Man of Steel (2013)

Zwei Männer sitzen an der Bar hoch oben im Empire State Building. Da sagt der eine zum anderen: „Hey, wenn du hier vom Dach springst, dann weht dich der Wind genau in die Bar wieder hinein!“ Verwundert und ungläubig widerspricht ihm der andere, denn das sei einfach nur unmöglich. Zur Demonstration steigt der Mann, um seine Behauptung zu unterlegen, aufs Dach und springt. Und siehe da, der Wind weht ihn zum Fenster hinein und er steht ohne ein gekrümmtes Haar vor seinem erstaunten Kollegen. Begeistert rennt nun dieser aufs Dach, springt hinunter und am Fenster vorbei in seinen Tod. Daraufhin wendet sich der Barkeeper an den noch Lebenden: „Alter, Superman, du bist echt ein ganz schönes Arschloch wenn du getrunken hast.“

Man of Steel

Warum erzähle ich das? Weil selbst der Superman in diesem Geschichtchen mehr Charisma und Tiefe besitzt als der von Henry Cavill verkörperte Mann aus Stahl. Denn trotz Rückblenden, Mobbing und Identifikationsproblemen bleibt Clark Kent nicht sehr viel mehr als ein Pappaufsteller. Zugegeben, ein wirklich muskulöser und vor allem für Frauen nett anzuschauender. Trotzdem besitzt Superman keine prägnanten charakterlichen Eigenschaften. Selbst wenn im Verlauf vermutlich tausende von Menschen ihren Tod finden, bleibt er ungerührt. Hauptsache seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) ist in Sicherheit. Diese Liebesbeziehung ist übrigens genauso aufgesetzt und oberflächlich. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass Lois selbst nicht sehr sympathisch ist. Der Rest der Protagonisten bietet auch keine Berührungspunkte. Kevin Costner und Russell Crowe als Väter von Clark / Kal-El labern allerhand weises Zeug zusammen, dass durch ein wenig Nachdenken schnell arg dümmlich wirkt. Als Beispiel sei hier die Tatsache genannt, dass der junge Clark einen Schulbus samt mobbender Mitschüler rettet, um sich dann Jahre später dagegen zu entscheiden, seinen Vater vor dem sicheren Tod zu bewahren. Und warum? Weil die Menschheit „noch nicht reif für ein Alien ist“. Wirklich menschlich wirkt das aber nicht. Und das ist der Knackpunkt an Man of Steel: die Identifikation. Es gibt sie einfach nicht.

Ob man mit Superman als Figur an sich zurechtkommt, sei dahingestellt. Ja, er ist übermächtig und ziemlich stark. Aber das sind hier auch seine Gegner. Blöd ist nur, wenn in den gesamten 143 Minuten Laufzeit nicht ein gescheiter Dialog stattfindet. Clark wird als bärtiger Fischkutter-Arbeiter gezeigt, aber warum sollte ihn das menschlich machen? Er hat nichts zu sagen. Clark arbeitet in einem Redneck-Schuppen als Kellner und kann sich nicht wenigstens verbal gegen einen dämlichen Gast zur Wehr setzen. Ständig wird gezeigt, wie er einsteckt. Gerade wenn man an Iron Man, Batman, Thor oder sogar den grenzdebilen Hulk denkt. Sie alle sind Figuren, die auf irgendeine Weise menschlich sind. Sei es ein Tony Stark, der der coolste Playboy-Milliardär aller Zeiten ist  und einen entsprechenden Wortwitz hat oder Batman, der als gebrochener Waisenjunge die Stadt beschützt. Und eigentlich auch ein Playboy-Millionär ist. Selbst der Hulk hat einen im Avengers-Film stellenweise zum Lachen und Fürchten gebracht. Demgegenüber steht nun Superman, der außer seinem Aussehen keine Eindruck hinterlassende Eigenschaft vorzuweisen hat.

Dann ist da noch der Antagonist in Gestalt von General Zod, der von Michael Shannon verkörpert wird. Ich mag den Mann, besonders für Take Shelter. Aber ein Joker aus Dark Knight ist er hier eben nicht. Das sind die wenigsten und die Rolle bietet leider auch nicht so viel. Dafür sind seine Pläne reichlich merkwürdig. So versuchte Zod noch kurz vor Kryptons Vernichtung, die Kontrolle über den Planeten an sich zu reißen. Warum? Keine Ahnung, denn explodiert sind dann doch alle kurz darauf. Das rettete Zod und seiner Crew lustigerweise das Leben und lässt einen an der Intelligenz von Supermans Vorfahren und deren Rechtssystem erheblich zweifeln. Man kann sich aber auch zu leicht in der konstruierten Welt verstricken. Für Comicfans ist Man of Steel eine (vermutlich) akkurate Umsetzung der Vorlage, mir war das Verhalten einer so zivilisierten Spezies nicht ganz einleuchtend. Was an Zod und co. viel eher stört, liegt gar nicht mal unbedingt an den Rollen, sondern an der Altersfreigabe. Denn an jeder Ecke merkt man, wie ein wenig Blut nicht geschadet hätte. Aber dann hätte der Film keine Altersfreigabe ab 12 (bzw. PG-13 in den USA) bekommen und man hätte nicht den Minderjährigen das Geld aus der Tasche ziehen können. Die bösen Buben vernichten einfach mal die halbe Innenstadt samt Wolkenkratzern, aber es gibt einfach keine Leichen. Ganz davon zu schweigen, dass die Überlebenden ziemlich sportlich mit der Vernichtung ihrer Heimat umgehen. Die Schurken verprügeln Soldaten, aber nirgends sieht man Leichen oder auch nur einen Tropfen Blut. Ein Schlag ins Gesicht, schon fliegen diese aus dem Bild und gehen sich einen Kaffee holen. So vermisst man einfach mal die Wucht und die Emotionen, die aus Man of Steel einen reiferen und erwachseneren Film gemacht hätten. Das klingt jetzt vermutlich wie der Aufschrei eines gewalttätigen Psychopathen, der nach Blut und Morden verlangt. Aber das Problem, dass mir der Film bereitet, ist, dass die gezeigte Ladung an Kraft und Zerstörung kaum Einfluss auf den Normalsterblichen hat. Weil der einfach nicht vorkommt. Erinnert sei an die finale Szene aus Dark Knight, in der zwei Boote mit stinknormalen Insassen in die Luft fliegen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass Superman selbst für einen Teil der Zerstörung von Metropolis verantwortlich ist.

Abgedreht (2008)

Es gibt diverse Filme, die Trends losgetreten haben. Stirb Langsam hatte großen Einfluss auf das Action-Genre und Blair Witch Project war seiner Zeit die Erfindung des Found Footage-Streifens.  Ach ja, und seit dem Herren der Ringe kommt jedes Buch, jeder Comic oder sonstwas mit einer Trilogie (Matrix, Bourne, Fluch der Karibik, Ocean, X-Men, Spider-Man) oder sogar mit mehr Teilen (Twilight, Harry Potter, usw.) um die Ecke. Und dann ist da Abgedreht. Zwar wurde hier nicht unbedingt etwas total Neues erfunden, aber manchmal reicht es ja auch, der Sache einen Namen zu geben. Und in diesem Falle ist es das ‚Sweding‘.Abgedreht

Mike (Mos Def) arbeitet in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) in Passaic, New Jersey. Der vertreibt in seinem vom Abriss bedrohten Laden nur VHS-Kassetten. In Zeiten von DVD und großen Ketten ist das natürlich alles andere als förderlich und lukrativ. Als Mr. Fletcher für ein paar Tage verreist ist, kommt der magnetisierte Jerry (Jack Black) daher und löscht sämtliche Kassetten im Laden. Kurzerhand beschließen Mike und der Verursacher, die entsprechenden Filme einfach mit einer Kamera nachzudrehen. Ohne Budget oder Effekte entsteht so an einem Nachmittag ihre 20-minütige Version der Ghostbusters in der örtlichen Bibliothek. Was sich wie eine blöde Idee anhört, entpuppt sich als grandioses Geschäftsmodell, das dem Laden in kürzester Zeit zu großer Popularität und sogar zu beachtenswerten Einnahmen verhilft. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht.

Die ungewohnten Versionen altbekannter Filme werden als schwedische Variation verliehen, daher der Name ‚Sweding‘. Und um ganz ehrlich zu sein, diese kleinen Werke sind teilweise ziemlich großartig. Wenn Jack Black und Mos Def beispielsweise Rush Hour 2 auf einem Kinderspielplatz nachspielen und sich genauso wie Jackie Chan und Chris Tucker anbrüllen, dann passt das ganz gut. Und trifft auch irgendwie den Kern des Originals. So werden es immer mehr geschwedete Filme, die zwar mit einfachsten Mitteln, dafür aber sehr liebevoll gemacht sind. Leider ist das Gros der Figuren dafür reichlich dämlich. Mos Def ist nicht unsympathisch, doch so richtig charismatisch ist er widerum auch nicht. Und Jack Black ist einfach nur ein Idiot. Danny Glover hat zu wenig Screentime, um wirklich Akzente zu setzen bzw. ist das Beharren auf VHS einfach nicht nachvollziehbar. Die Frauen spielen auch keine besonders einprägsame Rolle. So plätschert Abgedreht eine ganze Weile vor sich hin. Klar, die Handlung ist halt eben nicht unbedingt besonders clever. Nichtsdestotrotz kriegt Michel Gondry am Ende doch noch die Kurve und macht hieraus ein durchaus bewegendes Drama.

Die finale Szene berührt nämlich dann doch und gibt der manchmal etwas plumpen Komödie ein tiefere Ebene. Es geht hier nämlich gar nicht mal primär um das Drehen lustiger kleiner Filmchen, sondern um das Bestehen einer kleinen Gemeinde in Zeiten von Internet und Globalisierung. Denn gerade einzelne Schicksale kommen in der Flut von Massenwaren und Anonymität abhanden. Das Ende macht tatsächlich viel aus und hinterlässt einen tollen Eindruck. Denn wo andere Komödien im Adam Sandler-Stil das fette Happy End herausholen, in dem die Bösen alle bestraft werden, schlägt Gondry leisere Töne an. Schließlich gibt es auch keinen wirklich greifbaren Antagonisten.

Zugegeben, Abgedreht kommt langsam in Fahrt und hat trotz der kurzen 102 Minuten Laufzeit die eine oder andere Länge. Auch Jack Black ist mir hier so gar nicht sympathisch. Dafür ist seine Rolle einfach zu ‚abgedreht‘ (haha, Wortwitz). Dies ist garantiert nicht der beste Film von Michel Gondry und man muss auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein. Dafür gibt es am Schluss das wohlige Gefühl, eine kreative und liebevolle Komödie genossen zu haben, die frei von Klischees ist und sogar eine Message bietet. Schade, dass das keinen Trend losgetreten hat.

 

Regie: Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Green Hornet, Anleitung zum Träumen)

Schauspieler: Mos Def, Jack Black, Danny Glover

Bewertung: 

 

 

 

 

After Earth (2013)

Gefahr ist real. Angst ist eine Entscheidung. Das ist das Motto dieses illustren Ausflugs auf eine verlassene Erde, die voll ist mit allerhand bösen Tieren. Und weil es an Gefahren noch nicht genug ist, bringen unsere Helden sogar ihren eigenen Antagonisten mit. Dass besagte arme Kreatur nicht sehen oder hören kann, scheint aber niemanden stören. Wo steckt Greenpeace, wenn offensichtlich behinderte Tiere massakriert werden?After Earth

In der Zukunft hat die Menschheit die Erde schon lange verlassen, da diese unbewohnbar geworden ist. Warum genau wird nicht klar, denn die ganzen Tiere chillen dort immer noch. Vielleicht waren es die horrenden Immobilienpreise. Jedenfalls fand man mit Nova Prime einen neuen Heimatplaneten. Dieser stellte sich jedoch als bereits bewohnt heraus. Die bösen Aliens hatten außerdem keinen Bock auf Touristen bzw. eine verflucht rassistische Einwanderungspolitik und hetzten Ursas auf uns. Das sind blinde / taube / dämliche Monster-Ungetüme, die anhand von Angst-Pheromonen Menschen aufspüren und als Baumdekoration aufhängen. Zum Glück jedoch stellte sich ein Mann namens Cypher Raige (Will Smith) als so cool heraus, dass er keine Angst hatte und deswegen unsichtbar für die Ursas war. So gewann die Menschheit den Krieg und konnte sich an die Aufgabe machen, den nächsten Planeten zu vergewaltigen. Leider geht Kampfgeschick nicht mit den Fähigkeiten des Papaseins Hand in Hand und so führen Cypher und Sohnemann Kitai (Jaden Smith) eine typische Beziehung: Autoritäre Vaterfigur und sein Junge, der nicht an die Leistungen seines Stammhalters heranreicht und erwachsen werden muss. Alles schon bekannt. Cypher nimmt Kitai mit auf irgendeine Mission, ein Trainings-Ursa mit an Bord. Dann stürzen sie auf dämliche Art und Weise auf der Erde ab, der Prinz von Bel-Air bricht sich beide Beine und der Sohn muss irgendein Föhn-ähnliches Gerät aus 100km Entfernen besorgen. Leider sind Flora und Fauna alles andere als gut auf die Menschheit anzusprechen und die Reise stellt sich als selbstmörderischer Trip heraus. Bla bla bla. Wer nicht von Beginn an weiß, worauf es im Film hinausläuft, hat vermutlich noch nie von Mister Miyagi, Yoda oder Splinter gehört.

After Earth hat aber auch sehr viele hilfreiche Weisheiten parat, die man unbedingt wissen muss:

  • Selbst auf Raumschiffen im Weltall sollte man sich immer anschnallen.
  • Ein gottverdammter Strohhalm von einem Trinkpäckchen eignet sich hervorragend, um einen Shunt (zur Flüssigkeitsübertragung getrennter Blutgefäße) zu legen.
  • Die Schweizer Taschenmesser der Zukunft passen nicht mehr in die Hosentasche. Dafür hat man zugunsten von 37 verschiedenen Messerarten auf Dosenöffner, Nagelknipser und Pinzette verzichtet.
  • Der Handyempfang auf einem aktiven Vulkan ist fantastisch.
  • Paviane sind immer Arschlöcher. Nicht nur, weil sie so merkwürdige Arschlöcher besitzen.

After Earth ist öde, vorhersehbar und erschreckend uninspiriert. Es gibt keine sympathische Figur. Schlimmerweise gibt es trotz des Settings auch nichts Interessantes zu erzählen. Will Smith ist der beschissenste Vater seit ewigen Zeiten, Jaden Smith ist kein guter Schauspieler und nie, zu keinem Zeitpunkt, auch nur im Entferntesten sympathisch. Mit wem soll man da mitfiebern? So plätschert der Müll vor sich hin. Fürchterlich sind diverse Szenen, in denen After Earth unfreiwillig komisch rüberkommt. Der Film nimmt sich so ernst, dass scheinbar niemandem aufgefallen ist, dass das Erzählte furchtbar dämlich ist. Keine Ahnung, wer M. Night Shyamalan noch 130 Millionen Dollar in die Hand gibt. Aber hoffentlich war das hier das letzte Mal.

Finger weg von diesem Scheiß.

Regie: M. Night Shyamalan (The 6th Sense, Unbreakable, Signs)

Schauspieler: Will Smith, Jaden Smith, Zoe Kravitz

Bewertung: 

Die Legende von Aang (2010)

Die Legende von Aang

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dreht Filme so spät bei Nacht und Wind?

Es ist M. Night Shyamalan mit seinem „Talent“;

Er hat die Kamera wohl in dem Arm,

Er fasst sie sicher, er macht sich warm.

 

Mein Gott, was birgst du so bang dein Gesicht?

Siehst du denn den Erzählfaden nicht?

Die Geschichte um den legendären Avatar!

Mein Gott, die Filmhandlung ist furchtbar.

 

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Deinen Lieblingscartoon zeige ich dir;

Denn das hier ist die Kinofilmadaption,

In der M. Night Shyamalan-Version.“

 

Mein Gott, verdammt, und hörest du nicht,

Wie jeder Kinderschauspieler spricht?

Weißt du denn nicht, mein armes Kind,

Dass Kinderschauspieler meistens scheiße sind?

 

„Willst, feiner Knabe, du coole Kämpfe sehen,

Die sich zudem um die vier Elemente drehen?

Und die eine Spannung und Dynamik besitzen,

Wie M. Night Shyamlan beim sitzenden Pissen.“

 

Meine Güte, verflucht, und siehst du nicht dort

Furchtbare Spezialeffekte an jedem Ort?

Meine Fresse, ich seh es genau:

Die CGI-Abteilung war wieder mal blau.

 

„Ich liebe dich, vor allem dein Geld macht mich sehr geil;

Und bist du nicht willig, dreh ich noch den zweiten Teil!“

Scheiße, o Scheiße, so tu doch bitte irgendwer irgendwas!

Denn fast jeder vergeht hier vor M. Night Shyamalan-Hass!

 

Dem Zuschauer grauset’s, man tut es im Internet Kund:

Die Legende von Aang ist furchtbarer Schund,

Eine Vergewaltigung der tollen Orignalserie,

Für die ganze Familie.

 

Regie: M. Night Shyamalan (Sixth Sense, Unbreakable, Signs, The Village)

Schauspieler: Noah Ringer, Dev patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Cliff Curtis

Bewertung: 

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

Oblivion (2013)

Heute kochen wir! Man nehme:

  • eine kleine Prise Planet der Affen-Setting
  • zwei Teelöffel The Day After Tomorrow oder wahlweise 2012-Endzeit-Szenario
  • ein wenig Feeling aus I am Legend
  • die Optik aus einem Apple-Store

WICHTIG #1: Auf gar keinen Fall greifbare Antagonisten verwenden! Lieber auf die altbewährten Drohnen setzen, die die bedrohliche Aura einer Waschmaschine versprühen und soviel spannender sind als lebendige „Bösewichte“.Oblivion

WICHTIG #2: Sollte die Menschheit jemals untergehen, so werden Schallplatten und entsprechende Spieler als einzige Medien überleben. Deswegen schon vorher Vorrat mit Lieblings-Platten anlegen. Beachte dabei: offensichtlich brauchen diese keinen Strom.

Die Zutaten vorsichtig verrühren, bis ein wichtiger schwarzer Mann auftaucht, der verdächtig an Denzel Washington in The Book of Eli erinnert. Ist er aber nicht. Es ist nämlich Morgan Freeman, der Léon dem Profi die Brille geklaut hat. Ab hier den bereits im Trailer erwähnten Story-Twist vorsichtig drüberstreuen, weil Menschen heutzutage keine Trailer mehr gucken. Weil dieses „Intranetz“ ohnehin Nischen-Technologie ist. Von jetzt an noch größere Vorsicht beim weiteren Kneten, denn die beiden nervigen wie auch belanglosen Frauenfiguren machen die teigige Masse schnell bitter. Noch sehr viel bitterer: Olga Kurylenko hat keine Nacktszene.

WICHTIG #3: Auf gar keinen Fall zu viel Screentime für Morgan Freeman einplanen, denn keiner mag ihn.

Sollte sich der Story-Teig zunehmend sandig und ziellos färben und die an Star Wars-Spiele der 90er erinnernde Flug-Kampf-Szene zu Ende sein, schnell einen weiteren Story-Twist reinbringen, bis das Interesse des Zusehers wieder steigt. Hier eine Sequenz aus Der Englische Patient untermischen, weil dadurch die Spannung ins Unermessliche steigt und die Zuschauer sonst zu sehr an Moon denken.

Jetzt kann die Pampe in den Backofen. Nach 2 Stunden bei 200°C rausholen und zum Schluss mit Independence Day und 2001 – Odyssee im Weltraum glasieren. Abkühlen lassen. Servieren.

Voilà.

 

Der Film zitiert nicht nur, sondern bedient sich fröhlich aus dem Sci-Fi-Fundus der letzten Jahre und Jahrzehnte. Von 2001 bis Planet der Affen, Independence Day, Total Recall und ganz erheblich vor allem von Moon. Da ist keine einzige originelle Idee dabei gewesen. Ästhetisch ist er. Und ja, am Ende habe auch ich gehofft, Aliens oder was auch immer zu sehen. Dann aber ist widerum die ganze Handlung reichlich konstruiert und Morgan Freeman völlig verschwendet. Kurylenko sieht nett aus, aber beide Frauenfiguren sind irgendwo zwischen nervig und belanglos. Tom Cruise ist sympathisch und der eine oder andere Twist unterhalten tatsächlich, aber trotzdem ist Oblivion, besonders das Finale, überraschend unoriginell.

So stirbt der Film in seiner weißen Touchscreen-Apple-Store-Optik den Designer-Tod. Nett und unterhaltend, aber keiner Erinnerung wert.

 

Regie: Jospeh Kosinski (TRON: Legacy)

Schauspieler: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko

Bewertung: 

 

 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: 

Scary MoVie (2013)

Auch wenn man sich größte Mühe gegeben hat, die ‚5‘ im Titel zu verstecken. Das inzwischen vierte Sequel zu Scary Movie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man zum, nun ja, fünften Mal das Gleiche macht. Die einzige Neuerung sind die Filme, die persifliert werden. Im Vordergrund stehen ‚Paranormal Activity‘ und ‚Mama‘. Weil das aber nicht genügend Material geliefert hätte, werden zudem noch ‚Black Swan‘, ‚Inception‘ und, praktisch völlig zusammenhanglos, ‚Planet der Affen‘ auf die Schippe genommen. Ein paar weitere Anspielungen gibt es dann noch hier wie dort und eine ganze Reihe von prominenten Gastauftritten, die das Geschehen auf 86 Minuten strecken.scary movie 5

Die Handlung ist einfach: Jody Sanders (Ashley Tisdale) und ihr Mann Dan (Simon Rex) nehmen die beiden Töchter von Dans verstorbebnem Bruder unter ihre Fittiche, welche von irgendeinem Dämon besessen sind. Oder so. Bla bla bla, et cetera und so weiter. Gastauftritte haben Charlie Sheen, Lindsay Lohan, Snoop Dogg, Mike Tyson und Mac Miller. Was die da drin zu suchen haben? Kinder in die Kinos locken, mehr nicht. Die dicke mexikanische Haushälterin präsentiert sich im Bikini und hat eine heimliche Liebesbeziehung mit dem Staubsauger. Die eine kleine Göre steckt sich ihre Zahnbürste in den Hintern. Ein Säugling wird in Brand gesteckt. Und der schwarze Geisteraustreiber entpuppt sich als Dieb und Kreditkartenbetrüger. Was womöglich ein wenig rassistisch ist, aber wen kümmert es.

Mein grundlegendes Problem mit ‚Scary MoVie‘ ist, dass man sich tatäschlich die Dreistigkeit herausnimmt, sich beispielsweise über ‚Inception‘ lustig zu machen, dabei aber selbst meilenweit davon entfernt ist, einen ansprechenden Film abzuliefern. So bedient man sich popkultureller Anspielungen, ohne auch nur irgendeine eigene kreative Leistung dazu beigetragen zu haben. Dem Affen aus ‚Planet der Affen‘ wird permanent auf die Fresse gehauen. Das mag dann einmal lustig sein, aber mehr fiel den Verantwortlichen auch nicht ein. Und tatsächlich ist es ‚Black Swan‘, welches hier mit am meisten verarscht wird. Das reine Ballett als Grundlage für Witze zu nehmen spricht ganz klar für den pubertären Humor und die Ausrichtung auf eine Zielgruppe jugendlicher Menschen, die so einen Scheiß total abfeiern.

Zugegeben, auch die vorigen Filme haben schon nichts anders gemacht. Aber bei denen war ich noch jünger und naiver. Das hier ist wirklich von vorne bis hinten dumm und eine Unverschämtheit. Klar, im Suff und mit Freunden kann man sich diese Idiotie geben. Aber wie man auf clevere Art und Weise zitiert beweisen ‚Hot Fuzz‘ und ‚Shaun of the Dead‚, die von vorne bis hinten liebevoll mit den Vorbildern umgehen und zu jeder Zeit vor allem eines sind: lustig. Weil nur weil es dumm ist, nicht zwangsläufig auch lustig sein muss. Außer man ist noch zwölf Jahre alt. Gleiches gilt übrigens auch in die andere Richtung. Lustiges muss nicht dümlich sein. Und entweder waren die Schreiber und Macher noch auf dem geistigen Level von Vorschülern, oder, und das ist der wahrscheinlichere Fall, Scary Movie Episode 5 ist nicht viel mehr als der Versuch, auf schnelle und einfache Art und Weise Geld zu verdienen. Da gucke ich mir lieber zum tausendsten Mal die Nackte-Kanone-Trilogie an. Prost.

Regie: Malcolm D. Lee (Soul Men, Roll Bounce, Undercover Brother)

Schauspieler: Ashley Tisdale, Simon Rex, Erica Ash, Katt Williams

Bewertung: 

Godzilla (1998)

2014 steht, 16 Jahre nach Roland Emmerichs Verwurstung, der nächste Reboot des Franchises an. Dabei hat die arme, missverstandene Echse seit ihrer Geburt 1954, damals noch in Schwarz-Weiß, eine ganze Menge durchgemacht. Dass Godzilla selbst im Originalfilm schon starb, scheint aber niemanden großartig gestört zu haben. Dutzende Monsterstreifen folgten. Unter anderem gegen Mothra und sogar King Kong zog das Produkt des atomaren Schreckens zu Felde. Damals übrigens mit dem besseren Ende für King Kong (Skandal!). In den 90ern war jedes Wochende auf Kabel 1 Monsterfilm-Zeit! Doch wer hätte ahnen können, dass erst Roland Emmerich kommen musste, um Godzilla im westlichen Raum den Todesstoß zu versetzen. Aber hey, in Hollywood ist niemand wirklich tot (Ellen Ripley, Spock, Michelle Rodriguez sogar doppelt in Resident Evil und Fast & Furious) und so werden wir bald den nächsten Anlauf sehen.godzilla

Die Geschichte ist so einfach wie banal. Ein durch eine Atombombe in die Größe geschossener Kaltblüter fällt über eine Großstadt, in diesem Falle New York, her. Dabei ist die einzige Hoffnung Dr. Niko Tatopoulos (Matthew Broderick) und seine Ex Audrey (Maria Pitillo). Mit an Bord zudem Kameramann Victor (Hank Azaria) und der französische Agent Philippe (Jean Reno). Dabei entpuppt sich nicht Godzilla als das einzige Problem, sondern auch der schuppige Nachwuchs.

In Zeiten vor 9-11, als man noch ruhigen Gewissens New York in Filmen zerstören durfte, regt vielleicht das Redesign am meisten auf. Wer Godzilla aus den japanischen Filmen kennt, wird das Monster hier kaum wiedererkennen. Dafür sieht es einfach zu sehr nach Dinosaurier-Verschnitt aus. Aber nun gut, im alten Format konnte Godzilla noch nicht sehr schnell rennnen und es wohl kaum mit der ausgeklügelten amerikanischen Militärtechnologie aufnehmen. Vielmehr das größere Problem sind die völlig belanglosen menschlichen Protagonisten, die außer Jean Reno alle völlig kanten- wie belanglos sind. Matthew Broderick ist so eine Art Loser, der sich zum großen Rächer aufschwingt. Er ist zwar schlau, hat aber auch nie wirklich Zeit, sich als der große Held zu profilieren. Viel zu hektisch geht es von einer Verfolgung zur nächsten, viel zu wenig Zeit bleibt für gescheiten Dialog. Seine Ex ist irgendwo zwischen dümmlich und nervig und ihr Kollege einfach nur blöd. Dabei sind in Roland Emmerichs 140-minütigem Spektakel die Franzosen die wahren Helden und Retter New Yorks, weil das amerikanische Militär reichlich dämlich handelt.

So wie sich die Menschheit durch ihre Atomtests das Problem selbst eingebrockt hat, fiebert man niemals wirklich mit den ganzen Leuten mit. Die Spitze der Antipathie stellt der New Yorker Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) dar, der mit jedem Satz das Arschloch heraushängen lässt. Schade ist dann, dass der eigentliche Held Godzilla sehr wenig Screentime bekommt. Dabei geht der Film mit dem Echsen-Nachwuchs einen erstmal interessanten Weg, der sich jedoch als inspirationsarmer Jurassic Park-Abklatsch entpuppt.

So plätschert der Film über zwei Stunden vor sich hin. Am Ende hat man sogar ein wenig Mitleid mit dem Untier, das hier als einzigstes so etwas wie Emotionen transportiert. Trotz seines Alters sehen die Effekte tatsächlich noch gut aus und der Soundtrack ist großartig (Green Day, Rage Against The Machine, Jamiroquai, Foo Fighters, Puff Daddy). Das wars dann aber auch. Alteingesessene Godzilla-Fans werden enttäuscht sein und alle anderen finden auch nicht viel Gutes. Natürlich erwartet man von Roland Emmerich nicht viel mehr als ein unterhaltsames Action-Filmchen, aber ‚Cloverfield‘ hat beispielsweise gezeigt, wie man einen guten Monster-Streifen hinbekommt, der einen fesselt und einem nicht wie ein belangloser Hollywood-Blockbuster erscheint. Ob das Reboot 2014 einen besseren Weg einschlägt, muss sich zeigen. Die älteren japanischen Puppen-Godzillas sind aber immer noch unerreicht.

Regie: Roland Emmerich (Independence, Stargate, 2012, The Day After Tomorrow)

Schauspieler: Matthew Broderick, Jean Reno, Hank Azaria

Bewertung: 

Dredd (2012)

Man stelle sich vor, ein einbeiniger Mann ohne Gleichgewichtssinn und mit Schaum vor dem Mund versucht, humpelnd, einem die Zehennägel mit einer Kettensäge zu schneiden. Auf einem wackeligen Floß mitten im reißendsten Strom. Während sein Kopf in Flammen steht. Dann hat man ungefähr eine Vorstellung vom Einfühlungsvermögen von Judge Dredd (Karl Urban). Der hat trotz seines Namens vermutlich weder das erste noch das zweite Staatsexamen abgelegt und wohl auch noch nie eine Richter-Robe getragen. Trotzdem weist der Mann einen einfachen wie effektiven Gerechtigkeitssinn auf: Wer gut ist, darf leben. Wer Böses treibt, wird gnadenlos hingerichtet. Willkommen in der Zukunft, Motherfucker!Dredd

Irgendwo in der futuristischen Stadt Mega City One mit abermillionen Einwohnern bleibt keine Zeit für zeitaufwendige Gerichtsverfahren und Verhaftungen. Die Judges, die so eine Mischung aus Polizei, Richter, Henker, Detektiv und SWAT-Einsatzkommando darstellen, patrouillieren durch die Straßen und haben dabei mehr als genug zu tun. Dem erfahrenen Judge Dredd wird der Neuling Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) zugeteilt. Diese hat zwar die etwaigen Prüfungen nicht bestanden, verfügt aber über paranormale Kräfte, die im Kampf gegen den Abschaum der Stadt nützlich sein können und werden. Als das Duo in einem Hochhaus eine Dealerbande aushebt, die mit der neuen Droge SLO-MO handelt, werden sie von der Bandenchefin Ma-Ma (Lena Headey) in dem Wolkenkratzer eingesperrt und müssen sich den Weg freikämpfen.

Und das ist die Handlung. Wer sich an ‚The Raid‚ erinnert fühlt, liegt gar nicht mal so falsch. Nur ist das hier die amerikanische Sci-Fi-Version davon. Anstatt krassem Martial Arts bekommt man stattdessen eine bleihaltige Gewaltorgie sondergleichen. Und mit Gewalt ist hier nicht „Peng Peng“ gemeint. Judge Dredd ballert jedem zweiten Schurken in Zeitlupe durch das Gesicht, überall spritzt und spratzt und klebt das Blut. Ohne den Film in 3D gesehen zu haben, behaupte ich einfach mal, dass sich die 3D-Effekte durchaus gut anfühlen sollten. Überhaupt ist der dreckige futuristische Look sehr sehenswert und macht ‚Dredd‘ zu einem stylischen Streifen.

Wer sinnlose Gewalt überhaupt nicht sehen kann, sollte hier auch gar nicht erst reinschauen. Wenn Menschen aus 200 Metern Höhe geworfen werden, dann wird nämlich auch gezeigt, wie sie in Zeitlupe aufkommen, während ihr Gehirn auf dem Bordstein verteilt wird. Das ist eklig, aber auch realistisch. Vermutlich. Zumindest in diesem brutalen Kontext. Und mehr als einmal bin ich zusammengezuckt, als beispielsweise schon wieder einer armen Sau das Gesicht weggeballert wurde. Ob dieses hohe Maß an Gewalt unterhält, sei jedem selbst überlassen. Mir hat es tatsächlich gefallen. Dabei ist ‚Dredd‘ von vorne bis hinten nie intelligent oder gehaltvoll. Das kann man aber verschmerzen, weil der Film sich konsequent an seine Linie hält und an keiner Stelle versucht, mehr zu sein, als er ist, nämlich ein flacher und geradliniger Action-Streifen. Gerade im Bezug auf das kürzlich erschienene ‚Total Recall‚-Remake macht ‚Dredd‘ als Neuverwurstung vieles richtig, vor allem was die Effekte und Schauwerte angeht.

Karl Urban in der Hauptrolle und mit Helm zeigt dabei nur seinen Mund. Und das fand ich schon ziemlich stylisch. Zumal seine Mundwinkel nur zwei Positionen kennen: Entweder nach unten gezogen oder noch sehr viel weiter nach unten gezogen. Dabei ist er so unheimlich entmenschlicht und maschinenartig, dass man sich zwangsläufig an ‚RoboCop‚ erinnert fühlt. Gott sei Dank gibt Judge Dredd dann auch einfach mal nichts von sich preis. Nur, dass er tierisch angepisst ist. Dafür hat er dann ein ganzes Hochhaus voll mit Bösen, um sich abzureagieren. An seiner Partnerin könnte man sich womöglich hier und da ein wenig stören, allerdings beweist sie gerade zum Ende hin echte Nehmerqualitäten und gibt dem Film noch so ein wenig optischen Schauwert und tatsächlich auch ein ganz kleines bisschen Inhalt. Aber keine Sorge, nur ganz wenig. Und die böse Mutti ist jetzt nicht wirklich eine ernstzunehmende Gegenspielerin, doch vermutlich würden sich selbst Bane und Freddy Krueger vor Angst in die Hose machen, wenn sie gegen Judge Dredd antreten müssten.

Es bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ihr mögt Action und könnt ohne Handlung und Dialoge leben? Bitteschön, ‚Dredd‘ ist einfach, brutal und brachial. Und optisch absolut cool anzusehen. Wer aber schon von Michael Bay-Filmen angewidert wird, der sollte sich den Ausflug nach Mega City One sparen. Schließlich ist es auch mal ganz schön, sich die Fußnägel gemütlich mit einer einfachen Nagelschere zu schneiden und auf den brennenden Kettensägen-Typen zu verzichten.

Judge Dredd: Judgement time.

 

Regie: Pete Travis (8 Blickwinkel, Endgame)

Schauspieler: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey, Wood Harris

Bewertung: 

Sieben (1995)

Eines muss man den 90ern auf alle Fälle zu Gute halten. Neben dem ganzen Techno-Blümchen-Quatsch gab es eine große Anzahl guter Thriller: ‚Das Schweigen der Lämmer‘, ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ‚L.A. Confidential‘ und ‚Mission Impossible‘. Tja, und natürlich ‚Sieben‘. Wer noch nie etwas von David Finchers Meisterwerk gehört hat, dem sei gesagt, dass es nicht um sieben Zwerge oder Geißlein geht, sondern um ziemlich brutale Morde. Aus irgendeinem Grund werden solche Filme heutzutage kaum noch gemacht. Weiß der Geier, wieso. Vielleicht waren aber auch die 90er ein magisches Jahrzehnt, indem man noch gute Geschichten erzählt bekam. Oder das Krimigenre ist einfach zur Gänze ins TV abgewandert und nennt sich nun CSI oder Law & Order und dergleichen…Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) wird zum bald in Rente gehenden Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) zugeteilt. Die beiden gehören dem Morddezernat irgendeiner amerikanischen Großstadt an und bekommen gleich am ersten Tag eine ziemlich übel zugerichtete Leiche vorgesetzt: Ein dicker Mann wurde offensichtlich solange vollgestopft, bis sein Magen geplatzt ist. Nachdem am nächsten Tag der nächste Ermordete auftaucht, neben ihm die Inschrift „Habgier“ und bei der ersten Leiche auch noch der Schriftzug „Maßlosigkeit“ gefunden wird, ist klar, dass es sich um eine Mordserie handelt. So spielt sich die Handlung innerhalb einer Woche ab und die beiden Cops müssen sich an den kleinen Spuren des Täters entlanghangeln, der offensichtlich in seinen Aktionen die sieben Todsünden darstellen will.

‚Sieben‘ ist trotz der grausig zugerichteten Opfer kein Splatter-Film. Natürlich ist das nichts für Kinder, aber die Gewalt erfüllt ihren erzählerischen Zweck. Dabei schafft es der Krimi, eine tatsächlich sinnvolle wie auch nachvollziehbare Detektivgeschichte zu erzählen, die in einem überwältigenden Finale einem lange im Gedächtnis bleibt. Mehr will ich nicht verraten, aber selten hat mich das Ende eines Films mehr mitgenommen. Und das ist auch gut so. Heutzutage sieht man viel zu oft dahingeschluderte Twists, die so rein gar nicht in die Handlung passen wollen oder plumpe Endfights zwischen dem Bösen und dem Guten. So packt ‚Sieben‘ einen, gelinde gesagt, ziemlich bei den Eiern.

Nicht zu vergessen ist das Cop-Duo aus Pitt und Freeman, die anfangs so rein gar nicht zusammenpassen wollen. Einerseits weil der alte Summerset durch seinen Job ein ziemlich unsympathischer Sack ist und andererseits weil Mills als junger Gesetzeshüter wie ein überhebliches Greenhorn daherkommt. So werden die beiden im Verlauf der Woche zusammengeschweißt und entwickeln sich tatsächlich. Und dadurch gewinnt das Duo dann auch beim Zuschauer an Sympathie.

Doch keine guten Helden ohne anständigen Antagonisten. Und gerade in ‚Sieben‘ gibt es keinen dummen Mörder, sondern einen cleveren und ebenbürtigen Gegenspieler, der zu keinem Zeitpunkt für den Zuseher berechenbar erscheint. Das ist eine große Leistung, denn auch wenn der Killer nie ein Sympath ist, so handelt er an keiner Stelle undurchdacht und macht das Finale so nochmal eine Spur smarter.

Überhaupt fügt sich ziemlich alles im Film gut zusammen. David Fincher, dem mit Alien 3 zugegebenermaßen kein gutes Erstlingswerk geglückt ist, hat dafür mit ‚Sieben‘ einen genialen und unterhaltsamen Thriller hinbekommen, der düster und packend eine wirklich geile Geschichte erzählt. Fincher hat einfach einen eigenen Stil, Filme zu machen, den man in jedem seiner Filme erkennen kann. ‚Verblendung‘ und ‚Fight Club‘, aber auch ‚The Social Network‘ und ‚Benjamin Button‘ sind allesamt in einem düsteren Ton gehalten.

Die 90er sind vorbei und mir fällt persönlich niemand ein, der irgendwas heutzutage im Stile von ‚Sieben‘ macht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, so bleibt die zweistündige Jagd auf einen nach der Bibel mordenden Psychopathen umso einzigartiger.

Regie: David Fincher (Fight Club, Verblendung, The Social Network, Benjamin Button, Zodiac)

Schauspieler: Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow

Bewertung: 

 

Nitro Circus 3D – Der Film (2012)

Warum nicht einfach mal mit einem Dreirad vom Dach eines hundert Meter hohen Gebäudes in Panama springen? Auf das Dach des Nachbarhauses, schön in einen Haufen von Pappkartons und mit dem beklemmenden Gefühl, dass eine Unachtsamkeit oder ein falsches Zucken zu einem vorzeitigen Ableben führen könnten. Wer sowas für Unfug oder gar Zeitverschwendung hält, der braucht sich ‚Nitro Circus 3D‘ nicht anschauen, denn sehr viel sinnvoller werden die Stunts nicht. Dafür lässt die Crew um Travis Pastrana die Jackass-Bande wie einen Haufen dämlicher Amateure aussehen. Auch wenn das nicht unbedingt schwer ist, schließlich basierte das Jackass-Format auf der Blödheit des Gezeigten.

Nitro Circus kennt man womöglich durch MTV. Dort lief die Serie in zwei Staffeln sehr erfolgreich, zumal dort ziemlich coole Sachen gezeigt wurden. Gerade weil die Protagonisten allesamt Profis auf ihren Gebieten sind. So ist Travis Pastrana der leibhaftige Motocross-Gott und der Rest nicht (sehr viel) minder begabt. Natürlich gibt es mit  Streetbike Tommy einen ziemlich dicken Anhang, der nicht viel mehr macht, als böse auf die Fresse fallen. Hier gibt es dann spürbare Überschneidungen mit Jackass, doch die meiste Zeit bleibt man auf einem höheren Niveau. Interessant ist dennoch, dass Johnny Knoxville für Nitro Circus als Produzent agiert. Wenn dann jedoch irgendwo die Titelmelodie des Nitro-Zirkus ertönt, dann weiß man, dass man als Fan der Jungs und des Mädels richtig ist.

Man braucht nicht lange drüber rumrätseln. Wer Nitro Circus mag, wird den Film sicherlich auch gut finden. Er ist eben wie eine ausgedehnte Episode im TV und sogar eine Art Handlungsstrang wird aufgebaut. Denn vor der Truppe steht der finale Auftritt in Las Vegas, was als die ultimative Challange dargestellt wird. Und hier kommt auch schon mein erster Kritikpunkt zum Tragen: Die Art und Weise, mit der die Aktionen hochstilisiert werden, ist so dermaßen unpassend und amerikanisch und passt eigentlich so gar nicht zum eher debilen Charakter der Fernsehsendung. Da sitzen dann erwachsene Männer und reden über ihren Drang, Freiheit zu spüren und sich zu beweisen. Doch jeder 5-jährige wird wissen, dass die Aktionen zwar cool sind, doch nichts wirklich Tiefgründiges bieten. Hier nervt der Film ein wenig. Noch viel schlimmer empfinde ich aber die Interviews mit Leuten wie eben Johnny Knoxville oder Channing Tatum, die immer wieder eingestreut über das Nitro Circus-Team orgasmieren. So gibt es zwar Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Stunts, dafür verkommt der Film dann aber stellenweise zu einem Werbefilm. Und das nervt. Es gibt ohnehin schon genug Werbung für Zuckerwasserhersteller auf allerhand Caps und wir sehen doch als Zuschauer, dass die Typen krasse Aktionen machen. Da braucht niemand noch irgendeinen Kerl, der einem erzählt, dass das krasse Aktionen sind.

Tatsächlich wird sogar gezeigt, wie sich Jim DeChamp bei einem Stunt fasst das Rückgrat bricht, doch eine Reflexion oder gar kritische und hinterfragende Gedanken gibt es nicht. Und das zeigt, dass es bei all der Coolness und Abgedrehtheit doch an ein wenig Grips mangelt, um hier villeicht ein wenig mehr Tiefgang zu erreichen. Das ist aber dann auch wieder nichts, was einen eingefleischten Fan stören dürfte. Sehr viel nerviger ist dafür jedoch die deutsche Synchronisation, die auf allen Ebenen furchtbar geworden ist. Selbst wenn man kaum Englisch spricht, empfehle ich die originale englische Fassung. Sehr viel an Dialog verpasst man ohnehin nicht.

Und das wars. Wer Nitro Circus mag, wird hier unterhalten werden. Das ist keine Straftat und auch ich habe mich die meiste Zeit amüsiert. Die Serie finde ich trotzdem besser, einfach weil da die Stunts mehr im Vordergrund stehen. Man sollte auf jeden Fall jedoch einen großen Bogen um Travis Pastrana und co. machen, wenn einem die Aktionen so rein gar keinen Spaß bereiten. Denn dann gerät Nitro Circus 3D schnell in eine 90-minütie Tortur. Mit Werbung. Für sich selbst.

Regie: Gregg Godfrey, Jeremy Rawle (die Regisseure der Serie)

Schauspieler: Travis Pastrana, Jolene Van Vugt, Tommy Passemente, Jim DeChamp, Erik Roner, Greg Powell

Bewertung: 

Zorn der Titanen (2012)

Man stelle sich vor, man mischt ‚Schindlers Liste‘ mit ‚Star Wars‘ und ‚American History X‘. Ach ja, und eine kleine Prise von Eddie Murphy gehört da natürlich auch noch rein. Dazu kommt ein antikes griechisches Setting. Und voilà, fertig ist die zweite Verwurstung rund um Perseus (Sam Worthington) und seinen paarungsfreudigen Vater Zeus (Liam Neeson). Allerdings ist es ähnlich wie beim Genuss alkoholischer Getränke: Nur weil man den edelsten Whiskey mit dem edelsten Wodka mischt und dazu einen Hauch guten Rums hinzugibt, wird daraus nicht gleich ein trinkbares Gesöff. Oha! Hades (Ralph Fiennes) komplettiert dann noch die Götter-Soap-Opera und stellt als (anfänglicher) Antagonist die Beziehung zu ‚Schindlers Liste‘ her. Wer noch weiß, worum es genau im ersten Teil des Titanen-Epos (ohne Titanen) ging, dem sei an dieser Stelle größtmöglicher Respekt entgegengebracht, weil die Schauspieler und Autoren es selber die meiste Zeit nicht genau wussten. Aber wie denn auch? ‚Kampf der Titanen‚ war eine Aneinanderreihung von krude zusammengeschusterten Szenen mit beliebiger Reihenfolge und gleichgültigen Charakteren. Da gibt es für Teil 2 also viel Verbesserungspotential. Zumal rein optisch der erste Film durch die nachträgliche 3D-Bearbeitung dermaßen übel aussah teilweise, dass selbst die Augsbuger Puppenkiste im Vergleich dazu photorealistisch wirkt.

Die Handlung ist einfach wie bescheuert: Hades und Zeus‘ Sohn / Kriegsgott Ares (Édgar Ramírez II) wollen Kronos befreien, der der Vater der Götterbrüder ist. Hades tut das, weil er ein Arschloch ist. Ares, weil er sich von seinem Daddy vernachlässigt fühlt, da der lieber mit Perseus abhängt. Als dann ziemlich schnell Poseiden (Danny Huston) ins Gras beißt, zieht Perseus mitsamt dem Sohn des Meeresgottes, Agenor (Toby Kebbell), und Andromeda (Rosamund Pike, im Film zuvor noch gespielt durch Alexa Davalos) los, um Big Daddy Zeus den Arsch zu retten. Agenor ist dabei der weiße Edde Murphy der Antike, der zwar nicht unbedingt viel redet, doch meistens nur Scheiße von sich gibt. Andromeda soll so eine Art Love-Interest am Ende darstellen, doch auch sie ist nie sonderlich nett anzuschauen noch gibt sie einen gescheiten Satz von sich. Genauso ergeht es übrigens Perseus, der so viel Charisma hat wie eine Waschmaschine. Der Rest ist dann so dermaßen undurchdacht, dass selbst Ralph Fiennes und Liam Neeson die Sache nicht mehr retten können. Und dann ist da ja auch noch Kronos.

Der Ur-Gott wird am Ende (wenig überraschend) befreit. Er ist mehr oder weniger ein menschlicher Vulkan, der die Leute anbrüllt. Sehr viel mehr macht er nicht. Außerdem bewegt sich diese mächtige Kreatur, als ob ihm seine Beine eingeschlafen wären. Das ist aufgrund der langen Auszeit vermutlich auch nicht verwunderlich, doch es ist erschreckend, dass das, was einem als der ultimative Endboss und Göttervernichter verkauft wird, sich nach einer kurzen Überlegung als ziemlich überflüssiger Spezial-Effekt entpuppt. Man hat versucht, die dämliche Krake aus Teil 1 zu toppen und ist fürchterlich gescheitert. Zusätzlich fliegt auch hier wieder Perseus auf dem Rücken des (schwarzen) Pegasus auf das Vieh zu, um es zu vernichten. Womit wir bei der Star Wars-Anleihe sind. Aus einem mir nicht erfindlichen Grund fliegt unser tollkühner wie krasser Held mit seinem krassen Pferdevieh und dem Stab der krassen Coolness, der alles und jeden derbe krass kaputtmacht, in den Rachen von Kronos und somit irgendwie in sein Verdauungssystem, um das Teil dann zu werfen. Wer hier nicht unweigerlich an die Vernichtung des ersten Todessterns durch Luke Skywalker denken muss, hat leider einmal weniger zu lachen.

Kurz zuvor musste dann noch Perseus gegen Ares kämpfen. Hier gibt es die Anleihe zu ‚American History X‘, denn der Kriegsgott haut mit dem Fuß dem Guten in ähnlicher Manier wie einst Edward Norton ordentlich auf den Schädel. Das scheint unserem Kämpfer aber nicht viel auszumachen. Daraus ergibt sich auch das mit Abstand größte Problem des Films: Man weiß nie, wie mächtig die ganzen Idioten darin sind. Warum sollte ich mitfiebern, wenn Perseus offensichtlich unsterblich ist? Dann widerum sind die Götter plötzlich allesamt sterblich, oder auch wieder nicht. Plötzlich kämpfen Zeus und Hades mit, sehen dabei aber eher aus wie zwei verkappte X-Men, die sich ins Dragonball-Universum verirrt haben.  Diese brüderliche Geschichte über Betrug, Verrat und Vergebung entbehrt ohnehin jeglicher Logik und scheinbar hätte eine Aussprache bei einer beliebigen Talkshow den ganzen Film verhindert.

Die ganze Triebkraft hinter Perseus‘ Schaffen soll übrigens sein Sohn Helios sein. Dafür nimmt sich der Film 2 Sätze und eine Minute Zeit, um zu zeigen, wie dolle Perseus seinen Sohnemann liebt. Wenn dann noch auf die Schnelle eine Liebesbeziehung am Ende zu Andromeda dahergezaubert wird, kann man sich ziemlich sicher sein, dass hier nichts mehr zu retten ist. Was da teilweise für Logiklöcher drin sind. Hephaistos (Bill Nighy) bringt unser Heldentrio in ein Labyrinth, das extra als ein unüberwindbares Hindernis präsentiert wird, für welches man Wochen braucht. Nach einem wenig überraschenden Auftritt des Minotaurus allerdings gehen wir noch um eine Ecke und sind plötzlich da. Und natürlich wird die Karte dem Dummbatzen in die Hand gedrückt, damit er seine zwei bis drei „Wir haben uns bestimmt nicht verlaufen!“-Witze abdrücken kann.

Ich glaube nicht einmal, dass der Film unbedingt dumm ist. Es ist nämlich noch sehr viel schlimmer: ‚Zorn der Titanen‘ ist ein fauler Haufen Dreck ohne auch einen Funken Liebe oder Ambition. Niemand macht sich die Mühe, Nachvollziehbarkeit zu erzeugen. Es wird versucht, dem Zuschauer Effekt um Effekt entgegenzuwerfen auf banale wie dämliche Art und Weise und mit dutzenden von Schauplätzen, ohne auch nur eine sinnvolle Verknüpfung herzustellen. Wir haben genug vom Labyrinth nach einer Minute? Bitte dort entlang, der zweite Gang rechts geht gleich raus zu Zeus. Wir können den kilometerhohen Kratos nicht gegen normale Menschen kämpfen lassen? Kein Problem, er hat noch ein Rudel dunkler Monster mit mehreren Torsos parat, damit Rosamund Pike auch noch was zu tun bekommt. Die Zielgruppe langweilt sicht? Schnell, noch einen flachen Witz reingebaut.

Ich wundere micht nicht, dass so ein Quatsch aus Hollywood kommt. Schließlich sind das alles Firmen, die Geld verdienen wollen und das auch recht erfolgreich tun. 150 Millionen Dollar Investition sind ein lohnenswertes Risiko, wenn man nichtsdestotrotz 300 Millionen am Ende wieder rausbekommt. Viel trauriger ist, dass hier erfolgreich den Leuten dank 3D recht viel Geld aus der Tasche gezogen wird für ein offensichtlich minderwertiges Produkt. Wobei natürlich Trailer wie Optik nur Fassade für die schreckliche und traurige Wahrheit sind. Das ist, als ob man ein edles Auto kauft, weil es geil aussieht. Doch dann beim Fahren entpuppt sich der Motor als ein aus einem Trabant geklautes Schrottteil, das nach 5 Minuten bereits den Geist aufgibt. Am Ende ist es aber wieder wie mit den ganzen ‚Resident Evil‘-Filmen. Solange genug Leute reingehen, wird auch noch viel mehr hinterherkommen, zumal das Ende hier einen Nachfolger verspricht.

Vergesst ‚Zorn der Titanen‘. Verzeiht den Schauspielern, dass auch sie irgendwie ihr Geld verdienen müssen (die armen Schlucker). Lest euch lieber die realen Göttersagen durch. Die sind nicht viel sinnvoller, aber da gibt es wenigstens Sex am laufenden Band, Zeus sei Dank. Und hofft darauf, dass die nächste Gurke dieser Art dem Franchise den Todesstoß versetzt. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Regie: Jonathan Liebesman (World Invasion: Battle LA, Texas Chainsaw Massacre: The Beginning)

Schauspieler: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Rosamund Pike, Bill Nighy, Danny Huston

Bewertung: 

Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)

Dieses kleine und inzwischen doch recht betagte Filmchen gehört leider zu der Sorte, die man hierzulande nur arg geschnitten vorfindet. Wenn Kabel 1 den Streifen ausstrahlt, dann sind ein gutes halbes Dutzend Todesszenen entfernt, was den einen oder anderen Kampf arg bescheuert aussehen lässt. Gerade noch werfen sich die Kontrahenten Todesdrohungen an den Kopf, einen Schnitt weiter liegt einer der beiden röchelnd am Boden. Und die ungeschnittene DVD-Fassung ist leider eine Seltenheit. Aber im Gegensatz zu seinen anderen totgeschnittenen Kollegen (‚Born 2 Die‘ zum Beispiel) hat ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ noch sehr viel mehr zu bieten. Und damit ist nicht die klischeehafte deutsche Synchroniastion gemeint.

Auch die Geschichte ist reichlich einfach und ja, ein wenig blöd: Chien Fu (Jackie Chan) ist der Prügelknabe und Abfalleimer in einer Kung Fu-Schule und kann selber so rein gar nicht kämpfen. Eines Tages taucht ein alter Mann (Siu Tien Yuen) auf, der sich als Großmeister Pai Cheng-Tien herausstellt, welcher widerum Anführer einer Untergrundgruppe ist, deren Mitglieder der Reihe nach von der Obrigkeit eliminiert werden. Besagter Greis bringt unserem Helden die Künste des Schlangen-Kung Fu bei, böse Buben bzw. die Vertreter des Adler-Kung Fu tauchen auf und trachten den beiden nach dem Leben und so weiter. Im Grunde ist die ganze Story keines Gedankens wert, denn noch flacher geht es kaum. Da taucht dann noch ein völlig unnötiger christlicher Missionar auf, der sich zum Schluss als böse herausstellt. Und im finalen unnötigen Twist ist dann noch ein Kerl plötzlich Antagonist. Das ist dann einfach nur Trash.

Nichtsdestotrotz zähle ich die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘  zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Das liegt in erster Linie an den coolen Kampf- und Trainingszenen und zum anderen an einem einzelnen Lied. Oxygène II von Jean Michel Jarre. Ich habe noch nie einen passenderen Track für einen Trainingszusammenschnitt gesehen. Da erreicht der Film einen Charme, dem ich mich einfach nicht mehr entziehen kann. Gleichzeitig trägt einfach noch Jackie Chan mit all seinen Skills sein Übriges dazu. Er lässt selbst die simpelste Dehnübung wie krasses Kung Fu aussehen. Und selbst wenn der Film mit seiner Handlung cheesy ist, die dargebotenen Kämpfe und Bewegungen sind echt. Das zeichnet ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ aus.

Mich hat der Film in meiner Kindheit sehr beeindruckt. Und selbst heute noch kann ich ihn mir ansehen. Verdammt, ich habe ihn vermutlich schon ein dutzend Mal gesehen. Man sollte Jackie Chan eben nicht wegen ‚Rush Hour‚ und dergleichen in erster Linie kennen, sondern durch seine alten Kung Fu-Filme. Zu nennen wäre da auch noch ‚Drunken Master‘, der fürchterlicherweise hierzulande zu ‚Ein Halleluja für 2 Schlitzohren‘ verstümmelt wurde. Ganz im Gegensatz zu dem ganzen seelenlosen Hollywood-Zeug von Brett Ratner haben diese Frühwerke aus China einen großartigen Charme und die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ ist eine Perle der damaligen Zeit. Klar, wer hier auch nur im Entferntesten Handlung oder Dialoge erwartet, steht auf verlorenem Posten. Doch wem die choreografierten Kämpfe Spaß bereiten, den entlässt der Film auch mit dem guten Gefühl, dass man wahren Meistern bei ihrer Kunst beigewohnt hat. Dass Kampfsportler auch heutzutage keine guten Filme im eigentlichen Sinne machen, zeigen Jet Li und Tony Jaa, ja sogar viel zu oft Jackie Chan selbst, zur Genüge.

Regie: Woo-ping Yuen (Drunken Master, Kampfchoreografie für Tiger & Dragon, Matrix, Kill Bill)

Schauspieler: Jackie Chan, Siu Tien Yuen, Jang Lee Hwang, Chi Ling Chiu

Bewertung: 

 

Spawn (1997)

Der Zahn der Zeit nagt an alles und jedem. Außer natürlich an Tom Cruise und Keanu Reeves. Manch ein Computerspiel schafft es, trotz seines Alters immer noch gut spielbar zu sein, beispielsweise die ersten Teile von Sim City. Gleichzeitig würde ich aber nur sehr ungern noch einmal einen Fifa-Teil aus den 90ern spielen müssen. Man ist einfach bessere Grafik und ein inzwischen doch sehr viel besseres Gameplay gewohnt. Bücher haben solche Probleme oft nicht. Außer natürlich diverse sprachliche Hürden, die rein zeitlich gesehen viel seltener auftreten. Goethe ist auch heute, hunderte Jahre später, gut les- und verstehbar. Man muss sich da eben nicht auf irgendwelche Grafik-Engines stützen, die alle paar Jubeljahre durch eine neue ersetzt werden. Filme liegen im Bezug auf ihre Halbwertszeit irgendwo zwischen Spiel und Buch, haben aber auch gerade aufgrund der in den letzten 20 Jahren immer häufiger verwendeteten Special Effects, die besser und billiger werden, durchaus Probleme. Vor allem, wenn ein Film wie ‚Spawn‘ 1997 noch ganz am Anfang der Zeit der Computertricks steht.

Was ich damit sagen will, ist, dass ‚Spawn‘ furchtbar aussieht. Nicht an jeder Stelle, aber der Teufel in der Hölle, der als eine Art Drachen-Lava-Monster daherkommt, könnte Original aus dem Spiel ‚Minecraft‘ entspringen. Die Maske des Helden in verbrannter Menschenform ist auch nach damaligen Maßstäben nicht gut. Allerdings muss ich zugeben, dass der meterlange Umhang von ‚Spawn‘ hier und da auch heute noch ansehnlich ist, wie er da computeranimiert durch die Nacht weht. Kurz darauf aber sehen wir ein Höllenmonster, dass alles Optische wieder unheimlich abwertet. Das wäre im Grunde ja auch verkraftbar, wenn der Film noch genug anderes Erinnerungswürdiges bieten würde. Und das tut er eben nicht.

Al Simmons (Michael Jai White) ist eine Art Agent. Er will jedoch aussteigen, denn er hat Gewissensbisse und möchste seine Frau Wanda (Theresa Randle) nicht weiter belügen. Sein zwielichtiger Chef Jason Wynn (Martin Sheen) schickt ihn auf eine letzte Mission nach Nordkorea, wo irgendeine Bio-Waffen-Fabrik vernichtet werden muss. Allerdings wird Al hintergangen und umgebracht. In der Hölle nimmt er jedoch das Angebot des Minecraft-Teufel-Drachen an, auf die Erde zurückzukehren. So kann er seine Frau noch einmal sehen, muss im Gegenzug jedoch die Armee des Unterweltfürsten anführen, die scheinbar bald die Erde überfallen soll. So weit, so schon ziemlich flach. Auf der Oberfläche angelangt, ist Al nun zu ‚Spawn‘ geworden, einem Superhelden mit einem Anzug, der seine Form verändern kann. An seiner Seite ist ein fetter Clown (John Leguizamo), dessen Haupfaufgabe im Machen von anzüglichen Witzen besteht. Das kann ich auch:

Penis!

Aber selbst mit einer riesengroßen Retro-Brille kann man dem Film nicht viel abgewinnen. Michael Jai White ist erschreckend schlecht und sogar Martin Sheen wirkt geradezu gedanklich abwesend. Das Drehbuch ist fürchterlich unkreativ und konfus. So taucht beispielsweise auch noch eine Art Trainer auf, inklusive einem Trainingszusammenschnitt. Noch mehr Klischee geht im Grunde nicht. Selbst 1997 kann das nicht mehr innovativ gewesen sein. Der Typ, den Martin Sheen spielt, lässt sich einen Apparat implantieren, der die Welt vernichtet, wenn sein Herz stehen bleibt. Noch blöder geht es nicht. Interessanterweise kostet es Spawn zwei Handbewegungen, um besagte Apparatur schmerzfrei wieder zu entfernen. Frei nach Uri Geller:

Stop! This trick is too dangerous!

Überhaupt wirkt alles sehr lieblos zusammengeschustert. Eine rote Handlungslinie sucht man vergebens. Und so plätschert die ganze Geschichte in ein schlecht animiertes Finale, das so plump und traurig ist, dass es einen nicht einmal mehr überrascht. Wer sich mal ein wenig amüsieren möchte, darf hier gerne mal reinschauen. Ansonsten gelten die Spawn-Comics als gut und auch als eigentlich unverfilmbar. Gerade in der heutigen Zeit gibt es diverse bessere Helden-Verwurstungen, die zudem besser aussehen. Zwar ist ‚Spawn‘ mit damals 40 Millionen Dollar Budget ein billiges Film-Projekt gewesen, aber selbst der Ghost Rider wirkt im Vergleich wie ein guter Streifen mit überragenden Darstellern. Und so gerät ‚Spawn‘ verdientermaßen in Vergessenheit, so wie auch die Karriere von Michael Jai White. Zum Glück ist Martin Sheen unbeschadet aus dem Blödsinn rausgekommen.

Regie: Mark A.Z. Dippé (Visuelle Effekte für Abyss, Zurück in die Zukunft II, Jurassic Park)

Schauspieler: Michael Jai White, John Leguizamo, Martin Sheen, Theresa Randle

Bewertung: 

 

Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)

Das mit den Prequels ist immer so eine Sache. Im Grunde geht es meistens darum, ein vorhandenes Universum zu erweitern und dadurch den Fans der Vorlage mehr vom Gleichen zu geben. Prequels können dabei gut sein, oder aber auch seelenlose Verwurstungen von etwas einstmal Gutem. Im Grunde ist der Pate II das beste Beispiel für gelungene Vorgeschichten. Auch Planet der Affen: Prevolution oder X-Men: Erste Entscheidung funktionieren gut und sind dabei auch selbstständig als Filme interessant genug, um mit ihren Vorgängern mithalten zu können. Zeitgleich ist jedoch X-Men Origins: Wolverine ziemlich blöd. Ein weiterer Blick auf Wikipedia offenbart, dass Prequels meistens eher Low-Budget-Streifen sind, die dem Original nicht das Wasser reichen können und den Fans einfach nur noch ein wenig Geld aus der Tasche ziehen sollen. Wenn wir jetzt ins Alien-Universum einschwenken, dann wissen wir auch, dass mit den beiden ‚Alien vs. Predator‘-Filmen zwei grenzdebile „Prequels“ bereits Einzug in dieses Franchise gehalten haben.

Nun kehrt Regisseur Ridley Scott zu seinem eigenen Alien-Universum zurück. 33 Jahre nach Alien. Und nachdem sich James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet an dieser Welt ausprobiert haben und dabei doch so grundlegend unterschiedliche Filme gemacht haben, die in Sachen Spannung und Horror nie an das Erstlingswerk herangereicht haben. Denn Alien verwandelte den Weltraum in einen fürchterlichen und unheimlichen Ort. Vorher war praktisch alles abenteuerlich und kindgerecht. Ob Star Wars oder Trek, nie fürchteten sich die Protagonisten in den Weiten des Alls. Bis sich Sigourney Weaver auf einmal alleine mit diesem Monster herumschlagen musste. Wen die Hintergründe der vier Alien-Filme interessieren, dem sei diese Seite hier ans Herz gelegt. Ansonsten sei gesagt, dass ‚Prometheus‘ definitiv ein Prequel ist. Aber vermutlich nicht so, wie man es erwartet hätte.

Der Film beginnt mit einem weißen muskulösen Männchen. Das haarlose Etwas konsumiert irgendetwas und fängt daraufhin an, sich aufzulösen und fällt anschließend in einen Wasserfall hinein. Über ihm schwebt nebenbei ein Raumschiff. Was diese Szene zu bedeuten hat? Wahrscheinlich die Erschaffung des Menschen. Hurra! Nun beginnt der eigentliche Film. Wir sehen, wie im Jahre 2089 die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) auf ein sich wiederholendes Sternen-Muster in alten Höhlenmalereien stoßen. Dieses interpretieren sie als Einladung und so wird das Forschungsraumschiff Promtheus zum Mond LV-223 geschickt, der wohl bewohnbar und Ursprung der Botschaften sein soll. Gesponsert wird die Reise von der Weyland Corp. und die Leitung hat die wenig sympathische Meredith Vickers (Charzlize Theron). Mit an Bord ist der Android David (Michael Fassbender) und Captain Janek (Idris Elba). Das Schiff erreicht 2093 den Zielort und man stößt schnell auf Spuren einer alten Zivilisation, undzwar auf eine komplexe Höhlenanlage.

Was genau der Film dann nun sein soll, ist schwer zu sagen. In den 124 Minuten gibt es Action, ein ganz kleines bisschen Horror und total viele Rätsel. Das ist dann auch vermutlich das größte Problem. ‚Prometheus‘ kann sich nie festlegen, was es sein soll. Es wird ein ziemlich bescheuerter Disput innerhalb der Weyland-Familie angedeutet, es wird ein wenig mit den aus ‚Alien‘ bekannten Elementen gespielt und es wird ein wenig geforscht. Dabei ist die Handlung linear, aber trotzdem unlogisch und die Protagonisten sind allesamt merkwürdig flach und unnahbar. Während Vickers die größte Bitch im Universum ist und der Android David ohnehin künstlich, sind alle anderen Charektere wenig nachvollziehbar. Ein Geologe, der eine Karte der zu untersuchenden Höhlen anlegt, um sich kurz darauf zu verirren. Ein Biologe, der unbedingt mit einer gefährlichen Alien-Schlange schmusen will und dann auch muss. Holloway, der trotz der überwältigenden Funde urplötzlich den Emo macht. Und noch ganz viele andere Kleinigkeiten. Ich habe mir beim Schauen die Mühe gemacht, einzelne Fehler und Ungereimtheiten aufzuschreiben und komme auf ungefähr 20, von denen einige schon zusammengefasst sind und sich durch den ganzen Film ziehen. Warum schickt man die größten Dummbatzen der Welt auf eine Mission, die eine Billion Dollar kostet? Warum lernen die sich nicht schon vorher kennen?

Und warum muss man so einen grundlegend dämlichen Story-Twist rund um die Weyland-Corporation einbauen, der so rein gar nicht hilfreich ist? Dann gibt es noch so einige weitere Dinge, aber es wäre zu müßig, alle aufzuzählen. Zumal ich damit auch den gesamten Film spoilen würde. Interessanterweise sind mir beim ersten Schauen alle diese Sachen nicht so sehr aufgefallen. Doch beim zweiten Gucken ist es schwer, darüber hinwegzusehen. ‚Prometheus‘ hat natürlich auch positive Seiten. Die Naturaufnahmen und die gesamte Optik, die sich am Ende in einer gigantischen Actionsequenz die Kante gibt, sind spitze. Und wer sich im ‚Alien‘-Franchise zurechtfindet, bekommt ein paar Anleihen zu spüren, die sich durchaus sinnvoll in das Universum fügen.

Das Ende und das Finale an sich empfand ich dann auch echt gut, zumal ein mögliches Sequel wünschenswert wäre. Dabei grenzt sich ‚Prometheus‘ auch deutlich von ‚Alien‘ ab und bewahrt sich Selbständigkeit. Weniger befriedigend ist allerdings, dass diverse aufgeworfene Mysterien nicht aufgelöst werden.

Der Film gefällt mir. Die bombastische Bildsprache ist im Sci-Fi-Genre nicht unbedingt oft anzutreffen und das gesamte Franchise gefällt mir. Trotzdem gibt es an so gut wie jeder Stelle auch Macken. Sei es die doch sehr lose Handlung oder die völlig oberflächlichen Protagonisten. Noomi Rapce ist neben Michael Fassbender im Grunde die Einzige, die ihrer Figur wahres Leben einhaucht, nicht zuletzt auch durch den ersten Live-Kaiserschnitt der Filmgeschichte. Guy Pearce ist in seiner Rolle völlig verschwendet und seine Maske zudem wirklich mies. Dann ist doch aber zeitgleich Fassbender in seiner Rolle überwältigend gut. Ich habe noch nie einen glaubwürdigeren künstlichen Menschen gesehen. Bewegungen, Aussprache, Mimik und Gestik sind unglaublich gut.

Es ist nicht leicht, ‚Prometheus‘ in eine Kiste zu stecken. Manches funktioniert, vieles nicht. Prinzipiell finde ich den Film sehenswert. Allerdings weiß ich nicht, ob ‚Alien‘-Fans ihn mögen würden oder nicht. Es ist mehr Hollywood hier drin und ein Klassiker wie das Original ist dies einfach nicht. Leider werden Ridley Scotts Filme im Alter nicht gerade besser. Für mich persönlich funktioniert die Welt jedoch, die hier konsturiert wird. Es ist aber auch nachzuvollziehen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

2014 oder 2015 kommt das Sequel, ebenfalls von Ridley Scott. Dann wird sich zeigen, ob die Geschichte ihr Potential nutzt, das es auf alle Fälle hat, oder ob hieraus letztendlich doch nur Hollywood-Sci-Fi-Standardkost wird. Dann kann sich ‚Prometheus‘ hoffentlich auch komplett von ‚Alien‘ emanzipieren, was der Geschichte nur zuträglich wäre.

Regie: Ridley Scott (Blade Runner, Alien, American Gangster, Gladiator, Black Hawk Down)

Schauspieler: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce

Bewertung: 

Predators (2010)

Wer kennt das nicht? Da ist man gerade als stinknormaler Super-Söldner-Soldat irgendwo in den Krisenherden der Welt unterwegs, schon kommt ein grelles Licht und man findet sich im freien Fall über einem fremden Planeten wieder. Doch weil es alleine langweilig wäre, gesellen sich alle möglichen anderen fiesen Leute der Welt zu einer Art Klassentreffen der Kampferprobten dazu. Dabei dürfen natürlich der liebdumme russische Tschetschenien-Soldat, der mexikanische Syndikats-Gangster wie auch der stille Yakuza-Killer nicht fehlen. Und natürlich die namensgebenden Predator-Aliens, die nun nicht mehr in einer, nein, sondern in gleich zwei Ausführungen daherkommen. Und dieses mal haben sie auch ihre Wau-Waus mit dabei.

Die Story ist also relativ simpel, wenn auch nicht ganz so einfach wie im Original ‚Predator‚ von 1987 mit Arnold Schwarzenegger. Mit Adrien Brody, Topher Grace, Oleg Traktarov, Danny Trejo und Laurence Fishburne ist der Film auch relativ gut besetzt. Robert Rodriguez gibt hier den Produzenten. Viel mehr braucht man über die Handlung außerdem nicht zu verraten, denn was macht die schlagkräftige und bunt zusammengewürfelte Truppe? Klar, ballern und sterben. Nebenbei gibt es eben noch ein paar Predatoren, die Jagd auf unsere mehr als fragwürdigen Helden machen. Fertig ist der Mix aus Sci-Fi und Dschungelaction.

‚Predators‘ versucht zudem, der ganzen Außerirdischen-Geschichte mehr Inhalt und Substanz zu verleihen. Das klappt bedingt. So gibt es nun verschiedene Predator-Stämme mit unterschiedlichen Gepflogenheiten und Bräuchen, irgendwelche domistizierten Stachelhunde und ein Treffen mit einer weiteren Art von Alien, welches zugleich ein Easter-Egg ist, weil hierfür das originale und später revidierte Predator-Design aus den 80ern verwendet wurde. Für das übrigens Jean-Claude Van Damme vorgesehen war. Filmwissen für Fortgeschrittene also. Richtig nötig sind aber die ganzen Gimmicks irgendwie nicht. Leider gibt es dann stellenweise Merkwürdigkeiten, die nicht so recht ins eigentlich stimmige Bild passen wollen. So spielt Laurence Fishburne einen merkwürdigen Irren, der jedoch den Eindruck macht, für seinen Dachschaden wenige Tage gebraucht zu haben. Das FAQ auf imdb hilft ein wenig beim Understatement, aber völlig rund ist die Sache trotzdem nicht.

Dass aus den Predators nun zwei sich bekriegende Stämme gemacht wurden ist eher komisch. Aber seis drum. Man muss gerade in solchen Situationen Eingeständnisse an den Film machen, der es ansonsten über die meiste Zeit schafft, ein geradliniger und unterhaltsamer Actionstreifen ohne viel Tiefgang zu sein. Stellenweise soll es aber doch sozialkritisch zugehen, wenn sich unsere menschlichen Recken beispielsweise die Frage stellen, ob sie selbst nicht die wahren Monster in diesem Spiel sind. Ausgestoßene Mörder auf einem Planeten, auf dem sie das einzige tun, was sie können: Morden. Lange Zeit zum Grübeln bleibt aber nicht, denn schon gehts weiter auf der Dschungelhatz.

Viele beschweren sich über Adrien Brody als Arni-Ersatz. Das wäre, als ob man Sky du Mont den Rambo spielen lassen würde. Allerdings ist Oscarpreisträger Brody kein Hänfling und kommt als kaltblütiger Söldner ziemlich gut rüber. Gerade weil er sich abhebt  vom Muskelmonster aus Österreich. Der Rest der Bande ist in Ordnung. Die Frau im Bunde (Alice Braga), durch die ein Art Beziehung zu Royce geschaffen wird, nervt ein wenig, aber auch nicht so, dass man sich groß daran stören würde. Danny Trejo passt einfach in jede Figur, die zwielichtig ist und eine Waffe trägt. Und ich darf mich über Oleg Traktarov freuen, der die russische Antwort auf Arnold Schwarzengger ist. Dann gibt es noch zwei Twists mit zwei Charakteren, die aber ehrlich gesagt völlig unnötig und eher wenig hilfreich sind.

Für mich ist ‚Predators‘ eine positive Überraschung gewesen. Man hat die unsäglichen ‚Alien vs. Predator‘-Verwurstungen zurückgelassen und dem Original eine würdige Fortsetzung geliefert, die eigenständig ist und tatsächlich eine Daseinsberechtigung besitzt. Und dabei mehr unterhält als ‚Predator 2‘ mit dem total unpassenden Danny Glover. Actionfreunde sind also mit diesem 107-minütigen Sci-Fi-Ableger gut aufgehoben. Nichtsdestotrotz ist Nimród Antals Auslegung des Frachises nicht ganz so kultig wie der 23 Jahre ältere Film mit Arni.

Nikolai: [In Russian] You’re one ugly motherfucker!

 

Regie: Nimród Antal (Motel, Armored, Kontroll)

Schauspieler: Adrien Brody, Topher Grace, Alice Braga, Oleg Traktarov, Walton Goggins,Laurence Fishburne, Danny Trejo

Bewertung: