Frank Buschmann: Am Ende kackt die Ente (2014)

Hin und wieder verlangt der Geist nach Fast Food. Daran lässt sich nun mal nicht immer was ändern und ist vermutlich auch eine relativ schwache Rechtfertigung. Aber was solls. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir müssen mit der Situation zurechtkommen. Und nach George R.R. Martins endlosen Ausführungen über Drachen, Inzest und anderem Fantasy-Kram stand mir der Geist nach etwas leicht Verdaulichem. Soviel zumindest zur Begründung, warum ich mir die Autobiographie von einem der populärsten Fußballkommentatoren hierzulande zu Gemüte geführt habe. Dass dabei keine tiefen Einsichten in Philosophie oder Ethik zu erwarten sind, sollte eigentlich, zumindest wenn man den Mann schon mal gehört hat, von vornherein klar sein. Aber ist „Am Ende kackt die Ente“ am Ende so viel Wert wie das, was beim Kacken einer Ente am Ende herauskommt? Werde ich weitere schlechte Wortspiele hier unterbringen? Oder steckt da vielleicht noch mehr drin? Das gilt es alles herauszufinden.918f304a56c04111a3084a4b5eaa6254

Frank Buschmann beginnt seine Karriere als Basketballer. Mit der BG Hagen spielt er in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga und macht nebenbei so ein wenig Radio. Und wie das Leben so spielt, gelangt er über Umwege und Zufall, und vermutlich dank seiner großen Klappe, irgendwann zum damaligen Deutschen Sport Fernsehen und somit auch ins TV, wo er u.a. heute noch als Kommentator für so Sendungen wie „Schlag den Raab“ zu hören ist. Und gelinde gesagt ist das eigentlich alles, was man über den Mann wissen muss. Gespickt wird dabei seine Karriere durch allerhand Anekdoten, seien es Begegnungen mit Dirk Nowitzki und Dennis Rodman. Oder sogar Gerhard Schröder und Michael Gorbatschow. Dabei geht Buschi sehr linear durch die Jahre und reiht relativ zusammenhanglos Sportereignis an Treffen an Anekdote.

Was über die ersten 50 Seiten noch locker lesbar ist, wird leider mit den folgenden 200 Seiten zunehmend eintöniger. Das liegt nicht zuletzt an Buschmanns Schreibstil. Der ist, gelinde gesagt, sehr einfach. Einfache Sätze, einfache Gedanken. Und an keiner Stelle Tiefgang. Klar, der war hier eigentlich nie zu erwarten gewesen, aber nichtsdestotrotz wird es nach einer Weile monoton. Das liegt auch in der eher etwas schnellen und wenig spannenden Schilderung der vielen Begegnungen mit Größen des Basketballsports. Wo es definitiv Potential für eine spannende Erzählung gibt, verflachen die Geschichten schon alleine aufgrund seiner Art zu schreiben. Dabei ist es ja durchaus sympathisch, dass der gute Mann alle Zeilen selbst verfasst zu haben scheint. Doch trotzdem ist Buschmann einfach kein erfahrener Autor und damit gerät das Buch schnell zu einer monotonen Aneinanderreihung von locker erzählten Berichten. Interessante Stellen sind genauso kurz wie uninteressante und somit bleibt am Ende nicht sehr viel in Erinnerung. Besonders, wenn der erwachsenene Mann eher ungeschickt von einem Saufabend berichtet, fragt man sich doch, ob er denn nie mit sich selbst ins Gericht geht. Selbstreflexion ist nun mal augenscheinlich nicht seine Stärke. Hier wird definitiv Potential verschenkt. Aber Frank Buschmann ist ja auch weder Philosoph noch Poet.

Und so, wie er auf Facebook seine Posts verfasst, so ungefähr hört sich an vielen Stellen das Buch auch an. Dabei gibt es aber zum Beispiel auch eine Passage, in der im Wortlaut ein Livekommentar zu einem Basketballspiel wiedergegeben ist und der durchaus gut unterhält und viel mehr über die Person Frank Buschmann zu erzählen vermag als der Rest des Buchs. Mehr davon hätte sicher nicht geschadet. Und für jemanden, der gerne Bundesliga-Konferenzen schaut, gibt es auch eine Passage über die technischen Hintergründe so einer Schaltung. Sehr viel mehr bleibt allerdings nicht hängen.

Gibt es trotzdem Gründe, „Am Ende kackt die Ente“ eine Chance zu geben? Eines muss man dem Buch dann nämlich doch lassen: Es wirkt authentisch. Die Art und Weise des Schreibens erinnert schon stark an die unsachliche Art von Buschmann, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Er ist emotional und bei der Sache. Und er bemüht sich auch um „Randsportarten“. Wer den Mann mag und ihm ohnehin mit großer Freude auf sozialen Netzwerken folgt, wird dem Buch ein wenig etwas abgewinnen können. Alle anderen dürfen auf die Lektüre getrost verzichten, denn zu viel Fast Food ist nicht gesund.

Bewertung: 

Lock Up – Überleben ist alles (1989)

Es gibt Filme, bei denen ist eigentlich von vornherein klar, was passieren wird. Und dann gibt es ja auch noch Schauspieler, bei denen von vornherein klar sein sollte, auf was für Rollen sie gebucht werden. Und wer hinter ‚Lock Up‘ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle ein gesellschaftskritisches Stück mit facettenreicher Handlung vermutet, hat vermutlich noch nie Rambo gesehen. Oder Over the Top. Oder Rocky. Oder Cliffhanger. Oder The Expendables. Oder jeglichen anderen Film mit Sly in der Hauptrolle. Außer Copland, der war wirklich gut. Aber wir sind hier schließlich bei Lock Up, und dahinter verbirgt sich, wer hätte das gedacht, ein Knast-Action-Streifen. Mit Dramaelementen!Lock Up

Frank Leone (Sylvester Stallone) ist ein eigentlich herzensguter Mensch. Wer hätte das gedacht? Zwar kommt er von der Straße, doch seinen Lebensunterhalt verdingt er sich als Automechaniker. Fair und ehrlich und irgendwie auch sehr amerikansich. Wer hätte das gedacht? Außerdem hat er eine hübsche Freundin. Wer hätte das jetzt nun gedacht? Unschuldig wie er nun mal ist, als guter Amerikaner, muss er jedoch eine gewisse Zeit im Knast absitzen. Kurz vor seiner Entlassung wird Frank verlegt und muss nun unter dem tyrannischen Knastdirektor Warden Drumgoole (Donald Sutherland) leiden, der noch eine offene Rechnung mit ihm hat. Und so beginnt ein harter Kampf ums Überleben.

Natürlich findet der gute Franky-Boy schnell Freunde im Knast. Unter anderem Dallas (Tom Sizemore) und First Base (Larry Romano). Und noch natürlicher findet er diverse Feinde. Nicht nur unter dem Mitinsassen Chink Weber (Sonny Landham), sondern auch, wer hätte das gedacht, unter den Wärtern. Allerdings kann er sich dank der hausinternen KFZ-Meisterwerkstatt im Gefängnis von seinen täglichen Sorgen ablenken. Das hätte wirklich keiner gedacht. Mit Franks näher rückenden Entlassung scheint der beknackte Direktor allerdings auch zunehmend an Verstand zu verlieren, was zur Eskalation führen muss. Involviert sind dabei auch ein elektrischer Stuhl und ein Showdown, der die Grenzen logischen Denkens souverän durchbricht.

Besondere Erwähnung sollten dabei zwei bis drei Szenen unter den Männern in der Werkstatt finden, die ungewollt eine gewisse erotische Anziehungskraft der Häftlinge zueinander vermuten lassen können. Hey, das soll nicht verurteilt werden. Aber vermutlich war das nicht die Inention von Regisseur John Flynn. Ansonsten nimmt sich der Film an vielen Stellen furchtbar ernst und portraitiert unseren Recken als unerschrockenen Mann aus der Unterschicht, der sich nicht von der Obrigkeit verbiegen lässt. Was für ein Schweinehund!

Und tatsächlich, man empfindet hier und da schon etwas Sympathie für Frank oder einen seiner Freunde. Dabei ist das natürlich niemals auch nur annähernd so fesselnd wie Die Verurteilten. Aber für einen Sly-Film doch schon echt in Ordnung. Leider verliert der Streifen gerade zum Ende hin furchtbar stark, weil das Finale, wie man es auch wenden mag, einfach wenig Sinn macht. Aber vermutlich ist das auch egal. Hier ging es nie um eine schlüssige Handlung. Und wer Sylvester Stallone mag und sich mit allen eingangs erwähnten Filmchen gut anfreunden kann, wird auch mit Lock Up angenehme 109 Minuten verbringen. Schließlich ist da, wo Stallone draufsteht, auch immer Stallone drin. Außer vielleicht bei Copland, der war wirklich überraschenderweise ziemlich gut. Wer hätte das gedacht?

 

Regie: John Flynn (Deadly Revenge, Brainscan, Bestseller)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos, Tom Sizemore, Sonny Landham, Frank McRae, Larry Romano

Bewertung: 

 

300: Rise of an Empire (2014)

Wut. Haß. Überschäumende, alles zersetzende Rage. Zorn. Empörung. Alles Begriffe, mit denen ich nicht die kämpfenden Griechen in diesem Film beschreiben würde, sondern meinen eigenen Gemütszustand nach dieser Fortsetzung. Selten, wirklich selten könnte ich mich so aufregen. Natürlich bin ich da auch selbst schuld. Wer nicht gestochen werden will, sollte wohl auch nicht in ein Wespennest fassen. Doch trotzdem. Es war wieder mal meine Naivität. Der erste Film nämlich, 300, nach einem Comic von Frank Miller und umgesetzt von Zack Snyder, war wirklich cool. Stylisch, brachial und einfach. Natürlich ohne Tiefgang, aber allein die Art der Umsetzung war so konsequent und spaßig, dass man keine Sekunde über den Inhalt grübeln musste. Es war einfach alles stimmig. Und nun das hier…

Xerxes (Rodrigo Santoro) greift nämlich nicht nur die bekannten 300 Spartaner an den Thermopylen an, sondern auch den Rest Griechenlands zu Wasser. Angeführt wird seine Flotte von Artemisia (Eva Green), deren Name und Erscheinungsbild an eine Puffmutter erinnern. Der Athener Themistocles (Sullivan Stapleton) stellt sich mit ein paar kümmerlichen Schiffen der Streitmacht, weil Sparta und der Rest der Griechen grad nicht so Bock haben. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Die Königin der Spartaner Gorgo (Lena Headey aka Cercei Lannister), der im ersten Teil von Leonidas in die Kloake gekickte Perser sowie dieser Verräter-Krüppel. Die Handlung ist dabei rund um den ersten Film angesiedelt und erweitert die einfache Story des Vorgängers um allerhand unnötigen Blödsinn. 300 Rise of an Empire

Es ist das typische Hollywood-Syndrom. Ein erfolgreiches Konzept wird mit viel Geld aufgegriffen und fortgesetzt, ohne dabei auch nur den Hauch des Charmes des Originals zu erreichen. Dabei ist es fast schon idiotisch, wie viel Mühe sich 300: Rise of an Empire gibt, die Handlung von 300 zu kopieren. Wieder einmal muss eine kleine Gruppe von Kriegern der persischen Übermacht strotzen, weil sich der bürokratische Rest nicht einigen kann. Wieder tritt ein über alle Maßen erfahrener Krieger einer Unmenge an Schergen in den Allerwertesten. Und wieder folgt eine Welle persischer Angriffe auf die nächste. Wieder gibt es auf Seite der Protagonisten einen Vater samt Sohn, die an der Seite des übermächtigen Anführers kämpfen. Wieder werden vor und nach den Kämpfen Reden geschwungen, die diesmal allerdings allesamt reichlich uninspiriert wirken.

Der große Unterschied zum ersten Teil ist, dass die gesamte Action auf dem Wasser stattfindet. Und dass eine Antagonistin etabliert wird. Hier erreicht der Film wirklich einen absoluten Tiefpunkt. Klar ist Eva Green hübsch, aber ihre Handlungen sind weder nachvollziehbar noch geistreich. Und so nimmt sich der Film des Mysthischen, was die Bösen davor noch hat auszeichnen können. Klar war Xerxes ein Mensch, aber die Art und Weise seines Gebarens war so abgehoben und passend, dass sich das mit den übertriebenen Worten Leonidas‘ ergänzte. Artemisia ist nämlich tatsächlich nicht viel mehr, als eine durchgeknallte Puffmutter in Lack und Leder. Die ach so gewitzte Anführerin lässt niemals auch nur den Hauch von Intelligenz aufkommen. Schade.

Noch dümmer ist nur das Ende. Dort greift doch tatsächlich die spartanische Königin selbst, ohne Schild, Helm oder Rüstung, zur Waffe. Das widerspricht wirklich allem, was vorher jemals etabliert wurde. Mit viel Pathos bedient man sich nämlich der altbekannten Gesichter, um dadurch eine Art Fanservice zu betreiben. Nicht umsonst wird auch nochmal der bereits erwähnte persische Bote eingeflochten, genauso auch der einäugige Spartiate, der am Ende von Teil 1 die Truppen anführt. Alles nur, damit man sich als Zuschauer immer wieder an 300 erinnert fühlt. Folglich hat der Film auch keine Alleinstellungsmerkmale. Man beruft sich auf das Prequel, ohne einen eigenen geistreichen Beitrag zu leisten. Glückwunsch.

Klar sind die Kämpfe nicht schlecht. Aber niemand will zum zwanzigsten Mal irgendwelche computeranimierten Galeeren aufeinander zufahren sehen. Und solche Szenen machen einen großen Teil der Action aus. Wenn zum Schluss auch noch ein Pferd aus dem Hut gezaubert wird, welches über die zerstörten Schiffe galoppiert, dann wird es wirklich lächerlich. Folglich scheitert 300: Rise of an Empire an sich selbst. Schneller, lauter, größer ist nicht gleich besser. Den Spagat aus Action, Style und Pathos hat Leonidas hinbekommen, Themistocles scheitert jedoch auf allen Ebenen.

 

Regie: Noam Murro (Smart People)

Schauspieler: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey, David Wenham, Callan Mulvey

Bewertung: 

 

hoerdatei Episode 7: Wrap-up

Nach 11-monatiger Pause greifen wir wieder an. Jetzt mit noch mehr Gewalt und 20% mehr Vokalen. Und sehr vielen Abschweifungen. Mit dabei: Olly (aus dem nahen Neuseeland), Kyrill, Indiana Jones, Captain Kirk, Keyser Söze, Michael Haneke, George R. R. Martin und Matthew McConaughey. Aber hört selbst.podcast logo

 

 

00:01:22 Raiders of the Lost Ark, oder: früher war alles besser

00:14:28 Star Trek: Der Film, und früher war wirklich alles besser

00:28:52 Die üblichen Verdächtigen, denn Spoiler gehören an Autohecks

00:34:17 Funny Games, not so funny at all

00:43:26 Game of Thrones, oh my sweet summer child

00:59:43 True Detective, der achstündige Film im Serienformat

01:24:52 Ende

 

 

Star Trek: Der Film (1979)

Falls man jemals in der Situation steckt, auf die Frage antworten zu müssen, für wie viele Oscars der erste Star Trek-Film von 1979 nominiert wurde, dann sei an dieser Stelle für Aufklärung gesorgt: 3! Bestes Set, beste Effekte und beste Musik. Gewonnen hat das 132-minütige Filmchen dann nichts, aber immerhin gibt es nicht viele andere Franchises, die so einen Einschlag auf die heutige Popkultur genommen haben.Star Trek

Captain Kirk (William Shatner), eigentlich Admiral und inzwischen Sesselfurzer, übernimmt wieder das Kommando über die Enterprise, was dem nun Ex-Captain Decker (Stephen Collins) gehörig gegen den Strich geht. Schließlich ist der alte Sack nicht mit den Modernisierungen vertraut. Mit an Bord sind die altbekannten Scotty (James Doohan), Sulu (George Takei), Uhura (Nichelle Nichols) und Chekov (Walter Koenig). Und weil es sonst zu langweilig wäre, werden in kürzester Zeit auch noch Dr. McCoy (DeForest Kelley) und Spock (Leonard Nimoy) reaktiviert. Dabei hat die Crew keine Zeit zu verlieren, denn eine gigantische Energiewolke zieht gen Erde und vernichtet alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt.

Der Film zeichnet sich dabei teilweise durch ewig lange (fast volle 10 Sekunden!) Sequenzen im Weltall aus, die das Schiff oder das merkwürdige Energie-Dingsbums zeigen. Gerade in Zeiten der heutigen Schnittgewitter ist das ungewohnt ruhig und, leider auch mitunter, ermüdend. Damals waren diese langen Shots sicherlich interessanter. Das soll aber nicht als grundlegend negativer Aspekt ausgelegt werden. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass der Film träge ist und über die lange Laufzeit betrachtet gar nicht mal so viel passiert. Das meiste spielt sich ohnehin an Bord in Form von Dialogen zwischen den Besatzungsmitgliedern ab, die für mich als Nicht-Trekkie jedoch nicht so recht harmonisch wirken. Da fehlt offentsichtlich das Vorwissen der alten Serie, denn dem Zuschauer werden die einzelnen Verhältnisse untereinander nicht in großem Maße erklärt. Was aber ehrlich gesagt ganz nett ist. Man braucht nicht alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen.

Die Story, die eigentlich ganz cool ist und auch Raum für moralische Betrachtungen liefert, wird zum Schluss jedoch mit wenig Tiefgang und ohne herausragende Konsequenzen abgefrühstückt. Der Verlust von Crew-Mitgliedern scheint dem Rest der Besatzung ziemlich egal zu sein. Hier scheinen die Reboot-Filmchen mehr Augenmerk auf die Persönlichkeiten und deren Emotionen gelegt zu haben. Dafür gab es 1979 noch keine Lens Flares. Und ehrlich gesagt, auch wenn die Effekte natürlich alles andere als taufrisch sind, billig wirken sie nicht und sind damit auch heute noch eigentlich in Ordnung. Da haben aktuellere Filme viel schlimmere CGI-Verbrechen begangen (Catwoman, Die Mumie kehrt zurück, Die Another Day, Superman 4, …).

Was ist der erste Star Trek-Film jetzt also? Ein Klassiker? Alter Müll? Nur für Fans? Oder Allgemeinwissen? Braucht man ihn, wo es doch jetzt die total tollen Reboot-Streifen gibt, die sich in erster Linie durch Lens Flares auszeichnen?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Für tiefgründige Betrachtungen ist der Film zu oberflächlich und reicht nicht an Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum heran. Dann aber ist Star Trek auch viel zu speziell und träge, um so massentauglich wie Star Wars zu sein. Trotzdem besitzt der Film einen Charme und eine (nerdige) Faszination, den die Reboots meiner Ansicht nach nicht mehr haben. Hier ist das Universum, wie es sich Gene Roddenberry vorgestellt und produziert hat. Nicht für die Massen herausgebürstet und zurechtgebogen, sondern in seiner Kauzigkeit mit Ecken und Kanten versehen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Es ist kein perfektes Entertainment-Produkt, aber dafür wird man vielleicht mit Freude feststellen, wie viele popkulturelle Referenzen Bezug auf dieses Universum nehmen. Alleine dafür lohnt es sich schon, zumindest mal reinzuschauen. Und vielleicht sitzt man irgendwann in ferner Zukunft bei einer Quizsendung und weiß: Der erste Star Trek-Film wurde für genau 3 Oscars nominiert!

 

Regie: Robert Wise (The Sound of Music, West Side Story, Der Tag, an dem die Erste stillstand)

Schauspieler: William Shatner, Leonard Nimoy, Stephen Collins

Bewertung: 

 

The Act of Killing (2012)

Es gibt Filme, Serien und Bücher, die einen so mitnehmen, dass man erst einmal dasitzt und nicht so recht weiß, ob schon mit dem normalen Leben fortgefahren werden kann. Man ist geschockt, erschüttert und hat noch nicht den Elan, wieder in das Tempo des Alltags zurückzukehren. Wie kann sich die Welt trotz des Gesehenen weiter in ihren gewohnten Bahnen bewegen? Skandal! Bei Game of Thrones ging es mir nach einer speziellen Folge so. Und mit The Act of Killing hat es sogar eine Dokumentation geschafft, mich so aufzurütteln, dass ich über das Gesehene erst einmal gründlich nachdenken musste. Auch weil des Erlebte in dieser Form einzigartig ist. Und verstörend.The Act of Killing

Nach einem gescheiterten Putschversuch in Indonesien 1965 begann die Verfolgung, Verschleppung und Vernichtung von Kommunisten im Land. Teilweise bis 1968. Hierzulande wird man wohl kaum etwas davon wissen. Trotzdem fielen ungefähr eine halbe Million Menschen diesem Pogrom zum Opfer. Oder waren es eine Million? Vielleicht zwei? Niemand weiß das so genau. In indonesischen Geschichtsbüchern werden die Zahlen gering gehalten und die Kommunisten als bestialische Ungeheuer dargestellt, die um jeden Preis vernichtet werden müssen. Bis zum heutigen Tag. Joshua Oppenheimer, der Regisseur von The Act of Killing, trifft die Mörder der damaligen Zeit, die allesamt stolz auf ihre Taten sind und ein geruhsames Leben führen, frei von Geldsorgen oder irgendwelchen Gewissensbissen. Der Clou an der Sache: Die Täter sollen für den Film ihre Handlungen selbst nachspielen, wobei sie das Genre selbst wählen dürfen und teilweise sogar auch die Opfer spielen. Zu großen Teilen besteht die Doku aus Interviews mit den Männern, die sich mit Aufnahmen von den Dreharbeiten abwechseln.

Was sich anfangs wie eine asiatische Freakshow anfühlt, schließlich werden stellenweise vor Gangsterfilm- und Western-Kulissen Menschen gefoltert, geschlagen und enthauptet und hin und wieder läuft auch ein dicker Mann in Frauenklamotten rum, entpuppt sich als eine Reise hinter die Fassade der morbiden Moral der Mörder. Dabei nimmt sich der Film enorm viel Zeit und zeigt auch das Leben der Männer, die offensichtlich keine Reue empfinden. Wir sehen praktisch nur die Täter, Opfer kommen nicht zu Wort. Daraus zieht der Film auch seine unglaubliche Intensivität, denn mit mitteleuropäischen Moralstandards von heute ist das nicht nachzuvollziehen. Es ist, als ob dort Nazikriegsverbrecher stolz von ihren Taten im Holocaust berichten. So erzählt Anwar Congo in einer realen Talkshow über die schätzungsweise tausend Menschen, die er umgebracht hat. Und wie er das angestellt hat, ohne seine Kleidung einzusauen.

Im Director’s Cut ist The Act of Killing stolze 159 Minuten lang, immerhin deutlich länger als die zweistündige Kinofassung. Dabei bleibt die Dokumentation stets sehr ruhig, doch die schiere Fassungslosigkeit ob der gezeigten Ignoranz ist einfach nur atemberaubend. Es gibt keine Spannung und auch sonst wenig, was das Ansehen angenehm gestaltet. Oppenheimer hat keinen entertainigen Film geschaffen und Wohlfühlmomente sucht man vergebens. Trotzdem ist The Act of Killing eine der wichtigsten Dokumentationen der letzten Jahre, die so dermaßen aufwühlt und einen aufsaugt, dass man sich emotional kaum entziehen kann. Man fühlt sich nach dem Film wirklich schlecht. Schließlich hat man den Abgrund der Menschheit gesehen, und womöglich verliert man auch jegliches Vertrauen in diese. Solch ein Erlebnis vergisst man nicht so schnell.

 

Regie: Joshua Oppenheimer (The Entire History of the Louisiana Purchase, The Globalisation Tapes)

Schauspieler: Anwar Congo, Herman Koto, Syamsul Arifin

Bewertung: 

 

Captain Phillips (2013)

Tom Hanks hat bereits zwei Oscars für den besten Hauptdarsteller in der Tasche (Philadelphia und Forrest Gump) und weitere drei Nominierungen vorzuweisen (Big, Der Soldat James Ryan und Cast Away). Und als Captain Phillips darf er sich zumindest schon mal vorsichtig einen weiteren Platz für einen Goldjungen suchen, denn was er hier besonders zum Ende hin spielt, ist ganz großes Kino.

Richard Phillips ist Kapitän der MV Maersk, einem amerikanischen Containerschiff. Dieses wird vor der Küste von Somalia von einer kleinen Gruppe Piraten gekapert. Das ist dann tatsächlich auch schon die gesamte Handlung. Mehr braucht man nicht zu wissen. Als Geisel muss der Kapitän dann qualvolle Stunden und Tage in der Gewalt der ausgehungerten Banditen verbringen. Captain Phillips

Die erste Hälfte ist dabei noch eher ruhig und konventionell. Tom Hanks ist einfach nur ein bierernster älterer Herr, der das Kommando über einen großen Kahn hat und auf professionelle Art und Weise agiert. Mit zunehmender Dauer und besonders am Schluss baut sich eine so gewaltige Spannung auf, dass man trotz des Fehlens großer Actionszenen förmlich erdrückt wird. Regisseur Paul Greengrass gelingt es, den Druck immer wieder aufzubauen und stellenweise zu lösen, sodass man auch als Zuschauer nicht die Lust am Geschehen verliert. Und obwohl ich kein großer Fan von Greengrass‘ Wackelkamera bin, passt sie in dieses maritime Setting hinein und gibt dem Film eine gute Portion Leben. Dabei bleibt die Situation die meiste Zeit übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Bourne Ultimatum kennt, gibt es einfach nicht.

So müssen die Darsteller den Film tragen. Und das tun sie. Nicht nur Tom Hanks spielt ähnlich stark wie in Cast Away, auch die vier afrikanischen Entführer machen ihre Sache gut, allen voran der Anführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi. Obwohl man die Hintergründe der Entführer nachvollziehen kann und sogar etwas Mitleid hat, bleiben sie Antagonisten. Bei mir entstanden so im Laufe durchaus ambivalente Gefühle. Man sorgt sich um Phillips, doch den Tod wünscht man den Somaliern irgendwie auch nicht. Dabei haben diese vorher  rücksichtslos auf Zivilisten geschossen. Demgegenüber steht das amerikanische Militär, das den Piraten technisch um Lichtjahre voraus ist. Es ergibt sich eine beklemmende Mischung aus Leuten, die alle nicht unbedingt das tun wollen, was sie da gerade tun. Und die unmöglich vom gleichen Planeten stammen können.

Anfangs wirkt der Kapitän auch etwas fremd und abgeklärt. Man möchte fast denken, dass Tom Hanks hier nichts zu schauspielern hätte. Falsch gedacht. Gerade die letzte Szene mit Captain Phillips ist so bewegend und emotional, dass es einem selbst schon Tränen in die Augen treibt. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass der vom Film inszenierte Psychoterror sich auf den Zuschauer überträgt. Man leidet mit. Ähnlich schlecht habe ich mich tatsächlich damals in der Szene in Cast Away gefühlt, als Wilson für immer verlorenging. Dafür kommen die Hintergründe der Piraten etwas kurz. Insofern gibt es nicht so wirklich eine tiefere Botschaft.

Captain Phillips ist und wirkt dabei mit 134 Minuten relativ lang, vor allem weil Greengrass einen fast dokumentarischen Stil pflegt. Der Realismus trägt jedoch ein großes Stück zur Atmosphäre bei, die mich vage an Flight mit Denzel Washington erinnerte. Dort ist der Protagonist allerdings charakterlich die Gegenthese zu der von Tom Hanks verkörperten Figur. Beide Filme leben jeweils von ihren großartigen Hauptdarstellern. Und keiner würde Hanks den Oscar für diese Rolle missgönnen, selbst wenn der Streifen hierzulande nicht so große Wellen geschlagen hat [ha ha].

 

Regie: Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum, Flug 93, Green Zone)

Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=n8evZjn7IxM

The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Only God Forgives (2013)

Nicolas Winding Refns ‚Drive‘ wurde 2011 von Publikum und Kritikern gefeiert. Und sogar für einen Oscar nominiert (Sound Editing). Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolgefilm. Dabei sind die Meinungen zu Only God Forgives unglaublich zwiegespalten. Die negativen Kritiken sind eher in der Überzahl, aber es finden sich auch positive. Vorneweg: Mir hat Only God Forgives gefallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film alles andere als zugänglich.

Julian (Ryan Gosling) betreibt eine Kampfsportschule in Bangkok. Zumindest hat es den Anschein, denn eigentlich verdingen sich er und sein Bruder Billy (Tom Burke) mit Drogengeschäften ihren Lebensunterhalt. Als Billy eines Nachts eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet, um daraufhin von deren Vater zu Tode geprügelt zu werden, beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Dieser findet sich schnell, doch Julian bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder zu rächen. Schließlich hat dieser eine Minderjährige auf dem Gewissen. So tritt Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter der Gebrüder, auf den Plan und beginnt ihrerseits mit einem intriganten und blutigen Spiel. Die vermutlich wichtigste Rolle in diesem Geflecht nimmt der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) ein, der mit seinem Schwert und einer gehörigen Portion Selbstjustiz die Straßen Bangkoks durchstreift und der fröhlichen Famillie stetig näher kommt.Only God Forgives

Und eigentlich habe ich damit noch gar nicht wirklich die elementare Handlung zusammengefasst, denn es ist noch ein gutes Stück komplizierter. Julian hat noch eine merkwürdige Beziehung zu einer Hure, Chang hat eine Tochter und Crystal hat ganz arge charakterliche Probleme. Obwohl Only God Forgives nur 90 Minuten lang ist, ist das Konstrukt an Charakteren durchaus groß. Zudem gibt es traumartige Sequenzen und einen in die Leere oder auf seine Fäuste starrenden Ryan Gosling, sodass man nach gut einer halben Stunde ziemlich verloren als Zuschauer dasteht. Dabei ist die Optik des Films über alle Maßen erhaben und die düstere Beleuchtung zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende. Der minimalistische Stil von Refn, der den Zuschauer zum Mitüberlegen zwingt, findet sich auch hier. Damit muss man umgehen können.

Das Schwierige an Only God Forgives ist, dass man nur schwer mit einem der Charaktere sympathisieren kann. Während Julian ein furchtbar passiver und stoischer Mensch ist, wirkt seine Mutter wie die Ausgeburt des Bösen. Vor allem ihre Beziehung zu Julian ist so kaputt, dass man kaum nachvollziehen kann, warum er auf sie  hört. Auf der anderen Seite ist der scheinbar gute Polizist. Chang filettiert zwar nur Leute, die es verdient haben, doch wirkt er teilweise wie eine Entität, die Judikative und Exekutive in sich vereint und über allem zu schweben scheint. Und mit Hilfe von Karaoke die Ereignisse zu verarbeiten versucht.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, gerade zum Finale hin eine hypnotische Spannung aufzubauen. Das liegt daran, dass die zweite Hälfte der Handlung einen enormen Druck aufbaut, dessen Entladung man herbeisehnt. Als man schließlich denkt, die Konfrontation zwischen Julian und Chang wäre dann der Höhepunkt, der zur Auflösung führt, wird man überrascht. Dabei ist der Kampf der beiden wirklich schön und realistisch in Szene gesetzt. Die letzte Sequenz lässt einen wenig später reichlich ratlos zurück und zwingt zur Deutung und Interpretation.

Für mich ist Only God Forgives ein Auseinandersetzen mit der Schuldfrage. Ist ein Mitläufer genauso zur Verantwortung zu ziehen wie der Täter? Crystal ist die böse Energie, die ihren Sohn zum Sünden zwingt. Julian macht, nicht zuletzt auch wegen dem Schicksal seines Bruders, daraufhin eine Wandlung durch. Er erkennt, dass nur er selbst für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damit schafft er es im Grunde auch, erwachsen zu werden und eigenständige Entschlüsse zu fassen. Chang ist die Konsequenz, oder das Karma, dass jeden einholt und seiner gerechten Strafe unterzieht. Dabei kann seine Figur auch bodenständiger als bloßer Polizist gedeutet werden, der das Vertrauen in die Justiz verloren hat und deswegen das Heft selbst in die Hand nimmt.

Die Botschaft serviert Refn allerdings nicht auf einem Silbertablett. Man muss dem Film aufmerksam folgen und die Atmosphäre aufnehmen. Denn mit vielen langen Shots und Szenen, die dieses hypnotische Grundrauschen erzeugen, kann man zum schnellen Griff zum Handy gebracht werden. Und dann verliert Only God Forgives. Obwohl es viel Blut gibt, wird nicht jeder Actionfan hiermit glücklich. Auch weil die Geschichte schon etwas verkopft und abgehackt erzählt wird. Thematik und Darstellung haben mich an manchen Stellen an Sympathy for Mr. Vengeance oder Oldboy von Chan-wook Park erinnert. Die sind dann aber eine ganze Ecke zugänglicher. Trotzdem, Only God Forgives ist ein guter Film. Zumindest, wenn man sich die Zeit für ihn nimmt und die Atmosphäre einen packt. Dann ist das hier ein unerwartet eindringliches Erlebnis, das über den hirnlosen Konsum hinausgeht.

 

Regie: Nicolas Winding Refn (Walhalla Rising, Pusher I/II/III, Drive)

Schauspieler: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm

Bewertung: 

 

Assault on Wall Street (2013)

Anschnallen. Festhalten. Denn hier kommt der erste gute Film von Uwe Boll. Ja, ich weiß, das hört sich wie ein dummer Scherz an. Ist aber keiner. Nein, wirklich. Nein, es ist keine Videospielverfilmung. Nein, es ist auch kein Meisterwerk. Aber der Film ist trotzdem gut. Und sogar ein paar gute Schauspieler sind dabei. Wer zum Beispiel? Na, wie wärs mit Dominic Purcell! Der Bruder von dem Typen aus Prison Break. Naja, so gut ist er jetzt auch wieder nicht. Aber John Heard spielt mit! Der Vater von Kevin allein zu Haus! Und der Vater von Kevin allein in New York! In Sharknado spielt er auch mit! Zugegeben, so richtig der Kracher ist er auch nicht. Aber wie wärs mit Keith David? Dem Priester-Typen aus Riddick I und II? Sogar Eric Roberts spielt mit! Eric Roberts! Der Böse aus Expendables. Und in The Dark Knight war er dabei. Außerdem ist er der Bruder von Julia Roberts, und das muss doch auch etwas zählen. Nicht? Okay. Das Beste kommt zum Schluss, denn Edward Furlong ist auch dabei! Edward Furlong, Baby! Wer das ist? Das ist der großartige Furlong! Der Junge in Terminator II und in American History X. Zugegeben, viel hat er danach nicht mehr gerissen, aber er hat mal die Luft von Arni und Edward Norton geatmet. Ist doch auch ganz nett.assault on wall street

In Assault on Wall Street sehen wir, wie der in einer Security-Firma hart schuftende Jim Baxford (Dominic Purcell) zunehmend an seine finanziellen Grenzen stößt. Einerseits liegt das an der Erkrankung seiner Frau Rosie (Erin Karpluk), die teure Therapien erfordert. Andererseits macht die Finanzkrise dem jungen Ehepaar zu schaffen. So verfolgen wir mit, wie falsche Investitionen, gierige Bankmitarbeiter, Broker und das marode Finanzsystem die einfachen Leute in ihren Ruin treiben. Der Film nimmt sich stolze 50 Minuten, um die Situation immer weiter zuzuspitzen, um letztendlich die Entladung in Gewalt im letzten Drittel zu rechtfertigen.

So ist Assault on Wall Street die meiste Zeit kein Actionfilm, sondern vielmehr ein Drama über ein paar einfache Leute in Zeiten der Bankenkrise. Und wer hätte das gedacht, aber so funktioniert der Film ziemlich gut. Mit ruhigen Bildern, wenigen Schnitten und zunehmender Verzweiflung wächst einem das Schicksal der beiden ans Herz. Auch wenn Dominic Purcell nicht der weltbeste Schauspieler ist, er macht seine Rolle als einfacher Arbeiter und Opfer des Systems anständig. Genauso auch seine Freunde im Film, die von Edward Furlong und Keith David verkörpert werden und deren finanzielle Situationen zumindest ähnlich angespannt sind. So erinnert die Grundthematik durchaus auch an Breaking Bad, ohne dabei jedoch auch nur im Entferntesten eine größere Tiefe zu erreichen.

Trotzdem schafft es Boll, dass einem die Figuren nicht egal sind. Und das ist ein Quantensprung im Vergleich zu vorigen Werken. Hätte der aus NRW stammende Regisseur es bei diesem Ton bei einem Drama gelassen, wäre ihm womöglich tatsächlich ein durchweg sehenswerter Film gelungen. Doch leider entlädt sich die angestaute Trauer in tumbe Gewalt und in einem Finale, das so nicht nötig gewesen wäre. Denn wie auf dem Cover beworben, begibt sich unser Held auf einen blutigen Kreuzzug gegen allerhand Personen aus dem Finanzsektor, der ihn um sein beschauliches Leben betrogen hat. Hier verliert Assault on Wall Street, denn die Logik hinter den Aktionen ist nicht ersichtlich und die letzte Szene leider nicht sehr smart. Vor allem, weil der Film sich in seiner kindlichen ‚Töte-die-bösen-Manager‘-Logik nie der Sinnlosigkeit seiner Gräueltaten bewusst zu werden scheint. Und die Gewalt, die gegen teils gesichtslose Passanten gerichtet ist, verschafft auch keine Befriedigung. Denn obwohl im Verlauf immer wieder böse Buben aufgezeigt werden, empfindet man keine Erleichterung oder Genugtuung aufgrund ihres Ablebens.

Das ist schade. Die Botschaft bleibt dann am Ende plakativ und plump und lässt sich auf ‚Tod den bösen Finanz-Typen!‘ herunterbrechen, wo zu Beginn doch eher persönliche Schicksale beleuchtet wurden. Manchmal ist weniger einfach mehr. Die Action am Schluss ist jetzt auch nicht so sehenswert, gerade weil sie so albern und zufällig wirkt. Trotzdem: Assault on Wall Street ist per se kein schlechter Film. Freilich, er ist auch kein unbedingt durch die Bank weg guter, wo so viel Potential liegen gelassen wird. Doch wer gerade sonst einen persistenten Hass auf Uwe Boll hegt, darf sich hiermit gerne eines besseren belehren lassen. An Falling Down mit Michael Douglas kommt Boll natürlich nicht heran, doch ist das hier bis dato sein Opus Magnum.

 

Regie: Uwe Boll

Schauspieler: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4

 

Searching for Sugar Man (2012)

Geschichte wird von den Gewinnern geschrieben. Das bezieht sich nicht nur auf kriegerische Auseinandersetzungen, sondern auch auf die Musik. Erinnert sich heute noch jemand an die unerfolgreichen klassischen Komponisten? Sie geraten in Vergessenheit, zusammen mit ihren Stücken. Wer nicht viele Platten verkauft oder ein großes Publikum findet, wird schnell wieder aus dem kollektiven menschlichen Gedächtnis gelöscht. Und irgendwann, in hundert Jahren, wird man sich an unsere Zeit erinnern und sie mit Justin Bieber und Lady Gaga verbinden. Klar, das finden viele doof. Aber Geschichte wird nun mal von den Gewinnern geschrieben.Searching for Sugar Man

Sixto Rodriguez ist in diesem Zusammenhang ein Verlierer. Der junge Musiker aus Detroit nimmt Anfang der 70er mit ein paar namhaften Produzenten zwei bis zweieinhalb Alben auf. Seine Stimme ist vielversprechend und erinnert stark an Bob Dylan. Und er schreibt ähnlich gute sozialkritische Texte. Unter seinem Namen Rodriguez erscheinen ‚Cold Fact‘ und ‚Coming from Reality‘. Und verkaufen sich nicht. Niemand will der Musik des Jungen aus der Arbeiterklasse lauschen. Niemand registriert ihn. Und niemand wird ihn vermissen. So hat er sich wohl bei einem schlecht laufenden Konzert nach dem letzten Song einen Revolver an die Schläfe gehalten und abgedrückt. Oder sich mit Benzin übergossen und angezündet. Das weiß niemand so genau, auf alle Fälle stirbt er bei einem Auftritt. So verschwindet Rodriguez von der Bühne. Aber nur in den USA.

Zeitgleich, irgendwann in den 70ern in Südafrika. Die Anti-Apartheidsbewegung gerät in Schwung. Und wessen Musik kann die kollektive Auflehnung besser symbolisieren als die von einem gewissen Sixto Rodriguez? Über Kopien von Kopien entwickeln sich seine Alben zu bombastischen Verkaufsschlagern in einem Land, das einen ganzen Ozean von den USA entfernt ist und welches isoliert vom Ausland unter einem unmenschlichen Regime leidet. Rodriguez ist der Soundtrack der Revolution. Seine Stücke werden zensiert, doch verbreiten sich trotzdem. Oder gerade deswegen. Aber eine Frage bleibt: Wer zur Hölle ist dieser Mann?

Und so begeben sich Stephen ‚Sugar‘ Segerman und Craig Bartholomew Strydom auf die Suche nach dem Ursprung. In Zeiten vor dem Internet und mit limitierten Mitteln. So schildert ‚Searching for Sugar Man‘ die Jagd auf einen Mann, der in Südafrika bekannter als Elvis ist, den in den USA aber kein Schwein kennt.

Die 86-minütige Dokumentation, die 2013 mit einem Oskar geehrt wurde, ist eine Verbeugung vor dem Musiker Rodriguez und seiner Musik, aber auch vor den Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, dem Mysterium um seine Person auf die Spur zu kommen. Der komplette Soundtrack des Films besteht aus Rodriguez-Liedern und einzelne Szenen werden mit Animationen nachgestellt. Ohne dabei jemals in Unfug oder Übertreibung auszuarten. Große Produzenten kommen zu Wort. Und alle wundern sich über den Misserfolg in den USA. Überhaupt ist die Geschichte, wie ein Journalist offen zugibt, viel zu gut um real zu sein. Niemand könnte sich sowas ausdenken.

‚Searching for Sugar Man‘ ist zwar ein Dokumentarfilm, doch die Story geht so unter die Haut, dass man am Ende gerührt sein muss. Selbst wenn man diesem Filmgenre nicht so zugeneigt ist. Denn das hier ist nicht viel weniger als der Beweis dafür, dass in Zeiten, in denen „Musiker“ Millionen von Dollarn für hirnverbrannten Scheiß bekommen, es immer noch Leute gibt, die für die Liebe zur Sache arbeiten. Und obwohl die Gewinner die Geschichte schreiben, lohnt es sich doch, einen Blick auf die Verlierer zu riskieren. Vor allem, wenn dabei so ein genialer Film wie ‚Searching for Sugar Man‘ rauskommt.

 

Regie: Malik Bendjelloul

Schauspieler: allesamt reale Personen

Bewertung: 

 

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

Vielleicht war es der Alkohol. Oder ein tiefer innerer Haß. Aber hey, warum nicht einfach mal Star Wars: Episode I angucken? Was soll schon Schlimmes passieren? Schließlich habe ich die Original-Trilogie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Vielleicht ist das ja ein guter Film, wenn man nicht Fanboy der alten Streifen ist? Womöglich ist es gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Was, wenn sich alle irren? Was, wenn George Lucas sich mehr gedacht hat, als alle denken? Und was wäre, wenn ich der Menschheit die Augen öffne und sie in ein zufriedenes Zeitalter führe, in dem es nicht nur 3, sondern gleich 6 gute Star Wars-Filme gibt?

Nun, es könnte auch sein, dass Tripper ein unterhaltsamer Spaß für jedermann ist. Oder dass Michael Bay mal einen tiefgründigen und ruhigen Independant-Film über das Leben und Schaffen von Tim Wiese macht. Es ist die kindliche Naivität, die mir auf brutale Art und Weise dank Star Wars: Episode I ausgetrieben wird. Das Vertrauen in Hollywood und seine Filmschaffenden, die sich schon seit Jahren mehr gedacht haben und eine erzählenswerte Geschichte mitteilen wollen, die das Universum bereichert. Ich habe damals 1999 diesen Film im Kino gesehen. War ich enttäuscht? Nein, denn ich war noch jung und irgendwie waren Laserschwerter cool. Ohnehin habe ich nicht alles verstanden, was dort gezeigt wurde. Allzu großen Haß auf das hier hatte ich somit nicht. Doch jetzt, 14 Jahre später und mit ein bisschen mehr Filmerfahrung, ist Star Wars I leider ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Doch worum geht es hier eigentlich?Star Wars Episode I

Die beiden Jedis Quaigon-Jin (Liam Neeson) und Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden als Vermittler eingesetzt, weil die Handelsföderation eine Blockade um den Planeten Naboo errichtet hat. Um Protest gegen erhöhte Handelszölle zu leisten. Und weil irgendein böser Typ mit Kapuze die beiden Föderations-Obernasen lenkt. So gelangen unsere beiden Jedis auf das Hauptschiff der Föderation, wo sie jedoch umgebracht werden sollen. Doch sie überleben und gelangen auf Naboo, wo gerade die Eroberung des armeelosen Planeten vorbereitet wird. Gott sei Dank treffen sie im Wald beim Kacken auf den Autisten Jar Jar Binks, der sie zu seinem Volk der Frosch-Dyslexiker bringt, von wo sie aus Königin Amidala (Natalie Portman) aus der Hauptstadt befreien, um daraufhin die äußerst effektive Blockade mit einem Schiffchen zu durchbrechen. Notlandung auf Tatooine. Treffen mit Anakin (Jake Lloyd), der ohne Vater gezeugt wurde (zwinker, zwinker). Anakin und Mutter sind Sklaven. 30 Minuten Pod-Racer-Szene. Auf nach Coruscant samt Anakin (scheiß auf seine Mom), nachdem kurz Darth Maul auftritt. Auf Croissant 10-minütiges Parlaments-Geschwafel. Zurück nach Naboo. Krieg zwischen Frosch-Autisten und Robotern, während Anakin die Hauptzentrale ausschaltet, weil er aus Versehen ein Kampfschiff gestartet hat, während Obi und Gin gegen Darth Maul kämpfen und Amidala die Ober-Händler cool verarscht. Oskar Schindler stirbt, Darth Maul stirbt, aber die Guten haben gewonnen, die Zölle werden noch weiter erhöht und keiner gibt einen Scheißdreck auf Anakins Mudder. Puuuuhhhhh.

Die Story ist scheiße. Sie ergibt kaum Sinn und ist tatsächlich komplex, doch trotzdem dümmlich. Was für eine Leistung. Kein einziger Charakter funktioniert. Weder die guten Jedis, noch die Königin oder der kleine Junge, der irgendwo zwischen nervig und überheblich schwebt. Der Laserkampf am Ende ist gut, aber es sterben zwei Leute, die einem am Arsch vorbeigehen. Die Podrace-Szene ist viel zu lang. Der finale Plan ist total behämmert. Am Ende laufen vier parallele Handlungsstränge ab, die nur funktionieren, weil der kleine Junge zufällig das große Raumschiff der Föderation sprengt. Die Roboter machen keinen Sinn, weil die Jedis sie mit einem Blick wegschnipsen. Die Mutter von Anakin juckt keinen. Und so weiter. Es macht alles keinen Sinn. Sei es die endlose Szene im Parlament, die die Handlung nicht voranbringt oder das angebliche Sterben der Leute auf Naboo nach zwei Tagen ohne Handelsimporte. Der weise Jedirat ist reichlich lahm und tatsächlich wenig weise. Und so weiter. Der Anfang, in dem die Jedis ohne große Gefahr auf einmal umgebracht werden sollen, entbehrt jeglicher Logik. Und in all dem Gewühl gibt es noch den kleinen Jar Jar Binks:

Ihr besser nicht auf michse zählen. Lieber tot hier als noch toter im Kern. Du Güte gut! Was ich da reden?

Der Film funktinoniert nicht nicht, weil die Erwartugnshaltung so groß war. Er ist einfach nur eine komplett unlogische Sache und ein völliges Durcheinander. Ich bin kein großer Star Wars-Fan, aber man kann dem Film einfach nicht sehr viel abgewinnen. Ja, Raumschiffe sind cool. Und Laserschwerter. Ich schau mir auch eigentlich ganz gerne fremde Welten an und Schlachtren. Aber das ist nicht alles, was einen bei der Stange halten kann. Vor allem, wenn man an jeder Stelle mit dieser uninspirierten Geschichte konfrontiert wird. Mir ist das einfach zu dämlich. Dafür gibt es dank RedLetterMedia und Mr. Plinkett die vermutlich lustigste und beste Video-Review zu Star Wars aller Zeiten, hier zu finden. Lustigerweise hat mir Teil II noch ein ganzes Stück schlechter gefallen. Das kann ich diesem Streifen noch abgewinnen.

 

Regie: George Lucas (Star Wars IV, American Graffiti, THX 1138, Star Wars II + III)

Schauspieler: Liam Neeson, Ewan McGreger, Natalie Portman, Jake Lloyd

Bewertung: 

Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Fuck you, 3D!

dreide3D ist keine neue Erfindung. Bereits im Jahr 1922 lief mit ‚The Power of Love‘ ein Stummfilm mit zusätzlicher Dimension in den Lichtspielhäusern. Und als die Menschen in den 50ern anfingen, sich diese öminösen Fernsehapparate zu besorgen, gab es tatsächlich schon damals einen 3D-Trend in den Kinos. Weil man in Schwarz-Weiß diesen Effekt nicht erzeugen konnte.

Heutzutage leidet das Kino-Business auch. Dieses mal ist es wieder eine private Revolution, undzwar wohl vor allem in Form des Internets. Was liegt also näher, als mit einem Gimmick wie dieser dritten Dimension wieder Anreize zu schaffen, um die Massen anzulocken. Allerdings bleibt die Frage, wer dieses Feature unbedingt braucht. Sind es die Produzenten und Betreiber oder sollte es wirklich eine Nachfrage danach geben?

Ganz ehrlich gesagt: Ich kenne keinen Menschen, der 3D cool findet. Und Christopher Nolan auch nicht. Da ist man dann schon mal in guter Gesellschaft. Es stellt sich die berechtigte Frage, für wen genau diese ganze 3D-Technik denn nun sein soll.

Tja. Nicht für mich jedenfalls. Mal ganz davon abgesehen, dass es manch einem Brillenträger wie mir auf den Sack geht, ein weiteres Sehgerät auf der Nase zu tragen. Doch das wäre ja noch verschmerzbar. Viel ernüchternder ist jedoch die Tatsache, dass 3D absolut nichts bringt. Ein schlechter Film wird aufgrund dessen nicht besser und ein guter nicht sehenswerter. Es ist, als ob man die Wahl hätte, beim Autokauf das Modell mit oder ohne zusätzlichem Getränkehalter zu wählen. Klar, manchmal kommt es vor, dass man hier oder dort noch unbedingt ein weiteres Getränk abstellen will. Aber es geht eigentlich auch ohne. Genauso ist es mit 3D. Es ist und bleibt ein Gimmick, das jedoch durch teilweise dreiste Aufpreise durchgedrückt wird und den meisten nicht mehr als ein Schulterzucken entlockt. Letztens habe ich mir Pacific Rim gegeben. Für stolze 13.50€. Und im Mai 2011 hat Thor in 3D doch aber noch 9.20€ gekostet. Im gleichen Kino! Aber hey, ein Glück muss man nur weitere 10€ für Popcorn samt Getränk investieren.

Manch einer argumentiert, dass 3D so etwas Ähnliches sei wie damals der Übergang von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen. Ein Film könnte auch mit ohne Farben funktionieren. Der Vergleich hinkt aber. Einerseits sind Farben mitunter ein stilistisches Mittel, andererseits ist es nur konsequent, wenn Filme sich unserer optischen Wahrnehmung nähern. Genauso auch der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Aber ist 3D etwas, das uns Filme näher bringt?3D Tickets

Aktuell: nein. 3D ist maximal ein Feature. Eine Art Bonus. Warum sollte man mehr in einen Film emotional involviert sein, wenn irgendwas auf einen zufliegt? Es ist geradezu lächerlich, wie Machwerke a la Resident Evil in jeder Episode Äxte gen Zuschauer schleudern. Und in Star Trek: Into Darkness waren es zwei Speere, die ganz am Anfang auf einen zugeschleudert wurden. Hurra! Das bringt absolut nichts. Es hat keinen Mehrwert für den Zuschauer. Und so ist es in seltenen Fällen ein stilistisches Mittel. Wie es Farben oder Ton allerdings meistens sind. Kein Schauspieler, keine Rolle und keine Handlung gewinnt durch 3D. Ein Daniel Day-Lewis spielt nicht anders, weil er plastischer erscheinen könnte. Und auch der Trend, ältere Filme wieder neu rauszubringen und mit der Technik noch ein paar Euro mehr zu verdienen (siehe Jurassic Park oder Star Wars: Episode 1 oder Titanic) sind keine Rechtfertigung.

Die Einzigen, die etwas davon haben, sind die, die damit Geld verdienen. Denn wo ein normaler Film im Durchschnitt 8€ kostet, sind es für 3D hierzulande meist 2€ Aufpreis plus 1€ für die Brille. Und dann könnte man sich über diese dummen Tonnen aufregen, in die man, wenn man will, seine gottverdammte Drecksbrille entsorgen kann. Kostenfrei! Olé. Hier fühlt man sich vollends verarscht. Da endet auch mein Mitleid mit der Kino-Branche. Sollen sie doch alle den Bach runtergehen, wenn sie die Dreistigkeit besitzen, nichts für das Zurücknehmen der Brille zu geben, um dann noch mal ein paar mehr Brillen wieder verkaufen zu können bzw. mein getragenes Gestell weiterzuverkaufen.

Dabei ist der Gedanke hinter 3D an und für sich nachvollziehbar. In Zeiten, in denen jeder Film online verfügbar und auf der Couch abrufbar ist, sind die Kinos im Zugzwang. Vor allem, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Wer schafft es heutzutage noch, einen dreistündigen Klassiker ohne einen Blick aufs Handy durchzuhalten? Wir haben so viele Ablenkungen und Konsummöglichkeiten, dass der Kinobesuch unbedingt diesen Event-Charakter zu brauchen scheint, den 3D theoretisch bieten könnte. Zumindest bei den großen Blockbustern. Ich unterstelle nicht, dass diese Technik per se etwas Schlechtes ist. Von Avatar hörte man nur begeisterte Kommentare. Und viele Animationsfilme sind diesbezüglich gut. Wim Wenders‘ pina-Tanzfilm soll ziemlich beeindruckend sein, genauso auch Life of Pi. Doch dann wird es schon allmählich dünn. Besonders die Welle an Superhelden-Filmen macht mit 3D den großen Reibach, vor allem weil man diesbezüglich länger suchen muss, um gewisse Blockbuster im Kino in 2D sehen zu können. Man könnte ja fast vermuten, dass der Preis künstlich hochgetrieben wird!

Das, was mich stört, ist, dass die höheren Ticketpreise scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Besucherzahlen zu haben scheinen. Unter den sechs kommerziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten weltweit ist lediglich Titanic nicht in 3D rausgekommen. Bzw. nicht zu dem Zeitpunkt, als das meiste Geld eingespielt wurde (1997). Warum sollten die ganzen findigen Studios also auch auf diese Spielerei verzichten, wenn sie ohne viel Risiko mehr Gewinn verspricht? Die Nachfrage scheint ja vorhanden zu sein. Verflucht, ich tue mir ja selber immer noch 3D an, um mich dann im Nachhinein darüber aufzuregen. Ein Teufelskreis. James Cameron ist schuld.

Was nun? Wird 3D das 2D-Kino und Film-Erlebnis verdrängen? Vermutlich nicht. Hoffentlich. Wer jetzt außerdem denkt, dass die 3D-Fernseher für Daheim dem Kino den endgültigen Todesstoß versetzen werden, der vergisst, dass ein gewisser Peter Jackson gerade mit der ultraneuen, ultracoolen und ultranotwendigen High Frame Rate anrückt. Das kostet dann aber auch noch einmal extra. Danach kommt das 5D-Kino mit wackelnden Sitzen und Gerüchen. Wer wollte nicht schon immer Mal am Fuß von Jar Jar Binks riechen, wenn dieser in einen Haufen Kot tritt? Fantastisch!

Home of the Brave (2006)

Wenn man einen amerikanischen Film namens ‚Home of the Brave‘ schaut, sollte man nicht über amerikanisch-lächerlichen Patriotismus verwundert sein. Vor allem wenn es um traumatisierte Irak-Veteranen geht. Dann wiederum sollte man allerdings bedenken, dass hier auch 50 Cent mitspielt. Was ein immens größeres Problem darstellt. Denn der Mann kann einfach nicht schauspielern, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit reiht er sich in die prominente Riege um Ludacris, Bushido, Tyrese Gibson und DMX ein, die allesamt ihr Glück in der Schauspielerei gesucht haben und dabei absolut talentfrei sind.Home of the Brave

In ‚Home of the Brave‘ geht es um vier ehemalige Soldaten, die im Irak Schreckliches erlebt haben und nun in der guten alten Heimat versuchen, wieder ihr normales Leben zu führen. Der Arzt Will Marsh (Samuel L. Jackson) leidet unter den schrecklichen Verstümmelungen und Toten, die ihm im Fernen Osten vorgesetzt wurden. Außerdem muss er sich mit seinem pazifistischen und rebellischen Sohn auseinandersetzen. Da liegt der tägliche Griff zur Flasche nicht fern. Vanessa Price (Jessica Biel) hat es noch schlimmer erwischt. Die Sportlehrerin hat eine Hand verloren und muss nun versuchen, mit ihrem Alltag fertigzuwerden. Was ihr denkbar schwerfällt. Brian Presley (Tommy Yates) hat seinen besten Kumpel beerdigen müssen und findet nun in der Heimatstadt keinen Job mehr. Und Jamal Aiken (50 Cent oder Curtis Jackson oder Fiddy) wird von seiner Freundin versetzt und kommt nicht darauf klar, dass er im Irak eine Unschuldige erschossen hat.

So erleben wir abwechselnd, mit welchen Problemen diese vier Menschen konfrontiert werden. Dabei überschneiden sich öfter mal die Handlungsstränge, was rein erzählerisch gar nicht mal so verkehrt ist. Obwohl nicht viel passiert, entsteht im Grunde wenig Leerlauf. Und zugegeben, wirklich uninteressant ist das Gezeigte ja auch nicht. Vor allem, weil dies hier der erste amerikanische Film ist, der den Irakkireg mehr oder weniger negativ darstellt und die „Helden“ als Versager porträtiert.

Leider sind dann die schauspielerischen Leistungen dermaßen unterschiedlich, dass es einem die Schuhe auszieht. Während Samuel L. Jackson in einer ungewohnt ruhigen Rolle überzeugen kann und Jessica Biel ihre Sache auch ganz gut macht, sind 50 Cent und Brian Presley einfach nur völlig überfordert. Damit sind zwei von vier Personen praktisch uninteressant. Und das zieht den Film massiv runter. Besonders schlimm ist, wenn sich die Lebenswege der beiden Letztgenannten überschneiden und es zur Eskalation kommt, die so uninspiriert und aufgesetzt wirkt, dass einem nicht einmal ein Schulterzucken entlockt werden kann.

Und als ob es noch nicht schlimm genug ist, kommt das Finale mit einer debilen und patriotischen Botschaft daher, die das negative Gefühl nochmal verstärkt. Sämtliche Kritik, die hier am Irak-Konflikt wohl geübt werden sollte, verpufft vollends und es bleibt ein kitschiger Beigeschmack. Das ist schade, weil es Ansätze gibt, die gut gemeint sind. Vor allem weil es hier eigentlich gar nicht mal primär um den Krieg, sondern die Zeit danach geht. Die Beziehung zwischen Samuel und Sohn ist eigentlich interessant, aber noch ehe man sich versieht, sehen wir schon wieder 50 Pfennig dabei zu, wie er keine Mimik oder Gestik besitzt und so tut, als ob er ein traumatisierter Veteran ist.

Tja. Und das ist sie, die Heimat der Tapferen. Irgendwo zwischen belanglos und kitschig. Es hätte auch schlimmer sein können, schließlich ist das hier kein „Hurra, USA“-Film. Trotzdem. Gegen Taxi Driver, Jahrhead oder Full Metal Jacket stinkt das hier leider total ab. Man muss wohl selber Veteran sein, um dem hier etwas abgewinnen zu können. Oder großer 50 Cent-Fan. Aber selbst die sollten wissen, dass ihr ehemaliger Hip Hopper kein Fünkchen Schauspieltalent besitzt.

 

Regie: Irwin Winkler (Das Netz, Auf den ersten Blick, Das Haus am Meer)

Schauspieler: Samuel L. Jackson, Jessica Biel, 50 Cent, Brian Presley

Bewertung: 

Krieg der Welten (2005)

Das Original von 1953 heißt „The War of the Worlds“ und im Deutschen „Kampf der Welten“. Dieses Remake von Steven Spielberg ist im Original „War of the Worlds“ benannt, hierzulande als „Krieg der Welten“. Klar soweit? Und an und für sich ist die Idee ja gar nicht mal so schlecht, denn die alte Version ist schon recht in die Jahre gekommen und sieht heutzutage angestaubt aus. Nichtsdestotrotz ist das Filmchen immer noch ein Klassiker. Nicht weltbewegend gut, aber an und für sich noch ganz nett. Nachvollziehbar, dass einer der erfolgreichsten Blockbuster-Regisseure unserer Zeit sich anschickt, ein Effektfeuerwerk sondergleichen auf uns loszulassen und den Krieg oder Kampf gegen böse Aliens auf furiose Art und Weise zu inszenieren.

Und wahrlich. Krieg der Welten hat hier und da Szenen, die verflucht gut gefilmt sind. So gibt es eine Sequenz während einer Autobahnfahrt, in der wir eine Konversation im Auto mitverfolgen und die Kamera dabei ständig um das Gefährt herumfährt und uns ungeschnitten Blicke auf den Hintergrund und die Protagonisten gewährt. Das ist ganz cool. Und noch viel cooler wäre das Ganze, wenn uns die Darsteller nicht so furchtbar egal wären. Oder die lausige Handlung.Krieg der Welten

Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein einfacher Arbeiter sowie überforderter Vater und lebt von seiner Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) geschieden. Als die Gute ihm übers Wochende Sohn Robbie (Justin Chatwin) und Töchterchen Rachel (Dakota Fanning) dalässt, bricht wenig später die Scheiße über die Welt herein, denn Aliens beginnen mit der systematischen Ausrottung und Eroberung der Menschheit. So ist es an Ray, seine beiden Kinder heil aus der Sache herauszuholen. Mit an Bord ist für kurze Zeit auch der verrückte Harlan (Tim Robbins), der für eine merkwürdigsten Szenen im Film sorgt, die so gar nicht in einen einfachen Action-Film passen will.

Außerdem wird uns ständig die zerrütte Beziehung zwischen Vater und Sohn präsentiert, wobei man Robbie auch einfach nur als eine spätpubertäre Bitch bezeichnen könnte, die sich nach der Hälfte der 116 Minuten tatsächlich einfach aus dem Staub macht. Leider wird er wenig später von Tim Robbins ersetzt, sodass im Grunde immer ein Idiot an Bord ist. Ganz zu schweigen von Dakota Fanning, deren Rolle als Tochter vor allem aus hysterischem Gekreische besteht. Dann ist da noch Tom Cruise. Der macht seinen Job eigentlich ganz gut. Er ist ein unauffälliger Kerl aus der Arbeiterklasse, der einfach nur ums Überleben kämpft. Gleichzeitig geht Tom dadurch aber so ein wenig unter in der Fülle an dämlichen Leuten um ihn herum, die alle so rein gar nicht den Zuschauer in die Handlung involvieren. Die orientiert sich übrigens, abgesehen vom Alien-Invasions-Plot, nur zum Schluss am Original, funktioniert aber auch nicht so richtig.

Wie gesagt, einige Sequenzen sehen alleine wegen der Kamera-Arbeit ganz gut aus. Dafür sind dann die Aliens irgendwie nicht cool. Man kann sich natürlich streiten, was gutes Design ist. Wirklich Interesse weckt der Anblick der mehrbeinigen Viecher allerdings nicht. Zudem ist der Film in einem leuchtenden Farbton gehalten, der besonders zu Beginn reichlich Gewöhnung braucht. Da jedoch zum Ende hin ohnehin alles in Dunkelheit gehüllt ist, fällt das später weniger auf. Trotzdem besitzt das erste Viertel einen merkwürdigen Look. Dann gibt es wieder ganz nette Tom-rennt-um-sein-Leben-Szenen, während um ihn herum Menschen zu Staub zerfallen. Ein besonders starker Moment erinnert übrigens an einen Stephen King-Roman. Wenn sich ein Mob verzweifelter Menschen daran macht, unserer Familie Ferrier mit Waffengewalt das Auto zu entreißen, dann entsteht dieses Gefühl, dass wir als Spezies nicht besser sind als die Invasoren. Doch viel Tiefsinn sollte man nicht erwarten, denn es folgen bald die nächsten Szenen der Flucht. Irgendwann später sehen wir einen Regen aus Kleidung oder diverse Leichen, die in einem Fluss schwimmen. Hier kommt man sich ein wenig vor wie in einem Film von M. Night Shyamalan. Was eigentlich gut ist, doch gleichzeitig auch nicht konsequent. So pendeln wir irgendwo zwischen Abenteuer und Mystery, ohne je wirklich furiose Schlachten geliefert zu bekommen.

Vielleicht ist das das Überraschendste an Krieg der Welten. Der Regisseur, der die unglaubliche Anfangsszene aus Der Soldat James Ryan gemacht hat, verschont uns hier die meiste Zeit mit Gefechten. Action gibt es nur ein wenig am Anfang. Klar, wir sollen nicht den Krieg an sich miterleben, sondern nur die Sicht eines kleinen Mannes mitbekommen, der um das Leben seiner beiden Kinder kämpft. Das funktioniert aber halt nicht. Einerseits weil man keinen Charakter wirklich leiden kann, andererseits weil die Action zwar öfter mal angedeutet, dann aber jedoch nicht gezeigt wird. Männer verstehen, wie enttäuschend das sein kann (knick knack). Hier und dort kommen noch Logiklöcher hinzu, die einen mitunter verärgern könnten. Und naja, das Ende ist nicht sehr befriedigend. Oder tiefsinnig.

Nichtsdestotrotz, das hier ist kein totaler Reinfall. Wer mit den ganzen Roland Emmerich- und Shyamalan-Streifen klarkommt, wird auch hier seinen Spaß haben. Leider hätte man so viel mehr machen können. Das ist schade. Zumal das Original wohl noch immer einen bedeutend höheren Stellenwert in der Filmgeschichte einnehmen wird als Spielbergs Versuch. Wer sich unsicher ist, sollte sich vielleicht mal einfach Children of Men von Alfonso Cuarón geben, der stellenweise ähnliche Töne anschlägt und einige der geilsten Kameraeinstellungen der jüngeren Vergangenheit bietet, dabei aber eine viel bewegendere und geilere Geschichte erzählt.

PS: Justin Chatwin spiel in Dragonball Evolution den Son-Goku. JA! Diese kleine Bitch aus Krieg der Welten! Das ist noch ein zusätzlicher Wermutstropfen für alle Dragonball-Fans.

 

Regie: Steven Spielberg (Schindlers Liste, Der Soldate James Ryan, Jurassic Park, E.T., Indiana Jones, Hook, A.I., Der weiße Hai)

Schauspieler: Tom Cruise, Dakota Fanning, Tim Robbins, Justin Chatwin

Bewertung: 

Elysium (2013)

Als Neill Blomkamp 2009 mit District 9 einen mit 30 Millionen Dollar Budget nicht nur billigen, sondern auch verdammt guten Sci-Fi-Streifen ablieferte, überschlugen sich die Kritiken samt Kritikern. Vier Oscar-Nominierungen und über 200 Millionen an den Kinokassen sind auch nicht gerade schlecht für ein Debüt-Filmchen. Mit Elysium darf der Südafrikaner nun mit 4 mal so viel Geld und mehr Star-Power beweisen, ob die gesteckten Erwartungen auch berechtigt sind.

In naher Zukunft lebt die Menschheit in Armut auf der Erde. Die Reichen fliehen vor dem überbevölkerten Planeten auf die Raumstation Elysium, wo sie dank modernster Technologie in ihrem Luxus schwelgen und frei von Krankheiten leben. Max (Matt Damon) träumt seit seiner Kindheit von dem ständig sichtbaren Paradies am Himmel, muss sich jedoch mit einem ärmlichen Leben als ehemaliger Kleinkrimineller und Arbeiter in einer Roboterfabrik abgeben. Als er eines Tages verstrahlt wird und nur noch 5 Tage zu leben hat, setzt Max alles daran, um nach Elysium zu gelangen, um seinem nahenden Ende zu entrinnen. Allerdings hat die Quasi-Herrscherin Delacourt (Jodie Foster) etwas dagegen, denn wer will schon den Pöbel an den Annehmlichkeiten der Reichen teilhaben lassen? Außerdem hetzt sie den Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf unseren kahlköpfigen Helden, der neben seinem Katana auch noch ein paar andere technische Spielereien mitbringt.Elysium

Eines ist klar: Wer District 9 kennt und mochte, fühlt sich auch bei Elysium heimisch. Die Optik und das Design erinnern an das Erstlingswerk von Blomkamp, wobei er hier nun mit mehr Action und Ballerei punkten kann. Besonders die erste größere Schießerei ist dank diverser Zeitlupen und manch geiler Kameraperspektive sehr schön anzuschauen. Die Raumstation ist ebenfalls wie aus einem Guss. Wenn Jodie Foster durch Elysium schreitet und mit ihrer geradezu androgynen Gestalt aus einer weißen Tasse Kaffee trinkt, dann ist das alles sehr stylisch.

Doch so schön die meisten Kulissen auch aussehen, sämtliche Charaktere bleiben die meiste Zeit über ziemlich oberflächlich. Insbesondere Max besitzt leider kaum herausstechende Eigenschaften. Eine große Klappe reicht nicht aus, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Er wird einem zwar als so eine Art netter Kerl verkauft, der öfter mal im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat, doch wahre Emotionen zeigt er selten. Und das, obwohl er eine Wandlung durchmacht und gerade zum Ende hin nicht mehr nur aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt. Hier kann man sich streiten, ob er als Vertreter der Unterschicht absichtlich so ist wie er ist. Also einfach nur der 08/15-Arbeiter, der keine Ziele außer dem Fortsetzen des eigenen unwichtigen Lebens verfolgt. Nichtsdestotrotz vermisse ich hier die menschliche Note, die hier leider ziemlich plakativ in Form eines Mädchens mit Leukämie aufgedrückt wird. Eine Spur weit merkwürdiger sind die Antagonisten, die so dermaßen eintönig böse sind, dass der Film aus seinen sozialkritischen Ansätzen zu Beginn nicht mehr viel herauszuholen vermag. Sharlto Copley beispielsweise ist tatsächlich einfach nur noch ein Psychopath und irgendwie viel zu abgedreht. Jodie Foster und William Fichtner als Vertreter der Oberschicht werden auch sehr einseitig als schlecht hingestellt. Darunter leidet dann auch die Story.

So ist Elysium, gerade was die meisten Protagonisten angeht, reichlich oberflächlich. Die Handlung, die mit Max‘ anfänglicher Erkrankung und dem daraus resultierenden Ziel noch angenehm simpel bleibt, verliert gerade zum Finale hin etwas den roten Faden. Das liegt in erster Linie daran, dass man nicht mehr so genau weiß, was das essenzielle Ziel sein soll. Hier hätte eine simplere Struktur das eine oder andere Logikloch vermeiden können. Zumal die Auflösung zum Schluss alles andere als wirklich zufriedenstellend ist. Hier bleibt es einem selbst überlassen, wie sehr man sich die Geschichte dekonstruieren möchte. Es gibt aber die eine oder andere Szene, die sich nicht ganz so organisch in die Story einfügt. Wenn beispielsweise das besagte kranke Mädchen sowohl bei Max als auch beim Zuschauer auf die Tränendrüse drücken soll, dann fühlt man sich irgendwie befremdlich.

Es ist gerade im Sci-Fi-Genre oft ziemlich einfach, einen Film aufgrund seines Realitätsgrades zu kritisieren. Allerdings schafft Elysium eine Welt, die funktioniert und die sich gut anfühlt. Großen Respekt dafür und auch für den passenden Gewaltgrad, der nicht extra auf 12-jähriges Publikum zugeschnitten wurde. Nur die Figuren in dieser Welt bleiben die gesamten 109 Minuten Laufzeit lang Pappaufsteller. Und das ist und bleibt leider ein Kritikpunkt, der sich nie wirklich abschütteln lässt. So hat Blomkamps zweiter Film zwar ein cooleres Setting als ‚Oblivion‚ oder ‚After Earth‚, doch wie im kürzlich erschienen ‚Total Recall‚-Remake bleiben einem die Protagonisten egal. Einen ähnlichen Ansatz fährt der unterschätzte ‚Dredd‚, der nochmal ein ganzes Stück brutaler, aber auch gleichzeitig konsequenter in seinem Stil ist. ‚Moon‚ von Duncan Jones kommt ganz ohne Gewalt aus und lebt zeitgleich komplett von dem von Sam Rockwell verkörpertern Charakter.

Ehrlich gesagt verschafft mir Elysium keine negativen Emotionen. Klar, man hätte mehr aus dem Setting herausholen können. Doch zeitgleich sind die Erwartungen dank District 9 auch nicht gerade gering gewesen. Um die Zukunft von von Neill Blomkamp mache ich mir zumindest keine Sorgen, denn Sci-Fi kann er. Und so ein Sci-Fi-Action-Streifen ohne viel Tiefgang kann ja auch mal ganz unterhaltsam sein.

 

Regie: Neill Blomkamp (District 9)

Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, William Fichtner

Bewertung: 

Pacific Rim (2013)

Wenn riesige maschinenartige Ungetüme Städte in Schutt und Asche legen, dann ging oft die erste Assoziation Richtung Transformers. Beachte: „ging“. Denn das dürfte sich mit Pacific Rim hoffentlich bald ändern, weil Guillermo del Toros Film zeigt, dass man eine ähnliche Prämisse in einen funktionierenden Streifen verwandeln kann. Ohne die grenzdebilen Dialoge, das massive Product-Placement oder den nervtötenden amerikanisch-patriotischen Pathos, der Michael Bays Spielzeugfilme stets begleitet.Pacific Rim

Die Handlung ist simpel. Und hört sich zugegebenermaßen recht albern an. Ach verdammt, sie ist auch albern. In naher Zukunft überfallen gigantische Ungeheuer, die Kaiju, aus einer Paralleldimension heraus die Erde. Das Tor, durch das diese schreiten, befindet sich irgendwo im Pazifik. Nur die von Menschen gebauten Jaeger, gigantische Kampfroboter, sind in der Lage, den Monstern Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt steht der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der seinen Bruder an einen Kaiju  verloren hat und der nun von Stacker Pentecost (Idris Elba) erneut rekrutiert wird, um einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen, um die Menschheit vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ihm zur Seite steht Mako Mori (Rinko Kikuchi), denn die großen Kampfmaschinen lassen sich nur zu zweit kontrollieren.

Wir sind also rein geschichtlich nicht am Anfang der Invasion, sondern befinden uns mehr oder weniger am Ende. Denn der Riss spuckt immer häufiger Kaiju aus und die Menschen rund um den Pazifik sind wohl dem Untergang geweiht. So ist Pacific Rim die meiste Zeit relativ düster. Das funktioniert auch ganz gut. Es stellt sich für den Zuschauer jedoch die Frage, ob er mit diesem Sci-Fi-Monster-Setting leben kann. Guillermo del Toro erschafft eine eigenständige und detailierte Welt, die für manchen Realisten arg konstruiert wirken wird. Natürlich ist es nicht sinnvoll, gigantische Roboter zu bauen. Natürlich sind Paralleldimensionen mit großen Seeungeheuern nicht realistisch und ganz klar, der eine oder andere Charakter ist stark überzeichnet. Aber wenn man den Film gewähren lässt und sich auf das Szenario einlässt bzw. einlassen kann, dann erlebt man eine recht coole und stellenweise tatsächlich durchdachte Welt. Vor allem für Leute wie mich, die früher jeden Samstag um 5:00 die Power Rangers im Morgenprogramm geschaut haben, entfaltet Pacific Rim so eine Art Retro-Charme.

Was den Film so viel besser macht als die Transformers, ist der Fakt, dass selbst die gigantischste Action-Sequenz angenehm geschnitten ist. Während bei Michael Bay Schnitt auf Schnitt folgt und man in der Hektik jegliche Übersicht verliert, weiß man in Pacific Rim immer, was gerade passiert. Dabei ist die Handlung simpel und wirkt nich so hingeklatscht wie bei den Transformern, wo man optisch und inhaltlich meist gar nicht mehr weiß, was da los ist. Auch die Kämpfe sind durch die Wesen und die Roboter geradezu menschlich und haben eine sehr natürliche Dynamik. Wenn gerade eine der Maschinen einen riesigen Öltanker als Baseballschläger benutzt, dann ist das auf der Coolness-Skala schon zeimlich weit oben. Und dazu dann noch der motivierende Soundtrack von Ramin Djawadi (seines Zeichens auch für den Soundtrack von Game of Thrones verantwortlich), der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht. Wenn das Lied ertönt, dann weiß man, gleich brennt die Hütte. Die Wiedersacher erinnern rein von der Optik her stark an die Wesen aus den Hellboy-Filmen, bei denen Guillermo del Toro auch auf dem Regiestuhl saß.

Aber! So einiges funktioniert auch nicht. Die meisten Charaktere sind ziemlich oberflächlich und teilweise unsympathisch. Auch wenn ich Idris Elba liebe, seine Rolle schwingt irgendwo zwischen aufgesetzter Wichtigkeit und nervtötender Dominanz. Hauptprotagonist Raleigh ist so gut wie charakterlos, seine Kollegen ebenso. Die Dialoge der Protagonisten sind dahingehend auch alles andere als wirklich sinnvoll. Dazu kommt, dass mit Charlie Day, Burn Gorman und Ron Perlman gleich drei Charaktere in einer Art Nebenhandlung für einen Comic Relief sorgen sollen und dabei öfter mal so gar nicht in die düstere Stimmung hineinpassen. Vermutlich wäre es auch zu ermüdend, zwei Stunden lang nur Monster-Roboter-Kämpfe zu sehen. Aber ich verzeihe dem Film, weil es eben nicht wie in Transformers 2 eine Riesen-Maschine mit Klöten gibt. Oder ständiges Einblenden von Automarken oder Handyherstellern. Oder eine Art Werbeblock für die amerikansiche Armee, wie in Transformers 3. Oder eine Megan Fox, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihren Arsch in die Kamera zu recken.

Und hier liegt vermutlich auch irgendwo der Hund begraben. Die Menschen sind die großen Roboterschlachten mittlerweile leid. Vor allem dank Michael Bay. Nur so lässt sich für mich erklären, warum das Transformers-Franchise so massiv mehr eingenommen hat als Pacific Rim, welches gerade mal seine Produktionskosten wieder drin hat. Hier tut es mir wirklich leid, denn Guillermo del Toros Film ist natürlich kein erzählerisches Meisterwerk, aber es macht das, was es machen soll. Und um so viel besser als die Konkurrenz.

Wer als Kind mit den Power Rangern, den Transformern, Godzilla und co. oder dem Saber Rider aufgewachsen ist, wird auch mit Pacific Rim sicher viel Freude haben. So wie ich. Aber auch als Sci-Fi-Actioner taugt das ganze hier. Wenn man sich jedoch an allerhand Logiklücken aufhängt à la „Warum hat ein Riesenroboter drei Arme?“, dann dürfte Pacific Rim nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Aber hey, viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, warum man ohne Power Rangers aufgewachsen ist.

 

Regie: Guillermo del Toro (Hellboy I + II, Pans Labyrinth)

Schauspieler: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Bewertung: 

hoerdatei Episode 6: Wrap-up

Der Podcast kommt jetzt endlich in die Schule. Das feiern wir mit Reviews von Man of Steel, Hangover 3 und World War Z, die allesamt auch für 6-jährige geeignet wären. Oder auch nicht. Aber hört selbst.

So richtig spoilen konnten wir eigentlich nichts. Oder wundert es einen, dass ein Superheld einen Superheldenfilm überlebt? Als ob irgendein Filmstudio heutzutage sagen würde: „Hey, hier geht es nicht um ein Franchise oder Geld, sondern um einen guten Film!“.

 

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00:02:05 Man of Steel: Massenvernichtung auf Kryptonisch

00:22:28 World War Z: Brad Pitt rettet die Welt

00:37:53 Hangover 3: Jetzt ohne Hangover!

00:48:55 Vorschau Juli und August mit: Only God Forgives, Pacific Rim, Wolverine 2, Das ist das Ende, Lone Ranger, Elysium, Pain & Gain, Wolf of Wall Street

01:14:52 Ende

 

 

 

Payback (1999)

Brian Helgeland, Regisseur von Payback, hat 1998 an einem Wochenende einen Oscar und eine Goldene Himbeere erhalten. Beide jeweils für seine Drehbücher. Der Oscar war für L.A. Confidential (Hell yeah!), die Himbeere für den furchtbaren Postman-Film (Hell no!). Außerdem hat der Mann Mystic River geschrieben und auch noch Regie bei Ritter aus Leidenschaft geführt. Andererseits ist Herr Helgeland auch für die Drehbücher für Ridley Scotts Robin Hood-Verwurstung und das Pelham 1 2 3-Remake verantwortlich. Was lernen wir daraus? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber auf welcher Seite der Macht steht nun Payback?Payback

Porter (Mel Gibson) wurde bei einem geglückten Raub von seinem Partner Val Resnick (Gregg Henry) aufs Kreuz gelegt und um 70000 $ geprellt. Er wacht dementsprechend mit ein paar Kugeln im Körper auf. Das schreit nach Rache. So begibt sich Porter auf die Suche nach seinem ehemaligen Kollegen, der inzwischen Mitglied der Mafia ist. Mit dabei sind asiatische Gangster samt Lucy Liu als Domina, korrupte Polizisten und Kris Kristofferson als Gangsterboss.

Tja, und das ist im Grunde die Handlung. Porter arbeitet sich die Nahrungskette der Mafia allmählich herauf und schreckt vor nichts zurück. Das zeichnet den Film auch aus: Mel Gibson ist die coolse und skrupelloseste Sau auf dem Planeten. Schon alleine die Anfangssequenz, in der er völlig abgebrannt einem wahllosen Mann die Brieftasche klaut und sich mit den Kreditkarten in einem Zusammenschnitt wieder eine Existenz aufbaut, macht klar, mit wem man es hier zu tun hat. Dabei wird deutlich, dass Mel alles andere als ein guter Mensch ist. So gibt es viele Interaktionen mit meist zwielichtigen Gestalten, die nicht fassen können, dass ein Kerl so viel Wind um so wenig Geld macht. Dabei geht es ihm auch ums Prinzip. Humor entsteht durch die kauzige und lässige Art von Porter und die teils skurrilen Konfrontationen mit allerhand Gestalten. So spinnt sich ein Geflecht von Protagonisten auf, die im Grunde alle nur irgendwas von ihm wollen.

Zugegeben, das Ende ist ein wenig gekünstelt und bei aller Liebe nicht so schlau wie der Film einem vermitteln will. Eine Schießerei mit einer asiatischen Gangsterbande ist auch ein wenig over the top. Aber es ist in Ordnung. Und die Story an sich wirkt teilweise, als ob sie auch von einem Guy Ritchie stammen könnte. Nur mit etwas weniger Hektik und mehr ruhigen Momenten. Für mich ist Mel Gibson auch einfach ein harter Typ, alle seine persönlichen Probleme mal beiseite geschoben, der gerne mal entgegen der persönlichen Sehgewohnheiten handelt. Der Rest des Casts geht klar und Payback hat mit seinen 100 Minuten Laufzeit auch keine Längen drin.

Klar, irgendeine tiefere Botschaft oder eine Moral wird nicht transportiert. Der Film gibt sich auch keine Mühe, mehr zu sein, als er ist. Und Porter ist ein Antiheld. Trotzdem funktioniert die Geschichte gut und unterhält durchgängig. Kiss Kiss Bang Bang zum Beispiel ist viel humoriger und auf seine eigene Art innovativer. Payback dafür ist härter und düsterer. Ein kleiner, aber auch guter Krimi mit Action. Warum auch nicht?

 

Regie: Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft, Sin Eater)

Schauspieler: Mel Gibson, Gregg Henry, David Paymer, Bill Duke, Lucy Liu, Kris Kristofferson

Bewertung: