Krieg der Welten (2005)

Das Original von 1953 heißt „The War of the Worlds“ und im Deutschen „Kampf der Welten“. Dieses Remake von Steven Spielberg ist im Original „War of the Worlds“ benannt, hierzulande als „Krieg der Welten“. Klar soweit? Und an und für sich ist die Idee ja gar nicht mal so schlecht, denn die alte Version ist schon recht in die Jahre gekommen und sieht heutzutage angestaubt aus. Nichtsdestotrotz ist das Filmchen immer noch ein Klassiker. Nicht weltbewegend gut, aber an und für sich noch ganz nett. Nachvollziehbar, dass einer der erfolgreichsten Blockbuster-Regisseure unserer Zeit sich anschickt, ein Effektfeuerwerk sondergleichen auf uns loszulassen und den Krieg oder Kampf gegen böse Aliens auf furiose Art und Weise zu inszenieren.

Und wahrlich. Krieg der Welten hat hier und da Szenen, die verflucht gut gefilmt sind. So gibt es eine Sequenz während einer Autobahnfahrt, in der wir eine Konversation im Auto mitverfolgen und die Kamera dabei ständig um das Gefährt herumfährt und uns ungeschnitten Blicke auf den Hintergrund und die Protagonisten gewährt. Das ist ganz cool. Und noch viel cooler wäre das Ganze, wenn uns die Darsteller nicht so furchtbar egal wären. Oder die lausige Handlung.Krieg der Welten

Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein einfacher Arbeiter sowie überforderter Vater und lebt von seiner Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) geschieden. Als die Gute ihm übers Wochende Sohn Robbie (Justin Chatwin) und Töchterchen Rachel (Dakota Fanning) dalässt, bricht wenig später die Scheiße über die Welt herein, denn Aliens beginnen mit der systematischen Ausrottung und Eroberung der Menschheit. So ist es an Ray, seine beiden Kinder heil aus der Sache herauszuholen. Mit an Bord ist für kurze Zeit auch der verrückte Harlan (Tim Robbins), der für eine merkwürdigsten Szenen im Film sorgt, die so gar nicht in einen einfachen Action-Film passen will.

Außerdem wird uns ständig die zerrütte Beziehung zwischen Vater und Sohn präsentiert, wobei man Robbie auch einfach nur als eine spätpubertäre Bitch bezeichnen könnte, die sich nach der Hälfte der 116 Minuten tatsächlich einfach aus dem Staub macht. Leider wird er wenig später von Tim Robbins ersetzt, sodass im Grunde immer ein Idiot an Bord ist. Ganz zu schweigen von Dakota Fanning, deren Rolle als Tochter vor allem aus hysterischem Gekreische besteht. Dann ist da noch Tom Cruise. Der macht seinen Job eigentlich ganz gut. Er ist ein unauffälliger Kerl aus der Arbeiterklasse, der einfach nur ums Überleben kämpft. Gleichzeitig geht Tom dadurch aber so ein wenig unter in der Fülle an dämlichen Leuten um ihn herum, die alle so rein gar nicht den Zuschauer in die Handlung involvieren. Die orientiert sich übrigens, abgesehen vom Alien-Invasions-Plot, nur zum Schluss am Original, funktioniert aber auch nicht so richtig.

Wie gesagt, einige Sequenzen sehen alleine wegen der Kamera-Arbeit ganz gut aus. Dafür sind dann die Aliens irgendwie nicht cool. Man kann sich natürlich streiten, was gutes Design ist. Wirklich Interesse weckt der Anblick der mehrbeinigen Viecher allerdings nicht. Zudem ist der Film in einem leuchtenden Farbton gehalten, der besonders zu Beginn reichlich Gewöhnung braucht. Da jedoch zum Ende hin ohnehin alles in Dunkelheit gehüllt ist, fällt das später weniger auf. Trotzdem besitzt das erste Viertel einen merkwürdigen Look. Dann gibt es wieder ganz nette Tom-rennt-um-sein-Leben-Szenen, während um ihn herum Menschen zu Staub zerfallen. Ein besonders starker Moment erinnert übrigens an einen Stephen King-Roman. Wenn sich ein Mob verzweifelter Menschen daran macht, unserer Familie Ferrier mit Waffengewalt das Auto zu entreißen, dann entsteht dieses Gefühl, dass wir als Spezies nicht besser sind als die Invasoren. Doch viel Tiefsinn sollte man nicht erwarten, denn es folgen bald die nächsten Szenen der Flucht. Irgendwann später sehen wir einen Regen aus Kleidung oder diverse Leichen, die in einem Fluss schwimmen. Hier kommt man sich ein wenig vor wie in einem Film von M. Night Shyamalan. Was eigentlich gut ist, doch gleichzeitig auch nicht konsequent. So pendeln wir irgendwo zwischen Abenteuer und Mystery, ohne je wirklich furiose Schlachten geliefert zu bekommen.

Vielleicht ist das das Überraschendste an Krieg der Welten. Der Regisseur, der die unglaubliche Anfangsszene aus Der Soldat James Ryan gemacht hat, verschont uns hier die meiste Zeit mit Gefechten. Action gibt es nur ein wenig am Anfang. Klar, wir sollen nicht den Krieg an sich miterleben, sondern nur die Sicht eines kleinen Mannes mitbekommen, der um das Leben seiner beiden Kinder kämpft. Das funktioniert aber halt nicht. Einerseits weil man keinen Charakter wirklich leiden kann, andererseits weil die Action zwar öfter mal angedeutet, dann aber jedoch nicht gezeigt wird. Männer verstehen, wie enttäuschend das sein kann (knick knack). Hier und dort kommen noch Logiklöcher hinzu, die einen mitunter verärgern könnten. Und naja, das Ende ist nicht sehr befriedigend. Oder tiefsinnig.

Nichtsdestotrotz, das hier ist kein totaler Reinfall. Wer mit den ganzen Roland Emmerich- und Shyamalan-Streifen klarkommt, wird auch hier seinen Spaß haben. Leider hätte man so viel mehr machen können. Das ist schade. Zumal das Original wohl noch immer einen bedeutend höheren Stellenwert in der Filmgeschichte einnehmen wird als Spielbergs Versuch. Wer sich unsicher ist, sollte sich vielleicht mal einfach Children of Men von Alfonso Cuarón geben, der stellenweise ähnliche Töne anschlägt und einige der geilsten Kameraeinstellungen der jüngeren Vergangenheit bietet, dabei aber eine viel bewegendere und geilere Geschichte erzählt.

PS: Justin Chatwin spiel in Dragonball Evolution den Son-Goku. JA! Diese kleine Bitch aus Krieg der Welten! Das ist noch ein zusätzlicher Wermutstropfen für alle Dragonball-Fans.

 

Regie: Steven Spielberg (Schindlers Liste, Der Soldate James Ryan, Jurassic Park, E.T., Indiana Jones, Hook, A.I., Der weiße Hai)

Schauspieler: Tom Cruise, Dakota Fanning, Tim Robbins, Justin Chatwin

Bewertung: 

Elysium (2013)

Als Neill Blomkamp 2009 mit District 9 einen mit 30 Millionen Dollar Budget nicht nur billigen, sondern auch verdammt guten Sci-Fi-Streifen ablieferte, überschlugen sich die Kritiken samt Kritikern. Vier Oscar-Nominierungen und über 200 Millionen an den Kinokassen sind auch nicht gerade schlecht für ein Debüt-Filmchen. Mit Elysium darf der Südafrikaner nun mit 4 mal so viel Geld und mehr Star-Power beweisen, ob die gesteckten Erwartungen auch berechtigt sind.

In naher Zukunft lebt die Menschheit in Armut auf der Erde. Die Reichen fliehen vor dem überbevölkerten Planeten auf die Raumstation Elysium, wo sie dank modernster Technologie in ihrem Luxus schwelgen und frei von Krankheiten leben. Max (Matt Damon) träumt seit seiner Kindheit von dem ständig sichtbaren Paradies am Himmel, muss sich jedoch mit einem ärmlichen Leben als ehemaliger Kleinkrimineller und Arbeiter in einer Roboterfabrik abgeben. Als er eines Tages verstrahlt wird und nur noch 5 Tage zu leben hat, setzt Max alles daran, um nach Elysium zu gelangen, um seinem nahenden Ende zu entrinnen. Allerdings hat die Quasi-Herrscherin Delacourt (Jodie Foster) etwas dagegen, denn wer will schon den Pöbel an den Annehmlichkeiten der Reichen teilhaben lassen? Außerdem hetzt sie den Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf unseren kahlköpfigen Helden, der neben seinem Katana auch noch ein paar andere technische Spielereien mitbringt.Elysium

Eines ist klar: Wer District 9 kennt und mochte, fühlt sich auch bei Elysium heimisch. Die Optik und das Design erinnern an das Erstlingswerk von Blomkamp, wobei er hier nun mit mehr Action und Ballerei punkten kann. Besonders die erste größere Schießerei ist dank diverser Zeitlupen und manch geiler Kameraperspektive sehr schön anzuschauen. Die Raumstation ist ebenfalls wie aus einem Guss. Wenn Jodie Foster durch Elysium schreitet und mit ihrer geradezu androgynen Gestalt aus einer weißen Tasse Kaffee trinkt, dann ist das alles sehr stylisch.

Doch so schön die meisten Kulissen auch aussehen, sämtliche Charaktere bleiben die meiste Zeit über ziemlich oberflächlich. Insbesondere Max besitzt leider kaum herausstechende Eigenschaften. Eine große Klappe reicht nicht aus, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Er wird einem zwar als so eine Art netter Kerl verkauft, der öfter mal im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat, doch wahre Emotionen zeigt er selten. Und das, obwohl er eine Wandlung durchmacht und gerade zum Ende hin nicht mehr nur aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt. Hier kann man sich streiten, ob er als Vertreter der Unterschicht absichtlich so ist wie er ist. Also einfach nur der 08/15-Arbeiter, der keine Ziele außer dem Fortsetzen des eigenen unwichtigen Lebens verfolgt. Nichtsdestotrotz vermisse ich hier die menschliche Note, die hier leider ziemlich plakativ in Form eines Mädchens mit Leukämie aufgedrückt wird. Eine Spur weit merkwürdiger sind die Antagonisten, die so dermaßen eintönig böse sind, dass der Film aus seinen sozialkritischen Ansätzen zu Beginn nicht mehr viel herauszuholen vermag. Sharlto Copley beispielsweise ist tatsächlich einfach nur noch ein Psychopath und irgendwie viel zu abgedreht. Jodie Foster und William Fichtner als Vertreter der Oberschicht werden auch sehr einseitig als schlecht hingestellt. Darunter leidet dann auch die Story.

So ist Elysium, gerade was die meisten Protagonisten angeht, reichlich oberflächlich. Die Handlung, die mit Max‘ anfänglicher Erkrankung und dem daraus resultierenden Ziel noch angenehm simpel bleibt, verliert gerade zum Finale hin etwas den roten Faden. Das liegt in erster Linie daran, dass man nicht mehr so genau weiß, was das essenzielle Ziel sein soll. Hier hätte eine simplere Struktur das eine oder andere Logikloch vermeiden können. Zumal die Auflösung zum Schluss alles andere als wirklich zufriedenstellend ist. Hier bleibt es einem selbst überlassen, wie sehr man sich die Geschichte dekonstruieren möchte. Es gibt aber die eine oder andere Szene, die sich nicht ganz so organisch in die Story einfügt. Wenn beispielsweise das besagte kranke Mädchen sowohl bei Max als auch beim Zuschauer auf die Tränendrüse drücken soll, dann fühlt man sich irgendwie befremdlich.

Es ist gerade im Sci-Fi-Genre oft ziemlich einfach, einen Film aufgrund seines Realitätsgrades zu kritisieren. Allerdings schafft Elysium eine Welt, die funktioniert und die sich gut anfühlt. Großen Respekt dafür und auch für den passenden Gewaltgrad, der nicht extra auf 12-jähriges Publikum zugeschnitten wurde. Nur die Figuren in dieser Welt bleiben die gesamten 109 Minuten Laufzeit lang Pappaufsteller. Und das ist und bleibt leider ein Kritikpunkt, der sich nie wirklich abschütteln lässt. So hat Blomkamps zweiter Film zwar ein cooleres Setting als ‚Oblivion‚ oder ‚After Earth‚, doch wie im kürzlich erschienen ‚Total Recall‚-Remake bleiben einem die Protagonisten egal. Einen ähnlichen Ansatz fährt der unterschätzte ‚Dredd‚, der nochmal ein ganzes Stück brutaler, aber auch gleichzeitig konsequenter in seinem Stil ist. ‚Moon‚ von Duncan Jones kommt ganz ohne Gewalt aus und lebt zeitgleich komplett von dem von Sam Rockwell verkörpertern Charakter.

Ehrlich gesagt verschafft mir Elysium keine negativen Emotionen. Klar, man hätte mehr aus dem Setting herausholen können. Doch zeitgleich sind die Erwartungen dank District 9 auch nicht gerade gering gewesen. Um die Zukunft von von Neill Blomkamp mache ich mir zumindest keine Sorgen, denn Sci-Fi kann er. Und so ein Sci-Fi-Action-Streifen ohne viel Tiefgang kann ja auch mal ganz unterhaltsam sein.

 

Regie: Neill Blomkamp (District 9)

Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, William Fichtner

Bewertung: