Spaceballs (1987)

Heutzutage ist Klamauk ziemlich schlecht. Beilight – Biss zum Abendbrot, Disaster Movie, Fantastic Movie, Date Movie, Meine Frau, die Spartaner und Ich und die ganzen Scary Movies, alles im Grunde filmische Abführmittel (ja, Scary Movie 1 bis 4 sind nicht sooooooooo fürchterlich wie die davor, aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei) . Bei allen sind die Herren Jason Friedberg und Aaron Seltzer beteiligt, die diesen Müll praktisch am Fließband schreiben, drehen und / oder produzieren. Und alle diese Werke sind sehr billig und seelenlos und zielen mit dümmlichen popkulturellen Anspielungen auf ein minderjähriges Publikum ab. So gibt es zum Beispiel in Meine Frau, die Spartaner und Ich eine Szene, in der eine heulende Britney Spears ein Baby im Arm hält und sich dabei singend eine Glatze rasiert, woraufhin der Leonidas-Verschnitt sie in die Grube tritt. Das ist dann nicht nur dumm, sondern auch einfach fernab von allem, was lustig ist. Da wurden live beim Dreh die aktuellesten Klatsch-Spalten durchforstet und verfilmt. Nicht umsonst belegen einige dieser „Filme“ die hintersten Plätze in der internet movie database. Dass das auch anders geht, hat Leslie Nielsen zur Genüge mit der Nackten Kanone unter Beweis gestellt. Und ebenso Mel Brooks.

Die Spaceballs haben nicht mehr genug Luft zum Atmen auf ihrem Heimatplaneten. Deswegen beschließt ihr Präsident Skroob (Mel Brooks), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen und ihren Vater König Roland (Dick Van Patten) zu erpressen, um an die gesamte Luft vom Planeten Druidia zu gelangen. Seinem Schergen Lord Helmchen (Rick Moranis) gelingt die Entführung der Adeligen, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem nicht ganz so munteren Prinz Valium flieht. Allerdings erscheint Lone Starr (Bill Pullman) zusammen mit seinem treuen Möterbegleiter Waldi (John Candy) und rettet Vespa. Nun müssen unsere Helden vor den bösen Spaceballs fliehen und sich dabei mit der Macht des Saftes auseinandersetzen.

Spaceballs persifliert vor allem die alten Star Wars-Filme, es finden sich aber auch beispielsweise Referenzen zu Alien (inklusive dem im Originalfilm spielenden John Hurt in seiner Originalrolle, dem ein Alien aus dem Magen herausbricht), Star Trek (Spocks Nackengriff), Planet der Affen und dem Zauberer von Oz. Die Fülle an Bezügen ist riesig und glücklicherweise hier zusammengetragen. Und die meisten Witze sind auch heute noch, fast 25 Jahre später, lustig. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wie die anfangs erwähnten heutigen Klamauk-Versuche irgendwelche popkulturellen und geschmacklosen Scherze über (teilweise längst vergessene) Prominente reißt. Großartig ist, wenn die Bösen eine Spaceballs-Kassette einschieben, um den Guten auf die Schliche zu kommen und der Film damit aus seiner Dimension ausbricht und direkten Bezug auf den Zuschauer nimmt. Das passiert öfter. In einer Szene faselt Mel Brooks als Yoda-Verschnitt namens Yogurth über Merchandising oder gar über die (nie gedrehte) Fortsetzung „Spaceballs 2 – Auf der Suche nach noch mehr Geld“. Zuvor hat Lord Helmchen noch aus Versehen die Kamera angerempelt oder einen Tontechniker zersäbelt.

Zugegebenermaßen ist der Film nicht an jeder Stelle unbedingt gut gealtert und die Handlung ist gelinde gesagt völlig verquer. John Candys Maske als halb-Mensch-halb-Köter sieht aus als ob er gerade vom Fasching kommt und Lone Starrs Raumschiff ist ein Wohnmobil mit Pappflügeln. Der billige Look ist aber meiner Meinung  nach Absicht und die unzähligen Referenzen auf entsprechende ernste Filme machen einen ungeheuren Charme aus und sind zudem Beweis dafür, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Wenn Lone Starr von „Pizza the Hutt“ erpresst wird oder doch tatsächlich Michael Winslow alias der Typ, der bei Police Academy die coolen Sounds mit seinem Mund macht, auftaucht, geht einem schonmal das Herz auf. Solche Szenen gibt es zuhauf und sie machen Spaceballs zu guter Unterhaltung, die es heutzutage einfach nicht mehr gibt, weil es billiger ist, schnell einen Witz über die großen Hupen von C-Prominentin XYZ zu machen. Allein der Fakt, dass der Held in Spaceballs ‚Lone Starr‘ heißt und damit eine Verballhornung der Nachnamen von ‚Han Solo‘ und ‚Luke Skywalker‘ darstellt, ist nicht unbedingt sofort ersichtlich und macht Spaceballs im Vergleich zu Meine Frau, die Spartaner und Ich zu einem Arthouse-Kinoerlebnis.

Rein von der Art des Films ist Spaceballs dem Schuh des Manitu gar nicht mal unähnlich. Wer sowieso nichts mit Star Wars und Konsorten anfangen kann und sich auf diesem Sachgebiet nicht auskennt, wird jedoch eher wenig Spaß hiermit haben. Es gehen dann nämlich einfach viel zu viele Witze nicht auf. Jüngere Generationen werden auch nicht unbedingt mit den Spaceballs warm werden, doch ich bin mit diesem Film aufgewachsen und er zählt für mich zum Besten, was Klamauk herzugeben hat. Und Mel Brooks muss man kennen und mögen, oder eben nicht. Seine Filme treffen definitiv nicht jedermanns Humor, sind jedoch ein Pflichterlebnis für jeden, der von heutigen Hollywood-Komödien nicht angesprochen wird.

Princess Vespa: [looking up at the night sky] Which one’s yours?
Lone Starr: Who knows?
Princess Vespa: You don’t know where you’re from?
Lone Starr: Not really. I was found on the doorstep of a monastery.
Princess Vespa: A monastery? Where?
Lone Starr: Somewhere in the Ford Galaxy.

 

Regie: Mel Brooks (The Producers, Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt, Das Leben stinkt)

Schauspieler: Mel Brooks, John Candy, Bill Pullman, Rick Moranis

Bewertung: 

 

Harro Füllgrabe: Mission: Abenteuer – Als Extremsportler um die Welt (2011)

Es gab Zeiten, da kam Galileo noch einmal wöchentlich und war ziemlich gut. Fast so gut wie Welt der Wunder. Aiman Abdallah hat sich da noch nicht im lächerlichen Mystery-Ableger den Kopf über die Illuminaten zerbrochen und rein thematisch wurde man mit interessanten und ziemlich beeindruckenden Informationen in Staunen und Verzückung versetzt. Doch schließlich, irgendwann vor vielen Jahren, da wurde die Wissenssendung zum täglichen Format umgemodelt und plötzlich ging es um so Spannendes wie „Wie werden Kartoffeln hergestellt?“ oder „Seit wann gibt es die Waschmaschine?“. Einer der wenigen Lichtblicke der Sendung ist und bleibt dabei Harro Füllgrabe, der um die Welt reist und dabei allerlei abstruses Zeug macht.

Und genau darum geht es in seinem Buch. Hierin schildert Harro selber, was es mit seinen ganzen Reportagen auf sich hat und man erhält dabei einen gewissen Einblick hinter die Kulissen.  Episodenweise erleben wir, wie er einen Tag lang bei der Fremdenlegion auf Französisch-Guyana verbringt oder aus einem mir nicht erfindlichen Grund die braun-brühigen Wasser des Amazonas durchschwimmt. Sortiert sind die Storys nach Kontinenten und bleiben dabei meistens sehr kurz. Mit knapp 260 Seiten ist das Buch eher dünn, gewährt aber mit 29 Geschichten eine große Bandbreite an Erlebtem.

Gerade aufgrund der Kürze der Geschichten liest sich Mission: Abenteuer sehr leicht und man kann kreuz und quer ohne Reihenfolge einfach hindurchgehen. Besonders sympathisch dabei sind die Dinge, die man im Fernsehen eben nicht sieht. Dass beispielsweise jeder Reportage eine mitunter strapaziöse und logistisch anspruchsvolle Reise vorgeht oder dass eben nicht alles immer nach Plan verläuft. So ist der um die Welt reisende Reporter nicht immer zu beneiden, obwohl sein Job schon ziemlich cool und einfach mit wenig aus der normalen Berufs-Welt zu vergleichen ist.

Es verhält sich eigentlich ziemlich simpel. Wer Harro Füllgrabe kennt und sympathisch findet, der wird mit seinem Buch auch seine Freude haben. Alle anderen lassen lieber die Finger davon. Natürlich ist das hier kein tiefgründiges Werk, aber eine durchaus nette Lektüre für Zwischendurch. Mehr dann auch nicht. Aber trotzdem schafft es der Mann, auf zwei Seiten Abenteuer-Urlaub mehr Interesse zu wecken als eine Daniela Katzenberger in einem gesamten Buch. Mir hats gefallen und so manche Ortschaft und Begebenheit weckt  Fernweh und Reiselust in einem.

Bewertung: 

 

Dark Star (1974)

Die Dark Star ist ein Raumschiff, welches durch das Weltall tingelt, um instabile Planeten in die Luft zu jagen. Seit 20 Jahren ist die Crew nun schon unterwegs und dabei völlig heruntergekommen. Genauso wie ihr Gefährt, welches allmählich den Geist aufgibt, sich jedoch öfter mal mit einer eintönigen weiblichen Stimme meldet. So kann die Besatzung nicht mehr in ihren Schlafkojen nächtigen, weil der entsprechende Abschnitt zerstört ist. Toilettenpapier gibt es auch keines mehr. Die vier Männer gehen ihrem monotonen Tagesablauf nach und steuern hin und wieder irgendwelche Planeten und Sterne an. Die Sprengung erfolgt mit Hilfe von intelligenten Atombomben, die eine eigene Persönlichkeit besitzen. Kürzlich ist bei einem Defekt der Kapitän umgekommen, was die allgemeine Stimmung weiter verschlechtert.

Dark Star ist ein ziemlich alter Film von John Carpenter. 1974 mit lediglich 60 000$ Budget gedreht gilt er vielen als Klassiker des Sci-Fi-Genres. So ist das der erste Film, in dem das Wort ‚Alien‘ benutzt wird, was im Deutschen jedoch mit ‚Exot‘ übersetzt wurde. Besagter Außerirdischer ist eigentlich nur ein bemalter Gymnastikball mit zwei Händen dran. Auch die Außenaufnahmen sehen unheimlich billig aus. Da wirken die Einspieler von ‚Unter Traumschiff‘ aus der Bullyparade nicht unrealistischer. Die Raumanzüge sehen aus, wie umgebaute Styropor-Staubsauger. Doch gerade dieses Billige macht auch einen Teil des Charmes aus, zumal die vier Protagonisten allesamt bärtig und ungepflegt aussehen und so, wie eigentlich kaum sonst in Weltraumfilmen, nicht steril und rausgeputzt wirken.

Komik entsteht zum großen Teil durch die Unterhaltungen. So wird beispielsweise deutlich, dass einer der Männer gar kein ausgebildeter Astronaut ist, sondern eher zufällig über eine Verwechslung an Bord geraten ist. In erster Linie erlangte Dark Star Berühmtheit für die philosphische Grundlagendiskussion einer der Männer mit einer Atombombe. Auch das Ende ist, sofern man das sagen kann, ziemlich eigen und sehr stimmig.

Dark Star wird als Persiflage Carpenters auf ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ von Stanley Kubrick gesehen. Dabei erreicht er natürlich nicht die Tiefe und die große Anerkennung, die Kubrick erfuhr. Dafür ist Dark Star mit 83 Minuten Laufzeit zu kurz und zu beschränkt auf den kleinen Raum der Kapsel. Nichtsdestotrotz muss ich eingestehen, dass mich die Geschichte interessiert und auch berührt hat. Es sind im Grunde 4 arme Schweine, die in der großen Apparatur der Menschheit einen Drecksjob machen, dessen Ergebnisse sie nicht mehr erleben werden. So wird der in unserer Gesellschaft hochgeschätzte Beruf des Astronauten heruntergebrochen und seiner Illusion von Ruhm und Komfort beraubt. Das ist erschreckend und faszinierend zugleich. Denkt heute irgendwer in Zusammenhang mit der Mondlandung daran, wie Neil, Buzz und Michael ihr Geschäft verrichtet haben? Und nicht nur das: Die Besatzung der Dark Star hat sogar ein Alien entdeckt, doch das interessiert keinen. Die Entfernungen im Weltraum sind überwunden und weiteres intelligentes Leben gefunden, doch mit der Zeit verkommt selbst die größte Erfahrung zur Routine. Eigentlich ist das ziemlich deprimierend.

An Dark Star scheiden sich, wie bei vielen Filmen von John Carpenter, die Geister. Man findet im Internet viel Lob und auch Kritik. Es stellt sich wohl so dar, dass jemand, der den Film bereits in den 70ern kannte, deutlich mehr mit ihm verbindet, auch weil es damals, in den Jahren vor Star Wars, kaum bzw. wenig Science-Fiction gab. Die jüngeren Generationen kommen mit der Tricktechnik nicht zurecht. Die Bildqualität ist eigentlich auch eine Zumutung. Das ist aber alles zu verkraften. Wenn man sich ein wenig auf die Stimmung einlässt, kann man wohl auch heute noch was aus diesem Film mitnehmen. Mein Ersteindruck war auch ehrlich gesagt erst negativer. Doch in der Reflexion erscheint mir vieles sympathischer. In erster Linie auch durch das Wissen, mit welchen beschränkten finanziellen Mitteln Carpenter hier gearbeitet hat. Oder alleine der Fakt, dass er hierfür auch die Musik komponiert hat. Oder dass Dan O’Bannon, der eines der Besatzungsmitglieder spielt und mit am Drehbuch schrieb, 5 Jahre später am Drehbuch für ‚Alien‘ beteiligt war.

Dark Star ist kein allzu bekannter Film. Einfach weil 6 Jahre zuvor ‚2001‘ kam und ein paar Jahre danach ‚Star Wars‘ und ‚Alien‘. Doch trotz allem ist das eine kleine Filmperle, die fernab des Mainstream durchaus viele Fans vorweisen kann. Wen die Bild- und Effektqualität nicht verschreckt und wer auf Kriegsfuß mit Hollywoods monotonen Sci-Fi-Auswürfen steht (z. Bsp. Event Horizon), darf einen Blick riskieren. Man bedenke zudem, dass es sich lohnt, den Film ein bis zwei Tage sacken zu lassen, bevor man sich eine finale Meinung bildet. Definitiv ist Dark Star besser als John Carpenters Ghosts of Mars aus dem Jahre 2001. Und dazwischen liegen immerhin 27 Jahre und 18 Filme.

Regie: John Carpenter (Big Trouble in Little China, Halloween, Das Ding aus einer anderen Welt, Jagd auf einen Unsichtbaren)

Schauspieler: Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O’Bannon

Bewertung: 

RoboCop (1987)

Was passiert, wenn man Iron Man das Geld und die Fähigkeit zu fliegen wegnimmt? Er sucht sich einen Job bei der Detroiter Polizei und ballert nun mit seinem riesigen Colt auf böse Buben. So ähnlich könnte man RoboCop umschreiben, nur hat er mehr Tiefe zu bieten als Tony Stark. Und mehr Brutalität. Sehr viel mehr Brutalität.

Im Detroit der nahen Zukunft wird die Polizei von der Firma OCP kontrolliert, die im Grunde auch über die gesamte Stadt herrscht. Um effektiver Kriminelle zu bekämpfen, wird das RoboCop-Programm gestartet. So hätte die Firma die vollständige Kontrolle über die Exekutive, ohne über Gehälter oder Ähnliches nachdenken zu müssen. Als der Polizist Alex Murphy (Peter Weller) bei einem Einsatz gegen den Gangsterboss Clarance Boddicker (Kurtwood Smith) auf brutalste Art und Weise ermordet wird, verwandelt ihn die OCP kurzerhand in RoboCop, eine Mischung aus Mensch und Maschine, die für Ordnung auf den Straßen der Stadt sorgt. Doch obwohl Murphys Erinnerungen gelöscht zu sein scheinen, beginnt er sich, an seine Familie als auch an seine Mörder zu erinnern.

Meine Güte, dieser Film ist weder etwas für Zartbesaitete noch für Kinder, denn er ist unheimlich brutal. Das gilt in erster Linie für die Szene, in der Murphy erschossen wird. Doch im Gegensatz zu Splatter-Schwachsinn à la Saw oder Hostel begründet Regisseur Paul Verhoeven das viele Blut mit einer erhöhten emotionalen Bindung zu dem Charakter, den man zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht allzu gut kennt und mit dem man dadurch auch nicht so mitfühlen würde, wenn es ihn nicht so grausam dahinraffen würde. Und damit hat er absolut Recht! Es stellt sich automatisch Sympathie ein und Entsetzen über die Skrupellosigkeit der Bösen.

Überhaupt ist die entworfene Zukunft sehr zynisch und zeigt, was passiert, wenn reiche Firmen die Kontrolle über die Exekutive und die Medien übernehmen. Das geht bereits damit los, dass häufiger über eine Nachrichtensendung die aktuellen Geschehnisse vermittelt werden und dabei mit abosluter Ruhe und Gemütlichkeit über den Tod von 113 Menschen durch ein fehlgeschlagenes Waffenexperiment berichtet wird. Die „Strategic Defence Peace Platform“ ist eben nicht gerade hilfreich für den Frieden. Menschenleben scheinen sowieso nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Niemand fragt Murphy, ob er einverstanden ist mit der Umwandlung. Die OCP macht einfach alles, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne jegliche Einschränkung. Auch wenn die Handlung nicht unbedingt im Vordergrund steht, empfinde ich das Plot durchgängig als stimmig und durchdacht. Vor allem weil auch die Frage gestellt wird, wie viel ein Mensch wert ist und wo die Grenze zum Golem ist. Dabei wird gezeigt, dass Profitgier, egal zu welcher Zeit, zur Entmenschlichung der Gesellschaft führt.

Die Special Effects wirken natürlich sehr altertümlich. So wird ein Kampfroboter die ganze Zeit in Stop-Motion dargestellt und erinnert so an die alten Sindbad-Filme. Das ist aber nun mal der damaligen Zeit geschuldet und muss nicht unbedingt stören. Ein wenig lustig ist es trotzdem. Die Explosionen wirken dagegen schon realitischer. Außerdem zolle ich Peter Weller großen Respekt, denn die Drehbedingungen waren alles andere als einfach (hier nachzulesen). Nicht nur musste er 15 kg Material bei einer großen Hitzewelle tragen und dadurch mehrere Liter Wasserverlust täglich hinnehmen, sondern die erste Anprobe dauerte auch ganze 11 Stunden. Wenn RoboCop dann mal seine Maske abnimmt, sieht das schon sehr befremdlich und entmenschlicht aus. Sowieso bewegt er sich wie eine Maschine, was rein darstellerisch relativ aufwändig war. Der Film erhielt darüberhinaus 1988 einen Oscar für den Soundeffektschnitt.

RoboCop ist bzw. war ein niedrig-budgetierter Überraschungserfolg. Es ist im Grunde auch eine Satire, nur mit ordentlich Blut und Mord. Die Nachfolger waren dann alle ziemlich seelenlos und ich kann mich noch an die Zeichentrickserie für Kinder erinnern, die eigentlich so gar nicht zum Thema passt. Als ob man eine kinderfreundliche Version von Hostel produzieren würde…  2013 soll es (natürlich) ein Remake geben, ähnlich wie bei Total Recall, der auch von Paul Verhoeven ist. Die beiden Filme sind sich auch ein wenig ähnlich. Wer mit dem ganzen Setting etwas anfangen kann und Matrix oder Equilibrium mochte, keine Angst vor einer abgetrennten Hand hat und sich auch nicht an altertümlicher Technik stört, wird sicherlich sehr gut unterhalten werden.

Regie: Paul Verhoeven

Schauspieler: Peter Weller, Kurtwood Smith, Ronny Cox

Bewertung: 

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Men in Black 3 (2012)

Im dritten Teil der Saga um die sonnenbebrillten Anzugträger wird es ein wenig abstruser: Der Gefängnisinsasse Boris bricht aus seiner Isolationshaft (mit Hilfe von Nicole Scherzinger) aus und will Rache an Agent K (Tommy Lee Jones) nehmen, der vor 40 Jahren Boris den Arm abschoss und ihn festnahm. Dazu reist er in die Vergangenheit und bringt den jungen Agent K (Josh Brolin) um. Nun ist es an J (Will Smith), Boris durch die Zeit zu folgen und alles wieder ins Lot zu bringen, bevor eine Alieninvasion die Menschheit vernichtet. Außerdem gibts den Spaß in der dritten Dimension!

Men in Black 3 ist mit 103 Minuten Laufzeit nicht viel länger als seine beiden Vorgänger und damit erfreulich kurz. So gibt es in der Handlung keine Längen und man hangelt sich relativ schnell von Ort zu Ort. Dabei ist das Konzept aller drei Filme ziemlich ähnlich: J und K verfolgen einen Alien-Oberbösewicht und folgen manchmal nicht wirklich sinnvollen Indizien. Neu ist halt eben nur, dass K die meiste Zeit jünger als sonst ist. Zudem gibt es hier und da Anspielungen auf Außerirdische, die sich mehr oder weniger erfolgreich in unsere Gesellschaft integriert haben, zum Beispiel Lady Gaga. So richtig sinnvoll ist die ganze Geschichte ohnehin meiner Meinung nach nicht, aber das steht auch nicht im Vordergrund.

Die Filme leben von der Coolness, die die Agenten dem Umgang mit oft gefährlichen Situationen und Wesen entgegenbringen und von Js großer Klappe. Und davon gibt es auch hier wieder mehr als genug. Erwähnt sei eine Szene, in der J gegen einen autogroßen Fisch kämpft und mit größter Ruhe, bevor ihm das Vieh den Unterkörper abbeißt, ein Metall-Tablet aus einem Restaurant zwischen die Zähne steckt, während er selbst doch noch halb in dem Fisch drin ist. Lobenswert finde ich zudem, dass bis auf einen Kurzeinsatz die Wurmlinge sowie der Mops Frank keine Rolle spielen. So verzichtet man auf die repititive Komik der Aliens, die schon zur Genüge in den beiden Vorgängern auftauchten. Der Jar Jar Binks-Effekt bleibt aus.

Die Effekte und die Action gehen absolut in Ordnung, wobei das Design der Außerirdischen im Grunde schon immer sehr gut und kreativ war. Lediglich Boris ist kein wirklich mächtiger Bösewicht, denn außer Stacheln zu verschießen kann er nichts. Das ist der größte Schwachpunkt des Films. Mit ein wenig mehr Screen-Time hätte er vielleicht bedrohlicher gewirkt, so ist er jedoch einfach nur ein grantiger Motorradfahrer mit Sonnenbrille. Die Schabe aus dem ersten Men in Black beispielsweise war einfach nur durch den Ekelfaktor und ihre Größe abstoßend. Boris hat das alles nicht zu bieten.

Schade finde ich auch, dass nicht mehr mit der Zeitreise als Element der Absurdität gearbeitet wurde. Es gibt nur eine Szene im Film, in der das verbaut ist. Jedoch muss ich eingestehen, dass mit mehr Zeitreisen der Film auch enorm an Leichtigkeit verloren und zu viel Balast aufgenommen hätte. Nichtsdestotrotz wird die Beziehung zwischen J und K im Film vertieft und erklärt, was einem die beiden Vorgängerfilme auch noch einmal schmackhaft macht. Josh Brolin als junger Tommy Lee Jones ist wirklich gut und überzeugend und Will Smith tut eben das, was er am besten kann: dummschwätzen.

Ein Kritikpunkt ist das völlig sinnlose 3D-Feature, das außer einem erhöhten Ticketpreis keine nennenswerten Auswirkungen hat.  Es gibt wirklich nur eine Szene im Film, in der es ganz nett wirkt und ansonsten bleibt die dritte Dimension ungemein nutzlos. Das ist dann schon irgendwie Abzocke und man muss selbst entscheiden, ob einem die Men in Black um die 12 € wert sind. Wenn nicht, kann man ja immer noch einfach auf die DVD warten.

Am Ende muss ich zugeben, dass ich wirklich gut unterhalten wurde und mir die Geschichten um J und K auch noch 15 Jahre nach dem ersten Teil viel Spaß bereiten. Wer die Vorgänger mochte, wird mit Teil 3 nicht unglücklich. Die MiB sind eben sommerliches Popcorn-Kino für Jung und Alt.

Regie: Barry Sonnenfeld (Men in Black I + II, Wild Wild West, Die Addams Family, Schnappt Shorty)

Schauspieler: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Emma Thompson

Bewertung: 

The Yellow Sea (2010)

Ein koreanisches Thriller-Krimi-Drama! Und nur mit englischen Untertiteln, dazu noch 140 Minuten lang in der westlichen Version (157 im Original). Und ganz viele Leute, deren Namen und Gesichter man sich nicht so gut merken kann, zumindest fiel es mir sehr schwer. Und verdammt, die Koreaner mögen Messer…

The Yellow Sea handelt von Gu-Nam (Jung-woo Ha), einem ärmlichen Taxifahrer in der Grenzregion von China, Nordkorea und Russland. Er ist ein Joseonjok, also ein in China lebender Koreaner und damit ziemlich weit unten in der Nahrungskette. Vor sechs Monaten ging seine Frau ins reiche Südkorea, um dort zu arbeiten und so die Familie zu unterstützen. Sie hat sich seitdem nicht mehr gemeldet und Gu-Nam versinkt in Schulden, Alkohol und Glücksspiel. Der Gangster-Boss Myun (Yun-seok Kim) bietet ihm die Auflösung seiner Schulden an, wenn er jemanden für ihn in Südkorea um die Ecke bringt. So begibt sich Gu-Nam auf die Reise, um einen Mord zu begehen und dabei noch irgendwie seine Frau zu finden. Rund um den Auftrag ergeben sich Probleme und so ist die Polizei, die nach ihm fandet, bald sein geringstes Problem.

The Yellow Sea ist das genaue Gegenteil eines Feel-Good-Movies. Wer auf nette zwischenmenschliche Interaktionen wartet und weder mit Armut, Kriminalität und abgetrennten Gliedmaßen konfrontiert werden möchte, sollte Hong-jin Nas zweiten Film absolut meiden. Ansonsten entspinnt sich hier ein relativ komplexes Gefüge, dem man nicht immer allzu einfach folgen kann. Gegliedert ist der Film in 4 Kapitel, die jedoch nicht ganz so einschneidende Brüche bewirken wie beispielsweise bei Quentin Tarantinos Kill Bill-Filmen.

Gu-Nam ist im Grunde ein niemand. Er kann nicht kämpfen, hat kein Geld und unbedingt sympathisch ist er auch nicht. Doch man fühlt mit ihm in seiner aussichtslosen Situation mit. Das liegt teilweise auch an der Härte einiger Szenen. Es gibt teilweise minutenlange Verfolgungssequenzen, die einfach nur einen Typen zeigen, der überleben will und dabei von 20 Männern mit Messern, Äxten und Stangen verfolgt wird. Das sind die ganz starken Momente des Films. Und hier erinnert er ein wenig an Oldboy.

Der ‚Oberböse‘ ist Myun. Ein anfangs irgendwie ganz schön asozialer Typ, der liebend gern eine Axt benutzt. Man begegnet ihm relativ früh und kann ihn eigentlich überhaupt nicht einschätzen. Doch zum Ende hin nimmt er fast schon übermenschliche Fähigkeiten an und scheinbar machen ihm Messerstiche in den Leib nicht allzuviel aus. Und verdammt, mit seiner Axt kann man so viel machen, vor allem Amputationen am lebenden Subjekt. Er verfolgt Gu-Nam und ist einfach mal ein Boss, der das Heft selbst in die Hand. In einer Szene hat er keine Axt zur Hand, da nimmt er halt einen gottverdammten Knochen und verprügelt damit Leute. Ein weiterer Bösewicht ist ein gepflegter und reicher Mafioso, der in Sachen Coolness nie an Myun herankommt. So hat man jedoch enorm viele Charaktere, die alle Probleme miteinander haben und irgendwo in der Mitte ist Gu-Nam und versucht nur, am Leben zu bleiben.

Das Ende wiederum fand ich eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass die letzte Szene nach dem Abspann noch einmal Fragen aufwirft und einen komplett unbefriedigt zurücklässt. Genauso auch eine andere Szene zum Schluss, die ich zwar deuten kann, die aber ansonsten irgendwie nicht allzuviel Aussagekraft besitzt und meiner Meinung nicht ganz in die Geschichte passt. The Yellow Sea hätte besser sein können, wenn man vielleicht die eine oder andere Sequenz weggelassen hätte. Nichtsdestotrotz bleibt der Film trotz seiner ausufernden Länge meistens spannend und geht einem an die Nieren. Diese Brutalität und Armut sieht man in der westlichen Hollywood-Welt selten. Während Oldboy jedoch ein sehr psychologischer und philosphischer Film ist, bleibt Yellow Sea glasklar in der Realität und konfrontiert einen einfach nur mit der Wirklichkeit. Meiner Meinung nach sollte man diesem Streifen durchaus eine Chance geben, zumal er noch im Mai 2012 ins Kino kommt und es gerade hierzulande neben den ganzen Tatorten und CSIs an Krimis nicht viel mehr in diesem Segment gibt.

Regie: Hong-jin Na (The Chaser)

Schauspieler: Jung-woo Ha, Yun-seok Kim, Jo Seong-Ha

Bewertung: 

Total Recall (1990)

Douglas Quaid (Arni) führt ein gar nicht mal so schlechtes Leben. Tagsüber ist er Bauarbeiter und bedient mit seinen ganzen Muckis den Presslufthammer, den Rest des Tages wartet Sharon Stone auf ihn daheim. Doch innerlich fühlt er sich zum Mars hingezogen, jedoch ist die Reise dahin nicht unbedingt billig und die politischen Verhältnisse dort sind gerade ein wenig unurlaubsmäßig. Der gewiefte Leser merkt bereits, dass wir uns in der nahen Zukunft befinden (im Jahr 2084), in der der Mars besiedelt und von einem fiesen Kerl kommerziell ausgebeutet wird. Quaid beschließt derweil, zu der Firma REKALL Inc. zu gehen und sich einen künstlichen Marsurlaub in seinen Kopf einpflanzen zu lassen, um so in den billigeren Genuss eines solchen Trips zu kommen. Zusätzlich wählt er sich eine Frau für diese virtuelle Reise und den Job eines Geheimagenten. Leider geht bei der ganzen Prozedur etwas schief und Quaid verliert sein Gedächtnis und plötzlich wird er von Männern verfolgt, die versuchen, ihn umzubringen. Seine Frau (Sharon Stone) offenbart ihm, dass sein ganzes Leben eigentlich nicht wahr ist und nur eine künstliche Erinnerung, die ihm implantiert wurde, was seine Situation nicht gerade verbessert.

Was folgt sind diverse Verfolgungsjagden bis auf den Mars, wo sich langsam die Handlung auflöst, um am Ende doch noch für Überraschungen zu sorgen. Auffällig ist, dass Total Recall von der technischen Seite her nicht gut gealtert ist. Das liegt an den ganzen Bildschirmen, Masken und Kulissen, die heutzutage ziemlich künstlich wirken und 1990 noch anders aufgenommen wurden. Das ist aber verschmerzbar, denn die Story ist für Arni-Verhältnisse wirklich gut. Und wer Total Recall nicht kennt, sollte ihn sich definitv mal geben, denn so viele aktuellere Filme nehmen Anleihen aus ihm heraus. Zum Beispiel die Horror-Idee von Matrix, in der wir nicht wissen, was real ist und was nicht, macht Arni bereits 10 Jahre früher durch. Minority Report war erst als Sequel zu Total Recall geplant worden, inklusive Quaid gespielt von Arnold Schwarzenegger, um dann überarbeitet zu werden. Man erkennt trotzdem Parallelen. Auch Equilibrium oder Johnny Mnemonic dürften sich durchaus an den Ideen hier bedient haben, ohne dass ich hier Plagiatur vorwerfe. Es ist jedoch interessant zu sehen, wie die Idee, dass Realität und Wahrnehmung nicht unbedingt identisch sein müssen, hier zum ersten mal auf die große Leinwand gebracht wird.

Gerade Arnold hätte ich solch ein mitunter gesellschaftskritisches Szenario nicht zugetraut. Zugegebenermaßen wirkt er manchmal deplatziert, wenn er mit seinen gigantischen Bizepsen als Bauarbeiter neben „nicht-ganz-so-durchtrainierten“ Leuten abhängt, aber das ist nicht schlimm. Viel unterhaltsamer ist der Aspekt, dass Total Recall mehr oder weniger eine Wundertüte der Merkwürdigkeiten bietet: eine Nutte mit 3 Brüsten, Mutanten mit verunstalteten Köpfen, Alien-Technologie, einen Eddie-Murphy-Verschnitt von Taxi-Fahrer, einen siamesischen Zwillings-Mutanten mit revolutionärer Attitude, eine messerschwingende Liliputaner-Prostituierte und den Terminator im Frauenkostüm mittendrin. Das macht den Film erfreulicherweise nicht allzu bierernst, zumal er an mancher Stelle ziemlich brutal ist. Insgesamt ergibt sich ein hoher Unterhaltungswert, zumal man sich nie in ausschweifenden philosphischen Dialogen verliert. Ein Arni stellt nun mal nicht so viele Fragen. Dazu bleibt auch keine Zeit und man sieht hier einen 113 Minuten langen Action-Sci-Fi-Film, der zu Schwarzeneggers besten Streifen zählen darf.

PS: 2012 kommt ein Remake mit Colin Farrell, dessen Trailer aber eher nicht allzu vielversprechend aussieht. Ab August wissen wir mehr.

Regie: Paul Verhoeven (Starship Troopers, Basic Instinct, RoboCop, Hollow Man)

Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, Rachel Ticotin, Sharon Stone

Bewertung: 

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Cloverfield (2008)

Vor ungefähr 15 Jahren, also so Ende der 90er, da kamen auf Pro 7 am Wochenende zur Mittagszeit immer Monsterfilme, meistens mit Godzilla in der Hauptrolle.  Das war noch eine coole Zeit, denn es gab viele krasse Viecher, die es zu bekämpfen galt (Mothra, Gamera, King Kong, Machagodzilla, etc…. hier ist eine lang Liste). Auch wenn die Animationen und Effekte mehr oder weniger ähnlich denen der Power Rangers entsprachen und die Synchronisierung nicht so richtig synchron wirkte, so war doch die Riesenechse ein nicht wegzudenkender Teil meiner Jugend. Daraus folgt auch meine sehr kritische Einstellung gegenüber anderen großen Tierchen, allen voran King Kong, dessen Sieg über Godzilla in King-Kong vs. Godzilla fernab jeder Realität ist und unter normalen Bedingungen natürlich anders ausgegangen wäre. Wer die Filme gar nicht kennt, bekommt hier ein wenig was vom Flair von damals mit.

Nachdem jedoch Godzilla 1998 einmal von Hollywood (bzw. Roland Emmerich) verwurstet wurde, spielten Monster eigentlich keine wirkliche Rolle mehr. So richtig erschreckend waren sie halt nicht mehr, und so kamen mit den ganzen Horror- und Alien- (und inzwischen Splatter-) filmen „packendere“ Erlebnisse auf die Leinwand. Außerdem wurden die modernen japanischen Godzilla-Filme immer esoterischer, kreisten dabei teilweise um solche unmonströsen Dinge wie Naturschutz und andere ökologische Themen. Die Frage ist jetzt natürlich, ob denn Cloverfield ein klassischer Monster-Streifen ist?

Hier erleben wir aus der Sicht einer Handkamera im Stile eines Found-Footage-Horrorfilms à la Blair Witch Project die Geschehnisse um einen Angriff auf New York. Eine Gruppe von Freunden und Bekannten bekommt auf einer Party mit, wie ein wolkenkratzergroßes Wesen anfängt, die Stadt in Schutt und Asche zu legen und nebenbei noch kleinere Viecher das Militär angreifen. Zusammen wollen sie sich nun zu einer Freundin durchschlagen, die irgendwo in einem zerstörten Gebäude feststeckt.

Besonders auffällig ist erst einmal der Kamera führende Kerl namens Hud (T. J. Miller), der eine ziemliche Flachpfeife ist. Ständig labert er dummes Zeug und ist so hilfreich für die Gruppe wie ein Kropf. In einem dunklen Tunnel baggert er die eine Frau an und faselt danach irgendetwas vollkommen Merkwürdiges von angezündeten Obdachlosen. Wahrscheinlich soll das seine Panik und Aufgewühltheit zur Schau stellen, mir ging der Typ jedoch vollkommen auf die Nerven. Der Rest der Truppe ist in Ordnung, wobei sowas wie eine tiefe Verbundenheit zu einem der Helden nie eintritt. Das soll aber auch nicht Ziel des Films sein. Uns werden die ganzen Leute am Anfang auf einer Party ein wenig näher gebracht mit allen ihren kleinen Problemchen und ohne jemanden in den absoluten Vordergrund zu rücken.

Vielmehr ist die Kamera der wahre Hauptdarsteller von Cloverfield (‚Kleefeld‘). Wir sind im Grunde bei jeder Bewegung dabei und wissen zu jedem Zeitpunkt so viel wie die einzelnen Protagonisten. Dadurch gestaltet sich der Verlauf unvorhersehbar und es gibt keine Längen, denn in den 85 Minuten wird halt eben immer das Wichtigste von Hud aufgenommen. Am Anfang stellt sich beispielsweise ein ziemlich beklemmendes Gefühl ein, als eine riesige Rauchwolke durch New York zieht und man sich ein wenig an 9/11 erinnert fühlt. Wir sehen die Bedrohung auch nie so richtig eingängig und in Ruhe, dadurch bleibt das Monster mysteriös und das Verhalten aller panisch. Man bleibt schließlich nicht stehen, sondern rennt um sein Leben. Hin und wieder wird das Filmband von alten Aufnahmen aus noch schöneren Zeiten unterbrochen und stellt so einen harten Kontrast zu der entsetzlichen Lage der Gegenwart dar. Die Thematik, dass man für die Liebe bis an seine Grenzen geht und den Tod dafür in Kauf nimmt, fließt stark ein und bildet die Motivation.

Es steht somit nicht wie bei Godzilla das Monster im Scheinwerferlicht, sondern die ganz normalen Leute, die sich nicht im Stich lassen. Dadurch erscheint Cloverfield in dem Rahmen, in dem es spielt, realistisch. Das Militär kämpft zwar hier und da, doch ein strahlender Held taucht nicht auf, der das Vieh in den Arsch tritt und den Tag rettet. Es gibt nur die Flucht vor der bösen Kreatur, deren Ursprung im Dunklen bleibt. Zudem gibt es durch die Kameraperspektive keine neutrale, alleswissende Sicht auf die Dinge. Wir können, wie die Protagonisten, nur spekulieren. Das ist etwas, was man sonst nicht sieht. Bei Godzilla wird stets gesagt, dass es sich um einen mutierten Leguan handelt, der irgendwo aus dem Meer auftaucht und Japan plattmacht, bevor er auf irgendeine Art und Weise doch geschlagen werden kann.

Jetzt will ich Cloverfield nun aber auch nicht zu viel Tiefe unterstellen, im Endeffekt bleibt er ein guter Monsterfilm, der wirklich gut unterhält. So richtig fies bei den Eiern gepackt wie damals mit Blair Witch Project wurde ich nicht, doch ist er bei den ganzen Found-Footage-Filmen definitiv ganz oben mit dabei. Blair Witch Project ist selbst nicht so wirklich gut, aber es war eben das erste Filmerlebsnis dieser Art und dazu dann auch noch so unglaubich verstörend zum Ende hin. Vielleicht kommt übrigens noch Cloverfield 2 und 2014 ein neuer Godzilla. Lang leben die Monster.

Regie: Matt Reeves (Let Me In, schrieb Alarmstufe Rot 2 (Steven Seagal!!!))

Schauspieler: Michael Stahl-David, Jessica Lucas, T. J. Miller

Bewertung:  

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Dame, König, As, Spion (2011)

Es ist Nacht. Der Regen verwandelt die Straßen in eine Ansammlung von Pfützen, Dreck und Schlamm. Die Menschen beeilen sich, es herrscht geschäftiges Treiben. Man vertreibt sich die Zeit, zum Beispiel im Kino. Dort läuft gerade Dame, König, As, Spion. Es ist noch dunkler im Saal als draußen. Stille. Niemand wagt es, zu reden oder zu rascheln. Alle starren gebannt auf die Leinwand. Lange bleibt es so, bis ich beschließe, mir ein Bier aufzumachen.

Scheiße war das laut. Kurz umgeschaut. Niemand verärgert. Ok. Popcorn-Tüte aufmachen. Scheiße, das war ja noch viel lauter. Ganz, ganz langsam kauen. Damit es nicht so knirscht. Bloß nicht im Sitz bewegen, ist nämlich auch laut. Mein Gott, wie laut wir Menschen doch sind manchmal. Jede Bewegung erzeugt Geräusche, selbst das Atmen anderer. Augenblick, gabs da nicht noch einen Film auf der Leinwand?

Dame, König, As, Spion ist ein leiser Film. Und wenn ich sage leise, dann meine ich, dass manchmal so wenig gesprochen wird, dass man Angst bekommt, irgendwelche Geräusche zu machen und so, für den Fall, dass etwas gesagt wird, zu verpassen. Das ist keine Kritik. Jedoch können Freunde von Michael Bay und Roland Emmerich gleich an dieser Stelle aufhören zu lesen und lieber etwas sinnvolleres mit ihrer Zeit anstellen, zum Beispiel in Zeitlupe von Explosionen weggehen, ohne sich umzusehen. Der Rest freut sich über die überragende Besetzung.

Der Film spielt in den 70er Jahren und thematisiert den britischen Geheimdienst irgendwo zwischen Ost und West. In der Organisation soll sich ein Maulwurf befinden, der wichtige Informationen an die Russen weitergibt. Control (John Hurt), Chef der Organisation, erteilt Jim (Mark Strong) den Auftrag, sich mit irgendwem in Budapest zu treffen und so an den Namen des Maulwurfs zu kommen. Das geht ziemlich in die Hose und so wird Control mitsamt seinem Vertrauten George Smiley (Gary Oldman) entlassen. Das waren jetzt ungefähr die ersten 5 Minuten von Dame, König, As, Spion. Mir käme es jedoch schon als Spoiler vor, mehr zu erzählen. Es sei nur gesagt, dass Smiley sich auf die Suche nach dem Maulwurf begibt. Er ist nicht unbedingt sehr redselig. In den ersten paar Minuten, in denen man ihn zu Gesicht bekommt, sagt er praktisch nichts. Das trägt zur Statik und Ruhe des Films bei. Es gibt Schnitte, in denen erst ein Gegenstand in Nahaufnahme gezeigt wird und danach erst der Wechsel zu den Personen stattfindet.

Wichtig ist, stets konzentriert zu bleiben. Praktisch jedes Gespräch ist wichtig, egal wie unwichtig es scheint. Es reicht, wenige Szenen zu verpassen und schon versteht man einfach mal gar nichts mehr. Das liegt unter anderem auch daran, dass wir uns nicht nur auf einer Zeitebene befinden. Viele Dinge, wie zum Beispiel Smileys Beziehung zu seiner Frau, werden nur angeschnitten und mehr oder weniger angedeutet. Das kann einem Gefallen, schließlich muss ja nicht alles (wie in Hollywood) von vornherein ganz klar und eindeutig sein. So gibt es eben auch nicht so wirklich Gute und Böse hier. Es gibt lediglich Leute in einem menschenunwürdigen System, die miteinander interagieren. Nirgendwo springt ein glattgeleckter James Bond aus der Ecke und ballert dem fiesen Doktor Whatever die Birne weg. Der Feind bekommt kein Gesicht und die, deren Geschichte wir verfolgen, sind auch alle nicht ganz astrein, zumal ja einer von ihnen ein Maulwurf sein soll.

Wer als Kind schon immer Geheimagent werden wollte, wird sich das mit Dame, König, As, Spion wahrscheinlich nochmal gut überlegen. Man hat keine coolen Gadgets und bekommt nicht jede Frau. Der Job tötet Beziehungen und auch Menschen, und ist dazu auch noch mehr oder weniger langweilig. Zumindest im Vergleich zu allen anderen Agenten in Agenten-Filmen. Das fand ich verdammt gut. Es war dadurch unheimlich realistisch. Gary Oldman bzw. Geroge Smiley ist nämlich kein Vorbild. Er schwingt keine Reden, schießt nicht ein einziges Mal und profiliert sich auch sonst sehr wenig. Es gibt nur eine Stelle, an der er  sich ein wenig öffnet, ansonsten bleibt er ein schweigsamer Beobachter. Auch wenn Gary Oldman den Oscar für den besten Hauptdarsteller wahrscheinlich nicht gewinnen wird (George Clooney und Brad Pitt werden vermutlich von jeder Frau bevorzugt behandelt), so ist die Nominierung doch etwas feines. Zudem gibt es in diesem Film noch Colin Firth, Tom Hardy und Mark Strong.

Ansonsten ist Dame, König, As, Spion ein intelligenter und komplexer, etwas über 2 Stunden dauernder, ruhiger und vielleicht schon melancholischer britischer Film. Ich fand ihn wirklich gut. Die breite Masse wird den Streifen nicht leiden können oder ihn einfach nicht bemerken und das verstehe ich auch.  Schließlich wird, falls ich mich nicht verzählt habe, nur vier mal geschossen. Erinnern tut mich Dame, König, As, Spion ein wenig an The Good Shepherd mit Matt Damon und Angelina Jolie, der jedoch super-langweilig ist. Vielleicht ist eher No Country for Old Men der ähnlichere Film, weil dort auch vieles nur angedeutet wird. Wie dem auch sei, bloß nicht Rascheln oder Biere aufmachen beim Schauen. Vielen Dank.

Regie: Tomas Alfredson (So finster die Nacht, schwedisches TV)

Schauspieler: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, John Hurt, Toby Jones

Bewertung:  

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Big Fan (2009)

Hey, das ist doch Spencer aus King of Queens da auf dem Plakat! Richtig. Und so ungefähr die gleiche Rolle verkörpert Patton Oswalt auch in Big Fan. Er ist Paul Affiero, ein Parkhausarbeiter mittleren Alters ohne jegliche Perspektive im Leben, der noch bei seiner Mutter wohnt. Das einzige Hobby und irgendwie auch sein ganzer Lebensstil dreht sich um die New York Giants (genau die haben doch gerade den Super-Bowl gewonnen!). Er und sein Kumpel Sal (Kevin Corrigan) haben zwar kein Geld für Stadion-Tickets, fahren jedoch trotzdem immer hin und gucken sich die Begegnungen ihres Teams auf einem Fernseher auf dem Parkplatz an. Abends ruft Paul immer im Radio durch, um über die Giants zu diskutieren und sie zu verteidigen, womit er wohl sowas wie ein amerikanischer Kevin Großkreutz ist. Als die zwei Freunde jedoch dem Giants-Linebacker Quantrell Bishop in einen Club folgen und dieser Paul ins Krankenhaus prügelt, beginnen die Probleme. Denn wo zieht man die Grenze zwischen der Liebe zum Verein und dem gesunden Menschenverstand?

Im Grunde ist die Thematik auf jedwede Sportart transferierbar. Praktisch alles, was man in einem Stadion spielen kann, hat irgendwelche Ultra-Hardcore-Fans, die ihren Verein auch leben. In Big Fan wird Paul jedoch vor die Entscheidung gestellt, seinen Peiniger, der jedoch immer noch sein Idol ist, zu verklagen. Damit würde er sein Team schwächen und so ziemlich alles zerstören, wofür er lebt. Jedoch hat er gesundheitliche Schäden davongetragen und ein wenig Geld würde ihm vermutlich auch helfen.

Es ist also eine einfache Entscheidung für jeden, der nichts mit den New York Giants am Hut hat. Wir erleben jedoch, wie sehr Paul abhängig ist und wie er für sein Team Grenzen überschreitet und sogar auf Millionen von Dollar verzichtet. Und das, wo doch gerade so einem reichen Sportler so ein wenig weniger Geld kaum wehtun würde. Mit dem ganzen Vorfall wird Pauls Leben noch trostloser. Nun übt nämlich seine Familie Druck auf ihn aus, er muss Tabletten schlucken und er wird in seiner Radio-Sendung gedemütigt.

Im Grunde prasselt die Scheiße in den ganzen 90 Minuten Länge nur so auf ihn ein und man rechnet bereits mit einer Eskalation, oder zumindest einem Aufbäumen. Niemand lässt sich doch so einfach vom Leben erniedrigen! So hat mich der Schluss gut überrascht, denn Big Fan erwies sich als guter Film mit einem sehr schwarzen Blick auf die gesamte Ultra-Szene (also jetzt nicht die Ultras, die sich prügeln, sondern einfach nur die Die-Hard-Fans).

Ja, Big Fan ist eher träge und wird langsam erzählt. Auch ist es relativ still und es wird unglaublich viel über American Football geredet, von dem ich nicht unbedingt viel Ahnung habe. Jedoch gefiel mir Patton Oswalt als ein Spencer-ähnlicher Paul ungemein. Man könnte den Film vielleicht als eine amerikanische Version von Hooligans (mit Elijah Wood) auffassen, nur mit weniger bzw. gar keinem Blut. Es ist nunmal ein kleiner Independant-Streifen, der jedoch einen fast schon verstörenden Blick in das Leben eines Sportfanatikers liefert.

Regie: Robert D. Siegel (erstes mal Regie, davor Screenwriter für ‚The Wrestler‘)

Schauspieler: Patton Oswalt, Kevin Corrigan

Bewertung: 

 

Death Note (2006 – 2007)

Death note heißt übersetzt Todesmeldung. Und in dieser japanischen Anime-Serie gibt es davon so einige. In 37 Episoden zu je 20 Minuten wird die Geschichte des Schülers Light Yagami erzählt, der ein Notizbuch findet, das eigentlich einem Shinigami bzw. Todesgott namens Ryuk gehört und jedem die Fähigkeit verleiht, Menschen umzubringen. Ganz einfach durch Eintragen eines Namens und der Kenntnis des betreffenden Gesichts kann man auf praktische Art und Weise jeden um die Ecke bringen. Da Light ein guter Mensch ist und ein Musterschüler, beschließt er in seinem Größenwahn, alle bösen Personen auf dem Planeten zu töten. So fängt er an, die bösen Buben, die in den Nachrichten erscheinen, einzutragen. Praktischerweise ist sein Vater Polizist und so gelangt er an noch mehr tötenswerte Leute. Schließlich schaltet sich jedoch der krasseste Detektiv der Welt namens L in die Geschichte, um der ratlosen Polizei zu helfen. So beginnt der richtig gute Teil, nämlich ein Katz- und Mausspiel zwischen Light (der unter dem Namen Kira operiert) und L. Das dauert bis Folge 25.

Bis hierhin fesselte mich so gut wie alles in der Serie. Die Krimi-Elemente waren durchdacht und unterhaltsam, die Fantasy-Elemente mit den Todesgöttern eine nette Abwechslung. Der Kampf beider Hauptprotagonisten mit dem Verstand war spannend, denn beide sind clever und gleichzeitig auch wieder merkwürdig. Während sich Light zum Gott einer utopischen Welt frei von Kriminalität aufschwingen will, ist L ein merkwürdiger, beinahe an Gollum erinnernder Charakter. Dabei ist Light nach außen hin ein mustergültiges Mitglied unserer Gesellschaft, obwohl er zu keinem einzigen Punkt sympathisch ist. Er manipuliert, tötet und lügt, vollkommen ohne Skrupel. Wer seiner Idee im Weg steht, muss umgebracht werden.

Nach Folge 25 jedoch verliert die Serie viel an Sympathie. Die Handlung wird ein paar Jahre in die Zukunft getragen und unnötig verkompliziert. Vor allem, weil viel zu viele Leute an der Geschichte beteiligt werden und weil keine neuen interessanten Personen hinzukommen. Das ist sehr schade, denn so wird das Finale weniger spannend wie es hätte sein können. Lights Freundin bzw. spätere Frau, die ebenfalls über ein Death Note verfügt, ist eigentlich nur ein dummes Blondchen. Ich weiß nicht, ob das der asiatischen Vorstellung von witzigen Charakteren entspricht, jedoch passt sie meiner Meinung nach überhaupt nicht in den sonst so düsteren Tonus der Serie.

Insgesamt fand ich Death Note gut. Ich gucke nicht viele Animes, doch hier wurde ich, zumindest für die ersten 25 Folgen, sehr gut unterhalten. Wahrscheinlich gingen den Schreibern am Ende einfach die Ideen aus. An sich bietet Death Note eine Menge Denkstoff über die Todesstrafe und über die Verantwortung der Medien. Inwiefern ist unsere Gesetzgebung gerecht? Darf man Mörder einfach umbringen bzw. wo zieht man die Grenze für Straftaten, für die jemand den Tod verdient hätte? Interessant finde ich auch den Aspekt, ob man einen Mord verüben würde, wenn man in jedem Fall nicht erwischt werden könnte, da man die Tötung nicht durchgeführt hat. Im Grunde schwingt sich Light zum Richter und Henker für den ganzen Planeten auf mit Informationen, die er über die Medien erhält. Er polarisiert die Menschheit, denn es gibt Befürworter seiner Arbeit und auch Gegner. Und so tötet er eben auch unschuldige Gegner. Menschen, die sich dazu aufmachen, Gott zu spielen und irgendwann von sich selbst und ihrer Schöpfung korumpiert werden: Das kennt man aus Frankenstein oder Blade Runner, nur hier eben als Anime.

Bewertung: 

Carlo Pedersoli: Bud Spencer (2011)

Who the fuck ist Carlo Pedersoli? Das mag sich der eine oder andere fragen, doch schon schnell wird einem bewusst, dass Bud Spencer ja nur eine Kunstfigur ist oder war und diese von ebenjenem Carlo gespielt wird. Lustigerweise erscheint einem bei Wikipedia der Artikel zu Bud Spencer wenn man den eigentlichen Mann nachschlägt. Der ist inzwischen schon ein wenig alt, stolze 82, und hat auch so einiges zu berichten.

Die Biographie beginnt mit einem Abschnitt, indem sich der alte Carlo mit seinem jungen Ebenbild in einem alten Schwimmbad trifft und die zwei darüber schnacken, was der Alte erlebt hat und was dem Jungen noch bevorsteht. Das geht dann vom 2. Weltkrieg über Schwimmstunden hin zur Auswanderung nach Südamerika, Rückkehr, Teilnahme an den Olympischen Spielen und Auftritten als Komparse. Es ist schwierig, alles zusammenzufassen. Der Mann hat echt viel erlebt und war praktisch überall auf dem Globus. Überragend spannend ist das alles nicht, aber doch auch interessant. Vor allem die Bilder, die zeigen, wie Carlo noch zu seiner aktiven Schwimmerzeit aussah….Ein wahrer Berserker. Übrigens lernte er damals über 3 Ecken schon einen gewissen Mario Girotti kenne, der später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollte. Carlo heiratete relativ früh und fing dann halt an, sich mit Gelegenheitsrollen über Wasser zu halten und seine Familie zu finanzieren, bis dann eines Tages ein erster Italo-Western kam, an der Seite von Mario alias Terence Hill.

Mit der Zeit wurden schließlich Bud Spencer und Terence Hill eines der großartigesten und erfolgreichsten Filmduos seit Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer hat nicht schon mindestens einmal dabei gelacht, wenn Bud Spencer Schellen austeilt? Die beiden haben viele Jahren lang gute Unterhaltung für jede Altersklasse abgeliefert. Und genauso ist auch das Buch. Man lernt den Mann hinter Bud Spencer kennen, der intelligenter ist als seine Rolle es vermuten lässt. Beispielsweise kann er ein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wirklich tiefschürfende Gedanken oder unglaubliche Exzesse erwarten. Es ist ein Werk für Leute, die was mit Bud Spencer anfangen können. Jemand, der noch nich von ihm gehört hat, wird sicherlich nicht allzu interessiert genug sein. Aber gibt es wirklich jemanden, der noch nie von Bud Spencer gehört hat? Für solche Menschen ist bereits ein Platz in der Hölle reserviert!

Hin und wieder, vor allem in der ersten Hälfte, war es mir doch ein wenig zäh. Das wird dann aber besser, als Carlo sich in Bud verwandelt. Dann geht es mehr um die Filme, die ich fast alle selber kenne und dann macht einem das Buch auch ganz viel Spaß. Eine Art Kindheits-Flashback, als ein Michael Bay noch nicht jeden Scheiß in die Luft fliegen ließ. Und auch hier wird mir eine gewisse Schwäche des Buches bewusst: diese allesumspannende Gutmütigkeit! Praktische jeder Regisseur, mit dem Carlo zusammenarbeitete, war ein Genie. Jeder Schauspieler, mit dem er zusammenarbeitete, war ein Meister seines Fachs! Jeder Kameramann, mit dem man zusammenarbeitete, war ein…. na? Ein Auserwählter natürlich! Und das kommt dann doch verdammt oft vor und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt. Eine gewisse rosarote Brille muss ich dem Spencer schon vorwerfen. Das wird vor allem diejenigen stören, die auf einen Skandal gehofft haben. Aber so richtig polarisieren tut eben ein Bud Spencer nicht. Er ist gut. Punkt.

Am Ende hatte ich eine gute Zeit mit Bud Spencer. Ich kann jetzt angeben, dass ich seinen richtigen Namen kenne und dass er lange Zeit in Südamerika gelebt hat. Das weiß sonst keiner…. Ansonsten ist es eine nette Autobiographie, ohne große Aha!-Momente, aber trotzdem schön, dass der Mann hinter Bud Spencer ein cooler Typ ist. Wer nichts mit den Filmen anfangen kann, lässt die Finger hiervon. Mag man jedoch seine Filme, ist das hier durchaus auch mal eine Emphelung wert.

Bewertung: 

Philipp Lahm: Der feine Unterschied (2011)

Ach Gottchen. Wie sie sich alle aufgeregt haben. Der Völler, die BILD, der Magath und ganz Deutschland! Ein Buch, in dem der erst 28-Jährige Kapitän unserer Nationalmannschaft einfach alles und jeden mit Kacke bewirft! Beispielhaft mal diese Talkrunde:

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Ich frage mich ernsthaft, ob irgendeine der (damals) rumheulenden Personen sich mal das Buch durchgelesen hat. Denn es steht wirklich drin, was aus dem Einband steht: Wie schwer es sein kann, heutzutage professionell dem Fußballsport nachzugehen. Und an dieser Stelle ein herzliches „Fuck-You“ an die Bild-Zeitung, die sich die angeblich so brisanten Stellen rausgeklaubt und kontextfrei vorab veröffentlicht hat. Lahm schreibt drei oder vier Sätze über Völler im gesamten Buch. Die sind nüchtern und nicht wirklich negativ. Das meiste über Magath ist eher positiv. Auch über Van Gaal, Klinsmann und Löw kann man was lesen. Alles sachlich und niemals, ich wiederhole, niemals verletzend / verunglimpfend / beleidigend / herablassend. Nirgends. Drecks-Bild-Zeitung eben. Und sonst so?

Es ist eine Autobiographie, knapp 250 Seiten stark. Beginnend von Lahmis Anfängen als kleiner Bub bis hin zur aktuellen  WM in Südafrika. Ich persönlich bin mit einem eher negativen Eindruck an das Buch gegangen. Ich kenne Lahm bei den Bayern und die Bayern mag ich halt nich so wirklich. Und dann ja noch das ganze dumme Medien-Theater drumherum! Also rechnete ich mit einem Werk der Schande und des Klatsches, durchzogen von bösen Beschimpfungen, supergeheimen Interna und rechtem Gedankengut.

Und was bekam ich? Ein wirklich nettes Buch von einem netten Kerl, der es geschafft hat, sich mit Fußball seine Brötchen zu verdienen. Hier und da liest man Spielverläufe, beispielsweise das 4:0 gegen Argentinien in Südafrika. Das ist ganz unterhaltsam. Man erfährt wie schwierig es ist, wenn man sich verletzt. Leistungsdruck und Erwartungen, die permanent Druck auf einen ausüben. Es wird hier und da der Alltag eines Fußballers deutlich und auch das drumherum, über Privatsphäre wird auch gesprochen.

Mich persönlich interessiert Fußball. Insofern hat es mich auch interessiert, zu lesen, wie man Profi wird. Und das vermittelt das Buch auch. Obwohl Lahm mit Ende 20 noch lange nicht alle Stationen erreicht hat. Es gibt ein Kapitel, in dem er von seinem Engagement als Wohltäter quatscht. Das fand ich ziemlich zäh und langweilig, der Rest war wirklich gut zu lesen. Ob man am Anfang jedes Kapitels in Stichpunkten das Kapitel zusammenfasses muss….ich weiß es nicht. Mir ehrlich gesagt auch egal. Natürlich hat er das Buch jetzt nicht alleine geschrieben. Das hat kein Fußballer. Aber in meinen Augen hat er sich vom Giftzwerg zu einer ehrlichen Persönlichkeit gewandelt. Ist ja auch schon mal was.

Jetzt wäre es mal interessant zu wissen, ob der ganze Schmarn mit den vorab veröffentlichten Zitaten nicht nur ein ganz mieser Werbetrick war. Publicty halt. Der wirkliche Verlierer für mich ist trotzdem die Bild-Zeitung, aber wenn man das Niveau von Kot schon vor Jahren erreicht hat, kann man nicht noch weiter sinken. Auch Rudi Völler hat in meinen Augen viel an Sympathie eingebüßt. Lustigerweise redet keiner mehr darüber und das wird wohl auch in Zukunft keiner mehr tun. Schade, denn meiner unwichtigen Meinung nach hätte Lahm die eine oder andere Entschuldigung verdient.

Wer Fußball mag und gerne ein wenig hinter die Kulissen gucken würde, findet das Buch ok oder sogar gut. So wie auch ich. Dem Rest ist ‚Der feine Unterschied‘ zu langweilig. Es ist kein Meisterwerk der Literatur und auch nicht wirklich spannend. Ein Sachbuch über einen Typen, der Fußball spielt. Wer lieber skandalösen Quatsch lesen will, kauft sich die aktuelle Bild (und kommt in die Hölle). In diesem Sinne:

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Bewertung: 

Dawn of the Dead (2004)

Eigentlich möchte die Krankenschwester Ana (Sarah Polley) nur ein wenig chillaxen am Wochende, schließlich ist ihre Arbeit anstrengend und Überstunden muss sie auch noch schieben. Das wäre auch kein Problem, würde nicht während des gemeinsamen Schläfchens mit ihrem Mann die Zombie-Apokalypse über die Welt, ihre Nachbarstochter und den Gatten hereinbrechen. Sie kann sich gerade noch so retten und stößt nach einer Weile auf den Cop Kenneth (Ving Rhames), mit dem sie sich zusammen mit ein paar anderen in einem Kaufhaus verschanzt. Eigentlich ein geiler Ort, um gemütlich abzuhängen und auf Rettung zu warten, wäre nicht die komplett behinderte Shopping-Security, die sich für die neue Exekutive des Planeten hält. Man gewinnt jedoch die Oberhand und so können unsere Helden ein wenig entspannter vor sich hin leben. Vor den Toren der Mall jedoch sammeln sich die Untoten und warten auf die Insassen. Wir erfahren, dass sogar das Militär nicht viel bewerkstelligen kann und ein Stützpunkt völlig überrannt wurde. Ewig kann man jedoch nicht dort bleiben, irgendwann werden Pläne geschmiedet.

‚Dawn of the Dead‘ ist ein Remake von George A. Romeros gleichnamigem Film aus dem Jahre 1978, welchen ich noch nicht gesehen habe. Aber was Zack Snyder hier zeigt, ist durch und durch ein ‚moderner‘ Zombie-Film (übrigens taucht das Wort Zombie nicht ein einziges Mal im Film auf). Die Untoten rennen und klettern, verwesen langsam und sind sehr aggressiv. Das langsame Schlurfen von früher ist nicht mehr vorhanden. Und ähnlich wie in dem einen oder anderen Stephen-King-Roman stehen sich die Menschen gegenseitig im Weg, trotz der Gefahr draußen. Das ist ganz nett, weil so viele verschiedene Typen aufeinandertreffen und interagieren. Der Film spielt eben größtenteils in einem Einkaufszentrum, wird trotz allem aber nicht langweilig. Nicht jeder ist nett und Ving Rhames ist einfach nur die Coolness in Person. Überzogen oder superdämlich ist eigentlich niemand, jeder hat Probleme und eine Geschichte zu erzählen. Da ist zum Beispiel der ‚Anführer‘, der jedoch im normalen Leben nur Fernsehgeräte verkauft hat und jetzt in eine Führungsrolle schlüpfen muss oder will.

Außerdem halte ich dem Film zugute, dass in sich alles stimmig und plausibel ist. Es gibt keine Logik-Lücken oder Schwarz-Weiß-Malerei. Auch die weniger netten Leute haben die Chance, sich zu ändern. Und so muss die Gruppe, wohl oder übel, irgendwann aus dem Center raus. Dann nimmt der Film sein Ende. Richtig fies ist, dass während das Abspanns noch Szenen gezeigt werden. Das darf man nicht auslassen, sonst verpasst man noch die eine oder andere wichtige Information. Was ‚Dawn of the Dead‘ zudem gut macht, ist der Fakt, dass es im Gegensatz zu beispielsweise ‚Resident Evil‘ (I, II, III, IV) keine Übermenschen gibt. Jeder sitzt in der gleichen Situation und niemand ist sicher. Es gibt keine Super-Kämpfer a lá Alice, die jeden Zombie vermöbeln und zerschnetzeln. Das macht das Szenario realistischer. Sehr schön ist das stimmige Intro mit Musik von Johnny Cash, das den Zusammenbruch der Zivilisation zeigt.

Es mag sein, dass sich ‚Dawn of the Dead‘ in den knapp eineinhalb Stunden hin und wieder ein wenig zieht. Das hat mich jetzt aber nicht gestört. Gesplattert wird eher dezent, inklusive hier und da einem Schockmoment. Ansonsten fand ich alles wirklich realistisch (sofern man die Zombies für ‚realistisch‘ hält) und nachvollziehbar. 28 Days Later war besser, weil emotionaler und spannender, ansonsten kann ich jedem ‚Dawn of the Dead‘ weiteremphelen als einen wirklich ansprechenden Zombie-Film. Ob er einem gefällt, entscheidet sich, ob einem das Szenario zusagt. Dann kann man sich auch auf das Setting mit den ganzen Charakteren einlassen.

Regie: Zack Snyder (300, Watchmen, Sucker Punch)

Schauspieler: Sarah Polley, Ving Rhames

Bewertung:

Resident Evil: Extinction (2007)

Was ein Pech. In Teil 1 und 2 wollte die Umbrella Corporation den T-Virus noch eindämmen, erst im Labor, danach in der Stadt. Außer Spesen nichts gewesen, denn jetzt ist der gesamte Planet am Sack, und außerdem eine Wüste. Eine größere Gruppe Überlebender schlägt sich als Nomaden durch die USA. Irgendwo in der Pampa streunt auch Alice (Milla Jovovich) rum, die dank des T-Virusses nun nicht nur krass kämpfen kann, sondern auch Psi-Kräfte oder so besitzt. Superkrass. Auch irgendwo in der Pampa gibt es (lustigerweise) die Umbrella Corporation, die im Untergrund an einem Gegenmittel forscht, oder eben auch nicht. Es gibt eigentlich keine Menschheit mehr, aber böse sein kann man immer noch! Unkraut vergeht eben nicht. Außerdem wird Alice geklont, um so den perfekten Kämpfer zu schaffen. Warum, hat sich mir nicht erschlossen. Aber ist auch nicht so wichtig.

Wir sehen, wie die Überlebenden, angeführt von Claire (Ali Larter), von Zombie-Krähen angegriffen werden und ihnen Alice zu Hilfe eilt, indem sie ein schönes kleines Krähen-Feuerwerk zündet. Außerdem geht das Gerücht um, dass es in Alaska eine nichtinfizierte Stadt geben soll. So begibt sich der Tross nach Las Vegas, welches vollkommen versandet und -wüstet ist, um sich mit Benzin und Casinochips einzudecken. Dort stellt ihnen die Umbrella Corporation nach und schickt Zombie-Kämpfer. Bis zu dem Punkt hätte ich noch alles hingenommen, was mir der Film anbot, doch hier wird es knifflig.

Es wird ein Container von der Größe zweier Transporter abgeworfen. Aus diesem schlüpfen jedoch ungefähr 50 Zombies. Ich weiß nicht wie das möglich sein sollte, außer die Dinger haben gelernt, Tetris mit ihren eigenen Körpern zu spielen. Der Umbrella-Chef flieht vom Schauplatz mit einem Helikopter und Alice meint, man könnte doch mit Heli nach Alaska! Na klar, geile Idee. Jetzt bin ich kein Heli-Experte, doch laut Wikipedia erreichen die Teile keine höheren Reichweiten als 500 bis 700 Kilometer. Und laut Google Earth sind es wohl annähernd 3000 km von Las Vegas nach Alaska. Das ist nichts, woran man sich groß stören muss, doch kann man nicht einfach sagen ‚Kanada‘. Das ist näher dran und würde nicht dieses Gefühl hinterlassen, dass hier jemand einfach irgendwas hingeklatscht hätte. Schließlich gibt es keine Tankstellen auf dem Weg dahin…

Naja. Und warum treiben sich Zombies draußen in der Wüste rum? Wie blöd kann man denn sein? Dort gibt es nüscht, kein Fleisch und wenige Menschen. Außer die lernen langsam, sich von Sand und Dreck zu ernähren. Ja ja, das ist alles nicht so wichtig. Und um ganz ehrlich zu sein ist der dritte Teil auch der beste der Reihe. Er geht zwar auch die gewohnten 90 Minuten, doch bietet er ausnahmsweise nicht nur diese dümliche Survival-Zombie-Grütze. Action gibt es auch und die Zombie-Krähen erinnern manch einen wohl auch an Alfred Hitchcock. Meiner Meinung könnte man mit ein wenig mehr Arbeit am Skript eine sehr ansehnliche Zombie-Dystopie erschaffen, doch Paul W. S. Anderson ist da wohl anderer Meinung (er ist Regisseur des 1., 4. und 5. Teils und schrieb alle Drehbücher).

Gefallen tut mir auch Milla Jovovich, denn der ganze Psycho-Superkraft-Kram macht sie deutlich interessanter als in den Teilen zuvor. Hoffnung für die Menschen in solch schweren Zeiten! Und obwohl der Nomaden-Tross unrealistisch gut ausgestattet ist mit allermöglichem Firlefanz und zu Zeiten der Benzinarmut Humvee fährt, erscheint mir das ganze doch sympathisch.

Standardmäßig gibt es SCHON WIEDER EINEN CLIFFHANGER zum nächsten Teil. Das kotzt mich echt an. Sie sollen sich mal ein ordentliches Ende für die gesamte Serie einfallen lassen und aufhören, es immer weiter und weiter auszureizen. Aber solange Milla noch knackig ist und Geld in die Kassen spühlt, wird sich daran wohl nichts ändern. Ich fand Extinction gut. Man braucht die Vorgänger (und den Nachfolger) nicht unbedingt gesehen zu haben, um diesen netten Weltuntergangs-Zombie-Streifen zu genießen. Sicherlich ist er kein Meileinstein, jedoch ist das der ‚Resident Evil‘-Film mit dem bis dato höchsten Unterhaltungswert. Immerhin etwas.

Regie: Russell Mulcahy (Highlander I + II, Ricochet)

Schauspieler: Milla Jovovich, Ali Larter

Bewertung:  

28 Weeks Later (2007)

Basierend auf den Ereignissen aus ‚28 Days Later‚ erleben wir, was nach der Epidemie geschieht. Das Virus, das Menschen in wütende Wilde verwandelte, scheint ausgerottet und unter amerikanischer Führung wird begonnen, Großbritannien wieder zu besiedeln. Don (Robert Carlyle), der den Alptraum knapp überlebte und aus Feigheit seine Frau zurückließ, trifft sich mit seinen beiden Kindern, die vor dem Ganzen ins Ausland gebracht wurden. Doch ist *suprise, surprise* der Virus wirklich weg? Oha!

So beknackt sich die Zusammenfassung anhören mag, der Film fügt sich sehr gut an den ersten Teil an. Vor allem die Anfangsszene, in der sich Don samt Frau und anderen Überlebenden vor den Infizierten verstecken und letztendlich überwältigt werden ist ziemlich hart und auch spannend. Vordergründig geht es irgendwie auch hier weniger um Splatter und Zombies, sondern viel mehr um die Menschen und wie sie damit bzw. miteinander umgehen. Insofern wird besonders das US-Militär drastisch, kalt und beinahe als unantastbar dargestellt. Beispielsweise werden viele Zivilisten weggeschlossen, woraufhin sich der Virus in der Masse ausbreitet und diese in ihrer Panik ausbrechen. Der darauf folgende Schießbefehl und die amerikanischen Soldaten, die mit der Aufgabe, Menschen und Erkrankte auseinanderzuhalten, überfordert sind, verdeutlichen den geringen Wert eines Lebens, zumindest eben für das Militär. Dons Kinder versuchen mit Hilfe von Scarlet (Rose Byrne), einer Militärärztin, und Doyle (Jeremy Rener), einem amerikansichen Scharfschützen, das verseuchte London lebend zu verlassen. Nicht nur die Infizierten erweisen sich dabei als Hindernis, sondern vor allem (eigentlich verbündete) Soldaten.

Besonders hart dabei ist, wie brutal teilweise auch mit Leuten umgegangen wird, von denen man annimmt, sie würden überleben. In jedem anderen Zombie-Film kann man üblicherweise an irgendeinem Punkt ausmachen, wer seinen Arsch aus der Scheiße ziehen wird. Dem ist hier nicht so. So stellt sich eben auch eine Tristess ein, denn jeder ist verwundbar. Es ist auch irgendwo ein Kampf für die Menschlichkeit, sowohl gegen die Zombies als auch gegen das Militär. Man kann das Gezeigte als Kritik gegen die amerikanische ‚Kolonialpolitik‘ der letzten Jahre auslegen, doch ich finde, dass man jede Armee, egal welchen Landes, dort hätte einsetzen können. Somit richtet sich der Film eher gegen die lebensverachtende Idee des Soldaten und Kriegers, der für das Töten anderer bezahlt wird.

Insgesamt geht ’28 Weeks Later‘ 100 Minuten und es werden öfter Handkameras benutzt. Eine Szene sieht man komplett durch das Nachtsichtobjektiv eines Scharfschützen. Der Film hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine linearere Struktur und mehr Elemente eines Survival-Films. Man muss sich zu einem Treffpunkt unter Zeitdruck durchschlagen. Das hat wohl ein bisschen was von Left 4 Dead. Ehrlich gesagt war mir keine der Figuren besonders sympathisch, außer vielleicht Doyle. Einerseits kennt man Jeremy Renner (The Town, The Hurt Locker, S.W.A.T.), andererseits widersetzt er sich seinen Anweisungen und tötet Kameraden, um das Leben der beiden Geschwister zu beschützen. Irgendwie scheint dem Jungen die Rolle des Waffen- und Schießexperten auf den Leib geschneidert zu sein, denn er spielt eigentlich immer ähnliche Rollen. Das soll aber nicht stören, schließlich ist er einer der Guten!

Das Problem an ’28 Weeks Later‘ ist, dass der erste Teil sehr logisch war. Vor allem was die Infektion und auch das Verhalten der Zombies betrifft. Hier jedoch gibt es ab und an Ungereimtheiten. Dass man die Story weiterführen will und dazu natürlich nicht den gleichen Film nochmal machen kann ist verständlich. Man sollte sich jedoch an die Gegebenheiten halten. So gibt es eine Szene, in der ein Infizierter einen Menschen mit einer Waffe zu Tode schlägt. Das passt nicht, denn das haben die Dinger vorher noch nie gemacht. Dadurch geht zum Ende hin ein wenig der erzählerischen Leichtigkeit flöten. Auch das Verhalten des Vaters der beiden Kinder im späteren Verlauf ist schwer in den logischen Grenzen des Films zu erklären.

Das kann einen stören, muss es aber nicht. Mir ist es aufgefallen, aber das soll nicht heißen, dass man mit einem riesigen „WTF!“ plötzlich dasitzt und meint, verarscht zu werden. ’28 Days Later‘ ist meiner Meinung nach jedoch atmosphärischer und die involvierten Personen einfach bedauernswerter. Die Kritik, die im zweiten Teil geäußert wird, ist härter und offensichtlicher, geradezu politisch. Das macht mir den Film sympathisch, denn ich kenne sonst keinen weiteren Zombie-Film, der auch nur ansatzweise solch einen Anspruch besitzt. Soviel dazu. ’28 Weeks Later‘ finde ich gut und wer den ersten mag, dem gefällt auch der zweite und der freut sich auch schon auf den dritten (2013 oder so). Hoffentlich sind dort dann nicht mehr die Amis für unsere Sicherheit verantwortlich, denn dann wären wir alle am Sack…

Regie: Juan Carlos Fresnadillo (Intruders, Intacto)

Schauspieler: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner

Bewertung:  

Breakdown (1997)

Jeffrey (Kurt Russell) und Amy sind unterwegs durch die Weiten der amerikanischen Pampa. Als sie eine Autopanne haben, nimmt ein Trucker (J. T. Walsh) Amy mit zur nächsten gastronomischen Einrichtung während Jeff beim Auto bleibt. Schnell kriegt er die Karre wieder flott und macht sich auf den Weg zu besagtem Restaurant um festzustellen, dass weder Frau noch Trucker da sind. Er findet den LKW-Fahrer auf der Straße und stellt ihn zur Rede, doch der leugnet, Jeff oder Amy jemals in seinem Leben getroffen zu haben. Die Polizei ist auch nicht sonderlich hilfreich, und so bleibt es unserem Helden mit den tiefblauen Babyaugen, Frau und Vaterland zu retten.

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass unser Trucker wohl doch nicht so ganz nett ist, wie er erscheint! Und dass er nicht alleine handelt. Aber darum geht es auch nicht. ‚Breakdown‘ ist wohl ein wirklich klassischer Thriller. Man rätselt nicht, wer denn nun böse ist und wer nicht. Sehr viel Action wird einem auch nicht geboten. Die Frage, ob Jeff seine Frau jedoch noch lebend wieder zu Gesicht bekommt, macht den Streifen über weite Strecken packend. Eine riesige Ungerechtigkeit ereignet sich, womit sofort eindeutig die Grenzen zwischen Gut und Böse gezogen und auch nicht noch einmal hinterfragt werden.

Natürlich kann man nun hin und wieder über Szenen schimpfen: „Das hätte ich aber anders gemacht in dieser Situation!“ oder „Bruce Willis in Stirb Langsam hätte den Bösen jetzt aber viel krasser den Arsch aufgerissen!“. Das ist wahr. In einer Szene springt der Kurt auf einen fahrenden LKW auf, wo doch gerade noch die vielen Polizeistreifen in der Nähe des Aufsprungortes gezeigt wurden. Und natürlich überschlägt sich irgendwo ein Auto drei Mal und explodiert sofort, in den 90ern waren Autos eben noch nicht so sicher wie heute. Allerdings wahrt ‚Breakdown‘ stets einen gewissen Realismus. Niemand ist im wahren Leben ein John McClane oder eine  Beatrix Kiddo (Stirb Langsam & Kill Bill). Wenn man es so sieht, wird einem die Rolle des Kurt Russell auch eher sympathisch vorkommen, oder eben zumindest ehrlich.

Der Rest der Rollen ist eigentlich ziemlich unwichtig. Die zu rettende Amy besticht weder durch Charisma oder Attraktivität, aber das ist in Ordnung. Der oberböse Trucker ist ein ziemlicher Psychopath, besitzt aber eine Familie, inklusive Sohn und Scheune (welche übrigens einen Keller besitzt *hust, hust*). Ja, die Bösen sind auch nicht wirklich helle. Aber wären sie helle, wären sie dann noch überhaupt böse?

Was mir als Mitteleuropäer auch nocht auffällt ist der ‚amerikanische‘ Touch, vor allem was Waffenbesitz angeht. Zumindest sollten bereits 6-Jährige den Umgang mit Waffen üben. Außerdem kenne ich keinen Menschen, der seine Zündschlüssel in der Sonnenblende zurücklässt. Es wundert auch keinen Bankangestellten dort, wenn ein schmutziger, aus der Stirn blutender Mann in eine Bank kommt und all sein Vermögen abheben will.

Wie dem auch sei. ‚Breakdown‘ ist ein guter Film. Das Ende, oder eher den Showdown, fand ich sehr nett. 90 Minuten lang Unterhaltung ohne viel Gehirnschmalz, warum auch nicht? Alles eine Frage der Erwartungen.

Regisseur: Jonathan Mostow (U-571, Terminator 3, Surrogates)

Schauspieler: Kurt Russell, J. T. Walsh, M. C. Gainey

Bewertung: 

Ansgar Brinkmann: Der Weiße Brasilianer (2011)

Das Buch ist die Autobiographie des wohl (angeblich) letzten deutschen Straßenfußballers, Ansgar Brinkmann. Wem der Name nichts sagt und wer sowieso nicht auf Fußball steht, kann ab hier getrost nicht mehr weiterlesen.

Brinkmann wird 1969 in Vechta (nicht weit von Bremen und Osnabrück) geboren und erlebt so als Kind bereits den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 1974 mit.  Als talentierter Spund wird er mit Bayer Uerdingen Deutscher A-Jugend-Meister. Dieser Titel bleibt der einzige in seinem Leben. Danach tengelt er von Verein zu Verein fröhlich durch fast alle Ligen in Deutschland (von der 1. bis zur Oberliga). Dabei beschreibt Brinkmann die vielen kleine Probleme, oft auch aufgrund seiner Person. Ob mit dem Trainer oder anderen Verantwortlichen, irgendwo eckte er immer an und war dann oft gezwungen, den Verein zu wechseln. Das ist schade, denn einer wie er, der mit Oliver Bierhoff und Bernd Schneider zusammen Fußball spielte, hätte wohl auch Chancen auf die Nationalmannschaft gehabt.

Das Buch ist chronologisch sortiert und die einzelnen Kapitel entsprechen jeweils der Zeit in einem Verein (oder mehreren). Nebenbei gibt es neben sportlichen Ereignissen auch immer wieder Anekdoten und Einblicke in die raue Welt des Fußballs.  Allerdings stören sich wiederholende Passagen über Brinkmanns Freidenkertum. Im ersten Drittel gibt es mehrere Abschnitte, wo er abdriftet und erzählen muss, was für ein Sturkopf er ist und deswegen eben manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat. Das geht einem auf die Nerven. Ansonsten geht es eher nicht so viel um Fußball im eigentlichen Sinn, sondern mehr um das Drumherum. Das widerum fand ich sehr interessant, da ich als Fußballzuschauer die inneren Abläufe in einem Team bzw. Verein nicht mitbekomme.

Insgesamt erschien mir die erste Hälfte schwächer. Es zieht sich ein gewisses Maß an Überheblichkeit durch das Buch, was sich zum Ende hin aber wieder gibt und mir persönlich Ansgar Brinkmann als doch sympathischen Menschen vermittelt, der auf jeden Fall viel rumgekommen ist und eben von der 1. Bundesliga bis zum Abstieg in irgendeine Oberliga schon alles mitgemacht hat.

Man darf keine großen Botschaften erwarten. Ansgar Brinkman ist ein Fußballer, kein Philosoph. Er lernt weder aus seinen Fehlern noch ist er jedoch ein schlechter Mensch. Mir erschien das Buch vor allem ehrlich mit dem einen oder anderen kindlich-stolzen Moment (dass er z. Bsp. mit Bielefeld die Bayern geschlagen hat). Wenn man sich durch den zähen Anfang kämpft, dann erhält man einen netten Einblick in ein auf alle Fälle nicht langweiliges Leben.

Für mich als jemanden, der Brinkmann noch zur aktiven Zeit kannte, war der ‚Der Weiße Brasilianer‘ ein gutes Buch. Wer noch nie eine Autobiographie gelesen hat, sollte wissen, dass diese gerne auch mal etwas zäh sein können. Es gibt nun mal keinen Spannungsbogen (in der Regel), und man sollte schon eine gewisse Begeisterung oder zumindest ein wenig Interesse für die Person mitbringen.

 

Zitat Ansgar Brinkmann (auf die Frage, ob er sich einen Wechsel nach Katar vorstellen könne): Ich hab‘ noch keinen Bock, so’n bisschen in der Wüste zu spielen. Da sitzen dann ein paar Scheichs in ihren Sesseln, telefonieren während des Spiels und essen Pommes. Dafür bin ich noch zu gut. Obwohl: Montag bei Basler grillen, Dienstag bei Effenberg und Mittwoch bei mir – das könnte lustig werden.

Bewertung: 

X-Men: Erste Entscheidung (2011)

Der Film zeigt, wie Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) aufwachsen und 1962 im Zuge des Kalten Krieges zu Freunden und Verbündeten werden. Sie stehen mit ihren Mutantenfähigkeiten dem skrupellosen Kriegstreiber und ebenfalls Mutanten Sebastian Shaw (Kevin Bacon) gegenüber, welcher den dritten Weltkrieg forciert.

In gut zwei Stunden wird mit dieser Comic-Verfilmung ein weiteres Puzzle-Teil in der Sage um die X-Men hinzugefügt. Dabei werden viele Querverweise auf Szenen und Charaktere aus den bisher 4 vorher erschienenen Filmen um die Mutanten geschlagen. Das ist ziemlich cool und ist (bis auf die eine oder andere Kleinigkeit) sehr stimmig und vermittelt einem eine große Komplexität des gesamten Settings. Wer also die anderen Filme alle kennt, freut sich, hier und dort ein bekanntes Gesicht zu sehen (Striker, Logan, den Bruder von Cyclops, etc.). Sollte man die anderen Filme alle nicht kennen, geht auf jeden Fall ein wenig Flair verloren.

Die gesamte Handlung und Vorgeschichte war auch ganz nett. Der Kalte Krieg als Kulisse für das erste Auftauchen der Mutanten bzw. X-Men mit Einspielern von Kennedy sowie die Kindheit Eriks im KZ, es wirkt alles nicht aufgesetzt oder künstlich. Natürlich ist Kevin Bacon als Bösewicht ein wenig überzeichnet und nicht bis in die Haarspitze durchdacht (seine Pläne sind irgendwie schon ganz schön seltsam oder sogar dämlich), macht jedoch eine ganz gute Figur. Am meisten sticht wohl die Freundschaft zwischen Xavier und Lehnsherr (bzw. Professor X und Magneto) hervor, die jedoch nicht so unbedingt tiefgründig ist wie sie vielleicht hätte sein können. Das stört einen aber nicht unbedingt stark.

Was mich als Kenner der anderen Filme störte, war die eine oder andere nicht ganz saubere Sache. So wird in einigen wenigen Szenen Striker dargestellt, welcher der Schurke in X-Men 2 ist, der jedoch unmöglich 1962 schon so alt gewesen sein kann. Auch Mystique, die man aus X-Men 1, 2 und 3 kennt, wirkt rein vom Körper nicht ganz so elegant und ‚mystisch‘, wie man sie eben aus der Trilogie kennt. Das ist im Endeffekt aber in Ordnung, oder zumindest zu verkraften.

Wirklich gestört haben mich die Kinder, die von X und Erik rekrutiert wurden. Diese waren so unglaublich belanglos und teilweise doof, dass man wohl auch auf die hätte verzichten können. So spielt beispielweise ein rothaariger Junge mit erstaunlicher Ähnlichkeit zu Ronald Weasley mit, dessen Fähigkeit das Kreischen von Tönen ist. Jedoch soll er damit auch fliegen können. Das möge vielleicht noch durchgehen, dass er beim Fliegen aber wirklich nicht gut animiert wirkt und eher wie eine fliegende Puppe ausschaut, ist nicht gut. Gott sei Dank bleiben solche Szenen aber nicht lange zu sehen. Auch die eine Mutantin mit den Libellenflügeln und Feuerspuckereigenschaften (die übrigens die Tochter von Lenny Kravitz ist: Zoë Kravitz) ist einfach nur ein farbloser Fleck. Ihre Fähigkeiten sind nicht sonderlich toll oder nützlich und deswegen nimmt sie auch nicht wirklich großen Anteil am Geschehen.

Kevin Bacon als Bösewicht war gut. Jedoch hätte ich mir noch mehr Screentime mit ihm gewünscht, wo er noch mehr Bösartigkeit oder Wahnsinn hätte vermitteln können. Ein Joker ist er nicht. Und dass der Fiesling in X-Men-Filmen immer ein paar gesichtslose Mutanten-Sidekicks haben muss, ist nicht sonderlich innovativ.

Die restlichen Effekte (bis eben auf den Schalljungen) sind gut, das Herausheben eines U-Bootes aus dem Wasser sieht echt ganz cool aus. Der ganze 60er-Flair des Films hat auch gut gepasst, von den Frisuren, den Dessous, den Autos oder der Kleidung her.

Im Endeffekt ist ‚X-Men: Erste Entscheidung‘ definitiv ein guter Film (und Gott sei Dank deutlich besser als X-Men Origins: Wolverine). Wer die X-Men sowieso mag, wird sich sehr wohl in diesem Prequel fühlen. An die Tiefe eines Watchmen reicht das natürlich nicht heran, aber dadurch ist das ganze Mutantenspektakel auch leichter zugänglich und verdaulich.  Auch als Nicht-Kenner der anderen Filme kann man seinen Spaß damit haben, zumal die einzelnen verschiedenen Fähigkeiten der Protagonisten zumeist echt cool sind.

Regie: Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternenwanderer, Layer Cake)

Schauspieler: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon

Bewertung: 

Source Code (2011)

Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhal) wacht ohne Erinnerung in einem Zug auf. Er ist verwirrt und weiß nicht wie er dort hingelangt ist. Zudem sieht er im Spiegel nicht sein gewohntes Erscheinungsbild, sondern das eines ihm völlig fremden Mannes. Nach acht Minuten explodiert der Zug und alle Insassen sterben. Doch Colter erwacht in einer kleinen dunklen Kammer und erfährt nach und nach warum er dort ist und wie es sein kann, dass sich ihm dieses achtminüte Zeitfenster des öfteren öffnet.

Es ist ein semi-futuristisches Szenario. Wir bewegen uns in der Gegenwart und die USA verfügen über ein wenig mehr Know-How, als man es für möglich halten sollte. Es geht um den Source Code im nachhinein und Colters Einbindung in ihn. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Zeitreise-Abenteuer wie vielleicht ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Beziehungsweise wird das einem weißgemacht.  Sicher bin ich mir auch nicht mehr ganz, in den 90 Minuten des Films wird viel erklärt und vieles dann auch wieder ein wenig verworfen.

Mir fällt es schwer, alles über diesen Thriller zu sortieren. Denn vor allem zum Ende hin schraubt sich die Handlung in vermeintliche Komplexität. Es ist nich schwer, dem ganzen zu folgen oder es zu verstehen. Doch viele Erklärungen sind nicht elegant. Wenn der Source Code kurz erklärt wird und auf welchen physikalischen Methoden er beruht, dann geht ein wenig die Nachvollziehbarkeit verloren. Ein ‚Inception‘ war da in gewisser Hinsicht stimmiger (auch wenn dort vielleicht nicht für jeden alles befridiegend gelöst wurde).

Spannend fand ich ‚Source Code‘ allemal. Diese Du-hast-8-Minuten-Zeit-im-Zug-Passagen sind spanned, man rätselt mit, wer der Bombenleger sein könnte. Die Stellen in der Kammer lockern auf und geben die nötigen Background-Infos, um dann im Zug das Puzzle ein wenig besser lösen zu können. Rein stilistisch finde ich das gut gelöst. So kommt eigentlich kein Leerlauf auf.

Rein von der Action und den Schauspielern gefiel mir der Film auch ganz gut. Ich bin zwar kein großer Fan von Jake Gyllenhal, aber er ist mir hier grundsätzlich sympathisch und ich stehe auf seiner Seite. Einzig dieses bisschen amerikanischen Patriotismus, dass zum Ende mal hier und da zum Vorschein tritt, fand ich nicht nötig.

Mein Problem ist, dass ich ‚Moon‘ von Duncan Jones sah und infolgedessen überhöhte Erwartungen in ‚Source Code‘ gesetzt habe. ‚Moon‘ ist nicht unähnlich. Dort hat man auch einen einzelnen, der verwirrt ist und sich in einem unwirklichen Szenario wiederfindet. Sam Rockwell trägt den Film komplett allein und auch auf so überzeugende Art und Weise. Dieses Potential bietet ‚Source Code‘ einfach nicht, weil hier die Handlung mit ihren Twists und Tücken in den Vordergrund tritt.

So wird Colter Stevens mehr oder weniger eher zum Opfer seiner Lage, während Sam Bell (Sam Rockwell in ‚Moon‘) die Dinge in seine Hand nimmt. Zum Ende hin passiert viel auf einmal, vieles was eigentlich nicht möglich gewesen wäre, jedoch lapidar erklärt wird. Damit wird die Auflösung nicht unbedingt so 100% befridiegend, wie sie vielleicht hätte sein können. Wer also einen cleveren Thriller erwartet, sollte wissen, dass das Gewicht eher beim ‚Thriller‘ liegt. Das ist nicht schlimm, man wird gut unterhalten. Ich glaube, Duncan Jones (übrigens der Sohn von David Bowie) kann man sich vormerken. Zumindest scheint er ein Regisseur zu sein, der von plumpen Storys Abstand nimmt.

Es gibt natürlich bessere Filme als ‚Source Code‘, die in eine ähnliche Kerbe schneiden. ‚Inception‘ und ‚Matrix‘ sind natürlich ein bisschen unrealistischer, spielen jedoch auch mit dem Bewusstsein des Menschen. Noch immer der mit Abstand beste und einfach nur unterhaltsamste Zeitreise-Film für mich ist ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Kein anderer Film nutzt die Zeit auf so konsequente und einfache Art und Weise. Natürlich sollte man auch an ’12 Monkeys‘ denken, der super ist (und auch besser als Source Code).

Regie: Duncan Jones (Moon)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga

Bewertung: