Mrz 232012
 

Aushilfsgangster ist einer dieser Filme, wo man sich fragt, warum der Originaltitel eingedeutscht wurde. ‘Tower Heist’ klingt ja nun nicht so unbedingt schlecht und man kann dem deutschen Kinogänger doch eigentlich zutrauen, das zu verstehen. Bei Inception hat es doch auch geklappt bzw. klänge “Anfang” auch nicht so wirklich beeindruckend. Dass das Eingedeutsche von fremdländischen Filmen gerne mal in die Hose geht, beweisen zahlreiche Filme vor Aushilfsgangster, allen voran der Fluch der Karibik. Im Original “Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl” für den ersten Teil, wurde die Namensgebung für Teil 2 schon ziemlich abstrus. Wo im Englischen noch “Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest” zu lesen war, schauten wir in Deutschland “Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2″, um dann im dritten Teil wieder auf die Zahl und ‘Fluch der Karibik’ zu verzichten: “Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt” (Original: Pirates of the Caribbean: At World’s End). Zum ersten mal Kontinuität haben wir jetzt, da der vierte Part “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” heißt. Warum erzähle (äh schreibe) ich das ganze? Ach ja, Tower Heist. Oder Aushilfsgangster? Warum benennt man sowas um? Ganz einfach, nämlich dann, wenn der Film selbst nicht genug Charakter hat, um mit Originaltitel hierzulande zu bestehen.

In Aushilfsgangster steht Josh Kovacs (Ben Stiller) im Vordergrund, der selber aus ärmlichen Verhältnissen kommt, dabei jedoch Manager der teuersten Immobilie der Welt ist. Das klingt ehrlich gesagt nicht so wirklich logisch, aber man kann damit leben. Der Tower ist ein Wolkenkratzer im Herzen von New York, in dem reiche Leute leben. Ganz oben wohnt der stinkreiche Finanzjongleur Arthur Shaw (Alan Alda). Dieser verwaltet auch den Pensions-Fonds aller Mitarbeiter des Towers. Leider veruntreut er das gesamte Geld und die ganzen Leute stehen ohne Absicherung oder Ersparnisse dar. Das macht Josh wütend und so fasst er den Entschluss, zusammen mit Charlie (Casey Affleck), Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und dem abgehalfterten Kleinkriminellen Slide (Eddie Murphy) den vor Gericht immunen Shaw zu beklauen. So entwickelt sich der Film zu einem Heist-Movie im Stile eines Ocean’s Eleven, nur eben mit einer Bande von Vollpfosten anstatt cooler Ganoven wie George Clooney und Brad Pitt.

Interessanterweise fand ich die ersten zwanzig Minuten sehr unterhaltsam. Da geht es noch nicht um irgendeinen Raubüberfall, sondern vielmehr um das Leben der kleinen Menschen im Schatten der stinkreichen Bewohner des Towers. Wir sehen, wie Ben Stiller Leuten die Türen aufhält und sein Leben der Befriedigung fremder Bedürfnisse widmet. Und hier dachte ich noch, dass womöglich eine sozialkritische Komponente den Film umgibt, ein humoristischer Kommentar auf die gesamte Occupy Wall Street-Bewegung. Doch diese Hoffnung verflüchtigt sich schnell, denn dann greifen die typischen Elemente von Raubüberfall-Filmen. Erst wird die Mannschaft gesammelt, dann wird geplant, dann wird durchgeführt und natürlich läuft nicht alles nach Plan.

So verspielt Aushilfsgangster jegliche Tiefgründigkeit, die man ihm anfangs noch versuchte, zu unterstellen. Problematisch ist dann, dass der Raubüberfall einfach vollkommen blöd ist. Es gibt keine coolen Abläufe, die ein Ocean’s Eleven bietet oder harte Schießereien wie bei Heat. Die Beteiligten wissen einfach nicht so recht, was sie da machen und so scheint das ganze Handeln nach völlig zufälligen Mustern abzulaufen, die keinen Sinn ergeben. Hier sticht eben das unheimlich schwache Drehbuch hervor, das keinen einzigen Protagonisten sympathisch erscheinen lässt. Besonders Slide, verkörpert von Eddie Murphy, ist völlig unlogisch und ein peinlich-klischeebehafteter Typ. Das liegt nicht etwa daran, dass Eddie Murphy ihn schlecht spielt. Es sind eher die ganzen Dialoge und Interaktionen, die einfach nur dumm sind.

Am Ende versucht dann Aushilfsgangster, einen cleveren Twist anzubringen, den man ihm jedoch einfach nicht mehr abkauft. Außerdem wird es unlogisch. Ich würde jetzt den Film spoilen, wenn ich allzu viel davon reden würde, aber soviel sei gesagt: Niemand notiert seine illegalen Geschäfte haargenau in einem Notizbuch, um dieses Büchlein dann bei sich zu Hause rumliegen zu lassen. Außer ganz blöde Menschen vielleicht. Und blöde Filme eben. Und so hinterlässt Tower Heist einen schlechten Nachgeschmack bei mir. Das ist schade. Ich mag nämlich Ben Still und Matthew Broderick, und auch Eddie Murphy, obwohl der eigentlich schon alle seine Kredits verspielt hat (Kindergarten Daddy, I Spy, Dr. Dolittle, Norbit, Die Geistervilla sind allesamt natürliche Abführmittel fürs Auge). Doch die lustigsten Leute können einen Film nicht retten, der nicht wirklich viel Sinn ergbit und am Ende seiner 104 Mintuten Laufzeit eher seelenlos bleibt. Aushilfsgangster ist genau wie sein Drehbuch: sehr, sehr schwach. Bessere Bankräuberfilme gibt es unzählige, bessere Komödien auch. Lustige Heist-Filme existieren mit der Ocean’s-Trilogie sowie den älteren Guy Ritchie-Streifen auch. Damit steht Tower Heist auf verlorenem Posten. Niemand wird sich daran noch in 10 Jahren erinnern.

Regie: Brett Ratner (Rush Hour I, II, III, Money Talks, X-Men 3, Roter Drache)

Schauspieler: Ben Stiller, Casey Affleck, Matthew Broderick, Eddie Murphy

Bewertung:  


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