A Lonely Place to Die (2011)

Im Deutschen heißt der Film tatsächlich ‚Todesfalle Highlands‘, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist. Sogar auf der DVD steht ‚A Lonely Place to Die‘. Ich weigere mich, diese blödsinnige und unnötige Übersetzung zu benutzen. Ohne über den Film zu urteilen, der Titel ist an sich gut gewählt und die deutsche Variante totaler Müll. Aber das ist man ja inzwischen gewöhnt von so machen Übersetzungen. ‚Todesfalle Highlands‘ klingt wie irgendein beliebiger Heimatfilm im Abendprogramm der ARD, während ‚A Lonely Place to Die‘ wenigstens Spannung und Interesse weckt.

Eine fünfköpfige Gruppe von Bergsteigern will eigentlich einen gemütlichen Kletterurlaub irgendwo in den britischen Bergen verbringen. Jedoch finden Alison, Ed, Rob, Alex und Jenny auf ihrem Trip ein völlig verwahrlostes und gefangenes kleines Mädchen, das sie mitnehmen. Das verstörte Kind stellt die Gruppe vor die Frage, wie es dort hingekommen ist und wie man so etwas nur jemandem antun kann. Nach kurzer Zeit beantworten sich die meisten Fragen von selbst, denn zwei Männer machen mit Scharfschützengewähren Jagd auf unsere Helden. Es entwickelt sich ein durchaus brutales und schonungsloses Rennen zur nächstgelegenen Stadt.

Es sei so viel verraten, dass man es in das Dörfchen schafft und der Film somit im letzten Drittel von einem ziemlich atmosphärischen Natur-Thriller zu einem recht gewöhnlichen Baller-Streifen verkommt. Das ist eigentlich ziemlich schade. In der ersten Stunde befindet man sich noch mutterseelenlein irgendwo im Wald bzw. im Gebirge und die Klettereinlagen geben der Sache einen abenteuerlichen Charme. Es wirkt oft realistisch, was die Gruppe da treibt. Die Entdeckung des Mädchens ist dabei ziemlich gruselig anfangs und eigentlich ziemlich nett umgesetzt. Dazu trägt eben vor allem die Kulisse bei. Problematisch sind dann die Auseinandersetzungen mit den Verfolgern. So stirbt einer der Protagonisten auf reichlich beknackte Art und Weise, die heroisch und mutig wirken soll, aber letztendlich ziemlich hirnrissig und einfach nicht nachvollziehbar ist.

In den letzten 30 Minuten gibt sich der Film dann Mühe, die Hintergründe der Entführung und der Angreifer zu erklären, was der Geschichte die ganze Spannung nimmt. Hinzu kommt der Schauplatzwechsel und der nicht mehr realistische Verlauf der Story. Die Verlorenheit in der Natur wird durch wilde Schusswechsel in einem beschaulichen Dörfchen verdrängt und so geht ein großer Teil der Atmosphäre verloren. Der Film bleibt zwar immer hart und es wird durchgängig und sinnlos gestorben, doch zum Schluss muss es dann doch noch einmal kitschig werden.

Problematisch ist in gewisser Weise auch die fehlende Sympathie der Reisetruppe gegenüber. Von den beiden Pärchen ist eines ziemlich nervig und der junge Mann, der keine Freundin hat, ist ein blödes Arschloch. Uns wird zwar 10 Minuten lang Zeit gegeben, uns mit den Personen anzufreunden, doch so richtig ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Da geht es einem z. Bsp. bei ‚The Grey‘ mit Lian Neeson in der Hauptrolle deutlich anders. Hier erleben wir hautnah mit und fühlen den Schmerz und die innere Zerrissenheit. Bei ‚A Lonely Place to Die‘ sehen wir eine hübsche Sportlerin, die außer einem leeren Blick sonst nicht viel auszudrücken hat. Und dann werden wir zum Ende hin mit den bösen Buben vertraut gemacht, was weder interessant noch hilfreich ist. Der Mystery-Aspekt, den man anfangs noch hatte, weil die Bedrohung kein Gesicht besaß, geht verloren.

Am Ende haben wir hier einen kleinen und streckenweise netten Film, der besonders zum Ende hin viele Schwächen aufweist und gerne mal ein wenig in die Belanglosigkeit abdriftet. ‚The Grey‘ macht vieles besser, weil man durchweg in der Natur bleibt und wegen Liam Neeson. Trotzdem kommt hier oft Spannung auf und neben dem völlig überzogenen ‚Vertical Limit‘ und dem noch abstruseren ‚Cliffhanger‘ hat ‚A Lonely Place to Die‘ auch seine Daseinsberechtigung. Genauso wie der Ort des Geschehens eben nicht in der Nähe von Hollywood liegt, so ist das hier eben auch kein Blockbuster. Man muss es hier eben mit den Briten halten und einfach mal ruhig abwarten und Tee trinken.

Regie: Julian Gilbey (Rise of the Footsoldier, Rollin‘ with the Nines)

Schauspieler: Alec Newman, Ed Speleers, Melissa George

Bewertung: 

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