Mrz 142012
 

In tausenden und abertausenden von Jahren, wenn es die Menschheit schon lange nicht mehr gibt, wird eine andere Spezies (Aliens oder durch evolutionäre Entwicklung die Marder) unsere Überreste unter dem Staub der Zeit hervorhieven und sich ein Bild von uns machen. Vermutlich lagern dann im Untergrund unzählige Festplatten voll mit Pornographie, die vom besorgten männlichen Teil der Menschheit gebackupped wurden, da irgendwann mal das Internet down war. Sicher ist bzw. war ja bekanntlich sicher. Außerdem werden die futuristischen Archäologen alte Nokia-Handys finden, die allen Kriegen und Katastrophen getrotzt haben und vermutlich unzählige Exemplare von Daniela Katzenbergers Autobiographie ‘Sei schlau, stell dich dumm’. Denn das Teil verkauft sich gerade unglaublich gut und steht schon seit Wochen ziemlich weit oben in den Charts. Richtig einheitliche Rankings gibt es jedoch scheinbar nicht, vermutlich weil entsprechende Statistik-Unternehmen nicht auf ihre Einnahmen verzichten wollen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir Daniela Katzenberger ziemlich egal. Man sieht sie hier und da im Fernsehen von heute. Soll heißen, Reality-TV, die beste Art von TV! Oder zumindest bald die einzige wie es scheint. Dass sie blond ist, große Brüste hat und sich mal die Augenbrauen hat auftätowieren lassen, was nicht ganz so die coole Aktion war, wusste ich auch. Dank ihres Buches weiß ich jetzt noch folgende Dinge:

  • Daniela Katzenberger besitzt 2 x 350g Silikon-Einlagen.
  • Sie nennt sich gerne Katze.
  • Eigentlich sind ihre Haare nur gefärbt.
  • Die gute Frau stammt aus der Nähe der Heimat von Helmut Kohl.
  • Daniela Katzenberger hat keine Türen in der Wohnung.

Die Liste ist endlos fortsetzbar. Wir erfahren intimste Details und Vorlieben und den einen oder anderen Rückblick in die Kindheit der Blondine. Am Ende gibt es noch ein Quiz, in dem wir unser Katzenberger-Fachwissen prüfen können (und in dem ich mit krassen 20/24 Punkten abgeschnitten habe). Auch eine Postkarte war dabei und die Eindrücke ihrer Film-Crew. Ganz ehrlich, wäre ich Fan von der Frau, wäre das wohl ein total tolles Buch. Vermutlich haben all diese Leute dieses Werk sowieso schon in ihrem Regal stehen, können aufhören hier weiterzulesen und sich erfreulicheren Dingen widmen.

Das ganze Buch ist komplett in rosa gehalten und auf jeder Seite steht immer noch ein Zitat von Daniela Katzenberger. Davon gibt es jedoch nur knapp über 20, womit die sich dann auf den 200 Seiten schnell wiederholen. Das macht wiederum keinen sehr durchdachten Eindruck und einen wahnsinnig, wenn sich das ganze immer wieder wiederholt. Genauso ist der Titel des Buches doch ziemlich fragwürdig, aber den Leuten scheint es zu gefallen. Wer sich für alle Facetten des Lebens von Daniela Katzenberger interessiert, hat mit ‘Sei schlau, stell dich dumm’ den Heiligen Gral in der Hand. Da steht einfach alles drin, was man wissen will und auch vermutlich das, was man nicht wissen will.

Ich bin kein Fan von Daniela Katzenberger. Darum war das Lesen von ‘Sei schlau, stell dich dumm’ mehr oder weniger sehr anstrengend. Es ist, als ob man mit jeder noch so nebensächlichen Kleinigkeit totgequatscht wird. Normalerweise lese ich ein mich interessierendes Buch ziemlich schnell, aber mehr als zwei oder drei Seiten hintereinander zu lesen war mir einfach nicht möglich. Zu schnell schweifte ich mit den Gedanken ab und zu blöd war der Inhalt. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie man die Katze als Vorbild nehmen kann. Mit ihrem Stolz auf ihren Silikon-Busen und ihrer Künstlichkeit verkörpert sie total bescheuerte bzw. überhaupt keine Ideale. Es ist schön, dass sie zu sich selbst steht, aber will man seine eigene Tochter über Schönheits-OPs reden hören? Im Buch ist so wenig Selbst-Reflexion, dass es schon traurig ist. Da wird ihre ganze Ansammlung von Schminke und Lippenstift beschrieben während der Gedanke, in irgendeiner Form natürlich zu sich selbst zu stehen, gerade in der Ecke verreckt. Getoppt wird das dann nur von der Tatsache, dass sie von sich selbst gerne in der dritten Person als ‘Katze’ schwadroniert.

Daniela Katzenberger zeigt somit meiner Meinung nach das typische Bild der oberflächlichen Tussi unserer Moderne. Darum polarisiert sie, die einen finden sie dumm, die anderen super. Dass sie einigermaßen erfolgreich in ihrer Art ist, mag die eine oder den anderen freuen, dabei bleibt sie jedoch austauschbar und charakterlos. Es kann doch einfach kein sinnvolles Ziel für einen Menschen sein, irgendwann einmal im Leben im Playboy zu landen! Das ist das kleine Mädchen, das irgendwann mal im Rampenlicht stehen will. Was danach kommt, wenn der in der TV-Branche schnell vergängliche Ruhm mal verflogen ist, bleibt nebensächlich. Ja, sie spart und ist geizig. Und alle freuen sich darüber. Und alle mögen sie voll. Eine künstliche rosarote Welt! Was ist dann in 10 Jahren? Wenn der Busen hängt und der Rücken schmerzt, das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt und das Dschungelcamp nicht mehr läuft?

Wer nichts mit ihr am Hut hat, macht einen ganz großen Bogen um das Buch, denn dann ist es schlichtweg Müll. Es steht nichts Wertvolles oder Schlaues drin. Die Barbie-Puppe, die es ins Fernsehen geschafft hat. Hurra. Hat es schon gegeben, wird es wieder geben. Uns bleibt nichts weiter übrig, als auf die nächste arme Ausgeburt der Medien-Landschaft zu warten, über die man sich dann aufregen kann. Still und leise hoffe ich jedoch, dass die Aliens (oder Marder) noch das eine oder andere Werk von Hornby oder King finden werden.

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