Contraband (2012)

Hinter dem Begriff ‚Contraband‘ verbirgt sich das englische Wort für Schmuggelware. Glücklicherweise ist niemand irgendwo auf die Idee gekommen, den Titel einzudeutschen. Mittendrin dabei in der ziemlich gut besetzten Schauspieler-Regie Mark Wahlberg, der wieder einmal Mark Wahlberg spielt. Vorneweg: Mark Wahlberg ist kein guter Schauspieler. Er spielt immer den gleichen Typen: ein rebellischer und gerne zuhauender Amerikaner aus einfachen Verhältnissen, der für seine Werte und Prinzipien eintritt und im Herzen ein guter Mensch ist. Beispiele? The Departed, Vier Brüder, The Fighter, Shooter, Max Payne, The Happening und Die etwas anderen Cops. Das ist grundsätzlich nicht schlimm. Ein Jason Statham oder Steven Seagal sind genauso eindimensional und trotzdem beliebt. Gerade bei Contraband ist Mark Wahlberg goldrichtig.

Chris Farrady (Mark Wahlberg) hat vor Jahren dem Schmuggelgeschäft abgeschworen und jetzt mit seiner Frau Kate (Kate Beckinsale), seinen beiden Söhnen und seiner Alarmanlagenfirma genug zu tun. Kates junger Bruder Andy (Caleb Landry Jones) importiert jedoch Drogen ins Land. Sein letzter Job misslingt ihm und er steht bei dem Gangster Tim Briggs (Giovanni Ribisi) tief in der Kreide. Als Chris versucht, beschwichtigend dazwischenzugehen, wird seine Familie bedroht und er sieht sich gezwungen, einen weiteren lukrativen Schmuggel durchzuführen. Bei der Finanzierung hilft ihm sein bester Freund Sebastian (Ben Foster), der gerade selber auch Probleme mit seinem Geschäft hat.

Im Grunde ist die Handlung ziemlich simpel konstruiert. Die Grundmotivation ist klar und logisch und Chris‘ Vorgehen stets nachvollziehbar. Dabei schafft es der Film, gerade zum Ende hin nochmal mit dem einen oder anderen (teils vorhersehbaren) Twist zu punkten. Meiner Meinung nach blüht Mark Wahlberg hier auf, denn seine Rolle ist zugleich Familienmensch wie auch Kämpfer. Das passt zu ihm. Ich persönlich mag Ben Foster sehr und hier wirkt er nicht ganz so unterkühlt wie in Pandorum. Und obwohl mir auch Giovanni Ribisi gefällt, ist seine deutsche Synchronstimme unglaublich nervig und der gesamte Charakter irgendwie total strohdumm. Der Rest ist in Ordnung und keiner Erwähnung wert.

Lustigerweise ist der Film mit seinen 109 Minuten etwas zu lang. Das liegt nicht daran, dass es langweilig wird, sondern an der Handlung in der Mitte. Der geplante Schmuggel von Chris in Panama artet aus und wird plötzlich zu einer Sequenz voll mit Geballer und Action. Das passt widerum überhaupt nicht zum Film und macht das eigentlich sehr realistische Setting lachhaft. Man hat sich dort vermutlich in gewisser Weise Richtung Heat orientiert, doch die Spannung geht einfach in dem ganzen Chaos flöten. Das ist unheimlich schade, denn mehr Einfachheit wäre ungemein sympathischer gewesen. Mark Wahlberg sollte hier eben eine reale Person sein und nicht zum Actionhelden mutieren. Er ist ein guter Schmuggler und ein einfacher Mann von der Straße. Mehr nicht. Glücklicherweise ist die entsprechende Stelle nur fünf Minuten lang und danach geht Contraband wieder seines gewohnten gemächlichen Ganges.

Das Ende ist dann wieder zwiespältig. Einerseits finde ich den Abschluss des Schmuggels ziemlich cool und nicht vorhersehbar. Der Sideplot rund um Chris‘ Frau ist jedoch irgendwie nervig und im Gegensatz zum Rest ziemlich einfallslos. Die letzten Szenen sind dann in diesem Stil, also ziemlich weichgespühlt. Hier hätte ein wenig mehr Mut zum Drama vielleicht geholfen.

Am Ende überwiegt der positive Eindruck. Contraband ist ein kleiner Action-Krimi-Film mit teilweise sehr netten Einfällen zu einem nicht ausgelutschten Thema. Eine Art Ocean’s Eleven des kleinen Mannes, der es sich eben nicht leisten kann, Casinos zu überfallen und somit auf einfachen Wegen an Geld kommen muss. Den Mittelteil muss man verschmerzen, aber das sollte einem leicht fallen. Wer Mark Wahlberg sowieso gut leiden kann, darf gerne mal einen Blick riskieren. In eine ähnliche Bresche schlägt zum Beispiel auch The Town mit Ben Affleck und Jeremy Renner, welches aber in vielen Belangen besser und ausgefeilter ist. Auf jeden Fall sehe ich Marky Mark viel lieber in soliden Filmen der Machart von Contraband als in der widerlichen Max Payne-Verfilmung, die auf Videospielebene wie Gotteslästerung wirkt.

Regie: Baltasar Kormákur (Inhale, Der Tote aus Nordermoor)

Schauspieler: Mark Wahlberg, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Kate Beckinsale

Bewertung: 

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