Ansgar Brinkmann: Der Weiße Brasilianer (2011)

Das Buch ist die Autobiographie des wohl (angeblich) letzten deutschen Straßenfußballers, Ansgar Brinkmann. Wem der Name nichts sagt und wer sowieso nicht auf Fußball steht, kann ab hier getrost nicht mehr weiterlesen.

Brinkmann wird 1969 in Vechta (nicht weit von Bremen und Osnabrück) geboren und erlebt so als Kind bereits den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 1974 mit.  Als talentierter Spund wird er mit Bayer Uerdingen Deutscher A-Jugend-Meister. Dieser Titel bleibt der einzige in seinem Leben. Danach tengelt er von Verein zu Verein fröhlich durch fast alle Ligen in Deutschland (von der 1. bis zur Oberliga). Dabei beschreibt Brinkmann die vielen kleine Probleme, oft auch aufgrund seiner Person. Ob mit dem Trainer oder anderen Verantwortlichen, irgendwo eckte er immer an und war dann oft gezwungen, den Verein zu wechseln. Das ist schade, denn einer wie er, der mit Oliver Bierhoff und Bernd Schneider zusammen Fußball spielte, hätte wohl auch Chancen auf die Nationalmannschaft gehabt.

Das Buch ist chronologisch sortiert und die einzelnen Kapitel entsprechen jeweils der Zeit in einem Verein (oder mehreren). Nebenbei gibt es neben sportlichen Ereignissen auch immer wieder Anekdoten und Einblicke in die raue Welt des Fußballs.  Allerdings stören sich wiederholende Passagen über Brinkmanns Freidenkertum. Im ersten Drittel gibt es mehrere Abschnitte, wo er abdriftet und erzählen muss, was für ein Sturkopf er ist und deswegen eben manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat. Das geht einem auf die Nerven. Ansonsten geht es eher nicht so viel um Fußball im eigentlichen Sinn, sondern mehr um das Drumherum. Das widerum fand ich sehr interessant, da ich als Fußballzuschauer die inneren Abläufe in einem Team bzw. Verein nicht mitbekomme.

Insgesamt erschien mir die erste Hälfte schwächer. Es zieht sich ein gewisses Maß an Überheblichkeit durch das Buch, was sich zum Ende hin aber wieder gibt und mir persönlich Ansgar Brinkmann als doch sympathischen Menschen vermittelt, der auf jeden Fall viel rumgekommen ist und eben von der 1. Bundesliga bis zum Abstieg in irgendeine Oberliga schon alles mitgemacht hat.

Man darf keine großen Botschaften erwarten. Ansgar Brinkman ist ein Fußballer, kein Philosoph. Er lernt weder aus seinen Fehlern noch ist er jedoch ein schlechter Mensch. Mir erschien das Buch vor allem ehrlich mit dem einen oder anderen kindlich-stolzen Moment (dass er z. Bsp. mit Bielefeld die Bayern geschlagen hat). Wenn man sich durch den zähen Anfang kämpft, dann erhält man einen netten Einblick in ein auf alle Fälle nicht langweiliges Leben.

Für mich als jemanden, der Brinkmann noch zur aktiven Zeit kannte, war der ‚Der Weiße Brasilianer‘ ein gutes Buch. Wer noch nie eine Autobiographie gelesen hat, sollte wissen, dass diese gerne auch mal etwas zäh sein können. Es gibt nun mal keinen Spannungsbogen (in der Regel), und man sollte schon eine gewisse Begeisterung oder zumindest ein wenig Interesse für die Person mitbringen.

 

Zitat Ansgar Brinkmann (auf die Frage, ob er sich einen Wechsel nach Katar vorstellen könne): Ich hab‘ noch keinen Bock, so’n bisschen in der Wüste zu spielen. Da sitzen dann ein paar Scheichs in ihren Sesseln, telefonieren während des Spiels und essen Pommes. Dafür bin ich noch zu gut. Obwohl: Montag bei Basler grillen, Dienstag bei Effenberg und Mittwoch bei mir – das könnte lustig werden.

Bewertung: 

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