Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

Vielleicht war es der Alkohol. Oder ein tiefer innerer Haß. Aber hey, warum nicht einfach mal Star Wars: Episode I angucken? Was soll schon Schlimmes passieren? Schließlich habe ich die Original-Trilogie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Vielleicht ist das ja ein guter Film, wenn man nicht Fanboy der alten Streifen ist? Womöglich ist es gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Was, wenn sich alle irren? Was, wenn George Lucas sich mehr gedacht hat, als alle denken? Und was wäre, wenn ich der Menschheit die Augen öffne und sie in ein zufriedenes Zeitalter führe, in dem es nicht nur 3, sondern gleich 6 gute Star Wars-Filme gibt?

Nun, es könnte auch sein, dass Tripper ein unterhaltsamer Spaß für jedermann ist. Oder dass Michael Bay mal einen tiefgründigen und ruhigen Independant-Film über das Leben und Schaffen von Tim Wiese macht. Es ist die kindliche Naivität, die mir auf brutale Art und Weise dank Star Wars: Episode I ausgetrieben wird. Das Vertrauen in Hollywood und seine Filmschaffenden, die sich schon seit Jahren mehr gedacht haben und eine erzählenswerte Geschichte mitteilen wollen, die das Universum bereichert. Ich habe damals 1999 diesen Film im Kino gesehen. War ich enttäuscht? Nein, denn ich war noch jung und irgendwie waren Laserschwerter cool. Ohnehin habe ich nicht alles verstanden, was dort gezeigt wurde. Allzu großen Haß auf das hier hatte ich somit nicht. Doch jetzt, 14 Jahre später und mit ein bisschen mehr Filmerfahrung, ist Star Wars I leider ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Doch worum geht es hier eigentlich?Star Wars Episode I

Die beiden Jedis Quaigon-Jin (Liam Neeson) und Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden als Vermittler eingesetzt, weil die Handelsföderation eine Blockade um den Planeten Naboo errichtet hat. Um Protest gegen erhöhte Handelszölle zu leisten. Und weil irgendein böser Typ mit Kapuze die beiden Föderations-Obernasen lenkt. So gelangen unsere beiden Jedis auf das Hauptschiff der Föderation, wo sie jedoch umgebracht werden sollen. Doch sie überleben und gelangen auf Naboo, wo gerade die Eroberung des armeelosen Planeten vorbereitet wird. Gott sei Dank treffen sie im Wald beim Kacken auf den Autisten Jar Jar Binks, der sie zu seinem Volk der Frosch-Dyslexiker bringt, von wo sie aus Königin Amidala (Natalie Portman) aus der Hauptstadt befreien, um daraufhin die äußerst effektive Blockade mit einem Schiffchen zu durchbrechen. Notlandung auf Tatooine. Treffen mit Anakin (Jake Lloyd), der ohne Vater gezeugt wurde (zwinker, zwinker). Anakin und Mutter sind Sklaven. 30 Minuten Pod-Racer-Szene. Auf nach Coruscant samt Anakin (scheiß auf seine Mom), nachdem kurz Darth Maul auftritt. Auf Croissant 10-minütiges Parlaments-Geschwafel. Zurück nach Naboo. Krieg zwischen Frosch-Autisten und Robotern, während Anakin die Hauptzentrale ausschaltet, weil er aus Versehen ein Kampfschiff gestartet hat, während Obi und Gin gegen Darth Maul kämpfen und Amidala die Ober-Händler cool verarscht. Oskar Schindler stirbt, Darth Maul stirbt, aber die Guten haben gewonnen, die Zölle werden noch weiter erhöht und keiner gibt einen Scheißdreck auf Anakins Mudder. Puuuuhhhhh.

Die Story ist scheiße. Sie ergibt kaum Sinn und ist tatsächlich komplex, doch trotzdem dümmlich. Was für eine Leistung. Kein einziger Charakter funktioniert. Weder die guten Jedis, noch die Königin oder der kleine Junge, der irgendwo zwischen nervig und überheblich schwebt. Der Laserkampf am Ende ist gut, aber es sterben zwei Leute, die einem am Arsch vorbeigehen. Die Podrace-Szene ist viel zu lang. Der finale Plan ist total behämmert. Am Ende laufen vier parallele Handlungsstränge ab, die nur funktionieren, weil der kleine Junge zufällig das große Raumschiff der Föderation sprengt. Die Roboter machen keinen Sinn, weil die Jedis sie mit einem Blick wegschnipsen. Die Mutter von Anakin juckt keinen. Und so weiter. Es macht alles keinen Sinn. Sei es die endlose Szene im Parlament, die die Handlung nicht voranbringt oder das angebliche Sterben der Leute auf Naboo nach zwei Tagen ohne Handelsimporte. Der weise Jedirat ist reichlich lahm und tatsächlich wenig weise. Und so weiter. Der Anfang, in dem die Jedis ohne große Gefahr auf einmal umgebracht werden sollen, entbehrt jeglicher Logik. Und in all dem Gewühl gibt es noch den kleinen Jar Jar Binks:

Ihr besser nicht auf michse zählen. Lieber tot hier als noch toter im Kern. Du Güte gut! Was ich da reden?

Der Film funktinoniert nicht nicht, weil die Erwartugnshaltung so groß war. Er ist einfach nur eine komplett unlogische Sache und ein völliges Durcheinander. Ich bin kein großer Star Wars-Fan, aber man kann dem Film einfach nicht sehr viel abgewinnen. Ja, Raumschiffe sind cool. Und Laserschwerter. Ich schau mir auch eigentlich ganz gerne fremde Welten an und Schlachtren. Aber das ist nicht alles, was einen bei der Stange halten kann. Vor allem, wenn man an jeder Stelle mit dieser uninspirierten Geschichte konfrontiert wird. Mir ist das einfach zu dämlich. Dafür gibt es dank RedLetterMedia und Mr. Plinkett die vermutlich lustigste und beste Video-Review zu Star Wars aller Zeiten, hier zu finden. Lustigerweise hat mir Teil II noch ein ganzes Stück schlechter gefallen. Das kann ich diesem Streifen noch abgewinnen.

 

Regie: George Lucas (Star Wars IV, American Graffiti, THX 1138, Star Wars II + III)

Schauspieler: Liam Neeson, Ewan McGreger, Natalie Portman, Jake Lloyd

Bewertung: 

Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Fuck you, 3D!

dreide3D ist keine neue Erfindung. Bereits im Jahr 1922 lief mit ‚The Power of Love‘ ein Stummfilm mit zusätzlicher Dimension in den Lichtspielhäusern. Und als die Menschen in den 50ern anfingen, sich diese öminösen Fernsehapparate zu besorgen, gab es tatsächlich schon damals einen 3D-Trend in den Kinos. Weil man in Schwarz-Weiß diesen Effekt nicht erzeugen konnte.

Heutzutage leidet das Kino-Business auch. Dieses mal ist es wieder eine private Revolution, undzwar wohl vor allem in Form des Internets. Was liegt also näher, als mit einem Gimmick wie dieser dritten Dimension wieder Anreize zu schaffen, um die Massen anzulocken. Allerdings bleibt die Frage, wer dieses Feature unbedingt braucht. Sind es die Produzenten und Betreiber oder sollte es wirklich eine Nachfrage danach geben?

Ganz ehrlich gesagt: Ich kenne keinen Menschen, der 3D cool findet. Und Christopher Nolan auch nicht. Da ist man dann schon mal in guter Gesellschaft. Es stellt sich die berechtigte Frage, für wen genau diese ganze 3D-Technik denn nun sein soll.

Tja. Nicht für mich jedenfalls. Mal ganz davon abgesehen, dass es manch einem Brillenträger wie mir auf den Sack geht, ein weiteres Sehgerät auf der Nase zu tragen. Doch das wäre ja noch verschmerzbar. Viel ernüchternder ist jedoch die Tatsache, dass 3D absolut nichts bringt. Ein schlechter Film wird aufgrund dessen nicht besser und ein guter nicht sehenswerter. Es ist, als ob man die Wahl hätte, beim Autokauf das Modell mit oder ohne zusätzlichem Getränkehalter zu wählen. Klar, manchmal kommt es vor, dass man hier oder dort noch unbedingt ein weiteres Getränk abstellen will. Aber es geht eigentlich auch ohne. Genauso ist es mit 3D. Es ist und bleibt ein Gimmick, das jedoch durch teilweise dreiste Aufpreise durchgedrückt wird und den meisten nicht mehr als ein Schulterzucken entlockt. Letztens habe ich mir Pacific Rim gegeben. Für stolze 13.50€. Und im Mai 2011 hat Thor in 3D doch aber noch 9.20€ gekostet. Im gleichen Kino! Aber hey, ein Glück muss man nur weitere 10€ für Popcorn samt Getränk investieren.

Manch einer argumentiert, dass 3D so etwas Ähnliches sei wie damals der Übergang von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen. Ein Film könnte auch mit ohne Farben funktionieren. Der Vergleich hinkt aber. Einerseits sind Farben mitunter ein stilistisches Mittel, andererseits ist es nur konsequent, wenn Filme sich unserer optischen Wahrnehmung nähern. Genauso auch der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Aber ist 3D etwas, das uns Filme näher bringt?3D Tickets

Aktuell: nein. 3D ist maximal ein Feature. Eine Art Bonus. Warum sollte man mehr in einen Film emotional involviert sein, wenn irgendwas auf einen zufliegt? Es ist geradezu lächerlich, wie Machwerke a la Resident Evil in jeder Episode Äxte gen Zuschauer schleudern. Und in Star Trek: Into Darkness waren es zwei Speere, die ganz am Anfang auf einen zugeschleudert wurden. Hurra! Das bringt absolut nichts. Es hat keinen Mehrwert für den Zuschauer. Und so ist es in seltenen Fällen ein stilistisches Mittel. Wie es Farben oder Ton allerdings meistens sind. Kein Schauspieler, keine Rolle und keine Handlung gewinnt durch 3D. Ein Daniel Day-Lewis spielt nicht anders, weil er plastischer erscheinen könnte. Und auch der Trend, ältere Filme wieder neu rauszubringen und mit der Technik noch ein paar Euro mehr zu verdienen (siehe Jurassic Park oder Star Wars: Episode 1 oder Titanic) sind keine Rechtfertigung.

Die Einzigen, die etwas davon haben, sind die, die damit Geld verdienen. Denn wo ein normaler Film im Durchschnitt 8€ kostet, sind es für 3D hierzulande meist 2€ Aufpreis plus 1€ für die Brille. Und dann könnte man sich über diese dummen Tonnen aufregen, in die man, wenn man will, seine gottverdammte Drecksbrille entsorgen kann. Kostenfrei! Olé. Hier fühlt man sich vollends verarscht. Da endet auch mein Mitleid mit der Kino-Branche. Sollen sie doch alle den Bach runtergehen, wenn sie die Dreistigkeit besitzen, nichts für das Zurücknehmen der Brille zu geben, um dann noch mal ein paar mehr Brillen wieder verkaufen zu können bzw. mein getragenes Gestell weiterzuverkaufen.

Dabei ist der Gedanke hinter 3D an und für sich nachvollziehbar. In Zeiten, in denen jeder Film online verfügbar und auf der Couch abrufbar ist, sind die Kinos im Zugzwang. Vor allem, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Wer schafft es heutzutage noch, einen dreistündigen Klassiker ohne einen Blick aufs Handy durchzuhalten? Wir haben so viele Ablenkungen und Konsummöglichkeiten, dass der Kinobesuch unbedingt diesen Event-Charakter zu brauchen scheint, den 3D theoretisch bieten könnte. Zumindest bei den großen Blockbustern. Ich unterstelle nicht, dass diese Technik per se etwas Schlechtes ist. Von Avatar hörte man nur begeisterte Kommentare. Und viele Animationsfilme sind diesbezüglich gut. Wim Wenders‘ pina-Tanzfilm soll ziemlich beeindruckend sein, genauso auch Life of Pi. Doch dann wird es schon allmählich dünn. Besonders die Welle an Superhelden-Filmen macht mit 3D den großen Reibach, vor allem weil man diesbezüglich länger suchen muss, um gewisse Blockbuster im Kino in 2D sehen zu können. Man könnte ja fast vermuten, dass der Preis künstlich hochgetrieben wird!

Das, was mich stört, ist, dass die höheren Ticketpreise scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Besucherzahlen zu haben scheinen. Unter den sechs kommerziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten weltweit ist lediglich Titanic nicht in 3D rausgekommen. Bzw. nicht zu dem Zeitpunkt, als das meiste Geld eingespielt wurde (1997). Warum sollten die ganzen findigen Studios also auch auf diese Spielerei verzichten, wenn sie ohne viel Risiko mehr Gewinn verspricht? Die Nachfrage scheint ja vorhanden zu sein. Verflucht, ich tue mir ja selber immer noch 3D an, um mich dann im Nachhinein darüber aufzuregen. Ein Teufelskreis. James Cameron ist schuld.

Was nun? Wird 3D das 2D-Kino und Film-Erlebnis verdrängen? Vermutlich nicht. Hoffentlich. Wer jetzt außerdem denkt, dass die 3D-Fernseher für Daheim dem Kino den endgültigen Todesstoß versetzen werden, der vergisst, dass ein gewisser Peter Jackson gerade mit der ultraneuen, ultracoolen und ultranotwendigen High Frame Rate anrückt. Das kostet dann aber auch noch einmal extra. Danach kommt das 5D-Kino mit wackelnden Sitzen und Gerüchen. Wer wollte nicht schon immer Mal am Fuß von Jar Jar Binks riechen, wenn dieser in einen Haufen Kot tritt? Fantastisch!

Home of the Brave (2006)

Wenn man einen amerikanischen Film namens ‚Home of the Brave‘ schaut, sollte man nicht über amerikanisch-lächerlichen Patriotismus verwundert sein. Vor allem wenn es um traumatisierte Irak-Veteranen geht. Dann wiederum sollte man allerdings bedenken, dass hier auch 50 Cent mitspielt. Was ein immens größeres Problem darstellt. Denn der Mann kann einfach nicht schauspielern, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit reiht er sich in die prominente Riege um Ludacris, Bushido, Tyrese Gibson und DMX ein, die allesamt ihr Glück in der Schauspielerei gesucht haben und dabei absolut talentfrei sind.Home of the Brave

In ‚Home of the Brave‘ geht es um vier ehemalige Soldaten, die im Irak Schreckliches erlebt haben und nun in der guten alten Heimat versuchen, wieder ihr normales Leben zu führen. Der Arzt Will Marsh (Samuel L. Jackson) leidet unter den schrecklichen Verstümmelungen und Toten, die ihm im Fernen Osten vorgesetzt wurden. Außerdem muss er sich mit seinem pazifistischen und rebellischen Sohn auseinandersetzen. Da liegt der tägliche Griff zur Flasche nicht fern. Vanessa Price (Jessica Biel) hat es noch schlimmer erwischt. Die Sportlehrerin hat eine Hand verloren und muss nun versuchen, mit ihrem Alltag fertigzuwerden. Was ihr denkbar schwerfällt. Brian Presley (Tommy Yates) hat seinen besten Kumpel beerdigen müssen und findet nun in der Heimatstadt keinen Job mehr. Und Jamal Aiken (50 Cent oder Curtis Jackson oder Fiddy) wird von seiner Freundin versetzt und kommt nicht darauf klar, dass er im Irak eine Unschuldige erschossen hat.

So erleben wir abwechselnd, mit welchen Problemen diese vier Menschen konfrontiert werden. Dabei überschneiden sich öfter mal die Handlungsstränge, was rein erzählerisch gar nicht mal so verkehrt ist. Obwohl nicht viel passiert, entsteht im Grunde wenig Leerlauf. Und zugegeben, wirklich uninteressant ist das Gezeigte ja auch nicht. Vor allem, weil dies hier der erste amerikanische Film ist, der den Irakkireg mehr oder weniger negativ darstellt und die „Helden“ als Versager porträtiert.

Leider sind dann die schauspielerischen Leistungen dermaßen unterschiedlich, dass es einem die Schuhe auszieht. Während Samuel L. Jackson in einer ungewohnt ruhigen Rolle überzeugen kann und Jessica Biel ihre Sache auch ganz gut macht, sind 50 Cent und Brian Presley einfach nur völlig überfordert. Damit sind zwei von vier Personen praktisch uninteressant. Und das zieht den Film massiv runter. Besonders schlimm ist, wenn sich die Lebenswege der beiden Letztgenannten überschneiden und es zur Eskalation kommt, die so uninspiriert und aufgesetzt wirkt, dass einem nicht einmal ein Schulterzucken entlockt werden kann.

Und als ob es noch nicht schlimm genug ist, kommt das Finale mit einer debilen und patriotischen Botschaft daher, die das negative Gefühl nochmal verstärkt. Sämtliche Kritik, die hier am Irak-Konflikt wohl geübt werden sollte, verpufft vollends und es bleibt ein kitschiger Beigeschmack. Das ist schade, weil es Ansätze gibt, die gut gemeint sind. Vor allem weil es hier eigentlich gar nicht mal primär um den Krieg, sondern die Zeit danach geht. Die Beziehung zwischen Samuel und Sohn ist eigentlich interessant, aber noch ehe man sich versieht, sehen wir schon wieder 50 Pfennig dabei zu, wie er keine Mimik oder Gestik besitzt und so tut, als ob er ein traumatisierter Veteran ist.

Tja. Und das ist sie, die Heimat der Tapferen. Irgendwo zwischen belanglos und kitschig. Es hätte auch schlimmer sein können, schließlich ist das hier kein „Hurra, USA“-Film. Trotzdem. Gegen Taxi Driver, Jahrhead oder Full Metal Jacket stinkt das hier leider total ab. Man muss wohl selber Veteran sein, um dem hier etwas abgewinnen zu können. Oder großer 50 Cent-Fan. Aber selbst die sollten wissen, dass ihr ehemaliger Hip Hopper kein Fünkchen Schauspieltalent besitzt.

 

Regie: Irwin Winkler (Das Netz, Auf den ersten Blick, Das Haus am Meer)

Schauspieler: Samuel L. Jackson, Jessica Biel, 50 Cent, Brian Presley

Bewertung: