Lock Up – Überleben ist alles (1989)

Es gibt Filme, bei denen ist eigentlich von vornherein klar, was passieren wird. Und dann gibt es ja auch noch Schauspieler, bei denen von vornherein klar sein sollte, auf was für Rollen sie gebucht werden. Und wer hinter ‚Lock Up‘ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle ein gesellschaftskritisches Stück mit facettenreicher Handlung vermutet, hat vermutlich noch nie Rambo gesehen. Oder Over the Top. Oder Rocky. Oder Cliffhanger. Oder The Expendables. Oder jeglichen anderen Film mit Sly in der Hauptrolle. Außer Copland, der war wirklich gut. Aber wir sind hier schließlich bei Lock Up, und dahinter verbirgt sich, wer hätte das gedacht, ein Knast-Action-Streifen. Mit Dramaelementen!Lock Up

Frank Leone (Sylvester Stallone) ist ein eigentlich herzensguter Mensch. Wer hätte das gedacht? Zwar kommt er von der Straße, doch seinen Lebensunterhalt verdingt er sich als Automechaniker. Fair und ehrlich und irgendwie auch sehr amerikansich. Wer hätte das gedacht? Außerdem hat er eine hübsche Freundin. Wer hätte das jetzt nun gedacht? Unschuldig wie er nun mal ist, als guter Amerikaner, muss er jedoch eine gewisse Zeit im Knast absitzen. Kurz vor seiner Entlassung wird Frank verlegt und muss nun unter dem tyrannischen Knastdirektor Warden Drumgoole (Donald Sutherland) leiden, der noch eine offene Rechnung mit ihm hat. Und so beginnt ein harter Kampf ums Überleben.

Natürlich findet der gute Franky-Boy schnell Freunde im Knast. Unter anderem Dallas (Tom Sizemore) und First Base (Larry Romano). Und noch natürlicher findet er diverse Feinde. Nicht nur unter dem Mitinsassen Chink Weber (Sonny Landham), sondern auch, wer hätte das gedacht, unter den Wärtern. Allerdings kann er sich dank der hausinternen KFZ-Meisterwerkstatt im Gefängnis von seinen täglichen Sorgen ablenken. Das hätte wirklich keiner gedacht. Mit Franks näher rückenden Entlassung scheint der beknackte Direktor allerdings auch zunehmend an Verstand zu verlieren, was zur Eskalation führen muss. Involviert sind dabei auch ein elektrischer Stuhl und ein Showdown, der die Grenzen logischen Denkens souverän durchbricht.

Besondere Erwähnung sollten dabei zwei bis drei Szenen unter den Männern in der Werkstatt finden, die ungewollt eine gewisse erotische Anziehungskraft der Häftlinge zueinander vermuten lassen können. Hey, das soll nicht verurteilt werden. Aber vermutlich war das nicht die Inention von Regisseur John Flynn. Ansonsten nimmt sich der Film an vielen Stellen furchtbar ernst und portraitiert unseren Recken als unerschrockenen Mann aus der Unterschicht, der sich nicht von der Obrigkeit verbiegen lässt. Was für ein Schweinehund!

Und tatsächlich, man empfindet hier und da schon etwas Sympathie für Frank oder einen seiner Freunde. Dabei ist das natürlich niemals auch nur annähernd so fesselnd wie Die Verurteilten. Aber für einen Sly-Film doch schon echt in Ordnung. Leider verliert der Streifen gerade zum Ende hin furchtbar stark, weil das Finale, wie man es auch wenden mag, einfach wenig Sinn macht. Aber vermutlich ist das auch egal. Hier ging es nie um eine schlüssige Handlung. Und wer Sylvester Stallone mag und sich mit allen eingangs erwähnten Filmchen gut anfreunden kann, wird auch mit Lock Up angenehme 109 Minuten verbringen. Schließlich ist da, wo Stallone draufsteht, auch immer Stallone drin. Außer vielleicht bei Copland, der war wirklich überraschenderweise ziemlich gut. Wer hätte das gedacht?

 

Regie: John Flynn (Deadly Revenge, Brainscan, Bestseller)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos, Tom Sizemore, Sonny Landham, Frank McRae, Larry Romano

Bewertung: 

 

Assault on Wall Street (2013)

Anschnallen. Festhalten. Denn hier kommt der erste gute Film von Uwe Boll. Ja, ich weiß, das hört sich wie ein dummer Scherz an. Ist aber keiner. Nein, wirklich. Nein, es ist keine Videospielverfilmung. Nein, es ist auch kein Meisterwerk. Aber der Film ist trotzdem gut. Und sogar ein paar gute Schauspieler sind dabei. Wer zum Beispiel? Na, wie wärs mit Dominic Purcell! Der Bruder von dem Typen aus Prison Break. Naja, so gut ist er jetzt auch wieder nicht. Aber John Heard spielt mit! Der Vater von Kevin allein zu Haus! Und der Vater von Kevin allein in New York! In Sharknado spielt er auch mit! Zugegeben, so richtig der Kracher ist er auch nicht. Aber wie wärs mit Keith David? Dem Priester-Typen aus Riddick I und II? Sogar Eric Roberts spielt mit! Eric Roberts! Der Böse aus Expendables. Und in The Dark Knight war er dabei. Außerdem ist er der Bruder von Julia Roberts, und das muss doch auch etwas zählen. Nicht? Okay. Das Beste kommt zum Schluss, denn Edward Furlong ist auch dabei! Edward Furlong, Baby! Wer das ist? Das ist der großartige Furlong! Der Junge in Terminator II und in American History X. Zugegeben, viel hat er danach nicht mehr gerissen, aber er hat mal die Luft von Arni und Edward Norton geatmet. Ist doch auch ganz nett.assault on wall street

In Assault on Wall Street sehen wir, wie der in einer Security-Firma hart schuftende Jim Baxford (Dominic Purcell) zunehmend an seine finanziellen Grenzen stößt. Einerseits liegt das an der Erkrankung seiner Frau Rosie (Erin Karpluk), die teure Therapien erfordert. Andererseits macht die Finanzkrise dem jungen Ehepaar zu schaffen. So verfolgen wir mit, wie falsche Investitionen, gierige Bankmitarbeiter, Broker und das marode Finanzsystem die einfachen Leute in ihren Ruin treiben. Der Film nimmt sich stolze 50 Minuten, um die Situation immer weiter zuzuspitzen, um letztendlich die Entladung in Gewalt im letzten Drittel zu rechtfertigen.

So ist Assault on Wall Street die meiste Zeit kein Actionfilm, sondern vielmehr ein Drama über ein paar einfache Leute in Zeiten der Bankenkrise. Und wer hätte das gedacht, aber so funktioniert der Film ziemlich gut. Mit ruhigen Bildern, wenigen Schnitten und zunehmender Verzweiflung wächst einem das Schicksal der beiden ans Herz. Auch wenn Dominic Purcell nicht der weltbeste Schauspieler ist, er macht seine Rolle als einfacher Arbeiter und Opfer des Systems anständig. Genauso auch seine Freunde im Film, die von Edward Furlong und Keith David verkörpert werden und deren finanzielle Situationen zumindest ähnlich angespannt sind. So erinnert die Grundthematik durchaus auch an Breaking Bad, ohne dabei jedoch auch nur im Entferntesten eine größere Tiefe zu erreichen.

Trotzdem schafft es Boll, dass einem die Figuren nicht egal sind. Und das ist ein Quantensprung im Vergleich zu vorigen Werken. Hätte der aus NRW stammende Regisseur es bei diesem Ton bei einem Drama gelassen, wäre ihm womöglich tatsächlich ein durchweg sehenswerter Film gelungen. Doch leider entlädt sich die angestaute Trauer in tumbe Gewalt und in einem Finale, das so nicht nötig gewesen wäre. Denn wie auf dem Cover beworben, begibt sich unser Held auf einen blutigen Kreuzzug gegen allerhand Personen aus dem Finanzsektor, der ihn um sein beschauliches Leben betrogen hat. Hier verliert Assault on Wall Street, denn die Logik hinter den Aktionen ist nicht ersichtlich und die letzte Szene leider nicht sehr smart. Vor allem, weil der Film sich in seiner kindlichen ‚Töte-die-bösen-Manager‘-Logik nie der Sinnlosigkeit seiner Gräueltaten bewusst zu werden scheint. Und die Gewalt, die gegen teils gesichtslose Passanten gerichtet ist, verschafft auch keine Befriedigung. Denn obwohl im Verlauf immer wieder böse Buben aufgezeigt werden, empfindet man keine Erleichterung oder Genugtuung aufgrund ihres Ablebens.

Das ist schade. Die Botschaft bleibt dann am Ende plakativ und plump und lässt sich auf ‚Tod den bösen Finanz-Typen!‘ herunterbrechen, wo zu Beginn doch eher persönliche Schicksale beleuchtet wurden. Manchmal ist weniger einfach mehr. Die Action am Schluss ist jetzt auch nicht so sehenswert, gerade weil sie so albern und zufällig wirkt. Trotzdem: Assault on Wall Street ist per se kein schlechter Film. Freilich, er ist auch kein unbedingt durch die Bank weg guter, wo so viel Potential liegen gelassen wird. Doch wer gerade sonst einen persistenten Hass auf Uwe Boll hegt, darf sich hiermit gerne eines besseren belehren lassen. An Falling Down mit Michael Douglas kommt Boll natürlich nicht heran, doch ist das hier bis dato sein Opus Magnum.

 

Regie: Uwe Boll

Schauspieler: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4

 

Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Krieg der Welten (2005)

Das Original von 1953 heißt „The War of the Worlds“ und im Deutschen „Kampf der Welten“. Dieses Remake von Steven Spielberg ist im Original „War of the Worlds“ benannt, hierzulande als „Krieg der Welten“. Klar soweit? Und an und für sich ist die Idee ja gar nicht mal so schlecht, denn die alte Version ist schon recht in die Jahre gekommen und sieht heutzutage angestaubt aus. Nichtsdestotrotz ist das Filmchen immer noch ein Klassiker. Nicht weltbewegend gut, aber an und für sich noch ganz nett. Nachvollziehbar, dass einer der erfolgreichsten Blockbuster-Regisseure unserer Zeit sich anschickt, ein Effektfeuerwerk sondergleichen auf uns loszulassen und den Krieg oder Kampf gegen böse Aliens auf furiose Art und Weise zu inszenieren.

Und wahrlich. Krieg der Welten hat hier und da Szenen, die verflucht gut gefilmt sind. So gibt es eine Sequenz während einer Autobahnfahrt, in der wir eine Konversation im Auto mitverfolgen und die Kamera dabei ständig um das Gefährt herumfährt und uns ungeschnitten Blicke auf den Hintergrund und die Protagonisten gewährt. Das ist ganz cool. Und noch viel cooler wäre das Ganze, wenn uns die Darsteller nicht so furchtbar egal wären. Oder die lausige Handlung.Krieg der Welten

Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein einfacher Arbeiter sowie überforderter Vater und lebt von seiner Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) geschieden. Als die Gute ihm übers Wochende Sohn Robbie (Justin Chatwin) und Töchterchen Rachel (Dakota Fanning) dalässt, bricht wenig später die Scheiße über die Welt herein, denn Aliens beginnen mit der systematischen Ausrottung und Eroberung der Menschheit. So ist es an Ray, seine beiden Kinder heil aus der Sache herauszuholen. Mit an Bord ist für kurze Zeit auch der verrückte Harlan (Tim Robbins), der für eine merkwürdigsten Szenen im Film sorgt, die so gar nicht in einen einfachen Action-Film passen will.

Außerdem wird uns ständig die zerrütte Beziehung zwischen Vater und Sohn präsentiert, wobei man Robbie auch einfach nur als eine spätpubertäre Bitch bezeichnen könnte, die sich nach der Hälfte der 116 Minuten tatsächlich einfach aus dem Staub macht. Leider wird er wenig später von Tim Robbins ersetzt, sodass im Grunde immer ein Idiot an Bord ist. Ganz zu schweigen von Dakota Fanning, deren Rolle als Tochter vor allem aus hysterischem Gekreische besteht. Dann ist da noch Tom Cruise. Der macht seinen Job eigentlich ganz gut. Er ist ein unauffälliger Kerl aus der Arbeiterklasse, der einfach nur ums Überleben kämpft. Gleichzeitig geht Tom dadurch aber so ein wenig unter in der Fülle an dämlichen Leuten um ihn herum, die alle so rein gar nicht den Zuschauer in die Handlung involvieren. Die orientiert sich übrigens, abgesehen vom Alien-Invasions-Plot, nur zum Schluss am Original, funktioniert aber auch nicht so richtig.

Wie gesagt, einige Sequenzen sehen alleine wegen der Kamera-Arbeit ganz gut aus. Dafür sind dann die Aliens irgendwie nicht cool. Man kann sich natürlich streiten, was gutes Design ist. Wirklich Interesse weckt der Anblick der mehrbeinigen Viecher allerdings nicht. Zudem ist der Film in einem leuchtenden Farbton gehalten, der besonders zu Beginn reichlich Gewöhnung braucht. Da jedoch zum Ende hin ohnehin alles in Dunkelheit gehüllt ist, fällt das später weniger auf. Trotzdem besitzt das erste Viertel einen merkwürdigen Look. Dann gibt es wieder ganz nette Tom-rennt-um-sein-Leben-Szenen, während um ihn herum Menschen zu Staub zerfallen. Ein besonders starker Moment erinnert übrigens an einen Stephen King-Roman. Wenn sich ein Mob verzweifelter Menschen daran macht, unserer Familie Ferrier mit Waffengewalt das Auto zu entreißen, dann entsteht dieses Gefühl, dass wir als Spezies nicht besser sind als die Invasoren. Doch viel Tiefsinn sollte man nicht erwarten, denn es folgen bald die nächsten Szenen der Flucht. Irgendwann später sehen wir einen Regen aus Kleidung oder diverse Leichen, die in einem Fluss schwimmen. Hier kommt man sich ein wenig vor wie in einem Film von M. Night Shyamalan. Was eigentlich gut ist, doch gleichzeitig auch nicht konsequent. So pendeln wir irgendwo zwischen Abenteuer und Mystery, ohne je wirklich furiose Schlachten geliefert zu bekommen.

Vielleicht ist das das Überraschendste an Krieg der Welten. Der Regisseur, der die unglaubliche Anfangsszene aus Der Soldat James Ryan gemacht hat, verschont uns hier die meiste Zeit mit Gefechten. Action gibt es nur ein wenig am Anfang. Klar, wir sollen nicht den Krieg an sich miterleben, sondern nur die Sicht eines kleinen Mannes mitbekommen, der um das Leben seiner beiden Kinder kämpft. Das funktioniert aber halt nicht. Einerseits weil man keinen Charakter wirklich leiden kann, andererseits weil die Action zwar öfter mal angedeutet, dann aber jedoch nicht gezeigt wird. Männer verstehen, wie enttäuschend das sein kann (knick knack). Hier und dort kommen noch Logiklöcher hinzu, die einen mitunter verärgern könnten. Und naja, das Ende ist nicht sehr befriedigend. Oder tiefsinnig.

Nichtsdestotrotz, das hier ist kein totaler Reinfall. Wer mit den ganzen Roland Emmerich- und Shyamalan-Streifen klarkommt, wird auch hier seinen Spaß haben. Leider hätte man so viel mehr machen können. Das ist schade. Zumal das Original wohl noch immer einen bedeutend höheren Stellenwert in der Filmgeschichte einnehmen wird als Spielbergs Versuch. Wer sich unsicher ist, sollte sich vielleicht mal einfach Children of Men von Alfonso Cuarón geben, der stellenweise ähnliche Töne anschlägt und einige der geilsten Kameraeinstellungen der jüngeren Vergangenheit bietet, dabei aber eine viel bewegendere und geilere Geschichte erzählt.

PS: Justin Chatwin spiel in Dragonball Evolution den Son-Goku. JA! Diese kleine Bitch aus Krieg der Welten! Das ist noch ein zusätzlicher Wermutstropfen für alle Dragonball-Fans.

 

Regie: Steven Spielberg (Schindlers Liste, Der Soldate James Ryan, Jurassic Park, E.T., Indiana Jones, Hook, A.I., Der weiße Hai)

Schauspieler: Tom Cruise, Dakota Fanning, Tim Robbins, Justin Chatwin

Bewertung: 

Elysium (2013)

Als Neill Blomkamp 2009 mit District 9 einen mit 30 Millionen Dollar Budget nicht nur billigen, sondern auch verdammt guten Sci-Fi-Streifen ablieferte, überschlugen sich die Kritiken samt Kritikern. Vier Oscar-Nominierungen und über 200 Millionen an den Kinokassen sind auch nicht gerade schlecht für ein Debüt-Filmchen. Mit Elysium darf der Südafrikaner nun mit 4 mal so viel Geld und mehr Star-Power beweisen, ob die gesteckten Erwartungen auch berechtigt sind.

In naher Zukunft lebt die Menschheit in Armut auf der Erde. Die Reichen fliehen vor dem überbevölkerten Planeten auf die Raumstation Elysium, wo sie dank modernster Technologie in ihrem Luxus schwelgen und frei von Krankheiten leben. Max (Matt Damon) träumt seit seiner Kindheit von dem ständig sichtbaren Paradies am Himmel, muss sich jedoch mit einem ärmlichen Leben als ehemaliger Kleinkrimineller und Arbeiter in einer Roboterfabrik abgeben. Als er eines Tages verstrahlt wird und nur noch 5 Tage zu leben hat, setzt Max alles daran, um nach Elysium zu gelangen, um seinem nahenden Ende zu entrinnen. Allerdings hat die Quasi-Herrscherin Delacourt (Jodie Foster) etwas dagegen, denn wer will schon den Pöbel an den Annehmlichkeiten der Reichen teilhaben lassen? Außerdem hetzt sie den Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf unseren kahlköpfigen Helden, der neben seinem Katana auch noch ein paar andere technische Spielereien mitbringt.Elysium

Eines ist klar: Wer District 9 kennt und mochte, fühlt sich auch bei Elysium heimisch. Die Optik und das Design erinnern an das Erstlingswerk von Blomkamp, wobei er hier nun mit mehr Action und Ballerei punkten kann. Besonders die erste größere Schießerei ist dank diverser Zeitlupen und manch geiler Kameraperspektive sehr schön anzuschauen. Die Raumstation ist ebenfalls wie aus einem Guss. Wenn Jodie Foster durch Elysium schreitet und mit ihrer geradezu androgynen Gestalt aus einer weißen Tasse Kaffee trinkt, dann ist das alles sehr stylisch.

Doch so schön die meisten Kulissen auch aussehen, sämtliche Charaktere bleiben die meiste Zeit über ziemlich oberflächlich. Insbesondere Max besitzt leider kaum herausstechende Eigenschaften. Eine große Klappe reicht nicht aus, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Er wird einem zwar als so eine Art netter Kerl verkauft, der öfter mal im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat, doch wahre Emotionen zeigt er selten. Und das, obwohl er eine Wandlung durchmacht und gerade zum Ende hin nicht mehr nur aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt. Hier kann man sich streiten, ob er als Vertreter der Unterschicht absichtlich so ist wie er ist. Also einfach nur der 08/15-Arbeiter, der keine Ziele außer dem Fortsetzen des eigenen unwichtigen Lebens verfolgt. Nichtsdestotrotz vermisse ich hier die menschliche Note, die hier leider ziemlich plakativ in Form eines Mädchens mit Leukämie aufgedrückt wird. Eine Spur weit merkwürdiger sind die Antagonisten, die so dermaßen eintönig böse sind, dass der Film aus seinen sozialkritischen Ansätzen zu Beginn nicht mehr viel herauszuholen vermag. Sharlto Copley beispielsweise ist tatsächlich einfach nur noch ein Psychopath und irgendwie viel zu abgedreht. Jodie Foster und William Fichtner als Vertreter der Oberschicht werden auch sehr einseitig als schlecht hingestellt. Darunter leidet dann auch die Story.

So ist Elysium, gerade was die meisten Protagonisten angeht, reichlich oberflächlich. Die Handlung, die mit Max‘ anfänglicher Erkrankung und dem daraus resultierenden Ziel noch angenehm simpel bleibt, verliert gerade zum Finale hin etwas den roten Faden. Das liegt in erster Linie daran, dass man nicht mehr so genau weiß, was das essenzielle Ziel sein soll. Hier hätte eine simplere Struktur das eine oder andere Logikloch vermeiden können. Zumal die Auflösung zum Schluss alles andere als wirklich zufriedenstellend ist. Hier bleibt es einem selbst überlassen, wie sehr man sich die Geschichte dekonstruieren möchte. Es gibt aber die eine oder andere Szene, die sich nicht ganz so organisch in die Story einfügt. Wenn beispielsweise das besagte kranke Mädchen sowohl bei Max als auch beim Zuschauer auf die Tränendrüse drücken soll, dann fühlt man sich irgendwie befremdlich.

Es ist gerade im Sci-Fi-Genre oft ziemlich einfach, einen Film aufgrund seines Realitätsgrades zu kritisieren. Allerdings schafft Elysium eine Welt, die funktioniert und die sich gut anfühlt. Großen Respekt dafür und auch für den passenden Gewaltgrad, der nicht extra auf 12-jähriges Publikum zugeschnitten wurde. Nur die Figuren in dieser Welt bleiben die gesamten 109 Minuten Laufzeit lang Pappaufsteller. Und das ist und bleibt leider ein Kritikpunkt, der sich nie wirklich abschütteln lässt. So hat Blomkamps zweiter Film zwar ein cooleres Setting als ‚Oblivion‚ oder ‚After Earth‚, doch wie im kürzlich erschienen ‚Total Recall‚-Remake bleiben einem die Protagonisten egal. Einen ähnlichen Ansatz fährt der unterschätzte ‚Dredd‚, der nochmal ein ganzes Stück brutaler, aber auch gleichzeitig konsequenter in seinem Stil ist. ‚Moon‚ von Duncan Jones kommt ganz ohne Gewalt aus und lebt zeitgleich komplett von dem von Sam Rockwell verkörpertern Charakter.

Ehrlich gesagt verschafft mir Elysium keine negativen Emotionen. Klar, man hätte mehr aus dem Setting herausholen können. Doch zeitgleich sind die Erwartungen dank District 9 auch nicht gerade gering gewesen. Um die Zukunft von von Neill Blomkamp mache ich mir zumindest keine Sorgen, denn Sci-Fi kann er. Und so ein Sci-Fi-Action-Streifen ohne viel Tiefgang kann ja auch mal ganz unterhaltsam sein.

 

Regie: Neill Blomkamp (District 9)

Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, William Fichtner

Bewertung: 

World War Z (2013)

Es gab einmal Zeiten, da waren Zombies noch eine Randerscheinung im Filmgschäft. John Romero hat das Genre dabei in den 60ern und 70ern massiv geprägt, wobei die Thematik noch viele Jahre eher Nische blieb. Dann war es einige Zeit lang ein wenig stiller um die lebenden Toten, bis in den letzten paar Jahren mit The Walking Dead, den 28-Filmen und leider Gottes auch der Resident Evil-Reihe zunehmend mehr Zombies ihren Weg ins Kino oder Fernsehen fanden. Und dann ist da World War Z. Der unumstößliche Beweis, dass Zombies endlich angekommen sind. Im Mainstream.

Gerry Lane (Brad Pitt) hat früher für die UN in Krisengebieten gearbeitet. Doch nun kümmert er sich lieber um seine Familie. Eines schönen Morgens bricht die Zombie-Apokalypse über die Welt herein und die Lanes rennen um ihr Leben. Dank seiner vorzüglichen Kontakte kommt die Sippe auf einem Flugzeugträger unter und Gerry macht sich auf den Weg, die Ursprünge der Seuche ausfindig zu machen. Dabei reist der Globetrotter unter anderem nach Südkorea und Israel.World War Z

Dabei bleibt die Handlung stets linear und simpel, was dem Film sehr gut tut. Es wird eben nicht unnötig komplex. Daher wirkt World War Z mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit sehr straff. Für Längen bleibt keine Zeit. Auch die Schauplatzwechsel tragen dazu bei, dass sich keine Langeweile einstellt. Über den Realismusgehalt eines Zombie-Streifens kann man sich natürlich immer streiten, aber die Story ist alles in allem konsistent und alles funktioniert wie es soll. Es macht halt Sinn, warum Brad von A nach B muss und sich dadurch schrittweise der Rekonstruktion der Geschehnisse nähert. Lediglich ein gezeigter Flugzeugabsturz in der zweiten Hälfte ist irgendwie zu viel des Guten, stört aber nicht nachhaltig.

Die Geschichte ist also in Ordnung. Was jedoch eher Bauchschmerzen bereitet, sind die Charaktere. Brads Famillie zum Beispiel ist leider völlig belanglos und stellenweise störend. So ruft ihn seine Frau im natürlich denkbar schlechtesten Augenblick an und beschwert sich vor dessen Abreise noch, dass er nicht wieder seinen alten Job aufnehmen soll. Da steht die Menschheit vor ihrer Vernichtung, aber die Frau stellt ihre Befindlichkeiten über das Wohl der Spezies. Interessanterweise schafft es World War Z allerdings, die Szenen mit Brads Familie sehr gering zu halten. Stellenweise weiß man nicht mal, was mit ihnen los ist. Dadurch fällt dieser Kritikpunkt zum Ende hin nicht mehr sehr ins Gewicht.

Größter negativer Aspekt ist tatsächlich Brad Pitts Rolle, denn er ist einfach nur übermenschlich. Gerry Lane behält in jeder Situation seine Coolness und löst jedes Problem auf smarte Art und Weise. So wie MacGyver. Und als ob das noch nicht ausreicht, sieht er mit seiner blonden Mähne und seinen fürsorglichen Augen auch noch unverschämt gut aus. Relativ weit am Anfang hat er noch eine Auseinandersetzung mit einem Zombie, der ihm in den Mund hustet. Selbstlos stellt sich Brad auf den Rand des Häuserdachs, um sich im Falle einer Ansteckung vom Dach schmeißen und seine Familie vor sich selbst retten zu können. Solche wohlüberlegten Handlungen sind zu Beginn noch sehr nett, entmenschlichen den Charakter aber zusehends. Man sieht eben, wie selbst in den chaotischsten Situationen Brad die Übersicht und Ruhe behält. Angst kennt er nicht.

Und warum sollte er sich auch fürchten? Selbst in der schlimmsten Situation fällt ihm noch etwas ein. So verliert World War Z ein wenig an Spannung. Übrigens ist das eher kein Actionfilm. Ja, die aus dem Trailer bekannten Massenzombie-Szenen tauchen auf, sind aber sonst sehr rar gesät. Das ist nicht schlimm, doch die Werbung versprach etwas anderes. Dafür ist das Finale überraschend anders und zaubert einem schon so ein verschmitztes Lächseln aufs Gesicht. Kann man, oder eher darf man einem so tollen Mann wie Brad Pitt ein paar Unzulänglichkeiten nicht verzeihen?

Bleibt die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht ist. Tja, vermutlich für alle außer Zombie-Film-Liebhaber. World War Z ist so poliert und frei von Kanten, dass tatsächlich der Großteil der Menschheit auf seine Kosten kommen könnte. Sogar Kinder, denn jedes Anzeichen von Gewalt oder Blut wird halbwegs geschickt kaschiert. Und wer Action mag, bekommt sie. Wer gerne einem schönen Mann zwei Stunden lang zuschauen möchte, kriegt auch das. Und hier ist das Problem: Der Streifen hat überhaupt keine Seele. Dem Gesehenen steht man die meiste Zeit emotionslos gegenüber. Vor allem, weil man sich auch offensichtlich nicht entscheiden konnte, eine Richtung einzuschlagen. Ein bisschen Horror, hier und da Aciton, vereinzelte Thriller- und Krimielemente. Die ganze Suppe made in Hollywood funktioniert tatsächlich auch. Aber bleibt auch irgendeine Szene in Erinnerung? Nein.

Warum auch? Der Film ist ganz klar und offensichtlich nicht die Visualisierung einer künstlerischen Idee. Keine Botschaft oder Message steckt hier drin, keine neue Geschichte wird erzählt. Es wurden allerhand populäre Elemente aus anderen Zombiefilmen genommen, um ein Produkt herzustellen. Und Geld zu verdienen. Das ist World War Z: ein Produkt, beworben von Brad Pitt. Man wird unterhalten und es gibt keine eklatanten Fehler im Film. Ein professionelles Produkt eben. Doch eben auch nicht mehr. Willkommen im Mainstream.

 

Regie: Marc Forster (Ein Quantum Trost, Schräger als Fiktion, Monster’s Ball)

Schauspieler: Brad Pitt, Moritz Bleibtreu!

Bewertung: 

Man of Steel (2013)

Zwei Männer sitzen an der Bar hoch oben im Empire State Building. Da sagt der eine zum anderen: „Hey, wenn du hier vom Dach springst, dann weht dich der Wind genau in die Bar wieder hinein!“ Verwundert und ungläubig widerspricht ihm der andere, denn das sei einfach nur unmöglich. Zur Demonstration steigt der Mann, um seine Behauptung zu unterlegen, aufs Dach und springt. Und siehe da, der Wind weht ihn zum Fenster hinein und er steht ohne ein gekrümmtes Haar vor seinem erstaunten Kollegen. Begeistert rennt nun dieser aufs Dach, springt hinunter und am Fenster vorbei in seinen Tod. Daraufhin wendet sich der Barkeeper an den noch Lebenden: „Alter, Superman, du bist echt ein ganz schönes Arschloch wenn du getrunken hast.“

Man of Steel

Warum erzähle ich das? Weil selbst der Superman in diesem Geschichtchen mehr Charisma und Tiefe besitzt als der von Henry Cavill verkörperte Mann aus Stahl. Denn trotz Rückblenden, Mobbing und Identifikationsproblemen bleibt Clark Kent nicht sehr viel mehr als ein Pappaufsteller. Zugegeben, ein wirklich muskulöser und vor allem für Frauen nett anzuschauender. Trotzdem besitzt Superman keine prägnanten charakterlichen Eigenschaften. Selbst wenn im Verlauf vermutlich tausende von Menschen ihren Tod finden, bleibt er ungerührt. Hauptsache seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) ist in Sicherheit. Diese Liebesbeziehung ist übrigens genauso aufgesetzt und oberflächlich. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass Lois selbst nicht sehr sympathisch ist. Der Rest der Protagonisten bietet auch keine Berührungspunkte. Kevin Costner und Russell Crowe als Väter von Clark / Kal-El labern allerhand weises Zeug zusammen, dass durch ein wenig Nachdenken schnell arg dümmlich wirkt. Als Beispiel sei hier die Tatsache genannt, dass der junge Clark einen Schulbus samt mobbender Mitschüler rettet, um sich dann Jahre später dagegen zu entscheiden, seinen Vater vor dem sicheren Tod zu bewahren. Und warum? Weil die Menschheit „noch nicht reif für ein Alien ist“. Wirklich menschlich wirkt das aber nicht. Und das ist der Knackpunkt an Man of Steel: die Identifikation. Es gibt sie einfach nicht.

Ob man mit Superman als Figur an sich zurechtkommt, sei dahingestellt. Ja, er ist übermächtig und ziemlich stark. Aber das sind hier auch seine Gegner. Blöd ist nur, wenn in den gesamten 143 Minuten Laufzeit nicht ein gescheiter Dialog stattfindet. Clark wird als bärtiger Fischkutter-Arbeiter gezeigt, aber warum sollte ihn das menschlich machen? Er hat nichts zu sagen. Clark arbeitet in einem Redneck-Schuppen als Kellner und kann sich nicht wenigstens verbal gegen einen dämlichen Gast zur Wehr setzen. Ständig wird gezeigt, wie er einsteckt. Gerade wenn man an Iron Man, Batman, Thor oder sogar den grenzdebilen Hulk denkt. Sie alle sind Figuren, die auf irgendeine Weise menschlich sind. Sei es ein Tony Stark, der der coolste Playboy-Milliardär aller Zeiten ist  und einen entsprechenden Wortwitz hat oder Batman, der als gebrochener Waisenjunge die Stadt beschützt. Und eigentlich auch ein Playboy-Millionär ist. Selbst der Hulk hat einen im Avengers-Film stellenweise zum Lachen und Fürchten gebracht. Demgegenüber steht nun Superman, der außer seinem Aussehen keine Eindruck hinterlassende Eigenschaft vorzuweisen hat.

Dann ist da noch der Antagonist in Gestalt von General Zod, der von Michael Shannon verkörpert wird. Ich mag den Mann, besonders für Take Shelter. Aber ein Joker aus Dark Knight ist er hier eben nicht. Das sind die wenigsten und die Rolle bietet leider auch nicht so viel. Dafür sind seine Pläne reichlich merkwürdig. So versuchte Zod noch kurz vor Kryptons Vernichtung, die Kontrolle über den Planeten an sich zu reißen. Warum? Keine Ahnung, denn explodiert sind dann doch alle kurz darauf. Das rettete Zod und seiner Crew lustigerweise das Leben und lässt einen an der Intelligenz von Supermans Vorfahren und deren Rechtssystem erheblich zweifeln. Man kann sich aber auch zu leicht in der konstruierten Welt verstricken. Für Comicfans ist Man of Steel eine (vermutlich) akkurate Umsetzung der Vorlage, mir war das Verhalten einer so zivilisierten Spezies nicht ganz einleuchtend. Was an Zod und co. viel eher stört, liegt gar nicht mal unbedingt an den Rollen, sondern an der Altersfreigabe. Denn an jeder Ecke merkt man, wie ein wenig Blut nicht geschadet hätte. Aber dann hätte der Film keine Altersfreigabe ab 12 (bzw. PG-13 in den USA) bekommen und man hätte nicht den Minderjährigen das Geld aus der Tasche ziehen können. Die bösen Buben vernichten einfach mal die halbe Innenstadt samt Wolkenkratzern, aber es gibt einfach keine Leichen. Ganz davon zu schweigen, dass die Überlebenden ziemlich sportlich mit der Vernichtung ihrer Heimat umgehen. Die Schurken verprügeln Soldaten, aber nirgends sieht man Leichen oder auch nur einen Tropfen Blut. Ein Schlag ins Gesicht, schon fliegen diese aus dem Bild und gehen sich einen Kaffee holen. So vermisst man einfach mal die Wucht und die Emotionen, die aus Man of Steel einen reiferen und erwachseneren Film gemacht hätten. Das klingt jetzt vermutlich wie der Aufschrei eines gewalttätigen Psychopathen, der nach Blut und Morden verlangt. Aber das Problem, dass mir der Film bereitet, ist, dass die gezeigte Ladung an Kraft und Zerstörung kaum Einfluss auf den Normalsterblichen hat. Weil der einfach nicht vorkommt. Erinnert sei an die finale Szene aus Dark Knight, in der zwei Boote mit stinknormalen Insassen in die Luft fliegen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass Superman selbst für einen Teil der Zerstörung von Metropolis verantwortlich ist.

Abgedreht (2008)

Es gibt diverse Filme, die Trends losgetreten haben. Stirb Langsam hatte großen Einfluss auf das Action-Genre und Blair Witch Project war seiner Zeit die Erfindung des Found Footage-Streifens.  Ach ja, und seit dem Herren der Ringe kommt jedes Buch, jeder Comic oder sonstwas mit einer Trilogie (Matrix, Bourne, Fluch der Karibik, Ocean, X-Men, Spider-Man) oder sogar mit mehr Teilen (Twilight, Harry Potter, usw.) um die Ecke. Und dann ist da Abgedreht. Zwar wurde hier nicht unbedingt etwas total Neues erfunden, aber manchmal reicht es ja auch, der Sache einen Namen zu geben. Und in diesem Falle ist es das ‚Sweding‘.Abgedreht

Mike (Mos Def) arbeitet in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) in Passaic, New Jersey. Der vertreibt in seinem vom Abriss bedrohten Laden nur VHS-Kassetten. In Zeiten von DVD und großen Ketten ist das natürlich alles andere als förderlich und lukrativ. Als Mr. Fletcher für ein paar Tage verreist ist, kommt der magnetisierte Jerry (Jack Black) daher und löscht sämtliche Kassetten im Laden. Kurzerhand beschließen Mike und der Verursacher, die entsprechenden Filme einfach mit einer Kamera nachzudrehen. Ohne Budget oder Effekte entsteht so an einem Nachmittag ihre 20-minütige Version der Ghostbusters in der örtlichen Bibliothek. Was sich wie eine blöde Idee anhört, entpuppt sich als grandioses Geschäftsmodell, das dem Laden in kürzester Zeit zu großer Popularität und sogar zu beachtenswerten Einnahmen verhilft. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht.

Die ungewohnten Versionen altbekannter Filme werden als schwedische Variation verliehen, daher der Name ‚Sweding‘. Und um ganz ehrlich zu sein, diese kleinen Werke sind teilweise ziemlich großartig. Wenn Jack Black und Mos Def beispielsweise Rush Hour 2 auf einem Kinderspielplatz nachspielen und sich genauso wie Jackie Chan und Chris Tucker anbrüllen, dann passt das ganz gut. Und trifft auch irgendwie den Kern des Originals. So werden es immer mehr geschwedete Filme, die zwar mit einfachsten Mitteln, dafür aber sehr liebevoll gemacht sind. Leider ist das Gros der Figuren dafür reichlich dämlich. Mos Def ist nicht unsympathisch, doch so richtig charismatisch ist er widerum auch nicht. Und Jack Black ist einfach nur ein Idiot. Danny Glover hat zu wenig Screentime, um wirklich Akzente zu setzen bzw. ist das Beharren auf VHS einfach nicht nachvollziehbar. Die Frauen spielen auch keine besonders einprägsame Rolle. So plätschert Abgedreht eine ganze Weile vor sich hin. Klar, die Handlung ist halt eben nicht unbedingt besonders clever. Nichtsdestotrotz kriegt Michel Gondry am Ende doch noch die Kurve und macht hieraus ein durchaus bewegendes Drama.

Die finale Szene berührt nämlich dann doch und gibt der manchmal etwas plumpen Komödie ein tiefere Ebene. Es geht hier nämlich gar nicht mal primär um das Drehen lustiger kleiner Filmchen, sondern um das Bestehen einer kleinen Gemeinde in Zeiten von Internet und Globalisierung. Denn gerade einzelne Schicksale kommen in der Flut von Massenwaren und Anonymität abhanden. Das Ende macht tatsächlich viel aus und hinterlässt einen tollen Eindruck. Denn wo andere Komödien im Adam Sandler-Stil das fette Happy End herausholen, in dem die Bösen alle bestraft werden, schlägt Gondry leisere Töne an. Schließlich gibt es auch keinen wirklich greifbaren Antagonisten.

Zugegeben, Abgedreht kommt langsam in Fahrt und hat trotz der kurzen 102 Minuten Laufzeit die eine oder andere Länge. Auch Jack Black ist mir hier so gar nicht sympathisch. Dafür ist seine Rolle einfach zu ‚abgedreht‘ (haha, Wortwitz). Dies ist garantiert nicht der beste Film von Michel Gondry und man muss auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein. Dafür gibt es am Schluss das wohlige Gefühl, eine kreative und liebevolle Komödie genossen zu haben, die frei von Klischees ist und sogar eine Message bietet. Schade, dass das keinen Trend losgetreten hat.

 

Regie: Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Green Hornet, Anleitung zum Träumen)

Schauspieler: Mos Def, Jack Black, Danny Glover

Bewertung: 

 

 

 

 

Oblivion (2013)

Heute kochen wir! Man nehme:

  • eine kleine Prise Planet der Affen-Setting
  • zwei Teelöffel The Day After Tomorrow oder wahlweise 2012-Endzeit-Szenario
  • ein wenig Feeling aus I am Legend
  • die Optik aus einem Apple-Store

WICHTIG #1: Auf gar keinen Fall greifbare Antagonisten verwenden! Lieber auf die altbewährten Drohnen setzen, die die bedrohliche Aura einer Waschmaschine versprühen und soviel spannender sind als lebendige „Bösewichte“.Oblivion

WICHTIG #2: Sollte die Menschheit jemals untergehen, so werden Schallplatten und entsprechende Spieler als einzige Medien überleben. Deswegen schon vorher Vorrat mit Lieblings-Platten anlegen. Beachte dabei: offensichtlich brauchen diese keinen Strom.

Die Zutaten vorsichtig verrühren, bis ein wichtiger schwarzer Mann auftaucht, der verdächtig an Denzel Washington in The Book of Eli erinnert. Ist er aber nicht. Es ist nämlich Morgan Freeman, der Léon dem Profi die Brille geklaut hat. Ab hier den bereits im Trailer erwähnten Story-Twist vorsichtig drüberstreuen, weil Menschen heutzutage keine Trailer mehr gucken. Weil dieses „Intranetz“ ohnehin Nischen-Technologie ist. Von jetzt an noch größere Vorsicht beim weiteren Kneten, denn die beiden nervigen wie auch belanglosen Frauenfiguren machen die teigige Masse schnell bitter. Noch sehr viel bitterer: Olga Kurylenko hat keine Nacktszene.

WICHTIG #3: Auf gar keinen Fall zu viel Screentime für Morgan Freeman einplanen, denn keiner mag ihn.

Sollte sich der Story-Teig zunehmend sandig und ziellos färben und die an Star Wars-Spiele der 90er erinnernde Flug-Kampf-Szene zu Ende sein, schnell einen weiteren Story-Twist reinbringen, bis das Interesse des Zusehers wieder steigt. Hier eine Sequenz aus Der Englische Patient untermischen, weil dadurch die Spannung ins Unermessliche steigt und die Zuschauer sonst zu sehr an Moon denken.

Jetzt kann die Pampe in den Backofen. Nach 2 Stunden bei 200°C rausholen und zum Schluss mit Independence Day und 2001 – Odyssee im Weltraum glasieren. Abkühlen lassen. Servieren.

Voilà.

 

Der Film zitiert nicht nur, sondern bedient sich fröhlich aus dem Sci-Fi-Fundus der letzten Jahre und Jahrzehnte. Von 2001 bis Planet der Affen, Independence Day, Total Recall und ganz erheblich vor allem von Moon. Da ist keine einzige originelle Idee dabei gewesen. Ästhetisch ist er. Und ja, am Ende habe auch ich gehofft, Aliens oder was auch immer zu sehen. Dann aber ist widerum die ganze Handlung reichlich konstruiert und Morgan Freeman völlig verschwendet. Kurylenko sieht nett aus, aber beide Frauenfiguren sind irgendwo zwischen nervig und belanglos. Tom Cruise ist sympathisch und der eine oder andere Twist unterhalten tatsächlich, aber trotzdem ist Oblivion, besonders das Finale, überraschend unoriginell.

So stirbt der Film in seiner weißen Touchscreen-Apple-Store-Optik den Designer-Tod. Nett und unterhaltend, aber keiner Erinnerung wert.

 

Regie: Jospeh Kosinski (TRON: Legacy)

Schauspieler: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

Nitro Circus 3D – Der Film (2012)

Warum nicht einfach mal mit einem Dreirad vom Dach eines hundert Meter hohen Gebäudes in Panama springen? Auf das Dach des Nachbarhauses, schön in einen Haufen von Pappkartons und mit dem beklemmenden Gefühl, dass eine Unachtsamkeit oder ein falsches Zucken zu einem vorzeitigen Ableben führen könnten. Wer sowas für Unfug oder gar Zeitverschwendung hält, der braucht sich ‚Nitro Circus 3D‘ nicht anschauen, denn sehr viel sinnvoller werden die Stunts nicht. Dafür lässt die Crew um Travis Pastrana die Jackass-Bande wie einen Haufen dämlicher Amateure aussehen. Auch wenn das nicht unbedingt schwer ist, schließlich basierte das Jackass-Format auf der Blödheit des Gezeigten.

Nitro Circus kennt man womöglich durch MTV. Dort lief die Serie in zwei Staffeln sehr erfolgreich, zumal dort ziemlich coole Sachen gezeigt wurden. Gerade weil die Protagonisten allesamt Profis auf ihren Gebieten sind. So ist Travis Pastrana der leibhaftige Motocross-Gott und der Rest nicht (sehr viel) minder begabt. Natürlich gibt es mit  Streetbike Tommy einen ziemlich dicken Anhang, der nicht viel mehr macht, als böse auf die Fresse fallen. Hier gibt es dann spürbare Überschneidungen mit Jackass, doch die meiste Zeit bleibt man auf einem höheren Niveau. Interessant ist dennoch, dass Johnny Knoxville für Nitro Circus als Produzent agiert. Wenn dann jedoch irgendwo die Titelmelodie des Nitro-Zirkus ertönt, dann weiß man, dass man als Fan der Jungs und des Mädels richtig ist.

Man braucht nicht lange drüber rumrätseln. Wer Nitro Circus mag, wird den Film sicherlich auch gut finden. Er ist eben wie eine ausgedehnte Episode im TV und sogar eine Art Handlungsstrang wird aufgebaut. Denn vor der Truppe steht der finale Auftritt in Las Vegas, was als die ultimative Challange dargestellt wird. Und hier kommt auch schon mein erster Kritikpunkt zum Tragen: Die Art und Weise, mit der die Aktionen hochstilisiert werden, ist so dermaßen unpassend und amerikanisch und passt eigentlich so gar nicht zum eher debilen Charakter der Fernsehsendung. Da sitzen dann erwachsene Männer und reden über ihren Drang, Freiheit zu spüren und sich zu beweisen. Doch jeder 5-jährige wird wissen, dass die Aktionen zwar cool sind, doch nichts wirklich Tiefgründiges bieten. Hier nervt der Film ein wenig. Noch viel schlimmer empfinde ich aber die Interviews mit Leuten wie eben Johnny Knoxville oder Channing Tatum, die immer wieder eingestreut über das Nitro Circus-Team orgasmieren. So gibt es zwar Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Stunts, dafür verkommt der Film dann aber stellenweise zu einem Werbefilm. Und das nervt. Es gibt ohnehin schon genug Werbung für Zuckerwasserhersteller auf allerhand Caps und wir sehen doch als Zuschauer, dass die Typen krasse Aktionen machen. Da braucht niemand noch irgendeinen Kerl, der einem erzählt, dass das krasse Aktionen sind.

Tatsächlich wird sogar gezeigt, wie sich Jim DeChamp bei einem Stunt fasst das Rückgrat bricht, doch eine Reflexion oder gar kritische und hinterfragende Gedanken gibt es nicht. Und das zeigt, dass es bei all der Coolness und Abgedrehtheit doch an ein wenig Grips mangelt, um hier villeicht ein wenig mehr Tiefgang zu erreichen. Das ist aber dann auch wieder nichts, was einen eingefleischten Fan stören dürfte. Sehr viel nerviger ist dafür jedoch die deutsche Synchronisation, die auf allen Ebenen furchtbar geworden ist. Selbst wenn man kaum Englisch spricht, empfehle ich die originale englische Fassung. Sehr viel an Dialog verpasst man ohnehin nicht.

Und das wars. Wer Nitro Circus mag, wird hier unterhalten werden. Das ist keine Straftat und auch ich habe mich die meiste Zeit amüsiert. Die Serie finde ich trotzdem besser, einfach weil da die Stunts mehr im Vordergrund stehen. Man sollte auf jeden Fall jedoch einen großen Bogen um Travis Pastrana und co. machen, wenn einem die Aktionen so rein gar keinen Spaß bereiten. Denn dann gerät Nitro Circus 3D schnell in eine 90-minütie Tortur. Mit Werbung. Für sich selbst.

Regie: Gregg Godfrey, Jeremy Rawle (die Regisseure der Serie)

Schauspieler: Travis Pastrana, Jolene Van Vugt, Tommy Passemente, Jim DeChamp, Erik Roner, Greg Powell

Bewertung: 

Predator 2 (1990)

Die meisten Menschen, die man auf die Fortsetzung vom Original anspricht, machen erst einmal ein verdutztes Gesicht. Dann glauben die Leute, man redet von ‚Predators‘, was aber so eine Art Remake-Fortsetzung aus dem Jahre 2010 mit Adrien Brody in der Hauptrolle ist. Aber nein, darum geht es hier tatsächlich nicht. Und Arnold Schwarzenegger spielt hier auch nicht mit. Eigentlich sollte er einen Auftritt bekommen, aber der gute Mann hatte damals zu viel mit ‚Terminator 2‘ zu tun. Und natürlich musste auch ein Sequel gemacht werden, denn ‚Predator‚ hatte an den Kinokassen weltweit beinahe das 7-fache seiner Produktionskosten eingespielt. Doch wie Hollywood so ist, verzichtet man intelligenterweise auf im Grunde alles, was den Vorgänger so groß gemacht hat.

Und leider war dieser Streifen der Ideengeber für die widerlichen ‚Alien vs. Predator‘-Filme. Dazu kommen wir noch.

Nachdem ein Predator-Alien Arnis Crew im Dschungel dezimiert hat, verfolgen wir nun die lustigen Abenteuer eines weiteren Außerirdischen in Los Angeles. Die Stadt gleicht dabei eher einem Kriegsgebiet, in dem sich die Polizei jeden Tag gegen über die Zähne bewaffente Gangsterhorden behaupten muss. In der Hauptrolle sehen wir Lieutenant Mike Harrigan (Danny Glover). Richtig gehört, Danny „Ich bin zu alt für so eine Scheiße.“ Glover! In irgendwelchen Nebenrollen erscheinen Gary Busey und Bill Paxton, wobei Kevin Peter Hall wieder den Predator gibt.

Es gibt keinen Dschungel mehr und auch keine eingeschworene männliche Crew. Nur den eigentlich viel zu alten und ungelenken Danny Glover, der einfach mal so rein gar nicht in diese Rolle passt und sich ungefähr ein halbes dutzend Mal über vorbeischwirrende Tauben aufregt. Es kann doch kein Mensch mit halbwegs brauchbarem Verstand annehmen, dass man Arni auf diese Art und Weise ersetzen könnte. Aber was solls. Dafür kriegt unser Freund aus dem Weltall jetzt ein wenig mehr Screentime und Szenen aus der Ego-Perspektive. Warum sich Herr Predator allerdings in L.A. aufhält und wofür er dort die ganzgen Gangster umbringt, ist allen ein Rätsel. Wahrscheinlich auch den Drehbuchschreibern. Lustig ist aber dafür, dass der Predator jamaikanische Gangmitglieder umbringt. Wahrscheinlich, weil die seine Rastafari-Frisur abgekupfert haben.

In einer Szene wird fröhlich in der U-Bahn geschnetzelt. Das ist eigentlich ziemlich sinnbefreit. Aber zu dem Zeitpunkt hat man sich bereits daran gewöhnt. Und irgendwie, ja geradezu auf eine nostalgische „Die meinen es doch nur gut!“-Weise, ist das Filmchen doch irgendwie ein wenig unterhaltsam. Zwar sind im Grunde alle Protagonisten trotz ihrer Berufe und dem Stadtszenrio sogar fast noch ein stück weit flacher als die beinharte Söldnertruppe um Arni. Aber irgendwie mag man Danny Glover. Vielleicht weil er wirklich zu alt ist, um sich mit Aliens rumzuschlagen. Oder weil der Gute ein Stück weit realistischer und greifbarer ist als der muskulöse Arnold.

Hier und da spricht der Predator dann auch noch. Das ist für die Freunde, die unbedingt noch mehr von dem Vieh sehen müssen. Zum Ende hin gibt es dann noch so ein wenig Kritik an der exekutiven Obrigkeit. Allerdings bleibt es handlungstechnisch natürlich sehr flach. Der Film bemüht sich dann, so ein wenig mehr Antworten zu geben als ‚Predator‘, was gerade im Sci-Fi-Genre ein dämlicher Fehler ist. Man darf sich selbst nicht des Mystischen berauben, denn puren Realismus, in dem alles vorne bis hinten durchdacht ist, kann man ohnehin nicht erreichen. Schon alleine wegen des futuristischen Settings.

‚Predator 2‘ ist ein unnötiger Film. Ganz eindeutig. Aber kein schlechter. Wer das Genre mag und die ganze Geschichte rund um die Predatoren, findet vielleicht einen gewissen Unterhaltungswert hierdrin. Alle anderen halten sich dann wohl lieber fern und lassen sich eher nochmal von ‚Arni‘ im Dschungel berieseln. Und tun dabei so, als ob es das Sequel nicht gibt und ‚Predator‘ einfach nur alleine für sich steht.

Predator: Want some candy?

 

Regie: Stephen Hopkins (24, Lost in Space, Der Geist und die Dunkelheit)

Schauspieler: Danny Glover, Gary Busey, Kevin Peter hall, Bill Paxton

Bewertung: 

The Amazing Spider-Man (2012)

Mit Remakes ist das ja immer so eine Sache. Gerade in der Filmindustrie gehören sie mittlerweile zum Tagesbrot und finden immer häufiger den Weg auf die Leinwand. Paradoxerweise würde man bei Büchern von Plagiatur reden, wenn Ideen kopiert und neu verwurstet werden. Allerdings hinkt der Vergleich, weil erst über das Remaken diverse Filmstoffe für ein großes Publikum zugänglich gemacht werden. Beispielsweise war ‚The Girl with the Dragon Tattoo‘, die Neuinterpretation von ‚Verblendung‘, für den Großteil der amerikanischen Bevölkerung ein Novum, einfach weil kaum einer dort in einen skandinavischen Film mit Untertiteln gehen würde. ‚The Departed‘, Martin Scorseses Remake zum chinesischen ‚Internal Affairs‘, streichte zahlreiche Oscars ein. Auch hier wurde eine gute ausländische Idee für einen größeren Markt erschlossen. Wenn Hollywood aber anfängt, Hollywood zu remaken und zu rebooten, dann sollte man gewarnt sein. Und so erscheint mit ‚The Amazing Spider-Man‘ 5 Jahre nach Spider-Man 3 und 10 nach dem ersten Film mit Tobey Maguire als Spinne bereits das Reboot der Serie. Halleluja.

Die Story ist im Grunde altbekannt. Peter Parker (Andrew Garfield) ist ein Außenseiter, hat sich aber in seine Klassenkameradin Gwen Stacy (Emma Stone) verguckt. Außerdem ist der junge Mann ein Waisenkind und superschlau. Mit seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field) läuft es auch nicht so gut. Da findet er die alte Aktentasche seines Vaters, die irgendeine krasse Formel enthält. Damit geht er zum ehemaligen Kollegen seines alten Herren, Dr. Curt Connors (Rhys Ifans). Der hat ebenfalls so seine Problemchen, beispielsweise fehlt ihm ein Arm und seine Forschung steckt in der Sackgasse. Peter geht verbotenerweise irgendwohin, wird von einer Spinne gestochen und entwickelt Superkräfte. Dann wird sein Onkel erschossen, er will sich rächen und für das Gute kämpfen. Zeitgleich dreht Connors durch und schluckt irgendein Mittel, das ihn in eine große Echse verwandelt. Natürlich hat er dann auch noch den total krassen Plan, den Spider-Man verhindern muss. Rein storytechnisch bietet der Film also nichts Neues, was nicht unbedingt schlecht sein muss.

Was ‚The Amazing Spider-Man‘ am meisten von der Ursprungs-Trilogie unterscheidet, ist die Teenie-Film-Komponente. Diese Version ist eindeutig an jüngeres Publikum gerichtet. So gibt es keine größere Botschaft mehr am Ende („Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“), das sowieso deutlich positiver ausfällt. Die Beziehung zwischen Peter und Gwen könnte auch irgendeiner Teenie-Schmonzette entstammen. Außerdem prunkt der 3D-Film mit teilweise richtig netten Effekten, fällt dann aber widerum beim Finale deutlich weniger bombastisch aus. Der Kameo-Auftritt von Stan Lee, der klassischer Musik lauschend nicht mitbekommt, dass hinter ihm Spider-Man und die Echse gerade die Schule zerlegen, fällt ziemlich cool aus. Man vermisst dann aber auch die Tiefe von Tobey Maguire und Willem Dafoe. Gerade Letzterer war ein so abgedrehter Bösewicht im Gollum-Style, sodass Rhys Ifans als Eidechse mehr oder weniger unterkühlt und distanziert wirkt. Und vor allem weniger erinnerungswürdig.

Mehr Realismus soll wohl dadurch erzeugt werden, dass Spider-Man nun technische Hilfsmittel benutzt, um beispielsweise Fäden zu verschießen. Des öfteren sieht man ihn mit Rucksack, was lustig aussieht und ihn eben wie einen Schüler aussehen lässt. Außerdem ist Andrew Garfield witziger, allerdings nicht unbedingt der Typ Außenseiter, den man von Tobey Maguire kennt. Mit Skate-Board und massiver Intelligenz ausgestattet. Merkwürdigkeiten gibt es dann aber trotzdem. Wenn die Kranführer von New York sich zusammentun, um Spider-Man den Weg zum Finale zu ebnen. Dann fragt man sich, ob es in jedem Häuserblock wohl einen Kran gibt. Das wirkt mitunter arg erzwungen und irgendwie zufällig. Besonders die Beziehung zum Vater seiner Angebeteten, Polizei-Captain Stacy (Denis Leary), ist total blöd und erinnert an eine Telenovela. Auch die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und pubertär. Aber womöglich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe.

Und das ist es dann. ‚The Amazing Spider-Man‘ ist nicht amazing. Es wird nichts neu gemacht. Irgendwelche eigenständigen Ideen vermisst man, viele Szenen kennt man schon. Den Tiefgang, den Sam Raimi einst eingebaut hatte, gibt es nicht mehr. Einen coolen Bösewicht sucht man vergebens. Mir gefiel insbesondere Tobey Maguire als Spider-Man und Willem Dafoe als Goblin, obwohl Teil 2 und 3 dann ziemlich abfielen. Und nun ja, auch die sind jetzt Geschichte. Andrew Garfield ist nicht schlecht, aber das ungute Gefühl, dass das hier eine seelen- wie ideenfreie Hollywood-Geldanlage ist, stellt sich zum Ende bei mir ein. Ein Remake mit dem einzigen Hintergedanken, Dollars zu machen. Dabei ist der Film nicht schlecht, sondern einfach verdammt massenkompatibel. 5 Jahre waren nicht genug, um den alten Spidey zu vergessen. Und hurra, bereits 2014 gehts mit dem neuen weiter.

 

Regie: Marc Webb (Seascape, (500) Days of Summer)

Schauspieler: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen

Bewertung: 

30 Days of Night (2007)

Irgendeine Kleinstadt irgendwo in Alaska. Die Einwohner bereiten sich gerade auf die bevorstehende 30-tägige Nacht vor. Die meisten verlassen das Dorf einfach. Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett) aber bleibt und muss feststellen, dass sich die merkwürdigen Begebenheiten häufen. Nicht nur wurden die Hunde eines Anwohners allesamt bestialisch abgeschlachtet, auch ein Fremder (Ben Foster) taucht auf und muss vorläufig dingfest gemacht werden. Was der Ordnungshüter noch nicht ahnt, ist, dass eine Schar von Vampiren die Stadt überfallen und sich an den Anwohnern satttrinken möchte. Glücklicherweise hat Olesons Ex, Stella (Melissa George), ihren Flug verpasst und muss mit ihm ums Überleben kämpfen. Allerdigns sind 30 Tage eine lange Zeit und die Blutsauger haben gut Hunger mitgebracht.

Der Film ist mit 113 Minuten Laufzeit relativ lang und dabei öfter mal eher ruhig. Das liegt daran, dass die Protagonisten sich vor den schier übermächtigen Vampiren verstecken müssen. Gerade in der ersten Hälfte gelingt es dadurch, Spannung zu erzeugen, zumal es bis hierhin noch recht logisch zugeht. Mit zunehmender Zeit gerät ’30 Days of Night‘ zunehmend in Schwierigkeiten und es ergeben sich doch zahlreiche Logiklücken. Höhepunkt der Fehler ist, als in einer Szene zum Ende hin ein Vampir getötet und durch den Fleischwolf gedreht wird, um kurz darauf im richtigen Finale wieder am Start zu sein. Das könnte man noch verzeihen, aber dafür wirkt vieles andere konstruiert und nicht natürlich.

Stella meint, sie rennt los und lenkt die Widersacher ab. Daraufhin meint Eben, er macht das schon. Der Plan ist im Nachhinein ziemlich bescheuert, dass aber die Frau ohne mit der Wimper zu zucken Josh Hartnett in den schier sicheren Tod schickt, ist dagegen mehr als lächerlich. Und so verstrickt sich der Film zum Ende hin in zu viel und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wenn dann einer unserer Helden in die Luft gesprengt wird, um dann aber doch irgendwie noch zu leben, wirkt das alles sehr merkwürdig.

Das ist wirklich schade, weil die Vampire eigentlich cool sind und veritable Gegner darstellen, vor allem ihr Anführer Marlow (Danny Huston). Dafür sind es dann die Menschen, die durch die Bank weg wenig Sympathie wecken und die meiste Zeit wie verängstigtes Vieh in der Ecke hocken. Stella ist so nervig und unrettenswert, dass man sich wundert, warum Eben auch nur einen Finger für sie krumm macht. Allerdings gibt es auch nicht so viele gut aussehende Weibchen da oben am Polarkreis, weswegen er entschuldigt sei. Der Rest der Bande ist ersetzbar und erschreckend farblos. Dagegen ist die Szenerie an und für sich nett und der Rahmen des Films durchaus erfrischend, auch wenn es vielleicht ein wenig an ‚The Thing‘ (Das Ding aus einer anderen Welt) erinnert.

Es gibt auch Blut zu sehen, stellenweise sogar auf ziemlich drastische Art und Weise. Das passt gut zu den bösen Vampiren, die dadurch unglaublich brutal und blutrünstig wirken. Es ist insofern dann schon eigentlich lustig, dass Regisseur David Slade drei Jahre nach ’30 Days of Night‘ auch Regie beim dritten Twilight-Film führte. Mit den handzahmen Regenbogen-Vampiren aus den Teeniefilmen haben die Kreaturen hier jedoch glücklicherweise wenig am Hut.

So ist ’30 Days of Night‘ ein netter Horror-Film und übrigens eine Comicbuch-Adaption. Er beginnt gut, zum Schluss geht der Geschichte jedoch ein wenig die Puste aus. Gerade die letzte Szene ist eher merkwürdig. Ansonsten ist der Streifen für Menschen wie mich, die etwas mit kleinen Horrorfilmchen anfangen können, durchaus sehenswert. Zumindest hinterließ er bei mir kein negatives Gefühl am Ende, ohne dass ich in Enthusiasmus ertrunken wäre. Wer dem Genre jedoch abgeneigt ist, wird sich sehr an den Logikfehlern und Ungereimtheiten stören und sollte die lieber die Finger hiervon lassen.

 

Regie: David Slade (Eclipse – Biss zum Abendrot, Hard Candy)

Schauspieler: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster

Bewertung: 

Hot Shots! – Die Mutter aller Filme (1991)

Es hat schon etwas Befremdliches, wenn man sich im Jahre 2012 Hot Shots! ansieht und auf dem Bildschirm plötzlich Charlie Sheen neben Jon Cryer auftaucht. Schließlich sollten die beiden viele Jahre später in siebeneinhalb Staffeln ‚Two and a Half Men“ die Gebrüder Harper verkörpern. Als ob das nicht reicht, erblickt man bei genauem Hinsehen weiter zum Ende hin Ryan Stiles, besser bekannt als Dr. Herb Melnick. Damit ist dieses Filmchen schon so etwas wie ein wenig Zeitgeschichte, auch weil alle möglichen und damals aktuellen Filme aufs Korn genommen werden, allen voran natürlich Top Gun.

Lieutnant Topper Harley (Charlie Sheen) wird wieder in die Navy einberufen, um an der geheimen Operation „Schläfriges Wiesel“ teilzunehmen. Dabei leidet der Kampfjetpilot unter dem Trauma, dass sein eigener Vater bei einem Einsatz in einem Düsenjäger ums Leben gekommen ist. Glücklicherweise hilft ihm die Psychologin Ramda Thompson (Valeria Golino), mit dem Schicksalschlag fertig zu werden. Auf den Rest seiner Kollegen kann er sich jedenfalls nicht verlassen, denn die sind in der Regel sehbehindert, dumm oder beides.

Die Handlung ist mehr oder weniger egal und soll einfach nur eine enorme Anzahl von Witzen irgendwie zusammenhalten. Hauptthema bildet hierbei Top Gun, schließlich spielt der Film zum großen Teil auf einem Flugzeugträger oder in der Luft. Es werden jedoch noch unzählige andere Filme auf die Schippe genommen, beispielsweise Der mit dem Wolf tanzt, Rocky, Superman, Der Pate, Full Metal Jacket und Vom Winde Verweht. Erkennt man, was da gerade persifliert wird, funktioniert das eigentlich ganz gut. Die Witze verlieren jedoch enorm, wenn man einen Film nicht kennt. So habe ich bis dato Top Gun nicht gesehen. Dafür kann Hot Shots! natürlich nichts, aber nichtsdestotrotz beeinflusst es die Menge an Spaß, die einem bereitet wird. Im Grunde ist alles kindertauglich und in diesem Sinne auch ziemlich flach. Manchmal besteht der Humor einer Szene einfach nur darin, dass jemand stolpert. Hier muss man dann für sich entscheiden, ob man mit dem Niveau leben kann.

Für mich persönlich ist Hot Shots! zeitgleich auch ein gutes Stück Kindheitserinnerung und so übersehe ich gerne aus nostalgischer Verklärung, dass mancher Dialog vollkommen albern und gut zwei Jahrzehnte später nicht mehr ganz so lustig ist, wie noch vielleicht in den 90ern. Außerdem erinnert man sich gerne daran, dass Charlie Sheen damals noch ein junger und durch die Bank weg sympathischer Comedian war. Die mit 84 Minuten Laufzeit recht kurze Komödie ist definitv ein netter Film für Zwischendurch, ohne Tiefgang, aber am Ende liebenswürdig. Wer also die Nackte Kanone mag und mit dem persiflierten Material einigermaßen vertraut ist, darf gerne mal reingucken. Schließlich werden solche Komödien nicht mehr wirklich gemacht und wenn, dann auf billige und abstoßende Art und Weise. Damit ist nicht Will Ferrell gemeint. Der wirkt nämlich neben Hot Shots! beinahe schon ernst und geradezu tiefgründig.

Der zweite Teil geht dann in die Rambo- und Kriegsfilm-Richtung und gefällt mir dadurch sogar besser, zumal man die gleiche Schauspielerriege vorfindet hat.

Regie: Jim Abrahams (Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Mafia! – Eine Nudel macht noch keine Spaghetti!, Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone)

Schauspieler: Charlie Sheen, Valeria Golino, Lloyd Bridges, Kevin Dunn, Jon Cryer

Bewertung: 

 

 

A Lonely Place to Die (2011)

Im Deutschen heißt der Film tatsächlich ‚Todesfalle Highlands‘, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist. Sogar auf der DVD steht ‚A Lonely Place to Die‘. Ich weigere mich, diese blödsinnige und unnötige Übersetzung zu benutzen. Ohne über den Film zu urteilen, der Titel ist an sich gut gewählt und die deutsche Variante totaler Müll. Aber das ist man ja inzwischen gewöhnt von so machen Übersetzungen. ‚Todesfalle Highlands‘ klingt wie irgendein beliebiger Heimatfilm im Abendprogramm der ARD, während ‚A Lonely Place to Die‘ wenigstens Spannung und Interesse weckt.

Eine fünfköpfige Gruppe von Bergsteigern will eigentlich einen gemütlichen Kletterurlaub irgendwo in den britischen Bergen verbringen. Jedoch finden Alison, Ed, Rob, Alex und Jenny auf ihrem Trip ein völlig verwahrlostes und gefangenes kleines Mädchen, das sie mitnehmen. Das verstörte Kind stellt die Gruppe vor die Frage, wie es dort hingekommen ist und wie man so etwas nur jemandem antun kann. Nach kurzer Zeit beantworten sich die meisten Fragen von selbst, denn zwei Männer machen mit Scharfschützengewähren Jagd auf unsere Helden. Es entwickelt sich ein durchaus brutales und schonungsloses Rennen zur nächstgelegenen Stadt.

Es sei so viel verraten, dass man es in das Dörfchen schafft und der Film somit im letzten Drittel von einem ziemlich atmosphärischen Natur-Thriller zu einem recht gewöhnlichen Baller-Streifen verkommt. Das ist eigentlich ziemlich schade. In der ersten Stunde befindet man sich noch mutterseelenlein irgendwo im Wald bzw. im Gebirge und die Klettereinlagen geben der Sache einen abenteuerlichen Charme. Es wirkt oft realistisch, was die Gruppe da treibt. Die Entdeckung des Mädchens ist dabei ziemlich gruselig anfangs und eigentlich ziemlich nett umgesetzt. Dazu trägt eben vor allem die Kulisse bei. Problematisch sind dann die Auseinandersetzungen mit den Verfolgern. So stirbt einer der Protagonisten auf reichlich beknackte Art und Weise, die heroisch und mutig wirken soll, aber letztendlich ziemlich hirnrissig und einfach nicht nachvollziehbar ist.

In den letzten 30 Minuten gibt sich der Film dann Mühe, die Hintergründe der Entführung und der Angreifer zu erklären, was der Geschichte die ganze Spannung nimmt. Hinzu kommt der Schauplatzwechsel und der nicht mehr realistische Verlauf der Story. Die Verlorenheit in der Natur wird durch wilde Schusswechsel in einem beschaulichen Dörfchen verdrängt und so geht ein großer Teil der Atmosphäre verloren. Der Film bleibt zwar immer hart und es wird durchgängig und sinnlos gestorben, doch zum Schluss muss es dann doch noch einmal kitschig werden.

Problematisch ist in gewisser Weise auch die fehlende Sympathie der Reisetruppe gegenüber. Von den beiden Pärchen ist eines ziemlich nervig und der junge Mann, der keine Freundin hat, ist ein blödes Arschloch. Uns wird zwar 10 Minuten lang Zeit gegeben, uns mit den Personen anzufreunden, doch so richtig ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Da geht es einem z. Bsp. bei ‚The Grey‘ mit Lian Neeson in der Hauptrolle deutlich anders. Hier erleben wir hautnah mit und fühlen den Schmerz und die innere Zerrissenheit. Bei ‚A Lonely Place to Die‘ sehen wir eine hübsche Sportlerin, die außer einem leeren Blick sonst nicht viel auszudrücken hat. Und dann werden wir zum Ende hin mit den bösen Buben vertraut gemacht, was weder interessant noch hilfreich ist. Der Mystery-Aspekt, den man anfangs noch hatte, weil die Bedrohung kein Gesicht besaß, geht verloren.

Am Ende haben wir hier einen kleinen und streckenweise netten Film, der besonders zum Ende hin viele Schwächen aufweist und gerne mal ein wenig in die Belanglosigkeit abdriftet. ‚The Grey‘ macht vieles besser, weil man durchweg in der Natur bleibt und wegen Liam Neeson. Trotzdem kommt hier oft Spannung auf und neben dem völlig überzogenen ‚Vertical Limit‘ und dem noch abstruseren ‚Cliffhanger‘ hat ‚A Lonely Place to Die‘ auch seine Daseinsberechtigung. Genauso wie der Ort des Geschehens eben nicht in der Nähe von Hollywood liegt, so ist das hier eben auch kein Blockbuster. Man muss es hier eben mit den Briten halten und einfach mal ruhig abwarten und Tee trinken.

Regie: Julian Gilbey (Rise of the Footsoldier, Rollin‘ with the Nines)

Schauspieler: Alec Newman, Ed Speleers, Melissa George

Bewertung: 

Contraband (2012)

Hinter dem Begriff ‚Contraband‘ verbirgt sich das englische Wort für Schmuggelware. Glücklicherweise ist niemand irgendwo auf die Idee gekommen, den Titel einzudeutschen. Mittendrin dabei in der ziemlich gut besetzten Schauspieler-Regie Mark Wahlberg, der wieder einmal Mark Wahlberg spielt. Vorneweg: Mark Wahlberg ist kein guter Schauspieler. Er spielt immer den gleichen Typen: ein rebellischer und gerne zuhauender Amerikaner aus einfachen Verhältnissen, der für seine Werte und Prinzipien eintritt und im Herzen ein guter Mensch ist. Beispiele? The Departed, Vier Brüder, The Fighter, Shooter, Max Payne, The Happening und Die etwas anderen Cops. Das ist grundsätzlich nicht schlimm. Ein Jason Statham oder Steven Seagal sind genauso eindimensional und trotzdem beliebt. Gerade bei Contraband ist Mark Wahlberg goldrichtig.

Chris Farrady (Mark Wahlberg) hat vor Jahren dem Schmuggelgeschäft abgeschworen und jetzt mit seiner Frau Kate (Kate Beckinsale), seinen beiden Söhnen und seiner Alarmanlagenfirma genug zu tun. Kates junger Bruder Andy (Caleb Landry Jones) importiert jedoch Drogen ins Land. Sein letzter Job misslingt ihm und er steht bei dem Gangster Tim Briggs (Giovanni Ribisi) tief in der Kreide. Als Chris versucht, beschwichtigend dazwischenzugehen, wird seine Familie bedroht und er sieht sich gezwungen, einen weiteren lukrativen Schmuggel durchzuführen. Bei der Finanzierung hilft ihm sein bester Freund Sebastian (Ben Foster), der gerade selber auch Probleme mit seinem Geschäft hat.

Im Grunde ist die Handlung ziemlich simpel konstruiert. Die Grundmotivation ist klar und logisch und Chris‘ Vorgehen stets nachvollziehbar. Dabei schafft es der Film, gerade zum Ende hin nochmal mit dem einen oder anderen (teils vorhersehbaren) Twist zu punkten. Meiner Meinung nach blüht Mark Wahlberg hier auf, denn seine Rolle ist zugleich Familienmensch wie auch Kämpfer. Das passt zu ihm. Ich persönlich mag Ben Foster sehr und hier wirkt er nicht ganz so unterkühlt wie in Pandorum. Und obwohl mir auch Giovanni Ribisi gefällt, ist seine deutsche Synchronstimme unglaublich nervig und der gesamte Charakter irgendwie total strohdumm. Der Rest ist in Ordnung und keiner Erwähnung wert.

Lustigerweise ist der Film mit seinen 109 Minuten etwas zu lang. Das liegt nicht daran, dass es langweilig wird, sondern an der Handlung in der Mitte. Der geplante Schmuggel von Chris in Panama artet aus und wird plötzlich zu einer Sequenz voll mit Geballer und Action. Das passt widerum überhaupt nicht zum Film und macht das eigentlich sehr realistische Setting lachhaft. Man hat sich dort vermutlich in gewisser Weise Richtung Heat orientiert, doch die Spannung geht einfach in dem ganzen Chaos flöten. Das ist unheimlich schade, denn mehr Einfachheit wäre ungemein sympathischer gewesen. Mark Wahlberg sollte hier eben eine reale Person sein und nicht zum Actionhelden mutieren. Er ist ein guter Schmuggler und ein einfacher Mann von der Straße. Mehr nicht. Glücklicherweise ist die entsprechende Stelle nur fünf Minuten lang und danach geht Contraband wieder seines gewohnten gemächlichen Ganges.

Das Ende ist dann wieder zwiespältig. Einerseits finde ich den Abschluss des Schmuggels ziemlich cool und nicht vorhersehbar. Der Sideplot rund um Chris‘ Frau ist jedoch irgendwie nervig und im Gegensatz zum Rest ziemlich einfallslos. Die letzten Szenen sind dann in diesem Stil, also ziemlich weichgespühlt. Hier hätte ein wenig mehr Mut zum Drama vielleicht geholfen.

Am Ende überwiegt der positive Eindruck. Contraband ist ein kleiner Action-Krimi-Film mit teilweise sehr netten Einfällen zu einem nicht ausgelutschten Thema. Eine Art Ocean’s Eleven des kleinen Mannes, der es sich eben nicht leisten kann, Casinos zu überfallen und somit auf einfachen Wegen an Geld kommen muss. Den Mittelteil muss man verschmerzen, aber das sollte einem leicht fallen. Wer Mark Wahlberg sowieso gut leiden kann, darf gerne mal einen Blick riskieren. In eine ähnliche Bresche schlägt zum Beispiel auch The Town mit Ben Affleck und Jeremy Renner, welches aber in vielen Belangen besser und ausgefeilter ist. Auf jeden Fall sehe ich Marky Mark viel lieber in soliden Filmen der Machart von Contraband als in der widerlichen Max Payne-Verfilmung, die auf Videospielebene wie Gotteslästerung wirkt.

Regie: Baltasar Kormákur (Inhale, Der Tote aus Nordermoor)

Schauspieler: Mark Wahlberg, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Kate Beckinsale

Bewertung: 

Silent Hill (2006)

Und wieder schlage ich vor lauter Vorfreude das Kapitel der Computerspieleverfilmungen auf. Moment, waren die nicht meistens ziemlich mies? Na klar! Da hätten wir hier auf dieser Seite bereits Doom, Resident Evil I, II, III, IV. Und die Reihe der nicht gelungenen Filmchen lässt sich mit Lara Croft I, II, Prince of Persia, Super Mario, Dead or Alive, Tekken, Street Fighter und so ziemlich allem von Uwe Boll auch eine ganze Weile fortsetzen. Heiliger Kuhmist, war Max Payne (mit Mark Wahlberg) blöd! Zu dem Thema gab es übrigens letztens auf GameOne einen 8 – (!!!!!!!) stündigen Podcast und als einziger Film gelobt wurde ‚Silent Hill‘. Here we go!

Rose (Radha Mitchell) und Christopher (Sean Bean) Da Silva haben ihre Tochter Sharon adoptiert. Diese leidet unter Alpträumen und schlafwandelt, wobei sie nebenbei Silent Hill erwähnt. Rose beschließt, mitsamt Töchterchen in die entlegene Geisterstadt zu fahren und so den Hintergründen für Sharons Ruhelosigkeit auf die Spur zu kommen. Im nebligen Dunst von Silent Hill verschwindet Sharon und so muss sich Rose mit Hilfe der Polizistin Cybil Benett (Laurie Holden) auf die Suche machen. Problematisch ist jedoch, dass alle paar Stunden, angekündigt durch eine Sirene, verstörende und blutrünstige Kreaturen auftauchen und den Frauen nach ihren Leben trachten. Und mit Kreaturen sind hier nicht etwa lustige Gremlins oder anderweitige Monster gemeint, sondern unheimlich fantasievolle Alptraum-Gestalten. Zum Beispiel gesichtslose Torsos mit Beinen oder eine zerfledderte und in Maschendraht gewickelte Leiche. Es ist schwierig zu beschreiben, aber es gibt kaum andere Filme, in denen die Widersacher so psychotisch und real erscheinen. Und so erfahren Rose und Cybil zunehmend mehr über die Hintergründe von Silent Hill und seinen Bewohnern, während Christopher sich auf die Suche nach Frau und Tochter begibt.

Ursprünglich wollte Regisseur Christphe Gans nur Frauen in der Handlung haben. Dass er das umschreiben musste, merkt man der Rolle von Sean Bean an, denn Christopher Da Silva ist merkwürdig deplatziert und fügt sich überhaupt nicht in die Handlung, die diesen Balast überhaupt nicht nötig hat. Man benutzt ihn zwar, um dem Zuschauer Verschnaufpausen vom Alptraum zu gewähren, dennoch fühlt er sich wie ein Fremdkörper an und streckt ‚Silent Hill‘ nur unnötig. Überhaupt ist der Horrorfilm mit gut zwei Stunden Laufzeit relativ lang, was dazu führt, dass sich die anfangs aufgebaute Spannung nicht bis komplett zum Ende hin trägt.

Das ist schade, weil der ganze Rest nämlich sehr stimmig und stilvoll ist. Die Hintergrundhandlung, die erst zum Ende hin klar wird, empfinde ich als schön schaurig und geradezu passend. Und noch nie habe ich gruseligere Figuren gesehen, denn weil man diese entmenschlichten Etwasse selber kaum begreift, fühlt man sehr gut mit der Hauptprotagonistin Rose mit.

Da ich die Spiele nie gespielt habe, kann ich leider keinen direkten Vergleich ziehen. Es sei nur so viel gesagt, dass es sehr viele Parallelen zum ersten Teil aus dem Jahre 1999 von Konamis Silent Hill-Reihe gibt, indem jedoch ein Mann die Hauptrolle innehat. Die Polizistin sowie die Suche nach der Tochter sind allerdings gleich. Außerdem benutzt der Film, ähnlich wie das Videospiel, teils außergewöhnliche Kamerafahrten und -Perspektiven. Das ist etwas, was Leuten, die das Spiel gespielt haben, vermutlich auf- und gefallen wird.

Letztendlich habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Trotzdem ist ‚Silent Hill‘ für jemanden wie mich, an dem die Spiele vorbeigegangen sind, nicht unbedingt ein erinnerungswürdiger Film. Ein netter Horror-Streifen ist das allemal und für Fans der Games wohl auch absolut emphelenswert. Und das soll ‚Silent Hill‘ auch sein: Ein Film für die Anhänger des ruhigen Dorfes. So haben die Resident Evil-Filme fast gar nichts mehr mit den Spielen zu tun. Das zeigt, dass hier jemand am Werke war, dem die Reihe am Herzen liegt und der nicht das Franchise in Hollywood-Manier ausbeuten wollte, oder zumindest nicht so gefühllos wie man es sonst erwarten würde.  Das ist ja auch schon mal was, obwohl es ein Sequel geben soll…

Regie: Christophe Gans (Der Pakt der Wölfe, Crying Freeman)

Schauspieler: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden

Bewertung: 

Pandorum (2009)

Die Pandorum ist ein riesiges Raumschiff, das dazu entwickelt wurde, in einer Flugzeit über 123 Jahre so viele Menschen und Spezies wie möglich auf den Planeten Tanis zu bringen. Dieser ist erdähnlich. Die Erde selbst steht kurz vor dem Kollaps und so ist die Elysium gleichzeitig auch eine Art Arche Noah, um den Fortbestand dieses allseits beliebten Homo Sapiens zu sichern (Shoutout an alle Dodos und Tasmanischen Wölfe). Leider lief wohl nicht unbedingt alles nach Plan und so erwachen die beiden Crew-Mitglieder Payton (Dennis Quaid) und Bower (Ben Foster) nach ihrem Tiefschlaf, ohne eine Menschenseele vorzufinden. Gleichzeitig steht der Reaktor kurz vor dem Supergau und der Aufwachraum ist von außen verriegelt. So begibt sich Bower unter telefonischer Anweisung von Payton durch einen Lüftungsschacht nach draußen, um den Antrieb zu reparieren und Freundschaft mit einer illustren Bande von sehr hungrigen Kreaturen mit Stöckchen zu schließen. Hinzu kommt der Gedächtnisverlust, unter dem die beiden Männer leiden und der die Story phasenweise ein wenig von hinten aufrollt.

Pandorum als Begrifflichkeit stellt in diesem 108-minütigen Sci-Fi-Horror-Streifen eine Art Lagerkollaps dar, der einen in einer Art suizidalen Kurzschlussreaktion dazu veranlasst, einfach alles und jeden an Bord eines Raumschiffs zu ermorden. Die Verbindung dieser Krankheit zu unseren Hauptprotagonisten ist zu Beginn nicht ganz klar und auch die Herkunft der Monster bleibt ziemlich lange im Dunkeln, wird jedoch in einer ziemlich gelungenen Art und Weise am Ende aufgelöst. Der Trick mit der Amnesie und den daraus resultierenden Rückblenden, die zunehmend mehr Sinn ergeben, gefällt mir richtig gut und gibt dem Film mehr Tiefe, als er eigentlich hat. Denn im Grunde ist das hier Survival-Horror im Weltraum. Bei weitem nicht so düster und beklemmend wie z. Bsp. ‚Alien‘, jedoch deutlich einfallsreicher und unterhaltsamer als ‚Event Horizon‚.

Und sogar Dennis Quaid gefällt mir hier drin. Obwohl er nicht gerade großartig anders spielt als sonst, ist das auf jeden Fall in Ordnung. Seit ‚Todeszug nach Yuma‘ mag ich außerdem Ben Foster, der hier den aktiven Part übernimmt, während (der) Dennis eingesperrt bleibt. Allerdings ist Foster nie so richtig zu 100% der Held, mit dem man bis zum Schluss mitfiebert. Dafür wirkt er einfach zu steril und unterkühlt. Das ist natürlich der Rolle selbst geschuldet, aber ein wenig Selbstreflektion über seine Situation findet einfach nicht statt. Wenn es die Situation erfordert, ballert er. Muss man mutig und kühn durch eine Horde von schlafenden Monstern kriechen, so tut er das. Zurückblicken und sich darüber wundern, dass er als Bordmechaniker eigentlich ein anderes Betätigungsfeld hat, tut er nicht. Hier wäre mehr drin gewesen. Das muss nicht heißen, dass er à la Guy Pearce in ‚Lockout‘ oder Vin Diesel als Riddick ständig irgendeinen pseudo-coolen One-Liner raushauen muss, doch ich hätte mir mehr Profil für ihn gewünscht.

Die bösen Viecher empfand ich okay. Nichts ist bedrohlicher natürlicher als diese schwarzen Dinger in ‚Aliens‘, aber hier hat man immerhin probiert, etwas Eigenes zu finden. So eine Mischung aus Brandopfer und Kellerbräune. Der Horror kommt dann eher über die Verfolgungen als über das Aussehen. So richtig konnte man sich dann aber nicht entscheiden, wann sich unser Held verstecken muss und wann nicht. Zumindest wirkt es unnatürlich, wenn sich Bower in der einen Szene noch gerade so verstecken konnte, um kurz darauf seelenruhig weiterzuschlendern bzw. durch das verseuchte Schiff zu rufen. Dadurch verfliegt die Spannung ein wenig.

Trotz alledem fühlte ich mich sehr gut unterhalten. Das mag einerseits daran liegen, dass mir solch Weltraumzeug gut gefällt, andererseits ist der Story-Twist am Ende (den es in dieser Art von Film scheinbar immer geben muss…) nett und einfach mal etwas Neues. Gerade nach ‚Event Horizon‘ bin ich über jedes halbwegs brauchbare Ende dankbar. Natürlich ist dem deutschen Regisseur Christian Alvart mit Pandorum kein Geniestreich gelungen und zum Genre wird auch nichts Innovatives beigetragen. Allerdings gibt es hierdrin auch nicht wirklich viel, was einen stören könnte. Deswegen empfehle ich Pandorum jedem, der die Wartezeit auf ‚Prometheus‚ verkürzen will und dem die ‚Alien‘-Filme bereits zum Hals raushängen.

Regie: Christian Alvart (Fall 39, Antikörper, 8 Uhr 28)

Schauspieler: Ben Foster, Dennis Quaid, Cam Gigandet, Antje Traue

Bewertung: 

Iron Sky (2012)

Während Günter Grass wohl nie wieder nach Isreal reisen darf und sich die Aufregung um sein Gedicht auch irgendwie wieder total gelegt hat, scheint es keinen zu jucken, dass da gerade ein Film über Nazis auf dem Mond in den Kinos läuft. Diese bösen Nationalsozialisten, die immer noch hasspredigen und im Jahre 2018 wieder die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Oder soll es etwas möglich sein, dass man nicht alles ernst und persönlich nimmt und den Menschen die allgemeine Meinungs- und Pressefreiheit lässt? Oder ist Iron Sky etwa die Darstellung von Space-Nazis erlaubt, weil es eine internationnale Produktion (Finnland, Deutschland, Australien) ist? Und hat der englische Begriff ‚irony‘ irgendetwas mit dem englischen Wort für Eisen (‚iron‘) zu tun? Fragen über Fragen!

Um es einfach mal vorweg zu nehmen: irony und iron stehen nach meinen Recherchen in keiner Verbindung zueinander. Währen nämlich die Ironie auf den griechischen Komödien-Charakter Eiron zurückgeht, entstammt das Eisen dem etruskischen Begriff ‚aiser‘ für ‚die Götter‘, weil das erste gewonnene Metall den göttlichen, weil vom Himmel stammenden, Meteoriten entstammte. Warum erzähle ich das alles? Weil Iron Sky ein sehr ironischer Film ist, indem unglaublich viel Eisen im Weltraum und auf dem Mond in die Luft gejagt wird.

Wir erfahren, dass die Nazis während des zweiten Weltkriegs eine geheime Basis auf der dunklen Seite des Mondes errichtet haben und sich dort versteckt halten, um sich auf die Rückeroberung der Erde vorzubereiten. Das erinnert den einen oder anderen womöglich an Transformers 3, nur halt eben mit Space-Faschisten anstelle von Space-Robotern. Im Jahr 2018 schickt die amerikanische Präsidentin, die Sarah Palin sehr ähnlich sieht, aus PR-Gründen ein paar Astronauten auf den Mond, darunter das schwarze Model James Washington (Christopher Kirby). Diese stoßen auf die Nazi-Basis mit ihrem Neu-Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier). Washington wird anschließend albinisiert (bzw. stark gepudert) und zusammen mit dem SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) und der naiven Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) auf die Erde geschickt, um Mobilgeräte für die Fertigstellung des Nazi-Eroberungs-Raumschiffs, der Götterdämmerung, zu besorgen.

Man merkt, allzuviel Sinn ergibt das alles nicht. Aber darum geht es auch nicht. Wir verfolgen also, wie die Mond-Nazis in unsere Gesellschaft kommen und dabei überraschend gut akzeptiert werden. Das liegt vor allem an der unglaublich skrupellosen PR-Frau Vivian Wagner, die Klaus und Renate für eine Werbekampagnge der Präsidentin einspannt. So wird der heutige Wahlkampf auf eine Stufe mit der Propaganda im Dritten Reich gestellt. Das ist einer der starken Momente des Films, denn hier erhält das ganze Spektakel einen bitterbösen Beigeschmack und karikiert auf eine humoristische Art aktuelle Missstände. Herauszuheben ist des Ende von Iron Sky, welches überraschenderweise einen ernsteren Ton anschlägt, den Film meiner Meinung nach aufwertet und ihm eine durchaus clevere Message mitgibt.

Problematisch ist der gut einstündige Mittelteil des 90-Minüters, welcher auf der Erde spielt und irgendwo zwischen Langeweile und seichtem Klamauk schwebt. Denn allzuviel wird mit den Nazis auf unserem Heimatplaneten nicht gemacht und so wird es relativ seicht, zumal man hier optisch nicht auftrumpfen kann. Denn trotz seines geringen Budgets sieht Iron Sky, vor allem in den Mond- und Weltraumszenen, fantastisch aus. Das gräulich angehauchte Flair der Nazis ist passend und macht besonders am Anfang Spaß. Die Weltraumschlachten am Ende sehen auch gut aus und fühlen sich nicht wie Low-Budget an. Gerade zum Schluss nimmt der Film dann noch einmal Fahrt auf und wird wieder interessanter. Eine offensichtliche Hommage an Star Trek finde ich äußerst gelungen und bei Weitem cooler als alle Witze bei Bullys Traumschiff Surprise.

So ist Iron Skys größtes Problem die Handlung. Natürlich steht diese bei so einem Film nicht im Vordergrund, aber so viele Witze gibt es in der Mitte nicht, die einen unterhalten und so entsteht ein gewisser Leerlauf. Außerdem wirken die Protagonisten eher orientierungslos und man weiß selbst nicht, wo das Ganze hin will. Nichtsdestotrotz überraschte mich der Film und unterhielt über die meiste Zeit ganz gut. Götz Otto spielt den jungen aufstrebenden SS-General authentisch und mit einer erschreckenden Souveränität, während Julia Dietze mit ihrer naiven und irgendwie profillosen Rolle ziemlich abfällt und eher den Eindruck eines Dummchens hinterlässt. Washington ist nicht viel mehr als ein Klischee, sodass die Guten weniger interessant sind als die Bösen.

Am Ende bleibt ein netter Film mit coolen Effekten aber ohne erinnerungswürdige Charaktere und mit Längen. Die Botschaft am Ende ist klar und deutlich und macht Iron Sky eindeutig besser als ein Traumschiff Surprise. Womöglich hätte ein Hans Landa, verkörpert vom Oscar-prämierten Christoph Waltz in Inglorious Basterds, Wunder bewirkt und hieraus einen B-Movie-Klassiker gemacht. Wer überhaupt auch nur ein wenig mit Science-Fiction anfangen kann, sollte jedoch gut unterhalten werden.

Regie: Timo Vuorensola (Star Wreck: In the Pirkinning, Norjalainen huora)

Schauspieler: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby

Bewertung: