Das Scrubs-Dilemma

Ich liebe Scrubs.

Von allen Serien, Sitcoms, Cartoons und Animes, Mini-Serien und dergleichen da draußen ist Scrubs mein Serienformat. Das unumstößliche Nonplusultra meiner eigenen persönlichen Unterhaltung. Das führt so weit, dass ich noch täglich hin und wieder einschalte, wenn Pro 7 zum tausendsten Mal ältere Folgen runterspult. Die ganzen DVDs, außer der geschenkten 6. Staffel,  besitze ich nicht und ein Erwerb reizt mich nicht. Warum auch immer. Vielleicht geht dann so ein wenig dieser Zauber des „Einschaltens und sich darüber freuen, was gerade läuft“ verloren. Trotzdem habe ich vermutlich alle Folgen von Staffel 1 bis 8 vermutlich ein Dutzend Mal gesehen. Das sind 169 Folgen, alle irgendwo zwischen 20 und 27 Minuten lang.

Dann ist da die neunte Staffel. Die habe ich genau zwei Mal gesehen. Einmal auf englisch, einmal auf deutsch. Nicht öfter. Und hier schalte ich tatsächlich eher weg, auch wenn ich noch nicht jeden Witz und jeden Dialog auswendig kann. Die 13 Episoden, auf die sich Kraftklub (meiner Meinung nach hauptsächlich) in ‚Songs für Liam‘ bezieht: „Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs“. Die Staffel, die am Ende tatsächlich das Aus bedeutete, weil einfach niemand mehr einschaltete. Und sowieso verwunderlich war das Zustandekommen, so hatte die 8. Staffel doch ein richtiges Ende für die gesamte Serie parat, das wirklich zufriedenstellnd war. Und welches gut zur Serie passte.

Ich will mich hier ein wenig damit beschäftigen, was Scrubs in erster Linie ausgezeichnet hatte und was die Unterschiede zur finalen Staffel sind, was womöglich so ein wenig das Ende erklären könnte. Dabei will ich auch auf die Stärken der Serie eingehen, die mich über ein Jahrzehnt lang begleitet hat. Und ob die 9. Staffel lieber vergessen werden sollte oder doch etwas taugt.

Der Titel ‚Scrubs‘ hat mehrere Bedeutungen. So bezeichnet er einerseits die Krankenhauskleidung sowie auch das Händewaschen vor Operationen. Aber noch viel wichtiger ist, dass das englische Wort scrub umgangssprachlich für Anfänger und Loser gebraucht wird. Und genau das ist der Held der Serie, John Dorian oder auch J.D., ganz am Anfang. Wir verfolgen seinen Lebensweg und seinen Werdegang im Sacred Heart Hospital vom kleinen und profillosen Assistenzarzt zu einem waschechten Doktor, der beruflich wie privat reifen muss und dies auch tut. Darin sehe ich die große Stärke der Serie: wir sehen eine weitreichende Entwicklung vieler Charaktere. Alle werden erwachsen, kriegen Kinder, gehen in ihrer Karriere den nächsten Schritt oder knüpfen neue Beziehungen. Keine Beziehungen sind festgefahren und sogut wie jeder Charakter wird geformt und wächst einem dadurch ans Herz. Gerade bei vielen anderen Sitcoms und Serien gibt es so etwas nicht. Ob ‚Friends‘ oder ‚How I met your Mother‘, dort sind die einzelnen Personen statischer. Auch wenn die Beziehungen sehr dynamisch sind, verbleiben wir über lange Zeit mit den immergleichen Charakteren.

Besonders bei J.D., der zu Beginn unsicher und verloren wirkt, sehen wir die Mannwerdung. Noch eine Spur krasser, als er dann (ungewollt) Vater wird und sich wieder neuen Problemen stellen muss. Besonders Elliot (Sarah Chalke) ist im Vergleich zur ersten Folge am Ende überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Und was mit der ersten Episode so ein wenig angedeutet und im Verlauf der ganzen Serie hin und wieder aufgegriffen wird, ist die Liebesbeziehung der beiden. Rückblickend ist Scrubs damit auch eine Art ‚How I met your Mother‘, denn wir sehen mit an, wie sich zwei finden und verlieren, doch nach all den Jahren der Freundschaft zueinander finden und so aufzeigen, wie komplex Beziehungen sein können. Das ist eine schöne und irgendwie unerwartete Wendung, die in der finalen Staffel mit einem Ausblick auf die mögliche Hochzeit von J.D. und Elliot und so einem kitschigen Happy End mündet. Damit haben wir gleich mehrere Handlungsebenen, die das Gesamtkonstrukt der Serie umspannen und sich, gerade als Fan der Serie und als Kenner aller Folgen, gut und rund anfühlen. Überhaupt ist J.D. ein Antiheld. Er ist sehr unmännlich und albern und bietet eine einfachere Identifikationsfigur als ein Barney Stinson, dessen Coolness unerreichbar ist.

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Es gibt da draußen eine ganze Menge Filme, die ihren Plot über einen Erzähler an Frau und Mann bringen. Ob ‚American Beauty‘, ‚300‘,  ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‚ oder ‚The Big Lebowski‘. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Auch ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ verfügt über diesen Kniff, geht dabei aber noch darüber hinaus und spricht den Zuschauer noch direkter an. Das weicht das klassische Filmkonzept stark auf und zieht einen dabei mehr in die ganze Geschichte rein. Man hat ein persönlicheres Erlebnis. Gleichzeitig kann dieser Versuch aber auch ziemlich plump wirken. Vor allem wenn die Story mies ist. Und kann man viel von einem Film erwarten, der ‚Kuss Kuss Bumm Bumm‘ heißt?

Hary Lockhart (Robert Downey Jr.) spielt Harry Lockhart, einen abgehalfterten Kleinkriminellen aus New York. Als ein Einbruch in einen Spielwarenladen in die Hose geht und sein Partner dabei angeschossen wird, gerät der vom rechten Weg Abgekommene an einen Hollywood-Produzenten. Dieser schustert Harry eine Rolle zu und schickt ihn auf eine Party in Los Angeles, die von Harlan Dexter (Corbin Bernsen) geschmissen wird, wo er auf Gay Perry (Val Kilmer), einen Privatdetektiven, sowie seine alte Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) trifft. Perry lädt unseren Helden ein, ihn bei einer Beschattung zu begleiten und Erfahrungen für seine bevorstehende Rolle zu sammeln. Die Geschichte läuft jedoch schnell aus dem Ruder und die beiden müssen sich plötzlich mit einer Frauenleiche und allerhand zwielichtigen Gestalten rumplagen.

Die gesamte Handlung findet innerhalb weniger Tage statt und wird uns durch Harry höchstpersönlich erzählt, der dabei aber auch diverse Zeitsprünge und Rückblenden verwendet, denn er ist selbst, wie er sagt, ein ziemlich beschissener Erzähler. Das stört aber nicht sonderlich, denn ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ entfaltet von der ersten bis zur letzten Minute einen sympathsichen Charme. In 103 Minuten passiert eine ganze Menge Blödsinn, doch Robert Downey Jr. schafft es als dümmlicher wie auch gutherziger Loser, den Film zu tragen. Dabei ist die Handlung zwar hier wie da undurchsichtig, aber komplex oder gar schlau ist die Geschichte nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein.

Der Film läuft einen Spagat aus absurden Unterhaltungen und beknackten Entwicklungen und Verstrickungen, die ohne Leerlauf unterhalten. Es ist einfach die Art und Weise, wie konsequent bescheuert Harry ist. Ein Antiheld ohne große Perspektive, der durch sein großes Maul permanent weitere Probleme verursacht. Dabei geht er einem jedoch nicht auf den Zeiger wie beispielsweise ein Chris Tucker. Zeigleich bekommt Harry mit dem coolen Gay Perry eine Art Partner, der aber so richtig nichts mit ihm zu tun haben will. So erinnert ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ ab und an einen Buddy-Movie.

Es gibt in dieser Komödie jedoch auch ernste Stellen, zum Beispiel als Harry zum ersten Mal jemanden umbringen muss. Die heben jetzt nicht sonderlich die Bedeutung oder den Sinn des Gesehenen, aber so entstehen auch mal ein paar Verschnaufpausen. Die sind bei den Schlussfolgerungen, die die Handlung ein wenig undurchsichtig machen, aber auch bitter nötig. So wird vor allem die größte Stärke des Films deutlich: Alles ist gut gemacht. Das Drehbuch ist gut, die Witze sitzen meistens und die Schauspieler hatten Spaß an ihren Rollen. So ist das hier keine lustlose Komödie, sondern eine herrliche Persiflage auf die Krimi-Thriller der 90er. Das Ende passt meiner Meinung nach gut, fällt aber vielleicht ein wenig plötzlich aus. Womöglich hatte ich aber auch einfach keine Lust, mich schon so früh aus der ‚Kiss Kiss Bang Bang‘-Welt zu verabschieden. Vor allem wenn einer der letzten Sätze des Erzählers folgender ist:

Und keine Sorge. Ich hab den letzten Teil von Herr der Ringe gesehen. Ich lass den Film jetzt nicht 17 mal enden.

Wer also ohnehin sowas wie ‚Rush Hour‘ gut leiden kann und der sich ein modernes ‚Leathal Weapon‘ wünscht, ist hier goldrichtig. Und der Rest eigentlich auch, denn selten hat ein Film die Eier, solch ein Konzept wie hier so konsequent durchzuziehen und sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Großen Respekt dafür.

Regie: Shane Black (Iron Man 3, Drehbuchautor: Leathal Weapon I+II+III+IV+V, Last Action Hero, Last Boy Scout)

Schauspieler: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok

Bewertung: 

 

[amazon-product region=“de“ type=“image“]B000BM2OT2[/amazon-product]

 

Oscars 2013 – Gewinner

Hier gibts die Übersicht über die wichtigsten Nominierten und Sieger bei der Oscar-Verleihung 2013. Präsentiert wurden die Goldjungs von Family Guy- und Ted-Schöpfer Seth MacFarlane in einer durchaus unterhaltsamen Show, die jedoch über weite Strecken große Höhepunkte vermissen ließ. Absurd war besonders der Anfang, in dem sich MacFarlane mit dem aus der Zukunft eingeschalteten Kirk über seinen Moderationsstil unterhielt oder wie der Trailer zum Film Flight komplett mit Socken dargestellt wurde. Ansonsten waren die musikalischen Auftritte größtenteils frei von ‚magic moments‘ und die Show entwickelte sich zu einer eher trägen und zähen Nummer mit gelegentlichen kleinen bösen Witzchen von MacFarlane. Dass dann Ben Afflecks Argo zum besten Film gewählt wurde ohne Ben Affleck als Regisseur zu bedenken ist kurios und gleichzeitig selten.

 

Bester Film:

  • Argo
  • Beasts of the Southern Wild
  • Django Unchained
  • Liebe
  • Life of Pi
  • Lincoln
  • Les Misérables
  • Silver Linings
  • Zero Dark Thirty

 

Beste Regie:

  • Michael Haneke (Liebe)
  • Ang Lee (Life of Pi)
  • David O. Russell (Silver Linings)
  • Steven Spielberg (Lincoln)
  • Benh Zeitlin (Beasts of the Southern Wild)
Bester Hauptdarsteller:
  • Bradley Cooper (Silver Linings)
  • Daniel Day-Lewis (Lincoln)
  • Hugh Jackman (Les Misérables)
  • Joaquín Phoenix (The Master)
  • Denzel Washington (Flight)
Beste Hauptdarstellerin:
  • Jessica Chastain (Zero Dark Thirty)
  • Jennifer Lawrence (Silver Linings)
  • Emmanuelle Riva (Liebe)
  • Quvenzhané Wallis (Beasts of the Southern Wild)
  • Naomi Watts (The Impossible)

Bester Nebendarsteller:

  • Alan Arkin (Argo)
  • Robert de Niro (Silver Linings Playbook)
  • Philip Seymour Hofmann (The Master)
  • Tommy Lee Jones (Lincoln)
  • Christoph Waltz (Django Unchained)
Beste Nebendarstellerin:
  • Amy Adams (The Master)
  • Sally Field (Lincoln)
  • Anne Hathaway (Les Misérables)
  • Helen Hunt (The Sessions)
  • Jacki Weaver (Silver Linings)
Beste Originaldrehbuch:
  • Liebe (Michael Haneke)
  • Django Unchained (Quentin Tarantino)
  • Flight (John Gatins)
  • Moonrise Kingdom (Wes Anderson, Roman Coppola)
  • Zero Dark Thirty (Mark Boal)
Bestes adaptiertes Drehbuch:
  • Argo (Chris Terrio)
  • Beasts of the Southern Wild (Lucy Alibar, Benh Zeitlin)
  • Life of Pi (David Magee)
  • Lincoln (Tony Kushner)
  • Silver Linings (David O. Russell)
Den Rest findet man auch hier auf Wikipedia.

 

 

Nicolas Cage mag, was er sieht

Nicolas Cage mag, was er sieht!Natürlich kann man sagen: „Nicolas Cage mag, was er sieht!„, denn er sieht nur das, was ihm bei quirell.de empfohlen wird! Ihr wollt wissen, ob ein Film gut ist? Oder gar das eine oder andere Buch? Dann seid ihr hier richtig. Wir legen euch nicht nur das ganze neue Zeug ans Herz, hier kriegt auch alte Kamellen und Ohrwürmer serviert. Denn eines ist gewiss: Nicolas Cage mag, was er sieht!

Und um einfach mal dieses ganze widerliche Marketing-Gequatsche beiseite zu lassen. Hier auf der Seite findet ihr Rezensionen zu Filmen und hier und da auch einigen Büchern. Podcasts zu verschiedenen Themen sind in der Pipeline, denn eines ist sicher: „Nicolas Cage mag, was er sieht!“.

In diesem Sinne,

Cheers.

Bildquelle

Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Gerne sagt man französischen Filmen nach, dass sie künstlerisch und sentimental sind. Und dabei einen gewissen Anspruch an den Intellekt des Zuschauers stellen. Das trifft durchaus auch auf ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ zu. Man erkennt, dass eben nur Frankreich so eine Art Film hinbekommen kann. Natürlich soll das nicht böse gemeint sein, aber der Stil ist unverkennbar und polarsiert dabei. Und das ist allemal besser als die übliche Hollywood-Verwurstungs-Maschine, die dermaßen massentaugliche Ware am laufenden Band produziert, dass man längst den Überblick über den ganzen Michael Bay-Blödsinn verloren hat. Nichtsdestotrotz sticht dieses Werk von Jean-Pierre Jeunet heraus und war auch nicht umsonst für 5 Oscars nominiert. Und das gerade mal mit einem Budget von 10 Millionen Dollar.

Im Grunde ist Amélie einzweistündiger  Liebesfilm. Die vereinsamte und melancholische, trotzdem jedoch ziemlich hübsche Amélie Poulain (Audrey Tautou) lernt dabei über Umwege bei ihren Weltverbesserungsversuchen den chaotischen Nino Quincampoix (Mathieu Kassovitz) kennen und lieben. Und das ist tatsächlich grob umspannt die gesamte Handlung. Aber ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ lebt eben gerade nicht von der Geschichte, sondern von den beteiligten Personen.

Praktisch jeder Protagonist wird charakterisiert und auf liebevolle Art und Weise in die Geschichte miteinbezogen. Jean-Pierre Jeunet nimmt sich ganz viel Zeit, um allerlei Nebensächlichkeiten auf fantasievolle Art und Weise darzustellen. So werden alle Leute quasi mit kurzen Steckbriefen eingeführt. Ob dabei erläuftert wird, dass Amélie das Gefühl ihrer Finger in den Sonnenblumenkernen vor ihrem Gemüsehändler mag oder ob ihr Vater es liebt, seinen Werkzeugkasten zu reinigen, jeder und jede ist einzigartig und wichtig. Dabei wirkt keine Information unnötig, egal wie nebensächlich sie doch eigentlich ist. Und so spannt sich ein komplexes Universum aus Persönlichkeiten auf, die alle etwas Besonderes sind. Dasss nicht jeder perfekt ist, sollte klar sein. Aber trotzdem vermag es der Film, einem den Eindruck zu vermitteln, dass man selbst auch nicht einfach nur ein Zahnrädchen in einer kalten Gesellschaft ist. So entfaltet sich eine gewisse Magie, der man sich nur schwer entziehen kann.

An einigen Stellen hat der Film durchaus Ähnlichkeiten mit einem Märchen. So werden in einer Szene die Gegenstände in Amélies Schlafzimmer lebendig und unterhalten sich miteinander. Das hat keinen Einfluss auf die Handlung und passiert auch nur ein einziges Mal, macht aber die Liebe zum Detail und die fantasievolle Zeichnung der Charaktere deutlich und wirkt nicht wie ein Fremdkörper. So bricht der Film mit den üblichen RomComs. Dabei dürfte auch gleichzeitig klar sein, dass Freunde von explodierenden Helikoptern und blutigen Auseinandersetzungen hier an der falschen Adresse sind. Trotzdem sollte man den Film gewähren lassen, denn wenn man sich einlässt, wird man merken, dass alle, Schauspieler wie auch der  Regisseur große Freude an den Rollen und Geschichten hatten.

Amélie ist dabei eine Weltverbesserin, die versucht, ihren Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dabei vernachlässigt sie ihr eigenes Glück. Hier schlägt der Film gerne mal auch sehr melancholische und traurige Töne an, die einen sofort packen und an dem emotionalen Karussell teilnehmen lassen. Selten hat mich eine Romanze, gerade zum Ende hin, so mitgenommen. Hier wird nicht im Stile eines Til Schweigers eine kitschige wie auch banale Liebelei in ein süßliches und Diabetes verursachendes Happy End ertränkt. Das muss man schon mal hinbekommen. Denn auch wenn dies hier eine Komödie ist, gibt es genug Tiefe. Dabei wird nicht jedes Schicksal aufgeklärt, sodass letztendlich Amélie mehr in den Vordergrund rückt. Das muss man nicht unbedingt mögen, stören tut es jedoch auch nicht unbedingt.

‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ ist ein toller Film. Voller Fantasie und mit ganz viel Liebe gemacht. Vielleicht sollten sich die ganzen Schweighöfers und Schweigers hierzulande mal ein Beispiel daran nehmen und nicht die Standard-Schmonzetten-Kost immer wieder von neuem auflegen. Kitsch gehört eben nicht zwangsläufig in romantische Filme und chaotische Handlungen sind nicht nötig, wenn einen die Charaktere interessieren. Vielleicht ist es ja oft die Liebe zum Detail, die den französischen Film so viel populärer macht als den deutschen. Dass natürlich nicht alles aus Frankreich auch wieder gut ist, hat in den letzten Jahren Gérard Depardieu eindrucksvoll bewiesen (Diamant 13, 36, Babylon A.D.). Trotzdem, Amélie ist großartig und uneingeschränkt weiterzuemphelen.

Regie: Jean-Pierre Jeunet (Alien – Die Wiedergeburt, Mathilde, Die Stadt der verlorenen Kinder)

Schauspieler: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Jamel Debbouze

Bewertung: 

Jonah Hex (2010)

Josh Brolin. John Malkovich. Michael Fassbender. Michael Shannon. Wes Bentley (der Junge mit der Mülltüte aus American Beauty). Und Megan Fox. Okay, Megan Fox ist keine Schauspielerin, sondern einfach nur ein nett anzuschauendes Püppchen, dass in Jonah Hex passenderweise eine Nutte spielt. Aber die ersten fünf Herren sind gute Schauspieler! Brolin, Malkovich und Fassbender sogar sehr populäre. Daraus könnte man einen epischen Film machen. Vor allem, wenn man 47 Fucking Millionen Dollar zur Verfügung hat. Und dass dieser, naja, nennen wir ihn mal „Film“, weltweit nicht einmal 11 Millionen eingespielt hat, spricht schon Bände. Zumal er auf einer Comicreihe basiert und hier und da bereits Fans besitzt.

Das Beste an Jonah Hex ist, dass der Blödsinn nur knappe 81 Minuten dauert. Zudem sieht man nicht alles, weil es Szenen gibt, die zu dunkel sind. Außerdem sind die Actionszenen so geschnitten, dass man ohnehin kaum etwas mitbekommt. Aber nicht zu schnell! Da gibt es ja noch eine Story zu erzählen:

Jonah Hex (Josh Brolin) ist Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg. Dann hat er aber plötzlich die totale Erleuchtung und weigert sich, Leute zu töten. Das findet sein Befehlshaber Quentin Turnbull (John Malkovich) nicht so schön und in irgendeiner Auseinandersetzung stirbt dann dessen Sohn. Aus Rache tötet er Hex‘ Familie und markiert seine Backe mit einem Brandzeichen. Jonah stirbt dabei fast, wird jedoch von irgendeinem Indianerstamm gerettet. Die Nahtoderfahrung verschafft ihm jedoch die Fähigkeit, sich mit Leichen unterhalten zu können. Dann macht er sich auf die Jagd nach seinem Peiniger, der sich jedoch als tot herausstellt. Was tut ein Mann mit entstelltem Gesicht in so einer Lage? Klar, er wird Kopfgeldjäger. Und kein normaler, nein. Unser Recke hat ein Pferd mit Gatling-Guns an der Seite. Richtig gehört, diese sich drehenden Maschinenpistolen. Und das im Wilden Westen. Keine Ahnung ob es die auch so im Comic gibt, aber sowas findet man höchstens als 12-Jähriger cool. Leider sind das die meisten Menschen eher nicht und so kommt diese Technik reichlich albern rüber. Zumal unser finsterer Held permanent sehr dunkle und tiefgründige Monologe hält. Natürlich ist der Oberschurke Turnbull nicht tot. Er klaut aber die scheinbar erste Massenvernichtungswaffe der Welt und will damit die USA vernichten, weil ihm der Verlauf des Bürgerkriegs nichts ganz passt. An seiner Seite ein völlig verschenkter Michael Fassbender. Daraufhin wendet sich der Präsident von Amerika an Jonah Hex, der die bösen Buben aufhalten soll. Jonah vernascht nebenbei noch Megan Fox, die so eine Art Kampfhure ist, die über sein entstelltes Gesicht hinwegsieht und den Menschen dahinter erkennt: einen leeren wie auch blöden Westernheld.

Vieles erinnert an Wild Wild West. Anders ist nur, dass hier von vorne bis hinten alles superernst sein soll. Und da geht es auch schon los. Während Wild Wild West eben kein wirklich guter Film war, so konnte man die ganze Geschichte immerhin auf lustiger Ebene abfrühstücken. Jonah Hex will aber so unbedingt cool und unlustig sein, dass hier so ziemlich alles von vorne bis hinten lächerlich wirkt. Ob Gatling-Gun-Pferd, Dynamit-Schleuder-Pistole oder Leichen-Gequatsche, nie wird gelacht. Und anstatt den Weg einer Komödie zu gehen, möchte man so sein wie Sin City oder Clint Eastwood. Aber wie soll das gehen mit einem Gatling-Gun-Pferd? Es gibt dann so eine metaphysische Szene, in der Jonah einen Kampf gegen Turnbull in seinem Kopf führt, die so plump und dahingeschludert wirkt, dass es mir einfach in der Seele wehtut. Womöglich freut man sich, wenn man den Comic kennt. Aber hierzulande werden das wohl nicht so viele Leute sein.

Das wirklich Schlimme ist dann, dass Jonah Hex auch rein handwerklich ein ganz mieser Film ist. Das liegt nicht an Kostümen und Drehorten, sondern eben an technischen Aspekten. Mehrere Szenen sind so dunkel, dass man nichts erkennt, viele Schnitte sind völlig nervig und die Dialoge sind völlig blöd. Da fragt man sich, ob die fast 50 Millionen Dollar zu wenig waren, um gescheite Scheinwerfer zu besorgen? Man hätte doch auch eine Kerze anzünden können, oder ein paar Autoscheinwerfer.

Die Handlung ist an Klischees und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten. Die Schauspieler, inklusive Josh Brolin, sind entweder lustlos oder völlig unterfordert. Und das auch zurecht. Denn es gibt nichts, rein gar nichts, was der Film auch nur ansatzweise gut macht. Für mich ist Jonah Hex eine der widerlichsten Comic-Verwurstungen, die ich je gesehen habe und markiert einen Tiefpunkt in meiner Beziehung zu Hollywood. Es wurde versucht, mit Namen wie Brolin und Fox, dem Western-Setting sowie dem Comic-Ursprung entsprechende Zielgruppen zu ködern. Als ob irgendein BWL-Heini vorher mal durchgerechnet hat, wie viel der Film abwerfen wird und wie viel er kosten darf. Leider fehlt es dadurch Jonah Hex vor allem an einem, undzwar einer Seele.

Und selbst wenn man 12 Jahre alt ist und Pferde-Maschinengewehre voll geil findet, dann gibt es mit Wild Wild West, und wer hätte gedacht dass ich das jemals einmal sagen würde, einen deutlich interessanteren, besseren und lustigeren Film. Also Finger weg von diesem Unfug und lieber nochmal True Grit mit einem guten Josh Brolin oder die alten Sergio Leone-Klassiker geben. Schließlich hat man zu den Zeiten noch gute Storys erzählt.

Regie: Jimmy Hayward (Horton hört ein Hu)

Schauspieler: Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender

Bewertung: 

 

hoerdatei Episode 1: Oscars 2013 Preview

Olly und Kyrill labern über die Oscars. Dabei geht es vordergründig um die Nominierten in der Hauptkategorie.

Ein dickes Sorry für die miese Qualität und die vielen Störgeräusche, allen voran mein Atmen, das man verflucht oft hört. Dafür kommt das Headset, dass ich benutzt habe, auf den Scheiterhaufen. Oder in die Elektrohölle. Ich gelobe Besserung für zukünftige Projekte. Ansonsten Feedback und dergleichen erwünscht.

Stellt euch vielleicht einfach vor, dass ich bei der Aufnahme auf offenem Feld stand und es über mir donnerte…

00:01:24 Amour 
00:08:17 Argo 
00:18:20 Beasts of the Southern Wild 
00:27:34 Django Unchained 
00:43:38 Les Misérables
00:50:45 Life of Pi 
00:58:31 Lincoln
01:10:08 Silver Linings Playbook
01:19:18 Zero Dark Thirty
01:38:00 Persönliche Favoriten & weitere Kategorien

 

Spiegel: US-Regierung weicht Regeln für Tötung von Terroristen auf

Spiegel: „Yeah, es ist Zeit, diesen Motherfucker zu killen

 

 

Fire with Fire (2012)

Wenn Filme direkt auf DVD erscheinen, dann ist das in der Regel ein schlechtes Zeichen. Das Vertrauen in den kommerziellen Erfolg scheint nicht gegeben. Und das hat oft auch seine Gründe. Hin und wieder aber entdeckt man jedoch eine Perle. So erschien ‚Lucky Number Slevin‘ mit Bruce Willis, Josh Hartnett, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Lucy Liu und Stanley Tucci hierzulande tatsächlich nur auf der silbernen Scheibe und wurde den Kinogängern vorenthalten (in den USA kam der Streifen ins Kino). Was für ein Fehler! Und was für eine geile Besetzung und was für ein verflucht guter Film!

Der nächste Anlauf mit ‚Fire with Fire‘: Josh Duhamel, Rosario Dawson, Vincent D’Onofrio, 50 Cent, Julian McMahon (aus Nip/Tuck), Vinnie Jones und wieder Bruce Willis. Zugegeben, diese Riege ist nicht ganz so gut wie beim zuvor erwähnten Film, aber hey, wir sind hier im Direct-to-DVD-Markt. Da nehmen wir alles was wir bekommen. Und was soll schon bei einem Film mit Beteiligung eines ehemaligen Rappers schief gehen? (*hust, hust*)

Jeremy Coleman (Josh Duhamel, der coole und patriotische Soldat aus den Transformers-Filmen) ist Feuerwehr- und Lebemann. Sein Job macht ihm Spaß und er führt ein heiteres Leben ohne große Beziehungen. Doch eines Tages passiert das Unerwartete: Er wird Zeuge, wie ein Ladenbesitzer samt Sohn von David Hagan (Vincent D’Onofrio) und Boyd (Vinne Jones), beide ihres Zeichens Anhänger der arischen Bruderschaft, ermordet werden. Unser gutaussehender Recke ist der einzige Zeuge und von nun auf der Flucht. Der Polizist Mike Cella (Bruce Willis) ist jedoch froh, denn mit Jeremy hat er endlich den nötigen Beteiligten, um Hagan ein für alle mal in den Knast zu befördern. Schließlich hat dieser seinen Partner vor nicht allzu langer Zeit auf dem Gewissen. Na, kommen wir nocht mit? Wenn  ja, dann gehts munter weiter. Jeremy kommt in den Zeugenschutz, muss also sein altes Leben aufgeben und sich umbenennen und nach New Orleans ziehen, wo er sich in die Polizisten Talia Durham (Rosario Dawson) verliebt, die ihm das Schießen beibringt. Das ist irgendwie nicht ganz legal, aber total romantisch. Wirklich! Also zumindest ist Rosario Dawson ziemlich hübsch. Sehen tut man trotzdem nicht viel… Dann eröffnet allerdings der Auftragskiller Robert (Julian McMahon) die Jagd auf die beiden und bringt die gute Talia sogar fast um, sodass unser Held sich ohne polizeiliche Hilfe auf den Weg in die Heimat macht, um dem bösen Nazi ein für alle mal den gar auszumachen. Und an wen wendet man sich, wenn man böse Rechte umbringen möchte? Nicht etwa an die ‚Inglorious Basterds‘, nein, sondern an die Crips. Bei denen macht übrigens ‚Rampage‘ Jackson mit und 50 Cent ist ihr Anführer. Die netten Jungs verkaufen Jeremy dann eine Knarre, weil die arische Bruderschaft ihnen ihr Gebiet streitig macht.

‚Fire with Fire‘ ist so ungefähr 97 Minuten lang und wir haben gerade mal etwas weniger als die Hälfte hinter uns. Die Handlung ergibt genauso viel Sinn wie Jeremys Liebe für seinen Feuerwehrmannjob. Er mag es nämlich, wenn beim Leute-aus-brennenden-Häusern-Retten die Opfer sich an ihn klammern und er durch die Glut manövrieren muss. Voll Romantisch. Er hätte auch genausogut Müllmann sein können. Ein durchtrainierter, hübscher und zugleich total philosphischer Müllmann.

Ich entsorge nicht einfach nur halbe abgelaufene Mortadella-Verpackungen und Scheiße. Nein. Ich bin der Messias, der den Leuten erst ermöglicht, sich selbst zu verwirklichen und sich in ihrem eigenen Müll wiederzufinden. Der Kreislauf allen Lebens beginnt und endet mit mir, dem Abfallbeseitiger!

Nur eben mit Feuer und so. Ganz klar, inhaltlich erwartet uns hier also nicht viel. Aber womöglich verbirgt sich ja doch noch ein passabler Action-Film hinter ‚Fire with Fire‘. Vinnie Jones und Bruce Willis müssen doch wissen, wie man Kauleisten poliert. Und nein. Bruce hat eine gute Szene, ansonsten ist er mehr oder weniger damit beschäftigt, die Augen zusammenzukneifen und ein ernster Ermittler zu sein. Vinnie Jones hingegen wird viel eher als der Zuschauer aus diesem Trauerspiel erlöst und darf bereits ab der Hälfte des Films damit anfangen, ‚Fire with Fire‘ zu vergessen. Lustigerweise ist der Streifen ab 18 und das liegt an zwei Szenen: In der einen hackt Jeremy einem bösen Buben die Finger ab und in der einen geht es um eine Axt, die in einem Körper steckt.

Der ganze Unfug mündet in ein mehr als dämliches Finale, dass auf Teufel komm raus mit dem Feuerwehrmann-Beruf verknüpft wurde. Da hilft auch die Axt in einem menschlichen Körper nicht mehr, um das irgendwie noch zu retten. Inklusive der blödesten Todesszenen, die man in einer garantiert nicht billigen Produktion jemals finden wird. Da plumpst ein großer böser Nazi aus einem hohen Haus und bleibt Kartoffel-Sack-artig unten liegen. Und weil das noch nicht reicht, plumpst ein weiterer hinterher.

Ich weiß auch nicht, warum das Filmplakat mit 50 Cent wirbt. Der Kerl ist ungefähr 30 Sekunden zu sehen. Das Plakat selbst ist sowieso ein Witz in sich, weil über Willis‘ Kopf Duhamel, über Dawsons Kopf Willis und über Duhamels Kopf Dawson prangert. Vermutlich wurde das Teil, ähnlich dem Film selbst, in der Mittagspause von einem anderen, besseren Film zusammengeschustert. Da haben sich die Schauspieler, Kameramänner und der Herr Regisseur zufällig im Park getroffen und gedacht: „Hey, lass mal ’nen Film machen!“ Anders ist das nämlich nicht so recht erklärbar. Sowieso könnte man sich so über ziemlich alles hierdrin auslassen. Die Dialoge und sogar die schauspielerischen Leistungen sind wirklich nicht gut. Zugegeben, der Film ist nicht „billig“. Aber du meine Güte, wer um alles in der Welt schreibt denn sowas? Es gibt doch Leute, die verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Filmgeschäft. Da wird doch mal irgendwo jemanden irgendwie aufgefallen sein, dass die ganze Chose weder vorne noch hinten so recht Spaß macht.

Die Moral von der Geschichte ist, dass man besonders im Direct-to-DVD-Segment aufpassen muss. Jeder andere Polizei-/Vergeltungs-Film oder Krimi ist besser. Jeder. Auch ‚Mein Partner mit der kalten Schnauze‘ und selbst ‚Police Academy V‘ machen mir persönlich mehr Spaß als diese unspirierte Versammlung von bekannten Gesichtern.

Regie: David Berrett (TV: Castle, The Mentalist, V – Die Besucher, Cold Case)

Schauspieler: Josh Duhamel, Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson, 50 Cent, Vinnie Jones, Kevin Dunn, Julain McMahon, Rampage Jackson

Bewertung: