicklung vieler Charaktere. Alle werden erwachsen, kriegen Kinder, gehen in ihrer Karriere den nächsten Schritt oder knüpfen neue Beziehungen. Keine Beziehungen sind festgefahren und sogut wie jeder Charakter wird geformt und wächst einem dadurch ans Herz. Gerade bei vielen anderen Sitcoms und Serien gibt es so etwas nicht. Ob ‚Friends‘ oder ‚How I met your Mother‘, dort sind die einzelnen Personen statischer. Auch wenn die Beziehungen sehr dynamisch sind, verbleiben wir über lange Zeit mit den immergleichen Charakteren.

Besonders bei J.D., der zu Beginn unsicher und verloren wirkt, sehen wir die Mannwerdung. Noch eine Spur krasser, als er dann (ungewollt) Vater wird und sich wieder neuen Problemen stellen muss. Besonders Elliot (Sarah Chalke) ist im Vergleich zur ersten Folge am Ende überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Und was mit der ersten Episode so ein wenig angedeutet und im Verlauf der ganzen Serie hin und wieder aufgegriffen wird, ist die Liebesbeziehung der beiden. Rückblickend ist Scrubs damit auch eine Art ‚How I met your Mother‘, denn wir sehen mit an, wie sich zwei finden und verlieren, doch nach all den Jahren der Freundschaft zueinander finden und so aufzeigen, wie komplex Beziehungen sein können. Das ist eine schöne und irgendwie unerwartete Wendung, die in der finalen Staffel mit einem Ausblick auf die mögliche Hochzeit von J.D. und Elliot und so einem kitschigen Happy End mündet. Damit haben wir gleich mehrere Handlungsebenen, die das Gesamtkonstrukt der Serie umspannen und sich, gerade als Fan der Serie und als Kenner aller Folgen, gut und rund anfühlen. Überhaupt ist J.D. ein Antiheld. Er ist sehr unmännlich und albern und bietet eine einfachere Identifikationsfigur als ein Barney Stinson, dessen Coolness unerreichbar ist.

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