Frank Buschmann: Am Ende kackt die Ente (2014)

Hin und wieder verlangt der Geist nach Fast Food. Daran lässt sich nun mal nicht immer was ändern und ist vermutlich auch eine relativ schwache Rechtfertigung. Aber was solls. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir müssen mit der Situation zurechtkommen. Und nach George R.R. Martins endlosen Ausführungen über Drachen, Inzest und anderem Fantasy-Kram stand mir der Geist nach etwas leicht Verdaulichem. Soviel zumindest zur Begründung, warum ich mir die Autobiographie von einem der populärsten Fußballkommentatoren hierzulande zu Gemüte geführt habe. Dass dabei keine tiefen Einsichten in Philosophie oder Ethik zu erwarten sind, sollte eigentlich, zumindest wenn man den Mann schon mal gehört hat, von vornherein klar sein. Aber ist „Am Ende kackt die Ente“ am Ende so viel Wert wie das, was beim Kacken einer Ente am Ende herauskommt? Werde ich weitere schlechte Wortspiele hier unterbringen? Oder steckt da vielleicht noch mehr drin? Das gilt es alles herauszufinden.918f304a56c04111a3084a4b5eaa6254

Frank Buschmann beginnt seine Karriere als Basketballer. Mit der BG Hagen spielt er in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga und macht nebenbei so ein wenig Radio. Und wie das Leben so spielt, gelangt er über Umwege und Zufall, und vermutlich dank seiner großen Klappe, irgendwann zum damaligen Deutschen Sport Fernsehen und somit auch ins TV, wo er u.a. heute noch als Kommentator für so Sendungen wie „Schlag den Raab“ zu hören ist. Und gelinde gesagt ist das eigentlich alles, was man über den Mann wissen muss. Gespickt wird dabei seine Karriere durch allerhand Anekdoten, seien es Begegnungen mit Dirk Nowitzki und Dennis Rodman. Oder sogar Gerhard Schröder und Michael Gorbatschow. Dabei geht Buschi sehr linear durch die Jahre und reiht relativ zusammenhanglos Sportereignis an Treffen an Anekdote.

Was über die ersten 50 Seiten noch locker lesbar ist, wird leider mit den folgenden 200 Seiten zunehmend eintöniger. Das liegt nicht zuletzt an Buschmanns Schreibstil. Der ist, gelinde gesagt, sehr einfach. Einfache Sätze, einfache Gedanken. Und an keiner Stelle Tiefgang. Klar, der war hier eigentlich nie zu erwarten gewesen, aber nichtsdestotrotz wird es nach einer Weile monoton. Das liegt auch in der eher etwas schnellen und wenig spannenden Schilderung der vielen Begegnungen mit Größen des Basketballsports. Wo es definitiv Potential für eine spannende Erzählung gibt, verflachen die Geschichten schon alleine aufgrund seiner Art zu schreiben. Dabei ist es ja durchaus sympathisch, dass der gute Mann alle Zeilen selbst verfasst zu haben scheint. Doch trotzdem ist Buschmann einfach kein erfahrener Autor und damit gerät das Buch schnell zu einer monotonen Aneinanderreihung von locker erzählten Berichten. Interessante Stellen sind genauso kurz wie uninteressante und somit bleibt am Ende nicht sehr viel in Erinnerung. Besonders, wenn der erwachsenene Mann eher ungeschickt von einem Saufabend berichtet, fragt man sich doch, ob er denn nie mit sich selbst ins Gericht geht. Selbstreflexion ist nun mal augenscheinlich nicht seine Stärke. Hier wird definitiv Potential verschenkt. Aber Frank Buschmann ist ja auch weder Philosoph noch Poet.

Und so, wie er auf Facebook seine Posts verfasst, so ungefähr hört sich an vielen Stellen das Buch auch an. Dabei gibt es aber zum Beispiel auch eine Passage, in der im Wortlaut ein Livekommentar zu einem Basketballspiel wiedergegeben ist und der durchaus gut unterhält und viel mehr über die Person Frank Buschmann zu erzählen vermag als der Rest des Buchs. Mehr davon hätte sicher nicht geschadet. Und für jemanden, der gerne Bundesliga-Konferenzen schaut, gibt es auch eine Passage über die technischen Hintergründe so einer Schaltung. Sehr viel mehr bleibt allerdings nicht hängen.

Gibt es trotzdem Gründe, „Am Ende kackt die Ente“ eine Chance zu geben? Eines muss man dem Buch dann nämlich doch lassen: Es wirkt authentisch. Die Art und Weise des Schreibens erinnert schon stark an die unsachliche Art von Buschmann, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Er ist emotional und bei der Sache. Und er bemüht sich auch um „Randsportarten“. Wer den Mann mag und ihm ohnehin mit großer Freude auf sozialen Netzwerken folgt, wird dem Buch ein wenig etwas abgewinnen können. Alle anderen dürfen auf die Lektüre getrost verzichten, denn zu viel Fast Food ist nicht gesund.

Bewertung: 

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

Vielleicht war es der Alkohol. Oder ein tiefer innerer Haß. Aber hey, warum nicht einfach mal Star Wars: Episode I angucken? Was soll schon Schlimmes passieren? Schließlich habe ich die Original-Trilogie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Vielleicht ist das ja ein guter Film, wenn man nicht Fanboy der alten Streifen ist? Womöglich ist es gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Was, wenn sich alle irren? Was, wenn George Lucas sich mehr gedacht hat, als alle denken? Und was wäre, wenn ich der Menschheit die Augen öffne und sie in ein zufriedenes Zeitalter führe, in dem es nicht nur 3, sondern gleich 6 gute Star Wars-Filme gibt?

Nun, es könnte auch sein, dass Tripper ein unterhaltsamer Spaß für jedermann ist. Oder dass Michael Bay mal einen tiefgründigen und ruhigen Independant-Film über das Leben und Schaffen von Tim Wiese macht. Es ist die kindliche Naivität, die mir auf brutale Art und Weise dank Star Wars: Episode I ausgetrieben wird. Das Vertrauen in Hollywood und seine Filmschaffenden, die sich schon seit Jahren mehr gedacht haben und eine erzählenswerte Geschichte mitteilen wollen, die das Universum bereichert. Ich habe damals 1999 diesen Film im Kino gesehen. War ich enttäuscht? Nein, denn ich war noch jung und irgendwie waren Laserschwerter cool. Ohnehin habe ich nicht alles verstanden, was dort gezeigt wurde. Allzu großen Haß auf das hier hatte ich somit nicht. Doch jetzt, 14 Jahre später und mit ein bisschen mehr Filmerfahrung, ist Star Wars I leider ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Doch worum geht es hier eigentlich?Star Wars Episode I

Die beiden Jedis Quaigon-Jin (Liam Neeson) und Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden als Vermittler eingesetzt, weil die Handelsföderation eine Blockade um den Planeten Naboo errichtet hat. Um Protest gegen erhöhte Handelszölle zu leisten. Und weil irgendein böser Typ mit Kapuze die beiden Föderations-Obernasen lenkt. So gelangen unsere beiden Jedis auf das Hauptschiff der Föderation, wo sie jedoch umgebracht werden sollen. Doch sie überleben und gelangen auf Naboo, wo gerade die Eroberung des armeelosen Planeten vorbereitet wird. Gott sei Dank treffen sie im Wald beim Kacken auf den Autisten Jar Jar Binks, der sie zu seinem Volk der Frosch-Dyslexiker bringt, von wo sie aus Königin Amidala (Natalie Portman) aus der Hauptstadt befreien, um daraufhin die äußerst effektive Blockade mit einem Schiffchen zu durchbrechen. Notlandung auf Tatooine. Treffen mit Anakin (Jake Lloyd), der ohne Vater gezeugt wurde (zwinker, zwinker). Anakin und Mutter sind Sklaven. 30 Minuten Pod-Racer-Szene. Auf nach Coruscant samt Anakin (scheiß auf seine Mom), nachdem kurz Darth Maul auftritt. Auf Croissant 10-minütiges Parlaments-Geschwafel. Zurück nach Naboo. Krieg zwischen Frosch-Autisten und Robotern, während Anakin die Hauptzentrale ausschaltet, weil er aus Versehen ein Kampfschiff gestartet hat, während Obi und Gin gegen Darth Maul kämpfen und Amidala die Ober-Händler cool verarscht. Oskar Schindler stirbt, Darth Maul stirbt, aber die Guten haben gewonnen, die Zölle werden noch weiter erhöht und keiner gibt einen Scheißdreck auf Anakins Mudder. Puuuuhhhhh.

Die Story ist scheiße. Sie ergibt kaum Sinn und ist tatsächlich komplex, doch trotzdem dümmlich. Was für eine Leistung. Kein einziger Charakter funktioniert. Weder die guten Jedis, noch die Königin oder der kleine Junge, der irgendwo zwischen nervig und überheblich schwebt. Der Laserkampf am Ende ist gut, aber es sterben zwei Leute, die einem am Arsch vorbeigehen. Die Podrace-Szene ist viel zu lang. Der finale Plan ist total behämmert. Am Ende laufen vier parallele Handlungsstränge ab, die nur funktionieren, weil der kleine Junge zufällig das große Raumschiff der Föderation sprengt. Die Roboter machen keinen Sinn, weil die Jedis sie mit einem Blick wegschnipsen. Die Mutter von Anakin juckt keinen. Und so weiter. Es macht alles keinen Sinn. Sei es die endlose Szene im Parlament, die die Handlung nicht voranbringt oder das angebliche Sterben der Leute auf Naboo nach zwei Tagen ohne Handelsimporte. Der weise Jedirat ist reichlich lahm und tatsächlich wenig weise. Und so weiter. Der Anfang, in dem die Jedis ohne große Gefahr auf einmal umgebracht werden sollen, entbehrt jeglicher Logik. Und in all dem Gewühl gibt es noch den kleinen Jar Jar Binks:

Ihr besser nicht auf michse zählen. Lieber tot hier als noch toter im Kern. Du Güte gut! Was ich da reden?

Der Film funktinoniert nicht nicht, weil die Erwartugnshaltung so groß war. Er ist einfach nur eine komplett unlogische Sache und ein völliges Durcheinander. Ich bin kein großer Star Wars-Fan, aber man kann dem Film einfach nicht sehr viel abgewinnen. Ja, Raumschiffe sind cool. Und Laserschwerter. Ich schau mir auch eigentlich ganz gerne fremde Welten an und Schlachtren. Aber das ist nicht alles, was einen bei der Stange halten kann. Vor allem, wenn man an jeder Stelle mit dieser uninspirierten Geschichte konfrontiert wird. Mir ist das einfach zu dämlich. Dafür gibt es dank RedLetterMedia und Mr. Plinkett die vermutlich lustigste und beste Video-Review zu Star Wars aller Zeiten, hier zu finden. Lustigerweise hat mir Teil II noch ein ganzes Stück schlechter gefallen. Das kann ich diesem Streifen noch abgewinnen.

 

Regie: George Lucas (Star Wars IV, American Graffiti, THX 1138, Star Wars II + III)

Schauspieler: Liam Neeson, Ewan McGreger, Natalie Portman, Jake Lloyd

Bewertung: 

Home of the Brave (2006)

Wenn man einen amerikanischen Film namens ‚Home of the Brave‘ schaut, sollte man nicht über amerikanisch-lächerlichen Patriotismus verwundert sein. Vor allem wenn es um traumatisierte Irak-Veteranen geht. Dann wiederum sollte man allerdings bedenken, dass hier auch 50 Cent mitspielt. Was ein immens größeres Problem darstellt. Denn der Mann kann einfach nicht schauspielern, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit reiht er sich in die prominente Riege um Ludacris, Bushido, Tyrese Gibson und DMX ein, die allesamt ihr Glück in der Schauspielerei gesucht haben und dabei absolut talentfrei sind.Home of the Brave

In ‚Home of the Brave‘ geht es um vier ehemalige Soldaten, die im Irak Schreckliches erlebt haben und nun in der guten alten Heimat versuchen, wieder ihr normales Leben zu führen. Der Arzt Will Marsh (Samuel L. Jackson) leidet unter den schrecklichen Verstümmelungen und Toten, die ihm im Fernen Osten vorgesetzt wurden. Außerdem muss er sich mit seinem pazifistischen und rebellischen Sohn auseinandersetzen. Da liegt der tägliche Griff zur Flasche nicht fern. Vanessa Price (Jessica Biel) hat es noch schlimmer erwischt. Die Sportlehrerin hat eine Hand verloren und muss nun versuchen, mit ihrem Alltag fertigzuwerden. Was ihr denkbar schwerfällt. Brian Presley (Tommy Yates) hat seinen besten Kumpel beerdigen müssen und findet nun in der Heimatstadt keinen Job mehr. Und Jamal Aiken (50 Cent oder Curtis Jackson oder Fiddy) wird von seiner Freundin versetzt und kommt nicht darauf klar, dass er im Irak eine Unschuldige erschossen hat.

So erleben wir abwechselnd, mit welchen Problemen diese vier Menschen konfrontiert werden. Dabei überschneiden sich öfter mal die Handlungsstränge, was rein erzählerisch gar nicht mal so verkehrt ist. Obwohl nicht viel passiert, entsteht im Grunde wenig Leerlauf. Und zugegeben, wirklich uninteressant ist das Gezeigte ja auch nicht. Vor allem, weil dies hier der erste amerikanische Film ist, der den Irakkireg mehr oder weniger negativ darstellt und die „Helden“ als Versager porträtiert.

Leider sind dann die schauspielerischen Leistungen dermaßen unterschiedlich, dass es einem die Schuhe auszieht. Während Samuel L. Jackson in einer ungewohnt ruhigen Rolle überzeugen kann und Jessica Biel ihre Sache auch ganz gut macht, sind 50 Cent und Brian Presley einfach nur völlig überfordert. Damit sind zwei von vier Personen praktisch uninteressant. Und das zieht den Film massiv runter. Besonders schlimm ist, wenn sich die Lebenswege der beiden Letztgenannten überschneiden und es zur Eskalation kommt, die so uninspiriert und aufgesetzt wirkt, dass einem nicht einmal ein Schulterzucken entlockt werden kann.

Und als ob es noch nicht schlimm genug ist, kommt das Finale mit einer debilen und patriotischen Botschaft daher, die das negative Gefühl nochmal verstärkt. Sämtliche Kritik, die hier am Irak-Konflikt wohl geübt werden sollte, verpufft vollends und es bleibt ein kitschiger Beigeschmack. Das ist schade, weil es Ansätze gibt, die gut gemeint sind. Vor allem weil es hier eigentlich gar nicht mal primär um den Krieg, sondern die Zeit danach geht. Die Beziehung zwischen Samuel und Sohn ist eigentlich interessant, aber noch ehe man sich versieht, sehen wir schon wieder 50 Pfennig dabei zu, wie er keine Mimik oder Gestik besitzt und so tut, als ob er ein traumatisierter Veteran ist.

Tja. Und das ist sie, die Heimat der Tapferen. Irgendwo zwischen belanglos und kitschig. Es hätte auch schlimmer sein können, schließlich ist das hier kein „Hurra, USA“-Film. Trotzdem. Gegen Taxi Driver, Jahrhead oder Full Metal Jacket stinkt das hier leider total ab. Man muss wohl selber Veteran sein, um dem hier etwas abgewinnen zu können. Oder großer 50 Cent-Fan. Aber selbst die sollten wissen, dass ihr ehemaliger Hip Hopper kein Fünkchen Schauspieltalent besitzt.

 

Regie: Irwin Winkler (Das Netz, Auf den ersten Blick, Das Haus am Meer)

Schauspieler: Samuel L. Jackson, Jessica Biel, 50 Cent, Brian Presley

Bewertung: 

The Purge (2013)

Die Prämisse von The Purge ist reichlich obskur. Wir schreiben das Jahr 2022. An einem Tag im Jahr darf jeder Amerikaner massiv die Sau rauslassen und morden, vergewaltigen und rumballern wie er oder sie gerade will. Ohne Bestrafung. Das senkt die Verbrechensrate und gibt den Leuten die Chance, das Tier in ihnen rauszulassen. Im Grunde also wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und mit mehr Mord und Totschlag als bei den üblichen Familientreffen. Man merkt bereits an der Idee, dass es sich hier um einen Indie-Film handeln muss. Das ist natürlich nicht verwerflich. Es ist jedoch auch nicht so, dass einen dieses Konzept von den Socken reißt.

The Purge

Am Abend der Purge-Nacht kommt Familienvater James Sandin (Ethan Hawke) nach Hause. Er hat ein Vermögen mit eigens für dieses Ereignis konstruierten Sicherheitsanlagen verdient. Seine Frau Mary (Lena Headey), die vermutlich dem einen oder anderen Gläschen Wein tagsüber nicht abgeneigt ist, der nerdige Psychopathen-Sohn Charlie sowie die frühreife Teenie-Tochter Zoey sind also wohlbehalten und in Sicherheit. Man will sich einfach für die Säuberungsnacht daheim einschließen und gemütlich den Terror aussitzen. Natürlich, wer hätte damit rechnen können, läuft nicht alles so wie geplant. Einerseits schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, bevor die Schotten dicht gemacht werden. Andererseits lässt der Sohnemann während des Purges einen Mann ins Haus, der von einer Gruppe Psychopathen verfolgt wird.

Und dann geht ein Psychospiel los. Die Leute draußen wollen den Kerl haben. Der versteckt sich im Haus und man kann ihn nicht finden. Nebenbei fällt der Strom aus und alles spielt sich in der Dunkelheit ab. Es stellt sich außerdem heraus, dass die Sicherheitsanlagen gar nicht mal so sicher sind. Das ist sicherlich ärgerlich.

Mit 85 Minuten Laufzeit ist The Purge erfreulich kurz. Das ist auch ganz gut so, weil man merkt, wie dem Film nach kurzer Zeit die Puste ausgeht. Das geht damit los, dass kein einziges Familienmitgleid sympathisch ist. Die Tochter ist die typische spätpubertäre Göre, der Sohn bringt auf dümmliche Art und Weise seine ganze Familie in Gefahr und Ethan Hawke ist irgendwie total merkwürdig. Im einen Moment will er seinen „Besucher“ noch foltern, im nächsten ist er plötzlich Humanist geworden. Was ihn aber nicht daran hindert, diverse Männer und eine Frau mit einer Schrotflinte in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Hier ist der Film sich dann offensichtlich nicht sicher, wie er seine Message rüberbringen soll. Denn auf der einen Seite soll man lernen, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Doch auf der anderen Seite scheint es den Protagonisten wenig auszumachen, Leute umzubringen. Tatsächlich ist es die Mutter, die sich hier am Ende als der stärkste Charakter etabliert, aber davor vergehen erst noch 80 Minunten. Dann ist der Film auch schon wieder vorbei. Es ist eben schiere Gleichgültigkeit, mit der man den einzelnen Protagonisten gegenübersteht. Keiner interessiert einen, niemand sagt irgendetwas Schlaues. Dialoge sind spärlich und das Gezeigte eben nicht ausdrucksstark genug, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen.

Furchtbar uninspiriert kommen die letzten fünf Minuten daher, in denen zwei unheimlich vorhersehbare Twists passieren. Dabei hat diese dystopische Zukunftsvision durchaus etwas Erschreckendes. Der Film vergibt aber überall sein Potential. Auch weil diverse Szenen wenig Sinn ergeben. Es wirkt zum Beispiel so, als ob das zweistöckige Haus 200 Zimmer besäße. Weil 10 Leute darin rumlaufen und sich nicht ständig auf die Füße treten. Die Bösen sind, außer dem Anführer, dermaßen gesichtslos, dass einem sogar klar wird, warum die alle Masken aufhaben. Vermutlich steht bei denen in ihrem Xing-Account lediglich das Hobby „Töte gerne Menschen“. Das soll einen als Zuseher schockieren oder anekeln, aber es ruft keine Emotion hervor. Auch weil diese Antagonisten nicht viel mehr als Gegner in einem Ballerspiel sind. Der Oberschurke, gespielt von Rhys Wakefield, soll dann ein Hybrid aus eloquentem Gentleman und mordlüsterndem Psychopathen sein. Seine Figur ist neben der der Mutter die einzige, die heraussticht. In der ganzen Geschichte wirkt sein Tun und Handeln aber aufgesetzt und bemüht cool. Der Joker aus The Dark Knight lässt grüßen.

The Purge spielt mit der Idee, dass eine entmenschlichte Gesellschaft zum Verlust von moralischen Werten führt. Und wie in Einzelnen, exemplarisch Ethan Hawke, dann doch der Sinn für die gerechte Sache geweckt wird. Leben sind nichts mehr wert, wobei die Reichen eine tolle Lösung gefunden haben, damit sich die Unterschicht selbst auffrisst. Das ist schön und gut. Es wäre aber vermessen, dem Film viel Tiefgang zu unterstellen. Zumal die Message am Ende nicht subtil, sondern viel mehr mit der Brechstange in den Zuschauer reingeprügelt wird. Tatsächlich hätten vielleicht ein paar Minuten mehr den Charakteren ganz gut getan. So hat James DeMonaco als Regisseur und Drehbuchautor einen kurzweiligen, aber auch genauso emotionsarmen Film gemacht. Dabei gibt es vor allem mit Funny Games, aber auch mit Equilibirum, V wie Vendetta, Children of Men, Gattaca, 1984 und Blade Runner thematisch ähnliche Werke, die sehr viel besser funktionieren. Verdammt, sogar Panic Room war spannender. Der Herr Pönack kann The Purge sehr viel mehr abgewinnen, wie hier nachzulesen ist. Mir geht es aber so, dass eine interessante Idee allein noch keinen guten Film macht. Vielleicht macht es das Sequel ja besser.

 

Regie: James DeMonaco (Staten Island, Drehbuchautor für Verhandlungssache)

Schauspieler: Ethan Hawke, Lena Headey, Rhys Wakefield

Bewertung: 

Fast & Furious 6 (2013)

Ich weiß noch nicht, was mich mehr verblüfft. Der Fakt, dass es bereits sechs Teile dieser Reihe gibt oder die zunehmend positiveren Ratings von Zuschauern und Kritikern. Und habe ich schon erwähnt, dass dieser eine Film hier knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat bisher? Weltweit hat das Franchise weit über 2 Milliarden an den Kinokassen eingenommen. Der Erfolg liegt an mehreren Dingen, auf die ich später eingehen werde. Zuallererst möchte ich jedoch alles Negative aufzählen, dass dem Nicht-Fan der Reihe sofort ins Gesicht springt.Fast & Furious 6

Die Handlung ist total dämlich: Verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew soll andere verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew aufhalten, denn die Polizei ist zu dämlich. Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot. Irgendein Scheiß soll gestohlen werden und unsere Helden sollen das verhindern. Dabei ist jeder einzelne Charakter dämlich. Vin Diesel hat nicht einen schlauen Satz zu sagen und bildet trotzdem den Kopf der Bande. Ständig brabbelt er von familiären Werten, doch eine emotionale Auseinandersetzung gibt es ohnehin nicht. Und wirklich sympathisch ist er auch nicht. Der Rest der Bande ist genauso flach wie man es aus den Vorgängern kennt.

Die Krone der schauspielerischen Leistung zeigt Michelle Rodriguez, die ihre typsiche Rolle „spielt“. Mit finsterem Blick und einer Mimik, als ob sie permanent an Scheiße riechen müsste, bildet sie sogar mit den Dreh- und Angelpunkt der nicht vorhandenen Handlung. Geschenkt. Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris sind auch nicht viel besser. Der Bösewicht Shaw wird verkörpert von Luke Evans. Sein Plan, ein von der Nato beherbergtes IRGENDETWAS zu stehlen ist, naja, sagen wir mal nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber hey.

Die Logik geht dem Film beim Finale völlig abhanden, wenn ein Flieger auf einer mindestens 50 Meilen langen Landebahn unterwegs sein muss. Ach ja, man kann übrigens mit Autos durch Flugzeuge krachen. Dabei habe ich noch gar nicht die vorherige minutenlange Sequenz mit einem Panzer auf einer Autobahnbrücke erwähnt, in der Vin Diesel einen Stunt vollführt, der, selbst wenn er funktionieren dürfte, seinen Körper doch mindestens in einen anderen Aggregatzustand befördern müsste. Der Übergang von der Panzer- zur Flugzeugszene wartet in Sachen Nachvollziehbarkeit mit neuen Genrestandards auf, wenn der böse Bube erst laufen gelassen wird, um ihn dann kurz darauf doch zu verfolgen und natürlich noch einer der guten Mitstreiter sich in einem furiosen Twist als Maulwurf entpuppt hat. Die Action ist so dermaßen übertrieben und unrealistisch, dass selbst Die Hard wie ein ruhiger Krimi wirkt. Nebenbei rotieren alle berühmten toten Physiker im Grab, denn die Gesetze der Natur werden nicht nur einmal gebrochen.

Fans der Reihe freuen sich aber über das ganze Zeug. Zumal der Film an alle vorherigen Teile anknüpft und Verbindungen aufspannt. Und deswegen feiern die Leute diesen Streifen so. Da wird die Szene aus Teil 3 nochmal gezeigt und ergänzt, genauso mit Teil 4. Das soll eine komplexe Welt vermitteln, ist jedoch eigentlich Augenwischerei, denn die Fast & Furious-Dimension ist weit davon entfernt, Tiefe zu besitzen. An allen Ecken und Enden werden Vin Diesels Prinzipien erwähnt und was für ein ehrbarer Mann er ist. Trotzdem scheint der Verlust eines Crew-Mitglieds am Ende niemanden wirklich zu kümmern. Ich könnte mich über die Unlogik stundenlang aufregen. Aber das wäre ohnehin vergeudete Zeit. Wer die Reihe mag, wird auch hier Spaß haben. Dass die Serie schon lange nichts mehr mit Autorennen zu tun hat und bald mehr Folgen als Police Academy vorzuweisen hat, ist genauso erstaunlich wie die Menge an Material und Autos, die bei der Produktion vernichtet wurden. Ständig fliegt was in die Luft und überall laufen muskulöse Männer und schöne Frauen rum. Eine polierte und oberflächliche Welt ohne viel Raum oder Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut so, dass Fast & Furious 6 einem keine Zeit zum Grübeln lässt. Denn sonst bröckelt die Fassade.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr mögt die Filme? Guckt euch Teil 6 an und habt Spaß damit, freut euch auf Teil 7 mit einem neuen coolen Schurken, der hier kurz am Ende vorgestellt wird. Ich werde kein Fan der Reihe mehr. Klar, hirnlose Action ohne Tiefe kann Spaß machen. Aber muss man daraus gleich 7 Filme machen?

 

Regie: Justin Lin (Fast & Furious III, IV, V)

Schauspieler: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Ludacris, Luke Evans, Jordana Brewster, Gal Gadot

Bewertung: 

 

 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

Godzilla (1998)

2014 steht, 16 Jahre nach Roland Emmerichs Verwurstung, der nächste Reboot des Franchises an. Dabei hat die arme, missverstandene Echse seit ihrer Geburt 1954, damals noch in Schwarz-Weiß, eine ganze Menge durchgemacht. Dass Godzilla selbst im Originalfilm schon starb, scheint aber niemanden großartig gestört zu haben. Dutzende Monsterstreifen folgten. Unter anderem gegen Mothra und sogar King Kong zog das Produkt des atomaren Schreckens zu Felde. Damals übrigens mit dem besseren Ende für King Kong (Skandal!). In den 90ern war jedes Wochende auf Kabel 1 Monsterfilm-Zeit! Doch wer hätte ahnen können, dass erst Roland Emmerich kommen musste, um Godzilla im westlichen Raum den Todesstoß zu versetzen. Aber hey, in Hollywood ist niemand wirklich tot (Ellen Ripley, Spock, Michelle Rodriguez sogar doppelt in Resident Evil und Fast & Furious) und so werden wir bald den nächsten Anlauf sehen.godzilla

Die Geschichte ist so einfach wie banal. Ein durch eine Atombombe in die Größe geschossener Kaltblüter fällt über eine Großstadt, in diesem Falle New York, her. Dabei ist die einzige Hoffnung Dr. Niko Tatopoulos (Matthew Broderick) und seine Ex Audrey (Maria Pitillo). Mit an Bord zudem Kameramann Victor (Hank Azaria) und der französische Agent Philippe (Jean Reno). Dabei entpuppt sich nicht Godzilla als das einzige Problem, sondern auch der schuppige Nachwuchs.

In Zeiten vor 9-11, als man noch ruhigen Gewissens New York in Filmen zerstören durfte, regt vielleicht das Redesign am meisten auf. Wer Godzilla aus den japanischen Filmen kennt, wird das Monster hier kaum wiedererkennen. Dafür sieht es einfach zu sehr nach Dinosaurier-Verschnitt aus. Aber nun gut, im alten Format konnte Godzilla noch nicht sehr schnell rennnen und es wohl kaum mit der ausgeklügelten amerikanischen Militärtechnologie aufnehmen. Vielmehr das größere Problem sind die völlig belanglosen menschlichen Protagonisten, die außer Jean Reno alle völlig kanten- wie belanglos sind. Matthew Broderick ist so eine Art Loser, der sich zum großen Rächer aufschwingt. Er ist zwar schlau, hat aber auch nie wirklich Zeit, sich als der große Held zu profilieren. Viel zu hektisch geht es von einer Verfolgung zur nächsten, viel zu wenig Zeit bleibt für gescheiten Dialog. Seine Ex ist irgendwo zwischen dümmlich und nervig und ihr Kollege einfach nur blöd. Dabei sind in Roland Emmerichs 140-minütigem Spektakel die Franzosen die wahren Helden und Retter New Yorks, weil das amerikanische Militär reichlich dämlich handelt.

So wie sich die Menschheit durch ihre Atomtests das Problem selbst eingebrockt hat, fiebert man niemals wirklich mit den ganzen Leuten mit. Die Spitze der Antipathie stellt der New Yorker Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) dar, der mit jedem Satz das Arschloch heraushängen lässt. Schade ist dann, dass der eigentliche Held Godzilla sehr wenig Screentime bekommt. Dabei geht der Film mit dem Echsen-Nachwuchs einen erstmal interessanten Weg, der sich jedoch als inspirationsarmer Jurassic Park-Abklatsch entpuppt.

So plätschert der Film über zwei Stunden vor sich hin. Am Ende hat man sogar ein wenig Mitleid mit dem Untier, das hier als einzigstes so etwas wie Emotionen transportiert. Trotz seines Alters sehen die Effekte tatsächlich noch gut aus und der Soundtrack ist großartig (Green Day, Rage Against The Machine, Jamiroquai, Foo Fighters, Puff Daddy). Das wars dann aber auch. Alteingesessene Godzilla-Fans werden enttäuscht sein und alle anderen finden auch nicht viel Gutes. Natürlich erwartet man von Roland Emmerich nicht viel mehr als ein unterhaltsames Action-Filmchen, aber ‚Cloverfield‘ hat beispielsweise gezeigt, wie man einen guten Monster-Streifen hinbekommt, der einen fesselt und einem nicht wie ein belangloser Hollywood-Blockbuster erscheint. Ob das Reboot 2014 einen besseren Weg einschlägt, muss sich zeigen. Die älteren japanischen Puppen-Godzillas sind aber immer noch unerreicht.

Regie: Roland Emmerich (Independence, Stargate, 2012, The Day After Tomorrow)

Schauspieler: Matthew Broderick, Jean Reno, Hank Azaria

Bewertung: 

The 6th Day (2000)

Eigentlich hatte ich ‚The 6th Day‘ als guten Film in Erinnerung. Aber manchmal glorifiziert man das alte Zeug aus der Jugend. Und wenn man dann eines Abends die alten Helden wiedersieht, wundert man sich, was zur Hölle mit einem damals los war und wie man diesen Blödsinn überhaupt auch nur in irgendeiner Weise gut finden konnte. Tja, was erwartet man auch von einem Film mit einem gealterten Schwarzenegger über das Klonen?

Adam Gibson (Arni): I might be back.

Arnold Schwarzenegger spielt Adam Gibson, einen Helikopterpiloten und Familienvater in einer nicht zu weit entfernten Zukunft. Das Geschäft läuft. Die Menschheit diskutiert währenddessen über das Für und Wieder des Klonens. Das 6th-Day-Gesetz verbietet zwar die künstliche Menschenproduktion, aber das Kopieren von Haustieren ist legal. Eines Tages kommt Adam nach Hause, nur um festzustellen, dass er bereits zu Hause ist. Zumindest nicht er, sondern ein Doppelgänger. Kurz darauf wird er dann auch schon verfolgt. Unter anderem von Vincent (Terry Crews), der für das führende Unternehmen in Sachen Klonen arbeitet. Long story short: Arni wurde verwechselt und aus Versehen geklont und jetzt soll der eine um die Ecke gebracht werden, bevor die Welt dahinter kommt, dass die böse Firma schon seit geraumer Zeit gegen das 6th-Day-Gesetz verstößt. Der Oberböse ist dabei Michael Drucker (Tony Goldwyn), der zudem seine Klone mit tödlichen Gendefekten ausstattet, um ihre Lebenszeit zu verkürzen und ein etwaiges Geschäft am Laufen zu halten. A dolla makes me holla.

Ach ja, außerdem ist Robert Duvall als ein schlauer Arzt mit am Start, der trotz seiner moralischen Gewissensbisse überraschend aktiv beim Klonen mit dabei ist. Und der Vater aus ‚Hinterm Sofa an der Front‘, Michael Rapaport, spielt mit. Der doppelte Arni ist aber natürlich der Star, obwohl ihn der Fakt, dass er geklont wurde, ungefähr 10 Sekunden aus der Fassung bringt. Vermutlich ist einfach jemand, der bereits Aliens im Dschungel gejagt und als zeitreisender Kampfroboter agiert hat, ohnehin nicht leicht zu überraschen. „Du bist ein Klon und dein ganzes Leben ist eine Lüge!“ Das entlockt Arni ein kurzes Schulterzucken, bevor weitergeballert wird.

Adam Gibson: If you really believe that then you should clone yourself while you’re still alive.
Drucker: Why is that? So I can understand your unique perspective?
Adam Gibson: No. So you can go fuck yourself!

Tatsächlich ist die Thematik und Handlung gar nicht mal so uninteressant. Das Problem ist eher die total plumpe Art und Weise, auf die die Geschichte rübergebracht wird. Richtig komplex geht es nicht zu, doch Arni wirkt in seiner Rolle hölzern und etwas zu alt. Er und alle anderen Protagonisten sind zudem flacher als ein Bügelbrett, was erklärt, warum das Klonen nie wirklich tiefgründig behandelt wird. Der böse Bube ist dabei unglaublich unglaubwürdig und Arnis Verfolger sind allesamt saublöd. Allen voran Wiley (Rodney Rowland), dem es gelingt, mehrere Male hintereinander auf dämlichste Art und Weise zu verrecken.

Dem Finale fehlt es an Wumms. Schlimmer ist allerdings, dass die Effekte fürchterlich und billig sind. Da hängt Arni von einem Helikopter runter und es sieht einfach total unecht aus. Das wundert einen, vor allem weil die Helis im Film allesamt animiert sind und gar nicht mal so übel aussehen. Dabei hatte der Film ein Budget von stolzen 82 Millionen Dollar! Weltweit eingespielt hat ‚The 6th Day‘ keine 100 Millionen. Traurig, gerade weil doch ein Arnold Schwarzenegger mal als größter Actionstar überhaupt galt.

Die Idee hinter diesem Film ist eigentlich gut und erinnert so in etwa vom Stil her an das Remake von ‚Total Recall‚. Nach kurzer Zeit geht allerdings allen Darstellern die Puste aus und so ziemlich alles versinkt in Mittelmäßigkeit. Halbgare Actionszenen, wenig glaubwürdige böse Gegenspieler und ein leider wenig sympathischer Arni. Da hätte man viel mehr rausholen können. Vor allem weil die Message am Ende nicht weit von der von ‚Moon‚ abweicht, einem meiner absoluten Lieblingsfilme.

Wenn ‚The 6th Day‘ eines klar macht, dann, dass spätestens zu jener zeit Arnis Zenit überschritten war. Vor allem weil er danach mit ‚Collateral Damage‘ und ‚Terminator 3‘ weitere ziemlich dürftige Filme nachlieferte. Seine Fans werden wohl aber auch diesem Streifen etwas abgewinnen können. Seine glorreiche Zeit als Terminator oder Predator-Jäger ist aber vorbei. Man kann ja auch nicht ewig jung bleiben, außer man heißt Keanu Reeves.

Adam Gibson: That’s enough philosophy for now.

 

Regie: Roger Spottiswoode (Der Morgen stirbt nie, Scott & Huutsch, Air America)

Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, Michael Rapaport, Tony Goldwyn, Michael Rooker, Terry Crews, Robert Duvall

Bewertung: 

Fire with Fire (2012)

Wenn Filme direkt auf DVD erscheinen, dann ist das in der Regel ein schlechtes Zeichen. Das Vertrauen in den kommerziellen Erfolg scheint nicht gegeben. Und das hat oft auch seine Gründe. Hin und wieder aber entdeckt man jedoch eine Perle. So erschien ‚Lucky Number Slevin‘ mit Bruce Willis, Josh Hartnett, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Lucy Liu und Stanley Tucci hierzulande tatsächlich nur auf der silbernen Scheibe und wurde den Kinogängern vorenthalten (in den USA kam der Streifen ins Kino). Was für ein Fehler! Und was für eine geile Besetzung und was für ein verflucht guter Film!

Der nächste Anlauf mit ‚Fire with Fire‘: Josh Duhamel, Rosario Dawson, Vincent D’Onofrio, 50 Cent, Julian McMahon (aus Nip/Tuck), Vinnie Jones und wieder Bruce Willis. Zugegeben, diese Riege ist nicht ganz so gut wie beim zuvor erwähnten Film, aber hey, wir sind hier im Direct-to-DVD-Markt. Da nehmen wir alles was wir bekommen. Und was soll schon bei einem Film mit Beteiligung eines ehemaligen Rappers schief gehen? (*hust, hust*)

Jeremy Coleman (Josh Duhamel, der coole und patriotische Soldat aus den Transformers-Filmen) ist Feuerwehr- und Lebemann. Sein Job macht ihm Spaß und er führt ein heiteres Leben ohne große Beziehungen. Doch eines Tages passiert das Unerwartete: Er wird Zeuge, wie ein Ladenbesitzer samt Sohn von David Hagan (Vincent D’Onofrio) und Boyd (Vinne Jones), beide ihres Zeichens Anhänger der arischen Bruderschaft, ermordet werden. Unser gutaussehender Recke ist der einzige Zeuge und von nun auf der Flucht. Der Polizist Mike Cella (Bruce Willis) ist jedoch froh, denn mit Jeremy hat er endlich den nötigen Beteiligten, um Hagan ein für alle mal in den Knast zu befördern. Schließlich hat dieser seinen Partner vor nicht allzu langer Zeit auf dem Gewissen. Na, kommen wir nocht mit? Wenn  ja, dann gehts munter weiter. Jeremy kommt in den Zeugenschutz, muss also sein altes Leben aufgeben und sich umbenennen und nach New Orleans ziehen, wo er sich in die Polizisten Talia Durham (Rosario Dawson) verliebt, die ihm das Schießen beibringt. Das ist irgendwie nicht ganz legal, aber total romantisch. Wirklich! Also zumindest ist Rosario Dawson ziemlich hübsch. Sehen tut man trotzdem nicht viel… Dann eröffnet allerdings der Auftragskiller Robert (Julian McMahon) die Jagd auf die beiden und bringt die gute Talia sogar fast um, sodass unser Held sich ohne polizeiliche Hilfe auf den Weg in die Heimat macht, um dem bösen Nazi ein für alle mal den gar auszumachen. Und an wen wendet man sich, wenn man böse Rechte umbringen möchte? Nicht etwa an die ‚Inglorious Basterds‘, nein, sondern an die Crips. Bei denen macht übrigens ‚Rampage‘ Jackson mit und 50 Cent ist ihr Anführer. Die netten Jungs verkaufen Jeremy dann eine Knarre, weil die arische Bruderschaft ihnen ihr Gebiet streitig macht.

‚Fire with Fire‘ ist so ungefähr 97 Minuten lang und wir haben gerade mal etwas weniger als die Hälfte hinter uns. Die Handlung ergibt genauso viel Sinn wie Jeremys Liebe für seinen Feuerwehrmannjob. Er mag es nämlich, wenn beim Leute-aus-brennenden-Häusern-Retten die Opfer sich an ihn klammern und er durch die Glut manövrieren muss. Voll Romantisch. Er hätte auch genausogut Müllmann sein können. Ein durchtrainierter, hübscher und zugleich total philosphischer Müllmann.

Ich entsorge nicht einfach nur halbe abgelaufene Mortadella-Verpackungen und Scheiße. Nein. Ich bin der Messias, der den Leuten erst ermöglicht, sich selbst zu verwirklichen und sich in ihrem eigenen Müll wiederzufinden. Der Kreislauf allen Lebens beginnt und endet mit mir, dem Abfallbeseitiger!

Nur eben mit Feuer und so. Ganz klar, inhaltlich erwartet uns hier also nicht viel. Aber womöglich verbirgt sich ja doch noch ein passabler Action-Film hinter ‚Fire with Fire‘. Vinnie Jones und Bruce Willis müssen doch wissen, wie man Kauleisten poliert. Und nein. Bruce hat eine gute Szene, ansonsten ist er mehr oder weniger damit beschäftigt, die Augen zusammenzukneifen und ein ernster Ermittler zu sein. Vinnie Jones hingegen wird viel eher als der Zuschauer aus diesem Trauerspiel erlöst und darf bereits ab der Hälfte des Films damit anfangen, ‚Fire with Fire‘ zu vergessen. Lustigerweise ist der Streifen ab 18 und das liegt an zwei Szenen: In der einen hackt Jeremy einem bösen Buben die Finger ab und in der einen geht es um eine Axt, die in einem Körper steckt.

Der ganze Unfug mündet in ein mehr als dämliches Finale, dass auf Teufel komm raus mit dem Feuerwehrmann-Beruf verknüpft wurde. Da hilft auch die Axt in einem menschlichen Körper nicht mehr, um das irgendwie noch zu retten. Inklusive der blödesten Todesszenen, die man in einer garantiert nicht billigen Produktion jemals finden wird. Da plumpst ein großer böser Nazi aus einem hohen Haus und bleibt Kartoffel-Sack-artig unten liegen. Und weil das noch nicht reicht, plumpst ein weiterer hinterher.

Ich weiß auch nicht, warum das Filmplakat mit 50 Cent wirbt. Der Kerl ist ungefähr 30 Sekunden zu sehen. Das Plakat selbst ist sowieso ein Witz in sich, weil über Willis‘ Kopf Duhamel, über Dawsons Kopf Willis und über Duhamels Kopf Dawson prangert. Vermutlich wurde das Teil, ähnlich dem Film selbst, in der Mittagspause von einem anderen, besseren Film zusammengeschustert. Da haben sich die Schauspieler, Kameramänner und der Herr Regisseur zufällig im Park getroffen und gedacht: „Hey, lass mal ’nen Film machen!“ Anders ist das nämlich nicht so recht erklärbar. Sowieso könnte man sich so über ziemlich alles hierdrin auslassen. Die Dialoge und sogar die schauspielerischen Leistungen sind wirklich nicht gut. Zugegeben, der Film ist nicht „billig“. Aber du meine Güte, wer um alles in der Welt schreibt denn sowas? Es gibt doch Leute, die verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Filmgeschäft. Da wird doch mal irgendwo jemanden irgendwie aufgefallen sein, dass die ganze Chose weder vorne noch hinten so recht Spaß macht.

Die Moral von der Geschichte ist, dass man besonders im Direct-to-DVD-Segment aufpassen muss. Jeder andere Polizei-/Vergeltungs-Film oder Krimi ist besser. Jeder. Auch ‚Mein Partner mit der kalten Schnauze‘ und selbst ‚Police Academy V‘ machen mir persönlich mehr Spaß als diese unspirierte Versammlung von bekannten Gesichtern.

Regie: David Berrett (TV: Castle, The Mentalist, V – Die Besucher, Cold Case)

Schauspieler: Josh Duhamel, Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson, 50 Cent, Vinnie Jones, Kevin Dunn, Julain McMahon, Rampage Jackson

Bewertung: 

Total Recall (2012)

„2012 gab es eine ganze Menge an Remakes. Da wären Fright Night, The Amazing Spider-Man, Planet der Affen: Prevolution, 21 Jump Street, …“

So hätte ich gerne angefangen, aber es gibt tatsächlich gar nicht mal so viele Neuauflagen von Altbekanntem. Vieles waren Fortsetzungen und Prequels (Bourne, Batman, Resident Evil, Underworld, Ghost Rider, Kampf der Titanen, American Pie, Avengers, Men in Black, Madagaskar, „Alien“, Ice Age, Expandables, Rec, Taken, Bond, Twilight,  ….). Vieles war tatsächlich neu, und 2013 kommen dann erst so richtig viele Remakes. Von den Nauauflagen aus 2012 war vermutlich die Spider-Man-Verwurstung das aus meiner Sicht Dreisteste, obwohl der Film an und für sich gar nicht mal so schlecht ist. Doch man soll bekanntlich nicht den Tag vor dem Abend loben, vor allem wenn in der zweiten Jahreshälfte das Remake zu Paul Verhoevens Total Recall ansteht, das mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle und einer dreibrüstigen Prostituierten auch heute noch ziemlich kultig ist.

Im Jahre 2084 ist die Erde unbewohnbar, außer zwei Gebieten. Eines davon ist Großbritannien, die United Federation of Britain, das andere ist Australien, welches als „die Kolonie“ bezeichnet wird. Es gibt nur eine Verbindung zwischen den Territorien, undzwar über einen Tunnel über das Erdinnere, der auch „the Fall“ genannt wird. Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt mit seiner Frau Lori (Kate Beckinsale) in der Kolonie und pendelt tagein tagaus, um in einer Roboterfabrik der Föderation künstliche Polizisten anzufertigen. Frustriest von seinem monotonen Leben begibt er sich in die Hände der Firma Rekall, die ihren Kunden künstliche Erinnerungen und Erlebnisse verschafft, die direkt in den Körper injiziert werden. Doch Schreck lass nach, es läuft nicht alles nach Plan und plötzlich findet sich Douglas von der Polizei verfolgt wieder. Er muss feststellen, dass er krasse Kampffertigkeiten besitzt und dass seine Gattin nicht ganz die nette Ehefrau von früher ist. Außerdem will der böse Präsident der Föderation, Cohaagen (Bryan Cranston), die Kolonie unterjochen und nebenbei taucht auch noch Melina (Jessica Biel) auf, die Quaid bei seiner Flucht hilft.

Interessanterweise nimmt der Film sich den eigenen Twist selbst vorweg, indem mit einer Szene gestartet wird, die bereits zeigt, dass Quaid kein normaler Monteur sein kann. Dafür gibt es tatsächlich zwei Stellen, in denen an das Original erinnert wird. Einmal wird eine dreitittige Nutte gezeigt. Ein weiteres Mal wird an die berühmte Stelle an einem Flughafen erinnert, an der sich im Original Arni als dicke Frau entpuppt und nicht als der Kerl dahinter. Das ist nett. Ansonsten hat man sich von so ziemlich allem verabschiedet, was den Verhoeven-Film ausgezeichnet hat.

Dort spielte sich das Geschehen noch auf dem Mars ab, sogar mit Alien-Relikten und so. Und mit Unmengen an entstellten Leuten. Das ist in Ordnung bzw. fügt sich dort ganz gut in das abgefahrene Szenario ein. Das Remake schmeißt alles über Bord und klaut frech von so ziemlich jedem futuristischen Film, den es gibt. Als da wären: Star Wars, Matrix, Das fünfte Element, Blade Runner, Terminator, Minority Report, ein wenig Children of Men und I, Robot. Damit ist nicht das gute Klauen gemeint, so à la „Oha, das ist ja eine tolle und liebevolle Hommage an Film XYZ“, sondern dieses „Warum vergewaltigen die da gerade meinen Lieblingsfilm?“. Es gibt eine Armee von Robo-Klon-Kriegern.  Es gibt einen Kampf am Ende im Regen gegen den völlig blassen Bryan Cranston. Es gibt irgendwelche Cyborgs hier und da. Es gibt irgendwelche, zugegebenermaßen, coolen Technik-Gadgets. Es gibt magnetische Schwebeautos. Das ist ja nicht unbedingt schlecht, aber der Film hat nicht eine einzige eigene Idee. Keine. Und auch das kann man verkraften. Aber selbst die vielen coolen Szenen, die das Original ausgezeichnet haben und die teilweise auch auf Arnis lustiger Aussprache beruhen, gibt es einfach nicht.

Stolen (2012)

Manchmal passiert es, dass man Eurosport oder Sport 1 einschaltet und glaubt, ein hochklassiges Fußballmatch zu sehen. Brasilien gegen Argentinien. Qualifikation zur Weltmeisterschaft. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Spieler alle so klein und das Stadion nur zu einem Zehntel gefüllt? Und wo ist Messi?Und dann beginnt man, im Teletext nachzuschauen und stellt erschrocken fest, dass es sich um die U17 handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Manchmal passiert es, dass man Pro 7 einschaltet und glaubt, einen hochklassigen Actionfilm zu sehen. 96 Hours. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Schauspieler so schlecht und die Handlung so dumm? Und wo ist Liam Neeson? Und dann taucht auf einmal Nicolas Cage auf und man stellt erschrocken fest, dass es sich eben nicht um 96 Hours handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Außer bei ‚Stolen‘, denn der Film ist reichlich blöd.

Will Montgomery (Nicolas Cage) ist ein Meister-Dieb aus New Orleans. Zusammen mit seinen Kollegen Vincent (Josh Lucas), Riley (Malin Åkerman) und Hoys (M.C. Gainey) erleichtert er eine Bank um 10 Milionen Dollar. Doch die Aktion geht schief und Will endet ohne Geld alleine im Knast. Nach acht Jahren kommt er wieder frei und will wieder Kontakt zu seiner mittlerweile entfremdeten Tochter Alison (Sami Gayle) aufbauen. Die weist ihn jedoch ab, wird dann aber kurz darauf von Vincent in einem Taxi entführt, der von Will die damals entwendeten 10 Millionen Dollar haben will. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit durch New Orleans, denn einerseits muss Will das Geld auftreiben und auch seine Tochter finden.

Der Film beginnt durchaus nett. Das Ausrauben der Bank ist angenehm und die anschließende Verfolungsjagd mit der Polizei meistert Nicolas Cage cool und realistisch. Dass seine Tochter eine ziemliche Bitch ist und der Rest seiner Bande irgendwie überflüssig, kann man verkraften. Allerdings beginnen nach einer Weile die Problemchen. Sein Kollege wird zum Bösen, weil keiner so recht weiß, was mit der ganzen Knete passiert ist. Doch der Plan mit der Entführung ist ziemlich bescheuert. So fährt Vincent den ganzen Tag lang durch die Stadt mit seinem Taxi und der Entführten im Kofferraum. Warum? Weil er es kann! Und weil er eine Flachpfeife ist. Natürlich wird er nebenbei von der Polizei angehalten und ist gezwungen, den Beamten umzulegen. Ist das vielleicht ein Zeichen, dass man sich lieber an einem Ort verstecken sollte? Nein! Nebenbei tobt ein Volksfest durch die Stadt, was dem Film so eine Art New Orleans-Flair geben soll. Das kann man mit einem Schulterzucken quittieren.

‚Stolen‘ dauert 96 Minuten und zur Mitte entsteht tatsächlich das Gefühl, dass der Film durchaus in Ordnung ist. Natürlich ist Nicolas Cage nicht Liam Neeson, aber eine gewisse Coolness hat er durchaus. Dann aber passiert das, was man schon die ganze Zeit befürchten musste. Halbherzigerweise muss Will in der Mitte nochmal einen Job abziehen, um die Knete zu beschaffen. Dadurch gerät die Geschichte ins Lächerliche, weil „Hey, ich hab gerade 5 Minuten. Wollen wir nochmal die gleiche Bank wie vor acht Jahren ausrauben?“ kein Satz ist, den man wirklich ernst nehmen kann. Ocean hat auch nicht beim Zähneputzen geplant, drei Casinos auf einmal auszurauben. ‚Contraband‚ hat einen ähnlichen Fehler gemacht, aber tatsächlich hat man Mark Wahlberg seine Rolle mehr abgekauft als Nicolas Cage, obwohl letzterer eigentlich ein viel besserer Schauspieler ist.

Und so büßt ‚Stolen‘ einfach alles ein, was in der ersten Hälfte noch sympathisch war. Das wirklich Schlimme ist dann das Ende, das völlig verkorkst ist. Der Showdown ist dermaßen dämlich, dass mir die Worte fehlen. Und die Szene nach dem Showdown, die nochmal zeigen soll, wie unglaublich clever Will Montgomery, der Meisterdieb, ist, macht es auch nicht besser. Damit ist ‚Stolen‘ der nächste schlechte Nicolas Cage-Film. Aber wie so oft liegt es nicht an ihm, sondern am überaus dämlichen Drehbuch. Das macht es auch nicht besser, aber das kleine Fünkchen der Hoffnung, dass in mir lodert und sagt, dass Cage irgendwann auch mal wieder einen guten Film bringen kann, existiert noch. Aber nur wie lange?

 

Regie: Simon West (Con Air, Wehrlos, Lara Croft: Tomb Raider, The Mechanic, The Expendables 2)

Schauspieler: Nicolas Cage, Josh Lucas, Danny Huston

Bewertung: 

 

Juan of the Dead (2011)

Wenn ein Film bei imdb nicht einmal sein Poster aufgeführt hat, dann kann es sich wohl nicht um einen großen Hollywood-Streifen handeln. Und wahrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist eine kleine spanisch-kubanische 3-Millionen-$-Produktion. Mit Zombies. Auf Kuba. Als Komödie. Wer sich allerdings an ‚Shaun of the Dead‚ erinnert, weiß, dass selbst mit geringen Mitteln ein lustiger und vor allen Dingen ziemlich guter Zombie-Film zustande kommen kann. Schließlich hat das britische Vorbild nur sage und schreibe 4 Millionen Pfund gekostet. Geradezu lachhaft im Vergleich zum letzten Resident Evil-Teil, der allerdings mit 65 Millionen $ an Kosten kaum an den großen Comic-Verwurstungen aus Hollywood der letzten Jahre kratzt. Doch genug mit den Zahlen. Auf nach Kuba!

Juan (Alexis Díaz de Villegas) führt zusammen mit seinem Freund Lazaro (Jorge Molina) ein beschauliches und geruhsames Leben auf der kommunistischen Karibik-Insel. Im Grunde saufen die beiden tagein tagaus oder beobachten die Nachbarsfrauen von ihrem Dach aus. Doch plötzlich tauchen vermehrt „Dissidenten“ auf, die scheinbar von den USA unterstützt werden und für Unruhe sorgen. Schon bald merkt das Grüppchen um Juan, dem auch seine Tochter angehört, dass die vermeintlichen Feinde keine politischen Ziele verfolgen, sondern vielmehr vom Hunger nach Fleisch angetrieben werden. Es sind also Zombies. Doch warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Und so beginnt Juan, mit den lebenden Untoten Geld zu verdienen. Mit der Firma ‚Juan of the Dead‘ wird er zu einer Art Anführer eines Säuberungstrupps. Natürlich laufen irgendwann die Dinge zunehmend aus dem Ruder und der Kampf ums Überleben beginnt.

‚Juan of the Dead‘ ist tatsächlich im Geiste ein ‚Shaun of the Dead‘ auf Kuba. Das geht sogar so weit, dass die Protagonisten auch hier erst eine Weile brauchen, um zu raffen, dass sie Zombies gegenüberstehen. Problematisch ist nur, dass der südamerikanische Humor anders ist als das, woran man als Westeuropäer gewöhnt ist. Und um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, viele Witze sind ganz und gar plump. Wenn beispielsweise Lazaro, Juans bester Freund, sich neben ihn stellt, um sich auf eine Frau im gegenüberliegenden Gebäude einen herunterzuholen. Dabei ist dieser Kerl eine ziemliche Kopie der Figur, die Nick Frost in ‚Shaun of the Dead‘ spielt. Außerdem werden durch Lazaro im gesamten Film drei normale Menschen umgebracht, ohne dass auch nur irgendwer sich großartig darum kümmert. Natürlich ist dies eine schwarze Komödie, aber das große Lachen überkommt mich nicht, wenn ein Opa im Rollstuhl umgebracht wird, um sein Fortbewegungsmittel zu klauen, um damit den Rum leichter zu transportieren.

Schwarzer Humor ist natürlich so eine Sache. Man kann recht leicht den Bogen überspannen und an die Grenzen des guten Geschmacks stoßen, gerade in einem blutigen Horror-Film. Und so habe ich bei ‚Juan of the Dead‘ recht oft den Eindruck, dass viele Witze auch aufgrund kultureller Unterschiede einfach nicht gut rüberkommen. So schließen sich beispielsweise ein Transvestit und ein riesiger Muskelprotz der Gruppe an. Ersterer ist so über alle Maßen weiblich, dass es stellenweise unpassend wirkt. Letzterer kann kein Blut sehen und so kämpft er sich durch die  Zombiemassen mit Augenbinde. Das mag womöglich einmal lustig sein, nervt später aber, weil es mehrmals zur Sprache kommt. Besonders krass, weil in unseren Sphären kaum vorstellbar, ist eine Szene, in der die Gruppe fliehen will. Es stellt sich jedoch heraus, dass keiner das Autofahren beherrscht. Das muss man dann hinnehmen, aber es bleibt trotzdem der Eindruck, dass man ein Fremder ist.

Schließlich kommt man zur Erkenntnis, dass eigentlich keiner der Charaktere sonderlich sympathisch ist. Juan selbst ist als semi-obdachloser Lebemensch mehr oder weniger geeignet, die Gruppe zu leiten und das Geldverdienen mit dem Leid anderer erzeugt wenig Verständnis. Der Rest ist in erster Linie ziemlich dämlich. Die gestörte Beziehung zwischen Juan und seier Tochter wird zwar beleuchtet, kann aber über die Oberflächlichkeit in dem Ganzen nicht hinwegtäuschen.

Nichtsdestotrotz sehen die Zombies ganz nett aus und mit Blut wird hier und da nicht gespart. Dafür sind die Effekte, wenn beispielsweise ein Helikopter in das Kapitol von Havanna kracht, geradezu lächerlich. Aber was erwartet man auch von so einem kleinen Filmchen.

Ganz ehrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist kein wirklich schlechter Film. Er funktioniert einfach nur teilweise nicht. Das liegt, wie bereits erwähnt, an kulturellen Unterschieden. Doch auch so ist der Plot reichlich blöd und die Witze teilweise arg niveaulos. Wer aber gerne Zombie-Filme schaut, wird die Erfahrung mit kubanischen Untoten nicht bereuen. Zumal es beinahe so etwas wie Systemkritik gibt und wo sonst hat man die Monster schon unter Palmen an paradiesischen Stränden gesehen? Zombie-Verschmäher sollten aber lieber nicht die Segel Richtung Kuba setzen.

 

Regie: Alejandro Brugués (Fabula, Personal Belongings)

Schauspieler: Alexis Díaz de Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro

Bewertung: 

War (2007)

Es hört sich ja eigentlich sehr vielversprechend an, wenn zwei Action-Schwergewichte wie Jason Statham und Jet Li aufeinanderprallen. Und der brachial kurze Titel verspricht vor allem eines, undzwar Blut in Strömen und coole Typen, die andere Typen aufmischen und irgendwelche Gangster und dergleichen. Und Waffen. Kung Fu. Schöne Frauen. Und ganz viel Blut. Doch was sich als einfacher Action-Film ankündigt, entpuppt sich zu etwas ganz anderem. Leider.

Die beiden FBI-Agenten Tom Lone (Terry Chen) und John Crawford (Jason Statham) sind dem gefährlichen Killer Rogue auf den Fersen, welcher für die japanische Yakuza arbeitet. Dabei erwischt Lone den Gangster im Gesicht, doch die Leiche kann nicht gefunden werden. Und so revanchiert sich der noch recht lebendige Rogue und tötet Lone samt Frau und Kind. Drei Jahre später ist Crawfords Ehe am Ende, denn er sucht immer noch auf besessene Art und Weise nach dem Killer seines Partners. Dann taucht Rogue plötzlich wieder in San Francisco auf und mordet sich durch einen Nachtclub voll mit Yakuza. Er schleust sich außerdem beim lokalen Triadenboss ein und spielt die beiden verbrecherischen Syndikate gegeneinander aus, womit er einen Krieg der Banden forcieren will.

Zugegebenermaßen ist die Handlung gar nicht mal so übel. Denn der Film hat am Ende einen dermaßen harten Twist, dass die gesamte Story auf den Kopf gestellt wird. Zumindest beim ersten Sehen wird man überrascht. Das ist wirklich cool, entpuppt sich dann leider in den Auswirkungen als reichlich obeflächlich. So handelt es sich bei ‚War‘ im groben Sinne um einen Rachefilm, in dem reichlich (asiatisches) Blut vergossen wird. Problematisch ist nur, dass man mit einem ungemein unbefriedigenden Ende entlassen wird, sodass sich das Gefühl einstellt, dass der Film sein Potential verschwendet.

Auch auf beinharte Action muss man größtenteils verzichten. Jet Li schlägt sich mal hier und da durch die Gegend, Jason Statham verkommt aber komplett zum Nebendarsteller, der wenig bis gar nichts zu tun hat. Dabei hätte man sich doch so gewünscht, dass sich die beiden ordentlich die Kauleiste polieren. Schlimmer ist noch, dass die Protagonisten teilweise reaktionslos über den Jordan geschickt werden. So wird ein Partner von Statham in einem Restaurant erschossen, doch weder ihn noch sonst jemanden scheint das zu jucken. Coolness und Action ist eine Sache, aber diese Gleichgültigkeit den Charakteren gegenüber durchzieht den Film und spiegelt sich besonders in der allerletzten Szene wieder, die, wie bereits erwähnt, eher so auf die Schnelle dahingeschludert wirkt.

Dann sind da noch die Gangster, die Yakuza und die Triaden. Der Film vergeudet mehrere Minuten darauf, zu zeigen, wie krass diese Banden teilweise drauf sind. So wird die Tochter des Yakuza-Bosses, Kira (Davon Aoki), eingeführt. Erst wird sie nach Amerika eingeflogen. Dort ist sie die meiste Zeit lang eine ziemliche Bitch. Dann wird sie wieder ausgeflogen. Was das ganze mit ihr sollte, bleibt im Grauen. So wird, anstatt sich auf wenige Hauptcharaktere zu beschränken, unnötigerweise versucht, der ganzen Geschichte mehr Komplexität zu verleihen. Das funktioniert aber einfach mal gar nicht, weil jede einzelne Person von vorne bis hinten eindimensional und klischeehaft ist. Schlimm ist das nicht, schließlich erwartet niemand von Jason Statham eine schauspielerische Meisterleistung. Dadurch bleiben dann aber in den 103 Minuten Spielzeit nicht mehr so viele Möglichkeiten, Action und Prügeleien einzubauen. Sowieso wird recht viel geballert, was doch gerade bei Li und Statham nicht nachvollziehbar ist.

Aber seis drum. ‚War‘ ist kein totaler Reinfall. Und der Twist um die Identität von Rogue ist für diese Art von Film ziemlich einzigartig. Trotzdem hätte das hier durchaus besser sein können. Man schaue sich nur ‚Shoot ‚Em Up‘ oder ‚From Paris with Love‘ an, wo zugunsten von Action und Style auf jedweden Ansatz von Handlung verzichtet wird. Da hat man einfach mehr Spaß, wenn man das Hirn ausschaltet. Wer mit solchen Unzulänglichkeiten allerdings umgehen kann und nicht zu viel erwartet, wird durchaus unterhalten. Jet Li hat man schon in cooleren Rollen gesehen, beispielsweise in ‚Unleashed‘ oder ‚Kiss of the Dragon‘. Und Statham macht als Transporter oder Chev Chelios ohnehin eine viel bessere Figur.

 

Regie: Philip G. Atwell (The Shield, 50 Cent: The New Breed, The Up in Smoke Tour)

Schauspieler: Jet Li, Jason Statham, John Lone, Luis Guzmán, Devon Aoki

Bewertung: 

Abraham Lincoln Vampirjäger (2012)

Geschichtsstunde mit Timur Bekmambetov. Und wer ‚Wanted‘ kennt, weiß, was das heißt. Da sind dann Vampire für den Sklavenhandel in den Südstaaten verantwortlich, Abraham Lincoln ist ein Axt-schwingender Kämpfer für Recht und Ordnung und aus irgendeinem Grund ist Silber das probate Mittel im Kampf gegen die Twilight-Vorfahren. Aber ich will mich nicht beschweren. ‚Wanted‘ hat trotz der mehr als beknackten Handlung unglaublich viel Spaß gemacht, aber da waren ja auch eine Angelina Jolie und vor allem ein unheimlich sympathischer James McAvoy dabei.

Der junge Abraham Lincoln sieht mit an, wie ein Vampir seine Mutter tötet. Dann stirbt noch irgendwann sein Vater und unser irgendwann erwachsener Held (Benjamin Walker) will irgendwie Rache üben, auf irgendeine Art und Weise. In einer Bar lernt er Henry Sturges (Dominic Cooper) kennen, der Abes Pläne durchschaut und ihm daraufhin das Leben rettet, bevor der Mörder seiner Mutter auch ihn beseitigen kann. Henry entpuppt sich als Vampirjäger und wird zu Abrahams Mentor und unterrichtet ihn in der hohen Kunst des, nun ja, Holzhackens. Dann schickt der Meister seinen Schüler in irgendein Kaff, wo er Vampire beseitigen soll, nebenbei verliebt er sich in die verlobte Mary (Mary Elizabeth Winstead), entdeckt seinen Hang zur Politik und kommt hinter eine noch größere Vampirverschwörung. Spätestens hier ist ganz klar, dass die Handlung nicht einfach bleiben wird und dabei konsequent den Weg der Verblödung geht. Die Story spannt sich dann später über mehrere Jahrzehnte auf, bis zur finalen Schlacht im Bürgerkrieg, wo die Vampire ihr Händchen im Spiel haben. Interessanter Nebenaspekt: Die Fledermäuse können sich bei Sonnenlicht umherbewegen und besitzen die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Warum diese dann trotzdem öfter mal den Kürzeren ziehen bleibt mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Anstatt unsichtbar ihre Gegner wegzumorden, müssen in dreidimensionalen Verrenkungen Kampfchoreographien abgearbeitet werden. Wirtschaftlich ist was anderes.

Tja, und dann ist da Abraham Lincoln. Natürlich ist das eine sehr witzige Idee, dem Zylinderträger eine Axt und schier übermenschliche Kräfte zu verleihen. Leider hat der Kerl die Ausstrahlung und Coolness einer Kartoffel. Man bringt ihm nie wirklich Sympathie entgegen, nichtmal als ein enges Familienmitglied von ihm ermordet wird. Lustigerweise ist dafür Henry als sein Lehrer die Coolness in Person. Der rennt permanent mit Sonnenbrille und Drei-Wetter-Taft-Fönfrisur umher und schafft es tatsächlich, dass man ihn mag. Ansonsten sind die ganzen anderen Weggefährten unglaublich egal. Jimmi Simpson (aus ‚It’s always sunny in Philadelphia‘) spielt den Chef und Freund von Abe, hintergeht ihn, dann doch nicht und irgendwie hat man auch schon keine Lust, sich groß darum zu kümmern.

Der Oberböse Adam (Rufus Sewell, der Böse in ‚Ritter aus Leidenschaft‘) ist, nun ja, voll fies. Aber auch ihm kauft man das nicht ab, zumal sein beknackter Plan mit den Sklaven vorne und hinten keinen Sinn ergibt. An seiner Seite sorgt die böse Vampirin Vadoma (Erin Wasson) unfreiwillig für die bescheuerteste Szene im ganzen Film, als sie im Finale aus einem mir nicht erfindlichen Grund der Präsidentengattin gegenübersteht.

Da helfen die zwei bis drei Twists im Film nicht weiter. Es gibt durchaus nette Kampfszenen, aber man wird das Gefühl nicht los, dass alles halbherzig und dahingeschludert ist. Und selten war mir ein Held so unsympathisch wie hier. Er ist kein Arschloch, aber als Nicht-Amerikaner habe ich keine persönliche Bindung zu Abraham Lincoln. Da schaue ich mir lieber zum zehnten mal ‚Blade‘ an.

 

Regie: Timur Bekmambetov (Wanted, Nochnoy dozor, Nochnoy bazar, Wächter des Tages)

Schauspieler: Benjamin Walker, Dominic Cooper Anthony Mackie

Rating: 

 

Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010)

Wenn ein Film mit einem pseudophilosophischen Spruch vor einer malerischen Landschaft anfängt, dann ist bereits Vorsicht geboten. Und wenn es sich außerdem um eine Computerspieleverfilmung von Disney handelt, wird der eine oder andere bereits ausschalten. Einfach weil es keine guten Filme basierend auf Spielen gibt (außer Silent Hill), siehe Battleship, Doom, Resident Evil, Far Cry, Street Fighter, Tekken, Super Mario Bros., Max Payne, Lara Croft, Postal, Alone in the Dark, Wing Commander usw. Wer auch nur die Hälfte der erwähnten Schinken konsumiert hat, dem wird gerade ein kalter Schauer den Rücken runterlaufen. Allerdings sprechen 200 Millionen Dollar Budget doch für großes Vertrauen in die Produktion rumd um den persischen Prinzen.

Gleich nach der Instagram-esken Anfangssequenz wird uns der junge Dastan präsentiert, der vom persischen König (Alfred Molina) so mir nichts dir nichts auf dem Basar adoptiert und zum Teil der Königsfamilie wird. Wir springen ein paar Jahre in die Zukunft und Dastan (Jake Gyllenhal) ist ein stattlicher Mann geworden, der zusammen mit seinen Brüdern und Onkel Nizam (Ben Kingsley) in den Kampf um die Stadt Alamut zieht. Die Herrscherin des Örtchens Tamina (Gemma Arterton) ist natürlich nicht von der Eroberung und dem Blutbad begeistert. Als die Perser gerade die große Orgie bzw. Party starten wollen, kippt der König auf einmal tot um und Dastan wird zum Verräter und Vatermörder erklärt. Mit Tamina und zufälligerweise auch einem ziemlich heiligen und mächtigen Dolch flieht er in die Wüste. Dann tingelt das Pärchen durch die ewigen Weiten, natürlich streitend und mit total lustigen Dialogen. Coolerweise enthält das Brotmesser den Sand der Zeit, der dem Träger die Fähigkeit verleiht, kurze Zeitsprünge in die Vergangenheit zu tätigen und so etwaige Fehler zu vermeiden. Es folgt eine Odyssee durch sandige Orte und ohne klaren Plan. Zumindest wirkt die gesamte Geschichte arg unkreativ.

Wir treffen auf einen total lustigen Banditen. Der ist übrigens total lustig. Auch Dastan ist lustig, weil er eine große Klappe hat. Nur seine weibliche Begleitung schafft es, nicht nur dem Prinzen, sondern auch dem Zuschauer erheblich auf den Zeiger zu gehen. Da hilft auch das hübsche Gesicht von Gemma Arterton nicht. Aber wie sollte es auch anders sein: Wenn man eine Woche zusammen verbringt, bricht das Eis und die mehr als durchschaubare Beziehung zwischen Prinz und Prinzessin bahnt sich ihren Weg. Dabei schafft es der Film, von Anfang bis Ende unendlich oberflächlich zu sein. Praktisch jede Person ist charakterlos. Dastan ist der Junge von der Straße, der seine Familie retten will und der aber auch total edle Beweckgründe hat. Tamina ist nerviger als ein Furunkel und einfach eine Bitch, die zum Ende hin aber netter wird und Gefühle zeigt. Ben Kingsley als Onkel ist ein zu stark geschminkter Glatzkopf, der so durchschaubar ist wie ein Fenster bei Tag. Und hier und da gibt es dann die mehr oder weniger überflüssigen Sidekicks, die für einen Witz herhalten und danach ziemlich schnell in Vergessenheit geraten.

Disney versucht mit Dastan, eine Art Jack Sparrow der Wüste zu kreieren und dabei zeitgleich nicht zu nah an den Captain heranzukommen. So ist der Prinz aber nie wirklich sympathisch. Einfach weil Johnny Depp ein ganz anderes Kaliber ist und auch weil die Dialoge nicht viel Raum zum Kennenlernen lassen. Dass die Handlung dabei total unmotiviert und teilweise auch nicht glücklich geschnitten wirkt, hilft dem Film leider nicht weiter. Und gerade als am Ende die Story in ein eher unspannendes Finale hinausläuft, schafft es Prince of Persia, mit einem sehr netten Twist die Geschichte zu retten. Das Aushängeschild der Spielereihe, nämlich die rätselartigen Sprungpassagen, kommen nicht häufig vor. Das ist auch verständlich, denn was im Spiel Spaß macht, würde hier defninitv nicht funktionieren. Das hätte man womöglich mit Parcours-Elementen kompensieren können, aber auch das bleibt die Ausnahme. Die Erstürmung von Alamut mit dem kletternden und hüpfenden Dastan ist dabei das Highlight und besitzt auch eine angenehme Dynamik und einen Bewegungsfluss, der später nie wieder erreicht wird.

Die Bösewichte, die ich mal lieber nicht spoile, sind außerdem irgendwo zwischen dämlich und auf Droge. Oder beides. Denn der verfolgte fiese Plan grenzt an Debilität. Dadurch existiert wahrlich nicht eine prägnante Figur im Film. Selbst Oscar-Preisträger Ben Kingsley kann da nicht viel ausrichten. Und so ist Prince of Persia nicht viel mehr als ein 08/15-Hollywood-Film. Glattpoliert und professionell gemacht, aber ohne Seele, ohne Witz und vor allem ohne Erinnerungswertes. Eine weitere seelenlose Big-Buget-Produktion, die sich nicht traut, irgendetwas Markanter oder Innovatives zu versuchen. Wer Bock auf die Wüste hat, guckt sich lieber ‚Die Mumie‘ an. Die Effekte sind zwar nicht wirklich zeitgemäß, aber der Humor macht das allemal wett. ‚Aladdin‘ und ‚Asterix und Kleopatra‘ bieten neben Sand auch einen hohen Unterhaltungswert.

Und die Moral von der Geschichte? Effekte ersetzen weder Handlung noch Charaktere. Genausowenig macht Instagram aus uns allen total tolle Fotografen. Da hilft auch der pseudophilosphische Spruch nicht, der nochmal am Ende erscheint.

Regie: Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch, Donnie Brasco, Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Die Liebe in Zeiten der Cholera)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Ben Kingsley, Gemma Arterton

Bewertung: 

Lockout (2012)

Selten hat mich ein Trailer mehr abgetörnt als der von Lockout. Innerhalb von zwei Minuten hat man darin nämlich ein gutes dutzend dummer Sprüche und Oneliner zusammengeschnipselt, die alle auf ein junges und unreifes Publikum abzielen. Viel schockierender dabei war für mich eher, dass man Guy Pearce eine ‚coolere‘, weil tiefere,  Synchronstimme verliehen hat und dass der Kerl eigentlich so gar nicht in diese Art von Film passt. Besonders in L.A. Confidential, The Time Machine und Memento hat er mir gut gefallen und jetzt das? Nichtsdestotrotz hat Clive Owen jedoch bereits in Shoot ‚Em Up bewiesen, dass auch ein eher dümmlicher Actionfilm unglaublich viel Spaß machen kann. Und wer sonst außer Luc Besson sollte sowas hier produzieren?

Snow (Guy Pearce) sitzt in der Klemme. Der Ex-CIA-Agent wurde bei einer Datenübergabe hinters Licht geführt und soll nun 30 Jahre lang in einem Hochsicherheitsgefängnis im All sein Dasein fristen. Da trifft es sich gut, dass nach einer Revolte die Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) als Geisel genommen wird und der großmäulige Snow als Einmannarmee die gute Frau befreien soll. Problematisch sind jedoch die gut 500 ziemlich psychotischen Gefangenen, die ihren Frost-Tiefschlaf alles andere als nett empfunden haben.

Gleich die erste Szene verdeutlicht, wer Snow ist: ein exzentrisches Arschloch, das in seiner Coolness auf alles und jeden scheißt. Im Grunde verarscht er jede einzelne Person, die ihm begegnet und hat auch noch Spaß dabei. Im Sekundentakt fallen ihm schlaue Sprüche ein, die sein Leben nicht unbedingt einfacher machen. Trotzdem bleibt Snow immer Herr der Lage und sorgt so, zumindest in der ersten Hälfte des Films, für ordentliche Unterhaltung. Die hohe Frequenz und die Konsequenz seines Dummgelabers ist so dermaßen over the top, dass er mir tatsächlich sympathisch wird, trotz oder gerade wegen der für Guy Pearce ungewohnten Rolle. Man merkt auch, dass dem Kerl dieser Film vermutlich eine gehörige Portion Spaß bereitet hat.

Allerdings hält sich diese Atmosphäre nicht sehr lange. In der zweiten Hälfte bekommt das Präsidententöchterchen immer mehr zu sagen, was dem Film überhaupt nicht gut bekommt. Denn Emilie ist leider nicht mehr als ein naiver Klotz am Bein unseres eigentlichen Helden. Da will sie unbedingt die anderen Geiseln retten, obwohl ihr doch extra davon abgeraten wurde. Und auf einmal predigt sie Moral, ohne dabei irgendwie große Dankbarkeit für ihren Retter zu zeigen. Emilie ist es auch, die ständig Probleme bereitet und dadurch völlig Fehl am Platz wirkt. Zwar soll sie dem Film so eine Art Botschaft verleihen bzw. den netten Menschen in Snow ansprechen, doch so treten die Schwächen von Lockout zu Tage.

Die Handlung wäre im Grunde akezptabel, wird aber zum Schluss hin zunehmend bemühter und unsinniger. Anstatt eines coolen Showdowns zwischen Snow und dem zahlreich vorhandenen Gefängnisgemüse erwartet einen bloß ein wenig Geballer hier und da. Mehr nicht. Da will die Regierung beispielsweise Kampfraumschiffe zum Space-Knast schicken, um es in die Luft zu jagen. Die meisten der Angreifer fliegen allerdings in die Luft, weil das Gefängnis ein Abwehrsystem besitzt. Warum müssen bitteschön so viele von den Guten dabei draufgehen? Hätte man das Gerät nicht von weitem aufs Korn nehmen können? Stattdessen wird Star Wars-mäßig erstmal durch den Weltraum gedüst, weil der Sprengsatz natürlich nur an einer bestimmten Stelle aufgetragen werden kann. Es entsteht der Eindruck, dass man auf Gedeih und Verderb unbedingt noch einen Fight im Kosmos einbauen wollte. Die Vorgeschichte um Snows Festnahme ist außerdem relativ einfach zu durchschauen und es stellt sich die Frage, warum der ansonsten so smarte Kerl da nicht von alleine auf die Lösung gekommen ist. Dass natürlich da noch ein Twist hineingeschmuggelt werden muss tut mir ehrlich gesagt ziemlich weh, weil dieser völlig unnötig ist und dem Film gar nichts gibt.

Im Gefängnis selber gibt es mit Alex (Vincent Regan) eigentlich einen ziemlich charismatischen Oberbösen, der aber keine Screentime bekommt und in der Mitte aus irgendeinem Grund eine ganze Weile lang nicht auftaucht. Hier wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt, zumal man über das Raumschiff-Kommunikations-System noch den einen oder anderen guten Dialog zwischen den Protagonisten hätte einbauen können. So sind Snow und Emilie nicht viel mehr als sinnlos im Weltraum unterwegs. Stellenweise fühlte ich mich an Luc Bessons ‚Das fünfte Element‘ bzw. den ‚Transporter‘ erinnert, doch dafür mangelt es Lockout irgendwie an Seele. Zum Ende hin wirkt alles unrund und eilig zusammengeschustert. Besonders der finale Dialog ist dermaßen lächerlich und grenzdebil, dass man einfach mit einem negativen Gefühl entlassen wird. Das soll aber nicht heißen, dass der Film nicht auch ein paar nette Szenen hat. Die sieht man jedoch lustigerweise alle im Trailer, der mir ja eigentlich nicht gefallen hat. Außerdem macht es Shoot ‚Em Up einfach besser, weil man den Helden nicht unnötig vermenschlicht. Michael Bay-Freunde werden vermutlich mit Lockout trotzdem 95 Minuten lang hohlen Spaß haben, der Rest erfreut sich an Clive Owen, Jason Statham oder Danny Trejo.

Regie: James Mather (Adam & Paul, Prey Alone), Stephen St. Leger (Prey Alone)

Schauspieler: Guy Pearce, Maggie Grace, Peter Stormare, Vincent Regan

Bewertung: 

Event Horizon (1997)

Das Weltall. Unendliche Weiten. Irgendwo mittendrin: eine Horde von entwickelten Affen, die auf einem gigantischen Raumschiff aus Stein mit 107 000 km pro Stunde durch den Kosmos reisen. Einer von ihnen dreht schlechte Filme über Spiele und ähnliches und schimpft sich Paul W. S. Anderson. Bekannt dürfte er vor allem für seine Resident Evil-Verfilmungen sein, deren Rezensionen auch auf dieser Seite zu finden sind (1, 2, 3 & 4 für Such-Faule) und für seine Gemahlin Milla Jovovich. Halt! Warum spielt die hier nicht mit? Ganz einfach, 1997 war die gute Frau noch mit Luc Besson verheiratet (und war so auch beim 5. Element dabei). Und jetzt ohne Umschweife ab ins Weltall!

Im Jahre 2047 muss die Mannschaft der ‚Lewis & Clark‘ das gestrandete Raumschiff ‚Event Horizon‘ in der Nähe des Neptuns untersuchen. Captain Miller (Laurence Fishburne) mit seiner Crew sowie Dr. William Weir (Sam Neill) stoßen dabei auf niemanden, beginnen jedoch, allesamt zu haluzinieren und durchzudrehen. Wichtig ist dabei auch der neuartige Antrieb der Event Horizon, der über Gravitations-Blablablas ein schwarzes Loch erzeugt, um den Raum und die Zeit zu krümmen und so mit Überlichtgeschwindigkeit im Weltall rumzuschippern. Da ist aber eben irgendwas schief gegangen und die Ex-Crew hat das nicht ganz so gut vertragen. Ich warne schon mal vor: Die Auflösung am Ende ist durchaus mit einem großen „WHAT THE FUCK“ zu umschreiben.

Der 90-minütige Mix aus Sci-Fi, Horror und Mystery beginnt noch ganz nett. Unbekanntes Raumschiff, ein paar Leute untersuchen es, trennen sich auf, einem passiert was und dann entspinnt sich ein wenig Spannung aus gelegentlichen Schockmomenten. Das kennt man (Alien, Sunshine, Das Ding aus einer anderen Welt), das mag der eine oder andere noch. Hin und wieder stirbt mal jemand, doch das ist egal, weil es keinen Helden gibt. Die acht Leute sind allesamt nicht allzu ‚deep‘, zumal Sam Neill überraschend farb- und lustlos wirkt. Besonders eine Szene, in der ihm seine Frau erscheint, die zuvor Suizid begangen hat, wirkt total merkwürdig und fernab jeglicher Schauspielerei. Matrix-Freunde freuen sich jedoch über Laurence Fishburne, der in seiner Rolle scheinbar schon mal für den Morpheus zwei Jahre später trainiert hat. Und so ist es tatsächlich Fishy, der den Film noch halbwegs erträglich macht, obwohl seine Figur auch nicht sonderlich viel zu erzählen weiß.

Die Effekte und dergleichen gehen in Ordnung. Jedoch wirkt eine Szene, in der einer aus der Mannschaft in den Weltraum geschleudert wird und versucht, wieder zurückzugelangen, doch arg animiert. Für 1997 ist das aber wohl nichts, was man unbedingt ankreiden müsste. Das Design des Gravitations-Dingstas ist aber tatsächlich gelungen und wirkt cool. Dann wird Event Horizon jedoch zusehends mehr zum Mystery-Film und das tut der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht gut. Hier ließ sich Paule wohl von ‚Doom‘ inspirieren. Und am Ende fragt man sich, was das alles sollte. Es gibt dann noch Elemente aus dem Splatter-Film (Hallo Saw!) und das Standard-Ende für Filme dieser Machart.

Event Horizon ist für mich der typische Paul W. S. Anderson-Film: Ein seelenloser Abklatsch von irgendwas, was einst mal vielleicht eine nette Idee war. ‚Sunshine‘ von Danny Boyle mit Cillian Murphy ist relativ ähnlich, aber ungemein besser. ‚Alien‘ von Ridley Scott hat 18 Jahre vor dem Ereignishorizont bereits einen Standard für Sci-Fi-Horror gesetzt, dem Paul W. S. Anderson nichts entgegenzubringen hat. Und sogar ein ‚Lost in Space‘ ist zumindest meiner Meinung nach deutlich besser oder unterhaltsamer. Wer jetzt noch Lust auf Event Horizon hat, dem sei vor allem bei den letzten 10 Minuten viel Spaß gewünscht. Ich stürze mich derweil lieber in das nächste schwarze Loch.

Regie: Paul W. S. Anderson (Resident Evil 1 + 4, Death Race, Alien vs. Predator)

Schauspieler: Sam Neill, Laurence Fishburne, Joely Richardson

Bewertung: 

Johnny English – Jetzt erst Recht (2011)


Es ist wie immer das gleiche Spiel. Ich sehe einen Trailer und freue mich tierisch auf einen Film. So war es schon mit allen möglichen Streifen, die am Ende dann mehr oder weniger scheiße waren oder sind. Von World Invasion: Battle Los Angeles über G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra, Kampf der Titanen bis hin zu Apollo 18. Die Liste ist endlos forsetzbar (Outlander, Sucker Punch, Fluch der Karibik 4, Wolverine, Legion, Transporter 2 + 3, alle Transformers). Inzwischen herrscht ein problematisches Verhältnis zu Trailern, die Angst vor einer weiteren Verarsche überwiegt. Das Vertrauen zerstört, die Hoffnung nicht mehr vorhanden. Wie tragisch… doch dann kam vor gut einem Jahr der Trailer zu Johnny English – Jetzt erst Recht daher und da war sie, die Hoffnung auf einen total lustigen und geilen Film mit Mister Bean a.k.a. Rowan Atkinson! Jaja, Eye of the Tiger im Trailer ist eigentlich kein gutes Zeichen, aber was hab ich früher Mister Bean gesuchtet. In den 90ern. Als das Leben noch einfach und die Trailer ehrlich waren.

Und Johnny English 2 beginnt eigentlich ganz in Ordnung. Der ehemalige Geheimagent des MI-7 (Rowan Atkinson) ist nach einem missglückten Einsatz ins Exil gegangen, doch eine geheime Geheimgesellschaft plant einen geheimen Anschlag auf den (geheimen?) britischen Premierminister und den (noch geheimeren?) chinesischen Regierungschef und so reaktiviert man Mister English. Jedoch gibt es einen Maulwurf in den Reihen des britischen Geheimdienstes und so muss English mit seinem Gehilfen Agent Tucker (Daniel Kaluuya) die Welt retten. Zur Mitte hin verliert der Film jedoch zusehends an Ideen und Feinschliff und so klamaukt es irgendwie vor sich hin.

Im Trailer sieht man, wie Johnny auf einem hochmotorisierten Rollstuhl vor allerlei Gegnern flieht, doch eine spannende Verfolgungsjagd mit solch einem merkwürdigen Gefährt wird nicht großartig verwendet. Alles, was man dazu bereits aus dem Trailer kennt, sieht man auch im Film. Das ist schade und gerade mit so etwas hätte man den üblichen Agenten-Film ganz gut parodieren können. Zu Beginn hatte English sogar noch einen netten Charme: Als ein Fiesling in bester Parcours-Manier vor ihm flieht und er relaxt hinter ihm herschlendert, dachte ich bereits, man schafft es, einen sympathischen und nicht allzu beschämenden Film hinzubekommen. Leider wird es von da an immer schlechter. Ich versuchte, Rowan Atkinson immer noch eine Chance einzuräumen, doch auch sein Credit ist irgendwann verspielt und so ist Johnny English gerade am Ende so vollkommen belanglos und unlustig, dass es einfach nur schade ist. Wenn er zum Beispiel im Tiefflug einen Helikopter zu einem Krankenhaus fliegt und sich in den Autoverkehr einreiht, dann mag das vielleicht noch für Kinder einigermaßen lustig sein, aber mir war das dann einfach zu blöd. Und das tut mir leid, weil ich immer noch ein großer Fan von Mister Bean bin und Johnny English im Vergleich dazu einfach nur ein profilloser Schatten einer so glorreichen Vergangenheit ist. An den ersten Teil erinnere ich mich nicht mehr ganz genau, doch ich denke, dass der zweite ein wenig besser ist. Aber nicht viel. Ein Fan von Austin Powers bin ich nicht, doch der ist auf jeden Fall besser. Wenigstens schafft es Johnny English, nicht ganz so dermaßen blöd zu sein wie ein Knight and Day. Eine große Leistung ist das jedoch nicht.

Regie: Oliver Parker (Othello, Ein perfekter Ehemann, Das Bildnis des Dorian Gray)

Schauspieler: Rowan Atkinson, Rosamund Pike, Daniel Kaluuya)

Bewertung: 

 

Aushilfsgangster (2011)

Aushilfsgangster ist einer dieser Filme, wo man sich fragt, warum der Originaltitel eingedeutscht wurde. ‚Tower Heist‘ klingt ja nun nicht so unbedingt schlecht und man kann dem deutschen Kinogänger doch eigentlich zutrauen, das zu verstehen. Bei Inception hat es doch auch geklappt bzw. klänge „Anfang“ auch nicht so wirklich beeindruckend. Dass das Eingedeutsche von fremdländischen Filmen gerne mal in die Hose geht, beweisen zahlreiche Filme vor Aushilfsgangster, allen voran der Fluch der Karibik. Im Original „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl“ für den ersten Teil, wurde die Namensgebung für Teil 2 schon ziemlich abstrus. Wo im Englischen noch „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ zu lesen war, schauten wir in Deutschland „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“, um dann im dritten Teil wieder auf die Zahl und ‚Fluch der Karibik‘ zu verzichten: „Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt“ (Original: Pirates of the Caribbean: At World’s End). Zum ersten mal Kontinuität haben wir jetzt, da der vierte Part „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ heißt. Warum erzähle (äh schreibe) ich das ganze? Ach ja, Tower Heist. Oder Aushilfsgangster? Warum benennt man sowas um? Ganz einfach, nämlich dann, wenn der Film selbst nicht genug Charakter hat, um mit Originaltitel hierzulande zu bestehen.

In Aushilfsgangster steht Josh Kovacs (Ben Stiller) im Vordergrund, der selber aus ärmlichen Verhältnissen kommt, dabei jedoch Manager der teuersten Immobilie der Welt ist. Das klingt ehrlich gesagt nicht so wirklich logisch, aber man kann damit leben. Der Tower ist ein Wolkenkratzer im Herzen von New York, in dem reiche Leute leben. Ganz oben wohnt der stinkreiche Finanzjongleur Arthur Shaw (Alan Alda). Dieser verwaltet auch den Pensions-Fonds aller Mitarbeiter des Towers. Leider veruntreut er das gesamte Geld und die ganzen Leute stehen ohne Absicherung oder Ersparnisse dar. Das macht Josh wütend und so fasst er den Entschluss, zusammen mit Charlie (Casey Affleck), Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und dem abgehalfterten Kleinkriminellen Slide (Eddie Murphy) den vor Gericht immunen Shaw zu beklauen. So entwickelt sich der Film zu einem Heist-Movie im Stile eines Ocean’s Eleven, nur eben mit einer Bande von Vollpfosten anstatt cooler Ganoven wie George Clooney und Brad Pitt.

Interessanterweise fand ich die ersten zwanzig Minuten sehr unterhaltsam. Da geht es noch nicht um irgendeinen Raubüberfall, sondern vielmehr um das Leben der kleinen Menschen im Schatten der stinkreichen Bewohner des Towers. Wir sehen, wie Ben Stiller Leuten die Türen aufhält und sein Leben der Befriedigung fremder Bedürfnisse widmet. Und hier dachte ich noch, dass womöglich eine sozialkritische Komponente den Film umgibt, ein humoristischer Kommentar auf die gesamte Occupy Wall Street-Bewegung. Doch diese Hoffnung verflüchtigt sich schnell, denn dann greifen die typischen Elemente von Raubüberfall-Filmen. Erst wird die Mannschaft gesammelt, dann wird geplant, dann wird durchgeführt und natürlich läuft nicht alles nach Plan.

So verspielt Aushilfsgangster jegliche Tiefgründigkeit, die man ihm anfangs noch versuchte, zu unterstellen. Problematisch ist dann, dass der Raubüberfall einfach vollkommen blöd ist. Es gibt keine coolen Abläufe, die ein Ocean’s Eleven bietet oder harte Schießereien wie bei Heat. Die Beteiligten wissen einfach nicht so recht, was sie da machen und so scheint das ganze Handeln nach völlig zufälligen Mustern abzulaufen, die keinen Sinn ergeben. Hier sticht eben das unheimlich schwache Drehbuch hervor, das keinen einzigen Protagonisten sympathisch erscheinen lässt. Besonders Slide, verkörpert von Eddie Murphy, ist völlig unlogisch und ein peinlich-klischeebehafteter Typ. Das liegt nicht etwa daran, dass Eddie Murphy ihn schlecht spielt. Es sind eher die ganzen Dialoge und Interaktionen, die einfach nur dumm sind.

Am Ende versucht dann Aushilfsgangster, einen cleveren Twist anzubringen, den man ihm jedoch einfach nicht mehr abkauft. Außerdem wird es unlogisch. Ich würde jetzt den Film spoilen, wenn ich allzu viel davon reden würde, aber soviel sei gesagt: Niemand notiert seine illegalen Geschäfte haargenau in einem Notizbuch, um dieses Büchlein dann bei sich zu Hause rumliegen zu lassen. Außer ganz blöde Menschen vielleicht. Und blöde Filme eben. Und so hinterlässt Tower Heist einen schlechten Nachgeschmack bei mir. Das ist schade. Ich mag nämlich Ben Still und Matthew Broderick, und auch Eddie Murphy, obwohl der eigentlich schon alle seine Kredits verspielt hat (Kindergarten Daddy, I Spy, Dr. Dolittle, Norbit, Die Geistervilla sind allesamt natürliche Abführmittel fürs Auge). Doch die lustigsten Leute können einen Film nicht retten, der nicht wirklich viel Sinn ergbit und am Ende seiner 104 Mintuten Laufzeit eher seelenlos bleibt. Aushilfsgangster ist genau wie sein Drehbuch: sehr, sehr schwach. Bessere Bankräuberfilme gibt es unzählige, bessere Komödien auch. Lustige Heist-Filme existieren mit der Ocean’s-Trilogie sowie den älteren Guy Ritchie-Streifen auch. Damit steht Tower Heist auf verlorenem Posten. Niemand wird sich daran noch in 10 Jahren erinnern.

Regie: Brett Ratner (Rush Hour I, II, III, Money Talks, X-Men 3, Roter Drache)

Schauspieler: Ben Stiller, Casey Affleck, Matthew Broderick, Eddie Murphy

Bewertung:  


The Core – Der innere Kern (2003)

Oh nein! Die Welt steht vor dem Ende. Menschen mit Herzschrittmachern sterben, die ohnehin nicht ganz so schlauen Tauben verhalten sich ein wenig dümmer als gewohnt und Space Shuttles navigieren nicht mehr ganz so zuverlässig. Halb so schlimm eigentlich. Coolerweise haben die Amis jetzt überall Polarlichter. Auch ganz nett. Da jedoch die flüssigen Metalle im Erdkern nicht mehr rotieren, bricht allmählich das Magnetfeld der Erde zusammen, mit unglaublich krassen Auswirkungen auf den Planeten Erde. GOTT SEI DANK gibt es noch die Amerikaner, die (wie immer) das Heft in die Hand nehmen und den Versuch anstellen, uns alle zu retten. Wo wären wir nur ohne die? Man erinnere sich nur an Armageddon (1998), Independence Day (1996) und Krieg der Welten (1953 & 2005), um nur ein paar wenige zu nennen. Ganz ehrlich, wenn unsere Rettung genauso käsig wäre wie The Core, dann würde ich mich mit Freude für die Apokalypse entscheiden.

Aaron Echhart spielt einen College-Professor, der total hip und dazu auch noch schlau ist. Hillary Swank ist eine superschlaue und heiße NASA-Astronautin und Stanley Tucci ein aufgeblasener Geologe. Mit noch ein paar anderen Kollegen begeben wir uns auf die spannende Reise zum Mittelpunkt der Erde, um, wie sollten es die Amerikaner auch anders machen, mit ein paar Atombomben Mütterchen Erde ein wenig Feuer unter dem Arsch zu machen. Gott sei dank verfügen wir über die Technologie, um so eine Art U-Bahn zu bauen, die JEDEM MUTTERGEFICKTEN Druck standzuhalten scheint. Und jeder noch so hohen Temperatur. Die U-Bahn gen Hölle verfügt über mehrere Abteile, die, wie sollte es denn auch anders sein, abgekoppelt werden können, wenn mal jemand in Panik gerät. So kommt es, dass hin und wieder einen der sechsköpfigen Crew das Zeitliche segnet. Oha, ein Spoiler! Und hier kommt noch einer: In jedem dieser dummen Filme, in denen wir unseren Planeten retten, funktioniert der ursprüngliche Plan natürlich nicht, und unsere Helden müssen im ALLERLETZTEN Moment noch irgendwas anderes austüfteln, und so weiter und so fort. Ich will jetzt auch nicht den Geologen spielen, aber einige Dinge erscheinen unglaublich unlogisch und einfach nur an den Haaren herbeigezogen.

Doch halt! Ungeachtet der Probleme unserer 6 Freunde in der U-Bahn, haben wir auch noch Probleme weiter oben. Denn das böse Militär hat natürlich auch noch eigene Pläne und so weiter und so fort. Hier hätte ich fast wieder gespoilert. Aber mal im Ernst, stört das irgendwen? Ich hoffe nicht, denn einfach alles in The Core ist so vorhersehbar wie das Wetter von gestern… Einen Moment, ergibt der letzte Satz überhaupt Sinn am Ende? Keine Ahnung, jedenfalls ist dieser 135-minütige Schinken nicht viel sinniger. In einer Szene erklärt Aaron einem Gremium, was passiert, wenn das Magnetfeld weg ist. Alles in Ordnung und einleuchtend. Doch um sein Gefasel zu unterstützen, schnappt er sich noch einen Pfirsich und zündet ihn an (der Pfirsich ist die Erde, die von der Sonne gegrillt wird). Und alle so: OHHHHH! Als ob man jetzt erst gerafft hätte, worüber er redet. Ohne den verdammten Pfirsich hätte ich das alles für einen schlechten Witz gehalten, doch mit dem Pfirsich ändert sich alles.

Interessant ist für mich auch folgendes: Der Film wird ins Deutsche synchronisiert, inklusive Schrift (z. Bsp. wo und wann wir uns gerade befinden), doch trotzdem werden im Deutschen nur Meilen-Angaben verwendet. Keine Ahnung, aber wenn ich was in Deutschland verkaufen will, dann benutze ich das metrische System. Das ist natürlich kein Verbrechen, aber wenn man sich langweilt, ist man schneller von allen möglichen Kleinigkeiten genervt. Außerdem ist die Konstruktion unserer U-Bahn der totale Witz. Natürlich befindet sich Schalter XYZ draußen, wo 9000 °C sind und sich dann einer opfern muss, um ihn zu betätigen.

Dann gibt es eine Szene, wo gezeigt wird, wie Rom von einem Blitzsturm vernichtet wird. Das Colosseum explodiert und man muss fast lachen, weil das irgendwie total ***eiße animiert ist. Die letzten drei oder vier Szenen sind dann in einem Maße lächerlich und blöd, dass das eher negative Bild dann noch einmal getrübt wird. Ich habe bereits erwähnt, dass ich kein Geologe bin. Hacker bin ich auch nicht, aber ich denke mal, dass es mehr als einen Spasti an einem Rechner benötigt, um ALLE GOTTVERDAMMTEN INFORMATIONEN AUF UNSEREM PLANETEN ZU KONTROLLIEREN. Vielleicht auch nicht, ist mir aber auch egal. Denn The Core ist mir auch egal. Ein ganz, ganz schwacher Film, der wie eine Billigversion von Armageddon wirkt. Und Armageddon ist jetzt auch nicht so wirklich gut. The Core tanzt jedoch locker Limbo unter dem Niveau des Asteroiden-Films.

Bonus-Info: In The Core spielt Matt Winston in einer klitzekleinen Minirolle mit. Es ist keine Schande, ihn nicht zu kennen, ich kannte ihn auch nur vom Aussehen her. Er spielt in Scrubs Dr. Jeffrey Steadman, den Arschkriecher von Dr. Kelso in der ersten Staffel. Hier stirbt er einfach nur als ein Autofahrer in einer Szene, wo gerade die Erde von der Sonne geröstet wird. Hoffentlich hat diese Information jetzt irgendeine andere wichtige verdrängt!

Regie: John Amiel (Agent Null Null Nix, Copykill, Verlockende Falle)

Schauspieler: Aaron Eckhart, Hilary Swank, Stanley Tucci (den ich die ganze Zeit für Mark Strong hielt verdammt)

Bewertung: