Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (2004)

2010 hat Forbes Will Ferrell zum überbezahltesten Schauspieler Hollywoods gekürt. Zugegebenermaßen war das Auswahlverfahren dafür alles andere als besonders sinnvoll und der Kalifornier hatte zu dem Zeitpunkt gerade mit ‚Die fast vergessene Welt‘ einen Megaflop gelandet. Der Rest seiner Filme schlägt sich jedoch meistens relativ gut an den Kinokassen. So war ‚Anchorman‘ von 2004 mit einem Budget von 26 Millionen Dollar und Einnahmen in Höhe von 90 Millionen Dollar alles andere als ein Reinfall. Allerdings sagen solche Zahlen oft wenig über die Qualität eines Filmes aus. Das größte Problem an Will Ferrell-Komödien ist viel eher der Humor. Dieser ist ungemein polarisierend, abstrus und brachial. Und zugegebenermaßen recht dümlich. Von vornherein muss das aber nicht unbedingt schlecht sein.

In Anchorman spielt Will Ferrell den Nachrichtensprecher Ron Burgundy, der im San Diego der 70er eine angesehene und schillernde Persönlichkeit ist. An seiner Seite hat er die Kollegen und Mitstreiter Brian Fantana (Paul Rudd), Champ Kind (David Koechner) und Brick Tamland (Steve Carell). Den vier Männern passt es überhaupt nicht in den Kram, dass mit der Journalistin Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine smarte wie auch gut aussehende Frau in die von Männern beherrschte Welt der Nachrichtensendungen tritt. Es entwickelt sich ein Kleinkrieg, der Ron Burgundy schnell ins Abseits befördert.

Es geht also im Grunde um den aufkeimenden Feminismus. Wer jetzt an ein zorniges Pamphlet gegen die Unterdrückung der Frau denkt, hat vermutlich noch nie einen Film mit Will Ferrell in der Hauptrolle gesehen. Das heißt soviel wie, dass es eine Szene gibt, in der er plötzlich eine Erektion bekommt und diese deutlich sichtbar und unabsichtlich eine Minute lang zur Schau trägt. Und dieser Humor wird auch den Rest des Films beibehalten. Es sind immer relativ platte und oft improvisierte Witze. Steve Carell spielt beispielsweise den Wetterfrosch, der im Grunde geistig zurückgeblieben ist. Oft kann er sich nicht richtig artikulieren und labert irgendeinen Schrott nach. Das völlig blöde Verhalten wird dann in der abgefahrensten Szene des Films so dermaßen auf die Spitze getrieben, dass ich mir eingestehen musste, dass mir ‚Anchorman‘ unglaublich viel Freude bereitet.

Die vier Männer geraten nämlich in einem Hinterhof an ein anderes Nachrichtenteam und die Situation eskaliert in eine gewalttätige Auseindersetzung, in der man sich auf Gastauftritte von Tim Robbins, Luke Wilson und Ben Stiller freuen kann. Das ist die meiner Meinung nach beste Szene des Films, denn nie erreicht der Humor sonst diese Überspitzung. Trotzdem musste ich oft mindestens schmunzeln. Auch schon ob der Gastauftritte von Jack Black, Seth Rogan und Denny Trejo. Oder weil Burgundy und sein Hund den gleichen Schlafanzug tragen. Oder weil er seinen Kummer in Milch ertränkt. Und so weiter. Es läuft eben auf die Frage hinaus, ob man mit dieser Art von Späßen etwas anfangen kann. Ist dem so, dann ist ‚Anchorman‘ der vermutlich beste Film mit Will Ferrell. Einfach weil quantitativ so viel passiert und die Art und Weise unheimlich erfrischend und einem Ron Burgundy sympathisch ist. Andererseits, wem das zu flach ist, wird sich die 94 Minuten lieber sparen. Dann ist der Film nämlich nicht viel mehr als eine Anhäufung von Witzen über Kot.

Mich persönlich hat ‚Die etwas anderen Cops‘ bereits positiv überrascht und in die gleiche Kerbe schlägt auch ‚Anchorman‘. Es ist eben seichter, aber nie verletzender Spaß. Man macht sich hier nicht über Britney Spears lustig wie beispielsweise ‚Meine Frau, die Spartaner und Ich‘ und bleibt eben auf diesem kindlichen Level, wie es einst auch Leslie Nielsen in ‚Die Nackte Kanone‘ gemacht hat. Ganz so gut ist die Geschichte um Ron Burgundy nicht, aber ich freue mich tatsächlich auf die Fortsetzung, bei der die ganze Saturday Night Live Crew wieder am Start ist.

Regie: Adam McKay (Die etwas anderen Cops, Stiefbrüder, Ricky Bobby)

Schauspieler: Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carrell, David Koechner, Fred Willard

Bewertung: 

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