The Act of Killing (2012)

Es gibt Filme, Serien und Bücher, die einen so mitnehmen, dass man erst einmal dasitzt und nicht so recht weiß, ob schon mit dem normalen Leben fortgefahren werden kann. Man ist geschockt, erschüttert und hat noch nicht den Elan, wieder in das Tempo des Alltags zurückzukehren. Wie kann sich die Welt trotz des Gesehenen weiter in ihren gewohnten Bahnen bewegen? Skandal! Bei Game of Thrones ging es mir nach einer speziellen Folge so. Und mit The Act of Killing hat es sogar eine Dokumentation geschafft, mich so aufzurütteln, dass ich über das Gesehene erst einmal gründlich nachdenken musste. Auch weil des Erlebte in dieser Form einzigartig ist. Und verstörend.The Act of Killing

Nach einem gescheiterten Putschversuch in Indonesien 1965 begann die Verfolgung, Verschleppung und Vernichtung von Kommunisten im Land. Teilweise bis 1968. Hierzulande wird man wohl kaum etwas davon wissen. Trotzdem fielen ungefähr eine halbe Million Menschen diesem Pogrom zum Opfer. Oder waren es eine Million? Vielleicht zwei? Niemand weiß das so genau. In indonesischen Geschichtsbüchern werden die Zahlen gering gehalten und die Kommunisten als bestialische Ungeheuer dargestellt, die um jeden Preis vernichtet werden müssen. Bis zum heutigen Tag. Joshua Oppenheimer, der Regisseur von The Act of Killing, trifft die Mörder der damaligen Zeit, die allesamt stolz auf ihre Taten sind und ein geruhsames Leben führen, frei von Geldsorgen oder irgendwelchen Gewissensbissen. Der Clou an der Sache: Die Täter sollen für den Film ihre Handlungen selbst nachspielen, wobei sie das Genre selbst wählen dürfen und teilweise sogar auch die Opfer spielen. Zu großen Teilen besteht die Doku aus Interviews mit den Männern, die sich mit Aufnahmen von den Dreharbeiten abwechseln.

Was sich anfangs wie eine asiatische Freakshow anfühlt, schließlich werden stellenweise vor Gangsterfilm- und Western-Kulissen Menschen gefoltert, geschlagen und enthauptet und hin und wieder läuft auch ein dicker Mann in Frauenklamotten rum, entpuppt sich als eine Reise hinter die Fassade der morbiden Moral der Mörder. Dabei nimmt sich der Film enorm viel Zeit und zeigt auch das Leben der Männer, die offensichtlich keine Reue empfinden. Wir sehen praktisch nur die Täter, Opfer kommen nicht zu Wort. Daraus zieht der Film auch seine unglaubliche Intensivität, denn mit mitteleuropäischen Moralstandards von heute ist das nicht nachzuvollziehen. Es ist, als ob dort Nazikriegsverbrecher stolz von ihren Taten im Holocaust berichten. So erzählt Anwar Congo in einer realen Talkshow über die schätzungsweise tausend Menschen, die er umgebracht hat. Und wie er das angestellt hat, ohne seine Kleidung einzusauen.

Im Director’s Cut ist The Act of Killing stolze 159 Minuten lang, immerhin deutlich länger als die zweistündige Kinofassung. Dabei bleibt die Dokumentation stets sehr ruhig, doch die schiere Fassungslosigkeit ob der gezeigten Ignoranz ist einfach nur atemberaubend. Es gibt keine Spannung und auch sonst wenig, was das Ansehen angenehm gestaltet. Oppenheimer hat keinen entertainigen Film geschaffen und Wohlfühlmomente sucht man vergebens. Trotzdem ist The Act of Killing eine der wichtigsten Dokumentationen der letzten Jahre, die so dermaßen aufwühlt und einen aufsaugt, dass man sich emotional kaum entziehen kann. Man fühlt sich nach dem Film wirklich schlecht. Schließlich hat man den Abgrund der Menschheit gesehen, und womöglich verliert man auch jegliches Vertrauen in diese. Solch ein Erlebnis vergisst man nicht so schnell.

 

Regie: Joshua Oppenheimer (The Entire History of the Louisiana Purchase, The Globalisation Tapes)

Schauspieler: Anwar Congo, Herman Koto, Syamsul Arifin

Bewertung: 

 

Searching for Sugar Man (2012)

Geschichte wird von den Gewinnern geschrieben. Das bezieht sich nicht nur auf kriegerische Auseinandersetzungen, sondern auch auf die Musik. Erinnert sich heute noch jemand an die unerfolgreichen klassischen Komponisten? Sie geraten in Vergessenheit, zusammen mit ihren Stücken. Wer nicht viele Platten verkauft oder ein großes Publikum findet, wird schnell wieder aus dem kollektiven menschlichen Gedächtnis gelöscht. Und irgendwann, in hundert Jahren, wird man sich an unsere Zeit erinnern und sie mit Justin Bieber und Lady Gaga verbinden. Klar, das finden viele doof. Aber Geschichte wird nun mal von den Gewinnern geschrieben.Searching for Sugar Man

Sixto Rodriguez ist in diesem Zusammenhang ein Verlierer. Der junge Musiker aus Detroit nimmt Anfang der 70er mit ein paar namhaften Produzenten zwei bis zweieinhalb Alben auf. Seine Stimme ist vielversprechend und erinnert stark an Bob Dylan. Und er schreibt ähnlich gute sozialkritische Texte. Unter seinem Namen Rodriguez erscheinen ‚Cold Fact‘ und ‚Coming from Reality‘. Und verkaufen sich nicht. Niemand will der Musik des Jungen aus der Arbeiterklasse lauschen. Niemand registriert ihn. Und niemand wird ihn vermissen. So hat er sich wohl bei einem schlecht laufenden Konzert nach dem letzten Song einen Revolver an die Schläfe gehalten und abgedrückt. Oder sich mit Benzin übergossen und angezündet. Das weiß niemand so genau, auf alle Fälle stirbt er bei einem Auftritt. So verschwindet Rodriguez von der Bühne. Aber nur in den USA.

Zeitgleich, irgendwann in den 70ern in Südafrika. Die Anti-Apartheidsbewegung gerät in Schwung. Und wessen Musik kann die kollektive Auflehnung besser symbolisieren als die von einem gewissen Sixto Rodriguez? Über Kopien von Kopien entwickeln sich seine Alben zu bombastischen Verkaufsschlagern in einem Land, das einen ganzen Ozean von den USA entfernt ist und welches isoliert vom Ausland unter einem unmenschlichen Regime leidet. Rodriguez ist der Soundtrack der Revolution. Seine Stücke werden zensiert, doch verbreiten sich trotzdem. Oder gerade deswegen. Aber eine Frage bleibt: Wer zur Hölle ist dieser Mann?

Und so begeben sich Stephen ‚Sugar‘ Segerman und Craig Bartholomew Strydom auf die Suche nach dem Ursprung. In Zeiten vor dem Internet und mit limitierten Mitteln. So schildert ‚Searching for Sugar Man‘ die Jagd auf einen Mann, der in Südafrika bekannter als Elvis ist, den in den USA aber kein Schwein kennt.

Die 86-minütige Dokumentation, die 2013 mit einem Oskar geehrt wurde, ist eine Verbeugung vor dem Musiker Rodriguez und seiner Musik, aber auch vor den Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, dem Mysterium um seine Person auf die Spur zu kommen. Der komplette Soundtrack des Films besteht aus Rodriguez-Liedern und einzelne Szenen werden mit Animationen nachgestellt. Ohne dabei jemals in Unfug oder Übertreibung auszuarten. Große Produzenten kommen zu Wort. Und alle wundern sich über den Misserfolg in den USA. Überhaupt ist die Geschichte, wie ein Journalist offen zugibt, viel zu gut um real zu sein. Niemand könnte sich sowas ausdenken.

‚Searching for Sugar Man‘ ist zwar ein Dokumentarfilm, doch die Story geht so unter die Haut, dass man am Ende gerührt sein muss. Selbst wenn man diesem Filmgenre nicht so zugeneigt ist. Denn das hier ist nicht viel weniger als der Beweis dafür, dass in Zeiten, in denen „Musiker“ Millionen von Dollarn für hirnverbrannten Scheiß bekommen, es immer noch Leute gibt, die für die Liebe zur Sache arbeiten. Und obwohl die Gewinner die Geschichte schreiben, lohnt es sich doch, einen Blick auf die Verlierer zu riskieren. Vor allem, wenn dabei so ein genialer Film wie ‚Searching for Sugar Man‘ rauskommt.

 

Regie: Malik Bendjelloul

Schauspieler: allesamt reale Personen

Bewertung: 

 

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Sieben (1995)

Eines muss man den 90ern auf alle Fälle zu Gute halten. Neben dem ganzen Techno-Blümchen-Quatsch gab es eine große Anzahl guter Thriller: ‚Das Schweigen der Lämmer‘, ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ‚L.A. Confidential‘ und ‚Mission Impossible‘. Tja, und natürlich ‚Sieben‘. Wer noch nie etwas von David Finchers Meisterwerk gehört hat, dem sei gesagt, dass es nicht um sieben Zwerge oder Geißlein geht, sondern um ziemlich brutale Morde. Aus irgendeinem Grund werden solche Filme heutzutage kaum noch gemacht. Weiß der Geier, wieso. Vielleicht waren aber auch die 90er ein magisches Jahrzehnt, indem man noch gute Geschichten erzählt bekam. Oder das Krimigenre ist einfach zur Gänze ins TV abgewandert und nennt sich nun CSI oder Law & Order und dergleichen…Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) wird zum bald in Rente gehenden Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) zugeteilt. Die beiden gehören dem Morddezernat irgendeiner amerikanischen Großstadt an und bekommen gleich am ersten Tag eine ziemlich übel zugerichtete Leiche vorgesetzt: Ein dicker Mann wurde offensichtlich solange vollgestopft, bis sein Magen geplatzt ist. Nachdem am nächsten Tag der nächste Ermordete auftaucht, neben ihm die Inschrift „Habgier“ und bei der ersten Leiche auch noch der Schriftzug „Maßlosigkeit“ gefunden wird, ist klar, dass es sich um eine Mordserie handelt. So spielt sich die Handlung innerhalb einer Woche ab und die beiden Cops müssen sich an den kleinen Spuren des Täters entlanghangeln, der offensichtlich in seinen Aktionen die sieben Todsünden darstellen will.

‚Sieben‘ ist trotz der grausig zugerichteten Opfer kein Splatter-Film. Natürlich ist das nichts für Kinder, aber die Gewalt erfüllt ihren erzählerischen Zweck. Dabei schafft es der Krimi, eine tatsächlich sinnvolle wie auch nachvollziehbare Detektivgeschichte zu erzählen, die in einem überwältigenden Finale einem lange im Gedächtnis bleibt. Mehr will ich nicht verraten, aber selten hat mich das Ende eines Films mehr mitgenommen. Und das ist auch gut so. Heutzutage sieht man viel zu oft dahingeschluderte Twists, die so rein gar nicht in die Handlung passen wollen oder plumpe Endfights zwischen dem Bösen und dem Guten. So packt ‚Sieben‘ einen, gelinde gesagt, ziemlich bei den Eiern.

Nicht zu vergessen ist das Cop-Duo aus Pitt und Freeman, die anfangs so rein gar nicht zusammenpassen wollen. Einerseits weil der alte Summerset durch seinen Job ein ziemlich unsympathischer Sack ist und andererseits weil Mills als junger Gesetzeshüter wie ein überhebliches Greenhorn daherkommt. So werden die beiden im Verlauf der Woche zusammengeschweißt und entwickeln sich tatsächlich. Und dadurch gewinnt das Duo dann auch beim Zuschauer an Sympathie.

Doch keine guten Helden ohne anständigen Antagonisten. Und gerade in ‚Sieben‘ gibt es keinen dummen Mörder, sondern einen cleveren und ebenbürtigen Gegenspieler, der zu keinem Zeitpunkt für den Zuseher berechenbar erscheint. Das ist eine große Leistung, denn auch wenn der Killer nie ein Sympath ist, so handelt er an keiner Stelle undurchdacht und macht das Finale so nochmal eine Spur smarter.

Überhaupt fügt sich ziemlich alles im Film gut zusammen. David Fincher, dem mit Alien 3 zugegebenermaßen kein gutes Erstlingswerk geglückt ist, hat dafür mit ‚Sieben‘ einen genialen und unterhaltsamen Thriller hinbekommen, der düster und packend eine wirklich geile Geschichte erzählt. Fincher hat einfach einen eigenen Stil, Filme zu machen, den man in jedem seiner Filme erkennen kann. ‚Verblendung‘ und ‚Fight Club‘, aber auch ‚The Social Network‘ und ‚Benjamin Button‘ sind allesamt in einem düsteren Ton gehalten.

Die 90er sind vorbei und mir fällt persönlich niemand ein, der irgendwas heutzutage im Stile von ‚Sieben‘ macht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, so bleibt die zweistündige Jagd auf einen nach der Bibel mordenden Psychopathen umso einzigartiger.

Regie: David Fincher (Fight Club, Verblendung, The Social Network, Benjamin Button, Zodiac)

Schauspieler: Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow

Bewertung: 

 

Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)

Dieses kleine und inzwischen doch recht betagte Filmchen gehört leider zu der Sorte, die man hierzulande nur arg geschnitten vorfindet. Wenn Kabel 1 den Streifen ausstrahlt, dann sind ein gutes halbes Dutzend Todesszenen entfernt, was den einen oder anderen Kampf arg bescheuert aussehen lässt. Gerade noch werfen sich die Kontrahenten Todesdrohungen an den Kopf, einen Schnitt weiter liegt einer der beiden röchelnd am Boden. Und die ungeschnittene DVD-Fassung ist leider eine Seltenheit. Aber im Gegensatz zu seinen anderen totgeschnittenen Kollegen (‚Born 2 Die‘ zum Beispiel) hat ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ noch sehr viel mehr zu bieten. Und damit ist nicht die klischeehafte deutsche Synchroniastion gemeint.

Auch die Geschichte ist reichlich einfach und ja, ein wenig blöd: Chien Fu (Jackie Chan) ist der Prügelknabe und Abfalleimer in einer Kung Fu-Schule und kann selber so rein gar nicht kämpfen. Eines Tages taucht ein alter Mann (Siu Tien Yuen) auf, der sich als Großmeister Pai Cheng-Tien herausstellt, welcher widerum Anführer einer Untergrundgruppe ist, deren Mitglieder der Reihe nach von der Obrigkeit eliminiert werden. Besagter Greis bringt unserem Helden die Künste des Schlangen-Kung Fu bei, böse Buben bzw. die Vertreter des Adler-Kung Fu tauchen auf und trachten den beiden nach dem Leben und so weiter. Im Grunde ist die ganze Story keines Gedankens wert, denn noch flacher geht es kaum. Da taucht dann noch ein völlig unnötiger christlicher Missionar auf, der sich zum Schluss als böse herausstellt. Und im finalen unnötigen Twist ist dann noch ein Kerl plötzlich Antagonist. Das ist dann einfach nur Trash.

Nichtsdestotrotz zähle ich die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘  zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Das liegt in erster Linie an den coolen Kampf- und Trainingszenen und zum anderen an einem einzelnen Lied. Oxygène II von Jean Michel Jarre. Ich habe noch nie einen passenderen Track für einen Trainingszusammenschnitt gesehen. Da erreicht der Film einen Charme, dem ich mich einfach nicht mehr entziehen kann. Gleichzeitig trägt einfach noch Jackie Chan mit all seinen Skills sein Übriges dazu. Er lässt selbst die simpelste Dehnübung wie krasses Kung Fu aussehen. Und selbst wenn der Film mit seiner Handlung cheesy ist, die dargebotenen Kämpfe und Bewegungen sind echt. Das zeichnet ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ aus.

Mich hat der Film in meiner Kindheit sehr beeindruckt. Und selbst heute noch kann ich ihn mir ansehen. Verdammt, ich habe ihn vermutlich schon ein dutzend Mal gesehen. Man sollte Jackie Chan eben nicht wegen ‚Rush Hour‚ und dergleichen in erster Linie kennen, sondern durch seine alten Kung Fu-Filme. Zu nennen wäre da auch noch ‚Drunken Master‘, der fürchterlicherweise hierzulande zu ‚Ein Halleluja für 2 Schlitzohren‘ verstümmelt wurde. Ganz im Gegensatz zu dem ganzen seelenlosen Hollywood-Zeug von Brett Ratner haben diese Frühwerke aus China einen großartigen Charme und die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ ist eine Perle der damaligen Zeit. Klar, wer hier auch nur im Entferntesten Handlung oder Dialoge erwartet, steht auf verlorenem Posten. Doch wem die choreografierten Kämpfe Spaß bereiten, den entlässt der Film auch mit dem guten Gefühl, dass man wahren Meistern bei ihrer Kunst beigewohnt hat. Dass Kampfsportler auch heutzutage keine guten Filme im eigentlichen Sinne machen, zeigen Jet Li und Tony Jaa, ja sogar viel zu oft Jackie Chan selbst, zur Genüge.

Regie: Woo-ping Yuen (Drunken Master, Kampfchoreografie für Tiger & Dragon, Matrix, Kill Bill)

Schauspieler: Jackie Chan, Siu Tien Yuen, Jang Lee Hwang, Chi Ling Chiu

Bewertung: 

 

2001: Odyssee im Weltraum (1968)

Einen Film von Stanley Kubrick zu kritisieren ist im Grunde Gotteslästerung. Vor allem fühlt man sich dann dumm, weil man scheinbar den Film nicht verstanden hat. Da muss man aufpassen, nicht in der falschen Gesellschaft plötzlich zum stupiden Hollywood-Liebhaber abgestempelt zu werden. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und weil die Leserzahlen hier im einstelligen Bereich liegen, bin ich in nicht allzugroßer Gefahr, von einem Kubrick-Jünger in die Luft gesprengt zu werden. Hier der Frevel am großen Meister: 2001 ist ein langweilliger Film! Jetzt hab ich es gesagt und ich nehms so schnell auch nicht zurück. Lang lebe die freie Meinungsäußerung!

Die meisten Filme da draußen umspannen einen relativ engen Zeitrahmen. Ein paar Stunden oder Tage, manchmal vielleicht auch Monate oder ein paar Järchen. 2001: Odyssee im Weltraum behandelt mehrere Millionen Jahre Menschheitsgeschichte. Bäm!

Kleine Bemerkung: Ich werde den Film ein wenig spoilern. Dabei geht nicht sonderlich viel Spannung verloren, da es einfach mal nicht sehr spannend zugeht. Wer jedoch unbedingt einen ungetrübten Blick auf diese fast zweineinhalbstündige Fahrt durch die Menschheitsgeschichte haben will, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen und sich zuerst einen eigenen Eindruck verschaffen. Oder auch nicht, ist ganz euch überlassen. Aber es soll dann nicht heißen, ich hätte nicht jeden gewarnt.

2001 ist in fünf Teile gegliedert. Den ersten bekommt man im Fernsehen nicht vollständig zu sehen. Hier ertönt drei Minuten lang zu schwarzem Bild ein Orchesterwerk, dass mich erst an der Funktionsfähigkeit meiner DVD zweifeln ließ. Danach sind übrigens auch die TV-Leute endlich mit dabei. So folgt, nach dem Einblenden des MGM-Logos, ein Blick auf Erde, Mond und Sonne in Konjunktion und es ertönt ‚Also sprach Zarathustra‚. So weit, so ungewohnt.

Wir erleben den Beginn der Menschheit. Eine Gruppe von affenartigen Wesen kämpft um ihr Leben. Gebeutelt von Feinden, Hunger und Kälte. Die Affen erwachen eines Morgens neben einem schwarzen Monolithen und tanzen um ihn herum.  Das bewirkt eine Veränderung. Ein Affe kommt auf die bahnbrechende Idee, einen Knochen als Waffe einzusetzen. Es folgt wenig später ein Kampf gegen eine rivalisierende Gruppe, den der Bewaffnete gewinnt und so den Siegeszug des Menschen einleitet. Er schleudert den Knochen gen Himmel und wir sehen den berühmtesten Schnitt der Filmgeschichte, in der der fliegende Knochen zu einem Raumschiff im Weltall wird.

Wir haben also einen Sprung von mehreren Millionen Jahren gemacht und befinden uns in der (damaligen) Zukunft, im Jahr 1999. Die  Menschheit hat begonnen, den Weltraum zu erobern. Dr. Heywood Floyd (William Sylvester) ist auf dem Weg über eine Raumstation zum Mond, wo ein seltsamer schwarzer Monolith gefunden wurde. Bei der Begutachtung des Objekts fassen die Wissenschaftler das Ding an, woraufhin ein elektromagnetisches Signal Richtung Jupiter gesendet wird.

Nächster Sprung. Wir befinden uns im Jahr 2001 und das amerikanische Raumschiff Discovery One ist unterwegs zum Jupiter. Die Astronauten Dave Bowman (Keir Dullea) und Frank Poole (Gary Lockwood) sind zusammen mit drei weiteren Kollegen, die sich im Kryoschlaf befinden, auf Forschungsmission. Sie wissen also gar nicht, was der eigentliche Zweck ihrer Reise ist. Ganz im Gegensatz zum sechsten Besatzungsmitglied, dem Supercomputer HAL 9000, der die wichtigsten Funktionen des Raumschiffs steuert. Ganz so perfekt erweist sich die Künstliche Intelligenz dann jedoch nicht, denn durch einen Fehler beginnt HAL mit der systematischen Ermordung aller Besatzungsmitglieder. Mit Müh und Not gelingt es Bowman, HAL schrittweise zu deaktivieren. Dabei ist die Todesszene des Computers ebenso berühmt wie auch genial. Nach HALs Abschaltung wird ein Video abgespielt, das den einzig verbliebenen Astronauten über Sinn und Zweck der Mission aufklärt.

Das letzte Kapitel kann man auch als den medialen LSD-Trip interpretieren. Oder auch als den krassesten Brainfuck der Filmgeschichte. Bowman erreicht den Jupiter, in dessen Umlaufbahn ein weiterer Monolith schwebt. Als er sich diesem in einer Kapsel nähert, beginnt eine minutenlange psychedelische Achterbahnfahrt voll mit bunten Farben. Plötzlich erwacht Bowman in seiner Kapsel in einem futuristischen Zimmer. Dann erblickt er sich selbst, nur um einige Jahre gealtert. Es wechselt die Perspektive zum Alten und die Raumkapsel ist verschwunden. Bowman schaut sich in einem Spiegel an und erblickt eine weitere Person ein Zimmer weiter. Dort sieht er sicht selbst, noch älter. Die Perspektive springt wieder zum älteren Bowman, der an einem Tisch sitzend eine Mahlzeit zu sich nimmt. Als dieser jetzt aufsteht, sieht er das nächste Ich, liegend in einem Bett und noch viel älter, sogar dem Tod nahe. Der nächste Sprung und wir sehen wie der sterbende Bowman vor sich den Monolithen erblickt. Er streckt die Arme, um ihn anzufassen und im letzten Schnitt erscheint anstatt seiner ein Fötus auf dem Bett. Es folgt die letzte Sequenz, in der zu ‚Also sprach Zarathustra‘ Erde und Mond aus dem Weltraum zu sehen sind, über ihnen das Space-Baby.

Alles klar? Einfach mal ein wenig durchatmen und sacken lassen. Immer noch nicht alles klar? Dann ein paar Worte der Erleuchtung. Oder so ähnlich.

Moon (2009)

Moon ist das Langfilm-Regiedebüt von Duncan Jones, dessen Vater niemand geringerer als David Bowie ist und der mit Source Code leider nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Der junge Mann darf sich bald an der ‚World of Warcraft‘-Verfilmung versuchen. Aber sachte, erstmal gehts rauf zum Mond.

In naher Zukunft wird der Energiebedarf der Erde zu großen Teilen durch Helium-3 gedeckt, welches auf dem Mond gewonnen wird. Dafür ist ein einzelner Mann für Lunar Industries dort stationiert: Sam Bell (Sam Rockwell). Sein Vertrag ist auf drei Jahre begrenzt und schon bald darf er nach Hause zu seiner Familie. An Sams Seite ist der Roboter GERTY (gesprochen von Kevin Spacey). Ansonsten ist der Astronaut komplett isoliert und vom Rest der Menschheit abgeschnitten. Bei einem Außeneinsatz jedoch verunglückt Sam und wacht wenig später in der Medizinstation der Mondbasis auf. Zumindest scheint es so. Doch die Dinge sind ganz anders und schon bald kommen erste Zweifel auf, ob alles seine Richtigkeit hat.

Ohne einen gewaltigen Spoiler wäre die Handlung jetzt nicht fortzuführen. Deswegen sei es jedem selbst überlassen, herauszufinden, was dort oben vor sich geht. Trotzdem kann man, ohne viel zu verraten, erzählen, dass der Film eine bewegende wie auch tiefgründige Botschaft transportiert.

Einerseits wird mit Sci-Fi-Mitteln auf die Frage eingegangen, ob der Zweck denn die Mittel heiligt. Darf man zum Wohle der Menschheit eine einzelne Person opfern? Andererseits werden ganz existenzielle Themen angeschnitten. So geht es in ‚Moon‘ in gewisser Weise auch darum, ab wann menschliches Leben beginnt. Gerade im Hinblick auf aktuelle Diskussionen rund um Stammzellenforschung und dergleichen. Ferner wird deutlich, dass Duncan Jones auch Kritik an der profitorientierten Gesellschaft übt, die zu jeder Zeit für ein größeres Return on Investment auf Menschlichkeit pfeift.

Dabei ist ‚Moon‘ kein Scheinwerfer, der auf alle diese Probleme gehalten wird und laut schreit. Es geht sehr ruhig zu und Sam Rockwell trägt den Film komplett alleine. Er lebt halt in völliger Isolation. Das ist stellenweise ebenso gespenstisch wie auch schön. Zwar hat er den womöglich schönsten Ausblick im Universum, doch die Isolation nagt an seinem Verstand und die rettende Erde ist eine 3-Tages-Reise entfernt. Niemand kann ihm helfen und er ist dem großen Nichts genauso ausgeliefert wie dem Riesenkonzern, der ihn beauftragt hat. Zwar nimmt ‚Moon‘ zum Ende seiner 96 Minuten Laufzeit noch ein wenig Fahrt auf, doch richtig spannend wird es nie. Aber das ist auch nicht unbedingt nötig. Schließlich lebt der Film von seiner Ruhe. Und die durchzieht auf atmosphärische Art und Weise die gesamte Handlung.

Ganz klar ist das hier kein Feel-Good-Movie. Ein wenig fühlte ich mich stellenweise hier und da an Kubricks ‚2001‘ erinnert. Aber der Roboter ist keine fiese Maschine und die Interpretation fällt einem nicht so schwer, gerade weil im weitesten Sinne alles realistisch wirkt und die Message mehr oder weniger offener serviert. Zudem ist ‚Moon‘ im wahrsten Sinne des Wortes ein kleiner Film. Mit kleinen Mitteln und mit insgesamt sehr wenig Dialog. Mir fallen auch nicht viele ähnlich Streifen ein, die einem dermaßen an die Haut gehen könnten. Vor allem dieses einzelne Schicksal eines Mannes, der den Verstand zu verlieren droht, hat mich sehr bewegt. Wenn man es jedoch nicht schafft, mit ihm mitzufühlen, kann der Film sehr schnell, trotz kurzer Laufzeit, langatmig werden. Deswegen sollte man das Licht möglichst ausmachen und so die langen Shots auf das Mondpanorama einsaugen, um mehr von diesem Weltall-Feeling aufzunehmen.

Für mich ist ‚Moon‘ einer der schönsten und intensivsten Filme, die ich kenne. Er ist auf keinen Fall perfekt und die Handlung hat gerade am Ende so ein wenig Leerlauf, weil der entscheidende Twist ziemlich früh passiert. Aber das stört mich dann nicht mehr. So muss Sci-Fi mit Message einfach sein. Und Sam Rockwell hat sich hiermit zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert, der einen Film auch ganz alleine tragen kann. Das kann nicht jeder Actor von sich behaupten. Ich würde die schauspielerische Leistung sogar ein wenig mit der von Ryan Reynolds in ‚Buried‚ vergleichen, obwohl die beiden Filme thematisch wie inhaltlich nichts vereint.

Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, ob ‚Moon‘ einen packt. Doch wenn es einem gelingt, die vermittelten Emotionen zu verinnerlichen, hat man ein in seiner Art seltenes Filmerlebnis. Also auf zum Mond!

Regie: Duncan Jones (Source Code, Warcraft)

Schauspieler: Sam Rockwell, Kevin Spacey

Bewertung: 

Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Gerne sagt man französischen Filmen nach, dass sie künstlerisch und sentimental sind. Und dabei einen gewissen Anspruch an den Intellekt des Zuschauers stellen. Das trifft durchaus auch auf ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ zu. Man erkennt, dass eben nur Frankreich so eine Art Film hinbekommen kann. Natürlich soll das nicht böse gemeint sein, aber der Stil ist unverkennbar und polarsiert dabei. Und das ist allemal besser als die übliche Hollywood-Verwurstungs-Maschine, die dermaßen massentaugliche Ware am laufenden Band produziert, dass man längst den Überblick über den ganzen Michael Bay-Blödsinn verloren hat. Nichtsdestotrotz sticht dieses Werk von Jean-Pierre Jeunet heraus und war auch nicht umsonst für 5 Oscars nominiert. Und das gerade mal mit einem Budget von 10 Millionen Dollar.

Im Grunde ist Amélie einzweistündiger  Liebesfilm. Die vereinsamte und melancholische, trotzdem jedoch ziemlich hübsche Amélie Poulain (Audrey Tautou) lernt dabei über Umwege bei ihren Weltverbesserungsversuchen den chaotischen Nino Quincampoix (Mathieu Kassovitz) kennen und lieben. Und das ist tatsächlich grob umspannt die gesamte Handlung. Aber ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ lebt eben gerade nicht von der Geschichte, sondern von den beteiligten Personen.

Praktisch jeder Protagonist wird charakterisiert und auf liebevolle Art und Weise in die Geschichte miteinbezogen. Jean-Pierre Jeunet nimmt sich ganz viel Zeit, um allerlei Nebensächlichkeiten auf fantasievolle Art und Weise darzustellen. So werden alle Leute quasi mit kurzen Steckbriefen eingeführt. Ob dabei erläuftert wird, dass Amélie das Gefühl ihrer Finger in den Sonnenblumenkernen vor ihrem Gemüsehändler mag oder ob ihr Vater es liebt, seinen Werkzeugkasten zu reinigen, jeder und jede ist einzigartig und wichtig. Dabei wirkt keine Information unnötig, egal wie nebensächlich sie doch eigentlich ist. Und so spannt sich ein komplexes Universum aus Persönlichkeiten auf, die alle etwas Besonderes sind. Dasss nicht jeder perfekt ist, sollte klar sein. Aber trotzdem vermag es der Film, einem den Eindruck zu vermitteln, dass man selbst auch nicht einfach nur ein Zahnrädchen in einer kalten Gesellschaft ist. So entfaltet sich eine gewisse Magie, der man sich nur schwer entziehen kann.

An einigen Stellen hat der Film durchaus Ähnlichkeiten mit einem Märchen. So werden in einer Szene die Gegenstände in Amélies Schlafzimmer lebendig und unterhalten sich miteinander. Das hat keinen Einfluss auf die Handlung und passiert auch nur ein einziges Mal, macht aber die Liebe zum Detail und die fantasievolle Zeichnung der Charaktere deutlich und wirkt nicht wie ein Fremdkörper. So bricht der Film mit den üblichen RomComs. Dabei dürfte auch gleichzeitig klar sein, dass Freunde von explodierenden Helikoptern und blutigen Auseinandersetzungen hier an der falschen Adresse sind. Trotzdem sollte man den Film gewähren lassen, denn wenn man sich einlässt, wird man merken, dass alle, Schauspieler wie auch der  Regisseur große Freude an den Rollen und Geschichten hatten.

Amélie ist dabei eine Weltverbesserin, die versucht, ihren Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dabei vernachlässigt sie ihr eigenes Glück. Hier schlägt der Film gerne mal auch sehr melancholische und traurige Töne an, die einen sofort packen und an dem emotionalen Karussell teilnehmen lassen. Selten hat mich eine Romanze, gerade zum Ende hin, so mitgenommen. Hier wird nicht im Stile eines Til Schweigers eine kitschige wie auch banale Liebelei in ein süßliches und Diabetes verursachendes Happy End ertränkt. Das muss man schon mal hinbekommen. Denn auch wenn dies hier eine Komödie ist, gibt es genug Tiefe. Dabei wird nicht jedes Schicksal aufgeklärt, sodass letztendlich Amélie mehr in den Vordergrund rückt. Das muss man nicht unbedingt mögen, stören tut es jedoch auch nicht unbedingt.

‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ ist ein toller Film. Voller Fantasie und mit ganz viel Liebe gemacht. Vielleicht sollten sich die ganzen Schweighöfers und Schweigers hierzulande mal ein Beispiel daran nehmen und nicht die Standard-Schmonzetten-Kost immer wieder von neuem auflegen. Kitsch gehört eben nicht zwangsläufig in romantische Filme und chaotische Handlungen sind nicht nötig, wenn einen die Charaktere interessieren. Vielleicht ist es ja oft die Liebe zum Detail, die den französischen Film so viel populärer macht als den deutschen. Dass natürlich nicht alles aus Frankreich auch wieder gut ist, hat in den letzten Jahren Gérard Depardieu eindrucksvoll bewiesen (Diamant 13, 36, Babylon A.D.). Trotzdem, Amélie ist großartig und uneingeschränkt weiterzuemphelen.

Regie: Jean-Pierre Jeunet (Alien – Die Wiedergeburt, Mathilde, Die Stadt der verlorenen Kinder)

Schauspieler: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Jamel Debbouze

Bewertung: 

Zwei glorreiche Halunken (1966)

Wer im englischen Raum nach „Two glorious rascals“ oder Ähnlichem sucht, wird schnell festellen, dass darunter nichts zu finden ist. Vielleicht der eine oder andere Querverweis auf ‚Die kleinen Strolche‘, ansonsten muss man schon wissen, wie dieser Film eben im Englischen heißt. Undzwar ‚The Good, the Bad and the Ugly‘, bzw. im Original ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘. Zugegebenermaßen klingt ‚Zwei glrorreiche Halunken‘ besser als ‚Der Gute, der Schlechte und der Häßliche‘, oder wenigstens ein wenig epischer und dreckiger. Nichtsdestotrotz muss man zugeben, dass der Badass-Faktor des englischen und italienischen Titels deutlich höher ausfällt als für uns Deutsch sprechendes Volk. Und eigentlich wäre sowas egal, jedoch handelt es sich hier um einen der besten Western, die je gedreht wurden und da muss man wissen, was Sache ist. Sergio Leones Film steht bei imdb seit jeher ganz weit oben und hält trotz seines Alters die Frodos, Batmans und Luke Skywalkers in Schach. Und bei Quentin Tarantino steht der Streifen seit Jahren auf Platz 1 seiner Charts. Aber kann so ein Film, der bald ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, noch aktuell sein? Und ob!

Grundlegend kann man sagen, dass es um drei Typen geht, die einen Goldschatz suchen. Der befindet sich irgendwo in den Weiten des Westens und ist in irgendeinem Grab versteckt. Was den guten Blonden (Clint Eastwood), den häßlichen Tuco (Eli Wallach) und den bösen Sentenza (Lee Van Cleef) verbindet, ist, dass sie allesamt nach Geld streben und damit ganz klar Antihelden sind. Es ist eben wenig Platz für Ideale und Prinzipien, wenn man in einer rauen Gegend über die Runden kommen will. So ist der böse Sentenza ein skrupelloser Kopfgeldjäger, der über Leichen geht. Da ist es egal, ob er einen blutjungen Burschen über den Haufen schießen muss oder geradewegs seinen Auftraggeber umbringt. Zeitgleich verdingen sich Blondie und Tuco ihren Lebensunterhalt damit, dass der Gute in diversen Städten das Kopfgeld für den Häßlichen kassiert, um diesen dann bei dessen Hinrichtungen zu befreien. Doch zwischen den beiden herrscht keine Freundschaft und so löst sich die symbiotische Partnerschaft kurzerhand auf, sodass Tuco alleine in der Wüste zurückbleibt und auf Rache sinnt. Dass dieser, obwohl er der lustige Charakter in dem Film ist, kein Mitgefühl besitzt, wird dadurch gezeigt, dass er den Blonden in einer Art Todesmarsch zu einem qualvollen Tod geleiten will. Doch wie der Zufall so spielt, erfahren sie von dem versteckten Goldschatz und sind, zumindest für eine gewisse Zeit, aufeinander angewiesen. Nebenher geraten sie in die Wirren des Bürgerkrieges und der Film entwickelt sich in der zweiten Hälfte gar zu einem Antikriegsfilm.

Die Handlung ist relativ simpel, auch wenn rückblickend viel passiert. Das liegt daran, dass der Film ein sehr gemächliches Erzähltempo hat und öfter von dialogfreien Passagen dominiert wird. In den 161 Minuten wird man als Zuschauer öfter in der kargen Gesellschaft allein gelassen. Zwar kann man Tuco als Labertasche bezeichnen, aber umso weniger redet der Blonde. Sowieso ist das nicht sein richtiger Name und wir erfahren eigentlich nichts über den Menschen, was ihm eine gewisse Coolness und Abgebrühtheit verleiht. Sentenza taucht eigentlich nur am Anfang, in der Mitte und am Ende auf und ist ansonsten fast nicht im Film zu sehen. Das erklärt insofern auch die Wahl des deutschen Titels, denn Clint Eastwood und Eli Wallach haben mit Abstand am meisten Screentime. Schließlich ist es Tuco, dessen Bruder wir kurz kennenlernen und der als einziger ein wenig mehr von sich preisgibt. Doch schnell geht es weiter und man merkt, dass Familie und Freundschaft nichts zählen.

Satirisch wird es dann vor allem in Szenen zum Ende hin, in denen der Blonde und Tuco zur Armee gelangen und so hautnah die Wirren des Bürgerkriegs vorgezeigt bekommen. Es bekriegen sich beide Seiten monatelang um eine Brücke. So rennen pünktlich tagtäglich Männer aufeinander ein und bringen sich gegenseitig um, um kurz darauf auf einer Bare oder in einem Sarg wieder zurückgebracht zu werden. Der ernste Tenor bleibt und erreicht hier ein Stück Sozialkritik, was man dem Film hoch anrechnen kann. Zumal man gerade Western als ein eher oberflächliches Genre betrachtet, schließlich haben obercoole harte Männer auf Pferden mit Schießeisen keine Zeit, eine politische Meinung zu haben. Die Unmenschlichkeit, die so ein Krieg mit sich bringt, wird dann an einem einzelnen jungen Soldaten verdeutlicht, der im Sterben liegt und der von seinen Leuten zum Krepieren zurückgelassen wurde. Das ist ein Moment, in dem Sergio Leone die Fesseln des Western-Settings aufbricht und glasklar vorführt, dass Krieg scheiße ist, egal auf welcher Seite man steht.

Das Finale ist dann schließlich eine minimalistische, aber gerade auch deswegen sehr erinnernswerte Szene. Da sprechen die Protagonisten fast nur noch mit den Augen. Und am Ende wird man dann doch, trotz der ganzen schlechten Dinge und der menschlichen Abgründe, mit einem Lächeln aus dem Film entlassen. Für mich ist ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ ein runder Film. Es gibt keine zufälligen und unausgereiften Stellen, in denen man das Gefühl bekommt, hier wäre Sergio Leone nichts eingefallen. Und meiner Meinung ist es die Stärke des Films, nicht alles zu zeigen. Damit meine ich, dass man sich als Zuschauer das eine oder andere dazudenken muss, gerade weil beispielsweise Sentenza eher nicht so oft auftritt und dann plötzlich in militärischer Funktion auftaucht. Wer generell Western mag, wird viel Freude hieran haben. Und auch wenn man sonst nicht so auf Cowboys steht, sollte man Sergio Leone die Chance geben, einen vom Gegenteil zu überzeugen. Meiner Meinung nach ist nämlich ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ herausragend und eine ganze Spur unterhaltsamer als Leones ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘. Dass der Soundtrack von Ennio Morricone großartig ist, sollte spätestens dann klar sein, wenn man die Musik kennt, ohne je den Film gesehen zu haben.

Und selten sieht man so eine coole Sau wie Clint Eastwood. Das Bild von ihm mit Zigarre und Poncho ist so ikonisch und lässig, dass man den Eindruck nicht los wird, dass er bereits mit Stoppelbart und Revolver am Mann zur Welt gekommen sein muss. Dabei ist ‚Zwei glorreiche Halunken‘ inhaltlich das Prequel zu ‚Für ein handvoll Dollar‘ (1964) und ‚Für ein paar Dollar mehr‘ (1965) und schließt die Dollar-Trilogie ab. Damit tritt Clint den Filmreihen um Frodo, Bruce und Neo aber sowas von dermaßen in den Arsch, dass die freiwillig bei imdb ein paar Plätze unter ihm bleiben.

 

Regie: Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod, Für eine handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr, Es war einmal in Amerika, Mein Name ist Nobody)

Schauspieler: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach

Bewertung: 

Donnie Darko (2001)

Donnie Darko ist ein Indiefilm von 2001 mit gerade einmal einem Budget in Höhe von 6 Millionen $. Nichtsdestotrotz ist man durchaus verdutzt über die ganzen Schauspieler, die man alle kennt, u.a. die noch sehr jungen Jake und Maggie Gyllenhaal, Crazy Swayze, Drew Berrymore sowie den einen Typen aus Emergency Room (Noah Wyle). Sogar Seth Rogan erblickt man nach näherem Hinsehen. Ein großer Erfolg war der Film anfangs jedoch nicht, was nicht zuletzt auch an der Nähe zu 9/11 lag. Schließlich spielt ein abstürzendes Flugzeug bzw. ein Teil davon im Film eine Rolle. Das führte dazu, dass sich Regisseur Richard Kelly erst im Nachhinein durch die zunehmenden DVD-Verkäufe die Lizenzen an bestimmten Musiktiteln sichern konnte, was 2004 wiederum zu einem Director’s Cut führte, welcher 133 anstatt 113 Minuten dauert. So ist Donnie Darko, ähnlich wie auch Fight Club, erst nachträglich zu einem kommerziellen Erfolg geworden. Inzwischen ist der Film Kult und genießt eine treue Schar von Anhängern.

Jake Gyllenhal spielt Donnie Darko, einen verstörten und psychisch labilen Jungen, der in einer kleinen Stadt in Virginia lebt. Die Handlung findet im Verlauf des Oktobers 1988 statt. Donnie haluziniert und schlafwandelt und bekommt dabei von dem Hasen Frank die Botschaft mitgeteilt, dass die Welt innerhalb der nächsten 28 Tage untergehen wird. Gleich zu beginn stürzt eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und genau auf Donnies Bett, der zu dem Zeitpunkt auf einem Golfplatz schlafwandelt und deswegen das Unglück unbeschadet übersteht. Von diesem Ereignis aus erleben wir chronologische Geschehnisse aus dem Alltag des Jungen. So schildert er beispielsweise seiner Therapeutin die Begegnungen mit seinem imaginären Freund, der ihn dazu veranlasst, seine Schule unter Wasser zu setzen. Frank ist es auch, der Donnie dazu bringt, über Zeitreisen zu forschen. Nebenher sieht man, dass der Junge eine eher schwierige Beziehung zu seiner Familie unterhält. Trotz seiner psychischen Probleme freundet er sich mit Gretchen Ross (Jena Malone) an, die für den weiteren Verlauf keine unwichtige Rolle spielt.

Es fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, den Film zusammenzufassen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise Interpretationsspielraum lässt und dass unglaublich viele Charaktere daran beteiligt sind. Drew Berrymore spielt zum Beispiel eine eigentlich unwichtige Lehrerin, doch praktisch alle Personen werden zum Schluss zusammengeführt und spielen eben doch irgendwie wieder eine Rolle. Die Geschichte bewegt sich dabei zwischen Science-Fiction und Drama und gerade, wo man denkt, zu wissen, worauf es hinausläuft, entlässt der Film einen mit einem Ende, mit dem so garantiert nicht gerechnet hätte.

Besonders Jake Gyllenhal, der vielen leider nur als Prinz aus Persien oder schwuler Cowboy bekannt sein könnte, ist großartig. Er hat so eine Art, bei der man nicht weiß, ob er gleich etwas ziemlich Cooles sagt oder aus seiner Psychose heraus ein Haus anzündet. Damit ist er ein Antiheld, der undurchschaubar und zugleich nie so wirklich sympathisch ist. Was sich am Ende dann wieder ändert. Doch damit ist dann auch schon wieder womöglich zu viel gesagt.

Im Film gibt es dann den einen oder anderen ungemein miesen Charakter, allen voran der aalglatte Jim Cunningham (Patrick Swayze), der als Guru den Leuten irgendeinen Blödsinn über das Leben andreht. Hier gefällt dann Donnie Darko als Typ, der sich nicht anpassen kann oder will und den Leuten eben ins Gesicht sagt, was er denkt und sie so entblößt. Damit eckt er an und entfremdet sich zunehmend von der Gesellschaft. Es bleibt auch die andauernde Befürchtung, dass Donnie nur ein geisteskranker Spinner ist. Der Film spielt hier ein wenig mit den Erwartungen und Vorstellungen des Zuschauers, der sich darauf verlässt, dass immer alles so ist wie gezeigt. Dadurch lädt das Finale zum Nachdenken, Interpretieren und Diskutieren ein. Man kann sich zudem nicht sicher sein, ob Donnie haluziniert oder nicht, was das Gesehene noch ein wenig mehr verschleiert.

Donnie Darko ist ein düsterer, ruhiger und intelligenter Film. Erst zum Schluss wird ein wenig Fahrt aufgenommen. Es gibt zudem dezent eingesetzte Special Effects (was natürlich auch eine Budgetfrage ist), doch besonders aufgeregt und actionreich ist die Geschichte nie. Das braucht sie auch nicht zu sein, denn hier geht es ganz klar um eine unheimlich innovative und beeindruckende Handlung, die man mit eher wenigen anderen Filmen vergleichen kann. Am ehesten ähnelt der Film womöglich Take Shelter, Moon, K-Pax und Another Earth, da man auch dort mit einem Hauptcharakter alleingelassen wird, der irgendwo zwischen Melancholie und Wahnsinn schwebt. Alle diese Filme leben von der Ungewissheit und bieten ziemlich geile Enden.

Auf Wikipedia ist eine Deutung des Regisseurs zu finden, die man sich tunlichst erst geben sollte, wenn man auch den Film gesehen hat. Mich persönlich hat Donnie Darko jedenfalls dermaßen umgehauen wie es sonst kein bombastisches Hollywood-Spektakel in 3D und mit 300 Millionen $ Budget schafft.

PS: Das Sequel von 2009 hat mit Richard Kelly oder Jake Gyllenhal nichts zu tun, kam direkt auf DVD raus, stinkt und sollte tunlichst vermieden werden.

Regie: Richard Kelly (Southland Tales, The Box)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Maggie Gyllenhal, James Duval, Patrick Swayze, Jena Malone

Bewertung: 

RocknRolla (2008)

Ein krimineller Immobilien-Hai mit seinem Assistenen, ein reicher russischer Investor, eine geldgeile Buchhalterin und ihr schwuler Scheinehemann, eine Bande von drei Kleinkriminellen, der cracksüchtige Sohn des Immobilien-Hais, der früher Rockstar war, seine beiden ehemaligen Manager, zwei russische Söldner und ein Gemälde. Richtig, es handelt sich um einen Film von Guy Ritchie!

Archy (Mark Strong) ist der Assistent von Lenny (Tom Wilkinson), welcher die Immobilien Londons fest in seiner Hand hat. Aus Archys Sicht erleben wir, wie der reiche Russe Uri (Karel Roden) über Lenny in der britischen Hauptstadt bauen will. Uris Buchhalterin Stella (Thandie Newton) soll dafür Geld am Fiskus vorbei in Lennys Taschen schmuggeln. Diese möchte jedoch auch was vom Kuchen abhaben, weswegen sie die Kleinganoven One Two (Gerard Butler) und Mumbles (Irdis Elba) beauftragt, das Geld zu entwenden. Währenddessen steht One Twos bester Kumpel Bob (Tom Hardy) kurz vor seinem fünfjährigen Haftantritt. Außerdem hat Uri sein Lieblingsgemälde Lenny zur Aufbewährung gegeben, da es dem bevorstehenden Deal Glück bringen soll. Dieses wird jedoch von Lennys Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell) entwendet. Johnny ist ehemals Rockstar gewesen und hat, um seiner Cracksucht nachzugehen, seinen eigenen Tod vorgetäuscht. So beauftragt Archy, die beiden ehemaligen Manager von Johnny, Roman (Jeremy Piven) und Mickey (Ludacris), diesen mitsamt dem Gemälde zu finden.

Puh, erstmal durchatmen. Wie bei fast allen Filmen von Guy Ritchie (mit Ausnahme der Sherlock Holmes-Verfilmungen) hat er auch das Drehbuch geschrieben, welches reichlich komplex ausfällt. Das liegt vor allem an der großen Anzahl der Protagonisten, die teilweise in lose aneinandergereihten Szenen miteinander interagieren. Und genau wie bei Snatch, Bube Dame König grAs und Revolver spielt sich die Geschichte in der Londoner Unterwelt ab. Dabei gibt es keinen richtigen Hauptcharakter. Wir hören zwar Archy als Erzähler, ein Übergewicht an Screen-Time hat er jedoch nicht. Beeindruckend ist die Verflechtung aller Personen miteinander, die im Grunde logisch ist, jedoch auch ein Maß an Konzentration abverlangt. Ein flüchtiges Nebenherschauen, während man gerade eine SMS schreibt oder Facebook checkt, ist nicht ratsam und wird im fortgeschrittenen Verlauf zu reichlich Orientierungslosigkeit führen. Auch weil man sich nicht nur an Gerard Butler orientieren kann, um alles zu verstehen. So begegnet dieser zum Beispiel niemals dem russischen Investor Uri, beklaut ihn jedoch und beide verbringen relativ viel Zeit mit Stella.

Wer am Ball bleibt, erlebt ein ziemlich stimulierendes Filmerlebnis mit bösen Buben, die so cool wie skurril sind. Der RocknRolla selbst ist ein Junkie, der ständig monologisierend über das Leben schwadroniert. Hierin liegt meiner Meinung nach der Punkt, warum der Film nicht so gut wie Ritchies Vorgängerfilme aufgenommen wurde. Johnny Quid erschien mir als lustiger und zum Ende hin auch überraschender Charakter, der einem aber auch durchaus auf die Nerven gehen kann. Das muss man dann für sich selbst entscheiden.

Überhaupt ist die Riege an Schauspielern überragend. Ich mag Mark Strong, weil er mit seiner Art den stereotypen aalglatten Gangster verkörpert. Tom Wilkinson ist der perfekte böse alte Mann. Und Gerard Butler ist halt eben Gerard Butler – ein einfacher Typ, ob hier oder in 300. Natürlich ist RocknRolla kein Film, der besondere schauspielerische Leistung erfordert. Es ist vielmehr das englische Gangster-Flair, das alles beisammen hält und die auf Guy Ritchie-Art zusammengeschnittene Handlung, in der unversehens eingestreute Rückblenden gerne mal Komik erzeugen.

So ist RocknRolla einer meiner Lieblingsfilme. Einfach nur, weil ich vom Anfang bis zum Ende Spaß habe. Vor allem wegen der Atmosphäre und den ganzen Leuten, die trotz ihrer großen Zahl nie wirklich den Rahmen des Verstehens sprengen und weil durch die vielen Szenenwechsel ein hohes Tempo gegangen wird. Es gibt keinen Leerlauf, obwohl Action rar gesät ist und es viele Dialoge gibt. Das Ende knüpft viele lose Fäden dann nochmal zusammen und lässt ein anfangs irgendwie unwichtiges Plotdetail plötzlich zum zentralen Element aller Personen werden. Dann stellt sich das befriedigende Gefühl ein, für die Aufmerksamkeit, die man dem Film entgegengebracht hat, belohnt worden zu sein. Doch dafür muss man eben zwei Stunden seiner Zeit opfern und sich von jeglicher Ablenkung loslösen. So versteht sich eben auch, dass jemand, der eher desinteressiert an diesen Streifen geht, am Ende völlig überfordert oder orientierungslos im Wald voll von Nebenhandlungen steht. Wer also sowieso gerne Filme schaut oder Guy Ritchie mag, dürfte eine gute Zeit haben, auch wenn Snatch mehr Absurditäten und mehr Humor bietet.

RocknRolla ist übrigens als Trilogie angelegt und laut Guy Ritchie gibt es wohl bereits ein Skript für Teil 2. Hoffen wir alle das Beste. Zumindest wären Fortsetzungen hiervon allemal besser als der nächste Teil einer gewissen Vampirsaga…

Regie: Guy Ritchie (Snatch, Bube Dame König grAs, Revolver, Sherlock Holmes I + II)

Schauspieler: Gerard Butler, Mark Strong, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Idris Elba, Tom Hardy, Ludacris, Karel Roden

Bewertung: 

Cheyenne – This Must Be the Place (2011)

Sean Penn spielt Cheyenne, einen alternden ehemaligen Rockstar, der zurückgezogen irgendwo in Irland sein Dasein fristet. Er führt ein ruhiges Leben mit seiner Ehefrau Jane (Frances McDormand) voll von Melancholie und Tristess. Cheyenne selbst ist gezeichnet von seinem früheren Leben. Einerseits versucht er noch immer den Tod zweier Fans seiner Musik zu verdauen, andererseits merkt man ihm seinen früheren exzessiven Drogenkonsum an. Er bewegt sich langsam und spricht meistens eher bedächtig. Aus purer Langeweile handelt er mit Aktien und macht sonst eigentlich nicht allzu viel. Trotz dieser Lebensumstände schminkt sich Cheyenne immer noch tagtäglich und behält ein gewisses Outfit bei, welches seinem ehemaligen Musikerleben entspricht.

Eines Tages erfährt er, dass sein in New York lebender jüdischer Vater, zu dem er drei Jahrzehnte lang keinen Kontakt hatte, gerade stirbt. Da Cheyenne Angst vor dem Fliegen hat, nimmt er das nächste Schiff und kommt dadurch zu spät. Aus den Tagebüchern seines alten Herren und durch seinen Cousin erfährt er, dass dieser sein Leben lang den Deutschen gesucht hat, der ihn im KZ in Auschwitz gepeinigt und gedemütigt hat. So macht sich Cheyenne auf einen Roadtrip durch die USA, um die Lebensaufgabe seines Vaters zu Ende zu bringen.

Man muss wissen, dass dies ein langsamer zweistündiger Film ist. Es gibt sehr viele ruhige Bilder und teilweise sehr statischen Dialog. Das liegt vor allem an Cheyenne selbst, der langsam und mit hoher Stimme spricht und nur ein einziges Mal aus sich selbst herauskommt. Bewegen tut er sich bedächtig. Sowieso ist Cheyennes Erscheinungsbild teilweise so absurd und skurril, dass es schon wieder lustig ist. Wenn er beispielsweise irgendwo in einer amerikanischen Kleinstadt in einem Wohnzimmer neben einer alten Lady hockt, überall Plüschfiguren im Raum und alles auf süß und gemütlich gemacht, dann wirkt er wie ein Alien. Und das ist es, was den Film in erster Linie auszeichnet. Nirgends wirkt Cheyenne beheimatet und trotzdem muss er überall durch. Sean Penn spielt meiner Meinung nach überragend.

Der Film deckt rein thematisch eine große Menge an Dingen ab. Einerseits geht es um den Popstar, der seines Lebens schon lange überdrüssig ist und nicht mit seinem Leben klarkommt. Getragen wird alles vom Rachethema. Doch auch hier wird es wieder problematisch, weil Cheyenne mit der Reise gleichzeitig in gewisser Weise die Beziehung zu seinem Vater aufarbeitet. So läuft die Suche zum Ende hin auf die moralische Frage hinaus, ob das alles überhaupt in Ordnung hinaus, was er da macht. Was micht am meisten verwundert hat, ist, dass This Must Be the Place doch eher eine Art Krimi ist, weil der gesuchte Nazi gar nicht mal so leicht zu finden ist. Ich musste auch nach zwei Dritteln kurz Pause machen und über das Gesehene nachdenken. Es ergbit jedoch alles Sinn und so hangelt sich eben Cheyenne von Hinweis zu Hinweis. Das, woran er sich da orientierte, war mir zuerst gar nicht so bewusst, doch die Auflösung, die sich zum Schluss ergab, empfand ich als äußerst befridiegend und nachvollziehbar. Erst mit der letzten Szene wird deutlich, dass Cheyenne dank dieser ganzen Reise erst richtig erwachsen wird und sich von den Fesseln seiner Vergangenheit löst, die ihn zu einem melancholischen Emo haben verkommen lassen.

Der Film klärt nicht alles auf und lässt so Raum für Interpretationen. Das muss nicht jedem Gefallen, aber so empfand ich das Ende nicht aufgedrückt. Manchmal muss eben nicht jeder Faden, der am Anfang gesponnen wurde, auch bis zum Ende verfolgt werden. So ist mir dieser Charakter namens Cheyenne, der erst völlig merkwürdig und deplatziert erscheint, als ein tiefgründiger und intelligenter Mensch ans Herz gewachsen. Einerseits weil Sean Penn so gut in der Rolle ist, andererseits weil er keine Diva ist, sondern einfach nur ein Kerl, der sich halt eben schminkt, weil er das so gewohnt ist und Probleme hat, sich das abzugewöhnen.  So ist Cheyenne eben ein totaler Antiheld, ähnlich einer Lisbeth Salander. Defnitiv ist das hier eines der ungewöhnlichsten Road-Movies da draußen, welches mir aber große Freude bereitet hat. Man muss auf große Spannung verzichten, denn der Film lebt von seinem zentralen Charakter. Der Trailer vermittelt ein gutes Bild für Unentschlossene.

Regie: Paolo Sorrentino (Il Divo, The Consequences of Love, The Family Friend)

Schauspieler: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch

Bewertung: 

Full Metal Jacket (1987)

Full Metal Jacket heißt übersetzt Vollmantelgeschoss. Dieses ist im Grunde einfach nur eine Patrone für Waffen (bis zu 20 mm Durchmesser) und besteht aus einer harten Hülle (Kupfer, Messing, Stahl) mit einem weicheren Kern (Blei). Vollmantelgeschosse werden wohl größtenteils nur militärisch benutzt, an dieser Stelle würde ich gerne einfach mal Wikipedia zitieren:

Der Mantel schützt den Lauf von Büchsen vor dem Abrieb des weicheren Bleies und verhindert außerdem eine Verformung oder gar ein Zersplittern des Bleikerns beim Auftreffen auf ein weiches Ziel wie einen Menschen- oder Tierkörper.

Das klingt schon ein wenig gruselig, zumal es rund ums Thema Waffen eine richtige Wissenschaft gibt (hier gibts noch ein wenig eingehender um Patronen). Soviel zumindest schon mal zum Titel von Stanley Kubricks zweistündigem Antikriegsfilm. Full Metal Jacket gliedert sich in zwei Kapitel, deren Held Private Joker (Matthew Modine) ist. Im ersten Abschnitt erleben wir die Ausbildung angehender Marines unter dem sadistischen Sergeant Hartman (Ronald Lee Ermey), im zweiten begleiten wir Joker in Vietnam.

Nachdem alle jungen Männer rasiert sind, beginnt ihr Werdegang zum Soldaten. Gleich von Beginn an werden sie erniedrigt und angeschrien, wobei jeder Satz von Hartman einfach nur einprägsam ist. Er hat im Film auch nicht ein Wort an Dialog, das nicht gebrüllt wird. So thematisiert der erste Abschnitt die Brutalität und Kälte, mit der die eigentlich noch viel zu jungen Männer konfrontiert werden. Besonders der etwas zurückgebliebene Rekrut Leonard Lawrence (Private Paula im Deutschen, Private Gomer Pyle im Englischen) kommt nicht mit und wird so Opfer von Hartmann und damit auch zum Gemobbten der gesamten Kompanie.

Der längere zweite Teil zeigt, wie Joker in Vietnam auf seinen ersten „richtigen“ Einsatz muss. Dabei ist er selber eigentlich nur als Kriegsberichterstatter tätig, brennt allerdings in seinem jugendlichen Leichtmut darauf, endlich mal jemanden umzubringen.

Private Joker: I wanted to see exotic Vietnam… the crown jewel of Southeast Asia. I wanted to meet interesting and stimulating people of an ancient culture… and kill them. I wanted to be the first kid on my block to get a confirmed kill!

Hier entlädt sich dann im Grunde alles, was den Krieg ausmacht, auf den jungen Mann und seine Kameraden. Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Ausbildung niemals genug Vorbereitung für den wahren Schrecken von Vietnam ist. Beeindruckend ist vor allem das Ende, in dem amerikanische Soldaten vor einer zerstörten Stadt entlanglaufen und dabei den Mickey-Mouse-Club-Song singen. Das spiegelt irgendwo wieder, wie sie doch alle nur Kinder sind, die jetzt, wo sie wissen was Krieg ist, nicht mehr so richtig Soldaten sein wollen.

Full Metal Jacket bietet viel Raum für Interpretation, was meine Kompetenzen jedoch übersteigt. Wikipedia bietet hier ein paar sehr überzeugende Ansichten. Für mich herausstechend war vor allem die Tatsache, dass Joker in Vietnam einen Button mit Friedensmotiv trägt, dabei zeitgleich „Born to Kill“ auf seinem Helm zu stehen hat. Alleine das ist schon ziemlich absurd und macht den Krieg in gewisser Weise lächerlich.

Ansonsten ist das ein wunderbarer und intelligenter Film, der die Sinnlosigkeit des Krieges und der Soldatenausbildung darstellt. Es wird vollkommen auf Patriotismus verzichtet und der einzelne Mensch, der im Grunde nur eine dumme Marionette ist, als Teil der Tötungsmaschinerie in den Vordergrund gestellt. Die Marines selber scheinen keine Ahnung zu haben, warum sie da gerade Krieg führen. In einer Szene ballert ein amerikanischer Soldat wahllos aus einem Helikopter heraus auf rennende Zivilisten und lacht auch noch drüber, schließlich erhöht er ja damit seinen Kill-Count.

Full Metal Jacket ist herausragend, wenn auch nie so wirklich spannend, schließlich gibt es keinen klassischen Handlungsbogen, was auch der Gliederung geschuldet ist. Es sind vielmehr die einzelnen Dialoge und Einsichten, die man erhält, die einen fässeln und schockieren, wohlwissend, dass der Film sich mit Sicherheit nicht weit weg von der Realität befindet. Der Soldat James Ryan hat beispielsweise eine bombastische Anfangssequenz, die in gewisser Weise auch schonungslos den verletzbaren menschlichen Körper darstellt. Full Metal Jacket ist leiser und wird so zugleich auch persönlicher oder auch subtiler. Ich habe mich jedenfalls nirgends gelangweilt, denn die Protagonisten waren mir nicht gleichgültig.

Während Kubricks Dr. Seltsam eine humoristische Karikatur eines möglichen atomaren Weltkriegs aus der Sicht der Mächtigen zeigt, geht es in Full Metal Jacket um die einzelne Person, die im Grunde an keiner Stelle irgendetwas zu lachen hat und die ohne persönlichen Grund in die Schlacht muss, weswegen man sie erst wie einen Hund abrichtet. Diejenigen, die den Krieg beschließen, sind nicht diejenigen, die in den Kampf ziehen. Beide sind auf ihre eigene Art und Weise sehr unterschiedliche Filme, die beweisen, dass Stanley Kubrick einer der wichigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts ist.

Regie: Stanley Kubrick (A Clockwork Orange, 2001, Shining)

Schauspieler: Matthew Modine, Vincent D’Onoforio, Ronald Lee Ermey, Adam Baldwin (nicht mit den Baldwin-Brüdern verwandt)

Bewertung:  

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Take Shelter (2011)

Curtis (Michael Shannon) ist Bauarbeiter und verheiratet mit Samantha (Jessica Chastain).  Zusammen mit ihrer gehörlosen Tochter führen sie ein kleinbürgerliches Leben irgendwo in Ohio. Mit der Zeit jedoch hat Curtis zunehmend Visionen von einem Sturm, der über sie hereinbricht. Seine Halluzinationen werden immer stärker und er träumt von seinen Mitmenschen, die ihn angreifen, verletzen und ihm seine Tochter wegnehmen. Schließlich beschließt Curtis, den Keller in seinem Garten zu einem richtigen Schutzraum auszubauen, was jedoch weder billig ist noch mit Verständnis von seiner Frau aufgenommen wird.

Im Grunde geht es den gesamten Film darum, ob Curtis schizophren ist oder nicht. Seine eigene Mutter hat die Krankheit und er selber fürchtet sich davor. Vor allem treibt ihn die Angst, seine Familie zu verlieren während er sich auf seine eigene Wahrnehmung nicht mehr verlassen kann. So sieht man während der zweistündigen Laufzeit oft Traumsequenzen, die die Sorgen und Ängste Curtis‘ thematisieren und ihn verstört zurücklassen. Gleichzeitig ergeben sich finanzielle als auch soziale Probleme. So distanziert sich Curtis nicht nur von seinem eigenen Hund und seinem Bruder, sondern auch von seinem langjährigen Freund und Arbeitskollegen. Im Grunde halten ihn die Leute für verrückt. All die Ängste und Befürchtungen stauen sich in ihm an und müssen sich wohl oder übel irgenwann entladen.

Es ist schwierig, mehr zu erzählen, denn wirklich viel passiert nicht. Wir verfolgen die gesamte Zeit den Verfall von Curtis, der wirklich herausragend von Michael Shannon gespielt wird. Die einzelnen Szenen, in denen er eine riesige Wolkenfront vor sich aufziehen sieht und die bevorstehende Apokalypse vermutet, sehen echt beeindruckend aus. Darüber hinaus ist er ein stiller Charakter und eher verschlossen. Erst mit einer Beraterin öffnet er sich zum ersten mal und schildert seine Befürchtung, selbst geistig verwirrt zu sein. Später erst ist er gezwungen, seiner Frau von seiner Lage zu erzählen, denn anders könnte er den Bunker draußen im Garten auch nicht erklären.

Im Grunde kann man die Szenen, in denen Curtis träumt, erst nicht von der Normalität unterscheiden, bis sich dann oft Extreme hineinmischen, die teilweise ziemlich verstörend sind, beispielsweise wenn ihm seine eigene Tochter von Fremden aus dem Auto entführt wird und er nichts dagegen unternehmen kann. Zeitweise erinnerte mich Take Shelter in all seiner Stille und Ruhe sehr stark an Signs – Zeichen von M. Night Shyamalan, nur eben ohne die ganzen Aliens. Dort ging es auch um eine Familie, die auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird.

Das Finale ist dann eine Art Psychospiel, das ich auf subtile Weise fesselnd fand. Es explodiert nichts, niemand schießt oder dergleichen, aber man wartet gespannt auf die Auflösung. Die fand ich dann ziemlich gelungen und dem Film entsprechend. Dass Take Shelter in keiner Weise auch nur irgendwie für einen Oskar berücksichtigt war, finde ich ziemlich lausig. Dafür dann lieber einen Gaul von Steven Spielberg? Zumindest Michael Shannon hätte hier eine Nominierung als bester Hauptdarsteller mehr als verdient gehabt. Wie dem auch sei, ich lege dieses wunderbare Drama jedem ans Herz.

Regie: Jeff Nichols (Shotgun Stories, Mud)

Schauspieler: Michael Shannon, Jessica Chastain

Bewertung:  

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Another Earth (2011)

Wie viel Geld braucht man heutzutage, um einen (guten) Film zu machen? Da gibt es Leute, die brauchen schon ihre „Milliönchen“. Der dritte Fluch der Karibik führt aktuell die Tabelle mit 300 000 000 $ an und lustigerweise befindet sich gleich dahinter Rapunzel (ja, dieser animierte Märchenfilm aus dem Jahre 2010) mit 260 000 000 $ an Produktionskosten. Inflationsbereinigt schaut das noch ein wenig anders aus, denn dann führt der Film Cleopatra, der 20th Century Fox fast in den Ruin getrieben hätte. Another Earth dahingegen ist ein Indie-Film für unter 100 000 $. Die Hauptdarstellerin hat das Skript zusammen mit dem Regisseur geschrieben, beide haben mitproduziert und das gesamte Editing hat Mike Cahill am eigenen Rechner gemacht. Dazu gibt es hier ein nicht uninteressantes Interview mit ihm.

In Another Earth geht es um die angehende und überaus intelligente Studentin Rhoda (Brit Marling). Sie zelebriert die Annahme am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und fährt des Nachts im Rausch nach Hause. Zeitgleich kann man zum ersten Mal am Himmel einen neuen Planeten sehen: die zweite Erde. Dadurch wird sie abgelenkt und rammt ein anderes Auto, in dem sich John (William Mapother) misamt Frau und Kind befindet. Nur Rhoda und John überleben den Unfall und sie muss anschließend für 4 Jahre ins Gefängnis. Völlig verstört kommt sie nach dieser Zeit raus und begibt sich zu John, dem die Identität der Unfallverursacherin schleierhaft ist, um sich zu entschuldigen.

Der Film ist ein Drama, in dem zwei Menschen, die durch ein Ereignis vollkommen von der Gesellschaft getrennt und traumatisiert wurden, zueinander finden. Dabei schwingt immer im Hintergrund mit, dass Rhoda sich schuldig fühlt und John nichts von ihrer Vergangenheit weiß. Die zweite Erde ist dabei mehr oder weniger eher eine Randnotiz, was Another Earth nicht zu einem waschechten Sci-Fi-Film macht. Die Erden-Kopie ist mehr oder weniger der Rahmen für die Geschehnisse und stellt zum Ende hin auch eine Art Ausflucht aus der misslichen Lage der Akteure dar.

Insgesamt ist Another Earth sehr minimalistisch. Teilweise wird sehr wenig geredet, was mir persönlich jetzt aber nicht langweilig vorkam, da stets irgendwie eine Stimmung erzeugt wurde. Dabei entwickeln sich die beiden Protagonisten und steuern auf ein verdammt geiles Ende hin. Soviel sei gesagt. Natürlich bleibt der Tonus meistens traurig, denn den Tod von Johns Familie kann man im Grunde mit nichts aufwiegen. Es gibt auch nur einen Special Effekt im Film, undzwar die immer größer werdende Zweiterde am Firmament. Das sieht ziemlich nett aus und so verzichtet man auf irgendwelche abgedrehten Weltraum-Szenen oder dergleichen, die der Stoff vielleicht hergegeben hätte.

Wer dieses 90-minütige Beziehungs-Indie-Drama mit Sci-Fi-Einfluss schaut, wird sicher nicht enttäuscht werden. Zumindest wenn man auf jegliche Action und Komik verzichten kann. Es geht halt eben sehr ernst zu, vor allem wenn man Menschen auf dem Gewissen hat.  Wissenschaftler werden vermutlich innerlich sterben, denn rein physikalisch ist das Szenario mehr als fragwürdig. Ich fand Another Earth dennoch überwältigend schön. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer, dass man auch ohne viel Geld gute Filme machen kann.

Regie: Mike Cahill

Schauspieler: Brit Marling, William Mapother

Bewertung:  

John Niven: Gott bewahre (2011)

Es gibt Bücher, die sind einfach nur geil. Von der ersten bis zur letzten Seite. Aus einem Guss, nie langweilig und irgendwie überzeugend. Und das hier ist so eines. Die einzigen Menschen, die vielleicht vor den Kopf gestoßen werden, sind ganz krass-gläubige Christen und Muslime, aber ein wenig Selbst-Reflektion darf man schließlich erwarten. Doch ganz langsam. Worum gehts eigentlich in ‚Gott bewahre‘?

Gott ist angepisst. Nicht nur so ‚Fuck, mein Fußball-Team hat verloren‘-angepisst, sondern so à la ‚Fuck, ich rotte gleich die Menschheit aus‘-angepisst. Doch warum? Seine Schöpfung, wir Menschen, gefielen ihm eigentlich ganz gut. Dann entschloß er sich, mal ein wenig Urlaub zu nehmen. Einfach mal richtig gechillt Angeln gehen. Da war gerade die Renaissance angesagt. Leider vergeht die Zeit im Himmel viel viel langsamer als bei uns, und als er wiederkommt, muss er feststellen, dass er die ‚Prime-Time‘ unserer Existenz verpasst hat. Hexenverbrennung, Weltkriege, Holocaust, Atombomben, etc. Da isser not amused. Also wird beschlossen, Jesus zu uns runter zu schicken um ein bisschen Liebe und sowas zu verbreiten. Dass dieser jedoch eher kiffender Hippie als Erlöser ist, scheint ein wenig hinderlich. Gesagt, getan. Und so lebt Gottes Sohn unter uns als ein ziemlich netter Mann, bis er dazu gebracht wird, an der amerikanischen Variante von ‚Blabla sucht den Superstar‘ teilzunehmen, um Preisgeld abzusahnen und seine Botschaft unters Volk zu bringen.

Und dabei wirkt wirklich jede Idee und Wendung so herrlich unkonventionell und geistreich, dass es eine wahre Freude ist, weiterzulesen. Dem einen oder anderen mag es vielleicht etwas zu viel Sozialkritik sein, aber das störte mich nicht ein bisschen. Es geht um die Verschwendung in der modernen Konsumgesellschaft, Toleranz, Kapitalismus, Nächstenliebe und sogar um die Todesstrafe. Und welches Land ist da nicht geiler als die Vereinigten Staaten von Republikanien? So sammelt Jesus einen Tross Jünger um sich, die verschiedener nicht sein könnten. Vom HIV-infizierten Obdachlosen zur drogenabhängigen, alleinerziehenden Ex-Prostituierten. Der ‚Abschaum‘ unserer Gesellschaft kommt zu Wort und darf der herzlosen und geldgierigen Welt die Stirn bieten. Dabei entwickelt sich um die Teilnahem bei der Casting-Show eine Art Road-Trip Richtung Kalifornien. Der zweite Teil ist dann ein wenig anders und auch statischer und es spitzt sich dann in Sachen Ernsthaftigkeit und Brutalität alles zu.

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum sich keiner über dieses Buch je aufgeregt hat. Zumindest findet sich dazu nichts im Internet. Mit welcher Unverblümtheit hier teilweise die christlichen und republikanischen Denkweisen kritisiert werden. Beispielsweise erklärt Gott, dass er nichts gegen Schwule hat und wie denn die ‚dummen Kirchenmänner‘ auf die Idee kämen, es sei in Ordnung, Leute auszugrenzen. Sowas ist dann echt geil. Oft sagt Gott auch, dass er nur eine Botschaft hat: ‚Seid nett‘. Nicht mehr und nicht weniger. Doch Moses das Arschloch hätte daraus dann 10 dumme Regeln gedreht und so Auslegungen und so weiter ermöglicht. Ähnlich geht es weiter. Da wird dann der Himmel und die Hölle genauer beschrieben und wer wie bestraft wird. Auch Hitler mittendrin fehlt nicht. Natürlich lässt sich das Buch immer als ‚liberaler Schwachsinn‘ abtun, aber in sich ist alles stimmig und schlüssig. Es ist böse Kritik an dem ganzen Scheiß, den die Menschheit sich über die letzen Jahre und Jahrhunderte angehäuft hat. Und in erster Linie wird offengelegt, wie vermeintliche Christen einfach nur puren Hass und Intoleranz predigen und mit so einem Dreck dann auch noch genügend Menschen erreichen.

Dass Jesus‘ Aufenthalt hier gewisse Parallelen zum ersten Erlebnis hier vor 2000 Jahren hat, ist klar und eigentlich auch ganz cool eingeflochten. Wer die Bibel nicht kennt, sieht trotzdem diese Stellen und freut sich dann über solche Modernisierungen. Der Lesefluss ist außerdem sehr nett. Vieles wird direkt gesagt und gedacht und kommt dann auch wie ein Film rüber, dem man zuschaut. Es wirkt nicht wie ein Schauspiel und man fühlt sich, als ob man danebensteht. Damit meine ich, dass in Büchern, in denen komplexere Satzstrukturen und dergleichen verwendet werden, die Distanz zwischen Leser und Protagonisten größer ist als hier. Das ist Niven in ‚Coma‘ schon echt gut gelungen. Und hier fühle ich mich auch thematisch berührt. Es werden eben Dinge angesprochen, die niemanden kalt lassen. Großartig ist, dass in einem Abschnitt über die Todesstrafe Britney Spears zitiert wird („Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.“). Das ist intelligent, böse, satirisch und lustig. Alles zur gleichen Zeit.

‚Gott bewahre‘ ist gemein für alle Konservativen und sehr kritisch. Meiner Meinung nach ist es ein super Buch und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen. Das ist nicht die besinnlich-weihnachtliche Feel-Good-Lektüre, sondern sozialkritische Komödie!

Bewertung: 

Walter Isaacson: Steve Jobs (2011)

666! Die Zahl des Antichristen. Verderb und Qual. Höllenfeuer. Teufel! Tod! Und nebenbei auch die Seitenzahl der offiziellen Biographie von Steve „Apfelkuchen“ Jobs. Zufall? Ein Zeichen von oben? Oder von unten? Schließlich ist die Hölle ja eher unter uns lokalisiert. Und warum kommt das Teil 19 Tage nach Steves Ableben in die Handlung? Hatte da etwa einer Angst vor Konkurrzenz? Und wer ist dieser Walter Isaacson? Fragen über Fragen…

Fangen wir beim Autor an. Im deutschen Raum kannte ich Isaacson nicht, doch er schrieb bereits Biographien über Franklin, Kissinger und Einstein, also über wichtige Persönlichkeiten, die großen Einfluss auf die Welt um sie herum ausgeübt haben. Und nun gesellt sich Steve Jobs hinzu. Wer die letzten paar Wochen auf dem Mond gelebt und keinen Zugang zu Internet und anderweitigen Informationsmedien gehabt hat, dem sei gesagt, dass am 5. Oktober 2011 Steve Jobs an den Folgen seiner Krebserkrankung verstarb. Und selten hat ein Ableben eines Menschen größere Wellen geschlagen! Was wurde im Internet nicht alles darüber geschrieben. Die einen trauerten um den Verlust eines Universalgenies à la Da Vinci, die anderen zuckten mit den Schultern und gaben einen feuchten Furz darauf. Und da wird deutlich, wie polarisierend dieser Steve Jobs aus Kalifornien war. Sogar noch im Tod.

Ich persönlich habe mich nie sonderlich für ihn interessiert. Zwar habe ich ein iPhone und finde es ganz cool, aber MacBooks und dergleichen irgendwie immer abgelehnt. Man erzog mich als Jünger des Gates, jemand der ab Windows 95 jedes Microsoft-Betriebssystem (außer, dem Herr seis gedankt, Windows Me) benutzte. Ich kannte Apple-Produkte fast nur aus dem Fernsehen, als Hipster-Rechner die viel zu teuer sind. Und so richtig war Apple für mich nicht gleich Steve Jobs. iTunes mag ich bis heute nicht und finde es total doof, meine Musik fürs Handy damit verwalten zu müssen. Das war alles vor 2 Wochen, denn dann begann ich mit der Steve-Jobs-Biographie…

Oha? Wurde ich bekehrt? Bin ich ein Fan von Apple und Jobs geworden? Keineswegs! Wenn das Buch eines schafft, dann ihn als ziemliches Arschloch darzustellen. Steve Jobs war kein netter Zeitgenosse! Er verhielt sich zumindest zu den wenigsten Menschen freundlich.

Das Buch beschreibt chronologisch das Leben von Steve. Wie er als Adoptivkind und aus einfachen Verhältnissen kommend aufwächst. Seinen LSD-Konsum, einem hippiehaften Leben, Reisen nach Indien, einem abgebrochenen Studium. Schon recht früh entwickelte er ziemlich strenge und aufzehrende Essensvorschriften für sich und hielt sich fast zwanghaft daran. Man liest, wie er Steve Wozniak begegnete und sie anfingen, zusammen Geräte zu bauen. Ich gebe das jetzt sowieso alles vielleicht nicht ganz richtig wieder, aber eines soll gesagt werden: Isaacson schafft es, detailiert und eindringlich zu schildern, wie durch 2 Nerds in einer Garage das wertvollste Unternehmen auf dem Planeten Erde entsteht.

Dabei wird eines klar: ein jeder hat oder hatte schonmal irgendwas mit Steve Jobs zu tun. Das sind nicht nur die Produkte der Marke Apple, sondern in erster Linie auch Pixar, welches er zu dem Animationsstudio der vergangenen Jahre gemacht hat. Er hat über iTunes im Grunde im Alleingang die Musikindustrie aus einer ihrer schwersten Krisen geführt, mit dem iPod unser Verständnis für Musik unterwegs geprägt, die Smartphone- und Tablet-Branche massentauglich gemacht, den ersten wahren Heimcomputer mit dem Apple II mitgebaut und ganz viel Zeug designt. Hört sich jetzt an wie so eine dumme Verkaufs-Brochüre, aber verdammt, der Mann war an so verdammt vielen Sachen beteiligt. Und das obwohl er ein Arsch war.

Laut Buch hat Jobs ein Gemüt, das jeden Menschen sofort als Gott oder Missgeburt darstellt. Er war rechthaberisch, launisch, hinterging seine eigenen Freunde, erkannte seine leibliche Tocher jahrelang nicht an und übte unglaublichen Druck auf jede Person in seiner Umgebung aus. Hier ist auch das einzige, was mich hin und wieder am Buch gestört hat: Immer, wenn er auf unrealistische Weise etwas ausblendet, sprechen seine Menschen vom Realitiy Distortion Field und der Motivation dahinter. Dass das ganze aber halt auch einfach nur ein Beleg für seinen wenig sympathtischen Charakter sein könnte, wird nicht so oft erwähnt. Trotzdem bleibt er allen in Erinnerung.

Außerdem hat dieser Text jetzt 666 Worte! Der Kreis schließt sich somit und man fragt sich, mag man Steve Jobs? Er wurde mir tatsächlich sympathischer während des Lesens. Einerseits kannte ich das Ausmaß seines Schaffens noch nicht, andererseits liest man unglaublich viele persönliche Sachen und auch Gespräche heraus. Eigentlich wollte ich über das Buch schreiben und nicht über Steve Jobs, denn über ihn wurde einfach schon zu viel geschrieben. Trotzdem vermag es Walter Isaacson, unglaublich viel Information über 4 Jahrzehnte in einer geschmeidigen und wunderbaren Art und Weise zu verpacken. In dem einen oder anderen Technik-Blog wird gemeckert, dass die Biographie viel zu wenig auf die technische Seite eingeht. Aber gerade das fand ich angenehm. Ich hatte stets den Eindruck, gerade aus Versehen beim Zappen bei einer Dokumentation hängen geblieben zu sein und diese dann so spannend zu finden, dass man sie dann guckt und sich wundert, wie denn schon 2 Stunden vergangen sein können. Weil einfach auch andere Leute wie Bill Gates zu Wort kommen und man die tieferen Zusammenhänge der Computer-Branche versteht. Es wird klar, inwieweit Jobs eine Philosophie verfolgt hat und wie er stets alles kontrollieren wollte, von der Herstellung bis zum Verkauf seiner Produkte und sogar jegliche Software.

Spannung sollte keiner erwarten. Es ist kein Krimi oder Thriller, sondern die Geschichte eines Mannes, der auszog, Produkte herzustellen, die cool waren oder die er einfach cool fand. Nicht mehr und nicht weniger. Und insoweit hat es das Buch tatsächlich geschafft, dass ich, anfangs eher skeptisch, Steve Jobs als einen ganz großen Geist der letzten Generationen in Erinnerung behalte. Insofern ist dies ein super Werk und absolut emphelenswert, wenn man sowas „lesen kann“. Wer noch nie eine Biographie gelesen hat und ein Plot braucht, wird hiermit nicht unbedingt glücklich und wartet einfach auf den Film, der bald kommt (ich haße Hollywood).

Bewertung: 

28 Days Later (2002)

Im Internet gibt es alle möglichen Diskussionen, ob Zombies rennen dürfen oder nicht. Verfechter der leise dahinschlurfenden Untoten sind der Meinung, dass man das alte Konzept nicht brechen darf, dass George A. Romero einst mit ‚Night of the living Dead‚ installierte. Genauso gut könnte man Joanne K. Rowling dafür kritisieren, dass es keine Zauberer gibt oder George Lucas, dass Raumschiffe keine „Pew-pew“-Geräusche machen im Weltall und Laser nicht einfach so nach einem Meter aufhören. Sollte ein Klugscheißer ankommen und meinen, dass er die Zombies in ’28 Days Later‘ scheiße findet, weil die rennen, dann darf man ihn oder sie zurecht fragen, wo er denn Zombies gesehen hat? Denn richtige Zombies sind das nicht, sondern „Infizierte“! Die Leute sterben nicht und erstehen wieder auf. Die Infizierten können verhungern und sterben auch an normalen Wunden im Körper, nicht unbedingt nur durch Schaden am Kopf. Es dauert lediglich Sekunden von der Infektion zum Ausbruch der, wie so schön im Film beschrieben, WUT! Man hat es mit einem Virus zu tun, der einen in ein Zombie-ähnliches Wesen verwandelt, das andere zerfleischt, aber noch irgendwie ein Bewusstsein besitzt (ein bisschen zumindest), denn manchmal kotzen die Dinger Leute nur an, um sie (absichtlich) zu infizieren. Es sind also eher Kranke, was den Film ein Stück weit realistischer macht als den Rest des Zombie-Genres.

Natürlich ist auch das Krümmelkackerei und am Ende sowieso egal. Aber nehmen wir ’28 Days Later‘ doch einfach als einen Zombie-Film mit ‚modernen Zombies‘. Sie rennen, sind super wütend und beißen, töten, kotzen. Ekelig.

Beginnen tut das alles mit einer Bande Weltverbesserer, die Schimpansen in England befreien wollen, dabei jedoch eben den ollen Virus freisetzen, der sie zu Killern macht. Wir sehen, wie Jim (Cillain Murphy) im Krankenhaus aufwacht. 28 Tage nach Beginn der Katastrophe. Er ist nackt und allein. Jim zieht sich ein paar Klamotten, die dort rumliegen, an und kommt aus dem verschlossenen Zimmer, weil irgendwer unter der Tür den Schlüssel durchgeschoben hat. Schreiend schaut er sich um, doch niemand. Nichts. An einem aufgebrochenen Pepsi-Automaten bekommt er etwas zu trinken, nimmt sich ein paar Getränke in einer Tüte mit und betritt London. Dort erwartet ihn die große Leere: Ausgestorbene Straßen, Totenstille, Ungewissheit. Der Big Ben und wie die ganzen Sehenswürdigkeit auch heißen mögen, einfach niemand ist in Sicht. Jim ist völlig allein. Und man fühlt mit ihm. Der Anblick dieser Millionenmetropole ohne Menschenseele ist so grotesk wie furchteinflößend. Eine ganze Weile durchstreift er die Straßen und findet schließlich in einer Kirche eine große Ansammlung toter Menschen. Warum die dort sind oder ob sie sich selbst umgebracht haben, wer weiß? Er schreit, plötzlich recken ein paar Gestalten ihre Köpfe in seine Richtung und fangen an zu rennen. Der Priester kommt auf ihn zu, mit roten Augen und knurrend. Jim versucht auf ihn einzureden, will wissen was los ist. Im letzten Moment verprügelt er den geistlichen Infizierten mit seiner Tüte Dosen und sucht das Weite, verfolgt von rennenden Wütenden. Er bekommt Hilfe von zwei vermummten Gestalten und gelangt in Sicherheit. Fürs erste.

’28 Days Later‘ lebt stark von den erzeugten Emotionen. Das sind zumeist sehr negative, beispielsweise das verwaiste London. Hinzu noch den psychotischen Soundtrack und man hat eine Stimmung, die nur heulen zulässt. Denn wirkliche Hoffnung keimt selten auf. Wer gebissen wurde, muss sterben. Man hat nur Sekunden, bis ein angesteckter zu einem richtigen Infizierten wird. Darum gibt es nicht sowas wie in anderen Zombie-Filmen, wo einer gebissen, aber nicht umgebracht und man schon ahnen kann, was bald passieren wird. So entsteht eine kalte und raue Welt. Und zugleich ein realistisches Bild davon, was wäre, wenn der Ernstfall eintreten würde. Man merkt gleich zu Beginn, dass dies kein Film wie andere seines Genres ist.

Besonders zum grandiosen Ende hin wird deutlich, dass teilweise nicht die Infizierten die Bösen sind, sondern dass die Menschheit, selbt wenn sie vor dem Abgrund steht, immer noch in der Lage ist, sich gegenseitig Schlimmes anzutun. Das macht den Film zu einem durchdachten Abbild unserer Selbst und wie wir uns, wenn es darauf ankommt, im Stich lassen. Oder eben auch nicht. Ich will nichts spoilern, aber die letzten 20 Minuten sind wirklich wie aus einem Guss und sehr fesselnd.

Insofern ist dies kein Feel-Good-Movie. Es ist eine apokalyptische und geradezu alptraumhafte Achterbahnfahrt durch die Niederungen der Menschheit. Dazu trägt auch bei, dass die Zombies (oder halt Infizierte) rennen. Der Film wäre vollkommen anders, würden diese sich langsam bewegen. Es würde so einfach nicht funktionieren und insofern bin ich dankbar, dass dieser Stereotyp des Schleichens aufgebrochen und dadurch ein völlig neues Gefühl der akuten Bedrohung geschaffen wurde. Die einzelnen Charaktere sind nicht wirklich tiefgründig oder enorm wichtig, es wird auch nicht viel Wichtiges erzählt in den Dialogen. Aber darum geht es doch auch nicht, oder? Es geht wirklich nur ums nackte Überleben in einer Welt, in der man vielleicht doch nicht leben sollte. Es gibt in die Mitte hinein eine Szene, in der die Hauptprotagonisten einkaufen gehen und für einen kurzen Moment alles um sich herum vergessen, um einfach nur wie glückliche Kinder alles, was sie wollen, mitzunehmen. Mit dem Wissen, was sich auf den Straßen, in denen sie sich bewegen, zugetragen hat und noch immer zuträgt, ist das so eine unglaubliche Flucht aus der Realität, gleicheitig schön und grausam, denn wer weiß, was hinter der nächsten Straßenecke lauert?

Mir gefällt zudem Cillian Murphy unglaublich gut. Er wird komplett ins kalte Wasser geworfen und findet sich im worst-case-scenario wieder. Er schien mir glaubwürdig. Naomie Harris‘ Charakter gefiel mir nicht so gut, aber das sei mal dahingestellt. Ihre Beziehung zueinander wirkte im Nachhinein ein bisschen künstlich, was meinen guten Eindruck aber nicht zu trüben vermag. Jeder, der auch nur irgendwie etwas mit dem Szenario anfangen kann, sollte sich ’28 Days Later‘ anschauen. Denn der Film ist großartig. Außerdem ist das wohl der Zombie-Film, der mit Abstand am meisten Inhalt hat und auch die größte Seriösität besitzt. Man findet auf jeden Fall genügend Gesellschaftskritik darin, um ihn nicht als Splatter- oder Horrormovie abzustempeln. Was nicht heißen soll, dass darin nicht auch gemordet und mit Blut herumgespritzt wird. Jedoch finde ich, dass das hier keine Gewaltorgie ist wie manch reichlich dummer Splatterfilm (Hallo Saw 2 bis 15 & Hostel!). Also, bitte gucken.

PS: ’28 Days Later‘ ist der erste Teil einer (wer hätte das gedacht) Trilogie. Der zweite Teil ‚28 Weeks Later‚ und der wohl ab 2013 produzierte dritte Teil ’28 Months Later‘ folgen auf ihn und basieren logisch aufeinander.

Regie: Danny Boyle (Trainspotting, Slumdog Millionaire, 127 Hours)

Schauspieler: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson

Bewertung:  

Zombieland (2009)

‚Zombieland‘ ist irgendwie der amerikanische Cousin von ‚Shaun of the Dead‚. Während letzterer britisch ist, ruhig, gelassen, durchzogen von schwarzem Humor und gerne mal hin und wieder gemütlich eine Tasse Tee trinkend, ist ersterer laut und verrückt, Mitglied der NRA und trinkt öfter mal Tantrum. Alleine schon der Anti-Held Columbus (Jesse Eisenberg) mit Reizdarmsyndrom, der fast schon videospielhaft sich Regeln zum Überleben setzt. Dem die Krone aufsetzen tut jedoch Tallahassee (Woody Harrelson), der ein Waffennarr und Western-Held ist. Damit es nicht langweilig wird, gesellen sich noch die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock zur Gruppe, um einen nichtzombifizierten Ort bei L.A. ausfindig zu machen. Sowieso sind die gesamten USA am Sack und deswegen weiß die Reisegruppe auch nicht so recht, wohin. Warum dann nicht einfach in einen Vergnügungspark fahren?

Der Film ist durch und durch Komödie, über die vollen 1,5 Stunden. Hier und da blitzt ein wenig Ernst hervor, aber der ist nie wirklich wichtig. Wofür ich auch dankbar bin. Gute Zombie-Komödien sind rar gesät und neben ‚Shaun of the Dead‘  und ‚Zombieland‘ fällt mir keine halbwegs akzeptable mehr ein. Weiter zum Ende hin gibt es eine Sequenz, in der die vier Protagonisten Bill Murray begegnen und unter anderem mit ihm auch Dope rauchen. Alleine dafür kann man den Film schon lieben. Und überhaupt ist der Erzählstil, der komplett auf der Wahrnehmung von Columbus beruht, sehr schön. Als Erzähler beschreibt er nüchtern seine Regeln, wobei die Schrift irgendwie in die Umgebung eingeblendet wird, trotzdem jedoch nicht als Fremdkörper wirkt. Der Anfang, in dem neben den Credits Menschen in Super-Slow-Motion von Zombies verfolgt werden, ist sehr stylish. Es gibt halt auch sowieso keine apokalyptischen Filme aus der Sicht eines Nerds.

Die Action ist auch sehr ordentlich, vor allem zum Ende hin geht Woody Harrelson richtig gut ab. Super blutig ist der Film jetzt nicht unbedingt, aber wer sowas nur wegen dem Splatter guckt, der foltert auch kleine süße Kuschelhäschen. Emma Stone alleine ist auch schon den einen oder anderen Blick wert. Fans des ganzen freuen sich auf eine Forsetzung, wahrscheinlich in 3D und wohl 2013.

‚Zombieland‘ macht großen Spaß und ist einfach nur super Film. Tolle Unterhaltung ohne übliches Gruppe-von-Menschen-ist-umzingelt-von-Zombies-Zeugs! Im direkten Vergleich gefällt mir ‚Shaun of the Dead‘ ein wenig mehr, was aber nichts heißen soll. Ich wünschte, es gebe mehr Filme von dem Schlag, aber scheinbar können die meisten Screenwriter und Regisseure dem Ende der Menschheit nicht viel Lustiges abgewinnen. Warum eigentlich?

Regie: Ruben Fleischer (30 Minuten oder weniger, produzierte ‚Rob & Big‘)

Schauspieler: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Emma Stone

Bewertung: