Cloverfield (2008)

Vor ungefähr 15 Jahren, also so Ende der 90er, da kamen auf Pro 7 am Wochenende zur Mittagszeit immer Monsterfilme, meistens mit Godzilla in der Hauptrolle.  Das war noch eine coole Zeit, denn es gab viele krasse Viecher, die es zu bekämpfen galt (Mothra, Gamera, King Kong, Machagodzilla, etc…. hier ist eine lang Liste). Auch wenn die Animationen und Effekte mehr oder weniger ähnlich denen der Power Rangers entsprachen und die Synchronisierung nicht so richtig synchron wirkte, so war doch die Riesenechse ein nicht wegzudenkender Teil meiner Jugend. Daraus folgt auch meine sehr kritische Einstellung gegenüber anderen großen Tierchen, allen voran King Kong, dessen Sieg über Godzilla in King-Kong vs. Godzilla fernab jeder Realität ist und unter normalen Bedingungen natürlich anders ausgegangen wäre. Wer die Filme gar nicht kennt, bekommt hier ein wenig was vom Flair von damals mit.

Nachdem jedoch Godzilla 1998 einmal von Hollywood (bzw. Roland Emmerich) verwurstet wurde, spielten Monster eigentlich keine wirkliche Rolle mehr. So richtig erschreckend waren sie halt nicht mehr, und so kamen mit den ganzen Horror- und Alien- (und inzwischen Splatter-) filmen „packendere“ Erlebnisse auf die Leinwand. Außerdem wurden die modernen japanischen Godzilla-Filme immer esoterischer, kreisten dabei teilweise um solche unmonströsen Dinge wie Naturschutz und andere ökologische Themen. Die Frage ist jetzt natürlich, ob denn Cloverfield ein klassischer Monster-Streifen ist?

Hier erleben wir aus der Sicht einer Handkamera im Stile eines Found-Footage-Horrorfilms à la Blair Witch Project die Geschehnisse um einen Angriff auf New York. Eine Gruppe von Freunden und Bekannten bekommt auf einer Party mit, wie ein wolkenkratzergroßes Wesen anfängt, die Stadt in Schutt und Asche zu legen und nebenbei noch kleinere Viecher das Militär angreifen. Zusammen wollen sie sich nun zu einer Freundin durchschlagen, die irgendwo in einem zerstörten Gebäude feststeckt.

Besonders auffällig ist erst einmal der Kamera führende Kerl namens Hud (T. J. Miller), der eine ziemliche Flachpfeife ist. Ständig labert er dummes Zeug und ist so hilfreich für die Gruppe wie ein Kropf. In einem dunklen Tunnel baggert er die eine Frau an und faselt danach irgendetwas vollkommen Merkwürdiges von angezündeten Obdachlosen. Wahrscheinlich soll das seine Panik und Aufgewühltheit zur Schau stellen, mir ging der Typ jedoch vollkommen auf die Nerven. Der Rest der Truppe ist in Ordnung, wobei sowas wie eine tiefe Verbundenheit zu einem der Helden nie eintritt. Das soll aber auch nicht Ziel des Films sein. Uns werden die ganzen Leute am Anfang auf einer Party ein wenig näher gebracht mit allen ihren kleinen Problemchen und ohne jemanden in den absoluten Vordergrund zu rücken.

Vielmehr ist die Kamera der wahre Hauptdarsteller von Cloverfield (‚Kleefeld‘). Wir sind im Grunde bei jeder Bewegung dabei und wissen zu jedem Zeitpunkt so viel wie die einzelnen Protagonisten. Dadurch gestaltet sich der Verlauf unvorhersehbar und es gibt keine Längen, denn in den 85 Minuten wird halt eben immer das Wichtigste von Hud aufgenommen. Am Anfang stellt sich beispielsweise ein ziemlich beklemmendes Gefühl ein, als eine riesige Rauchwolke durch New York zieht und man sich ein wenig an 9/11 erinnert fühlt. Wir sehen die Bedrohung auch nie so richtig eingängig und in Ruhe, dadurch bleibt das Monster mysteriös und das Verhalten aller panisch. Man bleibt schließlich nicht stehen, sondern rennt um sein Leben. Hin und wieder wird das Filmband von alten Aufnahmen aus noch schöneren Zeiten unterbrochen und stellt so einen harten Kontrast zu der entsetzlichen Lage der Gegenwart dar. Die Thematik, dass man für die Liebe bis an seine Grenzen geht und den Tod dafür in Kauf nimmt, fließt stark ein und bildet die Motivation.

Es steht somit nicht wie bei Godzilla das Monster im Scheinwerferlicht, sondern die ganz normalen Leute, die sich nicht im Stich lassen. Dadurch erscheint Cloverfield in dem Rahmen, in dem es spielt, realistisch. Das Militär kämpft zwar hier und da, doch ein strahlender Held taucht nicht auf, der das Vieh in den Arsch tritt und den Tag rettet. Es gibt nur die Flucht vor der bösen Kreatur, deren Ursprung im Dunklen bleibt. Zudem gibt es durch die Kameraperspektive keine neutrale, alleswissende Sicht auf die Dinge. Wir können, wie die Protagonisten, nur spekulieren. Das ist etwas, was man sonst nicht sieht. Bei Godzilla wird stets gesagt, dass es sich um einen mutierten Leguan handelt, der irgendwo aus dem Meer auftaucht und Japan plattmacht, bevor er auf irgendeine Art und Weise doch geschlagen werden kann.

Jetzt will ich Cloverfield nun aber auch nicht zu viel Tiefe unterstellen, im Endeffekt bleibt er ein guter Monsterfilm, der wirklich gut unterhält. So richtig fies bei den Eiern gepackt wie damals mit Blair Witch Project wurde ich nicht, doch ist er bei den ganzen Found-Footage-Filmen definitiv ganz oben mit dabei. Blair Witch Project ist selbst nicht so wirklich gut, aber es war eben das erste Filmerlebsnis dieser Art und dazu dann auch noch so unglaubich verstörend zum Ende hin. Vielleicht kommt übrigens noch Cloverfield 2 und 2014 ein neuer Godzilla. Lang leben die Monster.

Regie: Matt Reeves (Let Me In, schrieb Alarmstufe Rot 2 (Steven Seagal!!!))

Schauspieler: Michael Stahl-David, Jessica Lucas, T. J. Miller

Bewertung:  

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