Captain Phillips (2013)

Tom Hanks hat bereits zwei Oscars für den besten Hauptdarsteller in der Tasche (Philadelphia und Forrest Gump) und weitere drei Nominierungen vorzuweisen (Big, Der Soldat James Ryan und Cast Away). Und als Captain Phillips darf er sich zumindest schon mal vorsichtig einen weiteren Platz für einen Goldjungen suchen, denn was er hier besonders zum Ende hin spielt, ist ganz großes Kino.

Richard Phillips ist Kapitän der MV Maersk, einem amerikanischen Containerschiff. Dieses wird vor der Küste von Somalia von einer kleinen Gruppe Piraten gekapert. Das ist dann tatsächlich auch schon die gesamte Handlung. Mehr braucht man nicht zu wissen. Als Geisel muss der Kapitän dann qualvolle Stunden und Tage in der Gewalt der ausgehungerten Banditen verbringen. Captain Phillips

Die erste Hälfte ist dabei noch eher ruhig und konventionell. Tom Hanks ist einfach nur ein bierernster älterer Herr, der das Kommando über einen großen Kahn hat und auf professionelle Art und Weise agiert. Mit zunehmender Dauer und besonders am Schluss baut sich eine so gewaltige Spannung auf, dass man trotz des Fehlens großer Actionszenen förmlich erdrückt wird. Regisseur Paul Greengrass gelingt es, den Druck immer wieder aufzubauen und stellenweise zu lösen, sodass man auch als Zuschauer nicht die Lust am Geschehen verliert. Und obwohl ich kein großer Fan von Greengrass‘ Wackelkamera bin, passt sie in dieses maritime Setting hinein und gibt dem Film eine gute Portion Leben. Dabei bleibt die Situation die meiste Zeit übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Bourne Ultimatum kennt, gibt es einfach nicht.

So müssen die Darsteller den Film tragen. Und das tun sie. Nicht nur Tom Hanks spielt ähnlich stark wie in Cast Away, auch die vier afrikanischen Entführer machen ihre Sache gut, allen voran der Anführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi. Obwohl man die Hintergründe der Entführer nachvollziehen kann und sogar etwas Mitleid hat, bleiben sie Antagonisten. Bei mir entstanden so im Laufe durchaus ambivalente Gefühle. Man sorgt sich um Phillips, doch den Tod wünscht man den Somaliern irgendwie auch nicht. Dabei haben diese vorher  rücksichtslos auf Zivilisten geschossen. Demgegenüber steht das amerikanische Militär, das den Piraten technisch um Lichtjahre voraus ist. Es ergibt sich eine beklemmende Mischung aus Leuten, die alle nicht unbedingt das tun wollen, was sie da gerade tun. Und die unmöglich vom gleichen Planeten stammen können.

Anfangs wirkt der Kapitän auch etwas fremd und abgeklärt. Man möchte fast denken, dass Tom Hanks hier nichts zu schauspielern hätte. Falsch gedacht. Gerade die letzte Szene mit Captain Phillips ist so bewegend und emotional, dass es einem selbst schon Tränen in die Augen treibt. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass der vom Film inszenierte Psychoterror sich auf den Zuschauer überträgt. Man leidet mit. Ähnlich schlecht habe ich mich tatsächlich damals in der Szene in Cast Away gefühlt, als Wilson für immer verlorenging. Dafür kommen die Hintergründe der Piraten etwas kurz. Insofern gibt es nicht so wirklich eine tiefere Botschaft.

Captain Phillips ist und wirkt dabei mit 134 Minuten relativ lang, vor allem weil Greengrass einen fast dokumentarischen Stil pflegt. Der Realismus trägt jedoch ein großes Stück zur Atmosphäre bei, die mich vage an Flight mit Denzel Washington erinnerte. Dort ist der Protagonist allerdings charakterlich die Gegenthese zu der von Tom Hanks verkörperten Figur. Beide Filme leben jeweils von ihren großartigen Hauptdarstellern. Und keiner würde Hanks den Oscar für diese Rolle missgönnen, selbst wenn der Streifen hierzulande nicht so große Wellen geschlagen hat [ha ha].

 

Regie: Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum, Flug 93, Green Zone)

Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=n8evZjn7IxM

The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Only God Forgives (2013)

Nicolas Winding Refns ‚Drive‘ wurde 2011 von Publikum und Kritikern gefeiert. Und sogar für einen Oscar nominiert (Sound Editing). Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolgefilm. Dabei sind die Meinungen zu Only God Forgives unglaublich zwiegespalten. Die negativen Kritiken sind eher in der Überzahl, aber es finden sich auch positive. Vorneweg: Mir hat Only God Forgives gefallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film alles andere als zugänglich.

Julian (Ryan Gosling) betreibt eine Kampfsportschule in Bangkok. Zumindest hat es den Anschein, denn eigentlich verdingen sich er und sein Bruder Billy (Tom Burke) mit Drogengeschäften ihren Lebensunterhalt. Als Billy eines Nachts eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet, um daraufhin von deren Vater zu Tode geprügelt zu werden, beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Dieser findet sich schnell, doch Julian bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder zu rächen. Schließlich hat dieser eine Minderjährige auf dem Gewissen. So tritt Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter der Gebrüder, auf den Plan und beginnt ihrerseits mit einem intriganten und blutigen Spiel. Die vermutlich wichtigste Rolle in diesem Geflecht nimmt der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) ein, der mit seinem Schwert und einer gehörigen Portion Selbstjustiz die Straßen Bangkoks durchstreift und der fröhlichen Famillie stetig näher kommt.Only God Forgives

Und eigentlich habe ich damit noch gar nicht wirklich die elementare Handlung zusammengefasst, denn es ist noch ein gutes Stück komplizierter. Julian hat noch eine merkwürdige Beziehung zu einer Hure, Chang hat eine Tochter und Crystal hat ganz arge charakterliche Probleme. Obwohl Only God Forgives nur 90 Minuten lang ist, ist das Konstrukt an Charakteren durchaus groß. Zudem gibt es traumartige Sequenzen und einen in die Leere oder auf seine Fäuste starrenden Ryan Gosling, sodass man nach gut einer halben Stunde ziemlich verloren als Zuschauer dasteht. Dabei ist die Optik des Films über alle Maßen erhaben und die düstere Beleuchtung zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende. Der minimalistische Stil von Refn, der den Zuschauer zum Mitüberlegen zwingt, findet sich auch hier. Damit muss man umgehen können.

Das Schwierige an Only God Forgives ist, dass man nur schwer mit einem der Charaktere sympathisieren kann. Während Julian ein furchtbar passiver und stoischer Mensch ist, wirkt seine Mutter wie die Ausgeburt des Bösen. Vor allem ihre Beziehung zu Julian ist so kaputt, dass man kaum nachvollziehen kann, warum er auf sie  hört. Auf der anderen Seite ist der scheinbar gute Polizist. Chang filettiert zwar nur Leute, die es verdient haben, doch wirkt er teilweise wie eine Entität, die Judikative und Exekutive in sich vereint und über allem zu schweben scheint. Und mit Hilfe von Karaoke die Ereignisse zu verarbeiten versucht.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, gerade zum Finale hin eine hypnotische Spannung aufzubauen. Das liegt daran, dass die zweite Hälfte der Handlung einen enormen Druck aufbaut, dessen Entladung man herbeisehnt. Als man schließlich denkt, die Konfrontation zwischen Julian und Chang wäre dann der Höhepunkt, der zur Auflösung führt, wird man überrascht. Dabei ist der Kampf der beiden wirklich schön und realistisch in Szene gesetzt. Die letzte Sequenz lässt einen wenig später reichlich ratlos zurück und zwingt zur Deutung und Interpretation.

Für mich ist Only God Forgives ein Auseinandersetzen mit der Schuldfrage. Ist ein Mitläufer genauso zur Verantwortung zu ziehen wie der Täter? Crystal ist die böse Energie, die ihren Sohn zum Sünden zwingt. Julian macht, nicht zuletzt auch wegen dem Schicksal seines Bruders, daraufhin eine Wandlung durch. Er erkennt, dass nur er selbst für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damit schafft er es im Grunde auch, erwachsen zu werden und eigenständige Entschlüsse zu fassen. Chang ist die Konsequenz, oder das Karma, dass jeden einholt und seiner gerechten Strafe unterzieht. Dabei kann seine Figur auch bodenständiger als bloßer Polizist gedeutet werden, der das Vertrauen in die Justiz verloren hat und deswegen das Heft selbst in die Hand nimmt.

Die Botschaft serviert Refn allerdings nicht auf einem Silbertablett. Man muss dem Film aufmerksam folgen und die Atmosphäre aufnehmen. Denn mit vielen langen Shots und Szenen, die dieses hypnotische Grundrauschen erzeugen, kann man zum schnellen Griff zum Handy gebracht werden. Und dann verliert Only God Forgives. Obwohl es viel Blut gibt, wird nicht jeder Actionfan hiermit glücklich. Auch weil die Geschichte schon etwas verkopft und abgehackt erzählt wird. Thematik und Darstellung haben mich an manchen Stellen an Sympathy for Mr. Vengeance oder Oldboy von Chan-wook Park erinnert. Die sind dann aber eine ganze Ecke zugänglicher. Trotzdem, Only God Forgives ist ein guter Film. Zumindest, wenn man sich die Zeit für ihn nimmt und die Atmosphäre einen packt. Dann ist das hier ein unerwartet eindringliches Erlebnis, das über den hirnlosen Konsum hinausgeht.

 

Regie: Nicolas Winding Refn (Walhalla Rising, Pusher I/II/III, Drive)

Schauspieler: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm

Bewertung: 

 

Assault on Wall Street (2013)

Anschnallen. Festhalten. Denn hier kommt der erste gute Film von Uwe Boll. Ja, ich weiß, das hört sich wie ein dummer Scherz an. Ist aber keiner. Nein, wirklich. Nein, es ist keine Videospielverfilmung. Nein, es ist auch kein Meisterwerk. Aber der Film ist trotzdem gut. Und sogar ein paar gute Schauspieler sind dabei. Wer zum Beispiel? Na, wie wärs mit Dominic Purcell! Der Bruder von dem Typen aus Prison Break. Naja, so gut ist er jetzt auch wieder nicht. Aber John Heard spielt mit! Der Vater von Kevin allein zu Haus! Und der Vater von Kevin allein in New York! In Sharknado spielt er auch mit! Zugegeben, so richtig der Kracher ist er auch nicht. Aber wie wärs mit Keith David? Dem Priester-Typen aus Riddick I und II? Sogar Eric Roberts spielt mit! Eric Roberts! Der Böse aus Expendables. Und in The Dark Knight war er dabei. Außerdem ist er der Bruder von Julia Roberts, und das muss doch auch etwas zählen. Nicht? Okay. Das Beste kommt zum Schluss, denn Edward Furlong ist auch dabei! Edward Furlong, Baby! Wer das ist? Das ist der großartige Furlong! Der Junge in Terminator II und in American History X. Zugegeben, viel hat er danach nicht mehr gerissen, aber er hat mal die Luft von Arni und Edward Norton geatmet. Ist doch auch ganz nett.assault on wall street

In Assault on Wall Street sehen wir, wie der in einer Security-Firma hart schuftende Jim Baxford (Dominic Purcell) zunehmend an seine finanziellen Grenzen stößt. Einerseits liegt das an der Erkrankung seiner Frau Rosie (Erin Karpluk), die teure Therapien erfordert. Andererseits macht die Finanzkrise dem jungen Ehepaar zu schaffen. So verfolgen wir mit, wie falsche Investitionen, gierige Bankmitarbeiter, Broker und das marode Finanzsystem die einfachen Leute in ihren Ruin treiben. Der Film nimmt sich stolze 50 Minuten, um die Situation immer weiter zuzuspitzen, um letztendlich die Entladung in Gewalt im letzten Drittel zu rechtfertigen.

So ist Assault on Wall Street die meiste Zeit kein Actionfilm, sondern vielmehr ein Drama über ein paar einfache Leute in Zeiten der Bankenkrise. Und wer hätte das gedacht, aber so funktioniert der Film ziemlich gut. Mit ruhigen Bildern, wenigen Schnitten und zunehmender Verzweiflung wächst einem das Schicksal der beiden ans Herz. Auch wenn Dominic Purcell nicht der weltbeste Schauspieler ist, er macht seine Rolle als einfacher Arbeiter und Opfer des Systems anständig. Genauso auch seine Freunde im Film, die von Edward Furlong und Keith David verkörpert werden und deren finanzielle Situationen zumindest ähnlich angespannt sind. So erinnert die Grundthematik durchaus auch an Breaking Bad, ohne dabei jedoch auch nur im Entferntesten eine größere Tiefe zu erreichen.

Trotzdem schafft es Boll, dass einem die Figuren nicht egal sind. Und das ist ein Quantensprung im Vergleich zu vorigen Werken. Hätte der aus NRW stammende Regisseur es bei diesem Ton bei einem Drama gelassen, wäre ihm womöglich tatsächlich ein durchweg sehenswerter Film gelungen. Doch leider entlädt sich die angestaute Trauer in tumbe Gewalt und in einem Finale, das so nicht nötig gewesen wäre. Denn wie auf dem Cover beworben, begibt sich unser Held auf einen blutigen Kreuzzug gegen allerhand Personen aus dem Finanzsektor, der ihn um sein beschauliches Leben betrogen hat. Hier verliert Assault on Wall Street, denn die Logik hinter den Aktionen ist nicht ersichtlich und die letzte Szene leider nicht sehr smart. Vor allem, weil der Film sich in seiner kindlichen ‚Töte-die-bösen-Manager‘-Logik nie der Sinnlosigkeit seiner Gräueltaten bewusst zu werden scheint. Und die Gewalt, die gegen teils gesichtslose Passanten gerichtet ist, verschafft auch keine Befriedigung. Denn obwohl im Verlauf immer wieder böse Buben aufgezeigt werden, empfindet man keine Erleichterung oder Genugtuung aufgrund ihres Ablebens.

Das ist schade. Die Botschaft bleibt dann am Ende plakativ und plump und lässt sich auf ‚Tod den bösen Finanz-Typen!‘ herunterbrechen, wo zu Beginn doch eher persönliche Schicksale beleuchtet wurden. Manchmal ist weniger einfach mehr. Die Action am Schluss ist jetzt auch nicht so sehenswert, gerade weil sie so albern und zufällig wirkt. Trotzdem: Assault on Wall Street ist per se kein schlechter Film. Freilich, er ist auch kein unbedingt durch die Bank weg guter, wo so viel Potential liegen gelassen wird. Doch wer gerade sonst einen persistenten Hass auf Uwe Boll hegt, darf sich hiermit gerne eines besseren belehren lassen. An Falling Down mit Michael Douglas kommt Boll natürlich nicht heran, doch ist das hier bis dato sein Opus Magnum.

 

Regie: Uwe Boll

Schauspieler: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4