Fuck you, 3D!

dreide3D ist keine neue Erfindung. Bereits im Jahr 1922 lief mit ‚The Power of Love‘ ein Stummfilm mit zusätzlicher Dimension in den Lichtspielhäusern. Und als die Menschen in den 50ern anfingen, sich diese öminösen Fernsehapparate zu besorgen, gab es tatsächlich schon damals einen 3D-Trend in den Kinos. Weil man in Schwarz-Weiß diesen Effekt nicht erzeugen konnte.

Heutzutage leidet das Kino-Business auch. Dieses mal ist es wieder eine private Revolution, undzwar wohl vor allem in Form des Internets. Was liegt also näher, als mit einem Gimmick wie dieser dritten Dimension wieder Anreize zu schaffen, um die Massen anzulocken. Allerdings bleibt die Frage, wer dieses Feature unbedingt braucht. Sind es die Produzenten und Betreiber oder sollte es wirklich eine Nachfrage danach geben?

Ganz ehrlich gesagt: Ich kenne keinen Menschen, der 3D cool findet. Und Christopher Nolan auch nicht. Da ist man dann schon mal in guter Gesellschaft. Es stellt sich die berechtigte Frage, für wen genau diese ganze 3D-Technik denn nun sein soll.

Tja. Nicht für mich jedenfalls. Mal ganz davon abgesehen, dass es manch einem Brillenträger wie mir auf den Sack geht, ein weiteres Sehgerät auf der Nase zu tragen. Doch das wäre ja noch verschmerzbar. Viel ernüchternder ist jedoch die Tatsache, dass 3D absolut nichts bringt. Ein schlechter Film wird aufgrund dessen nicht besser und ein guter nicht sehenswerter. Es ist, als ob man die Wahl hätte, beim Autokauf das Modell mit oder ohne zusätzlichem Getränkehalter zu wählen. Klar, manchmal kommt es vor, dass man hier oder dort noch unbedingt ein weiteres Getränk abstellen will. Aber es geht eigentlich auch ohne. Genauso ist es mit 3D. Es ist und bleibt ein Gimmick, das jedoch durch teilweise dreiste Aufpreise durchgedrückt wird und den meisten nicht mehr als ein Schulterzucken entlockt. Letztens habe ich mir Pacific Rim gegeben. Für stolze 13.50€. Und im Mai 2011 hat Thor in 3D doch aber noch 9.20€ gekostet. Im gleichen Kino! Aber hey, ein Glück muss man nur weitere 10€ für Popcorn samt Getränk investieren.

Manch einer argumentiert, dass 3D so etwas Ähnliches sei wie damals der Übergang von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen. Ein Film könnte auch mit ohne Farben funktionieren. Der Vergleich hinkt aber. Einerseits sind Farben mitunter ein stilistisches Mittel, andererseits ist es nur konsequent, wenn Filme sich unserer optischen Wahrnehmung nähern. Genauso auch der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Aber ist 3D etwas, das uns Filme näher bringt?3D Tickets

Aktuell: nein. 3D ist maximal ein Feature. Eine Art Bonus. Warum sollte man mehr in einen Film emotional involviert sein, wenn irgendwas auf einen zufliegt? Es ist geradezu lächerlich, wie Machwerke a la Resident Evil in jeder Episode Äxte gen Zuschauer schleudern. Und in Star Trek: Into Darkness waren es zwei Speere, die ganz am Anfang auf einen zugeschleudert wurden. Hurra! Das bringt absolut nichts. Es hat keinen Mehrwert für den Zuschauer. Und so ist es in seltenen Fällen ein stilistisches Mittel. Wie es Farben oder Ton allerdings meistens sind. Kein Schauspieler, keine Rolle und keine Handlung gewinnt durch 3D. Ein Daniel Day-Lewis spielt nicht anders, weil er plastischer erscheinen könnte. Und auch der Trend, ältere Filme wieder neu rauszubringen und mit der Technik noch ein paar Euro mehr zu verdienen (siehe Jurassic Park oder Star Wars: Episode 1 oder Titanic) sind keine Rechtfertigung.

Die Einzigen, die etwas davon haben, sind die, die damit Geld verdienen. Denn wo ein normaler Film im Durchschnitt 8€ kostet, sind es für 3D hierzulande meist 2€ Aufpreis plus 1€ für die Brille. Und dann könnte man sich über diese dummen Tonnen aufregen, in die man, wenn man will, seine gottverdammte Drecksbrille entsorgen kann. Kostenfrei! Olé. Hier fühlt man sich vollends verarscht. Da endet auch mein Mitleid mit der Kino-Branche. Sollen sie doch alle den Bach runtergehen, wenn sie die Dreistigkeit besitzen, nichts für das Zurücknehmen der Brille zu geben, um dann noch mal ein paar mehr Brillen wieder verkaufen zu können bzw. mein getragenes Gestell weiterzuverkaufen.

Dabei ist der Gedanke hinter 3D an und für sich nachvollziehbar. In Zeiten, in denen jeder Film online verfügbar und auf der Couch abrufbar ist, sind die Kinos im Zugzwang. Vor allem, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Wer schafft es heutzutage noch, einen dreistündigen Klassiker ohne einen Blick aufs Handy durchzuhalten? Wir haben so viele Ablenkungen und Konsummöglichkeiten, dass der Kinobesuch unbedingt diesen Event-Charakter zu brauchen scheint, den 3D theoretisch bieten könnte. Zumindest bei den großen Blockbustern. Ich unterstelle nicht, dass diese Technik per se etwas Schlechtes ist. Von Avatar hörte man nur begeisterte Kommentare. Und viele Animationsfilme sind diesbezüglich gut. Wim Wenders‘ pina-Tanzfilm soll ziemlich beeindruckend sein, genauso auch Life of Pi. Doch dann wird es schon allmählich dünn. Besonders die Welle an Superhelden-Filmen macht mit 3D den großen Reibach, vor allem weil man diesbezüglich länger suchen muss, um gewisse Blockbuster im Kino in 2D sehen zu können. Man könnte ja fast vermuten, dass der Preis künstlich hochgetrieben wird!

Das, was mich stört, ist, dass die höheren Ticketpreise scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Besucherzahlen zu haben scheinen. Unter den sechs kommerziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten weltweit ist lediglich Titanic nicht in 3D rausgekommen. Bzw. nicht zu dem Zeitpunkt, als das meiste Geld eingespielt wurde (1997). Warum sollten die ganzen findigen Studios also auch auf diese Spielerei verzichten, wenn sie ohne viel Risiko mehr Gewinn verspricht? Die Nachfrage scheint ja vorhanden zu sein. Verflucht, ich tue mir ja selber immer noch 3D an, um mich dann im Nachhinein darüber aufzuregen. Ein Teufelskreis. James Cameron ist schuld.

Was nun? Wird 3D das 2D-Kino und Film-Erlebnis verdrängen? Vermutlich nicht. Hoffentlich. Wer jetzt außerdem denkt, dass die 3D-Fernseher für Daheim dem Kino den endgültigen Todesstoß versetzen werden, der vergisst, dass ein gewisser Peter Jackson gerade mit der ultraneuen, ultracoolen und ultranotwendigen High Frame Rate anrückt. Das kostet dann aber auch noch einmal extra. Danach kommt das 5D-Kino mit wackelnden Sitzen und Gerüchen. Wer wollte nicht schon immer Mal am Fuß von Jar Jar Binks riechen, wenn dieser in einen Haufen Kot tritt? Fantastisch!

Christopher Nolan

Nolan wurde am 30.07.1970 in London geboren. Seine Filme zeichnen sich durch einen düsteren Stil und oft verschachtelte Erzählstrukturen aus. Der erste große Streifen ‚Memento‘ steht symbolisch für die komplette Dekonstruktion einer linearen Storyline und ist in dieser Form einzigartig.

Das Rotkäppchen aus Nolans Sicht:

Es war einmal ein Mädchen mit roter Kappe, dessen Jugend durch die Beziehung zur Großmutter geprägt war. Denn Jahre zuvor wurden ihre Eltern umgebracht und so entschloss sie sich, die Farbe Rot als Symbol ihrer Angst vor Blut und Gewalt zu tragen. Das, was ihr einst Angst gemacht hatte, sollte nun ein Schild sein.

Rückblende: In einer Traumsequenz erlebt Rotkäppchen die bestialische Ermordung ihrer Eltern durch den Wolf. Schweißgebadet wacht sie auf, wirft sich die rote Kappe um und schreitet los in die Nacht, um ihrer Großmutter einen Besuch abzustatten. Sie steigt auf ein futuristisches Motorrad und ihr Mantel weht im Wind, während die Dunkelheit des Waldes sich um sie legt.

Perspektivwechsel: Der Wolf, der seit über einer Woche keine Minute mehr schlafen konnte und aufgrund seines Asthmas eine Atemmaske tragen muss, durchquert den Wald und stößt auf das Haus der Großmutter. Mit einem komplexen Plan, der den Einsatz eines Rosinenbombers, 10 Tonnen Dynamit und eines Dreidels  erfordert, verschafft er sich Zugang zum Haus und sprengt die angrenzenden Brücken in die Luft, um eine etwaige Evakuierung der Oma zu verhindern und um so Anarchie und Chaos zu stiften. In der allgemeinen Verwirrung entpuppt sich die Großmutter als noch viel gestörter als der Wolf und dringt in die Träume des Tieres ein, um diesen zum Vegetarier umzupolen. Dazu ertönt dröhnende Musik von Hans Zimmer.

Schnitt: Wir sehen, wie die Oma und der Wolf einst gemeinsam Verbrechen bekämpften, doch der Wolf wurde korrupt und hinterging seine Kollegin. 

Die Großmutter muss sich im Traum des Wolfs in der Schwerelosigkeit gegen bis an die Zähne bewaffnete Clownsmaskenträger zur Wehr setzen, die gerade eine Bank ausrauben. Sie setzt sich durch und schafft es, aus dem Wolf tatsächlich einen Vegetarier zu machen. 

Rückblende: Wir sehen, wie Rotkäppchen einst in einem Kloster hoch in den Bergen die Kunst des Kämpfens erlernt hat. Ihr Lehrmeister stellt sich als ein Wolf im Schafspelz heraus und ihr geht ein Licht auf. 

Schnitt: Rotkäppchen kommt am Haus der Großmutter an. Es stellt sich heraus, dass es die ganze Zeit über zwei Wölfe gegeben hat und der eine hinterm Haus auf die Ankunft des Mädchens wartete. In der finalen Szene erwacht Rotkäppchen aus dem Schlaf und weiß nicht, ob sie das alles nur geträumt hat oder ob sie immer noch träumt. Sie wirft sich die rote Kappe um und schreitet los in die Nacht, um ihrer Großmutter einen Besuch abzustatten…

Die 21 größten Kinoflops aller Zeiten

flopp2012 kam mit Disneys John Carter ein Film heraus, der nicht nur 250 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang, sondern auch ungefähr 100 Millionen für Werbung verbrauchte. Am Ende der Rechnung stand ein Verlust von fast 70 Millionen und Rich Ross, Chef der Disney-Filmstudios, musste sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Nicht jede Comic-Adaption rentiert sich eben, selbst in Zeiten, in denen Marvel und DC am laufenden Band Comic-Verwurstungen auf den Markt werfen. Wer jetzt jedoch denkt, dass John Carter damit die Liste der größten Filmflops aller Zeiten anführen müsste, liegt weit daneben. Doch seht selbst.

Das Kleingedruckte: Die einzelnen Plakate verweisen auf die entsprechende imdb-Seite des jeweiligen Films. Das Ranking der Liste basiert auf dem Verlust, den ein Film gemacht hat, in Bezug auf das Jahr 2013. Die Inflation ist also eingrechnet. Damit ergeben sich die Platzierungen anhand der in rot aufgeführten Zahl hinter „Verlust heute:„. Kosten und Verlust sind dabei die aus dem entsprechenden Release-Jahr. Dabei sollen die Zahlen gar nichts über die Qualität der Filme aussagen. Es geht hier wirklich um den reinen finanziellen Aspekt. Beispielsweise waren auch Metropolis, Donnie Darko  und Fight Club zu ihren Zeiten Kino-Flops, die erst im Nachhinein zu ihrem Ruhm fanden. Gott sei Dank haben die drei es allerdings nicht hier rein geschafft.

 

 

Platz 21: Red Planet (2000)

Der Mars ist ein schweres Pflaster für Filme. Nicht nur John Carter musste diese Erfahrung machen. Im Jahre 2000 startete zudem Red Planet fast zeitglich mit Mission to Mars in den Kinos. So erzeugten die Mars-Filme fast schon so eine Art Überdruss beim gewillten Zuschauer. Da halfen dann weder Val Kilmer, Carrie-Anne Moss oder die arg plumpe Handlung, die teilweise über Rückblenden erzählt wird. Am Ende retten doch tatsächlich die Russen so ein wenig den Tag. Oder MacGyver. Mit dabei sind Sauerstoff produzierende Käfer und ein böser Hunderoboter. Mit horrenden 100 Millionen Dollar Produktionskosten erzielte man jedoch lächerliche Einspielergebnisse und einen Verlust von 89 Millionen. Ich persönlich finde den Film ganz in Ordnung. Er ist ein hohler Sci-Fi-Action-Streifen, aber das Setting ist im Grunde ganz nett, hier und dort wird es auch mal spannend und irgendwie ist Val Kilmer ja schon ein Sympath.Red Planet

Kosten: 100.000.000 $   Verlust: 66.536.031 $   Verlust heute: 88.701.851 $

 

 

Platz 20: Postman (1997)

Kevin Costner spielt im postapokalyptischen Amerika des Jahres 2013 (!!!) einen Typen, der Leuten ihre Briefe bringt. Weil dadurch die Zivilisation wieder in Gang kommt. Voll mit Pathos und unglaubwürdigem Blödsinn, erleben wir hier drei Stunden Belanglosigkeit. Epic Fail. Auch was die Einnahmen angeht. Unterm Srich stehen 89 Millionen Dollar Verlust. Hauptdarsteller und Regisseur Kevin Costner kann halt irgendwie keine kurzen Filme machen. Aber es kommt wohl nicht auf die Länge an. Zumindest bei Filmen. Zurecht gab es hierfür mehrere Goldene Himbeeren. Postman

Kosten: 80.000.000 $   Verlust: 62.373.766 $   Verlust heute: 89.203.278 $

 

 

Platz 19: Ballistic (2002)

Rotten Tomatoes hat dieses Meisterwerk 2007 in seinem „Worst of the worst„-Ranking mit Platz 1 gehuldigt. Bei 108 Reviews war nämlich nicht eine einzige positive zu finden. Geradezu eine Meisterleistung. Mit dabei sind Antonio Banderas und Lucy Liu, die beide überkrasse Geheimagenten sind, die gegeneinander arbeiten und sich dann doch gegen einen größeren Feind zusammentun. Oder so. Ich muss zugeben, dass Antonio Banderas doch in allerhand miesem Schrott mitspielt (The Big Bang und The Code). Und das obwohl er als Desperado der coolste Gitarrist der 90er war. Verflucht, der Mann ist doch außerdem noch Zorro! Schade.Ballistic

Kosten: 90.000.000 $   Verlust: 70.075.967 $   Verlust heute: 89.887.250 $

 

 

Platz 18: Der Schatzplanet (2002)

Disney macht Die Schatzinsel. Aber im Weltraum. Das ist an sich nicht verwerflich und der Film ist offensichtlich nicht wirklich schlecht, aber scheinbar hat man einfach nicht den Nerv der Zielgruppe getroffen. Interessanterweise war die superteure Animationsgeschichte kein totales finazielles Fiasko, denn über Video- und DVD-Verkäufe konnte man sogar Gewinn einfahren. Allerdings erst Monate nach Veröffentlichung. Trotzdem trudelt der Streifen in die Weiten des Weltalls und damit auch in Vergessenheit. Der Schatzplanet war übrigens sogar für den Oscar als besten Animationsfilm nominiert, verlor aber Gott sei Dank gegen den überwältigenden Chihiros Reise ins Zauberland. So macht man Trickfilme!Der Schatzplanet

Kosten: 180.000.000 $   Verlust: 70.421.885 $   Verlust heute: 89.887.250 $

 

 

Platz 17: Inchon (1982)

Inchon ist ein Kriegsfilm über den Koreakrieg. Regie führte Terence Young, den man von gleich drei James Bond-Filmen kennen könnte (Dr. No, Liebesgrüße aus Moskau, Feuerball). Inchon wurde nach kurzer Zeit nicht mehr im Kino gezeigt, weil er viel zu schlecht lief und tatsächlich nie auf VHS oder anderweitigen Medien herausgebracht. Suchende finden das Teil bei Youtube. Lustigerweise besitzt der Film den Flair einer mäßigen TV-Produktion. Es ist allerdings auch kein Beinbruch, jegliche Informationen über dieses Werk dann gleich wieder aus dem Gehirn zu löschen. Dafür gab es gleich vier Goldene Himbeeren. Immerhin etwas.Inchon

Kosten: 46.000.000 $   Verlust: 40.800.000 $   Verlust heute: 97.061.793 $

 

Platz 16: Jack and the Giants

Der Originaltitel ‚Jack the Giant Slayer‘ wäre wohl zu brutal oder unverständlich für den deutschen Markt gewesen. Anders kann ich mir nicht nicht so ganz erklären, warum man das unbedingt umbenennen musste. Konsequenterweise hätte man auch gleich ‚Das tapfere Schneiderlein‘ wählen können, oder war das nicht mehr hip genug? Wer das entsprechende Grimmsche Märchen kennt, sollte wissen, was hier so ungefähr passiert. Der Held Jack wird gespielt von Nicholas Hoult, den man aus ‚Der Tag der toten Ente‘ kennen könnte. Ansonsten sind noch Ewan McGregor, Stanley Tucci und Bill Nighy/John Kassir vertreten, wobei die letzten beiden gemeinsam einen Riesen mit zwei Köpfen spielen. Klingt doch eigentlich ganz lustig, oder? Natürlich kommt hier superviel 3D-Technologie zum Tragen, denn wer will heute noch einen Film in 2D haben? Pfui! Regisseur Bryan Singer ist auch kein Unbekannter (Die üblichen Verdächtigen, X-Men I + II, Superman Returns, Operation Walküre). Am Ende sollten es dennoch fast 100 Millionen Dollar Minus werden.

Ursprünglich war ein Release für Juni 2012 geplant. Warner hatte jedoch Angst vor The Dark Knight Rises im Juli und versetzte Jack gleich um 9 Monate in den März 2013. Warum auch nicht? Schließlich lief Der Hobbit ja nur kurz davor im Dezember an, und die Leute gucken schließlich immer wieder gerne ähnliche Filme *zwinker, zwinker*. Außerdem wurde im Oktober aus ‚Jack the Giant Killer‘ dann der finale ‚Jack the Giant Slayer‘. Offensichtlich war man sich wohl erst dann bewusst geworden, welche Zielgruppe man ansprechen wolle. Oder auch nicht. Der Film, der 200 Millionen in der Produktion und 95 Millionen im Marketing verschlang, entpuppte sich als überdimensionierter und viel zu künstlicher Flop, der für Jüngere zu brutal und für Erwachsene zu kindisch ist. Wie man Kinderbücher verfilmt, bewies dafür Peter Jackson, der wohl einzige Gewinner von Jack and the Giants.Jack and the Giants

Kosten: 295.000.000 $  Verlust = Verlust heute: 97.460.502 $



Das Scrubs-Dilemma

Ich liebe Scrubs.

Von allen Serien, Sitcoms, Cartoons und Animes, Mini-Serien und dergleichen da draußen ist Scrubs mein Serienformat. Das unumstößliche Nonplusultra meiner eigenen persönlichen Unterhaltung. Das führt so weit, dass ich noch täglich hin und wieder einschalte, wenn Pro 7 zum tausendsten Mal ältere Folgen runterspult. Die ganzen DVDs, außer der geschenkten 6. Staffel,  besitze ich nicht und ein Erwerb reizt mich nicht. Warum auch immer. Vielleicht geht dann so ein wenig dieser Zauber des „Einschaltens und sich darüber freuen, was gerade läuft“ verloren. Trotzdem habe ich vermutlich alle Folgen von Staffel 1 bis 8 vermutlich ein Dutzend Mal gesehen. Das sind 169 Folgen, alle irgendwo zwischen 20 und 27 Minuten lang.

Dann ist da die neunte Staffel. Die habe ich genau zwei Mal gesehen. Einmal auf englisch, einmal auf deutsch. Nicht öfter. Und hier schalte ich tatsächlich eher weg, auch wenn ich noch nicht jeden Witz und jeden Dialog auswendig kann. Die 13 Episoden, auf die sich Kraftklub (meiner Meinung nach hauptsächlich) in ‚Songs für Liam‘ bezieht: „Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs“. Die Staffel, die am Ende tatsächlich das Aus bedeutete, weil einfach niemand mehr einschaltete. Und sowieso verwunderlich war das Zustandekommen, so hatte die 8. Staffel doch ein richtiges Ende für die gesamte Serie parat, das wirklich zufriedenstellnd war. Und welches gut zur Serie passte.

Ich will mich hier ein wenig damit beschäftigen, was Scrubs in erster Linie ausgezeichnet hatte und was die Unterschiede zur finalen Staffel sind, was womöglich so ein wenig das Ende erklären könnte. Dabei will ich auch auf die Stärken der Serie eingehen, die mich über ein Jahrzehnt lang begleitet hat. Und ob die 9. Staffel lieber vergessen werden sollte oder doch etwas taugt.

Der Titel ‚Scrubs‘ hat mehrere Bedeutungen. So bezeichnet er einerseits die Krankenhauskleidung sowie auch das Händewaschen vor Operationen. Aber noch viel wichtiger ist, dass das englische Wort scrub umgangssprachlich für Anfänger und Loser gebraucht wird. Und genau das ist der Held der Serie, John Dorian oder auch J.D., ganz am Anfang. Wir verfolgen seinen Lebensweg und seinen Werdegang im Sacred Heart Hospital vom kleinen und profillosen Assistenzarzt zu einem waschechten Doktor, der beruflich wie privat reifen muss und dies auch tut. Darin sehe ich die große Stärke der Serie: wir sehen eine weitreichende Entwicklung vieler Charaktere. Alle werden erwachsen, kriegen Kinder, gehen in ihrer Karriere den nächsten Schritt oder knüpfen neue Beziehungen. Keine Beziehungen sind festgefahren und sogut wie jeder Charakter wird geformt und wächst einem dadurch ans Herz. Gerade bei vielen anderen Sitcoms und Serien gibt es so etwas nicht. Ob ‚Friends‘ oder ‚How I met your Mother‘, dort sind die einzelnen Personen statischer. Auch wenn die Beziehungen sehr dynamisch sind, verbleiben wir über lange Zeit mit den immergleichen Charakteren.

Besonders bei J.D., der zu Beginn unsicher und verloren wirkt, sehen wir die Mannwerdung. Noch eine Spur krasser, als er dann (ungewollt) Vater wird und sich wieder neuen Problemen stellen muss. Besonders Elliot (Sarah Chalke) ist im Vergleich zur ersten Folge am Ende überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Und was mit der ersten Episode so ein wenig angedeutet und im Verlauf der ganzen Serie hin und wieder aufgegriffen wird, ist die Liebesbeziehung der beiden. Rückblickend ist Scrubs damit auch eine Art ‚How I met your Mother‘, denn wir sehen mit an, wie sich zwei finden und verlieren, doch nach all den Jahren der Freundschaft zueinander finden und so aufzeigen, wie komplex Beziehungen sein können. Das ist eine schöne und irgendwie unerwartete Wendung, die in der finalen Staffel mit einem Ausblick auf die mögliche Hochzeit von J.D. und Elliot und so einem kitschigen Happy End mündet. Damit haben wir gleich mehrere Handlungsebenen, die das Gesamtkonstrukt der Serie umspannen und sich, gerade als Fan der Serie und als Kenner aller Folgen, gut und rund anfühlen. Überhaupt ist J.D. ein Antiheld. Er ist sehr unmännlich und albern und bietet eine einfachere Identifikationsfigur als ein Barney Stinson, dessen Coolness unerreichbar ist.

Oscars 2013 – Gewinner

Hier gibts die Übersicht über die wichtigsten Nominierten und Sieger bei der Oscar-Verleihung 2013. Präsentiert wurden die Goldjungs von Family Guy- und Ted-Schöpfer Seth MacFarlane in einer durchaus unterhaltsamen Show, die jedoch über weite Strecken große Höhepunkte vermissen ließ. Absurd war besonders der Anfang, in dem sich MacFarlane mit dem aus der Zukunft eingeschalteten Kirk über seinen Moderationsstil unterhielt oder wie der Trailer zum Film Flight komplett mit Socken dargestellt wurde. Ansonsten waren die musikalischen Auftritte größtenteils frei von ‚magic moments‘ und die Show entwickelte sich zu einer eher trägen und zähen Nummer mit gelegentlichen kleinen bösen Witzchen von MacFarlane. Dass dann Ben Afflecks Argo zum besten Film gewählt wurde ohne Ben Affleck als Regisseur zu bedenken ist kurios und gleichzeitig selten.

 

Bester Film:

  • Argo
  • Beasts of the Southern Wild
  • Django Unchained
  • Liebe
  • Life of Pi
  • Lincoln
  • Les Misérables
  • Silver Linings
  • Zero Dark Thirty

 

Beste Regie:

  • Michael Haneke (Liebe)
  • Ang Lee (Life of Pi)
  • David O. Russell (Silver Linings)
  • Steven Spielberg (Lincoln)
  • Benh Zeitlin (Beasts of the Southern Wild)
Bester Hauptdarsteller:
  • Bradley Cooper (Silver Linings)
  • Daniel Day-Lewis (Lincoln)
  • Hugh Jackman (Les Misérables)
  • Joaquín Phoenix (The Master)
  • Denzel Washington (Flight)
Beste Hauptdarstellerin:
  • Jessica Chastain (Zero Dark Thirty)
  • Jennifer Lawrence (Silver Linings)
  • Emmanuelle Riva (Liebe)
  • Quvenzhané Wallis (Beasts of the Southern Wild)
  • Naomi Watts (The Impossible)

Bester Nebendarsteller:

  • Alan Arkin (Argo)
  • Robert de Niro (Silver Linings Playbook)
  • Philip Seymour Hofmann (The Master)
  • Tommy Lee Jones (Lincoln)
  • Christoph Waltz (Django Unchained)
Beste Nebendarstellerin:
  • Amy Adams (The Master)
  • Sally Field (Lincoln)
  • Anne Hathaway (Les Misérables)
  • Helen Hunt (The Sessions)
  • Jacki Weaver (Silver Linings)
Beste Originaldrehbuch:
  • Liebe (Michael Haneke)
  • Django Unchained (Quentin Tarantino)
  • Flight (John Gatins)
  • Moonrise Kingdom (Wes Anderson, Roman Coppola)
  • Zero Dark Thirty (Mark Boal)
Bestes adaptiertes Drehbuch:
  • Argo (Chris Terrio)
  • Beasts of the Southern Wild (Lucy Alibar, Benh Zeitlin)
  • Life of Pi (David Magee)
  • Lincoln (Tony Kushner)
  • Silver Linings (David O. Russell)
Den Rest findet man auch hier auf Wikipedia.

 

 

Das Fernsehen in Zeiten der Cholera

Lang, lang ists her. Es war um die 1946, da tätigte der damalige Chef von 20th Century Fox, Darryl F. Zanuck, eine interessante wie auch falsche Aussage:

Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren.

Heute haben wir 2012 und selbst in Zeiten des Internets nimmt das Fernsehen immer noch einen nicht unwichtigen Teil in der Gesellschaft ein. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Vielmehr will ich einen kleinen Blick auf die Entwicklung mehrerer TV-Formate der vergangenen 20 Jahre werfen. Dass dabei nicht alle möglichen Daten aufgeführt sind, sollte aufgrund meiner beschränkten Mittel und Manpower beachtet werden. Weiter unten führe ich meine verwendeten Quellen auf, die hauptsächlich aus einzelnen Wikipedia-Artikeln bzw. -Listen bestehen. Diese können mitunter nicht vollständig sein, aber für eine grobe Übersicht ist das mehr als ausreichend.

Die folgende Grafik zeigt fünf verschiedene TV-Formate im deutschen Fernsehen und ihre entsprechende Anzahl. Bezogen auf ein Jahr und rückblickend von 1992 bis 2012. Die x-Achse stellt dabei den Zeitverlauf dar während die y-Achse die Anzahl der verschiedenen Sendungen in einem Jahr aufführt. Bei den Formaten handelt es sich um Talkshows, Gerichtsshows, Scripted-Reality-Sendungen sowie Daily Soaps und Telenovelas (und Daily Soap ist nicht gleich Telenovela, siehe hier). Beispielsweise 1997 existierten 9 Talk- und 3 Gerichtsshows im deutschen Fernsehen. (klicken zum Vergrößern)

1992 startete mit ‚Hans Meiser‘ das erste Talkshow-Format. Heutzutage läuft mit ‚Britt‘ tatsächlich nur noch eine Sendung dieser Art. Dabei waren Talkshows mit ihrem Peak um 1999/2000 ein unheimlich populäres Format. Sage und schreibe 15 unterschiedliche Sendungen wurden damals übertragen. Doch diese Zeiten scheinen vorbei. In den letzten 12 Jahren ging die Anzahl beständig zurück und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch Britt irgendwann die Segel streichen muss. Allerdings ist die Talkerin rein quotentechnsich garantiert nicht das Sorgenkind bei Sat 1. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass die Ära der Talkshows vorbei ist.

Ähnlich ergeht es da den Gerichtssendungen. ‚Das Fernsehgericht tagt‘ von 1961 war dabei die erste Sendung dieser Form in Deutschalnd. Von 1992 bis 2003 steigerte man sich sogar auf 6 verschiedene Nachmittagssendungen, bis die Anzahl schließlich kontinuierlich zurückging und wir mit ‚Richter Alexander Hold‘ heute tatsächlich auch nur noch eine Gerichtsshow haben. Um 2002/2003 erreichte man das Peak, wobei der Rückgang im Vergleich zu den Talkshows nicht ganz so schnell vonstatten ging. Es gab aber auch nie annähernd so viele Gerichtsshows wie Talksendungen. Vielleicht ist es ein markantes Zeichen, dass gerade der schwächelnde Sender Sat 1 als einziger die beiden erwähnten Formate beherbergt. Es zeichnet sich außerdem keine Rückkehr zu mehr Talk- und Gerichtssendungen ab, wobei ich letzterem einer höhere Langlebigkeit zuspreche. Das liegt daran, dass der TV-Markt mit Richtern nicht ganz so dermaßen übersättigt wurde wie mit Talkern um die Jahrtausendwende, als die ganzen Rickys und Arabellas und wie sie alle hießen von überall auf den Zuschauer einprasselten und vor allem einquaselten.

Lustigerweise startete die erste Dailysoap ‚Gute Zeiten Schlechte Zeiten‘ im gleichen Jahr wie Hans Meiser, undzwar 1992 (Lindenstraße gibt es seit 1985, allerdings wöchentlich und nicht täglich). Auch der Marienhof ging damals an den Start. Seitdem hält sich das Daily-Soap-Format wacker im deutschen Fernsehen. Man erreichte mit 6 verschiedenen Soaps 1996 ein Peak, danach ging es leicht runter auf 4, allerdings auch nie darunter. Man wuchs also zeitgleich mit den Talkshows, hielt sich danach aber relativ konstant auf einem Level. Zeitgleich mit dem Niedergang der Gerichtssendungen um 2007 stieg die Zahl der Seifenopern und man hatte von 2009 bis 2011 sogar gleichzeitig 9 verschiedene Seifenopern im TV. Aktuell sind es nur 6 (Herzflimmern wurde im April 2012 eingestellt), trotzdem scheinen Daily Soaps sehr stabil zu laufen. Eine Übersättigung findet wohl nicht statt. Außerdem laufen die einzelnen Formate über Jahre hinweg und generieren große Fan-Bases, da man zum fortlaufenden Zuschauen bewegt wird. Dabei laufen von den 6 noch laufenden Formaten drei auf RTL und drei im Öffentlich-Rechtlichen. Man versuchte z. Bsp. auf Sat 1 mehrfach eine Daily Soap zu installieren (1995: So ist das Leben, 1997: Geliebte Schwestern, 2009: Eine wie keine, 2010: Hand aufs Herz). Alle Versuche scheiterten, man hat wohl einfach den Zug verpasst. So sind ‚GZSZ‘ ab 1992, ‚Unter Uns‘ ab 1994 und ‚Verbotene Liebe‘ ab 1995 die unangefochtenen Platzhirsche. Und RTL hat es sogar geschafft, mit ‚Alles was zählt‘ 2006 eine weitere erfolgreiche Seifenoper zu installieren, was der Konkurrenz eben größtenteils nicht gelang.

Die erste waschechte Telenovela startete tatsächlich erst 2004 mit ‚Bianca- Wege zum Glück‘. Danach wuchs die Zahl rapide und wir erreichten 2006 mit 9 verschiedenen Telenovelas den Höhepunkt. Anschließend ging es rasch wieder bergab. 2008 waren es dann nur noch 4 Sendungen, und heute sind es nur noch 2 (‚Wege zum Glück‘ und ‚Anna und die Liebe‘ wurden 2012 eingestellt). Aktuell laufen mit ‚Sturm der Liebe‘ und ‚Rote Rosen‘ die beiden letzten Novelas im Öffentlich-Rechtlichen. Hier scheint man ganz klar um 2006 die Zuschauer überfüttert zu haben. Außerdem sind die Telenovelas den Daily Soaps sehr ähnlich und diese hatten eben vorher fast 10 Jahre Zeit, Fans zu sammeln. So waren viele Telenovelas wohl einfach nicht konkurrzenzfähig.

Kommen wir zum letzten Format, den Scripted Reality-Sendungen. Hier ging es erst 1999 los, undzwar mit ‚Nicole – Entscheidung am Nachmittag‘, die eine gescriptete Talkshow war. Bis 2002 ist noch nicht viel passiert, doch dann ging es los. 2003 liefen bereits 6 Scripted-Reality-Formate (von denen ‚Frauentausch‘, ‚Lenßen‘ und ‚Die Autohändler‘ noch bis mindestens 2012 laufen). Dann scheint der Markt um 2005/2006 übersättigt. Man hat 8 Sendungen, 2007/2008 sinkt die Zahl aber wieder auf 6. Doch eigentlich ist das nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn bereits 2010 springt die Anzahl hoch auf 14, und 2012 haben wir sage und schreibe 19 gescriptete Realitäten. Das liegt vor allem daran, dass RTL und RTL II massiv auf dieses billige TV-Format setzen und den Markt regelrecht überfluten (‚X-Diarrhea‘, ‚Berlin – Tag & Nacht‘, ‚Betrugsfälle‘, etc.). Und wieder verschläft Sat 1 und verspielt viel Quote. Trotzdem ist die aktuell hohe Zahl dieser Sendungen erschlagend. Damit übertrumpft man sogar die große Zahl der Talkshows um das Jahr 2000. Vermutlich sind es gerade die geringen Kosten von Scripted Reality, die die Produktion fördern. So braucht man in der Regel kein Studio und kaum Requisite. Schauspieler mit Talent oder gar bekannte Personen sucht man vergebens. Und der gigantische Erfolg von ‚Berlin – Tag und Nacht‘ führt sogar zu einem Kölner Ableger 2013. Vermutlich erreichen wir dennoch spätestens in den kommenden zwei Jahren die Schmerzgrenze, denn sehr viel dümmer als X-Diaries kann das Fernsehen nicht werden.

Was haben wir gelernt? Es gibt ganz klar Trends im Fernsehen. 1996 bis 2003 dominierten Talk-Shows, um danach allmählich in der Versenkung zu verschwinden. Anstelle der Talk-Shows traten dann so ein wenig die Gerichtssendungen und Scripted Reality. Doch für die Juristen ging es nicht lange aufwärts und so kamen dann ab 2005 die Telenovelas, die jedoch auch inzwischen vor sich hinsiechen. So ist es tatsächlich Scripted Reality, dass aktuell dominant auftritt und wächst. Und ich vermute, dass die 19 Sendungen 2012 im nächsten Jahr getoppt werden, weil andere Sender nun allmählich auf den Zug aufspringen. Nebenher laufen die täglichen Seifenopern durchaus stabil. Was hier fehlt sind Koch- und Quiz-Sendungen. Auch die nachmittäglichen Rate-Shows liefen seinerzeit oft und gern (‚Der Schwächste fliegt‘, ‚Jeder gegen jeden‘, …), sind heutzutage aber sogut wie verschwunden. Allerdings fehlt mir dazu das Datenmaterial, um eine gescheite Übersicht zu erstellen. Genauso ist es mit Kochsendungen. Am 15.11.2012 laufen sage und schreibe 10 verschiedene Kochsendungen, aber Übersichten oder Listen in welchen Jahren was lief sucht man (aktuell) leider vergebens. Trotzdem sollte klar sein, dass wohl selten mehr als heute im TV gekocht wurde.

Die Entwicklung könnte (man beachte den Konjunktiv) einem Sorgen bereiten. Gerade im Hinblick auf die in der Regel ziemlich blöden Scripted-Reality-Sendungen. Man sollte aber nicht vergessen, dass es wenige private Sender sind, die dieses Format fördern. Gerade die Öffentlich-Rechtlichen haben sich in den vergangen zwei Jahren allerhand Mühe gegeben, neue, nicht-blöde Sachen auf die Beine zu stellen (ZDF Neo und Kultur, ARD Plus etc.). Und gerade in Zeiten des Internets (und von Mediatheken) sollte niemand mehr dazu gezwungen sein, Tag und Nacht mitten im Leben von Familien im Brennpunkt den Schulermittlern bei ihren Verdachts- und Betrugsfällen zugucken zu müssen. Ansonsten bekäme man nämlich so schlimme X-Diarrhea, dass einem weder die Super Nanny, noch die Zollfahnder, Peter Zwegat oder die Geldeintreiber helfen könnten. Und das wäre wirklich das Ende von allem.

 

 

Quellen:

Lanz‘ große Erwartungen

31 Jahre hat Wetten, dass..? auf dem Buckel. Damit ist die Sendung nur 12 Jahre jünger als Markus Lanz, der nun am 6. Oktober die Moderation übernimmt und damit in die großen Fußstapfen Gottschalks tritt. Und der Druck auf dem Südtiroler ist groß, oder wann hat es zuletzt eine 50-minütige Countdown-Show im Vorhinein gegeben? Wer sich die Zeit genommen hat, konnte also ununterbrochen von 19:25 bis 23:40 etwas mehr als 4 Stunden die volle Breitseite Wetten, dass..? konsumieren. Zusätzlich sitzt zeitgleich der Gottschalk beim Supertalent und läuft damit in direkter Konkurrenz zu seinem Nachfolger. Und weil das noch nicht ausreicht, soll die eingestaubte Sendung modernisiert werden und muss somit eine Gratwanderung aus Neuem und Altem machen.

 

Lanz schön nervös

Markus Lanz beginnt die Sendung mit ein paar einleitenden Worten. Nebenbei schüttelt er Eltsners Hand in der ersten Reihe und man merkt, dass da verdammt viele Menschen sitzen. Und so spürt man bereits von Beginn an, dass der Mann nervös ist. Lanz erzählt eine Anekdote, die aber nicht so recht hilft und dann geht es auch schon los. Die erste große Neuerung ist wohl, dass nun alle Prominenten von Beginn an auf der Couch Platz nehmen und zeitgleich auch schon von vornherein als Paten für die jeweiligen Wetter präsentiert werden. Unglücklich scheint nur, dass Lanz so viele Leute gleich am Anfang da zu sitzen hat. Campino, Karl Lagerfeld, Sylvie und Rafael van der Vaart, Hannelore Kraft, Wotan Wilke Möhring, Bülent Ceylan und Rolando Villazón. Mit ihm sind das 9 Leute, von denen die meisten lange Zeit unbeteiligt bleiben. In den ersten Gesprächen addressiert der Moderator immer eine einzelne Person und man fühlt sich an seine Talk-Sendungen erinnert. Zumal man auch hier spürt, dass sich Lanz noch nicht so Recht wohlfühlt und mit seinen zusammengekniffenen Augen ganz gerne auf konzentrierter Zuhörer macht. Vor allem die Palawer mit den Promis wirken dabei gerne mal unglücklich und arg konstruiert. Das liegt aber auch daran, dass Lanz auf seine nette Art und Weise nicht so ein Chauvinist wie Gottschalk ist. Der setzte sich in jeder Unterhaltung durch, auch wenn dazu ein böser Witz nötig war. Außerdem sah sich Gottschalk immer erst zum Ende seiner Sendungen mit einer derart großen Überzahl an Leuten konfrontiert. Hier ist das Konzept, dass die Couch erst nach und nach mit Leuten gefüllt wird, eigentlich besser. Dafür kann sich die Couch mit den Gästen jetzt drehen und die einzelnen Wetter sitzen dahinter auf ihrer eigenen Sitzgelegenheit (die sich aber nicht drehen kann).  Die Modernisierung der Kulisse ist dezent, aber doch deutlich spürbar und macht die Sendung frischer. Man ist also im 21. Jahrhundert angekommen.

Man dachte auch, es würde auf eine Co-Moderatorin verzichtet werden. Bis dann Cindy aus Marzahn aus einem Wohnwagen herausgeklettert kam und noch häufiger Auftritte hatte und vor allem bei den Wetten dem Lanz zur Hand ging. Das war eine durchaus sympathsiche Lösung, auch wenn ich persönlich Cindy nicht leiden kann bzw. mir der Humor zu eintönig ist. Nichtsdestotrotz ist so eine sporadische Assistentin tausendmal besser als die arg gequälte Art von Michelle Hunziker, die mit Thomi mit zu RTL gewandert ist. Gerade Cindy schafft es, ein wenig Druck von Markus Lanz zu nehmen, weil jemand neben ihm steht, der eher ausgelacht wird und der eben auch davon lebt, dass die Leute sich über einen lustig machen. So tritt bei einer Außenwette Michael Kessler als Günther Jauch auf und gibt der etwas trägen Wette noch eine lustige Seite.

Die Gäste sind alle in Ordnung. Natürlich brabbelt Lagerfeld viel komisches Zeug und natürlich macht Bülent Ceylan irgendeinen Quatsch mit seinem Haar. Und Villazón bleibt auch cool, wenn Lanz seine Körperbehaarung, ob in der Nase oder auf der Brust, anspricht. Nichtsdestotrotz wird man das Gefühl nicht so richtig los, als ob es einfach viel zu viele Leute sind. Hannelore Kraft hat wenig beizutragen, auch wenn sie eine sympathische Person ist. Und Jennifer Lopez ist nach ihrem Auftritt auch nur ganz kurz da um über allerhand Unwichtiges zu reden.

 

Lanz‘ normale Wetten und eine Herausforderung

Dann sind da ja auch noch die Wetten. Auch hier wurde erneuert. Jeder Wetter bekommt nun ein Anfangsfilmchen, dass die Hintergründe der vorgestellten Aktion und die Person dahinter beleuchtet. Das ist auf jeden Fall sehr schön und bringt einem die Akteure näher. Gleich die erste Wette ist die mit Abstand beste und später am Abend auch Sieger. Hier balanciert ein junger Mann auf einer Slackline und macht, ohne abzusteigen, Fallrückzieher mit einem Fußball auf ein Tor hinter ihm. Doch als der Mann die angestrebten vier Tore macht, beim letzten jedoch die Balance verliert und den Boden berührt, herrscht kurze Zeit Verunsicherung. Wette geschafft oder nicht? Niemand weiß so recht. Auch die Van der Vaarts sind sich unsicher. Eher unsicher verkündet Lanz, dass der Mann nun noch einmal von vorne anfangen muss und zwei Minuten später ist die Wette dann auch verloren. Hier war der Moderator spürbar nicht Herr der Lage. Aber das ist auch vermutlich nicht verwunderlich für die erste Sendung. Trotzdem vermisst man bei Lanz ein wenig den Killerinstinkt und die Initiative. Um einiges merkwürdiger ist eine spätere Wette, in der ein älterer Herr einen relativ großen Parcours mit seinem Traktor auf nur zwei Rädern meistern soll. Nach wenigen Metern scheitert er jedoch, vermutlich weil der Untergrund nass war, und somit ist diese recht aufwendige Außenwette nach nur 20 Sekunden vorbei. Bei der nächsten Einstellung auf das Sofa mit Lanz mittendrin merkt man, dass das unerwartet kam und ein paar Sekunden lang Verwirrung herrscht. Das liegt vermutlich daran, dass Lanz kein überhebliches Arschloch sein kann wie Gottschalk, der wenn es sein muss, mit stupidem Gequatsche und einem blöden Witz jede Situation vergessen machen kann.

 

Nervig ist später bei einer Wette, bei der eine Frau Hundehaare entsprechenden Hunderassen zuordnen soll, Lanz‘ und Möhrings Gequatsche. Die Dame sitzt da und fummelt an der Haarprobe rum und die beiden Herren quatschen einen Haufen Quatsch und stören die Konzentration. Hier merkte man ganz klar, dass sich Markus Lanz ein wenig versuchte, wie Gottschalk zu verhalten. Nur funktioniert das so eben nicht. Dazu fehlt es an der Ruhe und der Routine. Aber das ist nichts, woran man nicht arbeiten kann. Überhaupt ist die Idee, Wettenden und Wettpaten aneinander zu binden, sehr gelungen. So müssen nun zu jeder Wette alle Promis ihre Einschätzung abgeben, denn wer richtig liegt, gewinnt für seinen Wetter 1000€ pro richtiger Angabe. Doch auch diese Idee wird getrübt, denn einmal vergisst Lanz beinahe, bei allen nachzufragen und beim vierten Mal ist es ein wenig nervig, wenn er jedes mal jeden einzelnen befragt, wie dieser so denkt. Das müsste man vermutlich anders lösen, vielleicht eine graphische Eingabe oder ähnliches. Nichtsdestotrotz werden die Grenzen zwischen Prominenz und Normalos ein wenig gelockert und man merkt vor allem am Ende, wenn sich Slackliner und Van der Vaarts in die Arme nehmen, dass man sowas nie bei Gottschalk gesehen hätte. Dass von den fünf Wetten nicht alle unbedingt interessant waren, sollte nicht unbedingt stören. Lanz schafft es jedoch, dass die Spiele wieder etwas wichtiger werden und nicht nur Beiwerk sind.

Und dann plötzlich und unvermittelt die ‚Herausforderung‘. Lanz muss gegen einen Zuschauer antreten. Liegestütze mit einem Bierkasten auf dem Rücken. Wenn der Kandidat gewinnt, darf er auf eine zweiwöchige Kreuzfahrt im Wert von 10.000 €.  Der Zuschauer bricht jedoch nach 3 Wiederholungen zusammen. Hier schafft es Lanz, mit dieser unerwarteten Leistung gut umzugehen. Er bietet dem Mann an, dass sich dieser eine Person aus den Zuschauerreihen aussucht, die die Challenge anstatt seiner macht und so noch für ihn die Aktion gewinnen kann. Und der sucht sich natürlich den stärksten Kerl im Saal aus, der Lanz dann auch schlägt. Das war widerum gut gemeistert. Einerseits weil der Moderator selbst Körpereinsatz zeigt und weil die spontane schwierige Situation in Wohlgefallen aufgelöst wurde. Dass Lanz nach den Liegestützen so außer Atem war, dass er kaum den nächsten Showact ankündigen konnte, war schon wieder sehr lustig und garantiert nicht unbedingt so vorgesehen. Nichtsdestotrotz fühlt man sich an ‚Schlag den Raab‘ erinnert, was aber nicht zwangsläufig schlecht ist. Man muss nur zusehen, was aus dieser Idee in späteren Sendungen gemacht wird.

 

Lanz‘ nette Auftritte

Und natürlich gibt es Showacts. Der junge maskierte Rapper Cro, der seine sehr erfolgreiche Nummer ‚Easy‘ vorträgt, die aber so rein gar nicht zur Sendung passt. Dafür ist meiner Meinung nach einfach der Altersdurchschnitt zu hoch. Es ist vielleicht auch lustig, dass auf seinem Shirt vorne „Was reimt sich auf Lanz?“ draufsteht, was mit „Gans“ auf dem Rücken beantwortet wird, doch ich habe dann immer den Eindruck, dass ein Frank Eltsner  in der ersten Reihe dem Herzinfarkt nahe ist. Die Toten Hosen und die Voca People hingegen fügen sich da homogener in die Veranstaltung. Und dann ist da noch am Ende Jennifer Lopez. Nach ihrem Auftritt kommt die Frau noch auf eine kurze Unterhaltung auf die Couch. Dass sie selber jedoch nicht mehr weiß, wann und wo sie in Deutschland auftritt, ist dann einfach mal schade. Da weiß Lanz auch nicht genau die konkreten Termine, aber macht ja nichts, es sind vier große deutsche Städte. Die Showacts waren aber sowieso nie das wichtige Element der Sendung.

Das war die Stadtwette mit ihrem Wettpaten Campino auch nicht. Es sollten 500 Düsseldorfer halbnackt und bemalt das Logo von Forutna Düsseldorf mit ihren Körpern bilden. Und natürlich wurde die Wette gewonnen. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass diese Wette nur zur Promotion dient. Jetzt muss der Lanz im Fortuna-Trikot 37km nach Köln latschen. Medienwirksam eine Woche vor der nächsten Sendung. Mit Gottschalk war es auch nie anders, aber man könnte vermutlich auf diese Art Wette ohne größere Verluste verzichten.

 

Lanz und gar zu viel

Das größte Ärgernis an der Sendung ist, dass sie viel zu sehr überladen ist und dreieinhalb Stunden auch nicht wirklich wenig sind. Es passiert einfach zu viel und es bleibt wenig Ruhe für die Gespräche. Mitten in einer Unterhaltung mit Villazón kommt der Ruderachter von der Außenwette hinein, setzt sich laut und unter Applaus zu den anderen Wettenden und dann wird nicht etwa das Gespräch fortgesetzt, sondern man kommt gleich zum nächsten Punkt auf der Agenda. Beim Gespräch mit Ceylan kommt Lopez umgezogen aufs Sofa und dann wird mit ihr weitergeredet. Und ständig geschieht etwas. Natürlich ist die Sendung dadurch dynamischer, aber ich fühle mich als Zuschauer einfach überfordert. Viel zu viele Leute und Eindrücke. Man bekommt Angst, aufs Klo zu gehen, weil man etwas verpassen könnte.

Und obwohl ich Lanz wegen seinen Talksendungen nicht wirklich leiden kann, hat er seinen Job wirklich gut gemacht. Man merkt, dass alle paar Minuten irgendetwas nicht nach Plan verläuft. Ob der Gesprächspartner à la Lagerfeld undeutlich seine Weltanschauung präsentiert oder eine Wette nicht so läuft wie vorgesehen. Selbst als alle Promis und Wettenden versammelt werden, um die Telefonnummern zu präsentieren, funktioniert die Einblendung nicht. Unbeirrt quatscht Lanz einfach munter weiter, bis die Technik läuft. Und ich nehme auch an, dass er an Lockerheit mit weiteren Sendungen dazugewinnt.

Insgesamt ist dem ZDF mit dem Lanz’schen Wetten, dass..? eine Modernisierung gelungen. Die Sendung ist unterhaltsam, obwohl an der einen oder anderen Ecke noch geschliffen werden sollte. Dass Markus Lanz so etwas kann, hat er nun bewiesen. Und so richtig vermisst wird Thomas Gottschalk nicht, das beweisen die Quoten. Während das Supertalent mit 4,57 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 14,1 % den Tiefpunkt der Staffel markiert, interessierte Lanz‘ Debüt 13,62 Millionen Menschen und damit 43,7%. Das sind starke Zahlen. Die Zukunft wird zeigen, ob Lanz und Wetten, dass..? eine erfolgreiche Mischung für viele Jahre ist. Der Grundstein dafür wurde zumindest gelegt.