The Raid (2011)

Es kommt nicht so oft vor, dass ich mir einen Film innerhalb kurzer Zeit zweimal angucke. Von den meisten storytechnisch guten Filmen kennt man auch den entscheidenden Twist bereits, sodass die Luft beim zweiten Mal einfach schon raus ist. Bei ‚Inglorious Basterds‘ damals lag es an der miesen deutschen Synchro, die einen dazu gezwungen hat, sich den Streifen noch einmal auf Englisch zu geben. Da ging es aber auch nicht so sehr um die Handlung, die bei Quentin Tarantino sowieso zweitrangig ist. Dort sind es einfach die Dialoge. Aldo Raine klingt im Deutschen wie ein weichgespühltes Würstchen und gerade hier wird einem klar, wie wichtig die Stimme beim Schauspielern ist und ein Brad Pitt einfach mal ein guter Schauspieler ist. Doch was hat Inglorious Basterds nun mit ‚The Raid‘ gemein? Die Antwort ist schockierend: so ziemlich gar nichts. In dem indonesischen Actionfilm gibt es keine erinnerungswürdigen Dialoge oder auch nur den Hauch einer Handlung. Die Protagonisten sind alle belang- und hirnlos sowie wenig sympathisch. Warum sollte man sich dann nochmal 100 Minuten hineinstürzen? Die Antwort ist noch viel schockierender: weil ‚The Raid‘ die geilsten Kampfpassagen hat, die es gibt.

Man könnte den Film irgendwie auch als Gewaltporno empfinden. Aber damit tut man ihm Unrecht. Es fließen Unmengen an Blut und es werden unheimlich viele Arme und Genicke gebrochen, aber das passt hier rein und ist nicht so grundlegend vordergründig wie bei ‚Hostel‘ oder ‚Saw‘, die hoffentlich nicht weiter fortgesetzt werden. Es ist schlicht und ergreifend Kampfkunst. Jedoch nicht poliert und mit einem Lächeln. Hier wird dreckiges Muay Thai mit Messern und Waffen gefochten, weil man am Leben bleiben will. Warum eigentlich?

Rama (Iko Uwais) ist ein junger Polizist eines Sonderiensatzkommandos. Kurz von seiner hochschwangeren Frau verabschiedet, muss er auf einen so gefährlichen wie bescheuerten Einsatz: Zusammen mit seinen Kollegen soll er ein fünfzehnstöckiges Hochhaus stürmen, in dessen Spitze ein gefährlicher Gangsterboss über alle Einwohner schaltet und waltet. Der anfangs gut verlaufende Einsatz wird schnell zum Desaster, weil keine Verstärkung kommt und man den Feind unterschätzt hat und weil Storytwist….

Und was sich jetzt noch irngedwie sinnvoll anhört, liegt daran, dass ich es so nett zusammengefasst habe. Die Story ist wirklich blöd. Natürlich gibt es einen Twist und ein käßiges Ende. Unser Held Rama ist zudem ein kleiner Idealist, der nicht mal seine Uniform ablegt, um seinen Arsch zu retten. Das ist ungefähr so schlau, wie nackt und voller Blut in ein Haifischbecken zu springen. Seine Kondition würde außerdem jeden Doping-Kontrolleur auf den Plan rufen. Das ist nämlich teilweise unmenschlich. Aber was solls. Über die knapp eineinhalb Stunden gibt es höchstens 10 bis 15 Minuten an Handlung und Dialog, die wie ein lästiges ekliges Brot das leckere Innere eines Sandwiches einrahmen.

Kommen wir zum Guten: Die Kämpfe. Anfangs noch in Form von Schießereien, gehen scheinbar bald die Patronen aus und dann wird auf eine Art und Weise geschlagen, getreten und gehackt, wie man es sonst noch nirgedwo gesehen hat. Es geht dann mit geschmeidigen Choreographien durch Gegnermassen. Da sieht sogar der gute Old Boy alt aus. Dabei sind die Fights nie Slapstick-mäßig wie bei Jackie Chan. Hier herrscht ein Grad an Realismus und Brutalität, dass es einem einfach kalt den Rücken runterläuft. Rama rammt einem Gegner ein Messer in den Oberschenkel. Normalerweise sieht man in anderen Film nicht viel mehr, höchstens noch ein wenig Blut. Doch in ‚The Raid‘ wird dieses Messer dann auch noch bis zum Knie durchgezogen und man fühlt den Schmerz schon halb mit. Mehrere Tötungs-Sequenzen sind noch viel drastischer und bleiben realistisch. Und es heißt schon was, wenn nicht einmal Jackie Chan bei mir so viel Adrenalin hervorgerufen hat. Der finale Kampf bietet auch noch einmal eine Reihe von unglaublich tollen Techniken und Bewegungen, dass einem als Kampfsportfreund einfach der Mund offen stehen bleibt.

Und das ist ‚The Raid‘. Ganz viel tolle Kampfkunst verpackt in Schwachsinn. Aber ganz ehrlich, der Unterhaltungswert ist so hoch, dass es mich nicht gestört hat. Die Geschichte selbst soll dann in Form einer Trilogie fortgesetzt werden und bereits jetzt steht wohl schon fest, dass Hollywood ein Remake plant. Wer erfolgreich sein Gehirn ausschaltet, wird auf jeden Fall belohnt. Sollte man Kampffilme nicht mögen und bei ein wenig Blut ohnmächtig werden, dann könnte einem die Razzia auf den Magen schlagen. Das ist eine ernsthafte Warnung. Jemand, der Gewalt in Filmen verabscheut, wird hier nicht glücklich. Es sei jedoch angemerkt, dass hier die Gewalt nicht dazu dient, jungen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen wie eben bei Gewaltpornos. Man sieht hier Kampfkunst der Extraklasse, wie man sie niemals von Hollywood oder sonst irgendwem serviert bekommen würde. Und die macht auch beim zweiten Schauen noch Spaß.

Regie: Gareth Evans (Merantau, Footsteps)

Schauspieler: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah

Bewertung: 

A Lonely Place to Die (2011)

Im Deutschen heißt der Film tatsächlich ‚Todesfalle Highlands‘, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist. Sogar auf der DVD steht ‚A Lonely Place to Die‘. Ich weigere mich, diese blödsinnige und unnötige Übersetzung zu benutzen. Ohne über den Film zu urteilen, der Titel ist an sich gut gewählt und die deutsche Variante totaler Müll. Aber das ist man ja inzwischen gewöhnt von so machen Übersetzungen. ‚Todesfalle Highlands‘ klingt wie irgendein beliebiger Heimatfilm im Abendprogramm der ARD, während ‚A Lonely Place to Die‘ wenigstens Spannung und Interesse weckt.

Eine fünfköpfige Gruppe von Bergsteigern will eigentlich einen gemütlichen Kletterurlaub irgendwo in den britischen Bergen verbringen. Jedoch finden Alison, Ed, Rob, Alex und Jenny auf ihrem Trip ein völlig verwahrlostes und gefangenes kleines Mädchen, das sie mitnehmen. Das verstörte Kind stellt die Gruppe vor die Frage, wie es dort hingekommen ist und wie man so etwas nur jemandem antun kann. Nach kurzer Zeit beantworten sich die meisten Fragen von selbst, denn zwei Männer machen mit Scharfschützengewähren Jagd auf unsere Helden. Es entwickelt sich ein durchaus brutales und schonungsloses Rennen zur nächstgelegenen Stadt.

Es sei so viel verraten, dass man es in das Dörfchen schafft und der Film somit im letzten Drittel von einem ziemlich atmosphärischen Natur-Thriller zu einem recht gewöhnlichen Baller-Streifen verkommt. Das ist eigentlich ziemlich schade. In der ersten Stunde befindet man sich noch mutterseelenlein irgendwo im Wald bzw. im Gebirge und die Klettereinlagen geben der Sache einen abenteuerlichen Charme. Es wirkt oft realistisch, was die Gruppe da treibt. Die Entdeckung des Mädchens ist dabei ziemlich gruselig anfangs und eigentlich ziemlich nett umgesetzt. Dazu trägt eben vor allem die Kulisse bei. Problematisch sind dann die Auseinandersetzungen mit den Verfolgern. So stirbt einer der Protagonisten auf reichlich beknackte Art und Weise, die heroisch und mutig wirken soll, aber letztendlich ziemlich hirnrissig und einfach nicht nachvollziehbar ist.

In den letzten 30 Minuten gibt sich der Film dann Mühe, die Hintergründe der Entführung und der Angreifer zu erklären, was der Geschichte die ganze Spannung nimmt. Hinzu kommt der Schauplatzwechsel und der nicht mehr realistische Verlauf der Story. Die Verlorenheit in der Natur wird durch wilde Schusswechsel in einem beschaulichen Dörfchen verdrängt und so geht ein großer Teil der Atmosphäre verloren. Der Film bleibt zwar immer hart und es wird durchgängig und sinnlos gestorben, doch zum Schluss muss es dann doch noch einmal kitschig werden.

Problematisch ist in gewisser Weise auch die fehlende Sympathie der Reisetruppe gegenüber. Von den beiden Pärchen ist eines ziemlich nervig und der junge Mann, der keine Freundin hat, ist ein blödes Arschloch. Uns wird zwar 10 Minuten lang Zeit gegeben, uns mit den Personen anzufreunden, doch so richtig ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Da geht es einem z. Bsp. bei ‚The Grey‘ mit Lian Neeson in der Hauptrolle deutlich anders. Hier erleben wir hautnah mit und fühlen den Schmerz und die innere Zerrissenheit. Bei ‚A Lonely Place to Die‘ sehen wir eine hübsche Sportlerin, die außer einem leeren Blick sonst nicht viel auszudrücken hat. Und dann werden wir zum Ende hin mit den bösen Buben vertraut gemacht, was weder interessant noch hilfreich ist. Der Mystery-Aspekt, den man anfangs noch hatte, weil die Bedrohung kein Gesicht besaß, geht verloren.

Am Ende haben wir hier einen kleinen und streckenweise netten Film, der besonders zum Ende hin viele Schwächen aufweist und gerne mal ein wenig in die Belanglosigkeit abdriftet. ‚The Grey‘ macht vieles besser, weil man durchweg in der Natur bleibt und wegen Liam Neeson. Trotzdem kommt hier oft Spannung auf und neben dem völlig überzogenen ‚Vertical Limit‘ und dem noch abstruseren ‚Cliffhanger‘ hat ‚A Lonely Place to Die‘ auch seine Daseinsberechtigung. Genauso wie der Ort des Geschehens eben nicht in der Nähe von Hollywood liegt, so ist das hier eben auch kein Blockbuster. Man muss es hier eben mit den Briten halten und einfach mal ruhig abwarten und Tee trinken.

Regie: Julian Gilbey (Rise of the Footsoldier, Rollin‘ with the Nines)

Schauspieler: Alec Newman, Ed Speleers, Melissa George

Bewertung: 

Haywire (2011)

Quiz-Frage: Was haben Channing Tatum, Antonio Banderas, Ewan McGregor und Michael Fassbender allesamt gemeinsam, ausgenommen, dass sie alle Schauspieler sind? Antwort: Allen Herrschaften wird mal so richtig ordentlich die Kauleiste poliert, undzwar von der MMA-Kämpferin Gina Carano! Denn in Haywire (zu deutsch ‚übergeschnappt‘) muss die toughe (und gut aussehende) Frau einer Menge Menschen ‚den Kopf verdrehen‘. Aber nicht im netten Sinne, denn hier wird gemordet und so mancher Knochen gebrochen. Wenn einem die genannten Schauspieler nicht ausreichen, dann seien noch Michael Douglas, Bill Paxton und Mathieu Kassovitz zu erwähnen. Das sollte doch genug Prominenz sein. Etwas anderes ist man schließlich von Regisseur Steven Soderbergh nicht gewohnt.

Es beginnt in einem kleinen Lokal zur Winterzeit. Mallory Kane (Gina Carano) sitzt darin und wird von Aaron (Channing Tatum) überrascht, der die gute Frau scheinbar verfolgt hat. Nach einem kurzen Wortwechsel kommt es zu einem harten Kampf, in dessen Verlauf dem guten Mann ziemlich übel zugesetzt wird. Dabei ist Channing Tatum nicht gerade ein Spargeltarzan. Mallory flieht mit einem zufälligen Passanten namens Scott (Michael Angarano) in dessen Auto. Die verletzte Frau erzählt dem jungen Mann die Umstände, die zu ihrer misslichen Lage geführt haben. Wir erfahren, dass Mallory für das Sicherheitsunternehmen von Kenneth (Ewan McGregor) arbeitete und dass sie bei einem Einsatz in Barcelona Aaron kennengelernt hat. Nach der erfolgreichen Verrichtung dieser Rettungsmission will Mallory Urlaub machen, doch Kenneth überredet sie zu einem weiteren kurzen Auftrag, aufgegeben von Coblenz (Michael Douglas) und Rodrigo (Antonio Banderas). So fliegt sie nach Dublin, um zusammen mit Paul (Michael Fassbender) zu arbeiten. Hier merkt sie jedoch, dass jemand ein falsches Spielt mir ihr treibt, sodass sie kurz darauf auf der Flucht vor der Staatsmacht ist.

Die Handlung wird in mehreren Rückblenden erzählt und ist dabei nicht unbedingt einfach zu verfolgen. So bleiben diverse Rollen von Leuten lange Zeit im Dunkeln und man sollte tatsächlich 90 Minuten Zeit haben, um dem Film aufmerksam zu folgen. So werden die Beziehungen dann letztendlich irgendwann final aufgelöst und erklärt, was in gewisser Weise an Soderberghs Ocean’s-Franchise erinnert. Herausragend, neben dem ganzen Boot voll mit tollen Nebendarstellern, sind die Kampfsequenzen mit Gina Carano. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass die Frau weiß, was sie da macht. Ohne Stunt-Doubles oder Effekte oder dergleichen. Es ist schon cool, wenn sie einen durchtrainierten Kerl   nach einer wilden Prügelei mit ihren Beinen in die Sankaku-Würge nimmt, aus der man eben nicht so einfach herauskommt. Dabei erreicht der Film einen sehr hohen Grad an Realität und Glaubwürdigkeit.

Interssant und auch gewöhnungbedürftig ist dabei der Soundtrack. Wenn sie beispielsweise vor einer Polizeitstaffel über Häuserdächer flieht, ertönt keine aufgeregte Thriller-Musik, sondern ein mehr oder weniger ruhiges und souliges Gedudel. Das unterstreicht ihre Coolness. Als es dann doch zu einem Handgemenge kommt, verstummt die Musik und man hört nur noch Schläge und Schmerzensschreie. Und im nächsten Schnitt hören wir wieder Gedudel und verfolgen weiter ihre Flucht. An sich finde ich das schon ziemlich gelungen, auch wenn mir das auf Dauer dann doch zu distanziert wird.

Und nicht nur mit der Musik ist der Film sparsam, insgesamt ist das vorgesetzte Bildmaterial spartanisch. Das soll heißen, dass nicht jede von Mallorys Bewegungen und Aktionen gezeigt wird. Die meisten Filme hätten zum Beispiel gezeigt, wie sie jeweils in einen Flieger steigt, um die Stadt zu wechseln. Das macht Haywire nicht und so wird dieser Schritt der Fantasie des Zuschauers überlassen, was widerum eben Aufmerksamkeit erfordert. Ansonsten ist man recht leicht verwirrt. Krass spürbar ist das am Ende, das relativ plötzlich kommt, aber mit dem finalen Ausspruch unheimlich gelungen wirkt.

Mir persönlich hat Haywire ziemlich gut gefallen. Mallory Kane ist eine Art weiblicher Jason Bourne, nur ohne Wackelkamera. Und mit mehr Wumms. Die Kampfszenen stehen hier ganz klar im Vordergrund und überzeugen durch Authentizität und gute Choreographie. Es hat sich gelohnt, keine weltbekannte Schauspielerin für die Hauptrolle zu nehmen, sondern eine erfahrene MMA-Kämpferin. Dass der Film auf imdb lediglich eine Wertung von 5.9 hat, kann ich mir nur damit erklären, dass viele mit dem bisschen an Handlung, das Haywire hergibt, wenig anfangen konnten bzw. eben nicht aufmerksam genug waren und dass Gina Carano schauspielerisch nicht viel Erfahrung vorzuweisen hat. Vielleicht ist Soderberghs Art auch nichts für jedermann, schließlich spürt man auch hier seine Handschrift. Meiner Meinung funktioniert aber sein Stil, Filme zu machen, gerade in dieseo Agentenszenario sehr gut. Man muss ja nicht schon wieder irgendein krasses Casino mit hundert tollen Schauspielern überfallen.

Regie: Steven Soderbergh (Traffic, Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s 11/12/13, Che, Contagion)

Schauspieler: Gina Carano, Channing Tatum, Michael Douglas, Antonio Banderas, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton

Bewertung: 

 

 

Contraband (2012)

Hinter dem Begriff ‚Contraband‘ verbirgt sich das englische Wort für Schmuggelware. Glücklicherweise ist niemand irgendwo auf die Idee gekommen, den Titel einzudeutschen. Mittendrin dabei in der ziemlich gut besetzten Schauspieler-Regie Mark Wahlberg, der wieder einmal Mark Wahlberg spielt. Vorneweg: Mark Wahlberg ist kein guter Schauspieler. Er spielt immer den gleichen Typen: ein rebellischer und gerne zuhauender Amerikaner aus einfachen Verhältnissen, der für seine Werte und Prinzipien eintritt und im Herzen ein guter Mensch ist. Beispiele? The Departed, Vier Brüder, The Fighter, Shooter, Max Payne, The Happening und Die etwas anderen Cops. Das ist grundsätzlich nicht schlimm. Ein Jason Statham oder Steven Seagal sind genauso eindimensional und trotzdem beliebt. Gerade bei Contraband ist Mark Wahlberg goldrichtig.

Chris Farrady (Mark Wahlberg) hat vor Jahren dem Schmuggelgeschäft abgeschworen und jetzt mit seiner Frau Kate (Kate Beckinsale), seinen beiden Söhnen und seiner Alarmanlagenfirma genug zu tun. Kates junger Bruder Andy (Caleb Landry Jones) importiert jedoch Drogen ins Land. Sein letzter Job misslingt ihm und er steht bei dem Gangster Tim Briggs (Giovanni Ribisi) tief in der Kreide. Als Chris versucht, beschwichtigend dazwischenzugehen, wird seine Familie bedroht und er sieht sich gezwungen, einen weiteren lukrativen Schmuggel durchzuführen. Bei der Finanzierung hilft ihm sein bester Freund Sebastian (Ben Foster), der gerade selber auch Probleme mit seinem Geschäft hat.

Im Grunde ist die Handlung ziemlich simpel konstruiert. Die Grundmotivation ist klar und logisch und Chris‘ Vorgehen stets nachvollziehbar. Dabei schafft es der Film, gerade zum Ende hin nochmal mit dem einen oder anderen (teils vorhersehbaren) Twist zu punkten. Meiner Meinung nach blüht Mark Wahlberg hier auf, denn seine Rolle ist zugleich Familienmensch wie auch Kämpfer. Das passt zu ihm. Ich persönlich mag Ben Foster sehr und hier wirkt er nicht ganz so unterkühlt wie in Pandorum. Und obwohl mir auch Giovanni Ribisi gefällt, ist seine deutsche Synchronstimme unglaublich nervig und der gesamte Charakter irgendwie total strohdumm. Der Rest ist in Ordnung und keiner Erwähnung wert.

Lustigerweise ist der Film mit seinen 109 Minuten etwas zu lang. Das liegt nicht daran, dass es langweilig wird, sondern an der Handlung in der Mitte. Der geplante Schmuggel von Chris in Panama artet aus und wird plötzlich zu einer Sequenz voll mit Geballer und Action. Das passt widerum überhaupt nicht zum Film und macht das eigentlich sehr realistische Setting lachhaft. Man hat sich dort vermutlich in gewisser Weise Richtung Heat orientiert, doch die Spannung geht einfach in dem ganzen Chaos flöten. Das ist unheimlich schade, denn mehr Einfachheit wäre ungemein sympathischer gewesen. Mark Wahlberg sollte hier eben eine reale Person sein und nicht zum Actionhelden mutieren. Er ist ein guter Schmuggler und ein einfacher Mann von der Straße. Mehr nicht. Glücklicherweise ist die entsprechende Stelle nur fünf Minuten lang und danach geht Contraband wieder seines gewohnten gemächlichen Ganges.

Das Ende ist dann wieder zwiespältig. Einerseits finde ich den Abschluss des Schmuggels ziemlich cool und nicht vorhersehbar. Der Sideplot rund um Chris‘ Frau ist jedoch irgendwie nervig und im Gegensatz zum Rest ziemlich einfallslos. Die letzten Szenen sind dann in diesem Stil, also ziemlich weichgespühlt. Hier hätte ein wenig mehr Mut zum Drama vielleicht geholfen.

Am Ende überwiegt der positive Eindruck. Contraband ist ein kleiner Action-Krimi-Film mit teilweise sehr netten Einfällen zu einem nicht ausgelutschten Thema. Eine Art Ocean’s Eleven des kleinen Mannes, der es sich eben nicht leisten kann, Casinos zu überfallen und somit auf einfachen Wegen an Geld kommen muss. Den Mittelteil muss man verschmerzen, aber das sollte einem leicht fallen. Wer Mark Wahlberg sowieso gut leiden kann, darf gerne mal einen Blick riskieren. In eine ähnliche Bresche schlägt zum Beispiel auch The Town mit Ben Affleck und Jeremy Renner, welches aber in vielen Belangen besser und ausgefeilter ist. Auf jeden Fall sehe ich Marky Mark viel lieber in soliden Filmen der Machart von Contraband als in der widerlichen Max Payne-Verfilmung, die auf Videospielebene wie Gotteslästerung wirkt.

Regie: Baltasar Kormákur (Inhale, Der Tote aus Nordermoor)

Schauspieler: Mark Wahlberg, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Kate Beckinsale

Bewertung: 

Donnie Darko (2001)

Donnie Darko ist ein Indiefilm von 2001 mit gerade einmal einem Budget in Höhe von 6 Millionen $. Nichtsdestotrotz ist man durchaus verdutzt über die ganzen Schauspieler, die man alle kennt, u.a. die noch sehr jungen Jake und Maggie Gyllenhaal, Crazy Swayze, Drew Berrymore sowie den einen Typen aus Emergency Room (Noah Wyle). Sogar Seth Rogan erblickt man nach näherem Hinsehen. Ein großer Erfolg war der Film anfangs jedoch nicht, was nicht zuletzt auch an der Nähe zu 9/11 lag. Schließlich spielt ein abstürzendes Flugzeug bzw. ein Teil davon im Film eine Rolle. Das führte dazu, dass sich Regisseur Richard Kelly erst im Nachhinein durch die zunehmenden DVD-Verkäufe die Lizenzen an bestimmten Musiktiteln sichern konnte, was 2004 wiederum zu einem Director’s Cut führte, welcher 133 anstatt 113 Minuten dauert. So ist Donnie Darko, ähnlich wie auch Fight Club, erst nachträglich zu einem kommerziellen Erfolg geworden. Inzwischen ist der Film Kult und genießt eine treue Schar von Anhängern.

Jake Gyllenhal spielt Donnie Darko, einen verstörten und psychisch labilen Jungen, der in einer kleinen Stadt in Virginia lebt. Die Handlung findet im Verlauf des Oktobers 1988 statt. Donnie haluziniert und schlafwandelt und bekommt dabei von dem Hasen Frank die Botschaft mitgeteilt, dass die Welt innerhalb der nächsten 28 Tage untergehen wird. Gleich zu beginn stürzt eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und genau auf Donnies Bett, der zu dem Zeitpunkt auf einem Golfplatz schlafwandelt und deswegen das Unglück unbeschadet übersteht. Von diesem Ereignis aus erleben wir chronologische Geschehnisse aus dem Alltag des Jungen. So schildert er beispielsweise seiner Therapeutin die Begegnungen mit seinem imaginären Freund, der ihn dazu veranlasst, seine Schule unter Wasser zu setzen. Frank ist es auch, der Donnie dazu bringt, über Zeitreisen zu forschen. Nebenher sieht man, dass der Junge eine eher schwierige Beziehung zu seiner Familie unterhält. Trotz seiner psychischen Probleme freundet er sich mit Gretchen Ross (Jena Malone) an, die für den weiteren Verlauf keine unwichtige Rolle spielt.

Es fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, den Film zusammenzufassen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise Interpretationsspielraum lässt und dass unglaublich viele Charaktere daran beteiligt sind. Drew Berrymore spielt zum Beispiel eine eigentlich unwichtige Lehrerin, doch praktisch alle Personen werden zum Schluss zusammengeführt und spielen eben doch irgendwie wieder eine Rolle. Die Geschichte bewegt sich dabei zwischen Science-Fiction und Drama und gerade, wo man denkt, zu wissen, worauf es hinausläuft, entlässt der Film einen mit einem Ende, mit dem so garantiert nicht gerechnet hätte.

Besonders Jake Gyllenhal, der vielen leider nur als Prinz aus Persien oder schwuler Cowboy bekannt sein könnte, ist großartig. Er hat so eine Art, bei der man nicht weiß, ob er gleich etwas ziemlich Cooles sagt oder aus seiner Psychose heraus ein Haus anzündet. Damit ist er ein Antiheld, der undurchschaubar und zugleich nie so wirklich sympathisch ist. Was sich am Ende dann wieder ändert. Doch damit ist dann auch schon wieder womöglich zu viel gesagt.

Im Film gibt es dann den einen oder anderen ungemein miesen Charakter, allen voran der aalglatte Jim Cunningham (Patrick Swayze), der als Guru den Leuten irgendeinen Blödsinn über das Leben andreht. Hier gefällt dann Donnie Darko als Typ, der sich nicht anpassen kann oder will und den Leuten eben ins Gesicht sagt, was er denkt und sie so entblößt. Damit eckt er an und entfremdet sich zunehmend von der Gesellschaft. Es bleibt auch die andauernde Befürchtung, dass Donnie nur ein geisteskranker Spinner ist. Der Film spielt hier ein wenig mit den Erwartungen und Vorstellungen des Zuschauers, der sich darauf verlässt, dass immer alles so ist wie gezeigt. Dadurch lädt das Finale zum Nachdenken, Interpretieren und Diskutieren ein. Man kann sich zudem nicht sicher sein, ob Donnie haluziniert oder nicht, was das Gesehene noch ein wenig mehr verschleiert.

Donnie Darko ist ein düsterer, ruhiger und intelligenter Film. Erst zum Schluss wird ein wenig Fahrt aufgenommen. Es gibt zudem dezent eingesetzte Special Effects (was natürlich auch eine Budgetfrage ist), doch besonders aufgeregt und actionreich ist die Geschichte nie. Das braucht sie auch nicht zu sein, denn hier geht es ganz klar um eine unheimlich innovative und beeindruckende Handlung, die man mit eher wenigen anderen Filmen vergleichen kann. Am ehesten ähnelt der Film womöglich Take Shelter, Moon, K-Pax und Another Earth, da man auch dort mit einem Hauptcharakter alleingelassen wird, der irgendwo zwischen Melancholie und Wahnsinn schwebt. Alle diese Filme leben von der Ungewissheit und bieten ziemlich geile Enden.

Auf Wikipedia ist eine Deutung des Regisseurs zu finden, die man sich tunlichst erst geben sollte, wenn man auch den Film gesehen hat. Mich persönlich hat Donnie Darko jedenfalls dermaßen umgehauen wie es sonst kein bombastisches Hollywood-Spektakel in 3D und mit 300 Millionen $ Budget schafft.

PS: Das Sequel von 2009 hat mit Richard Kelly oder Jake Gyllenhal nichts zu tun, kam direkt auf DVD raus, stinkt und sollte tunlichst vermieden werden.

Regie: Richard Kelly (Southland Tales, The Box)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Maggie Gyllenhal, James Duval, Patrick Swayze, Jena Malone

Bewertung: 

Ghost Rider: Spirit of Vengeance (2011)

Im zweiten Teil der Comicverfilmung über einen Motorradfahrer mit brennendem Kopf und dem Hang zur Gewalt treibt sich Johnny Blaze (Nicolas Cage) in Osteuropa rum, weil ihm die schwere Bürde des Riders irgendwie total aufs Gemüt schlägt. Wahrscheinlich will er sich dort eher mit billigen Frauen und Fusel vergnügen. Zeitgleich werden Nadya (Violante Placido) und ihr Sohn Danny von den Schergen des Teufels verfolgt, weil die Mutter einst, um ihr eigenes Leben zu retten, mit Satan ins Bett gehüpft ist und er nun die Frucht seiner Lenden zurückverlangt, um in Kürze ein richtig krasses Ritual durchzuführen, welches ihm seine Mächte auf der Erde zurückbringt. Unterstützt werden sie zusätlich vom Priester und Alkoholiker Moreau (Idris Elba), der Johnny Blaze den Auftrag gibt, Mutter und Kind zu finden und zu beschützen.

So richtig viel Sinn ergibt die Story nie. Das scheint aber niemanden wirklich zu stören, vor allem nicht den Ghost Rider, der jetzt so eine Art Psychopath ist, vor dem sich sogar Johnny fürchtet. Man versucht auch, ein wenig die Hintergrundgeschite und die Ursprünge dieses Dämons zu beleuchten, was aber die gesamte Angelegenheit noch lächerlicher macht. Mutter und Kind sind so profillos und gleichgültig, dass man sich um ihr Überleben nie wirklich schert. Auch allein der Fakt, dass Nadya sich auf einen selten dämlichen Deal mit dem Teufel eingelassen hat, macht sie mir ungemein unsympathisch.

Idris Elba ist ein Lichtblick, da er einfach ein guter Schauspieler ist, der seiner Figur wenigstens etwas Leben einhaucht, doch leider bekommt dieser dafür kaum Screentime. Und dann wäre da noch Nicolas Cage, der mit seiner psychotischen Mimik rumrennt und aus einem irgendwie nicht wirklich tiefgründigen Comic-Charakter eine Art Dr. Faust machen soll. Das gibt der Ghost Rider aber einfach nicht her und so bleiben die Mühen des Oscar-Preisträgers vergeblich. Man fragt sich auch wieder mal, warum Nicolas Cage so einen Müll drehen muss. Aber die Frage wurde zur Genüge diskutiert und eine logische Antwort kann es nicht geben.

Wer noch weniger Sinn ergibt, ist der Teufel, verkörpert von Ciarán Hinds. Satan hat, weil er auf der Erde wandelt, irgendwie nicht seine gewohnten Kräfte und ist darum relativ schwach. Deswegen braucht er den Jungen. Doch warum, wenn er selber nicht allzu mächtig ist, kann er Blaze den Ghost Rider einverleiben, der, wie es scheint, um einiges kräftiger ist als der gottverdammte Teufel selbst? Anstatt eine kleine einfache Story aufzubauen, muss man dann noch einen Twist einbauen und die ganze Chose unnötig kompliziert machen.

Kurz vor dem finalen Fight schafft es Blaze, sich den Ghost Rider auszutreiben, um kurze Zeit später festzustellen, dass er den Dämon doch noch gebraucht hätte. Schade. Und unglaublich bescheuert. Das ist ungefähr so, als ob sich Superman kurz vor der letzten Schlacht noch ein Kryptonit-Zäpfchen einführt oder Rambo beschließt, fortan ohne Maschinengewehre zu kämpfen. Sonst wäre es ja auch langweilig. Überhaupt wurde versucht, den Ghost Rider verletztlich zu machen. Manchmal machen ihm dann Granaten was aus. Doch schon kurze Zeit später schluckt er Maschinengewehrsalven völlig uninteressiert. So weiß man irgendwie nicht wirklich, was das für ein Held sein soll und wo Stärken und Schwächen liegen. Dadurch schafft es der Film, die Orientierungslosigkeit der Handlung auch auf seinen Hauptcharakter zu übertragen.

Es gibt aber auch einen guten Moment. Jedes Gefährt, das der Geisterreiter besteigt, verwandelt sich zu einem brennenden Höllenfahrzeug. In einer Szene klettert unser Recke auf einen haushohen Schaufelradbagger, um mit diesem Ungetüm seine Widersacher plattzuwalzen. Das ist ziemlich cool und brachial, dauert aber leider nicht allzu lange. Hier hätte man die Chance gehabt, den Ghost Rider zu einem schön eindimensionalen Actionhelden zu machen. Dafür müsste auch die Handlung einfacher und vor allem logischer sein, doch sie ist es eben nicht. Ghost Rider: Spirit of Vengeance schafft es, eine ganze Schippe schlechter auszufallen als sein Vorgänger, der mir im Gegensatz zu vielen anderen gar nicht mal so schlecht erschien. Gott sei Dank ist dieser Blödsinn, der im Kino sogar in 3D kam, nach knapp eineinhalb Stunden vorbei und man kann sofort damit anfangen, den Unfug wieder zu vergessen.

Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor (beide Crank I + II, Gamer)

Schauspieler: Nicolas Cage, Idris Elba, Ciarán Hinds

Bewertung: 

Spaceballs (1987)

Heutzutage ist Klamauk ziemlich schlecht. Beilight – Biss zum Abendbrot, Disaster Movie, Fantastic Movie, Date Movie, Meine Frau, die Spartaner und Ich und die ganzen Scary Movies, alles im Grunde filmische Abführmittel (ja, Scary Movie 1 bis 4 sind nicht sooooooooo fürchterlich wie die davor, aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei) . Bei allen sind die Herren Jason Friedberg und Aaron Seltzer beteiligt, die diesen Müll praktisch am Fließband schreiben, drehen und / oder produzieren. Und alle diese Werke sind sehr billig und seelenlos und zielen mit dümmlichen popkulturellen Anspielungen auf ein minderjähriges Publikum ab. So gibt es zum Beispiel in Meine Frau, die Spartaner und Ich eine Szene, in der eine heulende Britney Spears ein Baby im Arm hält und sich dabei singend eine Glatze rasiert, woraufhin der Leonidas-Verschnitt sie in die Grube tritt. Das ist dann nicht nur dumm, sondern auch einfach fernab von allem, was lustig ist. Da wurden live beim Dreh die aktuellesten Klatsch-Spalten durchforstet und verfilmt. Nicht umsonst belegen einige dieser „Filme“ die hintersten Plätze in der internet movie database. Dass das auch anders geht, hat Leslie Nielsen zur Genüge mit der Nackten Kanone unter Beweis gestellt. Und ebenso Mel Brooks.

Die Spaceballs haben nicht mehr genug Luft zum Atmen auf ihrem Heimatplaneten. Deswegen beschließt ihr Präsident Skroob (Mel Brooks), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen und ihren Vater König Roland (Dick Van Patten) zu erpressen, um an die gesamte Luft vom Planeten Druidia zu gelangen. Seinem Schergen Lord Helmchen (Rick Moranis) gelingt die Entführung der Adeligen, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem nicht ganz so munteren Prinz Valium flieht. Allerdings erscheint Lone Starr (Bill Pullman) zusammen mit seinem treuen Möterbegleiter Waldi (John Candy) und rettet Vespa. Nun müssen unsere Helden vor den bösen Spaceballs fliehen und sich dabei mit der Macht des Saftes auseinandersetzen.

Spaceballs persifliert vor allem die alten Star Wars-Filme, es finden sich aber auch beispielsweise Referenzen zu Alien (inklusive dem im Originalfilm spielenden John Hurt in seiner Originalrolle, dem ein Alien aus dem Magen herausbricht), Star Trek (Spocks Nackengriff), Planet der Affen und dem Zauberer von Oz. Die Fülle an Bezügen ist riesig und glücklicherweise hier zusammengetragen. Und die meisten Witze sind auch heute noch, fast 25 Jahre später, lustig. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wie die anfangs erwähnten heutigen Klamauk-Versuche irgendwelche popkulturellen und geschmacklosen Scherze über (teilweise längst vergessene) Prominente reißt. Großartig ist, wenn die Bösen eine Spaceballs-Kassette einschieben, um den Guten auf die Schliche zu kommen und der Film damit aus seiner Dimension ausbricht und direkten Bezug auf den Zuschauer nimmt. Das passiert öfter. In einer Szene faselt Mel Brooks als Yoda-Verschnitt namens Yogurth über Merchandising oder gar über die (nie gedrehte) Fortsetzung „Spaceballs 2 – Auf der Suche nach noch mehr Geld“. Zuvor hat Lord Helmchen noch aus Versehen die Kamera angerempelt oder einen Tontechniker zersäbelt.

Zugegebenermaßen ist der Film nicht an jeder Stelle unbedingt gut gealtert und die Handlung ist gelinde gesagt völlig verquer. John Candys Maske als halb-Mensch-halb-Köter sieht aus als ob er gerade vom Fasching kommt und Lone Starrs Raumschiff ist ein Wohnmobil mit Pappflügeln. Der billige Look ist aber meiner Meinung  nach Absicht und die unzähligen Referenzen auf entsprechende ernste Filme machen einen ungeheuren Charme aus und sind zudem Beweis dafür, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Wenn Lone Starr von „Pizza the Hutt“ erpresst wird oder doch tatsächlich Michael Winslow alias der Typ, der bei Police Academy die coolen Sounds mit seinem Mund macht, auftaucht, geht einem schonmal das Herz auf. Solche Szenen gibt es zuhauf und sie machen Spaceballs zu guter Unterhaltung, die es heutzutage einfach nicht mehr gibt, weil es billiger ist, schnell einen Witz über die großen Hupen von C-Prominentin XYZ zu machen. Allein der Fakt, dass der Held in Spaceballs ‚Lone Starr‘ heißt und damit eine Verballhornung der Nachnamen von ‚Han Solo‘ und ‚Luke Skywalker‘ darstellt, ist nicht unbedingt sofort ersichtlich und macht Spaceballs im Vergleich zu Meine Frau, die Spartaner und Ich zu einem Arthouse-Kinoerlebnis.

Rein von der Art des Films ist Spaceballs dem Schuh des Manitu gar nicht mal unähnlich. Wer sowieso nichts mit Star Wars und Konsorten anfangen kann und sich auf diesem Sachgebiet nicht auskennt, wird jedoch eher wenig Spaß hiermit haben. Es gehen dann nämlich einfach viel zu viele Witze nicht auf. Jüngere Generationen werden auch nicht unbedingt mit den Spaceballs warm werden, doch ich bin mit diesem Film aufgewachsen und er zählt für mich zum Besten, was Klamauk herzugeben hat. Und Mel Brooks muss man kennen und mögen, oder eben nicht. Seine Filme treffen definitiv nicht jedermanns Humor, sind jedoch ein Pflichterlebnis für jeden, der von heutigen Hollywood-Komödien nicht angesprochen wird.

Princess Vespa: [looking up at the night sky] Which one’s yours?
Lone Starr: Who knows?
Princess Vespa: You don’t know where you’re from?
Lone Starr: Not really. I was found on the doorstep of a monastery.
Princess Vespa: A monastery? Where?
Lone Starr: Somewhere in the Ford Galaxy.

 

Regie: Mel Brooks (The Producers, Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt, Das Leben stinkt)

Schauspieler: Mel Brooks, John Candy, Bill Pullman, Rick Moranis

Bewertung: 

 

Lockout (2012)

Selten hat mich ein Trailer mehr abgetörnt als der von Lockout. Innerhalb von zwei Minuten hat man darin nämlich ein gutes dutzend dummer Sprüche und Oneliner zusammengeschnipselt, die alle auf ein junges und unreifes Publikum abzielen. Viel schockierender dabei war für mich eher, dass man Guy Pearce eine ‚coolere‘, weil tiefere,  Synchronstimme verliehen hat und dass der Kerl eigentlich so gar nicht in diese Art von Film passt. Besonders in L.A. Confidential, The Time Machine und Memento hat er mir gut gefallen und jetzt das? Nichtsdestotrotz hat Clive Owen jedoch bereits in Shoot ‚Em Up bewiesen, dass auch ein eher dümmlicher Actionfilm unglaublich viel Spaß machen kann. Und wer sonst außer Luc Besson sollte sowas hier produzieren?

Snow (Guy Pearce) sitzt in der Klemme. Der Ex-CIA-Agent wurde bei einer Datenübergabe hinters Licht geführt und soll nun 30 Jahre lang in einem Hochsicherheitsgefängnis im All sein Dasein fristen. Da trifft es sich gut, dass nach einer Revolte die Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) als Geisel genommen wird und der großmäulige Snow als Einmannarmee die gute Frau befreien soll. Problematisch sind jedoch die gut 500 ziemlich psychotischen Gefangenen, die ihren Frost-Tiefschlaf alles andere als nett empfunden haben.

Gleich die erste Szene verdeutlicht, wer Snow ist: ein exzentrisches Arschloch, das in seiner Coolness auf alles und jeden scheißt. Im Grunde verarscht er jede einzelne Person, die ihm begegnet und hat auch noch Spaß dabei. Im Sekundentakt fallen ihm schlaue Sprüche ein, die sein Leben nicht unbedingt einfacher machen. Trotzdem bleibt Snow immer Herr der Lage und sorgt so, zumindest in der ersten Hälfte des Films, für ordentliche Unterhaltung. Die hohe Frequenz und die Konsequenz seines Dummgelabers ist so dermaßen over the top, dass er mir tatsächlich sympathisch wird, trotz oder gerade wegen der für Guy Pearce ungewohnten Rolle. Man merkt auch, dass dem Kerl dieser Film vermutlich eine gehörige Portion Spaß bereitet hat.

Allerdings hält sich diese Atmosphäre nicht sehr lange. In der zweiten Hälfte bekommt das Präsidententöchterchen immer mehr zu sagen, was dem Film überhaupt nicht gut bekommt. Denn Emilie ist leider nicht mehr als ein naiver Klotz am Bein unseres eigentlichen Helden. Da will sie unbedingt die anderen Geiseln retten, obwohl ihr doch extra davon abgeraten wurde. Und auf einmal predigt sie Moral, ohne dabei irgendwie große Dankbarkeit für ihren Retter zu zeigen. Emilie ist es auch, die ständig Probleme bereitet und dadurch völlig Fehl am Platz wirkt. Zwar soll sie dem Film so eine Art Botschaft verleihen bzw. den netten Menschen in Snow ansprechen, doch so treten die Schwächen von Lockout zu Tage.

Die Handlung wäre im Grunde akezptabel, wird aber zum Schluss hin zunehmend bemühter und unsinniger. Anstatt eines coolen Showdowns zwischen Snow und dem zahlreich vorhandenen Gefängnisgemüse erwartet einen bloß ein wenig Geballer hier und da. Mehr nicht. Da will die Regierung beispielsweise Kampfraumschiffe zum Space-Knast schicken, um es in die Luft zu jagen. Die meisten der Angreifer fliegen allerdings in die Luft, weil das Gefängnis ein Abwehrsystem besitzt. Warum müssen bitteschön so viele von den Guten dabei draufgehen? Hätte man das Gerät nicht von weitem aufs Korn nehmen können? Stattdessen wird Star Wars-mäßig erstmal durch den Weltraum gedüst, weil der Sprengsatz natürlich nur an einer bestimmten Stelle aufgetragen werden kann. Es entsteht der Eindruck, dass man auf Gedeih und Verderb unbedingt noch einen Fight im Kosmos einbauen wollte. Die Vorgeschichte um Snows Festnahme ist außerdem relativ einfach zu durchschauen und es stellt sich die Frage, warum der ansonsten so smarte Kerl da nicht von alleine auf die Lösung gekommen ist. Dass natürlich da noch ein Twist hineingeschmuggelt werden muss tut mir ehrlich gesagt ziemlich weh, weil dieser völlig unnötig ist und dem Film gar nichts gibt.

Im Gefängnis selber gibt es mit Alex (Vincent Regan) eigentlich einen ziemlich charismatischen Oberbösen, der aber keine Screentime bekommt und in der Mitte aus irgendeinem Grund eine ganze Weile lang nicht auftaucht. Hier wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt, zumal man über das Raumschiff-Kommunikations-System noch den einen oder anderen guten Dialog zwischen den Protagonisten hätte einbauen können. So sind Snow und Emilie nicht viel mehr als sinnlos im Weltraum unterwegs. Stellenweise fühlte ich mich an Luc Bessons ‚Das fünfte Element‘ bzw. den ‚Transporter‘ erinnert, doch dafür mangelt es Lockout irgendwie an Seele. Zum Ende hin wirkt alles unrund und eilig zusammengeschustert. Besonders der finale Dialog ist dermaßen lächerlich und grenzdebil, dass man einfach mit einem negativen Gefühl entlassen wird. Das soll aber nicht heißen, dass der Film nicht auch ein paar nette Szenen hat. Die sieht man jedoch lustigerweise alle im Trailer, der mir ja eigentlich nicht gefallen hat. Außerdem macht es Shoot ‚Em Up einfach besser, weil man den Helden nicht unnötig vermenschlicht. Michael Bay-Freunde werden vermutlich mit Lockout trotzdem 95 Minuten lang hohlen Spaß haben, der Rest erfreut sich an Clive Owen, Jason Statham oder Danny Trejo.

Regie: James Mather (Adam & Paul, Prey Alone), Stephen St. Leger (Prey Alone)

Schauspieler: Guy Pearce, Maggie Grace, Peter Stormare, Vincent Regan

Bewertung: 

Underworld: Awakening (2012)

Seit Twilight haben Vampire einen schweren Stand. Die früher furchterregenden Kreaturen der Nacht sind heute nicht viel mehr als der fleischgewordene Traum pubertierender Gören mit einem Faible für Stalker, die in diesem Fall zugegebenermaßen sehr anmutig in der Sonne funkeln. Dass der wenig männliche Eindruck mit weiteren Genre-Ablegern à la Vampire Diarrhea selbst Rainbow Dash wie einen superbrutalen Cartoon-Charakter aussehen lässt, ist weitreichend bekannt. Doch vor lauter Tränen über unsere verlorenen Blutsauger-Freunde vergisst man manchmal, dass es da noch die Kehrseite der Medaille gibt. Vor gar nicht allzu langer Zeit streifte noch der Daywalker alias Blade durch die Straßen und sorgte für ordentliche Kopfschmerzen unter Vampiren. Da Herr Snipes aber noch bis Mitte 2013 im Knast abhängt, müssen andere Leute für Action sorgen: Selene!

Im vierten Teil der Underworld-Reihe muss die mächtige Vampirin Selene (Kate Beckinsale) feststellen, dass sie ganze 12 Jahre von einer bösen Biofirma eingefroren wurde und nun eine Tochter hat, die irgendwie aus ihrer Beziehung zum Hybriden Michael genetisch hervorgeht. Damit ist die junge Eve irgendwie Werwölfin und Vampirin zugleich, nur voll krasser. Mutter und Kind können auch irgendwie teilweise sehen was der andere gerade sieht, weil sie so miteinander verbunden sind oder so. In Selenes Abwesenheit haben die normalen Menschen eine Art Genozid an allen Vampiren und Lykanern (also Werwölfen) durchgeführt und nur wenige Kreaturen sind übrig. Dann tauchen doch noch ein paar Wölfchen auf, wobei unsere Helden erschrocken feststellen müssen, dass ein Bello scheinbar in einen Topf voller Steroide gefallen ist.

Die Handlung ist unheimlich belang- und sinnlos. Ich wüsste auch nicht so Recht, was Fans der Reihe darin so Tolles sehen könnten. Selene ist im Grunde das, was passiert, wenn man Trinity (Matrix) und Beatrix Kiddo (Kill Bill) miteinander kreuzt. Die Frau trägt permanent ihr Lederoutfit und wird nach längerem Koma mit einem Kind „gesegnet“. Dann verprügelt und tötet sie ganz viele Menschen, ohne dabei auch nur ein einziges mal mit der Wimper zu zucken. Die Kampfszenen könnten genauso auch aus einem der Resident Evil-Filme sein, so wie auch die Handlung. Die Bösen sind die Lykaner, wobei die Halb-Wolf-Halb-Vollidioten ihre Ausrottung verdient hätten. Das, was als so ungemein ausgeklügelter böser Plan hier verkauft wird, ist sowas von fernab jeglichen Sinns, dass ich das hier auch einfach nicht spoilern will oder kann.

Besonders verstörend empfand ich eine Szene am Anfang des Films. Hier wird Selene am Hafen von der Polizei beschossen. Sie rennt auf ihren Lover Michael zu, der daraufhin auch den Gewehrsalven ausgesetzt ist. Was macht er in dieser so unglaublich bedrohlichen Situation? Er reißt sich das Shirt vom Leib und genießt, an der selben Stelle weiterstehend, den Kugelhagel, während er sich in was-auch-immer verwandelt. Dann explodiert irgendwie irgendwas und beide sind unter Wasser mit noch mehr Beschuss und einer krassen Bombe. Sowas entzieht sich dann meinem Verständnis. Hatte man kein Geld oder was? Hätte der Typ nicht wenigstens ein wenig so tun können, als ob das echte Patronen waren?

Der Rest ist dann das reinste Déjà-vu-Erlebnis. Ob Matrix, Resident Evil oder American Beauty. American Beauty? American Beauty! In einer kleinen und kurzen Nebenrolle sehen wir den Typen, der damals Kevin Spacey Dope verkaufte und der Plastiktüte beim Rumfliegen zusah. Karrierefördernd würde ich Underworld: Awakening allerdings nicht gerade nennen. Dafür stimmt hier einfach gar nichts. Kate Beckinsales Rolle ist unterkühlt und absolut unsympathisch und alle anderen sind völlig egal. Die Kämpfe gibt es schon anderswo und besser und ich kann mich einfach nicht so recht mit dem Aussehen der Wölfe anfreunden, wobei das natürlich Ansichtssache ist. Nicht mal Harry Potter hatte einen ‚guten‘ Werwolf anzubieten.

Problematisch ist, dass mir die ersten beiden Underworld-Teile überhaupt nicht gefallen haben (den dritten habe ich leider verpasst). Und dieser Film ist im Grunde genau das Gleiche, nur eben noch schlechter. Ich finde Selene als Hauptcharakter auch vollkommen merkwürdig. Sie soll ja cool sein. Aber sie ist so unterkühlt, dass ich keine Sympathie empfinden kann, lediglich ein einziges mal im finalen Fight mit dem Steroid-Wolf kam so etwas wie Verbundenheit auf. Blade hat in seiner Coolness und seinem tollen Schwert halt noch eine Schippe Style mitgebracht. Und eine brauchbare Comic-Vorlage. Aber es soll ja auch Leute geben, die Mila Jovovich im Resident Evil-Franchise feiern.

Ich kann jedem von diesem eineinhalb Stunden langen Style-Blödsinn abraten, zumal es auch verdammt gute Vampir-Filme gibt. Daybreakers fand ich gelungen, der erste Blade-Film ist auch ganz brauchbar und manch einer da draußen munkelt, dass From Dusk Till Dawn wunderbar ist. So wie Underworld: Awakening endet, wird es wohl noch eine oder mehrere Fortsetzungen geben. Dann kann sich Selene mit Alice (Resident Evil) um den Titel der ausgelutschtesten Filmreihe streiten.

Regie: Måns Mårlind, Björn Stein (schwedisches TV vorher)

Schauspieler: Kate Beckinsale, Stephen Rea, Michael Ealy, Wes Bentley (der aus American Beauty)

Bewertung: 

Harro Füllgrabe: Mission: Abenteuer – Als Extremsportler um die Welt (2011)

Es gab Zeiten, da kam Galileo noch einmal wöchentlich und war ziemlich gut. Fast so gut wie Welt der Wunder. Aiman Abdallah hat sich da noch nicht im lächerlichen Mystery-Ableger den Kopf über die Illuminaten zerbrochen und rein thematisch wurde man mit interessanten und ziemlich beeindruckenden Informationen in Staunen und Verzückung versetzt. Doch schließlich, irgendwann vor vielen Jahren, da wurde die Wissenssendung zum täglichen Format umgemodelt und plötzlich ging es um so Spannendes wie „Wie werden Kartoffeln hergestellt?“ oder „Seit wann gibt es die Waschmaschine?“. Einer der wenigen Lichtblicke der Sendung ist und bleibt dabei Harro Füllgrabe, der um die Welt reist und dabei allerlei abstruses Zeug macht.

Und genau darum geht es in seinem Buch. Hierin schildert Harro selber, was es mit seinen ganzen Reportagen auf sich hat und man erhält dabei einen gewissen Einblick hinter die Kulissen.  Episodenweise erleben wir, wie er einen Tag lang bei der Fremdenlegion auf Französisch-Guyana verbringt oder aus einem mir nicht erfindlichen Grund die braun-brühigen Wasser des Amazonas durchschwimmt. Sortiert sind die Storys nach Kontinenten und bleiben dabei meistens sehr kurz. Mit knapp 260 Seiten ist das Buch eher dünn, gewährt aber mit 29 Geschichten eine große Bandbreite an Erlebtem.

Gerade aufgrund der Kürze der Geschichten liest sich Mission: Abenteuer sehr leicht und man kann kreuz und quer ohne Reihenfolge einfach hindurchgehen. Besonders sympathisch dabei sind die Dinge, die man im Fernsehen eben nicht sieht. Dass beispielsweise jeder Reportage eine mitunter strapaziöse und logistisch anspruchsvolle Reise vorgeht oder dass eben nicht alles immer nach Plan verläuft. So ist der um die Welt reisende Reporter nicht immer zu beneiden, obwohl sein Job schon ziemlich cool und einfach mit wenig aus der normalen Berufs-Welt zu vergleichen ist.

Es verhält sich eigentlich ziemlich simpel. Wer Harro Füllgrabe kennt und sympathisch findet, der wird mit seinem Buch auch seine Freude haben. Alle anderen lassen lieber die Finger davon. Natürlich ist das hier kein tiefgründiges Werk, aber eine durchaus nette Lektüre für Zwischendurch. Mehr dann auch nicht. Aber trotzdem schafft es der Mann, auf zwei Seiten Abenteuer-Urlaub mehr Interesse zu wecken als eine Daniela Katzenberger in einem gesamten Buch. Mir hats gefallen und so manche Ortschaft und Begebenheit weckt  Fernweh und Reiselust in einem.

Bewertung: 

 

Silent Hill (2006)

Und wieder schlage ich vor lauter Vorfreude das Kapitel der Computerspieleverfilmungen auf. Moment, waren die nicht meistens ziemlich mies? Na klar! Da hätten wir hier auf dieser Seite bereits Doom, Resident Evil I, II, III, IV. Und die Reihe der nicht gelungenen Filmchen lässt sich mit Lara Croft I, II, Prince of Persia, Super Mario, Dead or Alive, Tekken, Street Fighter und so ziemlich allem von Uwe Boll auch eine ganze Weile fortsetzen. Heiliger Kuhmist, war Max Payne (mit Mark Wahlberg) blöd! Zu dem Thema gab es übrigens letztens auf GameOne einen 8 – (!!!!!!!) stündigen Podcast und als einziger Film gelobt wurde ‚Silent Hill‘. Here we go!

Rose (Radha Mitchell) und Christopher (Sean Bean) Da Silva haben ihre Tochter Sharon adoptiert. Diese leidet unter Alpträumen und schlafwandelt, wobei sie nebenbei Silent Hill erwähnt. Rose beschließt, mitsamt Töchterchen in die entlegene Geisterstadt zu fahren und so den Hintergründen für Sharons Ruhelosigkeit auf die Spur zu kommen. Im nebligen Dunst von Silent Hill verschwindet Sharon und so muss sich Rose mit Hilfe der Polizistin Cybil Benett (Laurie Holden) auf die Suche machen. Problematisch ist jedoch, dass alle paar Stunden, angekündigt durch eine Sirene, verstörende und blutrünstige Kreaturen auftauchen und den Frauen nach ihren Leben trachten. Und mit Kreaturen sind hier nicht etwa lustige Gremlins oder anderweitige Monster gemeint, sondern unheimlich fantasievolle Alptraum-Gestalten. Zum Beispiel gesichtslose Torsos mit Beinen oder eine zerfledderte und in Maschendraht gewickelte Leiche. Es ist schwierig zu beschreiben, aber es gibt kaum andere Filme, in denen die Widersacher so psychotisch und real erscheinen. Und so erfahren Rose und Cybil zunehmend mehr über die Hintergründe von Silent Hill und seinen Bewohnern, während Christopher sich auf die Suche nach Frau und Tochter begibt.

Ursprünglich wollte Regisseur Christphe Gans nur Frauen in der Handlung haben. Dass er das umschreiben musste, merkt man der Rolle von Sean Bean an, denn Christopher Da Silva ist merkwürdig deplatziert und fügt sich überhaupt nicht in die Handlung, die diesen Balast überhaupt nicht nötig hat. Man benutzt ihn zwar, um dem Zuschauer Verschnaufpausen vom Alptraum zu gewähren, dennoch fühlt er sich wie ein Fremdkörper an und streckt ‚Silent Hill‘ nur unnötig. Überhaupt ist der Horrorfilm mit gut zwei Stunden Laufzeit relativ lang, was dazu führt, dass sich die anfangs aufgebaute Spannung nicht bis komplett zum Ende hin trägt.

Das ist schade, weil der ganze Rest nämlich sehr stimmig und stilvoll ist. Die Hintergrundhandlung, die erst zum Ende hin klar wird, empfinde ich als schön schaurig und geradezu passend. Und noch nie habe ich gruseligere Figuren gesehen, denn weil man diese entmenschlichten Etwasse selber kaum begreift, fühlt man sehr gut mit der Hauptprotagonistin Rose mit.

Da ich die Spiele nie gespielt habe, kann ich leider keinen direkten Vergleich ziehen. Es sei nur so viel gesagt, dass es sehr viele Parallelen zum ersten Teil aus dem Jahre 1999 von Konamis Silent Hill-Reihe gibt, indem jedoch ein Mann die Hauptrolle innehat. Die Polizistin sowie die Suche nach der Tochter sind allerdings gleich. Außerdem benutzt der Film, ähnlich wie das Videospiel, teils außergewöhnliche Kamerafahrten und -Perspektiven. Das ist etwas, was Leuten, die das Spiel gespielt haben, vermutlich auf- und gefallen wird.

Letztendlich habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Trotzdem ist ‚Silent Hill‘ für jemanden wie mich, an dem die Spiele vorbeigegangen sind, nicht unbedingt ein erinnerungswürdiger Film. Ein netter Horror-Streifen ist das allemal und für Fans der Games wohl auch absolut emphelenswert. Und das soll ‚Silent Hill‘ auch sein: Ein Film für die Anhänger des ruhigen Dorfes. So haben die Resident Evil-Filme fast gar nichts mehr mit den Spielen zu tun. Das zeigt, dass hier jemand am Werke war, dem die Reihe am Herzen liegt und der nicht das Franchise in Hollywood-Manier ausbeuten wollte, oder zumindest nicht so gefühllos wie man es sonst erwarten würde.  Das ist ja auch schon mal was, obwohl es ein Sequel geben soll…

Regie: Christophe Gans (Der Pakt der Wölfe, Crying Freeman)

Schauspieler: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden

Bewertung: