Star Trek: Der Film (1979)

Falls man jemals in der Situation steckt, auf die Frage antworten zu müssen, für wie viele Oscars der erste Star Trek-Film von 1979 nominiert wurde, dann sei an dieser Stelle für Aufklärung gesorgt: 3! Bestes Set, beste Effekte und beste Musik. Gewonnen hat das 132-minütige Filmchen dann nichts, aber immerhin gibt es nicht viele andere Franchises, die so einen Einschlag auf die heutige Popkultur genommen haben.Star Trek

Captain Kirk (William Shatner), eigentlich Admiral und inzwischen Sesselfurzer, übernimmt wieder das Kommando über die Enterprise, was dem nun Ex-Captain Decker (Stephen Collins) gehörig gegen den Strich geht. Schließlich ist der alte Sack nicht mit den Modernisierungen vertraut. Mit an Bord sind die altbekannten Scotty (James Doohan), Sulu (George Takei), Uhura (Nichelle Nichols) und Chekov (Walter Koenig). Und weil es sonst zu langweilig wäre, werden in kürzester Zeit auch noch Dr. McCoy (DeForest Kelley) und Spock (Leonard Nimoy) reaktiviert. Dabei hat die Crew keine Zeit zu verlieren, denn eine gigantische Energiewolke zieht gen Erde und vernichtet alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt.

Der Film zeichnet sich dabei teilweise durch ewig lange (fast volle 10 Sekunden!) Sequenzen im Weltall aus, die das Schiff oder das merkwürdige Energie-Dingsbums zeigen. Gerade in Zeiten der heutigen Schnittgewitter ist das ungewohnt ruhig und, leider auch mitunter, ermüdend. Damals waren diese langen Shots sicherlich interessanter. Das soll aber nicht als grundlegend negativer Aspekt ausgelegt werden. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass der Film träge ist und über die lange Laufzeit betrachtet gar nicht mal so viel passiert. Das meiste spielt sich ohnehin an Bord in Form von Dialogen zwischen den Besatzungsmitgliedern ab, die für mich als Nicht-Trekkie jedoch nicht so recht harmonisch wirken. Da fehlt offentsichtlich das Vorwissen der alten Serie, denn dem Zuschauer werden die einzelnen Verhältnisse untereinander nicht in großem Maße erklärt. Was aber ehrlich gesagt ganz nett ist. Man braucht nicht alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen.

Die Story, die eigentlich ganz cool ist und auch Raum für moralische Betrachtungen liefert, wird zum Schluss jedoch mit wenig Tiefgang und ohne herausragende Konsequenzen abgefrühstückt. Der Verlust von Crew-Mitgliedern scheint dem Rest der Besatzung ziemlich egal zu sein. Hier scheinen die Reboot-Filmchen mehr Augenmerk auf die Persönlichkeiten und deren Emotionen gelegt zu haben. Dafür gab es 1979 noch keine Lens Flares. Und ehrlich gesagt, auch wenn die Effekte natürlich alles andere als taufrisch sind, billig wirken sie nicht und sind damit auch heute noch eigentlich in Ordnung. Da haben aktuellere Filme viel schlimmere CGI-Verbrechen begangen (Catwoman, Die Mumie kehrt zurück, Die Another Day, Superman 4, …).

Was ist der erste Star Trek-Film jetzt also? Ein Klassiker? Alter Müll? Nur für Fans? Oder Allgemeinwissen? Braucht man ihn, wo es doch jetzt die total tollen Reboot-Streifen gibt, die sich in erster Linie durch Lens Flares auszeichnen?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Für tiefgründige Betrachtungen ist der Film zu oberflächlich und reicht nicht an Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum heran. Dann aber ist Star Trek auch viel zu speziell und träge, um so massentauglich wie Star Wars zu sein. Trotzdem besitzt der Film einen Charme und eine (nerdige) Faszination, den die Reboots meiner Ansicht nach nicht mehr haben. Hier ist das Universum, wie es sich Gene Roddenberry vorgestellt und produziert hat. Nicht für die Massen herausgebürstet und zurechtgebogen, sondern in seiner Kauzigkeit mit Ecken und Kanten versehen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Es ist kein perfektes Entertainment-Produkt, aber dafür wird man vielleicht mit Freude feststellen, wie viele popkulturelle Referenzen Bezug auf dieses Universum nehmen. Alleine dafür lohnt es sich schon, zumindest mal reinzuschauen. Und vielleicht sitzt man irgendwann in ferner Zukunft bei einer Quizsendung und weiß: Der erste Star Trek-Film wurde für genau 3 Oscars nominiert!

 

Regie: Robert Wise (The Sound of Music, West Side Story, Der Tag, an dem die Erste stillstand)

Schauspieler: William Shatner, Leonard Nimoy, Stephen Collins

Bewertung: 

 

Captain Phillips (2013)

Tom Hanks hat bereits zwei Oscars für den besten Hauptdarsteller in der Tasche (Philadelphia und Forrest Gump) und weitere drei Nominierungen vorzuweisen (Big, Der Soldat James Ryan und Cast Away). Und als Captain Phillips darf er sich zumindest schon mal vorsichtig einen weiteren Platz für einen Goldjungen suchen, denn was er hier besonders zum Ende hin spielt, ist ganz großes Kino.

Richard Phillips ist Kapitän der MV Maersk, einem amerikanischen Containerschiff. Dieses wird vor der Küste von Somalia von einer kleinen Gruppe Piraten gekapert. Das ist dann tatsächlich auch schon die gesamte Handlung. Mehr braucht man nicht zu wissen. Als Geisel muss der Kapitän dann qualvolle Stunden und Tage in der Gewalt der ausgehungerten Banditen verbringen. Captain Phillips

Die erste Hälfte ist dabei noch eher ruhig und konventionell. Tom Hanks ist einfach nur ein bierernster älterer Herr, der das Kommando über einen großen Kahn hat und auf professionelle Art und Weise agiert. Mit zunehmender Dauer und besonders am Schluss baut sich eine so gewaltige Spannung auf, dass man trotz des Fehlens großer Actionszenen förmlich erdrückt wird. Regisseur Paul Greengrass gelingt es, den Druck immer wieder aufzubauen und stellenweise zu lösen, sodass man auch als Zuschauer nicht die Lust am Geschehen verliert. Und obwohl ich kein großer Fan von Greengrass‘ Wackelkamera bin, passt sie in dieses maritime Setting hinein und gibt dem Film eine gute Portion Leben. Dabei bleibt die Situation die meiste Zeit übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Bourne Ultimatum kennt, gibt es einfach nicht.

So müssen die Darsteller den Film tragen. Und das tun sie. Nicht nur Tom Hanks spielt ähnlich stark wie in Cast Away, auch die vier afrikanischen Entführer machen ihre Sache gut, allen voran der Anführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi. Obwohl man die Hintergründe der Entführer nachvollziehen kann und sogar etwas Mitleid hat, bleiben sie Antagonisten. Bei mir entstanden so im Laufe durchaus ambivalente Gefühle. Man sorgt sich um Phillips, doch den Tod wünscht man den Somaliern irgendwie auch nicht. Dabei haben diese vorher  rücksichtslos auf Zivilisten geschossen. Demgegenüber steht das amerikanische Militär, das den Piraten technisch um Lichtjahre voraus ist. Es ergibt sich eine beklemmende Mischung aus Leuten, die alle nicht unbedingt das tun wollen, was sie da gerade tun. Und die unmöglich vom gleichen Planeten stammen können.

Anfangs wirkt der Kapitän auch etwas fremd und abgeklärt. Man möchte fast denken, dass Tom Hanks hier nichts zu schauspielern hätte. Falsch gedacht. Gerade die letzte Szene mit Captain Phillips ist so bewegend und emotional, dass es einem selbst schon Tränen in die Augen treibt. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass der vom Film inszenierte Psychoterror sich auf den Zuschauer überträgt. Man leidet mit. Ähnlich schlecht habe ich mich tatsächlich damals in der Szene in Cast Away gefühlt, als Wilson für immer verlorenging. Dafür kommen die Hintergründe der Piraten etwas kurz. Insofern gibt es nicht so wirklich eine tiefere Botschaft.

Captain Phillips ist und wirkt dabei mit 134 Minuten relativ lang, vor allem weil Greengrass einen fast dokumentarischen Stil pflegt. Der Realismus trägt jedoch ein großes Stück zur Atmosphäre bei, die mich vage an Flight mit Denzel Washington erinnerte. Dort ist der Protagonist allerdings charakterlich die Gegenthese zu der von Tom Hanks verkörperten Figur. Beide Filme leben jeweils von ihren großartigen Hauptdarstellern. Und keiner würde Hanks den Oscar für diese Rolle missgönnen, selbst wenn der Streifen hierzulande nicht so große Wellen geschlagen hat [ha ha].

 

Regie: Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum, Flug 93, Green Zone)

Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=n8evZjn7IxM

The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Only God Forgives (2013)

Nicolas Winding Refns ‚Drive‘ wurde 2011 von Publikum und Kritikern gefeiert. Und sogar für einen Oscar nominiert (Sound Editing). Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolgefilm. Dabei sind die Meinungen zu Only God Forgives unglaublich zwiegespalten. Die negativen Kritiken sind eher in der Überzahl, aber es finden sich auch positive. Vorneweg: Mir hat Only God Forgives gefallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film alles andere als zugänglich.

Julian (Ryan Gosling) betreibt eine Kampfsportschule in Bangkok. Zumindest hat es den Anschein, denn eigentlich verdingen sich er und sein Bruder Billy (Tom Burke) mit Drogengeschäften ihren Lebensunterhalt. Als Billy eines Nachts eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet, um daraufhin von deren Vater zu Tode geprügelt zu werden, beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Dieser findet sich schnell, doch Julian bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder zu rächen. Schließlich hat dieser eine Minderjährige auf dem Gewissen. So tritt Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter der Gebrüder, auf den Plan und beginnt ihrerseits mit einem intriganten und blutigen Spiel. Die vermutlich wichtigste Rolle in diesem Geflecht nimmt der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) ein, der mit seinem Schwert und einer gehörigen Portion Selbstjustiz die Straßen Bangkoks durchstreift und der fröhlichen Famillie stetig näher kommt.Only God Forgives

Und eigentlich habe ich damit noch gar nicht wirklich die elementare Handlung zusammengefasst, denn es ist noch ein gutes Stück komplizierter. Julian hat noch eine merkwürdige Beziehung zu einer Hure, Chang hat eine Tochter und Crystal hat ganz arge charakterliche Probleme. Obwohl Only God Forgives nur 90 Minuten lang ist, ist das Konstrukt an Charakteren durchaus groß. Zudem gibt es traumartige Sequenzen und einen in die Leere oder auf seine Fäuste starrenden Ryan Gosling, sodass man nach gut einer halben Stunde ziemlich verloren als Zuschauer dasteht. Dabei ist die Optik des Films über alle Maßen erhaben und die düstere Beleuchtung zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende. Der minimalistische Stil von Refn, der den Zuschauer zum Mitüberlegen zwingt, findet sich auch hier. Damit muss man umgehen können.

Das Schwierige an Only God Forgives ist, dass man nur schwer mit einem der Charaktere sympathisieren kann. Während Julian ein furchtbar passiver und stoischer Mensch ist, wirkt seine Mutter wie die Ausgeburt des Bösen. Vor allem ihre Beziehung zu Julian ist so kaputt, dass man kaum nachvollziehen kann, warum er auf sie  hört. Auf der anderen Seite ist der scheinbar gute Polizist. Chang filettiert zwar nur Leute, die es verdient haben, doch wirkt er teilweise wie eine Entität, die Judikative und Exekutive in sich vereint und über allem zu schweben scheint. Und mit Hilfe von Karaoke die Ereignisse zu verarbeiten versucht.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, gerade zum Finale hin eine hypnotische Spannung aufzubauen. Das liegt daran, dass die zweite Hälfte der Handlung einen enormen Druck aufbaut, dessen Entladung man herbeisehnt. Als man schließlich denkt, die Konfrontation zwischen Julian und Chang wäre dann der Höhepunkt, der zur Auflösung führt, wird man überrascht. Dabei ist der Kampf der beiden wirklich schön und realistisch in Szene gesetzt. Die letzte Sequenz lässt einen wenig später reichlich ratlos zurück und zwingt zur Deutung und Interpretation.

Für mich ist Only God Forgives ein Auseinandersetzen mit der Schuldfrage. Ist ein Mitläufer genauso zur Verantwortung zu ziehen wie der Täter? Crystal ist die böse Energie, die ihren Sohn zum Sünden zwingt. Julian macht, nicht zuletzt auch wegen dem Schicksal seines Bruders, daraufhin eine Wandlung durch. Er erkennt, dass nur er selbst für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damit schafft er es im Grunde auch, erwachsen zu werden und eigenständige Entschlüsse zu fassen. Chang ist die Konsequenz, oder das Karma, dass jeden einholt und seiner gerechten Strafe unterzieht. Dabei kann seine Figur auch bodenständiger als bloßer Polizist gedeutet werden, der das Vertrauen in die Justiz verloren hat und deswegen das Heft selbst in die Hand nimmt.

Die Botschaft serviert Refn allerdings nicht auf einem Silbertablett. Man muss dem Film aufmerksam folgen und die Atmosphäre aufnehmen. Denn mit vielen langen Shots und Szenen, die dieses hypnotische Grundrauschen erzeugen, kann man zum schnellen Griff zum Handy gebracht werden. Und dann verliert Only God Forgives. Obwohl es viel Blut gibt, wird nicht jeder Actionfan hiermit glücklich. Auch weil die Geschichte schon etwas verkopft und abgehackt erzählt wird. Thematik und Darstellung haben mich an manchen Stellen an Sympathy for Mr. Vengeance oder Oldboy von Chan-wook Park erinnert. Die sind dann aber eine ganze Ecke zugänglicher. Trotzdem, Only God Forgives ist ein guter Film. Zumindest, wenn man sich die Zeit für ihn nimmt und die Atmosphäre einen packt. Dann ist das hier ein unerwartet eindringliches Erlebnis, das über den hirnlosen Konsum hinausgeht.

 

Regie: Nicolas Winding Refn (Walhalla Rising, Pusher I/II/III, Drive)

Schauspieler: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm

Bewertung: 

 

Pacific Rim (2013)

Wenn riesige maschinenartige Ungetüme Städte in Schutt und Asche legen, dann ging oft die erste Assoziation Richtung Transformers. Beachte: „ging“. Denn das dürfte sich mit Pacific Rim hoffentlich bald ändern, weil Guillermo del Toros Film zeigt, dass man eine ähnliche Prämisse in einen funktionierenden Streifen verwandeln kann. Ohne die grenzdebilen Dialoge, das massive Product-Placement oder den nervtötenden amerikanisch-patriotischen Pathos, der Michael Bays Spielzeugfilme stets begleitet.Pacific Rim

Die Handlung ist simpel. Und hört sich zugegebenermaßen recht albern an. Ach verdammt, sie ist auch albern. In naher Zukunft überfallen gigantische Ungeheuer, die Kaiju, aus einer Paralleldimension heraus die Erde. Das Tor, durch das diese schreiten, befindet sich irgendwo im Pazifik. Nur die von Menschen gebauten Jaeger, gigantische Kampfroboter, sind in der Lage, den Monstern Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt steht der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der seinen Bruder an einen Kaiju  verloren hat und der nun von Stacker Pentecost (Idris Elba) erneut rekrutiert wird, um einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen, um die Menschheit vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ihm zur Seite steht Mako Mori (Rinko Kikuchi), denn die großen Kampfmaschinen lassen sich nur zu zweit kontrollieren.

Wir sind also rein geschichtlich nicht am Anfang der Invasion, sondern befinden uns mehr oder weniger am Ende. Denn der Riss spuckt immer häufiger Kaiju aus und die Menschen rund um den Pazifik sind wohl dem Untergang geweiht. So ist Pacific Rim die meiste Zeit relativ düster. Das funktioniert auch ganz gut. Es stellt sich für den Zuschauer jedoch die Frage, ob er mit diesem Sci-Fi-Monster-Setting leben kann. Guillermo del Toro erschafft eine eigenständige und detailierte Welt, die für manchen Realisten arg konstruiert wirken wird. Natürlich ist es nicht sinnvoll, gigantische Roboter zu bauen. Natürlich sind Paralleldimensionen mit großen Seeungeheuern nicht realistisch und ganz klar, der eine oder andere Charakter ist stark überzeichnet. Aber wenn man den Film gewähren lässt und sich auf das Szenario einlässt bzw. einlassen kann, dann erlebt man eine recht coole und stellenweise tatsächlich durchdachte Welt. Vor allem für Leute wie mich, die früher jeden Samstag um 5:00 die Power Rangers im Morgenprogramm geschaut haben, entfaltet Pacific Rim so eine Art Retro-Charme.

Was den Film so viel besser macht als die Transformers, ist der Fakt, dass selbst die gigantischste Action-Sequenz angenehm geschnitten ist. Während bei Michael Bay Schnitt auf Schnitt folgt und man in der Hektik jegliche Übersicht verliert, weiß man in Pacific Rim immer, was gerade passiert. Dabei ist die Handlung simpel und wirkt nich so hingeklatscht wie bei den Transformern, wo man optisch und inhaltlich meist gar nicht mehr weiß, was da los ist. Auch die Kämpfe sind durch die Wesen und die Roboter geradezu menschlich und haben eine sehr natürliche Dynamik. Wenn gerade eine der Maschinen einen riesigen Öltanker als Baseballschläger benutzt, dann ist das auf der Coolness-Skala schon zeimlich weit oben. Und dazu dann noch der motivierende Soundtrack von Ramin Djawadi (seines Zeichens auch für den Soundtrack von Game of Thrones verantwortlich), der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht. Wenn das Lied ertönt, dann weiß man, gleich brennt die Hütte. Die Wiedersacher erinnern rein von der Optik her stark an die Wesen aus den Hellboy-Filmen, bei denen Guillermo del Toro auch auf dem Regiestuhl saß.

Aber! So einiges funktioniert auch nicht. Die meisten Charaktere sind ziemlich oberflächlich und teilweise unsympathisch. Auch wenn ich Idris Elba liebe, seine Rolle schwingt irgendwo zwischen aufgesetzter Wichtigkeit und nervtötender Dominanz. Hauptprotagonist Raleigh ist so gut wie charakterlos, seine Kollegen ebenso. Die Dialoge der Protagonisten sind dahingehend auch alles andere als wirklich sinnvoll. Dazu kommt, dass mit Charlie Day, Burn Gorman und Ron Perlman gleich drei Charaktere in einer Art Nebenhandlung für einen Comic Relief sorgen sollen und dabei öfter mal so gar nicht in die düstere Stimmung hineinpassen. Vermutlich wäre es auch zu ermüdend, zwei Stunden lang nur Monster-Roboter-Kämpfe zu sehen. Aber ich verzeihe dem Film, weil es eben nicht wie in Transformers 2 eine Riesen-Maschine mit Klöten gibt. Oder ständiges Einblenden von Automarken oder Handyherstellern. Oder eine Art Werbeblock für die amerikansiche Armee, wie in Transformers 3. Oder eine Megan Fox, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihren Arsch in die Kamera zu recken.

Und hier liegt vermutlich auch irgendwo der Hund begraben. Die Menschen sind die großen Roboterschlachten mittlerweile leid. Vor allem dank Michael Bay. Nur so lässt sich für mich erklären, warum das Transformers-Franchise so massiv mehr eingenommen hat als Pacific Rim, welches gerade mal seine Produktionskosten wieder drin hat. Hier tut es mir wirklich leid, denn Guillermo del Toros Film ist natürlich kein erzählerisches Meisterwerk, aber es macht das, was es machen soll. Und um so viel besser als die Konkurrenz.

Wer als Kind mit den Power Rangern, den Transformern, Godzilla und co. oder dem Saber Rider aufgewachsen ist, wird auch mit Pacific Rim sicher viel Freude haben. So wie ich. Aber auch als Sci-Fi-Actioner taugt das ganze hier. Wenn man sich jedoch an allerhand Logiklücken aufhängt à la „Warum hat ein Riesenroboter drei Arme?“, dann dürfte Pacific Rim nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Aber hey, viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, warum man ohne Power Rangers aufgewachsen ist.

 

Regie: Guillermo del Toro (Hellboy I + II, Pans Labyrinth)

Schauspieler: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Bewertung: 

Payback (1999)

Brian Helgeland, Regisseur von Payback, hat 1998 an einem Wochenende einen Oscar und eine Goldene Himbeere erhalten. Beide jeweils für seine Drehbücher. Der Oscar war für L.A. Confidential (Hell yeah!), die Himbeere für den furchtbaren Postman-Film (Hell no!). Außerdem hat der Mann Mystic River geschrieben und auch noch Regie bei Ritter aus Leidenschaft geführt. Andererseits ist Herr Helgeland auch für die Drehbücher für Ridley Scotts Robin Hood-Verwurstung und das Pelham 1 2 3-Remake verantwortlich. Was lernen wir daraus? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber auf welcher Seite der Macht steht nun Payback?Payback

Porter (Mel Gibson) wurde bei einem geglückten Raub von seinem Partner Val Resnick (Gregg Henry) aufs Kreuz gelegt und um 70000 $ geprellt. Er wacht dementsprechend mit ein paar Kugeln im Körper auf. Das schreit nach Rache. So begibt sich Porter auf die Suche nach seinem ehemaligen Kollegen, der inzwischen Mitglied der Mafia ist. Mit dabei sind asiatische Gangster samt Lucy Liu als Domina, korrupte Polizisten und Kris Kristofferson als Gangsterboss.

Tja, und das ist im Grunde die Handlung. Porter arbeitet sich die Nahrungskette der Mafia allmählich herauf und schreckt vor nichts zurück. Das zeichnet den Film auch aus: Mel Gibson ist die coolse und skrupelloseste Sau auf dem Planeten. Schon alleine die Anfangssequenz, in der er völlig abgebrannt einem wahllosen Mann die Brieftasche klaut und sich mit den Kreditkarten in einem Zusammenschnitt wieder eine Existenz aufbaut, macht klar, mit wem man es hier zu tun hat. Dabei wird deutlich, dass Mel alles andere als ein guter Mensch ist. So gibt es viele Interaktionen mit meist zwielichtigen Gestalten, die nicht fassen können, dass ein Kerl so viel Wind um so wenig Geld macht. Dabei geht es ihm auch ums Prinzip. Humor entsteht durch die kauzige und lässige Art von Porter und die teils skurrilen Konfrontationen mit allerhand Gestalten. So spinnt sich ein Geflecht von Protagonisten auf, die im Grunde alle nur irgendwas von ihm wollen.

Zugegeben, das Ende ist ein wenig gekünstelt und bei aller Liebe nicht so schlau wie der Film einem vermitteln will. Eine Schießerei mit einer asiatischen Gangsterbande ist auch ein wenig over the top. Aber es ist in Ordnung. Und die Story an sich wirkt teilweise, als ob sie auch von einem Guy Ritchie stammen könnte. Nur mit etwas weniger Hektik und mehr ruhigen Momenten. Für mich ist Mel Gibson auch einfach ein harter Typ, alle seine persönlichen Probleme mal beiseite geschoben, der gerne mal entgegen der persönlichen Sehgewohnheiten handelt. Der Rest des Casts geht klar und Payback hat mit seinen 100 Minuten Laufzeit auch keine Längen drin.

Klar, irgendeine tiefere Botschaft oder eine Moral wird nicht transportiert. Der Film gibt sich auch keine Mühe, mehr zu sein, als er ist. Und Porter ist ein Antiheld. Trotzdem funktioniert die Geschichte gut und unterhält durchgängig. Kiss Kiss Bang Bang zum Beispiel ist viel humoriger und auf seine eigene Art innovativer. Payback dafür ist härter und düsterer. Ein kleiner, aber auch guter Krimi mit Action. Warum auch nicht?

 

Regie: Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft, Sin Eater)

Schauspieler: Mel Gibson, Gregg Henry, David Paymer, Bill Duke, Lucy Liu, Kris Kristofferson

Bewertung: 

Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Chan-wook Park ist nicht unbedingt der Regisseur, der Feel-good-movies macht. Sein vielleicht berühmtester Film Oldboy von 2003 ist besonders zum Schluss so dermaßen ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, dass man erstmal gar nicht so richtig weiß, was da gerade passiert ist. Zudem gibt es darin eine der coolsten Kampfszenen der jüngeren Vergangenheit. Dabei schuf Park eine Rache-Trilogie, die inhaltlich nicht mehr verbindet als das Thema. ‚Sympathy for Mr. Vengeance‘ bildet dabei Teil 1. Und dass das auch kein Film für mal so Zwischendurch ist, sollte klar sein. Besonders wenn das Töten losgeht.Sympathy for Mr. Vengeance

Ryu (Shin Ha-kyun) ist taubstumm. Seine schwerkranke Schwester benötitgt dringend eine Niere. Trotz harter Arbeit wird er entlassen und steht mittellos da. Weder er noch seine militante Freundin Yeong-mi eignen sich als Spender und so wendet er sich an die Mafia. So wendet er sich in seiner Verzweiflung an eine Organhändlerin, die ihn nicht nur um sein Geld, sondern auch um eine seiner Nieren erleichtert. Als letzten Ausweg schlägt ihm Yeong-mi vor, die Tochter seines ehemaligen Chefs zu entführen und die Transplantation mit Hilfe von Lösegeld zu finanzieren. Kurzfristig wird jedoch ein anderes Mädchen gekdinappt, undzwar das Kind des Geschäftsmanns Park Dong-jin (Song Kang-ho).

Von vornherein soll das Kidnapping human verlaufen. Ryu, seine Schwester und Yeong-mi spielen mit der Entführten, sodass diese sich nicht langweilt oder fürchtet. Dass die blauäugige Aktion nicht glatt laufen kann, sollte spätestens klar sein, wenn man weiß, wer da auf dem Regiestuhl sitzt. So besteht der Film aus zwei Teilen. Im ersten verfolgen wir hauptsächlich Ryu, während im zweiten Park Dong-jin als Vater der Entführten im Vordergrund steht. Dabei sind alle Charaktere weder besonders gut noch allzu schlecht. Man versteht, warum Ryu tut, was er tut. Genauso gut kann man aber auch mit der Gegenseite in Form des verzweifelten Herrn Papa mitfühlen. So erleben wir die Geschichte aus zwei Perspektiven und die Grenzen zwischen Pro- und Antagonisten verschwinden. Lediglich die Organhändler sind einseitig bösartige Charaktere, stören dabei aber nicht. Viel verstörender ist allerdings, dass man als Zuschauer kaum eine Seite beziehen kann.

Irgendwann nach der Hälfte der zwei Stunden Laufzeit bricht der Film dann auf und entlädt sich in Gewalt und sehr subtiler Spannung. Wer dann jedoch erwartet, dass in einem coolen asiatsichen Showdown die Bösen auf blutige Weise gelyncht werden, hat offensichtlich noch nie einen Park-Film gesehen. Außerdem gibt es, wie gesagt, keine eindeutig auszumachende schlechte Seite. Das ist auch gerade das, was Sympathy for Mr. Vengeance so besonders macht. Weil man nämlich Sympathie empfindet für die Charaktere, die irgendwie auch nur versuchen, über die Runden zu kommen. Dabei bleibt bis zum Ende hin die Erzählweise eher langsam und subtil. Und zum Schluss sitzt man auch wieder da, weil man einen Schlag in die Magengrube bekommen hat und sich teilweise Dinge selber zusammenreimen muss.

Sympathy for for Mr. Vengeance ist ein schwerer Film. Nicht weil er langatmig ist, sondern weil er einen emotional ziemlich mitnimmt und man keine Antwort auf einem Silbertablett serviert bekommt. Vor allem blebit es einem selbst überlassen, wer eher im Recht ist. Exemplarisch wird einem vor Augen geführt, wie Rache aus Menschen Monster macht. Man muss außerdem aufpassen und den Film in seiner Stille wirken lassen, zumal Ryu als taubstummer Protagonist in einer lautfreien Welt wohnt. Parks Oldboy ist zwar konstruierter, hat aber einen etwas höheren Unterhaltungswert. Nichtsdestotrotz ist Sympathy for Mr. Vengeance ein psychologisches und vertraktes Drama, das ich jedem ans Herz legen kann.

 

Regie: Park Chan-wook (Oldboy, Stoker, Lady Vengeance, Thirst)

Schauspieler: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae

Bewertung: 

 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: 

Dredd (2012)

Man stelle sich vor, ein einbeiniger Mann ohne Gleichgewichtssinn und mit Schaum vor dem Mund versucht, humpelnd, einem die Zehennägel mit einer Kettensäge zu schneiden. Auf einem wackeligen Floß mitten im reißendsten Strom. Während sein Kopf in Flammen steht. Dann hat man ungefähr eine Vorstellung vom Einfühlungsvermögen von Judge Dredd (Karl Urban). Der hat trotz seines Namens vermutlich weder das erste noch das zweite Staatsexamen abgelegt und wohl auch noch nie eine Richter-Robe getragen. Trotzdem weist der Mann einen einfachen wie effektiven Gerechtigkeitssinn auf: Wer gut ist, darf leben. Wer Böses treibt, wird gnadenlos hingerichtet. Willkommen in der Zukunft, Motherfucker!Dredd

Irgendwo in der futuristischen Stadt Mega City One mit abermillionen Einwohnern bleibt keine Zeit für zeitaufwendige Gerichtsverfahren und Verhaftungen. Die Judges, die so eine Mischung aus Polizei, Richter, Henker, Detektiv und SWAT-Einsatzkommando darstellen, patrouillieren durch die Straßen und haben dabei mehr als genug zu tun. Dem erfahrenen Judge Dredd wird der Neuling Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) zugeteilt. Diese hat zwar die etwaigen Prüfungen nicht bestanden, verfügt aber über paranormale Kräfte, die im Kampf gegen den Abschaum der Stadt nützlich sein können und werden. Als das Duo in einem Hochhaus eine Dealerbande aushebt, die mit der neuen Droge SLO-MO handelt, werden sie von der Bandenchefin Ma-Ma (Lena Headey) in dem Wolkenkratzer eingesperrt und müssen sich den Weg freikämpfen.

Und das ist die Handlung. Wer sich an ‚The Raid‚ erinnert fühlt, liegt gar nicht mal so falsch. Nur ist das hier die amerikanische Sci-Fi-Version davon. Anstatt krassem Martial Arts bekommt man stattdessen eine bleihaltige Gewaltorgie sondergleichen. Und mit Gewalt ist hier nicht „Peng Peng“ gemeint. Judge Dredd ballert jedem zweiten Schurken in Zeitlupe durch das Gesicht, überall spritzt und spratzt und klebt das Blut. Ohne den Film in 3D gesehen zu haben, behaupte ich einfach mal, dass sich die 3D-Effekte durchaus gut anfühlen sollten. Überhaupt ist der dreckige futuristische Look sehr sehenswert und macht ‚Dredd‘ zu einem stylischen Streifen.

Wer sinnlose Gewalt überhaupt nicht sehen kann, sollte hier auch gar nicht erst reinschauen. Wenn Menschen aus 200 Metern Höhe geworfen werden, dann wird nämlich auch gezeigt, wie sie in Zeitlupe aufkommen, während ihr Gehirn auf dem Bordstein verteilt wird. Das ist eklig, aber auch realistisch. Vermutlich. Zumindest in diesem brutalen Kontext. Und mehr als einmal bin ich zusammengezuckt, als beispielsweise schon wieder einer armen Sau das Gesicht weggeballert wurde. Ob dieses hohe Maß an Gewalt unterhält, sei jedem selbst überlassen. Mir hat es tatsächlich gefallen. Dabei ist ‚Dredd‘ von vorne bis hinten nie intelligent oder gehaltvoll. Das kann man aber verschmerzen, weil der Film sich konsequent an seine Linie hält und an keiner Stelle versucht, mehr zu sein, als er ist, nämlich ein flacher und geradliniger Action-Streifen. Gerade im Bezug auf das kürzlich erschienene ‚Total Recall‚-Remake macht ‚Dredd‘ als Neuverwurstung vieles richtig, vor allem was die Effekte und Schauwerte angeht.

Karl Urban in der Hauptrolle und mit Helm zeigt dabei nur seinen Mund. Und das fand ich schon ziemlich stylisch. Zumal seine Mundwinkel nur zwei Positionen kennen: Entweder nach unten gezogen oder noch sehr viel weiter nach unten gezogen. Dabei ist er so unheimlich entmenschlicht und maschinenartig, dass man sich zwangsläufig an ‚RoboCop‚ erinnert fühlt. Gott sei Dank gibt Judge Dredd dann auch einfach mal nichts von sich preis. Nur, dass er tierisch angepisst ist. Dafür hat er dann ein ganzes Hochhaus voll mit Bösen, um sich abzureagieren. An seiner Partnerin könnte man sich womöglich hier und da ein wenig stören, allerdings beweist sie gerade zum Ende hin echte Nehmerqualitäten und gibt dem Film noch so ein wenig optischen Schauwert und tatsächlich auch ein ganz kleines bisschen Inhalt. Aber keine Sorge, nur ganz wenig. Und die böse Mutti ist jetzt nicht wirklich eine ernstzunehmende Gegenspielerin, doch vermutlich würden sich selbst Bane und Freddy Krueger vor Angst in die Hose machen, wenn sie gegen Judge Dredd antreten müssten.

Es bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ihr mögt Action und könnt ohne Handlung und Dialoge leben? Bitteschön, ‚Dredd‘ ist einfach, brutal und brachial. Und optisch absolut cool anzusehen. Wer aber schon von Michael Bay-Filmen angewidert wird, der sollte sich den Ausflug nach Mega City One sparen. Schließlich ist es auch mal ganz schön, sich die Fußnägel gemütlich mit einer einfachen Nagelschere zu schneiden und auf den brennenden Kettensägen-Typen zu verzichten.

Judge Dredd: Judgement time.

 

Regie: Pete Travis (8 Blickwinkel, Endgame)

Schauspieler: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey, Wood Harris

Bewertung: 

Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)

Das mit den Prequels ist immer so eine Sache. Im Grunde geht es meistens darum, ein vorhandenes Universum zu erweitern und dadurch den Fans der Vorlage mehr vom Gleichen zu geben. Prequels können dabei gut sein, oder aber auch seelenlose Verwurstungen von etwas einstmal Gutem. Im Grunde ist der Pate II das beste Beispiel für gelungene Vorgeschichten. Auch Planet der Affen: Prevolution oder X-Men: Erste Entscheidung funktionieren gut und sind dabei auch selbstständig als Filme interessant genug, um mit ihren Vorgängern mithalten zu können. Zeitgleich ist jedoch X-Men Origins: Wolverine ziemlich blöd. Ein weiterer Blick auf Wikipedia offenbart, dass Prequels meistens eher Low-Budget-Streifen sind, die dem Original nicht das Wasser reichen können und den Fans einfach nur noch ein wenig Geld aus der Tasche ziehen sollen. Wenn wir jetzt ins Alien-Universum einschwenken, dann wissen wir auch, dass mit den beiden ‚Alien vs. Predator‘-Filmen zwei grenzdebile „Prequels“ bereits Einzug in dieses Franchise gehalten haben.

Nun kehrt Regisseur Ridley Scott zu seinem eigenen Alien-Universum zurück. 33 Jahre nach Alien. Und nachdem sich James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet an dieser Welt ausprobiert haben und dabei doch so grundlegend unterschiedliche Filme gemacht haben, die in Sachen Spannung und Horror nie an das Erstlingswerk herangereicht haben. Denn Alien verwandelte den Weltraum in einen fürchterlichen und unheimlichen Ort. Vorher war praktisch alles abenteuerlich und kindgerecht. Ob Star Wars oder Trek, nie fürchteten sich die Protagonisten in den Weiten des Alls. Bis sich Sigourney Weaver auf einmal alleine mit diesem Monster herumschlagen musste. Wen die Hintergründe der vier Alien-Filme interessieren, dem sei diese Seite hier ans Herz gelegt. Ansonsten sei gesagt, dass ‚Prometheus‘ definitiv ein Prequel ist. Aber vermutlich nicht so, wie man es erwartet hätte.

Der Film beginnt mit einem weißen muskulösen Männchen. Das haarlose Etwas konsumiert irgendetwas und fängt daraufhin an, sich aufzulösen und fällt anschließend in einen Wasserfall hinein. Über ihm schwebt nebenbei ein Raumschiff. Was diese Szene zu bedeuten hat? Wahrscheinlich die Erschaffung des Menschen. Hurra! Nun beginnt der eigentliche Film. Wir sehen, wie im Jahre 2089 die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) auf ein sich wiederholendes Sternen-Muster in alten Höhlenmalereien stoßen. Dieses interpretieren sie als Einladung und so wird das Forschungsraumschiff Promtheus zum Mond LV-223 geschickt, der wohl bewohnbar und Ursprung der Botschaften sein soll. Gesponsert wird die Reise von der Weyland Corp. und die Leitung hat die wenig sympathische Meredith Vickers (Charzlize Theron). Mit an Bord ist der Android David (Michael Fassbender) und Captain Janek (Idris Elba). Das Schiff erreicht 2093 den Zielort und man stößt schnell auf Spuren einer alten Zivilisation, undzwar auf eine komplexe Höhlenanlage.

Was genau der Film dann nun sein soll, ist schwer zu sagen. In den 124 Minuten gibt es Action, ein ganz kleines bisschen Horror und total viele Rätsel. Das ist dann auch vermutlich das größte Problem. ‚Prometheus‘ kann sich nie festlegen, was es sein soll. Es wird ein ziemlich bescheuerter Disput innerhalb der Weyland-Familie angedeutet, es wird ein wenig mit den aus ‚Alien‘ bekannten Elementen gespielt und es wird ein wenig geforscht. Dabei ist die Handlung linear, aber trotzdem unlogisch und die Protagonisten sind allesamt merkwürdig flach und unnahbar. Während Vickers die größte Bitch im Universum ist und der Android David ohnehin künstlich, sind alle anderen Charektere wenig nachvollziehbar. Ein Geologe, der eine Karte der zu untersuchenden Höhlen anlegt, um sich kurz darauf zu verirren. Ein Biologe, der unbedingt mit einer gefährlichen Alien-Schlange schmusen will und dann auch muss. Holloway, der trotz der überwältigenden Funde urplötzlich den Emo macht. Und noch ganz viele andere Kleinigkeiten. Ich habe mir beim Schauen die Mühe gemacht, einzelne Fehler und Ungereimtheiten aufzuschreiben und komme auf ungefähr 20, von denen einige schon zusammengefasst sind und sich durch den ganzen Film ziehen. Warum schickt man die größten Dummbatzen der Welt auf eine Mission, die eine Billion Dollar kostet? Warum lernen die sich nicht schon vorher kennen?

Und warum muss man so einen grundlegend dämlichen Story-Twist rund um die Weyland-Corporation einbauen, der so rein gar nicht hilfreich ist? Dann gibt es noch so einige weitere Dinge, aber es wäre zu müßig, alle aufzuzählen. Zumal ich damit auch den gesamten Film spoilen würde. Interessanterweise sind mir beim ersten Schauen alle diese Sachen nicht so sehr aufgefallen. Doch beim zweiten Gucken ist es schwer, darüber hinwegzusehen. ‚Prometheus‘ hat natürlich auch positive Seiten. Die Naturaufnahmen und die gesamte Optik, die sich am Ende in einer gigantischen Actionsequenz die Kante gibt, sind spitze. Und wer sich im ‚Alien‘-Franchise zurechtfindet, bekommt ein paar Anleihen zu spüren, die sich durchaus sinnvoll in das Universum fügen.

Das Ende und das Finale an sich empfand ich dann auch echt gut, zumal ein mögliches Sequel wünschenswert wäre. Dabei grenzt sich ‚Prometheus‘ auch deutlich von ‚Alien‘ ab und bewahrt sich Selbständigkeit. Weniger befriedigend ist allerdings, dass diverse aufgeworfene Mysterien nicht aufgelöst werden.

Der Film gefällt mir. Die bombastische Bildsprache ist im Sci-Fi-Genre nicht unbedingt oft anzutreffen und das gesamte Franchise gefällt mir. Trotzdem gibt es an so gut wie jeder Stelle auch Macken. Sei es die doch sehr lose Handlung oder die völlig oberflächlichen Protagonisten. Noomi Rapce ist neben Michael Fassbender im Grunde die Einzige, die ihrer Figur wahres Leben einhaucht, nicht zuletzt auch durch den ersten Live-Kaiserschnitt der Filmgeschichte. Guy Pearce ist in seiner Rolle völlig verschwendet und seine Maske zudem wirklich mies. Dann ist doch aber zeitgleich Fassbender in seiner Rolle überwältigend gut. Ich habe noch nie einen glaubwürdigeren künstlichen Menschen gesehen. Bewegungen, Aussprache, Mimik und Gestik sind unglaublich gut.

Es ist nicht leicht, ‚Prometheus‘ in eine Kiste zu stecken. Manches funktioniert, vieles nicht. Prinzipiell finde ich den Film sehenswert. Allerdings weiß ich nicht, ob ‚Alien‘-Fans ihn mögen würden oder nicht. Es ist mehr Hollywood hier drin und ein Klassiker wie das Original ist dies einfach nicht. Leider werden Ridley Scotts Filme im Alter nicht gerade besser. Für mich persönlich funktioniert die Welt jedoch, die hier konsturiert wird. Es ist aber auch nachzuvollziehen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

2014 oder 2015 kommt das Sequel, ebenfalls von Ridley Scott. Dann wird sich zeigen, ob die Geschichte ihr Potential nutzt, das es auf alle Fälle hat, oder ob hieraus letztendlich doch nur Hollywood-Sci-Fi-Standardkost wird. Dann kann sich ‚Prometheus‘ hoffentlich auch komplett von ‚Alien‘ emanzipieren, was der Geschichte nur zuträglich wäre.

Regie: Ridley Scott (Blade Runner, Alien, American Gangster, Gladiator, Black Hawk Down)

Schauspieler: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce

Bewertung: 

Rush Hour (1998)

Brett Ratner ist wohl der Prototyp des amerikanischen Hollywood-Regisseurs. Seine Filme sind allesamt irgendwie in Ordnung. Wenig Handlung, aber meistens kann man dann doch über die albernen Witze schon irgendwie lachen. ‚Money Talks‘ mit Charlie Sheen und Chris Tucker ist echt voll okay. ‚Roter Drache‘ hat mir nicht gefallen, allerdings wirklich schlecht war er auch nicht. Der dritte X-Men-Film war eigentlich gut, aber jeder zweite wichtige Charakter wird weggemetzelt. Ich schätze mal, dass das wohl so in Ordnung geht. Ach, und ‚Aushilfsgangster‚ war ja auch nicht sooooooooooo übel. Und dann ist da ‚Rush Hour‘. Der erste Teil ist richtig gut, der zweite ist voll in Ordnung und der dritte totaler Dreck. Also statistisch gesehen ist die Reihe mittelmäßig. Außerdem haben wir auch ‚Prison Break‘ dem guten Mann zu verdanken. Und ‚Skyline‚, einen der miesesten Filme aller Zeiten. Der Mann macht eine ganze Menge als Produzent. Tatsächlich ist ‚Rush Hour‘ meiner Meinung nach das Beste, was er je gemacht hat. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Die Tochter des chinesischen Konsuls wird von Sang (Ken Leung) entführt. Weil der asiatische Staatsvertreter einen eigenen Landsmann zur Unterstützung der Behörden ins Land holt, rekrutiert das FBI kurzerhand einen Polizisten, der als Babysitter den Chinesen möglichst aus den Ermittlungen raushalten soll. So sind Lee (Jackie Chan) und Carter (Chris Tucker) anfangs noch nicht wirklich mit Polizeiarbeit beschäftigt. Dabei stoßen sie nach kurzer Zeit auf Juntao, einem aus dem asiatischen Raum bekannten Gangsterboss, der seine Finger in der Angelegenheit zu haben scheint.

Dabei hat ‚Rush Hour‘ so ziemlich gar nichts mit der Hauptverkehrszeit zu tun, außer, dass die Kleine halt während einer Fahrt entführt wird. Das ist aber auch nicht wichtig. Entscheidend ist eher die Dynamik des Duos Tucker und Chan. Damit ist der Film im Grunde ein klassisches Buddy-Movie mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren. Während Lee für die wenigen coolen Kampfszenen zuständig ist und sonst eher wortkarg agiert, darf Carter plappern wie ein Wasserfall. So kennt man Chris Tucker auch schon aus ‚Das fünfte Element‘ und allen anderen Filmen, in denen er mitwirkt. Außer vielleicht ‚Silver Linings Playbook‘. Dort ist er überraschanderweise fast schon auf sympathische Weise nicht so aufdringlich.

Der Rest ist eigentlich Standardkost. Eine simple Handlung mit einem ganz kleinen Twist. Ein paar Schießereien zum Ende hin. Und die unermüdliche große Klappe von Chris Tucker. So fällt und steht ‚Rush Hour‘, ob man von dem Gelaber genervt wird. Wenn nicht, dann sind das sehr unterhaltsame 98 Minuten. Wer Chris Tucker nicht leiden mag, wird schnell genervt sein. Überhaupt richtet sich der Film, trotz durchaus ein oder zwei blutiger Szenen, eher an ein jüngeres Publikum. Zumindest was den Humor angeht.

Mich persönlich unterhält ‚Rush Hour‘ auch heute noch ziemlich gut. Ich mag Jackie Chan und ich kann Chris Tucker, zumindest hierdrin, auch leiden. Dass der Plan der Bösen irgendwie nicht so ganz sinnvoll ist, stört nicht sehr. Natürlich sind die zwei nicht im Entferntesten so kultig wie Bud Spencer und Terence Hill. Dafür macht das Jackie durch ein paar coole Kampfszenen wieder wett. Das Problem ist dann eher, dass das gleiche Konzept in den Fortsetzungen wiederverwurstet wird. Und da stößt die Reihe unterhalterisch an ihre Grenzen.

Im Zweifelsfall liegt man aber mit der Entscheidung, ‚Rush Hour‘ einzuschalten, nie verkehrt. Zumal das hier irgendwie das künstlerische Hauptwerk von Brett Ratner ist. Obwohl sich das komisch anhört. Ein Kubrick oder Scorsese ist er eben nicht, doch auch seine Filme haben eine Daseinsberechtigung. Zumindest oder vor allem ‚Rush Hour‘.

Regie: Brett Ratner (X-Men 3, Roter Drache, Money Talks, Aushilfsgangster)

Schauspieler: Jackie Chan, Chris Tucker, Tom Wilkinson

Bewertung: 

Predator (1987)

Predator (sprich [ˈpɹɛdɪtəɹ]) ist ein aus dem Māori stammendes Wort. Um seine wahre Bedeutung herauszufinden, ist eine beschwerliche 4-Tages-Reise durch den tiefsten Dschungel und die entlegensten Steppen Neuseelands notwendig. Viele Männer überleben die Strapazen nicht und erliegen den gefährlichen Schlangen, Spinnen oder der als ‚Dschungelpest‘ bekannten Krankheit, die innerhalb weniger Stunden aus gestandenen Seefahrern kleine, um ihr Leben flehende Heulsusen macht. Am Ende des Weges erreicht man auf der Spitze eines kilometerhohen Gebirgsmassivs eine kleine Strohhütte, in der ein steinalter Mann haust. Wenn man kriechend und mit letzten Kräften vor seinen Füßen zusammenbricht, mehr tot als lebend, flüstert er einem ins Ohr. Die paar Worte, wegen der man die Reise auf sich genommen hat und die das Letzte sind, was man hört, bevor die letzten Kräfte den eigenen Körper verlassen und man letztendlich stirbt. Qualvoll, aber um eine Erkenntnis reicher. Und diese finalen Worte sind die Übersetzung von ‚Predator‘ ins Deutsche:

Muckimänner im Wald

Im gleichnamigen Film von John McTiernan wird Dutch (Arnold Schwarzenegger) auf eine Geisel-Rettungsmission in den Dschungel geschickt. Seiner Crew zur Seite steht der CIA-Agent Dillon (Carl Weathers). Bevor die Bande von hartgesottenen Bodybuildern ein Guerilla-Nest aushebt, müssen sie jedoch feststellen, dass irgendwas im Wald seine Runden zieht und Menschen tötet und häutet. Wenig später sind sie dem Kampf gegen ein Wesen aus einer anderen Welt ausgeliefert, das sich unsichtbar machen kann und einen nach dem anderen filettiert.

Das ist auch die gesamte Handlung des Films. Und das ist verdammt nochmal gut so. In ‚Predator‘ wird die Handlung auf den Überlebenskampf einer superkrassen Spezialtruppe reduziert, die einem technisch überlegenen Gegner gegenüberstehen. Ein wenig patriotischen Quatsch gibt es noch hier und da in ein oder zwei Sätzen, aber das wird glücklicherweise nicht in den Vordergrund gestellt.

Poncho: You’re bleeding, man. You’re hit.
Blain: I ain’t got time to bleed.

Arni ist hier in seiner Paraderolle als Elitesoldat. Muskelbepackt, unbarmherzig und brutal. Und mit allerhand One-Linern ausgestattet, die sich im Originalton besonders lustig anhören. Einen österreichischen Akzenten hört man normalerweise nicht so oft im Dschungel. Der Rest seiner Truppe ist genauso hart und stumpfsinnig. Sogar ein indianischer Fährten-Leser ist dabei. Und natürlich ist hier alles klischeehaft, aber das hält den Film einfach und flach. Eine richtige tiefgründige Handlung oder Dialoge sind nämlich nicht nötig, wenn man um sein Leben rennt und kämpft.

Wer weiß, was 80er-Jahre-Action-Kino ist und das Zeug mag, hat hier einen der besten Filme aus der Zeit und dem Genre an sich. Um einiges besser als das halbgare Remake ‚Predators‘ mit Adrien Brody als schmächtigem Arni-Abklatsch. Dabei geht es im Original teilweise ziemlich blutig zu. Besonders wenn Körper zerschossen und weggeballert werden.

Dutch: If it bleeds, we can kill it.

Bitt das Hirn ausschalten. Dann ist ‚Predator‘ ein spannender Film mit Arnold Schwarzenegger in Höchstform. Wer Handlung und gezeichnete Charaktere braucht, die mit gewitzten Dialogen hantieren, sollte einen großen Bogen um den Dschungel machen. Denn neben den gestählten Bizepsen und Maschinengewehren ist einfach kein Platz für weiteren Ballast, der unseren Helden nur die Füße schwer machen würde.

Der Film sieht, trotz recht alter Special Effects, auch heute noch akzeptabel aus. Nicht umsonst ist ‚Predator‘ für die besten Effekte sogar Oscar-nominiert gewesen. Das Alien ist gut gemacht und die Szenen aus seiner Sicht erzeugen subtilen Horror, noch viele Jahre bevor der Found-Footage-Stil aus Gruselfilmen billige Massenware gemacht hat (danke Blair Witch Project). So bleibt nur noch eins zu sagen:

Dutch: Get to the Chopper!

 

Regie: John McTiernan (Stirb Langsam I + II, Last Action Hero, Der 13. Krieger)

Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, Carl Weathers, Bill Duke, Kevin Peter Hall

Bewertung: 

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Es gibt da draußen eine ganze Menge Filme, die ihren Plot über einen Erzähler an Frau und Mann bringen. Ob ‚American Beauty‘, ‚300‘,  ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‚ oder ‚The Big Lebowski‘. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Auch ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ verfügt über diesen Kniff, geht dabei aber noch darüber hinaus und spricht den Zuschauer noch direkter an. Das weicht das klassische Filmkonzept stark auf und zieht einen dabei mehr in die ganze Geschichte rein. Man hat ein persönlicheres Erlebnis. Gleichzeitig kann dieser Versuch aber auch ziemlich plump wirken. Vor allem wenn die Story mies ist. Und kann man viel von einem Film erwarten, der ‚Kuss Kuss Bumm Bumm‘ heißt?

Hary Lockhart (Robert Downey Jr.) spielt Harry Lockhart, einen abgehalfterten Kleinkriminellen aus New York. Als ein Einbruch in einen Spielwarenladen in die Hose geht und sein Partner dabei angeschossen wird, gerät der vom rechten Weg Abgekommene an einen Hollywood-Produzenten. Dieser schustert Harry eine Rolle zu und schickt ihn auf eine Party in Los Angeles, die von Harlan Dexter (Corbin Bernsen) geschmissen wird, wo er auf Gay Perry (Val Kilmer), einen Privatdetektiven, sowie seine alte Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) trifft. Perry lädt unseren Helden ein, ihn bei einer Beschattung zu begleiten und Erfahrungen für seine bevorstehende Rolle zu sammeln. Die Geschichte läuft jedoch schnell aus dem Ruder und die beiden müssen sich plötzlich mit einer Frauenleiche und allerhand zwielichtigen Gestalten rumplagen.

Die gesamte Handlung findet innerhalb weniger Tage statt und wird uns durch Harry höchstpersönlich erzählt, der dabei aber auch diverse Zeitsprünge und Rückblenden verwendet, denn er ist selbst, wie er sagt, ein ziemlich beschissener Erzähler. Das stört aber nicht sonderlich, denn ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ entfaltet von der ersten bis zur letzten Minute einen sympathsichen Charme. In 103 Minuten passiert eine ganze Menge Blödsinn, doch Robert Downey Jr. schafft es als dümmlicher wie auch gutherziger Loser, den Film zu tragen. Dabei ist die Handlung zwar hier wie da undurchsichtig, aber komplex oder gar schlau ist die Geschichte nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein.

Der Film läuft einen Spagat aus absurden Unterhaltungen und beknackten Entwicklungen und Verstrickungen, die ohne Leerlauf unterhalten. Es ist einfach die Art und Weise, wie konsequent bescheuert Harry ist. Ein Antiheld ohne große Perspektive, der durch sein großes Maul permanent weitere Probleme verursacht. Dabei geht er einem jedoch nicht auf den Zeiger wie beispielsweise ein Chris Tucker. Zeigleich bekommt Harry mit dem coolen Gay Perry eine Art Partner, der aber so richtig nichts mit ihm zu tun haben will. So erinnert ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ ab und an einen Buddy-Movie.

Es gibt in dieser Komödie jedoch auch ernste Stellen, zum Beispiel als Harry zum ersten Mal jemanden umbringen muss. Die heben jetzt nicht sonderlich die Bedeutung oder den Sinn des Gesehenen, aber so entstehen auch mal ein paar Verschnaufpausen. Die sind bei den Schlussfolgerungen, die die Handlung ein wenig undurchsichtig machen, aber auch bitter nötig. So wird vor allem die größte Stärke des Films deutlich: Alles ist gut gemacht. Das Drehbuch ist gut, die Witze sitzen meistens und die Schauspieler hatten Spaß an ihren Rollen. So ist das hier keine lustlose Komödie, sondern eine herrliche Persiflage auf die Krimi-Thriller der 90er. Das Ende passt meiner Meinung nach gut, fällt aber vielleicht ein wenig plötzlich aus. Womöglich hatte ich aber auch einfach keine Lust, mich schon so früh aus der ‚Kiss Kiss Bang Bang‘-Welt zu verabschieden. Vor allem wenn einer der letzten Sätze des Erzählers folgender ist:

Und keine Sorge. Ich hab den letzten Teil von Herr der Ringe gesehen. Ich lass den Film jetzt nicht 17 mal enden.

Wer also ohnehin sowas wie ‚Rush Hour‘ gut leiden kann und der sich ein modernes ‚Leathal Weapon‘ wünscht, ist hier goldrichtig. Und der Rest eigentlich auch, denn selten hat ein Film die Eier, solch ein Konzept wie hier so konsequent durchzuziehen und sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Großen Respekt dafür.

Regie: Shane Black (Iron Man 3, Drehbuchautor: Leathal Weapon I+II+III+IV+V, Last Action Hero, Last Boy Scout)

Schauspieler: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok

Bewertung: 

 

[amazon-product region=“de“ type=“image“]B000BM2OT2[/amazon-product]

 

Rango (2011)

Es gibt ja durchaus viele gute Regisseure da draußen. Gore Verbinski würde vielleicht nicht jeder dazuzählen, doch der Kerl hat eine paar sehr ansehnliche Filme rausgehauen. Abgesehen von der eher debilen ‚Mäusejagd‘ hat er mit ‚Ring‘, ‚Mexican‘ und ‚The Weather Man‘ ein paar sehenswerte Streifen gedreht. Und natürlich hat Verbinski die toten Piraten vom Meeresgrund hochgeholt und in den ersten drei ‚Fluch der Karibik‘-Filmen reanimiert. Sogar einen Oscar hat der Kerl schon in der Tasche, undzwar für Rango!

Es war einmal ein Chamäleon (Johnny Depp). Das lebte friedlich in seinem Terrarium und spielte Theater. Bei einem Ausweichmanöver fällt das Behältnis samt Reptil aus dem Auto seines Besitzers irgendwohin mitten in die Prärie. Unser Held ist gestrandet. Für die Aktion war ein überfahrenes Gürteltier verwantwortlich, das sich ‚Roadkill‘ nennt und dem Chamäleon vom Geist des Westens erzählt und ihn in Richtung der nächsten Stadt schickt. Dort trifft er unter anderem auf Bohne (Isla Fisher), die ihm von der Wasserknappheit berichtet, die das Städtchen Dirt an den Rand des Untergangs treibt. Großmäulig wie das Reptil nun mal ist, gibt es sich als großer Revolverheld namens Rango aus und wird kurzerhand zum Sheriff.

Dank seinem Improvisationtalent gelingt es ihm, sich Respekt unter den Einwohnern zu verschaffen, die alle den unterschiedlichsten Spezies angehören. Hasen, Katzen, Schildkröten, Maulwürfe, allerhand Getier und sogar ein Rabe mit indianischen Wurzeln. Gerade das Charakterdesign ist herausragend. Jeder Protagonist hat Wiedererkennungswert und sieht ziemlich cool aus. Ganz zu schweigen von Rango selbst, der von Johnny Depp als kauziger Tolpatsch in einer Art Jack Sparrow im Wilden Westen gesprochen wird. Die restlichen vermenschlichten Tiere wirken dabei allesamt sehr merkwürdig und geben dem Ganzen dauerhaft einen abstrusen Unterton. Das zeichnet diesen Animationsfilm auch in besonderem Maße aus. Alles sieht dreckig und überzeichnet aus. So ist eine ziemlich dicke Kröte beispielsweise eine überschminkte Nutte mit riesigem Ausschnitt. Das kennt man so eben nicht unbedingt.

 Überhaupt ist Rango für einen Film seiner Art hin und wieder überraschend ernst. Es wird hier und da gemordet. Nicht viel natürlich, aber trotzdem sieht man eine Leiche. Das wäre in Toy Story oder in jedem Disney-Animationsfilm nicht vorstellbar. Und dann gelingt es dem Film tatsächlich ziemlich ernste Töne anzuschlagen. Gar nicht mal durch den Tod als Stilmittel, sondern viel mehr über die Verbindung zum Hauptprotagonisten, der einen Schicksalsschlag verkraften und zum Schluss sich selbst stellen muss. Nicht dass die Handlung allzu sinnvoll ist oder überraschende Wendungen annimmt. Das Ende ist ziemlich vorhersehbar. Aber das stört eigentlich überhaupt nicht. Einfach weil Rango und die anderen Tiere auf total verschrobene Art sehr menschlich sind. Und natürlich ziemlich gute Dialoge haben.

Die Message, die am Ende transportiert wird, ist recht erwachsen. Nebensächlich geht es um den Wilden Westen und wie man sich darin behauptet. Hauptsächlich wird jedoch thematisiert, wie man als einzelnes Subjekt in der großen Welt wahrgenommen wird. Also die Suche nach der eigenen Persönlichkeit. So hat Rango, bevor er anfängt, seine Rolle als Revolverheld zu spielen, nicht einmal einen Namen. Man merkt dann auch, wie er in einen Konflikt mit den anderen gerät, als herauskommt, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Genauso verliert er dann natürlich auch das Gefühl dafür, wer er selbst ist. Das ist in Bezug auf alle anderen Animationsfilme eine nicht kindgerechte Botschaft, die noch einmal unterstreicht, dass Rango sich wohl eher an ein erwachsenes Publikum richtet.

Genauso erlebt man auch ein wenig den Untergang der Revolverhelden. Ihre Zeit ist abgelaufen und der Fortschritt macht ihr Dasein obsolet. Insofern karikiert die Figur des Rango als Cowboy-Darsteller die Klischees und Vorstellungen, wie so ein harter Kerl zu sein hat. Das mag vielleicht zu weit führen, aber gerade zum Ende hin taucht aus der Weite der Wüste plötzlich ein Clint Eastwood-Verschnitt in einem Golfauto auf, welches hinten mehrere Emmys aufgeladen hat. 

Rango ist eine anmierte Western-Komödie mit einem namenlosen Chamäleon als Hauptdarsteller. Wer den ganzen Disney-Kram zu steril findet und überhaupt etwas mit Western und Antihelden anfangen kann, dürfte von Rango gut unterhalten werden. Zumal die Detailverliebtheit und einfach mal die ganzen Charaktere in dieser Form überragend sind. Das soll nicht heißen, dass der Film in seinen 107 Minuten Laufzeit nicht mal hier und da ein paar Längen hat. Das macht er aber mit seinem Style wieder wett. So begleitet uns ein mexikanisches Eulenquartett musikalisch und erzählerisch durch viele Szenen, was anfangs absurd wirkt, aber doch nur wieder zeigt, wie stilsicher der Film mit seinem Genre und dem ganzen Drumherum umgeht. 

Auch wenn die Konkurrenz um den Animationsoscar 2012 nicht unbedingt so hart war (Chico & Rita, Kung Fu Panda 2, Der gestiefelte Kater, A Cat in Paris) und mir persönlich Toy Story 3 noch ein Stückchem mehr gefällt, ist Rango ein außergewöhnlicher Film der den Oscar unbedingt verdient hat. Und so wie Tim Burton scheint auch Gore Verbinski Gefallen an Johnny Depp bekommen zu haben, denn mit ‚The Lone Ranger‘ kommt 2013 bereits ihre fünfte Zusammenarbeit auf die Leinwand. Das ist aber auch nicht verwunderlich, so ist Depp schließlich einer der besten Darsteller unserer Zeit, selbst wenn man er „nur“ mit seiner Stimme spielt.

 

Regie: Gore Verbinski (Fluch der Karibik I, II, III, The Weather Man, Ring, Mäusejagd, Mexican)

Schauspieler: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Ned Beatty, Alfred Molina, Bill Nighy, Timothy Olyphant

Bewertung: 

 

 

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

Man nehme irgendein Kinderbuch. Eine kleine und gutherzige Geschichte, die man seinen Kindern abends vorlesen kann. In der kein Blut auftaucht, oder halt eben nur ganz wenig, und in der von lustigen und schönen Abenteuern berichtet wird. Alle halten sich die Hände und singen schöne Lieder, während ein Regenbogen und fliegende Einhörner den Himmel schmücken. Also quasi eine Ecstasy-Fantasie für Minderjährige, die zudem auch noch legal ist. Zugegeben, deutsche Märchen sind eigentlich alles andere als unblutig. Ob Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel, an allen Ecken und Enden werden Menschen und Kinder umgebracht, verspeist oder erhängt. Verbrannt, erdrosselt, vergiftet und vergewaltigt. Also ganz nett sind diese ganzen Geschichten dann wohl doch nicht. Dafür sind russische Märchen der wahrgewordene Zuckerguss, von dem man in kürzester Zeit Diabetes bekommt.

Und jetzt stelle man sich mal vor, jemand nimmt eines dieser Märchen und macht daraus mit 500 000 000 Dollar eine 3 mal 3-Stunden-Film-Trilogie! Und das auch noch in 3D und mit 48 Bildern pro Sekunde. Mit Kanonen auf Spatzen sozusagen. Aber hey, es ist Peter Jackson und der Mann hat aus dem verehrten Herren der Ringe den leibhaftigen Nerdtraum geschaffen. Was kann also schon schiefgehen? Nun ja, wer den Hobbit schon mal gelesen hat, weiß, dass darin eigentlich praktisch nichts oder einfach wenig Epochales drinsteckt. Es ist, Schreck lass nach, ein Kinderbuch. Ein buntes Abenteuer mit Zwergen, einem Zauberer und einem scheinbar zufälligen Hobbit, der rückblickend ziemlich schnell zusagt, auf ein lebensbedrohliches Abenteuer zu gehen. Wir haben also gleich zwei Probleme zu Beginn. Kann man einerseits aus einem dünnen Stoff ein ähnlich epochales Machwerk vom Format vom Herren der Ringe zaubern und sind andererseits die Erwartungen, durch die vorige Trilogie, bereits viel zu hoch? Aber nehmen wir uns erst einmal ein wenig Zeit, so wie der Film.

Im ersten Teil der Hobbit-Trilogie geht es um Bilbo Beutlin (Martin Freeman), einen Hobbit aus dem Auenland. Dieser ist der Onkel von Frodo (Elijah Wood), dem Ringträger aus Herr der Ringe. Der Film findet dabei in einer Art Rückblende statt, die den Cameo-Auftritt von Elijah Wood erst ermöglicht. 60 Jahre vor den Begebenheiten um den einen Ring schaut aus heiterem Himmel der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) an Bilbos Haus vorbei, um ihm mitzuteilen, dass er bald auf ein großes Abenteuer geht. Der biedere Hobbit ist wenig begeistert, doch als wenig später eine 13-Mann-starke Zwergenhorde in seinem Haus aufkreuzt und seine Küche singend leerfrisst und -sauft, hat Bilbo endgültig keine Lust mehr auf Abenteuerurlaub mit den Chaoten. Nichtsdestotrotz ziehen die Zwerge, angeführt von Thorin Eichenschild (Richard Armitage), samt Zauberer und Halbling los, um das gefallene Zwergenreich Erebor zurückzufordern, das vor vielen Jahren vom nun verschwundenen Drachen Smaug überfallen wurde. Doch der Weg ist weit und so begegnet die Gruppe nicht nur gigantischen Steinmenschen und Trollen, sondern zusätzlich den Orks mit ihrem König als auch einem alten Feind, nämlich dem totgeglaubten Ork Azog, der Jagd auf unsere Helden macht. In Nebensträngen erleben wir zudem, wie Bilbo auf Gollum trifft und so den einen Ring erlangt, der später einmal für die Handlung von Herr der Ringe verantwortlich ist. Wir lernen kurz Radagast den Braunen kennen, der wie Gandalf ein Zauberer ist und der den ominösen Nekromanten in einer Ruine gesehen hat, was in den kommenden Teilen von Bedeutung sein wird.

Überhaupt gibt es eine unglaubliche Fülle an Widersehen mit allerhand Charakteren. Saruman, Galadriel, Elrond, die Adler und sogar Sauron (jedoch nicht unter diesem Namen) tauchen auf. Und wer ein wenig mehr weiß, gerade durch das Buch, merkt, dass der Zwerg Gloin der Vater von Gimli ist und sich die beiden unheimlich ähneln. Wir sehen, wie Gandalf und Bilbo an ihre Schwerter gelangen (Glamdring und Stich) und wie Frodo am Tag von Bilbos großem Fest losgeht, um den alten Zauberer zu begrüßen, was seinerseits der Beginn von ‚Die Gefährten‘ ist. So verstrickt sich der Film schon früh in das von Peter Jackson geschaffene Bild von Mittelerde und macht aus der ganzen Geschichte ein sehr befriedigendes Erlebnis. Man fühlt sich gut aufgehoben und freut sich auch, wenn sich die ganzen Hintergründe undGeschehnisse in ein stimmiges Gesamtbild fügen. Selbstverständlich ist dafür die Kenntnis der vorigen Filme von Nöten.

The Cabin in the Woods (2011)

Die Hütte im Wald ist vermutlich einer der abstrusesten Filme, die ich kenne. Nicht ganz so beknackt wie Zardoz vielleicht, indem ein Slip-tragender haariger Sean Connery auf einer Metaebene über die Menschheit philosphiert, aber dennoch ziemlich abgefahren. Das liegt vor allem daran, dass die altbackene Geschichte über ein paar junge Leute fernab der Zivilisation, die mit einem brutalen Grauen konfrontiert werden, auf satirische Art und Weise durch den Kakao gezogen wird und am Ende eine Art Film im Film ist.

‚The Cabin in the Woods‘ beginnt mit zwei Angestellten (Richard Jenkins, Bradley Whitford), die sich über ihr Privatleben unterhalten und nach einer Weile dann zur Arbeit schreiten. Diese hat mit fünf jungen Leuten zu tun (u. a. Chris Hemsworth a.k.a. Thor), die übers Wochenende zu einer einsamen Hütte rausfahren und Party machen wollen. Natürlich geschehen merkwürdige Dinge inklusive der gruseligen Begegnung mit einem Einheimischen an einer Tankstelle und schon bald stellt sich das Häuschen als Schauplatz unmenschlicher Morde heraus. Die Zombie-Familie lässt nicht lange auf sich warten und es beginnt ein blutiger Kampf ums Überleben. Dabei wird stellenweise nicht mit Blut gespart. Im letzten Drittel löst sich der Film dann komplett vom Schauplatz und es wird richtig absurd. Großartig ist, dass dies der womöglich erste Film ist, in dem ein Einhorn einfach mal so einen Menschen aufspiest.

Es ist schwierig, viel mehr zu verraten, ohne alles zu spoilern. Es sei nur so viel gesagt, dass ‚The Cabin in the Woods‘ auf seine eigene Art und Weise eine Satire auf das gesamte Horror-Genre ist. Joss Whedon (Avengers, Firefly, Buffy) und Drew Goddard (Cloverfield, Lost, Buffy) kritisieren mit dem Drehbuch direkt die Entwicklung der Gruselfilme, wie Whedon in einem Interview verriet (Quelle):

On another level it’s a serious critique of what we love and what we don’t about horror movies. I love being scared. I love that mixture of thrill, of horror, that objectification/identification thing of wanting definitely for the people to be alright but at the same time hoping they’ll go somewhere dark and face something awful. The things that I don’t like are kids acting like idiots, the devolution of the horror movie into torture porn and into a long series of sadistic comeuppances. Drew and I both felt that the pendulum had swung a little too far in that direction.

Man kann sagen, dass der Film im Grunde wirklich jeden Horror- bzw. Splatterfilm abdeckt. Ob Werwolf, böses Einhorn oder gar mordlüsterne Ballerina, hier dürfen zum Ende alle mal ran. Und dann gibt es noch einen Überraschungsauftritt von Sigourney Weaver. Am Ende ist dann klar, dass das Geschehene nur zweitrangig ist und der gesamte Film auf dieser Meta-Schiene fährt. Besonders alles, was nicht über die fünf jungen Menschen handelt, ist derart merkwürdig und satirisch, dass schnell klar wird, dass der Film eben nicht in erster Linie ein „Horrorstreifen“ Marke „5 Dummbatzen im Wald“ ist. Stellenweise fühlte ich mich mitunter an ‚Tucker & Dale vs. Evil‚ erinnert. Aber die Hütte im Wald ist eben mehr als nur eine Komödie.

Auch wenn mir die Message unheimlich gut gefallen hat, der Film hat durchaus seine Längen. Da hätte vielleicht das dezentere Einstreuen von ‚Merkwürdigem‘ mehr Spannung erzeugt, aber das liegt natürlich nicht in meinen Händen. Im Grunde ist der Film nie in großem Maße überaus aufregend. Auch wenn gerade der eine oder andere dahingemeuchelt wird, bleibt immer das Gefühl der Kontrolle und der Absicht hinter jeder Aktion.

 

Der Film wurde übrigens bereits 2009 gedreht, lag jedoch wegen der Insolvenz von MGM stolze drei Jahre irgendwo rum. Mehr dazu gibt es in diesem Interview mit Regisseur Drew Goddard. Wie man es auch sieht, im Endeffekt ist ‚The Cabin in the Woods‘ ein sehr spezielles und einmaliges Filmerlebnis für alle, die von dem ganzen ‚Saw‘-Blödsinn genug haben und ein bisschen was mit ‚Meta‘ anfangen können.

Regie: Drew Goddard (Writer für Lost, Cloverfield, Buffy)

Schauspieler: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams

Bewertung: 

The Dark Knight Rises (2012)

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei  (außer vielleicht im Falle von Matrix). Gerade Peter Jackson sollte man dieser Tage mal fragen. So schickt uns Christopher Nolan in den Abschluss seiner Trilogie rund um den Mann mit dem Faible für Lack und Leder sowie einer Vorliebe für Fledermäuse. Im Folgenden soll auch die Frage geklärt werden, ob nach dem überragenden ‚The Dark Knight‘ dieser Film überhaupt eine Chance hat oder ob die übertriebene Erwartungshaltung nicht von vornherein für Regisseur und Drehbuchschreiber ein Kampf gegen Windmühlen ist. Schließlich hat Heath Ledger mit seiner Oscar-prämierten Darbietung als Joker den vermutlich einprägsamsten Schurken aller Zeiten erschaffen. Gleichzeitig muss sich Christopher Nolan stets in gewisser Weise an seinen anderen Filmen messen, was ebenfalls die Fallhöhe vergrößert.

‚The Dark Knight Rises‘ beginnt acht Jahre nach Teil zwei. An dessen Ende hatte Batman (Christian Bale) die Schuld für den Tod von Harvey Dent (Aaron Eckhart) auf sich genommen, um dessen böse Absichten zu verschleiern und den Glauben der Stadt an die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten. Dabei bleibt Commissioner Gordon (Gary Oldman) der Einzige, der die Wahrheit kennt. Ohne die Heldenrolle zieht sich Bruce Wayne immer mehr in sein Anwesen zurück und isoliert sich von der Welt. Nicht einmal sein treuer Butler Alfred (Michael Caine) ist in der Lage, den reichen Spross der Wayne-Familie aufzubauen. Dann tritt jedoch Selina Kyle (Anne Hathaway) auf den Plan und bestiehlt Bruce, der sich daraufhin wieder in die Öffentlichkeit traut. Das ist auch bitter nötig, denn Gordon begegnet dem unglaublich starken Schurken Bane (Tom Hardy), der in den Abwässerkanälen von Gotham City einen perfiden Plan ausheckt, um Bruce Wayne zu stürzen und die Stadt zu vernichten.

Das sind ungefähr die ersten zwanzig bis dreißig Minuten der Handlung. In einem Nebenplot verfolgen wir den jungen Polizisten Blake (Joseph Gordon-Levitt). Hin und wieder tritt die reiche Investorin Miranda (Marion Cotillard) auf und manchmal sehen wir auch noch Lucius Fox (Morgan Freeman). Man könnte auch unmöglich sehr viel mehr erzählen, ohne den Film zu spoilern. Dabei scheint niemand unwichtig zu sein und alleine die Anzahl der bekannten Schauspieler offenbart ein Problem: der Film ist einfach heillos überladen. Und dabei gewinnt man tatsächlich den Eindruck, dass ‚The Dark Knight Rises‘ mit seinen 164 Minuten Laufzeit zu kurz ist. Tatsächlich trifft man die Bösen aus dem ersten Teil, Scarecrow (Cillian Murphy) und Ducard (Liam Neeson), kurz wieder. Das soll allen Protagonisten der Trilogie noch einmal Tribut zollen, doch gerade für Nolan untypisch wirkt die Handlung sehr konstruiert und unfertig.

Das Finale von ‚The Dark Knight‘ bestand aus zwei Schiffen, bei denen beide jeweils einen Schalter besaßen, um das andere Schiff in die Luft zu jagen. Bevor eine bestimmte Zeit ablief, musste also eine Besatzung die andere töten. Der Clou dabei war, dass auf einem Boot normale Menschen, also Familien und Kinder waren, während auf dem anderen inhaftierte Sträflinge saßen. Die Abläufe und die moralischen Fragen, die sich dadurch ergaben, waren ziemlich interessant und haben einen gefesselt. Es wirkt so, als ob man sich größte Mühe gegeben hätte, diese Situation nun in Teil 3 überbieten zu müssen. Hier soll die ganze Stadt mit ihren 12 Millionen Einwohnern vor dem Abgrund stehen. Und genauso stellt Bane auch hier, ähnlich wie der Joker, die Bevölkerung vor ein moralisches Dilemma. Die Tiefe, die man nun dadurch zu erzeugen versucht, verpufft jedoch völlig. Man kann die Idee, die die Handlung vorgibt, erkennen, schließlich faßt Bane sie ja auch in Worte, aber man sieht sonst nicht mehr viel zu dem Thema. Daraus resultierend soll auch in gewisser Weise der Klassenkampf zwischen Arm und Reich gezeigt werden, aber die Zeit reicht nicht aus. Schnell geht es weiter zur nächsten Handlungsstation, zum nächsten Protagonisten und zu einem weiteren Zeitsprung.

Zeitsprünge macht der Film sowieso einige und diese sind unheimlich unbefriedigend und unnötig. ‚The Dark Knight Rises‘ spielt über eine Periode von etwas mehr als fünf Monaten. Dabei hat man den Eindruck, dass die Guten tatsächlich erst einmal die meiste Zeit über in den Urlaub fahren, bevor sie entgeistert feststellen, dass sie doch noch etwas unternehmen müssen. Das Verhindern von Banes Plänen fühlt sich auch nicht wirklich gut an. Das liegt daran, dass die Art und Weise, wie die Stadt unterjocht wird, weder elegant noch allzu sinnvoll oder nachvollziehbar ist. Der Joker hat einfach nur gerne Dinge in die Luft gejagt und Chaos erzeugt. Das war einfach, aber auch einigermaßen nachvollziehbar. Als dann Bruce Wayne den Schauplatz für längere Zeit wechselt, beginnt eine Sequenz, die an Vorhersehbarkeit nicht zu überbieten ist. Tatsächlich sind das dann Szenen, die man schon zigfach aus anderen Filmen kennt. Und gerade das erwartet man irgendwie nicht von einem Film, wo Christopher Nolan oben drübersteht.

Kommen wir zum großen Antagonisten Bane. Die Menge an Muskelmasse, die Tom Hardy für diese Rolle zugelegt hat, ist schon ziemlich imponierend. So ist Bane ein physischer Bösewicht, der allein durch Kraft Batman gefährlich wird. Schade ist nur, dass es nur zwei Aufeinandertreffen der beiden gibt. Zudem soll Bane auch brutal sein. Das erlebt man aber meiner Meinung nach nicht oft genug. Er bricht zwar einer Person das Genick, doch im Endeffekt habe ich ehrlich gesagt den Eindruck, dass er einfach nicht genug Screentime bekommt. Gerne hätte ich mehr von der schieren Durchschlagskraft dieses Ochsen gesehen, doch er beschränkt sich meistens auf eine lässige Körperhaltung mit den Armen am Revers. Und viele Dialoge hat er auch nicht. Diese müssten eigentlich für die wegen der Maske fehlende Mimik herhalten. So kommt es jedoch, dass Bane im Vergleich zu Joker sehr blass, wenig ausgefeilt und eben nicht wie das Genie, als das er dargestellt wird, wirkt. Dass seine deutsche Synchronisation anfangs merkwürdig klingt, weil oft ziemlich hoch intoniert, finde ich in Ordnung. Man gewöhnt sich daran und es gibt ihm auch ein wenig den Charme eines Psychopathen. Trotzdem macht die fehlende Gewaltdarstellung Bane seichter als er sein sollte. Man sieht kein Blut im Film, auch wenn da gerade eine Menge Menschen über den Haufen geschossen wurden. Rigorose Brutalität war natürlich nie Teil von Nolans Batmanreihe, doch gerade weil der Böse hier so eine physische Präsenz hat, fühlt sich das doch an, als ob man die Handbremse angezogen hätte. Sogar der schmächtige Joker hat durch das Verschwindenlassen eines Stifts klar gezeigt, wie fies er ist. Bane ist nun kein schwacher Charakter, aber man hatte doch auf mehr gehofft. Zumal Tom Hardy ein verdammt guter Schauspieler ist (siehe Bronson).

Negativ ist mir tatsächlich Batman aufgefallen. Seine tiefe Stimme wirkte auf mich oft unglaublich unpassend und geradezu merkwürdig. Überhaupt hat auch Batman so seine Macken. Anfangs ist er noch eine Art Krüppel. Irgendwann benutzt er irgendeine Hightech-Schiene. Und später scheint er dann völlig genesen. Dann ist er nämlich so gesund, dass auch Messerstiche ihm nichts ausmachen. Seine Beziehung zu Alfred steht auch auf wackligen Beinen, wobei mir das nicht ganz einleuchtet. Michael Caine ist garantiert ein überragender Schauspieler, aber warum seine Figur so dermaßen sentimental werden muss, ist mir ein Rätsel.

Allerdings hat mir Selina Kyle als Catwoman sehr gut gefallen, nicht nur optisch. Selbst wenn sie nie Catwoman genannt wird, bringt sie mit ihrer großen Klappe ein wenig frischen Wind in die Sache. Ehemaliga Katzenfrauen (Hally Berry, Michelle Pfeiffer) waren entweder ein totaler Reinfall oder totale Psychopathinnen. Joseph Gordon-Levitt ist sicherlich eine Bereicherung für den Film. Gleichzeitig erschien mir Gary Oldman als Gordon eher wie ein Fremdkörper und unpassend, aber das kann auch nur ein falscher Eindruck sein. Versöhnlich ist das Ende, das ein paar Überraschungen bereithält und der Story noch einmal eine nette Wendung gibt. Zwischendrin im Finale stören jedoch wieder mehrere Sachen, ob es eine merkwürdige Sterbeszene ist oder die Logik, dass man doch eigentlich nicht mit Raketen auf Bomben schießen sollte.

So summieren sich ganz viele kleine Dinge, die ‚The Dark Knight Rises‘ unrund werden lassen. Vor allem die Handlung ist nicht elegant und zu kompliziert. Das macht den Film nicht tiefgründig, sondern recht oberflächlich und die erzählte Geschichte irgendwie ungewohnt unintelligent. Natürlich reicht der Abschluss von Nolans Batmansaga damit nicht an Teil zwei heran. Das hätte er vermutlich auch nie gekonnt. Doch die ganzen störenden Kleinigkeiten hätten einfach nicht sein müssen. ‚The Dark Knight‘ war nicht in allen Belangen perfekt, doch sowas kann eben eine einzelne geniale Figur überstrahlen. Man erinnert sich nämlich nicht an die Handlung von Teil zwei, sondern einfach nur an Heath Ledger als Joker und wie großartig das bitteschön war. So jemand fehlt widerum nun. Und so fallen eben sonst mit Freude ignorierte negative Sachen eher auf. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass ‚The Dark Knight Rises‘ totaler Murks ist. Der Film ist eben immer noch ein guter Actionfilm mit einer großartigen Besetzung. Und damit für Hollywood typisches Popcorn-Kino. Das ist nichts, was zwangsläufig schlecht ist. Es ist jedoch eher ungewohnt, dass gerade jemand wie Christopher Nolan etwas derartiges produziert. Gerade, weil man mehr von ihm erwartet. Jetzt kann er sich wenigstens anderen Projekten zuwenden. Am Ende hat Nolan mit seiner Trilogie einem totgedrehten Superhelden neues Leben eingehaucht und die Batman-Reihe (als auch womöglich DC Comics?) gerettet. Die Filme von Tim Burton und Joel Schumacher werden in Vergessenheit geraten. Doch niemand wird es in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten wagen oder können, Nolans Adaption Paroli zu bieten.

Zitat aus Christopher Nolans offenem Brief über das Ende seiner Arbeit an Batman:

Michael, Morgan, Gary, Cillian, Liam, Heath, Christian . . . Bale. Names that have come to mean so much to me. My time in Gotham, looking after one of the greatest and most enduring figures in pop culture, has been the most challenging and rewarding experience a filmmaker could hope for. I will miss the Batman. I like to think that he’ll miss me, but he’s never been particularly sentimental.

 

Regie: Christopher Nolan (Batman Begins, The Dark Knight, Inception, Memento, Prestige, Insomnia)

Schauspieler: Christian Bale, Gary Oldman, Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Anne Hathaway, Marion Cotillard, Morgan Freeman, Michael Caine

Bewertung: 

Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (2004)

2010 hat Forbes Will Ferrell zum überbezahltesten Schauspieler Hollywoods gekürt. Zugegebenermaßen war das Auswahlverfahren dafür alles andere als besonders sinnvoll und der Kalifornier hatte zu dem Zeitpunkt gerade mit ‚Die fast vergessene Welt‘ einen Megaflop gelandet. Der Rest seiner Filme schlägt sich jedoch meistens relativ gut an den Kinokassen. So war ‚Anchorman‘ von 2004 mit einem Budget von 26 Millionen Dollar und Einnahmen in Höhe von 90 Millionen Dollar alles andere als ein Reinfall. Allerdings sagen solche Zahlen oft wenig über die Qualität eines Filmes aus. Das größte Problem an Will Ferrell-Komödien ist viel eher der Humor. Dieser ist ungemein polarisierend, abstrus und brachial. Und zugegebenermaßen recht dümlich. Von vornherein muss das aber nicht unbedingt schlecht sein.

In Anchorman spielt Will Ferrell den Nachrichtensprecher Ron Burgundy, der im San Diego der 70er eine angesehene und schillernde Persönlichkeit ist. An seiner Seite hat er die Kollegen und Mitstreiter Brian Fantana (Paul Rudd), Champ Kind (David Koechner) und Brick Tamland (Steve Carell). Den vier Männern passt es überhaupt nicht in den Kram, dass mit der Journalistin Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine smarte wie auch gut aussehende Frau in die von Männern beherrschte Welt der Nachrichtensendungen tritt. Es entwickelt sich ein Kleinkrieg, der Ron Burgundy schnell ins Abseits befördert.

Es geht also im Grunde um den aufkeimenden Feminismus. Wer jetzt an ein zorniges Pamphlet gegen die Unterdrückung der Frau denkt, hat vermutlich noch nie einen Film mit Will Ferrell in der Hauptrolle gesehen. Das heißt soviel wie, dass es eine Szene gibt, in der er plötzlich eine Erektion bekommt und diese deutlich sichtbar und unabsichtlich eine Minute lang zur Schau trägt. Und dieser Humor wird auch den Rest des Films beibehalten. Es sind immer relativ platte und oft improvisierte Witze. Steve Carell spielt beispielsweise den Wetterfrosch, der im Grunde geistig zurückgeblieben ist. Oft kann er sich nicht richtig artikulieren und labert irgendeinen Schrott nach. Das völlig blöde Verhalten wird dann in der abgefahrensten Szene des Films so dermaßen auf die Spitze getrieben, dass ich mir eingestehen musste, dass mir ‚Anchorman‘ unglaublich viel Freude bereitet.

Die vier Männer geraten nämlich in einem Hinterhof an ein anderes Nachrichtenteam und die Situation eskaliert in eine gewalttätige Auseindersetzung, in der man sich auf Gastauftritte von Tim Robbins, Luke Wilson und Ben Stiller freuen kann. Das ist die meiner Meinung nach beste Szene des Films, denn nie erreicht der Humor sonst diese Überspitzung. Trotzdem musste ich oft mindestens schmunzeln. Auch schon ob der Gastauftritte von Jack Black, Seth Rogan und Denny Trejo. Oder weil Burgundy und sein Hund den gleichen Schlafanzug tragen. Oder weil er seinen Kummer in Milch ertränkt. Und so weiter. Es läuft eben auf die Frage hinaus, ob man mit dieser Art von Späßen etwas anfangen kann. Ist dem so, dann ist ‚Anchorman‘ der vermutlich beste Film mit Will Ferrell. Einfach weil quantitativ so viel passiert und die Art und Weise unheimlich erfrischend und einem Ron Burgundy sympathisch ist. Andererseits, wem das zu flach ist, wird sich die 94 Minuten lieber sparen. Dann ist der Film nämlich nicht viel mehr als eine Anhäufung von Witzen über Kot.

Mich persönlich hat ‚Die etwas anderen Cops‘ bereits positiv überrascht und in die gleiche Kerbe schlägt auch ‚Anchorman‘. Es ist eben seichter, aber nie verletzender Spaß. Man macht sich hier nicht über Britney Spears lustig wie beispielsweise ‚Meine Frau, die Spartaner und Ich‘ und bleibt eben auf diesem kindlichen Level, wie es einst auch Leslie Nielsen in ‚Die Nackte Kanone‘ gemacht hat. Ganz so gut ist die Geschichte um Ron Burgundy nicht, aber ich freue mich tatsächlich auf die Fortsetzung, bei der die ganze Saturday Night Live Crew wieder am Start ist.

Regie: Adam McKay (Die etwas anderen Cops, Stiefbrüder, Ricky Bobby)

Schauspieler: Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carrell, David Koechner, Fred Willard

Bewertung: 

The Raid (2011)

Es kommt nicht so oft vor, dass ich mir einen Film innerhalb kurzer Zeit zweimal angucke. Von den meisten storytechnisch guten Filmen kennt man auch den entscheidenden Twist bereits, sodass die Luft beim zweiten Mal einfach schon raus ist. Bei ‚Inglorious Basterds‘ damals lag es an der miesen deutschen Synchro, die einen dazu gezwungen hat, sich den Streifen noch einmal auf Englisch zu geben. Da ging es aber auch nicht so sehr um die Handlung, die bei Quentin Tarantino sowieso zweitrangig ist. Dort sind es einfach die Dialoge. Aldo Raine klingt im Deutschen wie ein weichgespühltes Würstchen und gerade hier wird einem klar, wie wichtig die Stimme beim Schauspielern ist und ein Brad Pitt einfach mal ein guter Schauspieler ist. Doch was hat Inglorious Basterds nun mit ‚The Raid‘ gemein? Die Antwort ist schockierend: so ziemlich gar nichts. In dem indonesischen Actionfilm gibt es keine erinnerungswürdigen Dialoge oder auch nur den Hauch einer Handlung. Die Protagonisten sind alle belang- und hirnlos sowie wenig sympathisch. Warum sollte man sich dann nochmal 100 Minuten hineinstürzen? Die Antwort ist noch viel schockierender: weil ‚The Raid‘ die geilsten Kampfpassagen hat, die es gibt.

Man könnte den Film irgendwie auch als Gewaltporno empfinden. Aber damit tut man ihm Unrecht. Es fließen Unmengen an Blut und es werden unheimlich viele Arme und Genicke gebrochen, aber das passt hier rein und ist nicht so grundlegend vordergründig wie bei ‚Hostel‘ oder ‚Saw‘, die hoffentlich nicht weiter fortgesetzt werden. Es ist schlicht und ergreifend Kampfkunst. Jedoch nicht poliert und mit einem Lächeln. Hier wird dreckiges Muay Thai mit Messern und Waffen gefochten, weil man am Leben bleiben will. Warum eigentlich?

Rama (Iko Uwais) ist ein junger Polizist eines Sonderiensatzkommandos. Kurz von seiner hochschwangeren Frau verabschiedet, muss er auf einen so gefährlichen wie bescheuerten Einsatz: Zusammen mit seinen Kollegen soll er ein fünfzehnstöckiges Hochhaus stürmen, in dessen Spitze ein gefährlicher Gangsterboss über alle Einwohner schaltet und waltet. Der anfangs gut verlaufende Einsatz wird schnell zum Desaster, weil keine Verstärkung kommt und man den Feind unterschätzt hat und weil Storytwist….

Und was sich jetzt noch irngedwie sinnvoll anhört, liegt daran, dass ich es so nett zusammengefasst habe. Die Story ist wirklich blöd. Natürlich gibt es einen Twist und ein käßiges Ende. Unser Held Rama ist zudem ein kleiner Idealist, der nicht mal seine Uniform ablegt, um seinen Arsch zu retten. Das ist ungefähr so schlau, wie nackt und voller Blut in ein Haifischbecken zu springen. Seine Kondition würde außerdem jeden Doping-Kontrolleur auf den Plan rufen. Das ist nämlich teilweise unmenschlich. Aber was solls. Über die knapp eineinhalb Stunden gibt es höchstens 10 bis 15 Minuten an Handlung und Dialog, die wie ein lästiges ekliges Brot das leckere Innere eines Sandwiches einrahmen.

Kommen wir zum Guten: Die Kämpfe. Anfangs noch in Form von Schießereien, gehen scheinbar bald die Patronen aus und dann wird auf eine Art und Weise geschlagen, getreten und gehackt, wie man es sonst noch nirgedwo gesehen hat. Es geht dann mit geschmeidigen Choreographien durch Gegnermassen. Da sieht sogar der gute Old Boy alt aus. Dabei sind die Fights nie Slapstick-mäßig wie bei Jackie Chan. Hier herrscht ein Grad an Realismus und Brutalität, dass es einem einfach kalt den Rücken runterläuft. Rama rammt einem Gegner ein Messer in den Oberschenkel. Normalerweise sieht man in anderen Film nicht viel mehr, höchstens noch ein wenig Blut. Doch in ‚The Raid‘ wird dieses Messer dann auch noch bis zum Knie durchgezogen und man fühlt den Schmerz schon halb mit. Mehrere Tötungs-Sequenzen sind noch viel drastischer und bleiben realistisch. Und es heißt schon was, wenn nicht einmal Jackie Chan bei mir so viel Adrenalin hervorgerufen hat. Der finale Kampf bietet auch noch einmal eine Reihe von unglaublich tollen Techniken und Bewegungen, dass einem als Kampfsportfreund einfach der Mund offen stehen bleibt.

Und das ist ‚The Raid‘. Ganz viel tolle Kampfkunst verpackt in Schwachsinn. Aber ganz ehrlich, der Unterhaltungswert ist so hoch, dass es mich nicht gestört hat. Die Geschichte selbst soll dann in Form einer Trilogie fortgesetzt werden und bereits jetzt steht wohl schon fest, dass Hollywood ein Remake plant. Wer erfolgreich sein Gehirn ausschaltet, wird auf jeden Fall belohnt. Sollte man Kampffilme nicht mögen und bei ein wenig Blut ohnmächtig werden, dann könnte einem die Razzia auf den Magen schlagen. Das ist eine ernsthafte Warnung. Jemand, der Gewalt in Filmen verabscheut, wird hier nicht glücklich. Es sei jedoch angemerkt, dass hier die Gewalt nicht dazu dient, jungen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen wie eben bei Gewaltpornos. Man sieht hier Kampfkunst der Extraklasse, wie man sie niemals von Hollywood oder sonst irgendwem serviert bekommen würde. Und die macht auch beim zweiten Schauen noch Spaß.

Regie: Gareth Evans (Merantau, Footsteps)

Schauspieler: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah

Bewertung: 

Haywire (2011)

Quiz-Frage: Was haben Channing Tatum, Antonio Banderas, Ewan McGregor und Michael Fassbender allesamt gemeinsam, ausgenommen, dass sie alle Schauspieler sind? Antwort: Allen Herrschaften wird mal so richtig ordentlich die Kauleiste poliert, undzwar von der MMA-Kämpferin Gina Carano! Denn in Haywire (zu deutsch ‚übergeschnappt‘) muss die toughe (und gut aussehende) Frau einer Menge Menschen ‚den Kopf verdrehen‘. Aber nicht im netten Sinne, denn hier wird gemordet und so mancher Knochen gebrochen. Wenn einem die genannten Schauspieler nicht ausreichen, dann seien noch Michael Douglas, Bill Paxton und Mathieu Kassovitz zu erwähnen. Das sollte doch genug Prominenz sein. Etwas anderes ist man schließlich von Regisseur Steven Soderbergh nicht gewohnt.

Es beginnt in einem kleinen Lokal zur Winterzeit. Mallory Kane (Gina Carano) sitzt darin und wird von Aaron (Channing Tatum) überrascht, der die gute Frau scheinbar verfolgt hat. Nach einem kurzen Wortwechsel kommt es zu einem harten Kampf, in dessen Verlauf dem guten Mann ziemlich übel zugesetzt wird. Dabei ist Channing Tatum nicht gerade ein Spargeltarzan. Mallory flieht mit einem zufälligen Passanten namens Scott (Michael Angarano) in dessen Auto. Die verletzte Frau erzählt dem jungen Mann die Umstände, die zu ihrer misslichen Lage geführt haben. Wir erfahren, dass Mallory für das Sicherheitsunternehmen von Kenneth (Ewan McGregor) arbeitete und dass sie bei einem Einsatz in Barcelona Aaron kennengelernt hat. Nach der erfolgreichen Verrichtung dieser Rettungsmission will Mallory Urlaub machen, doch Kenneth überredet sie zu einem weiteren kurzen Auftrag, aufgegeben von Coblenz (Michael Douglas) und Rodrigo (Antonio Banderas). So fliegt sie nach Dublin, um zusammen mit Paul (Michael Fassbender) zu arbeiten. Hier merkt sie jedoch, dass jemand ein falsches Spielt mir ihr treibt, sodass sie kurz darauf auf der Flucht vor der Staatsmacht ist.

Die Handlung wird in mehreren Rückblenden erzählt und ist dabei nicht unbedingt einfach zu verfolgen. So bleiben diverse Rollen von Leuten lange Zeit im Dunkeln und man sollte tatsächlich 90 Minuten Zeit haben, um dem Film aufmerksam zu folgen. So werden die Beziehungen dann letztendlich irgendwann final aufgelöst und erklärt, was in gewisser Weise an Soderberghs Ocean’s-Franchise erinnert. Herausragend, neben dem ganzen Boot voll mit tollen Nebendarstellern, sind die Kampfsequenzen mit Gina Carano. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass die Frau weiß, was sie da macht. Ohne Stunt-Doubles oder Effekte oder dergleichen. Es ist schon cool, wenn sie einen durchtrainierten Kerl   nach einer wilden Prügelei mit ihren Beinen in die Sankaku-Würge nimmt, aus der man eben nicht so einfach herauskommt. Dabei erreicht der Film einen sehr hohen Grad an Realität und Glaubwürdigkeit.

Interssant und auch gewöhnungbedürftig ist dabei der Soundtrack. Wenn sie beispielsweise vor einer Polizeitstaffel über Häuserdächer flieht, ertönt keine aufgeregte Thriller-Musik, sondern ein mehr oder weniger ruhiges und souliges Gedudel. Das unterstreicht ihre Coolness. Als es dann doch zu einem Handgemenge kommt, verstummt die Musik und man hört nur noch Schläge und Schmerzensschreie. Und im nächsten Schnitt hören wir wieder Gedudel und verfolgen weiter ihre Flucht. An sich finde ich das schon ziemlich gelungen, auch wenn mir das auf Dauer dann doch zu distanziert wird.

Und nicht nur mit der Musik ist der Film sparsam, insgesamt ist das vorgesetzte Bildmaterial spartanisch. Das soll heißen, dass nicht jede von Mallorys Bewegungen und Aktionen gezeigt wird. Die meisten Filme hätten zum Beispiel gezeigt, wie sie jeweils in einen Flieger steigt, um die Stadt zu wechseln. Das macht Haywire nicht und so wird dieser Schritt der Fantasie des Zuschauers überlassen, was widerum eben Aufmerksamkeit erfordert. Ansonsten ist man recht leicht verwirrt. Krass spürbar ist das am Ende, das relativ plötzlich kommt, aber mit dem finalen Ausspruch unheimlich gelungen wirkt.

Mir persönlich hat Haywire ziemlich gut gefallen. Mallory Kane ist eine Art weiblicher Jason Bourne, nur ohne Wackelkamera. Und mit mehr Wumms. Die Kampfszenen stehen hier ganz klar im Vordergrund und überzeugen durch Authentizität und gute Choreographie. Es hat sich gelohnt, keine weltbekannte Schauspielerin für die Hauptrolle zu nehmen, sondern eine erfahrene MMA-Kämpferin. Dass der Film auf imdb lediglich eine Wertung von 5.9 hat, kann ich mir nur damit erklären, dass viele mit dem bisschen an Handlung, das Haywire hergibt, wenig anfangen konnten bzw. eben nicht aufmerksam genug waren und dass Gina Carano schauspielerisch nicht viel Erfahrung vorzuweisen hat. Vielleicht ist Soderberghs Art auch nichts für jedermann, schließlich spürt man auch hier seine Handschrift. Meiner Meinung funktioniert aber sein Stil, Filme zu machen, gerade in dieseo Agentenszenario sehr gut. Man muss ja nicht schon wieder irgendein krasses Casino mit hundert tollen Schauspielern überfallen.

Regie: Steven Soderbergh (Traffic, Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s 11/12/13, Che, Contagion)

Schauspieler: Gina Carano, Channing Tatum, Michael Douglas, Antonio Banderas, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton

Bewertung: