hoerdatei Episode 5: Wrap-up

podcast logoHurra! Im Wrap-up soll es nicht um ein spezielles Thema gehen, sondern viel mehr um aktuelle Kinofilme und womöglich aktuelle Geschehnisse, die uns erwähnenswert erscheinen. So widmen wir uns unter anderem Star Trek Into Darkness, Iron Man 3 und der neuen Xbox One. Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf die im Juni anstehenden Kinofilme. Doch hört selbst.

Gespoilert wird nicht viel dieses Mal. Da haben wir uns Mühe gegeben. Außer der fünfte Stirb Langsam-Film, da gehen wir ziemlich direkt auf das Ende ein. Aber wen juckts?

 

 

 

00:01:00 Stirb Langsam 5 Nachruf

00:04:53 Xbox One

00:16:45 Iron Man 3

00:30:40 Star Trek Into Darkness

00:46:00 Vorschau Juni-Kinoprogramm mit Hangover 3, After Earth, Olympus Has Fallen, Seelen, The Place Beyond the Pines, Man of Steel, Monster AG 2, Gambit, World War Z

01:12:37 Ende

 

http://www.dorkly.com/comic/52085/xbox-one-what-they-tell-us-vs-what-well-get

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

Oblivion (2013)

Heute kochen wir! Man nehme:

  • eine kleine Prise Planet der Affen-Setting
  • zwei Teelöffel The Day After Tomorrow oder wahlweise 2012-Endzeit-Szenario
  • ein wenig Feeling aus I am Legend
  • die Optik aus einem Apple-Store

WICHTIG #1: Auf gar keinen Fall greifbare Antagonisten verwenden! Lieber auf die altbewährten Drohnen setzen, die die bedrohliche Aura einer Waschmaschine versprühen und soviel spannender sind als lebendige „Bösewichte“.Oblivion

WICHTIG #2: Sollte die Menschheit jemals untergehen, so werden Schallplatten und entsprechende Spieler als einzige Medien überleben. Deswegen schon vorher Vorrat mit Lieblings-Platten anlegen. Beachte dabei: offensichtlich brauchen diese keinen Strom.

Die Zutaten vorsichtig verrühren, bis ein wichtiger schwarzer Mann auftaucht, der verdächtig an Denzel Washington in The Book of Eli erinnert. Ist er aber nicht. Es ist nämlich Morgan Freeman, der Léon dem Profi die Brille geklaut hat. Ab hier den bereits im Trailer erwähnten Story-Twist vorsichtig drüberstreuen, weil Menschen heutzutage keine Trailer mehr gucken. Weil dieses „Intranetz“ ohnehin Nischen-Technologie ist. Von jetzt an noch größere Vorsicht beim weiteren Kneten, denn die beiden nervigen wie auch belanglosen Frauenfiguren machen die teigige Masse schnell bitter. Noch sehr viel bitterer: Olga Kurylenko hat keine Nacktszene.

WICHTIG #3: Auf gar keinen Fall zu viel Screentime für Morgan Freeman einplanen, denn keiner mag ihn.

Sollte sich der Story-Teig zunehmend sandig und ziellos färben und die an Star Wars-Spiele der 90er erinnernde Flug-Kampf-Szene zu Ende sein, schnell einen weiteren Story-Twist reinbringen, bis das Interesse des Zusehers wieder steigt. Hier eine Sequenz aus Der Englische Patient untermischen, weil dadurch die Spannung ins Unermessliche steigt und die Zuschauer sonst zu sehr an Moon denken.

Jetzt kann die Pampe in den Backofen. Nach 2 Stunden bei 200°C rausholen und zum Schluss mit Independence Day und 2001 – Odyssee im Weltraum glasieren. Abkühlen lassen. Servieren.

Voilà.

 

Der Film zitiert nicht nur, sondern bedient sich fröhlich aus dem Sci-Fi-Fundus der letzten Jahre und Jahrzehnte. Von 2001 bis Planet der Affen, Independence Day, Total Recall und ganz erheblich vor allem von Moon. Da ist keine einzige originelle Idee dabei gewesen. Ästhetisch ist er. Und ja, am Ende habe auch ich gehofft, Aliens oder was auch immer zu sehen. Dann aber ist widerum die ganze Handlung reichlich konstruiert und Morgan Freeman völlig verschwendet. Kurylenko sieht nett aus, aber beide Frauenfiguren sind irgendwo zwischen nervig und belanglos. Tom Cruise ist sympathisch und der eine oder andere Twist unterhalten tatsächlich, aber trotzdem ist Oblivion, besonders das Finale, überraschend unoriginell.

So stirbt der Film in seiner weißen Touchscreen-Apple-Store-Optik den Designer-Tod. Nett und unterhaltend, aber keiner Erinnerung wert.

 

Regie: Jospeh Kosinski (TRON: Legacy)

Schauspieler: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko

Bewertung: 

 

 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

hoerdatei Episode 4: Die Hard

In Episode 4 geht es um die Stirb langsam-Reihe, die fulminant beginnt und mit dem fünften Teil inzwischen massiv und drastisch abgebaut hat. Eine Reihe, mit der wir aufgewachsen sind und die trotz ihres alternden Helden irgendwie nichts dazugelernt hat. Mit an Bord sind Severus Snape, Carl Winslow, ein Düsenjet und natürlich Tschernobyl.podcast logo

Zudem haben wir diesmal mit Skype aufgenommen, was sich positiv auf die Qualität der Aufnahmen ausgewirkt haben dürfte.

Spoilerwarnung! Auch wenn es nicht viel zu spoilern gibt, das Ende vom ersten und zweiten sowie dem fürchterlichen fünften Teil verraten wir. Zudem wird Harry Potter gespoilert, also Vorsicht, wer gerade noch mitten im sechsten Teil steckt!

 

 

00:05:06 Stirb langsam, McClane und Carl Winslow gegen Snape

00:24:39 Stirb langsam 2, McClane gegen Django

00:36:59 Stirb langsam: Jetzt erst recht, McClane und Samuel gegen Snapes Bruder

00:47:00 Stirb langsam 4.0, McClane und der Mac und Silent Bob gegen Hitman

01:05:20 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, McClane gegen RUSSLAND

01:21:10 Persoenliche Rankings

01:31:17 Ende

 

 

weiterführende Links:

[youtube] Alternatives Ende von Stirb langsam 3 spill.com-review zu Stirb langsam 5 How to fix Die Hard 5

[n24] Reise zum Sarkophag

[imdb] Stirb langsam Stirb langsam 2 Stirb langsam: Jetzt erst recht Stirb langsam 4.0 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: